Arbeiter gehen in den öffentlichen Dienst um Villen per Post an den Klimawandel zu schicken – Vermischtes 23.12.2019

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) Abschied von einem verpeilten Jahrzehnt

Beispiel Staat überhaupt: Im öffentlichen Dienst sind zwar ebenfalls allmählich wieder mehr Stellen geschaffen worden. Nur arbeiten beim Staat nach wie vor weniger Menschen als 2000, während die Wirtschaft seitdem kaum gewachsen ist und alles in allem in Deutschland heute gut zehn Prozent mehr Leute arbeiten als noch 2010. Und eben auch deutlich mehr Menschen überhaupt im Land leben. Da kümmern sich heute also weniger Beamte um deutlich mehr Bürger. Und weniger Bauarbeiter oder Handwerker um mehr Leute, die gern etwas gebaut oder repariert haben wollen. Ganz nebenbei: Im Handwerk werden heute fast fünf Prozent weniger junge Leute ausgebildet als 2013. […] Gemessen an dem, was vor Beginn der jetzt endenden Dekade erwartet wurde, dürften in zehn Jahren, also anno 2030, fast sechs Millionen mehr Menschen in Deutschland leben: Immer noch rund 83 statt der damals veranschlagten 77,4 Millionen. Da ist es jetzt höchste Zeit, sich vom Sparbrötchendogma zu verabschieden und in Deutschland so viel zu investieren, wie es der realen Entwicklung der vergangenen zehn Jahre angemessen ist. Da kann man schon mal die eine oder andere Bahnstrecke, Schule, Uni oder Gesundheitsanstalt noch zusätzlich bauen. (Thomas Fricke, SpiegelOnline)

Es ist auffällig, dass dies nicht nur ein Beispiel staatlicher Fehlplanung ist. Auch die Wirtschaft hat sich hier offensichtlich verkalkuliert. Das ist wenig verwunderlich; niemand konnte schließlich 2010 damit rechnen, dass die Bevölkerung derart zunehmen würde. Gleichzeitig stellt das natürlich etwas in Frage, wie planbar solche Entwicklungen überhaupt sind. Ich würde da gerne das große Fass aufmachen. Denn was ist denn, für Unternehmen oder Behörde, die Alternative? Nicht planen geht ja schließlich auch nicht. Man kann sich nur auf die bestmöglichen Prognosen verlassen, die es zu dem Zeitpunkt gibt, und ansonsten die Produktzyklen aushalten.

Das kann ziemlich unangenehm sein. Die deutschen Autobauer etwa leiden immer noch unter ihrer irregeleiteten Prognose, dass krasse Benzinschlucker das Nonplusultra bleiben und Investitionen in alternative Betriebsarten oder kleinere, weniger leistungsstarke Autos keine gute Idee sind. Ebenso leiden die Bundesländer unter der irregeleiteten Prognose, man werde nachhaltig weniger Kapazitäten brauchen. Im Falle des öffentlichen Dienstes ist das doppelt übel, weil der Raubbau bei den Kapazitäten sich nicht so einfach auffangen lässt wie in der Privatwirtschaft.

Die kann im Zweifel leichter und schneller auf Leute zugreifen, die die entsprechenden Fähigkeiten haben oder nachqualifizieren können, während der Staat die langwierig selbst ausbilden muss. Daimler kann Autobauer von Tesla abwerben, wenn es sein muss, aber wo wirbt die Stadt Wuppertal im Zweifel einen Experten für Wasserwirtschaft an? Niemand außer dem Staat hat diese Fähigkeiten je nachgefragt, weswegen der Öffentliche Dienst ja im Guten wie im Schlechten sein eigenes Ding ist.

2) Wie aus Anne Frank ein Kinderschreck gemacht wird

Das zeigt auch das jüngste Beispiel: Es geht dabei um die vom Gemeinderat beschlossene Umbenennung eines städtischen Kindergartens in „Anne-Frank-Kindergarten“. Die AfD stimmte als einzige dagegen. In der Kolumne in der „Stadtzeitung“ vom 4. Dezember brüstete sich Benner mit dem Fernbleiben bei der Feier zur Umbenennung. Seine Begründung: „Erstens hat der Name keinerlei Bezug zu Heilbronn. Zweitens werden ’unsere Sonnenscheine’ (Anm.: Damit sind wohl die Kindergartenkinder gemeint) schon im Vorschulalter mit den Tagebüchern einer vom Krieg betroffenen Frau konfrontiert.“ Anne Frank, das jüdische Mädchen, war keine „vom Krieg betroffene Frau“, sondern ein mit ihrer Familie von den Nazis verfolgtes, ermordetes Kind, ein „Sonnenschein“, ein Mädchen, das kurz vor Kriegsende im Alter von 14 Jahren im Lager Bergen-Belsen starb. […] Zu was AfD-Kreise auch in Bezug auf Anne Frank fähig sind, hat sich unter anderem vor zwei Jahren gezeigt. Damals postete ein Bäckerei-Angestellter in Wetzlar in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Die Patrioten“ – in dieser fanden sich auch AfD-Mandatsträger – eine Fotomontage von Anne Frank auf einer Pizzaschachtel mit dem Text: „Die Ofenfrische, locker und knusprig zugleich“. Er verlor den Job, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Der Beitrag erinnert auch daran, dass Michael Seher, ein anderer AfD-Stadtrat in Heilbronn, ungestraft auf gleicher geistiger und medialer Ebene den Widerstandskämpfer Graf Stauffenberg benutzen durfte, um ein Attentat auf die Bundeskanzlerin nahezulegen. Bis heute hat sich die Fraktion der AfD im Heilbronner Gemeinderat davon nicht distanziert. (Brigitte Fritz-Kador, Rhein-Neckar-Zeitung)

Und mit dieser Partei wollen manche CDU-Landesverbände eine Koalition eingehen. Nicht auszudenken, wenn die je Zugriff auf ein Kultusministerium kriegen. Die AfD ist wesentlich zu revisionistisch, wenn es um die Nazi-Vergangenheit geht, und eine echte Gefahr auf diesem Feld. Furchtbarer Laden. Die Argumente sind auch so schrecklich vorgeschoben. Ich bin selbst auf eine Anne-Frank-Grundschule gegangen; das Trauma blieb mir erspart. Aber eigentlich tut man der AfD schon mit dieser kurzen Widerlegung Unrecht; ihr geht es darum, das Andenken an den Holocaust zu minimieren oder ganz abzuschaffen. Es sind halt widerliche Rechtsextremisten, die den Kurs der Partei bestimmen.

3) Americans say they’re changing behaviors to help the environment – but is it making a difference?

One area where Americans have unquestionably reduced their environmental footprint is water use. About two-thirds (68%) say in our survey that they’ve reduced the amount of water they use for environmental reasons – and according to the U.S. Geological Survey, by and large they have. […] However (by this point you probably were anticipating a “however”), most water isn’t used by individuals. In 2015, the thermoelectric-power industry used 132.9 billion gallons per day, or 41% of the nation’s entire water use, in the cooling systems of power plants. Irrigation consumed 118 billion gallons per day, or 37% of total use. By contrast, residential water use (from public supplies and private wells) was about 26.6 billion gallons per day in 2015, or roughly 8% of total use. (Drew Desilver, Pew Research Center)

Hier kommen wir zum Kern der Idee, dass individuelle Verhaltensänderungen viel für den Klimawandel tun. Dass das allein nicht funktioniert ist ja eine (durchaus berechtigte) Kritik, die etwa Stefan Pietsch hier nicht zu betonen müde wird. Aber die andere Seite der Medaille ist halt, dass die größten Klimasünder die Unternehmen sind, ob es um Verschmutzung, Verbrauch wertvoller Ressourcen oder eben Emissionen geht. Jede Klimapolitik, die daher nicht mit harscher Regulierung an der Privatwirtschaft ansetzt, springt wohl immer zu kurz, wenn man dieser Logik folgt. Zumindest wäre mir nicht einleuchtend klar, warum die Tragik der Allmende sich urplötzlich ändern sollte.

4) Die Null steht

Wir sollten daher vielleicht keine weiteren Hoffnungen auf zukünftige Gipfel verschwenden. Von der Weltpolitik brauchen wir keine Veränderung zu erwarten, solange Staatsmänner wie Trump, Bolsonaro oder Morrison jeden legislatorischen Fortschritt zum Klimaschutz sabotieren oder sogar das Gegenteil fördern. Selbst in Deutschland, wo hunderttausende Menschen regelmäßig für mehr Klimaschutz demonstrieren und dieses Thema zu den wichtigsten in Wählerumfragen gehört, rafft sich die Regierung kaum zu wirklich weit reichenden Maßnahmen auf (siehe »Der Berg, der eine Maus gebar«). Aufgeben ist jedoch ebenfalls keine Option. Die Lösung könnten bilaterale Abkommen sein: Mit dem »Green Deal« hat die Europäische Union immerhin eine Idee vorgelegt, mit der sie bis 2050 klimaneutral werden will. Füllt sie diesen Plan bald mit Leben, kann er als Vorbild für andere große Wirtschaftsräume dienen. Unterstützung bekommt Europa sicher von kleinen Nationen wie Neuseeland oder Costa Rica, die schon heute ihre Energieversorgung auf null Emissionen umbauen. […] Immer noch ist Europa eine Wirtschaftsmacht und kann dies ausspielen. Als im Sommer Brasiliens Wälder brannten, reagierte Bolsonaro erst, als ihm Einschränkungen im internationalen Handel angedroht wurden. Und im September 2020 – und damit vor der Klimakonferenz von Glasgow – verhandeln die EU und China auch über den Klimaschutz. Klimaschützer erwarten sich hier ein positives Signal. Selbst die viel gescholtenen Märkte könnten den Klimaschutz voranbringen. In Europa ging die Energieerzeugung aus Kohle 2019 teilweise massiv zurück, auch dank des EU-Emissionshandels, der CO2-Emissionen bepreist. Schon moderat steigende Kosten sorgten dafür, dass Kohlekraftwerke stillgelegt werden. (Daniel Lingenhöhl, Spektrum)

Der aktuell zu beobachtende schleichende Tod des Freihandels – mit den Trump’schen USA und dem Johnson’schen Großbritannien brechen gerade ja zwei seiner bisher einflussreichsten Proponenten weg – könnte für den Klimawandel zu einer Chance werden, weil er Handelsmächten wie der EU erlauben könnte, zu verhängen was effektiv auf Klimasanktionen hinauslaufen würde: Strafzölle auf Produkte, die unter klimaschädlichen Bedingungen hergestellt werden, oder gar auf Länder, die sich dem Ganzen verweigern.

Hier könnte theoretisch den Konferenzen auch mehr Druck gegeben werden: Länder, die sich nicht an den Abkommen wie Madrid, Kopenhagen und Co beteiligen beziehungsweise die ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, werden an den europäischen Außengrenzen sanktioniert. Das Problem mit dieser charmanten Idee ist natürlich, dass wir uns damit einseitig Handelserschwernisse auferlegen würden, für die es (außer der Rettung der Menschheit…) keine direkte Gegenleistung gibt. Politisch ist das daher praktisch nicht durchsetzbar.

5) Wo die Villen weichen müssen

Wahrscheinlich wird es mehrere Hundert Millionen Euro kosten, die Häuser, Kindergärten, Hotels und Fußballplätze wieder instand zu setzen. Sorgen machen den Bewohnerinnen und Bewohnern inzwischen aber viel mehr die versiegelten Flächen: Nirgendwo sonst in Frankreich wurde so viel betoniert wie an der Côte-d’Azur. Eine Million Menschen leben in Zonen, die auf Karten als Überschwemmungsgebiete eingezeichnet sind. Diese Fehlplanung ist doppelt problematisch: Betroffene Häuser riskieren bei jedem Starkregen vollzulaufen. Und die Fläche fehlt, um das Wasser aufzusaugen. Denn abseits der trockenen und warmen Sommer sind die Niederschläge am Mittelmeer überraschend heftig: Im Herbst und Frühjahr regnet es zwar selten, aber häufig sintflutartig. „Die betonierten Flächen sind unser größtes Problem“, sagt Serge Castel, Planungsdirektor bei der Präfektur in Nizza. Sie gibt den Ton an für neue Bauvorhaben in Südfrankreich. Castel trat seinen Job 2015 an, kurz nachdem ein Starkregen einige Campingplätze und Stadtviertel überschwemmte und 20 Menschen ertranken. Castels Job ist es, solche Tragödien künftig zu verhindern. Die Campingplätze hat er geschlossen und inzwischen müssen auch Villen dran glauben: Einige Dutzend Eigentümer, so Castel, sollen langfristig enteignet werden. „Wir müssen der Natur wieder Fläche zurückgeben: In meiner Amtszeit werde ich alle Einkaufszentren an der Küste und Siedlungen im Hinterland verhindern: Wir werden mit dem Klimawandel und den häufigeren Starkregen nur fertig, wenn das Wasser wieder abfließen kann.“ Eigentümer enteignen? Häuser abreißen? Noch vor wenigen Jahren war dies undenkbar in Südfrankreich. Hier erzielen Immobilien so hohe Preise wie sonst nur in Paris. Deswegen wurde jeder Quadratmeter Grün bebaut, auch die Hügel über Nizza, Cannes und Antibes sind inzwischen vollständig besiedelt. Früher wurden hier Orangen und Jasmin gezüchtet und die Flächen an den Dutzenden Flüssen aus den Alpen für die Landwirtschaft genutzt. Das Wasser versickerte bis in die Achtzigerjahre problemlos. Bis der Tourismus das Grün in der Region verschlang. Im sonnigen Süden bauen sich viele Multimillionäre ihr Traumhaus für ein paar Wochen Urlaub im Jahr – und betonieren dann oft weiter ohne Genehmigung, aber dafür mit viel Geld. (Annika Joeres, ZEIT)

Die Moral von dieser Geschicht‘ ist so offensichtlich, dass sie einem fast ins Gesicht springt. Es ist ein Staatsversagen, das durch tonnenweise Geld vorangetrieben wurde. Weil man der Überzeugung war, die Multimillionäre und Hotels unbedingt zu brauchen, ließ man fünf gerade sein und ignorierte alle Vernunft. Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass die freie Wirtschaft sich nicht die eigene Lebensgrundlage wegbauen würde. Die Tragik der Allemende, einmal mehr. Von der freien Wirtschaft ist nicht zu erwarten, dass sie ohne Druck irgendwie zur Erhaltung von Klima und Umwelt beiträgt; für keinen einzelnen Akteur ist das wirtschaftlich vorteilhaft. Derselbe Egoismus, der zu Innovation, Gewinnen und Effizienz führt, verhindert dies. Das sollte eigentlich offensichtlich sein.

