Schluss mit Wachstum – Exkurs: Digitalisierung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist als Thema im allgemeinen Diskurs gleichzeitig omnipräsent und kommt praktisch nicht vor. Es geht zwar regelmäßig darum, der Wirtschaft die Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen, aber wenn über die Auswirkungen auf die abhängig beschäftigten gesprochen wird, unterstellt man gerne Panikmache. Eine Debatte, wie Digitalisierung unsere Arbeitswelt ähnlich wie die Transformation von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft auf den Kopf stellen wird, findet in der Politik kaum statt, geschweige denn ein Nachdenken darüber, wie wir unsere sozialen Sicherungssysteme, unsere Wertvorstellungen und unsere Ideen von der Verteilung von Arbeit und der Produkten daraus ändern müssen, damit hier nicht große Teile der Bevölkerung auf der Strecke bleiben.

Dieser Text ist deshalb als Exkurs Teil dieser Reihe, weil die Folgen der Digitalisierung unsere Vorstellungen von Wirtschaft und Erwerbstätigkeit ähnlich grundlegend erschüttern werden, wie es die Umstellung auf eine Wirtschaftsweise tun würde, die das Ökosystem nicht überfordern würde. Ohnehin erschüttern, könnte man sagen – denn wo es Politik, großen Teilen der Medien und der Bevölkerung nahezu undenkbar erscheint, den eigenen Lebensstil aktiv für mehr Umweltverträglichkeit umzustellen, rauscht man durch passives Nichtstun bisher recht unbesorgt den Verwerfungen entgegen, die eine umfassende Digitalisierung mit sich bringen wird.

Wenn über Digitalisierung und die eigenständige Arbeit von Maschinen gesprochen wird, geht es in der Diskussion heute vor allem um hochqualifizierte Tätigkeiten. Man fragt zum Beispiel, wo in der Medizin Stellen wegfallen werden (Antwort: In Fachbereichen, wo es vor allem um die Erkennung von Mustern geht, wie der Onkologie, vermutlich recht bald, in der Chirurgie vermutlich deutlich später) oder ob Algorithmen bald journalistische Texte oder selbst Prosa (besser) verfassen können, als ihre menschlichen Pendants.
Diese Themen haben ihre Berechtigung und sind auch teilweise durchaus aufschlussreich (dazu später mehr), aber die betreffen nur relativ kleine Bevölkerungsgruppen. Tatsächlich werden es aber vor allem die „normalen“ Bürojobs sein, die sehr bald und mit voller Wucht die Folgen der Digitalisierung zu spüren bekommen.

Wer schon mal eine Bewerbung in einem der moderneren Online-Portale genutzt hat, kennt das vielleicht: Man lädt seinen Lebenslauf als PDF-Datei hoch und auf den nächsten Seiten sind viele Felder bereits vor-ausgefüllt. Das System erkennt anhand von Schlüsselbegriffen, wo auf dem Dokument sich welche Information befindet und das relativ zuverlässig und korrekt.
Ähnliches wird man sehr bald in vielen kaufmännischen Berufen erleben. Gerade einfache Tätigkeiten, wie das Erfassen von Aufträgen, Datenpflege und Datenübertragung zwischen verschiedenen Systemen wird in naher Zukunft durch Software und Schnittstellen erfolgen. Noch dazu gehen schon heute immer mehr Firmen dazu über, den Kunden die Parameter seines Auftrags über Eingabemasken selbst einpflegen zu lassen.
Tätigkeiten wie diese sind zeitintensiv und machen in nicht wenigen Jobs einen wesentlichen Teil der Arbeitszeit aus. Und selbst anspruchsvollere Tätigkeiten, für die kein Detailwissen oder eine Transferleistung wie die Interpretation von Informationen und Daten nötig ist, werden bald auch von der KI auszuführbar sein.

Grundsätzlich kann man sagen: Die Stärke von KI ist es, viele Informationen schnell zu erfassen, zu Verarbeiten und zu übertragen. Sie kann Muster relativ gut erkennen und auch aus unterschiedlichen Layouts bestimmte Informationen filtern (oder eben einen bösartigen Tumor auf einem Röntgenbild erkennen). Worin Maschinen bisher relativ schlecht sind, ist die Manipulation der physischen Welt. Das klingt zunächst vielleicht konterintuitiv, wenn man an die Robotisierung der Industrie denkt, aber tatsächlich funktionieren diese Maschinen nur, wenn man ihnen das Objekt ihres Prozesses an einem genau bestimmten Platz exakt auf den korrekten Winkel ausgerichtet bereitlegt. Aus einem unordentlichen Werkzeugkoffer einen 10er-Schlüssel heraus zu fischen oder statt Schach zu spielen (was Software heute besser kann, als jeder Mensch) die Figuren aus einem Eimer mit anderen Gegenständen heraus zu suchen und korrekt aufzustellen, übersteigt die Fähigkeiten aber (noch).