6) Forscher fordern Ende kostenloser Retouren

Die Verbraucher in Deutschland bestellen immer mehr im Internet. Der Umsatz dürfte dieses Jahr um 11 Prozent auf gut 70 Milliarden Euro wachsen, schätzt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Aber jedes sechste Paket wird wieder zurückgeschickt. Um Müllberge und Klimabelastung zu reduzieren, könnte eine gesetzlich vorgeschriebene Rücksendegebühr helfen, erklären Wirtschaftsforscher der Universität Bamberg in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Schon eine Rücksendegebühr von rund 3 Euro könnte die Zahl der Retouren um 16 Prozent senken, erwarten die befragten Online-Händler. Bei 490 Millionen zurückgeschickten Artikeln im vergangenen Jahr entspräche das etwa 80 Millionen Retouren weniger. Das würde dem Klima fast 40.000 Tonnen CO2 ersparen, sagt Studienleiter Björn Asdecker. Zudem könnten die Preise sinken, denn der Handel kalkuliert die Kosten der Rücksendungen natürlich mit ein – Kunden, die weniger zurückschicken, könnten also sparen. Mit Retourengebühr würde der „E-Commerce grüner und gerechter“, erklären die Bamberger Wirtschaftswissenschaftler in ihrer Studie. […] Ein Viertel aller heutigen Retouren ließe sich nach Einschätzung der Bamberger Forscher durch für alle Kleiderhersteller verbindliche Größenangaben und eine funktionierende Online-Größenberatung sparen. Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, das ist heute gängige Praxis: Bei Kleidung und Schuhen geht fast die Hälfte der Pakete zurück, Größenangaben seien heute nur „bedingt aussagekräftig und zum Teil irreführend“. Das zu ändern, wäre allerdings Sache der Hersteller. Handykameras zur Körpervermessung, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz könnten bei der Größenberatung künftig ebenfalls viele Retouren überflüssig machen – „sofern die Händler und Kunden die Technologien auch einsetzen“. (dpa, FAZ)

Hier sieht man schön die andere Seite der Medaille aus Fundstück 5. Die ständige Innovation und Effizienzsteigerung in der Privatwirtschaft sorgt auch dafür, dass der Staat der Entwicklung ständig hinterherhechelt. Auch das ist systemisch und grundsätzlich auch kein Problem. Wir wollen (Fundstück 1) ja auch gar nicht, dass da irgendwelche 5- oder 10-Jahres-Pläne mit Regulierungen verabschiedet werden; die würden notwendigerweise völlig fehl laufen. Aber man muss dann eben in der Lage sein, auf neu auftauchende Trends schnell zu reagieren und sie gegebenenfalls abzuwürgen.

Das stetige Wachstum des Online-Versands und der Retouren ist so ein Problem. Das heißt nicht einmal, dass man den Versandhandel generell beschneiden muss; ich persönlich jedenfalls habe keine Lust, in das Zeitalter der Ziegel-und-Mörtel-Läden zurückzukehren. Aber Alternativen wie wiederverwendbare Retourenkartons (notfalls mit Pfand) oder Ähnliches sind ja bereits in der Diskussion, oder eben die im Artikel erwähnten technischen Hilfen gerade bei der Klamottenauswahl. Da geht einiges, was das Problem deutlich eindämmen kann, ohne dass man der Branche selbst an den Kragen muss. Wie immer muss man die Wirtschaft halt zu ihrem Besten zwingen und die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Innovation und Effizienz- und Gewinnstreben in die richtigen Bahnen laufen.

7) Tweet


Ich empfehle die Lektüre des gesamten Threads. Es gibt keine ungefährliche Zusammenarbeit mit einer Partei, die grundsätzlich extremistische Ziele verfolgt, wie das die AfD tut. Man sehe sich nur die beschriebenen Beispiele an. Im Gegensatz zu ihren Vorläufern bei NPD und Konsorten ist die AfD nur deutlich schlauer. Sie weiß einerseits um die gewaltige Macht, die sie in den kommunalen Vertretungen besitzt, sobald sie einmal die Muster dieser „ungefährlichen“ Zusammenarbeit aktivieren kann, und sie weiß auch, wie sie sich deutlich besser positionieren muss als die idiotischen Glatzen von früher, um den relativierenden Schutz der bürgerlichen Mitte zu bekommen.

8) Why the ‘Wokest’ Candidates Are the Weakest

“Wokeness,” in this rendering, is an overly rigid commitment to identity politics and social justice ideology. And in their zeal, these woke Democrats are pushing the Democratic Party away from the voters it needs to beat President Trump in 2020. If this were actually true, you would expect real traction for the wokest candidates in the Democratic presidential race. But it’s been just the opposite. The woke candidates have been the weakest, electorally speaking, and the defining attribute of the Democratic primary has been a preoccupation with the voters that put Trump in the White House. […] None of this is dispositive. The Democratic Party might still be too woke for its own good. But the evidence for that isn’t in the primary campaign. A former vice president, Joe Biden, known for his centrist politics and blue-collar affect, leads the field. His nearest rivals, Senators Bernie Sanders of Vermont and Elizabeth Warren of Massachusetts, support social justice politics, but they’ve centered their campaigns on inequality and corruption. Yes, the failure of explicitly woke campaigns is a function, in part, of moderate and conservative voters in the Democratic coalition, including African-Americans and Latinos. But if the Democratic Party is as woke as critics say, the race should be able to sustain one or two woke candidates. The fact that it can’t should undermine, or at least temper, the idea of a “Great Awokening” transforming Democratic politics. At the very least, it shows that Democrats are far more concerned with beating Trump than elevating woke ideology. (Jamelle Bouie, New York Times) 

Ich habe ja schon im letzten Vermischten darauf hingewiesen, dass Joe Biden, obwohl sicherlich nicht meine bevorzugte Lösung, der wahrscheinlichste Gewinner der primaries zu diesem Zeitpunkt ist – und das eher nicht trotz, sondern wegen seiner wenig radikalen Positionen. Genauso wie das ständige Geblöke zu „political correctness“ ist das Hände-wringen zur „wokeness“ der Democrats nur noch nervtötend. Es ist eine ebenso hohle Phrase, wie die Grünen eine „Verbotspartei“ zu nennen – ohne Verankerung in der Realität, ein Ritual zum Bestätigen der eigenen Identität und Gruppenzugehörigkeit. Es ist identity politics der bürgerlichen Mitte und der Konservativen, nichts weiter.

9) Tweet


Ein Musterbeispiel für die jammernde Schieflage der Debatte, die ich auch in Fundstück 8 thematisiert habe. Da beklagt sich eine ehemalige Ministerin in den Öffentlich-Rechtlichen, dass ihre Meinungsfreiheit bedroht sei, wenn sie für ihre Meinung „mitunter hart angegangen“ wird. Ich bin mir aktuell unsicher, ob die Konservativen das wirklich glauben oder aus reinem Zynismus behaupten.

Wenn sie es wirklich glauben, haben wir eine echte intellektuelle Krise des Mitte-Rechts-Spektrums, denn ein Grundverständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit sollte man von einer Ministerin schon erwarten dürfen. Meinungsfreiheit schützt die Meinungsäußerung, es schützt nicht vor den Reaktionen anderer Leute auf diese Meinung.

Und wenn es einfach nur zynische Machtkalkulation ist, die in Fundstück 8 erwähnten identity politics, die eine genehme politische Grundstimmung schaffen sollen, dann wird da an den Grundfesten der Demokratie gezündelt, indem man die Narrative von Extremisten in der AfD pusht, um ein paar billige politische Punkte zu machen. So oder so muss das aufhören, und besser heute als morgen.

10) Fürchtet euch nicht (vor dem Falschen)

„Handystrahlen“ sind genauso gefährlich wie Gespenster oder Dämonenangriffe: Schädlich ist die Angst selbst, und eventuell die Tatsache, dass sie von den eigentlichen Ursachen der Probleme ablenkt. Man nennt das, als Pendant zum scheinwirksamen Medikament, dem Placebo, Nocebo. Der Nocebo-Effekt ist auch für die Symptome verantwortlich, die vermeintlich Windrad-Geschädigte erleben: Wer glaubt, dass nicht hörbarer „Infraschall“ von Windrädern krank macht, dessen Gesundheit könnte tatsächlich leiden. Durch die Angst, nicht durch die Windräder. Das zeigen mehrere Studien. […] Die Deutschen fürchten sich einfach gern vor dem Falschen. Belege für diese These liefert Jahr für Jahr auch die von einer großen Versicherung in Auftrag gegebene Studie „Die Ängste der Deutschen“. 2019 auf Platz eins der Angstquellen: „Überforderung des Staats durch Flüchtlinge“, Platz zwei: „Spannungen durch Zuzug von Ausländern“. Unter den Top Ten sind der Studie zufolge auch noch die Angst vor den Kosten der EU-Schuldenkrise für den Steuerzahler und die vor Terrorismus. […] Ein bisschen mehr Angst vor dem Klimawandel könnte den Deutschen nicht schaden, denn dann wäre die Bereitschaft in der Bevölkerung größer, endlich die notwendigen Veränderungen einzuleiten. Und die Politik vielleicht bereit, diese Veränderungen auch umzusetzen. Tatsächlich nimmt die Zahl der Menschen, die derzeit an „Eco Anxiety“ leiden, im Moment möglicherweise zu. „Es ist durchaus gesund, sich so zu fühlen“, sagte Caroline Hickman von der „Climate Psychology Alliance“, „es ist ein Zeichen von Empathie“. Am meisten leiden unter der Krise bekanntlich zunächst vor allem die Ärmsten. Ein guter Vorsatz für das Jahr 2020: Weniger Angst vor Geistern, Dämonen, harmloser elektromagnetischer Strahlung und Fremden zu haben – und stattdessen darauf drängen, dass politisch gegen die tatsächlich größte Gefahr für die Menschheit endlich etwas getan wird. (Christian Stöcker, SpiegelOnline)

Ich finde es immer wieder faszinierend, was für einen Bullshit die Leute glauben. Ob das jetzt „Elektrosmog“ ist, oder Chemtrails, oder „Infraschall“ oder was auch immer, Menschen lassen sich allen möglichen Quatsch einreden. Gerade in Deutschland weist eine florierende Homöopathie-Industrie auch darauf hin, dass sich das leider finanziell extrem lohnt. Das ist mehr als bedauerlich, weil die Leute nicht nur aktiv krank gemacht werden (geistig, in dem Fall, denn die unbegründeten Ängste haben allerlei negative gesundheitliche Auswirkungen), sondern das auch noch relevante Problemlösungen blockiert oder behindert.

Im medizinischen Bereich werden wertvolle Ressourcen dafür abgezogen, irgendwelchen Blödsinn in Zuckerkügelchen zu produzieren und zu vermarkten, während wir bei regenerativen Energiequellen mittlerweile so einschneidende Regulierung haben, dass der Bau neuer Windräder mittlerweile mehr als doppelt so schwierig ist wie der neuer Autobahnen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Ich bin allerdings auch nur semi-begeistert davon, deswegen Eco-Anxiety zu pushen; eine eingeschücherte und verängstigte Bevölkerung, auch wenn sie vor dem Richtigen Angst hat, ist wenig dazu angetan, offen für die besten und überlegtesten Lösungen zu sein….

11) A party that works and wins for working people will need to understand us first

This approach is summed up with ‘less identity politics, more class politics’ and the idea the party needs to appeal to the ‘traditional working class’. It doesn’t tally with the evidence (if you read only one piece linked here, I’d make it academic Cas Mudde’s account of why left leaning parties mimicking populist ones rarely prosper) and it crosses all sorts of moral lines that shouldn’t be open to people on the left. When Labour has done so badly in many leave voting towns where it once weighed rather than counted its vote the appeal to forget the cities and focus on ‘the heartlands’ is getting a lot of traction but there are two things we have to guard against here. Firstly, it can slip into suggesting that people in cities — especially London — are having a high old time of it while ignoring the reality that our cities are often home to the biggest numbers of people who are really hard up. Much more dangerously it implies ‘identity’ issues like racism, sexism and homophobia aren’t issues that concern working class people, who are presumably all white, male and straight. Labour should be the party countering, not indulging, sweeping characterisations of working class people as some homogenous lump. Nobody whose values are rooted in social justice should be mounting an argument that echoes the language of the Brexit Party and before them the BNP with their slogan that they were ‘The Labour Party your grandad voted for’. If your image of the ‘traditional working class’ doesn’t have space for black, Asian or LGBT working class people, it’s neither progressive nor accurate and has no place in left politics in 2019. (Roger Harding, Medium)

Hier wird das grundsätzliche Dilemma sozialdemokratischer Parteien dieser Tage beschrieben: das Nullsummenspiel zwischen ihrer alten Stammwählerklientel und der neuen potenziellen progressiven Wählerschicht. Selbstverständlich gibt es die reale Trendlinie, dass die sozialdemokratischen Parteien weiße, männliche Wähler der Arbeiterschichten verlieren, die Probleme mit dem Ende des alten konservativen Gesellschaftsbilds haben, dem sie anhingen.

Aber gleichzeitig können die Parteien diesen Wählern keine Angebote machen, die ihre Identität bestätigen, ohne die Stimmen der emanzipierten und diversen Teile der Arbeiterschicht zu verlieren, die mittlerweile mehr als die Hälfte selbiger Schicht ausmachen. Diese Quadratur des Kreises gelang in den letzten 15 Jahren nur Barack Obama, und der war halt auch ein politisches Ausnahmetalent.

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  • CitizenK 23. Dezember 2019, 13:37

    11) Portugal?

    • Stefan Sasse 23. Dezember 2019, 17:46

      Kenne ich mich nicht aus, würde ich gerne einen Artikel zu im Blog haben oder nen Link zu ner übersichtlichen Analyse.

  • R.A. 23. Dezember 2019, 17:28

    1.) „Nur arbeiten beim Staat nach wie vor weniger Menschen als 2000, …“
    Da vermute ich Fake News.
    Einerseits müßte man sich da die genauen Zahlen anschauen und was da gezählt wird. M. W. sind bei „arbeiten beim Staat“ üblicherweise immer noch die Beschäftigten von Post, Telekom und Bahn dabei, die bei Privatisierung ihren Status behielten und immer noch beim Staat geführt werden (und an die Unternehmen ausgeliehen wurden). Die werden natürlich jetzt nach und nach pensioniert, aber das bedeutet keinen Rückgang der übrigen Staatsbediensteten.
    Und andererseits wurden in den letzten 10 Jahren sehr viele Leute neu beim Staat angestellt, die aber nicht offiziell als Staatsangestellte gelten, sondern über andere Arbeitgeber laufen. Konkret bei Kindertagesstätten etc. sind meist Organisationen wie Arbeitswohlfahrt oder Diakonie die Arbeitgeber, aber de facto arbeiten die Leute nach staatlichen Vorgaben an öffentlichen Aufgaben und werden nach dem Tarif des öffentlichen Diensts aus Steuergeldern bezahlt. Wenn man die einbezieht – und faktisch ist das angemessen – dann ist die Zahl der öffentlichen Bediensteten deutlich gestiegen.

    Das eigentliche Thema dürfte auch nicht die Gesamtzahl sein, sondern die Zusammensetzung. Es gibt immer reichlicher irgendwelche Beauftragte und Querschnittsfunktionen. Aber immer weniger Leute für die eigentliche Kernarbeit.
    Und das liegt natürlich auch daran, daß die Gewerkschaften darauf beharren, daß jeder Studienabschluß gleichwertig sei und im öffentlichen Dienst gleich bezahlt werden muß. Womit es dann immer schwieriger wird, IT-Kräfte und Ingenieure zu bekommen.
    Auch die Bezahlung der politischen Führungskräfte ist m. E. inzwischen völlig unzureichend, damit auch die Qualität dieser Leute.
    Und viele gute Bewerber haben keine Lust darauf, daß sie von irgendeinem realitätsfernem Studienabbrecher als Minister oder Stadtrat rumkommandiert werden.

    „Und eben auch deutlich mehr Menschen überhaupt im Land leben.“
    Gerade mal ein Prozent Zuwachs ist so deutlich nicht.

    2.) Das ist schon bemerkenswert widerlich.

    4.) „weil er Handelsmächten wie der EU erlauben könnte, zu verhängen was effektiv auf Klimasanktionen hinauslaufen würde“
    Interessant. Wie in den alten Kolonialzeiten: Die Europäer befehlen, der Rest der Welt muß gehorchen.
    Ich habe meine Zweifel, ob das realistisch ist. In einzelnen Fällen mag man vielleicht mal einen Staatschef beeindrucken können, aber insgesamt wird der Rest der Welt die EU mit solchen Vorstellungen schlicht auflaufen lassen.

    6.) Da sind einige interessante Ideen dabei. Wobei das natürlich mehr Streit gibt – denn die Retoure wird dann weiterhin zu Lasten des Versender gehen müssen, wenn die Ware nicht die versprochenen Eigenschaften hat.

    8.) „Es ist eine ebenso hohle Phrase, wie die Grünen eine „Verbotspartei“ zu nennen“
    Gibt es denn noch eine andere Partei, die auch nur annähernd so stark auf Verbote und Schikanen setzt?

    9.) „Meinungsfreiheit schützt die Meinungsäußerung, es schützt nicht vor den Reaktionen anderer Leute auf diese Meinung.“
    Das kommt auf die Art der Reaktionen an.
    Man muß sich ziemlich alle verbalen Reaktionen gefallen lassen. Aber Gewalt oder Jobverlust sind keine zulässigen Reaktionen. Und die werden von linker Seite ja durchaus propagiert und praktiziert.

    • Stefan Sasse 23. Dezember 2019, 17:49

      1) Kann ich dir mangels Datenmaterial leider nix zu sagen.
      2) Das Erschreckende ist, wie wenig erschreckend es mittlerweile ist. Kommt nicht mehr über Lokalnachrichten hinaus. Völlige Desensitivierung.
      4) Das ist völlig unrealistisch, das sage ich ja auch.
      6) Ja, stimme ich zu.
      8) Klar, die CDU.
      9) Mir wäre neu, dass Schröder ihren Job wegen der bösen Linken verloren hätte. Und wir hatten hier im Blog letzthin auch genug Beispiele von rechtem Druck, das ist farbenblind. Ich hasse es generell, auf der Jobseite politische Konflikte auszutragen. Da braucht es kein billiges Bashing von dir.

      • Erwin Gabriel 30. Dezember 2019, 14:00

        Stefan Sasse 23. Dezember 2019, 17:49

        Mir wäre neu, dass Schröder ihren Job wegen der bösen Linken verloren hätte. Und wir hatten hier im Blog letzthin auch genug Beispiele von rechtem Druck, das ist farbenblind.

        So, wie derzeit „die Gefahr“ eher von Rechts- als von Linksextremismus ausgeht, ist die Verurteilung von „normal-rechts“ durch links deutlich stärker und extremer als umgekehrt. Wer normale, legale, legitime, demokratische konservative Kommentare abgibt, wird häufig und heftig wie ein Nicht-Demokrat behandelt. Der Weg, die Diskussion durch Beschimpfung zu ersetzen, wird allzu gern, allzu häufig beschritten. Und das hat nichts mit „man muss die Reaktion aushalten“ zu tun.

        Ich hasse es generell, auf der Jobseite politische Konflikte auszutragen. Da braucht es kein billiges Bashing von dir.

        Ist kein billiges Bashing, sondern Fact of Life.

        Nun, ich bin alt genug, um zu wissen, dass es früher andersherum war („Dann geh doch rüber in die Zone“), und auch pragmatischen Linken Jobs verweigert wurden, weil man sie für Extrem hielt.

        Fand ich damals (als vergleichsweise linker Langhaariger) auch falsch.

        • Stefan Sasse 30. Dezember 2019, 16:34

          Ich glaube, viel von dieser Problematik liegt auch daran, dass die CDU das Label „rechts“ halt auch immer abgelehnt und zur Abgrenzung genutzt hat. Deswegen hat die SPD Jahrzehnte politischer Arbeit darin versenkt, unterschiedliche Spielarten von „links“ zu etablieren – akzeptierte und nicht akzeptierte. Diese Arbeit wurde auf der Gegenseite nie geleistet; sich darüber jetzt zu beklagen, ist etwas wohlfeil. Und wenn man sich Maaßen, die Werteunion etc. anschaut, dann sind da noch nicht mal die simpelsten Anfänge gemacht…

        • Ralf 30. Dezember 2019, 16:40

          So, wie derzeit „die Gefahr“ eher von Rechts- als von Linksextremismus ausgeht, ist die Verurteilung von „normal-rechts“ durch links deutlich stärker und extremer als umgekehrt. Wer normale, legale, legitime, demokratische konservative Kommentare abgibt, wird häufig und heftig wie ein Nicht-Demokrat behandelt.

          Dein Kommentar kommt am selben Tag, an dem der WDR – unter tausend Entschuldigungen an die Öffentlichkeit und dem Versprechen so etwas nie mehr wieder zu tun – ein Satirekinderlied über eine SUV-fahrende Oma aus seinem Programm herausnehmen musste. Nach einem Mega-Shitstorm und Morddrohungen.

          Gerade hier in diesem Blog wurde gestern noch der Vorsitzende der britischen Sozialdemokraten als ein „Alt-Stalinist“ bezeichnet, also mit anderen Worten, ein Anhänger eines Massenmörders. Wann ist hier das letzte Mal ein Politiker der „normalen Rechten“, sagen wir Jens Spahn oder Friedrich Merz oder Kristina Schroeder, ein Anhänger Adolf Hitlers genannt worden?

          Die Radikalisierung von rechts ist im Internet mitnichten nur von einer Handvoll Skinheads getragen. Mach Dir mal die Mühe, da wo Namen angegeben werden, die Profile zu verfolgen. Da kommst Du nicht bei der NPD raus, sondern bei selbsternannten Wutbürgern der Sorte „Man wird ja wohl nochmal was sagen dürfen“.

          Politische Ziele der „normalen Rechten“ werden aus dem linken Spektrum in der Sache angegangen. Und das soll auch so sein. So funktioniert Politik. Aber zeig mir mal, wo wir in Massen Vergewaltigungsandrohungen unter jeder Nachricht von konservativen Aktivisten finden, wie sie unter den Posts von Greta Thunberg oder Luisa Neubauer völlig normal geworden sind. Zeig mir die konservativen Politiker, die auf Todeslisten stehen oder deren Familien mit Morddrohungen konfrontiert sind, so wie das bei Politikern wie Cem Özdemir oder Claudia Roth völlig normal geworden ist. Zeig mir einen CDU- oder FDP-Politiker, der wegen seiner Unterstützung der schwarzen Null oder der Schuldenbremse oder der Herdprämie oder Hartz IV oder anderer „normal rechter“ Projekte, in den Medien niedergemetzelt worden wäre. Noch nicht einmal einem offenen Rassisten wie Thilo Sarrazin hat man das Mikrophon abgestellt, sondern täglich Auszüge aus seinem Buch abgedruckt und damit dazu beigetragen, dass dieses Schmutzwerk zum meistverkauften Buch seines Jahres werden konnte.

          Der Spaß hört gottseidank jetzt mittlerweile aber eben doch meist da auf, wo das Feld der „normal rechten“ Ideen verlassen wird und in kristallklare rechtsradikale Propaganda übergeht. Da wo pauschal über Menschen als Gruppe gerichtet wird, weil sie eine andere Hautfarbe oder eine andere Religion haben. Da wo Menschen Gewalt angedroht wird. Oder da wo empfohlen wird zur Rettung des Abendlandes zuzuschauen, während Menschen im Meer ersaufen.

          Da ist jetzt endlich Ende. Da sind die Anständigen in der Gesellschaft jetzt endlich aufgestanden und haben gesagt „Bis hierher und nicht weiter“. Und dafür sollten wir gemeinsam mächtig dankbar sein.

          • Stefan Pietsch 30. Dezember 2019, 18:15

            Dein Kommentar kommt am selben Tag, an dem der WDR – unter tausend Entschuldigungen an die Öffentlichkeit und dem Versprechen so etwas nie mehr wieder zu tun – ein Satirekinderlied über eine SUV-fahrende Oma aus seinem Programm herausnehmen musste. Nach einem Mega-Shitstorm und Morddrohungen.

            Sie müssen mal das tun, was Ihnen schwerfällt: sich festlegen. Entweder wir rechnen schwere Straftaten den Tätern und ihrer Richtung zu, so wie Sie das hier machen. Dann dürfen Sie sich auch nicht darüber aufregen, wenn Migranten und Islamisten Taten als Gruppe zugerechnet werden. Oder z.B. so ein Überfall wie der auf eine Leipziger Immobilienmaklerin, die wegen ihres Berufs mit dem Tode bedroht wurde. Oder Sie sagen, das ist irregeleitet, außerhalb jeder Richtung.

            Wie entscheiden Sie sich?

            Sie gehen freihändig mit Beschuldigungen wir Faschist, Rassist Nazi, u.ä. um, ohne dass diese Personen je wegen solche Umtriebe angeklagt noch verurteilt worden wären. Andererseits regen Sie sich auf, wenn ein Spitzenpolitiker, der eine der liberalsten Volkswirtschaften weitgehend in staatlichen Dirigismus überführen will, mit Terroristen und Diktatoren angebändelt und umgarnt hat, als „Alt-Stalinist“ bezeichnet wird. Wen kann man wirklich noch so bezeichnen, wenn Sie sich bei dem großen Anhänger der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln sich darüber aufregen?

            Und wie ist es zu werten, wenn Sie nur diejenigen als „anständig“ bezeichnen, die sich gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus wenden? Warum schweigen Sie, wenn junge Immobilienkauffrauen überfallen werden? Und es ist keineswegs so, dass nur Grünen-Politiker mit dem Tod bedroht werden. Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.

            Helmut Kohl wurde seinerzeit mit Eiern beworfen. Gerhard Schröder wurde ob seiner Arbeitsmarktreformen im Frühjahr 2005 öffentlich geohrfeigt. Statt seiner offenen Hände hätte der Angreifer auch ein Messer haben können.