Jetzt kann man auf der individuellen Ebene schließen, dass eine Ausbildung im Handwerk mittelfristig deutlich sicherer sein dürfte, als so manches Studium, die Schwestern und Pfleger sicherer als mancher Arzt und die Lagerarbeiter in einer Spedition sicherer als Speditionskaufleute. Gesamtgesellschaftlich rollte hier aber eine Welle auf uns zu, die eine Anzahl an Menschen für die Wirtschaft überflüssig machen wird, in einem Ausmaß, das die letzten Transformationen vermutlich deutlich übertreffen wird. Es wird viel mehr Menschen treffen, die überhaupt nicht damit rechnen und bei denen auch unsere Gesellschaft nicht damit rechnet, weil sie ja „etwas Vernünftiges gelernt haben“.
Schon heute, in Zeiten des angeblichen „Fachkräftemangels“ sind Weiterbildung, Umschulung oder Quereinstieg in vielen Firmen und ganzen Branchen noch Fremdwörter und wenn, dann hat der Staat dafür zu sorgen, dass der perfekte Kandidat frei Haus geliefert wird und nicht etwa die Wirtschaft selbst zu investieren. Wie wird es dann erst gehen, wenn die Zahl der für die Arbeit benötigten Personen drastisch sinken wird, während die Zahl der Arbeitsfähigen Personen gleich bleibt oder deutlich langsamer sinkt?

Die Digitalisierung wird unsere Vorstellung von Erwerbstätigkeit, in der die Mehrheit der Menschen in einem Vollzeitjob arbeitet, ad acta legen, wen wir vermeiden wollen, dass große Anteile der Bevölkerung in der Arbeitswelt einfach nicht mehr benötigt und aussortiert werden. (Sicher, es werden auch neue Jobs entstehen, aber wir brauchen nicht Millionen von Programmierern und es kann nicht der komplette Rest 40 Stunden die Woche putzen oder Pakete ausfahren.)
Wenn wir ohnehin schon anfangen werden müssen, uns zu überlegen, wie wir die noch vorhandene Arbeit und die Produkte daraus in der Bevölkerung verteilen und unser gesamtes Wirtschaften neu ausrichten müssen, dann wäre das eine gute Gelegenheit, einen weiteren nicht weniger notwendigen Parameter zu berücksichtigen.

Auch die Adaption an die Digitalisierung wird zu spät kommen und mit großen Verwerfungen einhergehen. Wenn wir rechtzeitig anfangen wollten, unsere Lebensweise, Arbeitswelt und die sozialen Sicherungssysteme auf diesen Tornado vorzubereiten, müssten wir gestern damit angefangen haben. Tatsächlich aber verweigern große Teile der Politik, auch nur über mögliche Maßnahmen (etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen, Verkürzung von Arbeitszeiten etc.) nachzudenken.
Im Gegensatz zur ökologischen Wende wird die Digitalisierung aber von der Wirtschaft aktiv voran getrieben werden (zumindest bis zu dem Punkt, an dem man feststellt, dass die Absätze einbrechen, weil alle anderen Akteure den gleichen Weg gehen und plötzlich deutlich weniger Menschen Geld zum ausgeben haben). Wir werden also nicht, wie bei den Themen Umwelt und Klima, jahrzehntelang herumeiern, weil die Folgen irgendwie vage bleiben und die Regionen, die am meisten zum Problem beitragen, ironischerweise recht spät betreffen, während denen, die gar nicht mitfeiern durften, zuerst die Rechnung für die Party präsentiert wird.

Die Chance könnte also darin liegen, dass die Digitalisierung unserer Wirtschaftsordnung den Rest gibt, bevor es Klimawandel und Umweltzerstörung tun und solange auf diesen Feldern vielleicht sogar noch etwas getan werden kann.

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  • Stefan Sasse 7. Dezember 2019, 08:26

    Ich bin anders als du vorsichtig optimistisch. Untergangsszenarien wie das obige begleiteten bisher noch jede technische Neuerung, und es entstanden jedes Mal neue Jobs. Es gibt eine Tonne Reibungsverluste sicher – die Leute, die Jobs verlieren, sind selten die, die die neuen bekommen – aber die Wirtschaft und Gesellschaft selbst haben es überstanden. Natürlich kann es sein, dass „Dieses Mal alles anders“ ™ ist, aber ich bin skeptisch. Wie viele Wirtschaftswissenschaftler und ITler, die sich mit dem Thema befassen, auch.

    • TBeermann 7. Dezember 2019, 09:52

      Es ist eigentlich gar kein Untergangsszenario. Darin würden gigantische Chancen liegen, wenn wir endlich von diesem Arbeitsfetisch wegkommen. In diese Richtung hat ja schon Kaynes gedacht, als er vorhersagte, dass die Menschheit sich in ein bis zwei Generationen auf einem sehr komfortablen Lebensstandard konsolidieren könnte und jeder sehr viel weniger dafür arbeiten müsste.

      Das ist aber nicht passiert. Stattdessen haben wir uns zahllose neue (oft vollkommen überflüssige) Jobs und Produkte ausgedacht, um die Leute beschäftigt zu halten und damit zu rechtfertigen, dass sie konsumieren dürfen.
      Und klar, damit könnte man erstmal noch ein Bisschen weiter machen. Wie das aussehe wird, kann man heute schon erahnen. Statt einigermaßen stabiler Arbeitsverhältnisse kommt der „Contractor“. Wenig soziale Absicherung, immer auf Abruf und jeder konkurriert mit jedem. Uber, private Paketzusteller für Amazon, große Teile der Kreativbranchen aber auch schon eigentlich „normale“ Jobs in der Kundenbetreuung sind da die ersten Beispiele.

      Nur: Das muss halt nicht so kommen. Wenn wir uns endlich trauen würden, das Wirtschaftssystem grundsätzlich in Frage zu stellen, könnten wir alle (global) sehr viel mehr vom Leben haben.

      • Stefan Sasse 7. Dezember 2019, 12:45

        Im aktuellen ökopolitischen System ist das unvorstellbar.

        • TBeermann 7. Dezember 2019, 12:56

          Das ist richtig, aber das ist letztendlich auch der Kern dieser Reihe. Das aktuelle Wirtschaftssystem hat nie für mehr als einen Bruchteil der Weltbevölkerung funktioniert und das nur auf kosten der restlichen Menschheit und auf Kosten des Ökosystems.

          Und was aktuell aussieht, als würde der Kapitalismus endlich auch für Schwellenländer funktionieren, ist eine Verlagerung aus den alten Industrienationen, die zum einen wiederum hier zu Verwerfungen führt (und durch Mechanisierung und Digitalisierung vermutlich mindestens in Teilen auch bald rückgängig gemacht wird) und die Hypothek auf der Umwelt-Seite immer weiter erhöht.

    • Rauschi 7. Dezember 2019, 10:36

      Es gibt eine Tonne Reibungsverluste sicher – die Leute, die Jobs verlieren, sind selten die, die die neuen bekommen – aber die Wirtschaft und Gesellschaft selbst haben es überstanden.
      Das könnte auch von einem sogenannten Klimaskeptiker kommen, die meinen auch alle, der Mensch hätte sich bislang an alles angepasst, der käme auch mit höheren Temperaturen klar.
      Ich dene, nciht, das wir schon etwas vergleichbares erlebt haben wie das, was mit der Digitalisierung einhergeht.
      Vor allem ist die alles entscheidene frage:
      Wie übersteht die Gesellschaft das? Was für eine Gesellschaft iwrd das dann? Wenn der rechtsruck Dir jetzt schon Angst macht, was soll dann werden, wenn 40% der Jobs wegfallen und damit die Lebensgrundlage der Menschen? Meinst Du, dann bliebe die AfD bei 24%?
      Ich nicht.
      Vor allem zerstört sich die Wirtschaft damit am Ende selbst, denn die menschenlose Produktion lohnt ja nur bei grossen Stückzahlen. Wenn aber die Kunden mangels Einkommen weg fallen, ist das Geschäftsmodell im Eimer.

      • Stefan Sasse 7. Dezember 2019, 12:46

        Wir haben eine wahnsinnige Automatisierungswelle in den 1980er Jahren auch ziemlich stressfrei überstanden. Wenn Thorsten Recht hat, dann haben wir keine Chance und deine Bedenken treten ein. Aber wenn nicht, dann nicht. Und gäbe es für die Auswirkungen der Digitalisierung einen 97%-Konsens unter den betroffenen Wissenschaftlern, würde ich mir auch wesentlich mehr Sorgen machen. Aber den gibt es halt nicht.

        • TBeermann 7. Dezember 2019, 13:14

          Jein. Diese Automatisierungswelle hat eine Schicht von Abgehängten produziert, die früher relativ simple körperliche Arbeiten erledigt hätte und heute entweder nicht mehr gebraucht wird oder in ein Dienstleistungsproletaritat übergegangen ist (den Niedriglohnsektor, auf den Schröder so stolz war).
          Klar, wirklich (komplett) abgestürzt ist „nur“ eine relativ kleine einstellige Prozentzahl, aber wenn du dir anschaust, wie schon das die Gesellschaft destabilisiert hat und die Solidarität erodiert ist, was passiert dann, wenn es wirklich mal 15 oder 25 % betrifft?

          Was die positiven Vorhersagen betrifft, finde ich die immer extrem vage. Ich hab noch nicht eine auch nur ansatzweise konkrete Idee gelesen, wie diese „neuen Jobs“ denn aussehen sollen.
          Nach der letzten Welle, haben wir viele Jobs durch unnötige Dienstleistungen und vor allem eine Multiplikation der internen Verwaltungsaufgaben geschaffen. (Wer mal in einem ISO-zertifizierten Betrieb gearbeitet hat, weiß wie es ist, mehr Zeit für die Dokumentation der Arbeit aufzuwenden, als für die eigentliche Tätigkeit) und die Arbeitsprozesse immer mehr Aufgestückelt. Wie soll die nächste Steigerung davon aussehen, die die Menschen nicht in den Wahnsinn treibt?

          Die andere Seite ist aber viel wichtiger: Ist das nötig? Wäre es nicht viel besser, die tatsächlich genutzten (und mit dem ökologischen Gleichgewicht vereinbaren) Produkte und Dienstleistungen mit so wenig Aufwand wie möglich herzustellen und die Zeit und Energie der Menschen für andere Dinge zu nutzen, seien es soziale Aufgaben oder einfach, ihren Neigungen zu folgen?

          • Stefan Sasse 7. Dezember 2019, 22:36

            Erneut, im aktuellen System unmöglich, und ich müsste erst eines sehen, in dem das funktionieren soll.

            • Rauschi 9. Dezember 2019, 08:18

              Erneut, im aktuellen System unmöglich, und ich müsste erst eines sehen, in dem das funktionieren soll.
              Weil das aktuelle System so super funktioniert, oder würde das bei einer Aussenbetrachtung auch durchfallen?

              Dann dürfte das Kriterium ja maximal sein: Es muss besser sein als das aktuelle. Das ist Kreislauf auf jeden Fall, das ist auch theoretisch schon durchgespielt.
              Es stellt sich nur die Frage, wie kommen wir von hier nach da und wer das nicht mal denken will, mit dem muss doch keiner Systemfrage diskutieren, hat sich erledigt.

              • Stefan Sasse 9. Dezember 2019, 11:22

                Das ist mein Punkt. Du kannst nicht sagen, wir müssen die Arbeit umverteilen und massiv reduzieren ohne die Systemfrage zu stellen. Das lässt sich nur zusammen denken.