            Wie entscheiden Sie sich also für 2020?

            P.S.: Nur der Richtigstellung wegen: die Morddrohungen kamen, nachdem das Video aus dem Netz genommen worden war. Es wurde nicht wegen der Gewaltandrohungen entfernt. Auch das gehört zur Lauterkeit.

            • Ralf 30. Dezember 2019, 19:04

              Entweder wir rechnen schwere Straftaten den Tätern und ihrer Richtung zu, so wie Sie das hier machen. Dann dürfen Sie sich auch nicht darüber aufregen, wenn Migranten und Islamisten Taten als Gruppe zugerechnet werden.

              „Migranten“ sind keine Richtung, also ist es offensichtlich nicht legitim ihnen pauschal als Gruppe Verbrechen anzulasten. Genauso wenig sind „Weiße“ eine Richtung. Oder meinetwegen auch „Alte weiße Männer“, weswegen ich auch hier im Blog mehrfach gegen die Verwendung dieses Begriffes als Abwertung protestiert habe. Auch Gruppen wie „Juden“, „Christen“ oder „Mohammedaner“ sind so groß und divers, dass keine Richtung, und schon gar keine Richtung hin zu Verbrechen, auszumachen ist.

              Gruppierungen, die hinreichend homogen und fokussiert sind, dass man ihnen Verbrechen als Gruppe anlasten darf, sind hingegen etwa „Rechtsextreme“, „Autonome“ oder „Islamisten“.

              als „Alt-Stalinist“ bezeichnet wird. Wen kann man wirklich noch so bezeichnen, wenn Sie sich bei dem großen Anhänger der Vergesellschaftung von Produktionsmitteln sich darüber aufregen?

              Ein Alt-Stalinist ist per Definition jemand, der bereits als junger Mensch Anhänger Stalins war (–> die Silbe „Alt-„) und der auch im Alter seine Anhängerschaft zu Stalin nicht geändert hat (sonst wäre er ja kein Stalinist). Ein Alt-Stalinist ist damit per Definition ein zumindest verbaler aber möglicherweise auch ganz praktischer Unterstützer von Massenmord als politischem Mittel. Ein Alt-Stalinist ist per Definition ein Verfechter des Gulag-Systems, in dem politische Gegner und Kritiker mittels Kälte, Hunger und Arbeit wie Ungeziefer vernichtet werden. Ein Alt-Stalinist ist ferner per Definition ein Anhänger der totalitären Diktatur, die Widerspruch mit Ermordung bestraft.

              Damit erklärt sich offensichtlich, wen man legitimerweise als Alt-Stalinisten bezeichnen kann.

              Korrespondierend hierzu gibt es den Begriff des „Alt-Nazis“. Davon gibt es nun aus Altersgründen immer weniger, aber aus der Gruppe hatten wir früher in Deutschland immer dramatisch viel mehr als „Alt-Stalinisten“. Ein „Alt-Nazi“, wäre ein ehemaliges überzeugtes NSDAP-Mitglied, das auch nach dem Krieg in der Bundesrepublik seine Ansichten nicht geändert hat. Die alte Garde der NPD, vorher der verbotenen FAP und davor der zuerst verbotenen SRP, war z.B. voll von denen.

              Und wie ist es zu werten, wenn Sie nur diejenigen als „anständig“ bezeichnen, die sich gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus wenden?

              Nicht jeder, der sich gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus wendet, ist anständig. Aber wer sich nicht gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus wendet, ist garantiert nicht anständig. So wird ein Schuh draus.

              Warum schweigen Sie, wenn junge Immobilienkauffrauen überfallen werden?

              Ich kenne den Vorfall, von dem Sie hier reden nicht. Im übrigen, selbst wenn ich ihn kennen würde, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nirgendwo gutgeheißen habe, dass Immobilienkauffrauen überfallen werden. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass jede Form von Gewalt verabscheuungswürdig ist. Was also ist Ihr Problem?

              Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.

              Was Sie hier verbreiten, grenzt an Bösartigkeit. „Jemanden an die Wand stellen“ bedeutet in der deutschen Sprache in exakt dieser Formulierung, dass derjenige standrechtlich erschossen, also hingerichtet werden soll. Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist zum Beispiel „an die Wand gestellt worden“. Wenn Sie wortwörtlich behaupten, Frau Thunberg habe dazu aufgerufen „Politiker an die Wand zu stellen“, sagen Sie ganz explizit, die Klimaaktivistin hätte zum Mord an westlichen Politikern aufgerufen.

              Was Frau Thunberg tatsächlich gesagt hat ist, dass man „die Politiker mit dem Rücken an die Wand stellen soll, damit sie ihren Job machen und unsere Zukunft schützen“, eine Aussage, die ich voll unterschreiben kann. Offensichtlich geht es hier nicht darum jemanden hinzurichten, was sich schon aus dem Zusammenhang des Statements ergibt. Vielmehr geht es darum, dass dazu aufgerufen wird, der Politik nicht mehr zu erlauben sich mit windigen Versprechungen vor den notwendigen Transformationen zu drücken und davonzulaufen.

              Dass Ihnen als intelligentem Menschen diese feinen Unterschiede in der deutschen Sprache nicht auffallen, ist nicht vermittelbar. Es zeigt zum wiederholten Male, dass Ihnen jedes, aber auch wirklich jedes Mittel recht ist Ihre politischen Gegner zu beschmieren, zu diskreditieren und zu verunglimpfen, völlig losgelöst von den eigentlichen Geschehnissen. Es ist die brachiale Methode seinen Kontrahenten wahllos mit Scheiße zu beschmeißen, in der Hoffnung, dass schon irgendetwas kleben bleiben wird. Ein Hauptgrund dafür, dass die gesamte Debattenkultur im Internet heutzutage so vergiftet ist.

              Helmut Kohl wurde seinerzeit mit Eiern beworfen. Gerhard Schröder wurde ob seiner Arbeitsmarktreformen im Frühjahr 2005 öffentlich geohrfeigt. Statt seiner offenen Hände hätte der Angreifer auch ein Messer haben können.

              Selbst Sie müssten doch in der Lage sein einen Unterschied zwischen einem Eierwurf und einer Mordattacke mit dem Messer zu erkennen.

          • Erwin Gabriel 30. Dezember 2019, 21:56

            @ Ralf 30. Dezember 2019, 16:40

            Dein Kommentar kommt am selben Tag, an dem der WDR – unter tausend Entschuldigungen an die Öffentlichkeit und dem Versprechen so etwas nie mehr wieder zu tun – ein Satirekinderlied über eine SUV-fahrende Oma aus seinem Programm herausnehmen musste.

            Vielleicht bin ich da etwas empfindlich. SUV-fahrende Omas sind eher selten und zählen meiner Erfahrung nach weniger zu den ‚Umwelt-Säuen‘ als andere. Das von Kindern vortragen zu lassen – eher unpassend. Genau so ein Griff ins Klo, wie den türkischen Präsidenten als ‚Ziegenficker‘ zu beleidigen, oder das Urteil, die Benennung von Renate Künast als ‚Drecks Fotze‘ sei statthaft. Hier läuft gerade etwas aus dem Ruder.

            Nach einem Mega-Shitstorm …

            Deutlich angebrachter als bei Barbara Schöneberger, die als Vollweib (BS-Eigenwahrnehmung) eher auf da steht, was sie als ‚echte Männer‘ bezeichnet.

            … und Morddrohungen.

            So etwas geht grundsätzlich gar nicht. Das ist Ausübung von Gewalt geegen andere, gehört verfolgt und bestraft (wenn es nach mir geht, gerne auch mal mit 12 Monaten ‚Zeit zum Nachdenken‘).

            Wann ist hier das letzte Mal ein Politiker der „normalen Rechten“, sagen wir Jens Spahn oder Friedrich Merz oder Kristina Schroeder, ein Anhänger Adolf Hitlers genannt worden?

            Das fragst Du? Echt jetzt?

            Ich kann mich zumindest

            • Ralf 31. Dezember 2019, 00:26

              Vielleicht bin ich da etwas empfindlich. SUV-fahrende Omas sind eher selten und zählen meiner Erfahrung nach weniger zu den ‚Umwelt-Säuen‘ als andere. Das von Kindern vortragen zu lassen – eher unpassend.

              Also ich find’s ziemlich passend. Die Klimadebatte wird von der Jugend getragen und ist in vielem ein Jung-gegen-Alt-Konflikt. Das wird in dem Lied auf satirische Weise rübergebracht.

              Aber konkret ist es vollkommen gleichgültig, ob Du das Lied unpassend oder ob ich das Lied passend finde. Es ist SATIRE. Satire nimmt per Definition Leute auf die Schippe und legt den Finger in die Wunde. Ich zum Beispiel finde Dieter Nuhr zum Kotzen, muss aber genauso mit ihm und seinen „Ansichten“ leben, wie Du mit einem Hagen Rether leben musst. Niemals käme ich auf die Idee Nuhr aufzufordern sich für sein Programm zu entschuldigen, ganz egal wie peinlich ich es finde. Niemals käme ich auf die Idee von Sendern zu verlangen Auftritte von Nuhr nicht mehr zu übertragen. Von Morddrohungen fange ich garnicht erst an. Aber all das ist rechts der Mitte nicht mehr selbstverständlich. Da wird Meinungsfreiheit mittlerweile als Recht auf Rede ohne Widerspruch interpretiert. Und wenn jemand ein lustiges Lied über eine Oma als Umweltsau macht, ist der Teufel los. Dann heißt es „Mimimi“ …

              Das fragst Du? Echt jetzt?

              Yep, das meine ich. Aber Dir steht es frei den Gegenbeweis anzutreten und ein Zitat aus diesem Blog zu posten, in dem Jens Spahn, Friedrich Merz oder Kristina Schroeder als Anhänger Adolf Hitlers bezeichnet werden.

              • Stefan Sasse 31. Dezember 2019, 10:45

                Ich bin da völlig bei Ralf. Es gibt einfach keine Äquivalenz. Trottel gibt es auf beiden Seiten, das garantiert allein das Gesetz der 83 Millionen. Aber Todeslisten, Anschläge, massive Hetze, das kommt derzeit maßgeblich oder sogar alleine von rechts. Es ist eine gigantische Asymmetrie. Und jedes Mal, wenn ihr Energie darauf verschwendet, „aber die Linken!“ zu rufen, ist das Energie, die nicht in den Kampf dagegen geht, sondern einfach nur das Räderwerk verstopft.

                • CitizenK 31. Dezember 2019, 13:16

                  So ist es.

                  Wo gibt es „links“ ein Äquivalent für einen Höcke oder Gauland oder Kalbitz?
                  Welche „linken“ Wehrsportgruppen und Waffensammler mit klaren Umsturzplänen wurden enttarnt?
                  Die Bürgermeister, die wegen Gefahr für sich und ihre Familien aufgeben (oder deshalb gar nicht erst antreten) – werden die von links oder von rechts bedroht? Schlimm genug, dass Politiker der oberen Ränge Personenschutz brauchen, aber diese Entwicklung untergräbt unser Gemeinwesen.

                  Nichts davon gibt es von „links“, auch wenn es da -natürlich – auch Trottel und Spinner gibt. Keine Äquivalenz, nirgends.

                  • Erwin Gabriel 6. Januar 2020, 20:28

                    @ CitizenK 31. Dezember 2019, 13:16

                    Wo gibt es „links“ ein Äquivalent für einen Höcke oder Gauland oder Kalbitz?
                    Welche „linken“ Wehrsportgruppen und Waffensammler mit klaren Umsturzplänen wurden enttarnt?

                    Gibt es derzeit nicht.

                    Muss aber in der Diskussion um ein satirisch missglücktes Kinderlied nicht als Argument eingeführt werden.

                • CitizenK 31. Dezember 2019, 13:30

                  Update (zum noch nicht freigeschalteten) Kommentar. Kurz nach Absenden gefunden. Auch die andere Seite fängt offenbar damit an:
                  https://www.spiegel.de/politik/deutschland/morddrohung-polizei-ermittelt-wegen-drohung-gegen-fdp-politikerin-a-1303226.html

                  Wohin wird das führen?

                  • Ralf 31. Dezember 2019, 13:48

                    Spinner gibt es auf beiden Seiten. Von rechts passieren diese Dinge aber mittlerweile ständig und völlig normal. Von links hingegen ist ein Brief wie dieser ein seltenes Kuriosum. Da gibt es schlicht einen dramatischen quantitativen Unterschied.

                    Im übrigen ging es im Gespräch mit Erwin Gabriel nicht um Morddrohungen. Wir sind uns einig, dass Morddrohungen von Terroristen, nicht von “normalen Rechten” oder “normalen Linken” verschickt werden. Aber das Mimimi aus konservativen Kreisen zum WDR-Lied kam – obwohl auch hier massiv verstärkt durch Rechtsextreme – aus der Mitte der Rechten, wo ebenfalls große Teile der Klientel mit anderen Meinungen oder gar Widerspruch zur eigenen Meinung nicht mehr leben können. Und in der Konsequenz – und das WDR-Lied ist ein gutes Beispiel hierfür – vermischen und wechselseitig verstärken sich dann die “normale Rechte” und die hart-ideologisierten Rechtsextremen in ihrer “Empörung” zu einer Sauce, aus der dann am Ende sogar Morddrohungen sprudeln.

                  • Stefan Sasse 1. Januar 2020, 11:08

                    Lauter Vollidioten. Es ist zum Haareraufen.

                    • Erwin Gabriel 6. Januar 2020, 20:26

                      @ Stefan Sasse 1. Januar 2020, 11:08

                      Lauter Vollidioten. Es ist zum Haareraufen.