                • Rauschi 9. Dezember 2019, 11:57

                  Und deswegen sollte man es nicht tun?

        • Ralf 7. Dezember 2019, 15:16

          Wir haben eine wahnsinnige Automatisierungswelle in den 1980er Jahren auch ziemlich stressfrei überstanden.

          Du solltest solch offensichtlich ironische Aussagen mit einem lachenden Smiley markieren, sonst glauben die Leute noch, Du meinst das ernst. So zum Beispiel könntest Du das weniger verwirrend formulieren:

          Wie aus den Zahlen unten hervorgeht, haben wir eine wahnsinnige Automatisierungswelle in den 1980er Jahren auch ziemlich stressfrei überstanden … *hahaha* … *lol* … 😀

          http://www.bpb.de/system/files/SOZ_07_01-05-png.png

          • Stefan Sasse 7. Dezember 2019, 22:38

            Ich meinte das auf die Gesamtgesellschaft bezogen. Für die Betroffenen ist Strukturwandel IMMER katastrophal. Aber wenn du die damaligen apokalyptischen Szenarien für die Automatisierung mit dem realen Resultat vergleichst, sehe ich der Digitalisierung etwas entspannter entgegen.

            • Ralf 7. Dezember 2019, 23:22

              Was meinst Du mit „die Betroffenen“? Ich frage, weil ja nicht nur die am Peak 5 Millionen Arbeitslosen, fast 10% der arbeitsfähigen Bevölkerung, betroffen waren. Es gab doch niemandem mehr in Deutschland, der nicht in der Familie einen Arbeitslosen hatte. Und andersrum betrachtet: Diese Arbeitslosen hatten doch auch meist Familien. Selbst wenn z.B. die Ehefrau noch ein Einkommen hatte und nur ein Partner arbeitslos wurde, verringerte sich die wirtschaftliche Lage der Familie dramatisch. Auch mit Folgen für die Kinder. Und Ältere, selbst wenn sie bereits Rentner waren, unterstützten vielfach ihre arbeitslosen Kinder, wodurch sich wiederum ihr eigener Stand verringerte. Und so weiter. Kurzum, die wirtschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit haben nicht nur die „direkt Betroffenen“ gespürt.

              Und selbst wenn damals irgendwer wirklich überhaupt keinen Arbeitslosen persönlich kannte, was es praktisch nicht gegeben haben dürfte, dann war auch der durch die Arbeitslosenkrise betroffen. Der deutsche Haushalt wurde z.B. durch die zunehmenden Sozialleistungen ruiniert und unser aller Schulden häuften sich katastrophal an – dramatisch über dem Level der Inflation:

              https://de.statista.com/statistik/daten/studie/154798/umfrage/deutsche-staatsverschuldung-seit-2003/

              Was das bedeutet ist, dass auch die „Unbetroffenen“ betroffen waren, weil plötzlich kein Geld mehr da war um Straßen auszubessern, Schulen zu renovieren, Krankenhäuser zu finanzieren etc.. Dafür stiegen die Zinszahlungen. Die Folge der staatlichen Verlustwirtschaft war unter anderem eine Privatisierungswelle, die unser Gemeinschaftseigentum ausverkaufte und unsere Lebensqualität senkte. Eine andere Folge waren wegbrechende Zukunftsinvestitionen und damit die desolate Infrastruktur, die wir heute beklagen. Und mit jeder weiteren Ausweitung der Krise kippte die Stimmung in der Gesellschaft ein Stückchen weiter. Mit jeder weiteren Ausweitung der Krise wurden die Menschen ein Stückchen empfänglicher für die Hetze von BILD und Co gegen die Verlierer, gegen die Schwächsten in unserer Gemeinschaft. Am Ende stand die Eiseskälte der Hartz IV-Politik, die eine Volkspartei in den Abgrund riss und schließlich den Boden bereitete für den Einzug von Nationalsozialisten in den Bundestag und 16 Länderparlamente, in Stärken bis zu 25%.

              Fazit: Wir ALLE waren und sind unmittelbar und schwer betroffen von der Automatisierungs-/Rationalisierungs-/Globalisierungskatastrophe seit den 80er Jahren.

              • Stefan Sasse 8. Dezember 2019, 21:13

                Nun, ich bin in der Zeit aufgewachsen. Ich komme aus einem Arbeiterhaushalt, auch der Rest der Familie sind Arbeiterhaushalte. Bin der erste, der studiert hat. Keine Arbeitslosen in Familie, keine in Bekanntenkreis. Möglicherweise ist meine Wahrnehmung verzerrt, keine Frage. Aber es ist keine verallgemeinbare Erfahrung.

                • CitizenK 10. Dezember 2019, 20:57

                  Gilt für BW, speziell Großraum Stuttgart.

  • Ralf 7. Dezember 2019, 15:08

    Tatsächlich aber verweigern große Teile der Politik, auch nur über mögliche Maßnahmen (etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen, Verkürzung von Arbeitszeiten etc.) nachzudenken.

    Danke zunächst mal für den Artikel. Ich teile Deinen Pessimismus, was die heranziehende Katastrophe angeht. Was ich nicht teile, sind Deine Lösungsansätze. Und ich halte die Digitalisierungskrise auch nicht für per se alternativlos. Vielmehr werden die westlichen Gesellschaften selber darüber entscheiden, ob die Katastrophe kommt oder nicht.

    Nun zu den Lösungsansätzen. Lösen (im Sinne des Schützens von Arbeitsplätzen) könnte man die Krise, indem man die Digitalisierung reguliert und gewisse Ausprägungen der Digitalisierung schlicht verbietet. So ist der Bundesstaat New Jersey in den bekanntermaßen linksradikalen USA z.B. nicht untergegangen, als zum Schutz von Tankwarten ein Gesetz erlassen wurde, dass Selbstbedienungszapfsäulen verbot. Ebenso wenig würde Deutschland untergehen, wenn hierzulande selbstfahrende Autos verboten würden bzw. wenn eine Vorschrift erlassen würde, dass auch selbstfahrende Autos immer einen menschlichen Chauffeur an Bord haben müssen. Die Folgen eines solchen relativ einfachen Gesetzes wären dramatisch. Alleine in Deutschland gibt es mehr als 540.000 Berufskraftfahrer im Güterverkehr, also Taxifahrer, Busfahrer bis hin zum Pizzalieferanten etc. noch nicht einmal eingerechnet. Die apokalyptischen Arbeitsplatzverluste und das damit verbundene Leid und Elend der Betroffenen, die hier mit einem winzigen Eingriff so kinderleicht vermieden werden könnten, kann man sich kaum vorstellen.

    Was hingegen keine Lösung ist, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen. Und zwar deshalb nicht, weil die zugrundeliegende Annahme, dass die Menschen ohne Arbeit glücklich sein werden und endlich all das machen werden, was sie immer schon tun wollten, wofür ihnen aber bisher die Zeit fehlte, fundamental realitätsfern ist. Woher ich das weiß? Aus meinen Erfahrungen mit alten Menschen, viele davon noch durchaus rüstig. Die haben doch alle Zeit der Welt und die meisten sind auch wirtschaftlich ausreichend versorgt. Die könnten doch jetzt mit voller Kraft loslegen. Endlich mal Finnisch lernen. Ein Studium beginnen. Ein Ehrenamt ausüben. Mit Freunden treffen. Bis auf einen kümmerlich winzigen Anteil tut das allerdings kaum einer. Was die Mehrheit der Alten stattdessen tut? Unglücklich, vereinsamt zuhause auf der Couch sitzen. Gelangweilt. Durch’s Fernsehprogramm zappen. Auf den Tod warten. Wenn ich da früher z.B. als Zivildienstleistender einmal in der Woche vorbeischaute, waren die Menschen überglücklich. Endlich jemand, mit dem man reden kann. Endlich ein sozialer Kontakt. Endlich einer der zuhört.

    Ähnlich sieht es mit Arbeitslosen aus. Als ich als Kind Zeitungen in den sozialen Problemvierteln ausgetragen habe, begegneten mir die Bewohner da immer gleich: Ungewaschen, unrasiert, in der Jogginghose. Im Hintergrund lief der Fernseher. Kein Hinweis darauf, dass diese Menschen darauf brennen ein Ehrenamt anzunehmen oder eine neue Sprache zu lernen. Vielmehr deutete alles daraufhin, dass für die Betroffenen jeder Tag aus den sequentiellen Phasen „Schlafen“ und „Dahinexistieren“ bestand.

    Und daraus folgere ich, dass ein Leben ohne Arbeit nicht zu Glück und Zufriedenheit, sondern zu Verelendung, Vereinsamung und einem tiefen Gefühl des Nichtgebrauchtwerdens führt. Statt den im ungezügelten Kapitalismus überflüssigen Menschen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Abwrackprämie für ihr nicht weiter benötigtes Leben zu bezahlen, sollte man lieber Jobs schaffen, die diesen Menschen Sinn und Lebenszweck geben. Die Digitalisierung sollte man in diesem Sinne gesetzlich beschränken.

    • TBeermann 7. Dezember 2019, 16:19

      Ich kann die letzten Absätze gut nachvollziehen, halte sie aber für keinen zwingend gegebenen Naturzustand, der sich nicht ändern ließe.

      Fangen wir mit der Situation von heute an: Die 40-Stunden-Woche (oder auch die längere Arbeitszeiten in den Jahrzehnten davor) sind eine relativ junge Erfindung in der Menschheitsgeschichte. Aber wir haben unseren Lebensablauf komplett darauf ausgerichtet. Wer das „Erfolg“ hat, gewinnt Prestige, indem er seinen Konsum präsentiert.

      Das Problem ist, dass wir gar keine Strukturen (mehr) haben, mit denen man ohne großen Aufwand ein erfülltes Leben mit wenig Arbeit leben kann. Wenn ich einen Arbeitslosen als Beispiel nehme, wird dieser Person für viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung schlicht das Geld fehlen. Dazu kommt das soziale Stigma als zusätzliche Hürde.
      Oder nehmen wir den Rentner. Ich mache die Beobachtung, dass es dort seit einigen Jahren durchaus besser wird, zumindest bei denen, die finanziell versorgt und gesund genug sind, um Hobbys nachzugehen, aber natürlich fallen immer noch viele in ein Loch. Das ist ja auch kein Wunder, wenn man zwei Drittel seines Lebens den Großteil seiner wachen Zeit mit Lohnarbeit verbracht hat und sich nie die Strukturen aufgebaut hat, auf die man später zurückgreifen kann (und die wenigsten Menschen werden im Alter kontaktfreudiger oder finden leichter Freunde. (Dass wir seit einigen Generationen nur noch mit der Kernfamilie engeren Kontakt haben und die – oft aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten – weit verstreut lebt, macht es nicht einfacher).