                      Auf beiden Seiten, ja. Aber die rechtsextremen Vollidioten sind schlimmer.
                      😉

                    • Stefan Sasse 6. Januar 2020, 21:45

                      Jetzt noch den Smiley weg und wir kommen zusammen.

                    • Erwin Gabriel 7. Januar 2020, 15:26

                      Stefan Sasse 6. Januar 2020, 21:45

                      Jetzt noch den Smiley weg und wir kommen zusammen.

                      Du hattest geschrieben:
                      Lauter Vollidioten. Es ist zum Haareraufen.

                      Das hatte ich mir für einen moment bildlich vorgestellt: Nicht nur die linken Spackos, sondern die schlimmeren rechten, und ich fragte mich, ob Du Deine Haare symmetrisch ausrupfst, oder entsprechend der Vollidioten-Verteilung links und rechts unterschiedlich.

                      Sorry! 🙂

                      Nur für Deinen Seelenfrieden, als Wiedergutmachung:

                      Was derzeit von rechtsaußen kommt, scheint mir spürbar schlimmer als das, was ich von linksaußen wahrnehme, und ich würde lieber grün als AfD wählen (Gottseidank gibt es mehr als diese beiden Parteien). Und das sage ich als jemand, der zu Bernd Luckes Zeiten sein Kreuz noch bei der Alternative gemacht hat, und aus fast den gleichen Gründen wie die AfD einen Brast auf Frau Merkel hat.

                      Aber ich halte Björn Höcke für einen Nazi und einen gefährlichen Mann, und ich glaube, dass inzwischen er und seinesgleichen die ideologischen Leitlinien dieser Partei bestimmen.

                      ,,,,,,
                      (o o)
                      |~~ooO~(_)~~~~~~|
                      | Freundschaft |
                      ~~~~~~~~~Ooo~~~
                      |__|__|
                      | | | |
                      Ѡ Ѡ

                    • Stefan Sasse 7. Januar 2020, 15:36

                      Ah, der Gag ging mir raus 😀 😀 😀

                      Peace, love and friendship. Mehr als das würde ich auch weder fordern noch erwarten. Ich würde im Übrigen auch mein Kreuz sofort bei Friedrich Merz machen, wenn die Alternative Meinhoff wäre.

                • Erwin Gabriel 6. Januar 2020, 20:25

                  @ Stefan Sasse 31. Dezember 2019, 10:45

                  Aber Todeslisten, Anschläge, massive Hetze, das kommt derzeit maßgeblich oder sogar alleine von rechts. Es ist eine gigantische Asymmetrie.

                  Ja, und?

                  Und jedes Mal, wenn ihr Energie darauf verschwendet, „aber die Linken!“ zu rufen, ist das Energie, die nicht in den Kampf dagegen geht, sondern einfach nur das Räderwerk verstopft.

                  Was für ein nichtssagendes Argument.

                  Ich dreh das Argument mal um: Jedesmal, wenn die Linke einen Spruch bringt, der Rechte und Konservative dazu bringt, „aber die Linke“ zu sagen, ist das Energie, die nicht in den Kampf gegen Rechts geht, sondern einfach nur das Räderwerk verstopft.

                  Hat außerdem mit dem Oma-Lied nichts zu tun. Da bin ich nicht gegen, weil ich rechts bin, sondern weil es ein mißglückter Satire-Versuch ist, der auf die Falschen zielt. Wäre kein Thema geworden, wenn es nicht dieses Kinderlied gegeben hätte.

                  Aber vielleicht klappt die Masche mit einem anderen Kinderlied besser:
                  Hänsel und Gretel verfuhren sich im Wald …

              • Erwin Gabriel 6. Januar 2020, 20:17

                @ Ralf 31. Dezember 2019, 00:26

                Also ich find’s ziemlich passend. Die Klimadebatte wird von der Jugend getragen und ist in vielem ein Jung-gegen-Alt-Konflikt.

                Das ist auf den ersten Blick richtig. Aber ein Blick in meine Familie zeigt mir die Scheinheiligkeit der Debatte: Meine Töchter sind eifrige FfF-Gänger, und maulen mich an, dass wir drei Autos haben (es werden aber nur maximal zwei bewegt; ein Wagen ruht im Sommer, der andere im Winter). Von der CO2-Reduzierung ist aber nichts zu hören, wenn die nach Hamburg wollen, und es regnet. 40 Minuten warm und trocken von Mami gefahren zu werden ist besser für die persönliche Umwelt, als anderthalb Stunden bei Nässe und Kälte unterwegs zu sein.

                Und wenn wir den Schlachtruf „SUV“ mal auf die über zwei Tonnen schweren, fett motorisierten Full-Size-Geländewagen á la Audi Q7, BMW X5, Porsche Cayenne, Range Rover, VW Tuareg etc. statt auf die kleinen Fahrzeuge mit vier cm mehr Bodenfreiheit beziehen, wirst Du in denen keine Omas und Opas finden, sondern deutlich eher den finanziell erfolgreichen, oft grün wählenden Vater der FfF-Kinder. Fette SUV sind in der Regel Geschäftswagen, die von Männern gefahren werden.

                Das wird in dem Lied auf satirische Weise rübergebracht.

                Nein – weder noch.

                Aber konkret ist es vollkommen gleichgültig, ob Du das Lied unpassend oder ob ich das Lied passend finde.

                Zustimmung. Durch Meinungsfreiheit abgedeckt.

                Es ist SATIRE.

                Nein, ist es nicht. Es ist eine Falschbehauptung

                Satire nimmt per Definition Leute auf die Schippe und legt den Finger in die Wunde.

                Wikipedia sagt: Satire ist eine Kunstgattung, die durch Übertreibung, Ironie und (beißenden) Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.

                Da Omas in der Regel keine SUVs fahren, wiederum häufig als Begleitung Jüngerer bei FfF mitlaufen, wird kein Finger in eine Wunde gelegt, sondern eine Personengruppe diskriminiert, die an dieser Stelle oft mehr Verständnis für die Jugend aufbringt als deren Eltern. Im Vergleich dazu trifft die Bemerkung Dieter Nuhrs, er werde seine Tochter bei FfF unterstützen, indem er im Winter im Kinderzimmer die Heizung zudreht, genau auf den Punkt (siehe oben: solche Töchter habe ich auch – Avocado statt Fleisch und „Mama, fahr mich mal…“).

                Niemals käme ich auf die Idee von Sendern zu verlangen Auftritte von Nuhr nicht mehr zu übertragen. Von Morddrohungen fange ich gar nicht erst an.

                Das ist echt cool von Dir, weißt Du …
                Ich glaube, das mache ich jetzt auch, und ziehe meine Morddrohungen gegen den NDR und den Kinderchor zurück …

                Aber all das ist rechts der Mitte nicht mehr selbstverständlich. Da wird Meinungsfreiheit mittlerweile als Recht auf Rede ohne Widerspruch interpretiert.

                Dummes Zeug.

                Und nur zur Info: Der Shitstorm gegen Nuhr inkl. Gewaltandrohung kam von links.

                Vieles, was in der Anstalt oder bei Matthias Richling läuft, oder was an feministischem Kabarett in Ladies Night vorgetragen wird etc., ist für mich durchaus schmerzhaft (je treffender, desto mehr zieht’s vermutlich – Fimger in die Wunde und so). Aber bei diesem „Umwelt-Lied“ ist nichts lustig, ist nichts satirisch, weil es keinen Bezug zur Realität hat.

                Und wenn jemand ein lustiges Lied über eine Oma als Umweltsau macht, ist der Teufel los.

                Wenn Du das für lustig hältst, hast Du einen ziemlich dürftigen Humor.

                Und wenn ich das dann vergleiche mit dem Schmink-Shitstorm gegen Barbara Schöneberger, dann weiß ich aber, wer „Mimimi“ heult.

                • Ralf 6. Januar 2020, 20:57

                  Du machst den beliebten Fehler nur das, als Satire gelten zu lassen, was Dir inhaltlich zusagt. Satire ist aber nicht nur das, was Du angemessen findest. Satire lebt von der Grenzüberschreitung und der Provokation. Ob Du Dir das dann gerne anschaust, ist eine ganz andere Frage. Aber da geht es Dir wie mir im Museum für Moderne Kunst. Nur weil ich persönlich die Gemälde lieblos, nichtssagend und überflüssig finde, habe ich nicht das Recht für den Rest der Menschheit festzulegen, dass das keine Kunst sei.

                  Wo Du Recht hast ist, dass die Generation der „Omas“ eigentlich nicht die „Klimasäue“ repräsentiert. Das ist vielmehr meine Generation. Von der „Mutter“, die „Klimasau ist“ zu singen, wäre also inhaltlich richtiger gewesen. Aber das hätte wohl kaum den Shitstorm verhindert oder Dich gütiger gestimmt. Außerdem hätte der Text dann nicht mehr auf das Lied gepasst, weil er dann nicht mehr eine Persiflage auf das Originalkinderlied gewesen wäre. So oder so macht es aber keinen Sinn bei einer Satire jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Bei dem Lied ging es darum den Jung-gegen-Alt-Konflikt auf die Schippe zu nehmen und nicht darum Omas per se zu beleidigen. Wir haben im Kindergarten damals übrigens das Originallied gesungen und es hat sich auch keine Oma beschwert, dass es sachlich falsch ist, dass Omas in Hühnerställen Motorrad fahren.

                  Was Dieter Nuhr und Gewaltdrohungen angeht, habe ich gegoogelt und nichts finden können, was da als Reaktion auf seine Kritik an FfF gekommen wäre. Wenn es da was gegeben hat, dann hat das wohl keine großen Wellen geschlagen. Nuhr hatte früher mal Schwierigkeiten mit seinen Äußerungen zum Islam, falls Du das meinst. Die Gewalt kommt in diesem Fall aber aus einer anderen Richtung. Und unabhängig davon ist jede Form von Gewaltandrohung inakzeptabel, egal ob sie von rechts, links, der Mitte oder aus der religiösen Ecke kommt.

                  Was bitte ist der Schmink-Shitstorm gegen Barbara Schöneberger?

                  • Erwin Gabriel 7. Januar 2020, 13:12

                    @ Ralf 6. Januar 2020, 20:57

                    Du machst den beliebten Fehler nur das, als Satire gelten zu lassen, was Dir inhaltlich zusagt.

                    Mach es Dir nicht immer so einfach.

                    Witzig / satirisch wäre ein Bezug zur Realität, der hier nicht gegeben ist. Das Lied erfüllt die Kriterien nicht, die für Satire greifen.

                    Das Lied ist kein Drama, gesellschaftlich unproblematisch, aber auch nicht witzig oder satirisch, einfach nur handwerklich schlecht gemacht.

                    Satire ist aber nicht nur das, was Du angemessen findest.

                    … sondern das, was Du angemessen findest – ja, nee, ist klar.

                    Satire lebt von der Grenzüberschreitung und der Provokation.

                    DAS IST KEINE SATIRE GEWESEN. Bestenfalls ein misslunger Versuch. Ich hätte mit dem gleichen Sinngehalt Kindern vorwerfen können, die Umwelt zu zerstören. Ist genau so wahr, genau so unlustig.

                    Bei dem Lied ging es darum den Jung-gegen-Alt-Konflikt auf die Schippe zu nehmen …

                    der üblicherweise zwischen Kindern und Eltern, nicht zwischen Kindern und Großeltern ausgetragen wird …

                    … und nicht darum, Omas per se zu beleidigen.

                    Wenn sich die Omas beleidigt fühlen, der wahre Zielkonflikt (Eltern-Kind) verfehlt, das eigentliche Problem (Reichtum und Wohlstand erzeugen CO2) nicht erkannt wurde, was haben wir dann? Gelungene Satire oder schlechtes Handwerk?

                    Wenn Du Dich nur über die Intensität des Shitstorms aufregst, bin ich bei Dir. Das war es nicht wert. Aber zu sagen, dass der Song gelungene Satire war – beim besten Willen nicht.

                    • Ralf 7. Januar 2020, 19:30

                      Das Lied ist kein Drama, gesellschaftlich unproblematisch, aber auch nicht witzig oder satirisch, einfach nur handwerklich schlecht gemacht.

                      Ich verstehe nicht, weshalb Du Dich so in dieses Lied verbeißt. Es ist sicher kein Meisterwerk, das man noch in dreißig Jahren erinnern wird. Aber dass es keinen Realitätsbezug hat, stimmt so nicht. Der Jung-gegen-Alt-Konflikt existiert. Und auch wenn die Hauptlinie des Konflikts entlang der Beziehung Eltern-Kinder verläuft, sind auch die Omas Teil der Auseinandersetzungen. Bei mir zuhause gab es zum Beispiel über Ostern heftige Diskussionen zwischen der “Kindergeneration” und der “Omageneration” über die Rechtmäßigkeit von Schulstreiks für das Klima. Und dass das Lied handwerklich schlecht gemacht ist, stimmt auch nicht. Wie gesagt, Dir steht frei mit der Fernbedienung abzustimmen, aber es ist sachlich falsch Satire als solche nicht anzuerkennen, nur weil man die Inhalte nicht mag. Ziel von Satire ist es den Finger in die Wunde zu legen, zu provozieren und Diskussionen anzustoßen. Die Debatte mit Dir hier ist ironischerweise der lebendige Beweis dafür, dass das Werk als Satire gut funktioniert hat.

                      … sondern das, was Du angemessen findest – ja, nee, ist klar.

                      Reg Dich mal ab. Ich hab genau das Gegenteil von dem geschrieben, was Du mir hier unterstellst.