      Genau da müsste man als Gesellschaft ansetzen. Übrigens möchte ich gerade nicht Menschen aufs Abstellgleis schieben. Deshalb plädiere ich immer wieder dafür, die nötige (und mit dem Ökosystem vereinbare) Arbeit so gleichmäßig wie möglich zu verteilen. Und dazu gehören auch Arbeiten, die bisher nicht oder kaum bezahlt werden, die aber für eine Gesellschaft wichtig sind und gerade in einer Gesellschaft, in der Lohnarbeit nicht den Kern des Daseins darstellt, noch wichtiger wären.

      • Ralf 7. Dezember 2019, 18:05

        Ich kann die letzten Absätze gut nachvollziehen, halte sie aber für keinen zwingend gegebenen Naturzustand, der sich nicht ändern ließe.

        Ich kann leider nicht erkennen, wie sich dieser Zustand in der Praxis ändern ließe. So werden z.B. durch die Digitalisierung zunächst vorwiegend Jobs aus dem mittleren Einkommenssegment wegfallen. Darunter, in der Unterschicht, sind die Hungerlöhne so pathologisch niedrig, dass auch die billigste Maschine noch teurer ist als der Niedriglöhner. Deshalb wird es noch etwas dauern bis das Armutssegment aus seinen Jobs verdrängt wird, obwohl die dazu notwendige Technik bereits heute existiert. Und oberhalb des mittleren Einkommenssegments sind die Tätigkeiten noch zu qualifiziert, als dass sie heutzutage durch Computer und Roboter ausreichend billig ersetzt werden könnten. Aber auch das wird kommen. Und es wird bald kommen. Hochkomplizierte chirurgische Eingriffe, nur weil Du das oben als Beispiel genannt hattest, werden dort wo es auf absolute Präzision ankommt, übrigens teilweise bereits heute von Maschinen und nicht mehr von Menschen durchgeführt.

        Am Ende werden also alle ihre Jobs verlieren. Aber der Mittelbau der Gesellschaft wird der erste sein, der geht. Und es wird schockartig passieren und wie eine Lawine über uns kommen. Den Freigesetzten wird dann nur das Ausweichen nach oben oder nach unten bleiben. Wobei ein Ausweichen nach oben in der Praxis natürlich unmöglich ist. Der Fernfahrer, der wegen selbstfahrenden LKWs seine Arbeit verloren hat, wird nicht zum Ingenieur, Astronom oder Programmierer weitergebildet werden. Also ist die einzig offene Richtung nach unten. Dort wo es nur noch deshalb Arbeit gibt, weil die Hungerlöhne unter den Produktions- und Betriebskosten für Maschinen liegen. Wenn Du da mehr Einkommen in diese Schichten transportieren willst, fallen diese Jobs also ebenfalls weg. Und langfristig fallen sie sowieso weg.

        Arbeit gleichmäßiger zu verteilen ist sicher begrenzt möglich und wird temporär vielleicht hier und da ein paar Menschen im Job halten. Aber es wird die Katastrophenlawine aus meiner Sicht nicht verhindern und noch nicht einmal merklich abmildern können. Wie oben bereits erwähnt werden durch die Digitalisierung z.B. alleine über eine halbe Million Stellen im Transportwesen wegfallen. Dazu viele Millionen Stellen in anderen Sektoren. Am Ende würde eine gleichmäßige Verteilung der Arbeit bedeuten, dass jeder nur noch zwei Stunden am Tag arbeitet. Dann nur noch eine Stunde. Dann nur noch eine halbe Stunde. Und dann garnicht mehr. Dazu apokalyptische Kosten für die Weiter- und Umbildung von Menschen für Jobs, in denen man sie nicht braucht. Am Ende wird man wie in der DDR fünf Arbeiter an eine Maschine stellen, für die ein einziger Bediener völlig ausreicht. Wie da Sinn und Lebensinhalt aus der Arbeit bezogen werden soll, ist mir nicht erklärlich.

        Und auch an dem weiteren sozialen Zerfall der Gesellschaft wird sich nicht viel ändern. Im Gegenteil. Hausgemeinschaften werden meiner Erfahrung nach im Trend der Zeit insgesamt anonymer. Familien brechen in einem Arbeitsmarkt, der geographisch für viele mittlerweile die gesamte EU umfasst, zunehmend auseinander. Tendenz steigend. Soziale Netzwerke im Internet ersetzen zunehmend menschliche Kontakte. Viele verlassen die eigene Wohnung nur noch zum Arbeiten und zum Einkaufen. Die Erotikindustrie entwickelt Sexroboter. Und in Japan werden Altenheime, wie ich kürzlich las, zunehmend mit Robotern statt mit Pflegern ausgestattet. Robotern, die dann auch mit den Patienten spielen und deren soziale Bedürfnisse abdecken sollen. Das ist im wesentlichen unsere Zukunft.

        Schöne neue Welt.

        • TBeermann 7. Dezember 2019, 18:51

          Du denkst die Situation aus unserem heutigen System heraus. Ich halte einen ähnlichen Verlauf, wie du ihn skizzierst, auch (leider) für nicht unwahrscheinlich. Das Thema Klima zeigt ja aktuell, wie unfähig wir als Gesellschaft und Spezies sind, über den Tellerrand zu schauen und wie wenig getan wird, um das Leben der Menschen zu verbessern, wenn dafür auch nur einen Hauch von den ausgetretenen Wegen abgewichen werden müsste.

          Aber ich halte einen anderen Ausgang für möglich, WENN man darauf hinarbeitet und das recht bald.