                      Wenn sich die Omas beleidigt fühlen, der wahre Zielkonflikt (Eltern-Kind) verfehlt

                      Omas haben keinerlei Grund sich pauschal beleidigt zu fühlen. In dem Lied wird eine fiktive Oma als Symbolfigur besungen und der Text sagt “meine Oma”, nicht “jede Oma”.

                    • TBeermann 7. Januar 2020, 19:58

                      @ Ralf: Der eigentliche Clou dabei ist, dass das Lied im ursprünglichen Zusammenhang gar nicht als Kritik an der älteren Generation, sondern als Kritik an der FFF-Generation wegen der harschen Kritik an den Älteren gedacht war.

                      Das Lied wurde – in etwas kürzerer Form und ohne Chor – nämlich bereits im November im Rahmen einer Kabarett-Aufzeichnung gesendet.

                      Hier im unteren Drittel etwas zum Zusammenhang:

                      https://uebermedien.de/44946/eklatante-verletzung-der-rundfunkfreiheit-wdr-redakteure-kritisieren-buhrow/

                      und die Originalsendung gibt es auch noch:
                      https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/unterhaltung-am-wochenende/satiredeluxe-live-100.html

  • Ariane 23. Dezember 2019, 18:32

    zu 6)
    Handykameras zur Körpervermessung, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz könnten bei der Größenberatung künftig ebenfalls viele Retouren überflüssig machen
    Haha. Sorry, aber da musste ich echt laut loslachen. Das ist totaler Quark. Das hilft alles nichts, solange die Hersteller Größenangaben als sehr vagen Richtwert behandeln. Da brauche ich nur einen Blick in den Kleiderschrank werfen, da passen Sachen von 34-42 (das sind 5! unterschiedliche Größen) alle gleich gut. Hilft mir ja wenig, meinen Körper ganz genau zu vermessen, wenn mir dann doch keiner sagen kann, ob bei Hersteller XY 36 auch eine 36 ist oder vielleicht doch eher 40.

    • Stefan Sasse 23. Dezember 2019, 18:48

      Die Idee ist ja auch dass die Software direkt mit den Maßen des Kleidungsstücks verbunden ist.

  • Dennis 24. Dezember 2019, 11:11

    11)
    Zitat Stefan Sasse:
    „das Nullsummenspiel zwischen ihrer alten Stammwählerklientel und der neuen potenziellen progressiven Wählerschicht.“

    In D jedenfalls ist das kein Nullsummenspiel sondern ein klares Verlustgeschäft. Das mit „neue potenziell progressive Wählerschicht“ umschriebene Klientel, das häufig links blinkt und rechts abbiegt, hat i.d.R. ein Abo bei Grünens. Diesem Klientel erfolglos hinterherzuhecheln ist für die alte Tante SPD nitt grad der großer Bringer.

    Zitat:
    „die Probleme mit dem Ende des alten konservativen Gesellschaftsbilds haben, dem sie anhingen.“

    Hmm, möglicherweise wollen die aber gar nitt die Todes- und Prügelstrafe und ähnliches wiederhaben, sondern lediglich, dass sich die SPD mal u.a. der Frage zuwendet, ob Immigration und diverse andere Facetten der Globalisierung stets Gründe zum Jubeln sind.

    Vielleicht nur mal etwas mehr Bread & Butter und weniger Hipster?

    Vielleicht sogar mal wieder so was ausgeprägt Rechtsradikales?

    https://digit.wdr.de/entries/68167

    Portugal ist schon genannt worden. Ein anderes kleines Land bietet sich auch an:

    https://www.tagesschau.de/ausland/daenemark-parlamentswahl-107.html

    Okay, is etwas komplizierter als im verlinkten Bericht dargestellt. Die klassischen Sozen kommen lediglich auf 26 Prozent (wovon die SPD allerdings nur träumen kann). Wie im Norden üblich wird eine Minderheitsregierung unterstützt.

    Die taz ist – kein Wunder – über die Verhältnisse etwas indigniert^

    https://taz.de/Neue-Regierung-in-Daenemark/!5606996/

    Übrigens: Die Brexitabstimmung in GB (inklusive die inoffizielle zweite in Form der jetzigen Unterhauswahl) war wesentlich eine Abstimmung über Immigrationsfragen – bei den Wählern; aber auf die kommt’s halt an.

    • Stefan Sasse 24. Dezember 2019, 11:35

      Diese Klientel ist die einzige, die die SPD je an die Regierung gebracht hat, ob 1969 oder 1998.

    • TBeermann 25. Dezember 2019, 18:24

      Wobei Immigration gleichzeitig bei all diesen Wahlen nie auch nur in der Nähe des Kernproblems war und eine restriktivere Einwanderungspolitik nichts dazu beigetragen hat/hätte die Lebensumstände der Menschen zu verbessern.

      Aber klar, rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen gibt es und wer sie verspürt, freut sich, wenn er darin bestätigt wird.

      • Erwin Gabriel 6. Januar 2020, 20:47

        @ TBeermann 25. Dezember 2019, 18:24

        Wobei Immigration gleichzeitig bei all diesen Wahlen nie auch nur in der Nähe des Kernproblems war …

        Maßgeblich mitbestimmend bei allen deutschen Wahlen seit 2015, brexit, Östrreich, Dänemark, Ungarn, Polen etc.

        … und eine restriktivere Einwanderungspolitik nichts dazu beigetragen hat/hätte die Lebensumstände der Menschen zu verbessern.

        Diese Aussage halte ich für relativ stumpf. Mein Leben wurde durch die Zuwanderung nicht so eingeschränkt, dass ich das gemerkt hätte. Außerdem arbneite ich in einer Branche, die dringend auf Zuwanderung angewiesen ist; ich erkenne die Notwendigkeit von Zuwanderung für unser Land an.

        Für finanziell weniger gut ausgestattete Bevölkerungsschichten hat sich aber durchaus vieles verschlechtert. Bei uns im Ort gab es Benachteiligungen bei Wohnungen und Kita-Plätzen, da die bevorzugt an Zuwanderer vergeben wurden. manche Mieter wurden massiv bedrängt, Flüchtlinge in die Wohnung zu nehmen. Wenn die dann von heute auf morgen umziehen, also ohne mit drei Monaten Vorlauf zu kündigen (was recht häufig geschieht), bleibt der Vermieter auf verdienstausfall und Renovierung sitzen – für den weggezogenen Flüchtling ist die Gemeinde nicht mehr uzuständig. Auch an den Tafeln ging es zumindest einige Monate deutlich härter zur Sache (aber da bin ich seit einem halben Jahr nicht auf dem Laufenden).

        Je nachdem, wieviel Geld man hat, wo man wohnt und was man braucht, können sich die lebensumstände durch Zuwanderung verschlechtern bzw. durch eine harte Immigrationspolitik verbessern.

        Aber klar, rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen gibt es und wer sie verspürt, freut sich, wenn er darin bestätigt wird.

        Es gibt auch Leute, die am liebsten jeden hierher holen bzw. hier behalten und versorgen wollen, ob er nun Anspruch hat oder nicht, ob er zur Gesellschaft beitragen kann und will oder nicht. Die sind genauso hohlköpfig und dämlich wie Rassisten oder alle anderen, die etwas schwarzweiß sehen.

  • Stefan Pietsch 26. Dezember 2019, 10:56

    1) Abschied von einem verpeilten Jahrzehnt

    Mich irritiert, wenn angebliche Experten (als einen solchen sehe ich Herrn Fricke nicht) in jeder Situation das Gleiche empfehlen. Ich lese den Journalisten, der schon die FTD in den Sonnenuntergang geritten hat, seit sehr vielen Jahren. Etwas anderes als dass der Staat mehr Geld ausgeben solle, habe ich von ihm nie gehört. Ein Arzt, der bei höchst unterschiedlichen Befunden das immer gleiche Medikament verordnet in gleicher Dosierung, würde zu recht als Scharlatan beschimpft und verlöre seine Zulassung.

    Die deutschen Autobauer etwa leiden immer noch unter ihrer irregeleiteten Prognose, dass krasse Benzinschlucker das Nonplusultra bleiben und Investitionen in alternative Betriebsarten oder kleinere, weniger leistungsstarke Autos keine gute Idee sind.

    Hast Du gerade etwas gelesen, dass Elektroantriebe dem Benziner den Rang abgelaufen hätten? Die mir bekannte Zulassungsstatistik sagt etwas völlig anderes. Daneben forschen BMW, VW und Mercedes schon an alternativen Antrieben, da warst Du noch gar nicht geboren. Es ist jedoch ein Unterschied, ein funktionsfähiges Produkt zu entwickeln und es zur Marktreife zu bringen.

    Die kann im Zweifel leichter und schneller auf Leute zugreifen, die die entsprechenden Fähigkeiten haben oder nachqualifizieren können, während der Staat die langwierig selbst ausbilden muss.

    Nun sind die Fähigkeiten, die im Staatsdienst verlangt werden, selten so besonders. Im Gegenteil, weit häufiger als die Privatwirtschaft fragt er stupide Verwaltungstätigkeiten nach. Weder sind hoch qualifizierte Vertriebler noch Logistiker erforderlich. Das Problem ist nicht, dass sich die Leute nicht leicht anlernen ließen. Das Problem ist, dass der Staat selbst auf Fluktuation verzichtet und Karriere möglichst unattraktiv macht.

    4) Die Null steht

    Ich bezweifle, dass Du wirklich das Recht des Stärkeren willst. Denn der Stärkere könnte auch der andere sein.

    6) Forscher fordern Ende kostenloser Retouren

    Wieder ein Beispiel, wie sich heute manche als die Krönung der Schöpfung sehen. Seit jeher sind Retouren das große Problem des Versandhandels. Und den gibt es schon seit rund einem Jahrhundert. Denn vor dem Online-Versandhandel war der Katalogversandhandel. Die Neckermann, Otto, Schwab gibt es in dieser Form nicht mehr, sie heißen heute Amazon und Zalando.

    Ein Problem ist heute eher die elende Schnäppchenjagd gerade der jungen Leute. Noch ein Cent billiger lässt das eine Notebook bei den Preismaschinen drei Plätze nach hinten rutschen und kommt damit nicht mehr in die engere Auswahl. Man kauft ja nur das Günstigste. Beratung im Store, gekauft online, dass ist die Masche von jenen, die sich als so umweltbewusst darzustellen vermögen.

    Der Versandhandel hasst selbstredend Retouren, sie sind eine erhebliche logistische Belastung und einer der größten Kostenblöcke. Doch als Amazon von zwei Jahren eine Policy durchsetzte, diesbezüglich besonders auffällige Kunden von seiner Lieferliste zu streichen, war der öffentliche Aufschrei groß und auch kein Blogger auf DeliberationDaily ergriff Partei für den Online-Riesen.

    Natürlich würden die Versandhändler Retouren gerne aufpreispflichtig machen. Doch das setzt eine Marktakzeptanz voraus. Ein mir bekannter Möbelhändler in meinem Ort versuchte zeitweise, auch auf der Plattform von Amazon Rücksendungen kostenpflichtig zu machen. Der Kunde spielte nicht mit, die Umsätze fielen stark. Mit anderen Worten: noch bevor jemand etwas online bestellt, kalkuliert er seine Kosten bei Nichtgefallen.

    Es geht nur über die Erziehung des Kunden. Er ist das Problem. Aber im Gegensatz zu ihm hat Amazon ja einen Namen.

    9) Tweet

    Robert Habeck ist ein Kommunist. Claudia Roth will Deutschlands Wohlstand verscherbeln.

    Was ist los? Was soll das Gejammere? Meinungsfreiheit schützt nicht vor der Reaktion anderer Leute.

    • Stefan Sasse 26. Dezember 2019, 14:15

      1) Du siehst eine hochgezogene Augenbraue bezüglich deiner Kritik an Leuten, die in jeder Situation das gleiche empfehlen.
      Und ich denke, du hast eine sehr simple Sicht auf den Öffentlichen Dienst.
      4) Aktuell IST die Gegenseite die Stärkere. Ich lebe in dieser Realität seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Aber nein, ich will eigentlich kein „Recht des Stärkeren“.
      6) Uiuiuiui, der Hypermoralisierer will Leute erziehen! 😀
      9) Eben.

      • Stefan Pietsch 26. Dezember 2019, 16:45

        ad 1): Ich verstehe nicht, warum ich mich da angesprochen fühlen sollte.

        Es ist reine Statistik: Der Staat beschäftigt nicht vor allem Polizisten und Lehrer, sondern Verwaltungsangestellte. Das Bankgeschäft ist da weit spezieller und, zugegeben, dort findet auch wenig Austausch mit der produktiven Wirtschaft statt. Wenn Du also tatsächlich einen Vergleich willst, dann schau‘ dahin, wie es in der Kreditwirtschaft zugeht. Dieses „Der Staat ist so besonders, so einzigartig“ ist ein ganzes Stück nervtötend.

        ad 4) Die WTO-Regeln wurden entwickelt, um Fairness im internationalen Handel zu gewährleisten und die Schwächeren zu schützen. Irgendwie blöd, wenn die angeblichen Verteidiger von Fairness und Beschützer der Kleinen nun das Recht des Stärkeren einhandeln. Drückst Du doch heimlich Trump die Daumen?

        Die Gegenseite sind nicht die Stärkeren, sondern die Regelbrecher. In der Schule hast Du das doch auch dauernd, Rabauken, die einfach austesten wollen, wie weit sie gehen können und wie weit die anderen zurückweichen. Würdest Du da auch die Regeln aufheben?

        ad 6): Die unternehmerische Kompetenz ist (nicht nur) in diesem Blog völlig unterentwickelt. 😉 Unternehmen versuchen ständig, ihre Kunden zu erzielen und Einfluss auf ihr Verhalten zu nehmen. Nur sind die meisten Märkte heute sogenannte Nachfragemärkte, während die meisten Linken entwicklungstechnisch immer noch in den Siebzigerjahren mit ihren Angebotsmärkten leben. Der Kunde bestimmt heute meist die Bedingungen und die Preise.