  • R.A. 8. Dezember 2019, 11:23

    Wenn man solche Artikel liest, kann man nostalgische Gefühle kriegen. Weil das im Kern dieselben Hiobsprognosen sind, da vor 20 oder 50 Jahren üblich waren (und davor wohl auch, das habe ich halt nicht miterlebt).

    „Digitalisierung“ ist letztlich nur der ganz gewohnte technische Fortschritt, der seit vielen Jahrzehnten die Arbeitswelt kontinuierlich verändert, alte Jobs überflüssig macht und neue schafft.
    Und die neuen Jobs sind fast immer besser als die alten weggefallenen, deswegen steigt ja auch der Wohlstand und den Leuten geht es besser als früher.

    Es gibt wirklich keinen Beleg für die These, daß dieser Fortschritt in den nächsten 20 Jahren anders funktionieren wird als vorher und plötzlich negative statt positive Folgen haben sollte.

    • Ralf 8. Dezember 2019, 12:12

      Es gibt wirklich keinen Beleg für die These, daß dieser Fortschritt in den nächsten 20 Jahren anders funktionieren wird als vorher und plötzlich negative statt positive Folgen haben sollte.

      So ziemlich alles deutet auf eine sich anbahnende Katastrophe hin, weil sich ein Schlüsselparameter dramatisch verschoben hat. In früheren Fortschrittsschüben sind zwar immer auch Jobs weggefallen und viele Betroffenen sind auf der Strecke geblieben. Aber insgesamt entstanden immer neue Arbeitsplätze, für die neue Arbeiter gebraucht wurden. Seit dem Rationalisierungswahnsinn beginnend in den Achtzigern ist es jedoch zum ersten Mal passiert, dass durch den Einsatz von Maschinen und Robotern tatsächlich die Zahl solider, vernünftig bezahlter Jobs gesunken ist. Auffangen konnte die Gesellschaft das nur, weil sie den Niedriglohnsektor ausgebaut hat, wo Menschen kaum noch von ihrem Einkommen leben können, aber wenigstens billiger sind als Maschinen. Die Billigkeit wurde zum Hauptvorteil der Menschen.

      Was jetzt als nächstes kommt, ist eine breite Verbilligung von Computer- und Robotertechnik. Eben wie immer, wenn sich ein Produkt am Markt in der Masse durchsetzt. Und diese Technik ersetzt nicht Arbeitskräfte in einem spezialisierten Feld, sondern ersetzt Arbeitskräfte quer durch alle Berufe. Computer rechnen schneller als wir. Computer treffen die besseren Entscheidungen als wir. Computer ermüden nicht, streiken nicht, werden nicht krank. Computer sind präziser als wir. Computer lernen effektiver als wir. Computer lernen z.B. gerade empathischer zu werden als wir. Und deswegen werden sie in der vollen Breite des Arbeitsmarkts menschliche Konkurrenten verdrängen. Ob Putzroboter, Kassierroboter, Fertigungsroboter, Sprachroboter, Chirurgieroboter, Steuerroboter oder Experimentierroboter (alles bereits Realität) oder Sexroboter, Pflegeroboter oder empathischer Zuhörroboter (im späten Stadium der Entwicklung), es gibt keinen Bereich mehr, der verschont wird. Es werden nicht mehr Arbeitsplätze in dieser oder in jener Nische bedroht. Sondern alle Arbeitsplätze werden bedroht. Und die Entwicklung der Technik ist extrem rasant, extrem erfolgreich und erschließt im Minutentakt neue Felder. Es wird nicht mehr lange dauern, bis es keine einzige Tätigkeit mehr auf diesem Planeten gibt, die ein Computer, eine Maschine, ein Roboter nicht besser und billiger als ein Mensch verrichten könnte.

      Und wenn Sie darin nicht ein fundamentales Problem für die Menschheit und ihre Perspektive auf der Erde erkennen, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen.

      • R.A. 9. Dezember 2019, 09:54

        „dass durch den Einsatz von Maschinen und Robotern tatsächlich die Zahl solider, vernünftig bezahlter Jobs gesunken ist.“
        Das ist schlicht falsch.
        Wir haben im Gegenteil deutlich mehr Jobs als vor 20 Jahren. Und zwar sowohl reguläre Jobs zum vollen Lohn wie zusätzlich noch Millionen neue geringfügige Beschäftigungen (in der Regel dazu verdienende Partner, die früher schlicht zu Hause geblieben sind).

        „Und deswegen werden sie in der vollen Breite des Arbeitsmarkts menschliche Konkurrenten verdrängen.“
        NICHT in der vollen Breite. Sondern – wie bisher auch – es werden im wesentlichen die wenig attraktiven Jobs verdrängt. Und das ist gut so.

        „Es wird nicht mehr lange dauern, bis es keine einzige Tätigkeit mehr auf diesem Planeten gibt, die ein Computer, eine Maschine, ein Roboter nicht besser und billiger als ein Mensch verrichten könnte.“
        Wie schon oben gesagt: Die üblichen Hiobsprognosen wie schon vor Jahrzehnten. Die haben sich nie auch nur im Ansatz erfüllt und die Entwicklungslinien der IT geben auch keine echten Belege her, daß sie in Zukunft wahr sein könnten.
        Sondern für jeden doofen Job, den eine Maschine übernimmt, wird Platz für einen neuen Job, den keine Maschine machen kann.

        • Stefan Sasse 9. Dezember 2019, 11:24

          Ist auch mein Eindruck. Klar, vielleicht täuschen wir uns dieses Mal, aber die Geschichte lässt da eher optimistisch drauf blicken.