        Aus Unternehmenssicht sage ich: herzlich gern sollen Retouren preispflichtig werden. Aus Wettbewerbssicht lehne ich es ab. Wo willst Du aufhören, wenn Du schon die Preisgestaltung von profanen Produkten gesetzgeberischen Verboten und engen Vorschriften unterlegst? Da gibt es kein Ende.

        9) Da haben wir ein völlig unterschiedliches Verständnis von Meinungsfreiheit.

        • Ralf 26. Dezember 2019, 17:11

          Ich verstehe nicht, warum ich mich da angesprochen fühlen sollte.

          Naja, jemand der wie eine defekte Schallplatte in Dauerschleife fordert jedes Weltproblem durch die Abschaffung des Solidaritätszuschlages zu lösen, völlig gleichgültig was die Natur des jeweiligen Problems ist, hat eigentlich allen Grund sich angesprochen zu fühlen … 😀

          • Stefan Pietsch 26. Dezember 2019, 17:31

            Okay, mal ernsthaft gesprochen:

            Bisher war meine Argumentation für die Abschaffung des Solis ausschließlich eine verfassungsrechtliche. Politisch war die Sonderabgabe immer mit den Bundesaufwendungen für den Aufbau Ost (Solidarpakt) verknüpft, als Sonderabgabe ist sie mit dem Auslaufen der Sonderförderungen obsolet geworden. Eine Eingliederung in die Einkommensteuer obliegt dem Gesetzgeber.

            Die ökonomische Begründung habe ich ausgespart. Für den einzelnen Steuerzahler liegt sie in der generell hohen Belastung der Einkommen, auf Unternehmensebene im Entzug von Liquidität und der Behinderung der Eigenkapitalbildung, die vor allem für kleine und mittlere Unternehmen überragende Bedeutung besitzt. Mangelnde Finanzierung ist bis heute die Hauptursache Nummer eins für Unternehmensinsolvenzen. Die Steuerbelastung für diese Unternehmen zurückzunehmen ist damit der leichteste Weg, profitablen Unternehmen die notwendige Liquidität zuzuführen.

            Die Abschaffung des Solis ist jedoch keine Maßnahme zur Schaffung von mehr Einkommens- oder Vermögensgleichheit. Er hat keinen Einfluss auf den Klimawandel. Doch wer behauptet, Investitionen fördern zu wollen, kommt an dem Argument nicht vorbei.

          • Erwin Gabriel 30. Dezember 2019, 22:24

            @ Ralf 26. Dezember 2019, 17:11

            Naja, jemand der wie eine defekte Schallplatte in Dauerschleife fordert jedes Weltproblem durch die Abschaffung des Solidaritätszuschlages zu lösen, völlig gleichgültig was die Natur des jeweiligen Problems ist, hat eigentlich allen Grund sich angesprochen zu fühlen.

            Sowohl der Aufbau Ost als auch die deutsche Beteiligung am Irak-Krieg, um mal die beiden entscheidenden Begründungen für den Solidaritätszuschlag zu nennen, sind abgehakt. Geplant war der Soli ursprünglich für ein Jahr – das ist schon seit Jahrzehnten um.

            Wer dennoch darauf beharrt, dass diese verlogene Steuer nur deswegen weiter aufrecht erhalten werden soll, um „den Reichen“ zu schaden, hat einen an der Waffel.

            Wir haben diese Diskussion schon öfter gehabt: Wer mir erklären kann, wie man den wirklich Reichen einen höheren Beitrag zum Gemeinwohl näherbringen kann, hat meine volle Zustimmung.

            Wer aber wie Du so argumentiert, dass unter „reich“ jeder vereinnahmt bzw. ausgenommen wird, der mehr als 3000 Euro im Monat verdient, und dass ein Einkommen von 6000 Euro / Monat trotz steuerlicher Progression noch durch den überflüssigen Soli abgekocht werden muss, ist ein billiger Populist, der Sozialneidern nach dem Mund redet. Du quatscht auf dem gleichen Niveau wie jemand, der jeden Hartz-IV-Empfänger grundsätzlich für einen faulen Hund hält.

            • Ralf 31. Dezember 2019, 00:05

              Wer aber wie Du so argumentiert, dass unter „reich“ jeder vereinnahmt bzw. ausgenommen wird, der mehr als 3000 Euro im Monat verdient

              Kein Mensch behauptet, dass jeder, der mehr als 3000 Euro im Monat verdient „reich“ ist.

              Dass jeder, der mehr als 6000 Euro im Monat verdient, deutlich mehr Steuern zahlen sollte, damit sich unsere Communities wieder Schulen, Krankenhäuser und vernünftige Straßen leisten können, ist hingegen vollkommen richtig.

              • Erwin Gabriel 7. Januar 2020, 14:31

                @ Ralf 31. Dezember 2019, 00:05

                Kein Mensch behauptet, dass jeder, der mehr als 3.000 Euro im Monat verdient „reich“ ist.

                Sollte 3.600 Euro lauten, dann passt das. Sagt Wikipedia.

                Dass jeder, der mehr als 6000 Euro im Monat verdient, deutlich mehr Steuern zahlen sollte, …

                Das tun die bereits. Angenommene Bedingungen:
                • Alleinstehend
                • 13 Gehälter pro Jahr

                Aufgelistet sind
                • Monatsgehalt in Euro
                • Jahresgehalt in Euro
                • Jahreseinkommensteuer + Soli in Euro
                (ohne Sozialversicherungen)
                • durchschnittliche monatliche Steuerbelastung in Euro

                2.000 26000 4.303,34 358,61
                3000 39000 8.672,10 722,68
                4000 52000 13.813,11 1.151,09
                5000 65000 19.537,54 1.628,13
                6000 78000 25.297,84 2.108,15

                Ich finde bereits die durchschnittliche monatliche Steuerbelastung von knapp 17 % bzw. knapp 360 Euro bei einem Monatsverdienst von 2.000 Euro als viel zu hoch. Aber ein Drittel Abzüge bzw. über 2.100 Euro pro Monat beim 6000-Euro Gehalt ist schon der Hammer.

                … damit sich unsere Communities wieder Schulen, Krankenhäuser und vernünftige Straßen leisten können, ist hingegen vollkommen richtig.

                Schön aufgesagt.

                Du bist ja, wenn ich das richtig verstanden habe, auch ein Befürworter davon, mit Steuern zu steuern. Wenn also etwas nicht erwünscht ist (etwa Autos mit hohem Kraftstoffverbrauch), dann besteuert man den Kraftstoff.

                So, wie der Staat agiert, sind bessere Einkommen offenbar nicht erwünscht. Man schafft „Gerechtigkeit“ (besser wäre der Begriff „Ausgleich“), indem man die, die mehr Erfolg haben, etwas besser machen, mehr leisten oder (von mir aus) einfach nur Glück gehabt haben, nach unten zieht, anstatt Ansporn und Chancen für eine Entwicklung nach oben zu geben.

                • Ralf 7. Januar 2020, 21:51

                  Sollte 3.600 Euro lauten, dann passt das. Sagt Wikipedia.

                  Dann solltest Du Dich mit Wikipedia, nicht mit mir, streiten. Ich finde nicht, dass man mit 3600 Euro Monatseinkommen „reich“ ist.

                  2.000 26000 4.303,34 358,61
                  3000 39000 8.672,10 722,68
                  4000 52000 13.813,11 1.151,09
                  5000 65000 19.537,54 1.628,13
                  6000 78000 25.297,84 2.108,15

                  Ich finde bereits die durchschnittliche monatliche Steuerbelastung von knapp 17 % bzw. knapp 360 Euro bei einem Monatsverdienst von 2.000 Euro als viel zu hoch. Aber ein Drittel Abzüge bzw. über 2.100 Euro pro Monat beim 6000-Euro Gehalt ist schon der Hammer.

                  Ok, dann rechnen wir mal. Was dem Arbeitnehmer bleibt sind bei Deinen fünf Einkommenskategorien:

                  2000 Euro -> bleiben 1641 Euro
                  3000 Euro -> bleiben 2277 Euro
                  4000 Euro -> bleiben 2849 Euro
                  5000 Euro -> bleiben 3372 Euro
                  6000 Euro -> bleiben 3892 Euro

                  Um eine bescheidene Mittelklasseexistenz zu finanzieren, entstehen nun gewisse monatliche Kosten, denen man praktisch nicht ausweichen kann. Sagen wir 500 Euro für die Kaltmiete, 40 Euro für Strom, 50 Euro für GEZ, Telefon und Internet, 70 Euro für Haftpflicht- und Hausratversicherung, 20 Euro für das Handy, 20 Euro monatsanteilig für Kleidung, 280 Euro für Lebensmittel, 400 Euro für das Auto (laut ADAC die durchschnittlichen monatlichen Kosten für den Betrieb eines Kleinwagens). Das ist natürlich jetzt alles über den Daumen gepeilt. Die Lebenserhaltungskosten unterscheiden sich regional sehr stark. Aber es ist ein ungefährer Wert.

                  Diese monatlichen Ausgaben, denen man praktisch nicht ausweichen kann, wenn man zumindest eine bescheidene untere Mittelklasseexistenz haben will, summieren sich auf 1380 Euro. Da ist wohlgemerkt noch kein Spaß, kein Luxus eingerechnet. Kein Kino, kein Ausgehen, kein Restaurantbesuch. Auch Ausgaben wie ein neuer Computer, eine Waschmaschine oder ein neues Möbelstück sind da nicht drin. Und kein Urlaub. Noch nicht einmal eine Woche auf dem Campingplatz. Und natürlich darf man keine Kinder haben. Es ist eine Bare Bones-Kalkulation.

                  Die Differenz zwischen diesem Minimum, um an der Schwelle der Mittelklasse zu kratzen und dem verfügbaren Einkommen (nach Steuerabzug) nennen wir Lebensqualität. Das bisschen Lebensglück, das wir uns jenseits des absolut Notwendigen leisten können. Jetzt berechnen wir diese Differenz für Deine fünf Kategorien des Monatseinkommens:

                  2000 Euro -> 261 Euro für Lebensqualität
                  3000 Euro -> 897 Euro für Lebensqualität
                  4000 Euro -> 1469 Euro für Lebensqualität
                  5000 Euro -> 1992 Euro für Lebensqualität
                  6000 Euro -> 2512 Euro für Lebensqualität

                  Fällt Dir was auf? Der Arbeitnehmer mit dem niedrigsten Lohn muss praktisch sein gesamtes Einkommen für Grundbedürfnisse ausgeben (84%), um ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu haben. Es bleibt fast nichts für ein bisschen persönliches Glück übrig. Dem Arbeitnehmer mit dem höchsten Lohn, bleiben hingegen zwei Drittel seines Einkommens für das pure Vergnügen. Zehnmal mehr effektiv verfügbare Mittel als die ärmste betrachtete Gruppe, obwohl man brutto nur dreimal mehr verdient. Was dieser dramatische Unterschied ausmacht? Das ist der Urlaub in Südafrika. Das ist der Abend mit Freunden beim Griechen. Das sind die Theaterkarten und der Konzertbesuch. Das sind der gute Anzug und das neue Notebook. Das ist gesundes Essen vom Biobauern. Das ist das Geschenk, das man seinen Kindern zu Weihnachten kaufen kann, um das Leuchten in ihren Augen zu sehen.

                  Wer den 6000 Euro-Verdiener in Deinem Beispiel für den Verlierer von allen in der zitierten Gruppe hält, verschließt die Augen vor den wirtschaftlichen Realitäten im Land.

                  • Stefan Sasse 7. Januar 2020, 22:52

                    Wobei zugegebenermaßen der trotzdem nicht die Zielgruppe einer Politik sein sollte, die die Ungleichheit im Land angeht.

                    • Ralf 7. Januar 2020, 23:51

                      Sicher ist es skandalöser, dass Amazon gar keine Steuern bezahlt, als dass 6000 Euro-Verdiener unterbesteuert sind. Aber ein kleines Unrecht wird nicht Recht, nur weil es anderswo ein riesengroßes Unrecht gibt.

                    • Stefan Sasse 8. Januar 2020, 08:16

                      Ich hab den Faden verloren. Warum ist 6000 Euro verdienen Unrecht?

                    • Ralf 8. Januar 2020, 08:20

                      6000 Euro zu verdienen, ist überhaupt kein Unrecht. Dafür relativ gering besteuert zu werden, ist das Unrecht.

                    • Erwin Gabriel 15. Januar 2020, 20:42

                      @ Ralf 7. Januar 2020, 21:51

                      Ich finde nicht, dass man mit 3600 Euro Monatseinkommen „reich“ ist.

                      Zur Kenntnis genommen.


                      2000 Euro -> 261 Euro für Lebensqualität
                      3000 Euro -> 897 Euro für Lebensqualität
                      4000 Euro -> 1469 Euro für Lebensqualität
                      5000 Euro -> 1992 Euro für Lebensqualität
                      6000 Euro -> 2512 Euro für Lebensqualität

                      Au weia

                      Du hast geschrieben, „dass jeder, der mehr als 6000 Euro im Monat verdient, deutlich mehr Steuern zahlen sollte, damit …“ – was dann folgte, war leider manipulativer Theorie-Mist auf Kindergarten-Niveau, selbst wenn ich Deinen Punkt verstehe (nicht teile).