  • CitizenK 8. Dezember 2019, 16:52

    „Computer lernen z.B. gerade empathischer zu werden als wir“

    Das ist nicht Dein Ernst?

    In den 7oern ging die Angst um: Lehrer werden ersetzt durch „Lernmaschinen“. Aus dieser Zeit ist mir der Satz in Erinnerung: A teacher who could be replaced by a machine, ought to.

    Ich bin mir auch sicher, dass der Hype um selbstfahrende Autos enge Grenzen sehen wird. Allein das dafür erforderliche 5G-Netz wird wegen der „harten“ Strahlung kaum kaum akzeptiert werden. Es wird bei Insel-Anwendungen bleiben.

    • Ralf 8. Dezember 2019, 17:01
    • Ralf 8. Dezember 2019, 18:05

      In den 7oern ging die Angst um: Lehrer werden ersetzt durch „Lernmaschinen“. Aus dieser Zeit ist mir der Satz in Erinnerung: A teacher who could be replaced by a machine, ought to.

      Nicht das beste Beispiel. Lehrer sind gerade dabei ersetzt zu werden. An der Universität, an der ich studiert habe, wurde z.B. bereits seit Anfang der Neunziger Jahre ein kompletter Einführungskurs per Video durchgeführt. Die Studenten saßen nur noch vor dem Bildschirm und drückten auf die Vorspul-, Rückspul- und Play-Taste. Keine Lehrkraft mehr anwesend. Heutzutage ist das Netz voller Lerninhalte. Während mein überachtzigjähriger Onkel noch Oldschool-Volkshochschulkurse mit einem echten, menschlichen Lehrer vor der Klasse besucht, um den Umgang mit Computern zu erlernen, habe ich meine letzte Programmiersprache z.B. über Udemy-Onlinekurse trainiert. Andere gehen zu den Kursen von LinkedIn. Oder bestellen sich Lehrinhalte auf DVD, etwa die „The Great Courses“-Serie. Immer mehr Hochschullernen verlagert sich auf’s Internet und die Zahl der Online-Colleges wächst.

      Um Kinder unterrichten zu können, braucht es zugegebenermaßen noch eine bessere Kommunikation der Maschinen. Auch da werden aber Riesenfortschritte gemacht. Wenn ich z.B. mit meiner Bank telefoniere, dann spreche ich nur noch mit einem Computer. Der Computer versteht, was ich sage, fasst mein Problem nach meiner Schilderung in eigenen Worten zusammen und bietet Lösungen an. Anfangs musste ich mich noch oft trotzdem mit einem menschlichen Bankangestellten verbinden lassen, weil mein Problem nicht ausreichend gut verstanden worden war. Aber das hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Ich erinnere mich garnicht mehr, wann ich das letzte Mal mit einem menschlichen Bankangestellten gesprochen habe.

      Gleichzeitig lernen Maschinen menschliche Mimik zu interpretieren, verstehen ob ein Kind fröhlich oder traurig ist und lernen entsprechend zu reagieren. Während Professoren als Lehrkräfte an Universitäten heute bereits weitestgehend ersetzbar sind, wird es bei Schullehrern noch ein bisschen dauern. Aber in zwanzig, dreißig Jahren wird man die Vorstellung, dass da mal ein Mensch vor der Tafel gestanden hat, genauso absurd finden, wie wir heute über die Verwendung von Grammophonen im vorangegangenen Jahrhundert lächeln.

      • CitizenK 9. Dezember 2019, 11:34

        Interessante Beispiele. Die Suizidgefahr-Prognose muss ich mir noch genauer anschauen.

        Das Erkennen von Emotionen in Mimik oder Stimme ist noch keine Empathie. Aber Du hast offenbar einen anderen Begriff davon. Aus dem verlinkten WELT-Artikel: „Er kann auch keine Hand halten und bei Trauer oder Kummer Trost spenden.“ Dass die alten Leute Spaß mit dem Roboter haben, ist schön. Auch Computerspiele oder WiiSports werden ja erfolgreich eingesetzt. Aber die mögliche Entlastung der Pflegekräfte wird den zu erwartenden Mangel allenfalls dämpfen, nicht beseitigen.

  • Sebastian 8. Dezember 2019, 18:44
    • TBeermann 8. Dezember 2019, 19:29

      Man kann sich mit diesem Thema sicher noch sehr viel intensiver und detaillierter beschäftigen, aber für diese Reihe sollte es nicht mehr als ein Exkurs sein.

  • Rauschi 13. Dezember 2019, 15:28

    Ob die Duckmäuserei in Bezug auf die Energieversorgung da Ihren Ursprung hat?

    Die Politik will das Wachstum beenden?

    Im Moment gilt wohl: Deutschland und die EU:
    Länder ohne Rückgrad, die sich von den USA die Energiepolitik vorschreiben lassen.

    • Stefan Sasse 13. Dezember 2019, 16:35

      Ja, ich denke auch dass eine Verschwörung „der Politik“ um „das Wachstum“ zu beenden die Erklärung ist.

      • Rauschi 15. Dezember 2019, 11:23

        Wer hart was von Verschwörung geschrieben?

        Hast Du eine sinnvolle Erklärung, warum uns irgendein Land vorschreiben sollen dürfte, von wem wir wleche Energie beziehen?

        Kritische Haltung ist hier nicht erkennbar, einfach eine Aussage ins lächerliche ziehen deutet auf mangelnde Bereitschaft, ernsthaft zu antworten.

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