                      Ich habe Dir daraufhin aufgelistet, dass die das tun (was natürlich selbst beim gleichen Steuersatz der Fall wäre, aber es wird natürlich deutlich härter zugegriffen). Mal abgesehen davon, dass Du mich offenbar nicht ernst nimmst, wenn Du für jede Gehaltsgruppe, für alle Umstände gleiche Lebenskosten annimmst, als Maßstab nicht das verdiente, sondern das verbleibende Geld ansetzt und es auch noch als „Lebensqualität“, „persönliches Glück“ oder „pures Vergnügen“ bezeichnest – Du scheinst davon auszugehen, dass das ausbezahlte Gehalt nichts mit dem zu tun haben braucht, was brutto verdient oder welcher berufliche Einsatz dafür erbracht wird.

                      Ausschlaggebend scheint nur zu sein, wieviel der Staat nicht weggenommen hat.
                      Und wenn der Staat – unabhängig vom Bruttoverdienst – nicht alle auf die gleiche „Lebensqualität“ herunterbuchst, nennst Du das „ungerecht“.

                      Andere Leute kriegen vom vom Staat wenig bis viel Geld in den Hals geschoben, ich bekomme gar nichts. Gerecht ist das auch nicht.

                      Vielleicht können wir uns ja auf Folgendes verständigen: Jeder Bürger kriegt vom Staat die gleiche Summe; ein bedingungsloses Grundeinkommen. Darüber hinaus stellt der Staat sicher, dass alle Wohungen gleich groß sind, gleich ausgestattet sind, und die gleiche Miete kosten. Damit es keine Ungerechtigkeiten gibt, werden weiterhin Wasser, Strom und Elektrizität in gleicher Menge zugeteilt.

                      Ausbildung nach Wahl (unabhängig von Qualifikation oder Befähigung) und medizinische Versorgung etc. sind natürlich umsonst.

                      Als Gegenleistung arbeitet ein jeder, was er will, so viel oder wenig er will, oder eben überhaupt nicht (ist schließlich, bedingungslos, das Grundeinkommen) – und zwar dort, wo er will bzw. wo man ihn lässt (es können schließlich nicht alle das „Dschungelcamp“ moderieren oder Porsche-Testfahrer werden). Bei mehreren Bewerbungen auf die gleiche Stelle entscheidet nicht die Qualifikation, sondern das Los. Aus Gerechtigkeitsgründen müssen für die Verlierer vergleichbare Posten eingerichtet werden.

                      Die Finanzierung wird genauso konsequent durchgezogen. Alles Geld, das durch diese viele/wenige/gar keine Arbeit verdient wird, wird unabhängig von der Höhe zu 100 % versteuert; es geht alles an den Staat, niemand wird bevorzugt (schließlich hat jeder durch das bedingungslose Grundeinkommen bereits genug zum Leben). Es mag natürlich schwierig sein, noch ein Gehalt auszuhandeln, wenn alle freiwillig arbeiten, aber das wird der Staat (wer auch immer den dann betreibt) schon per Mindestlohn-Festlegung regeln.

                      Mal im Ernst: Du verwechselst „Gerechtigkeit“ mit „Gleichheit“; aber die Menschen sind nicht gleich.

        • Stefan Sasse 26. Dezember 2019, 18:18

          1) Nicht so nervtötend wie dein ständiges Miesmachen.
          4) Die WTO-Regeln und den Schwächeren schützen? Das ist ganz schön naiv.
          6) Stichwort nervtötend.
          9) Ich verstehe nicht was du meinst.

          • Stefan Pietsch 26. Dezember 2019, 20:07

            ad 1) Welches Miesmachen? Ist die schlichte Behauptung, der Staat sei nicht so besonders, bereits Miesmacherei?

            ad 4) Wozu sonst?

            ad 9) Meinungsfreiheit bedeutet nicht, alles (so) zu sagen, was man denkt.

            • TBeermann 27. Dezember 2019, 13:55

              9. Da beißt sich die Katze halt in den Schwanz, denn was Schröder und Co meinen, ist halt, dass sie weiterhin sagen können wollen, was und wie es ihnen beliebt, aber sich alle Anderen mit Reaktionen darauf doch bitte zurück halten sollen, denn sonst fühlen sie sich „hart angegangen“ und sehen ihre Meinungsfreiheit eingeschränkt.

            • Stefan Sasse 27. Dezember 2019, 21:22

              1) Nein, aber du machst schon deutlich mehr als das.
              4) Vor allem die mächtigen Marktteilnehmer.
              9) Die Freiheit hast du aber. Dass das nicht die beste Nutzung dafür ist, da sind wir d’accord. Aber wenn du Unsinn erzählen willst, darfst du das. Oder redest du neuerdings Sprechverboten das Wort? Ich bin verwirrt.

  • Stefan Pietsch 31. Dezember 2019, 14:10

    @Ralf, Stefan Sasse, CitizenK

    Ihr habt echt einen an der Waffel (Satire!).

    Schon kriminalstatistisch ist eher von einer Äquidistanz auszugehen. Und ebenso psychologisch. Wie können eigentlich Menschen, die angeblich ihre fünf Sinne beieinander haben, davon ausgehen, dass die Gewaltbereitschaft von Menschen mit einer bestimmten politischen Richtung korrespondiert? Eigentlich nur aus moralischer Überhöhung des eigenen Ichs zu erklären, so ähnlich hätte es wohl Sigmund Freud ausgedrückt.

    Da wird ein Kommentator (soviel zur Ichbezogenheit) verbal rüde angegangen, weil er es wagt, die Ikone der Klimabewegung zu zitieren und nicht gleich zu interpretieren, auf dass der gleißende Heiligenschein erhalten bleibe. Der Wutausbruch eines Kommentators, der sich selbst als civil bezeichnen würde, schmeißt mit übelsten Beschimpfungen um sich. Wenn Ihr an solchen Stellen schon ausrastet und jede Contenance verliert, wie ist es erst bei echten Angriffen?

    Ihr habt echt einen an der Waffel.

    Wir lernen: wenn jemand Asylbewerber, Politiker, die sich für diese Menschen einsetzen oder für den Klimawandel oder ein sonstiges Herzensthema, mit dem Tode bedroht wird, ist das ein Angriff von rechts und die Gruppe ist genau abgrenzbar. Und so waren jene, die den Chor des WDR ob eines obszönen Liedes bedrohten, natürlich von rechts. So weit okay. Aber mal schauen, ob ich das richtig zusammenbekomme:

    Wenn aus einer Gruppe von rechten Demonstranten Todesdrohungen gegen Asylbewerber ausgestoßen werden, ist das rechtsextremistische Gewalt. So sehen das auch Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt. Doch dann trennen sich die Pfade der Lauterbarkeit. Wenn ein Asylbewerber aus der Unterkunft Bürger angreift, die reinrassig aussehen, weil seine Religion (Islam) ihm sagt, er dürfe auf alle Ungläubigen treten, dann ist das nicht mehr abgrenzbar. Islamismus ist kein abgrenzbares Phänomen. Das sehen die Behörden anders, nicht jedoch der deutsche Gutbürger.

    Ihr habt doch echt einen an der Waffel.

    Tagtäglich stoßen Menschen Todesdrohungen aus. Es ist ein Zeichen, dass einige sich nicht unter Kontrolle haben. Die Todesdrohungen gegen den Chor des WDR sind natürlich rechts motiviert, gegen den Klimaschutz, schließlich haben die Chorknaben und Chormädchen genau dagegen polemisiert. Angeblich in einer Satire. Solche Satiren häufen sich in letzter Zeit. So sagte Greta Thunberg wörtlich – nicht in Schwedisch, sondern Englisch: We will make sure they, that we put them against the wall, and that they will have to do their job and to protect our futures.

    Sehr, sehr viele Menschen auf diesem Erdball haben nicht interpretiert. Auch zur Weihnachtszeit, offensichtlich der geeignete Zeitpunkt, satirisch loszulegen, veröffentlichte Fridays for Future einen Tweet: Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.

    Und nun der WDR-Chor, der vor allem die Beschimpfungen von der Oma, die eine Umweltsau sei, hängen geblieben ist. An der Aktion gibt es so viel zu kritisieren, dass es den Blog sprengen wurde. Früher war gute Satire witzig und kam ohne Beschimpfungen aus. Vor allem wurden Verhaltensweisen karikiert, die mehr als einen wahren Kern enthielten. Der in diesen Tagen wenig gelittene Dieter Nuhr hat es in seinem politischen Kabarett drauf. Seine schlimmste Formulierung zur Klimabewegung war derart, sein Sohn könne ja seine klimapolitische Haltung überprüfen, wenn er ihm im Winter mal die Heizung abstelle. Auf diesem Niveau bewegen sich auch die ZDF heute show und Die Anstalt. Im Unterschied zu Nuhr verteilen sie aber nur einseitig ihre satirischen Schläge.

    Nein, reine Beschimpfungen sind nicht automatisch Satire. Was soll daran komisch sein? Es ist so eine abstoßende Unart von Linken, Kinder für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen. Und ja, genau dieses Wort ist angebracht. Keine Friedensdemo, in der nicht Kinderwägen geschoben werden. Keine Demo gegen Atomkraft ohne Kleinkinder in den Kameras. Aktuell halt eben in der Klimadebatte. Man stelle sich einen Moment vor, auf einer rechten Demo würden junge Frauen ihren Kindern Flyer in die Hand drücken: „Die zukünftigen Vergewaltigungsopfer von Merkels Flüchtlingspolitik!“ Es wäre zurecht ein Skandal.

    Ihr habt doch echt einen an der Waffel.

    Nicht zuletzt die Hetze Berliner Lokalpolitiker und linker Bundespolitiker hat ein Klima geschaffen, in dem Immobilienbesitzer als Ausbeuter und Subjekte gesehen werden, die man angehen kann. Die SPD veröffentlichte vor Monaten einen schäbigen Tweet, in dem Besserverdiener pauschal als faule, Geldscheffelnde Gesellen dargestellt wurden. An diesem Klima sind SPD, Grüne und Linke schuld. Müssen wir sie jetzt wie auf der anderen Seite die AfD zu den linksextremistischen Parteien zählen? Jedenfalls fühlten sich solche Linksextremisten berufen, an einer Leipziger Immobilienkauffrau eine Exempel zu statuieren. Das war ein echter Angriff, Resultat eines vergifteten Klimas, geschaffen von linken Parteien mit Worten und Politik!
    https://www.focus.de/politik/sicherheitsreport/nach-taetlichem-angriff-auf-mitarbeiterin-links-terror-in-leipzig-immobilien-firma_id_11313001.html

    Selbstverständlich hat den Angriff kein populärer Linkenpolitiker öffentlich verurteilt. Und an einem Tag, wo Ihr drei die Einseitigkeit rechter Angriffe feststellt, kommt die Meldung, dass die baden-württembergische Landtagsabgeordnete der FDP, Judith Skudelny Morddrohungen aus dem linksextremistischen und, ja, von Klimaradikalen bekommen habe. Es wirkt angesichts dieser zeitlichen Koinzidenz mindestens blöd, sich so einseitig zu positionieren, meine Herren!
    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/morddrohung-polizei-ermittelt-wegen-drohung-gegen-fdp-politikerin-a-1303226.html

    Wenn schon eine so unbekannte Politikerin so massiven Angriffen von Linken ausgesetzt ist, wie geht es dann anderen? Jedenfalls musste ein ehemaliger Vorsitzender der AfD und verbeamteter Professor diesen Herbst seine Vorlesungen unter Polizeischutz abhalten, und das nicht, weil es sonst zu laut geworden wäre. Lapidarer Kommentar von Euch: das müsse man aushalten.

    Ihr habt doch echt einen an der Waffel! Diese moralische Überheblichkeit macht es wirklich schwer, mit Euch zu diskutieren. Sie ist abstoßend.

    • TBeermann 31. Dezember 2019, 14:37

      Was diese Drohung an Judith Skudelny angeht, bin ich wirklich (ergebnisoffen) gespannt, was dabei am Ende raus kommt (oder ob etwas raus kommt).

      Auch wenn das jetzt ein Bisschen in den Bereich Verschwörungstheorie geht: Für mich wirkt daran relativ viel nicht stimmig. Das fängt damit an, dass sich Umweltschützer angeblich ausgerechnet auf die „Revolutionäre Aktionszellen“, die Vorgängerorganisation „Militante Gruppe“ (ich nehme zumindest an, dass das gemeint ist, wenn in dem Brief von „Militanter Zelle“ geschrieben wird) und über den Querverweis zu Holger Meins noch auf die RAF beziehen, von denen keine einen ausgewiesenen Umweltschwerpunkt (gehabt) hätte. (Die ersten beiden Gruppen waren zudem bisher fast nur in den neuen Bundesländern aktiv).

      Dass man sich dann auch noch eine (zumindest bundesweit) relativ unbekannte FDP-Abgeordnete ausgesucht hat, auch wenn sie Mitglied im Umweltausschuss des Bundestages ist, aber eigentlich nichts als Hardlinerin aufgefallen wäre, finde ich bemerkenswert.

      Dazu wirken die Formulierungen im Vergleich zu bestätigten Bekennerschreiben aus dem linksradikalen Umfeld nicht wirklich stimmig.

      Ich glaube dabei ausdrücklich nicht, dass Skudelny diesen Brief erfunden hat, aber ich bin gespannt, ob irgendwann mal herauskommt, wer den Brief geschickt hat. Dass Herr Pietsch ob dieser Nachricht scheinbar gerade eine Flasche Champagner köpft, zeigt ja sehr eindrücklich, dass genug Rechte darauf warten, endlich wieder mehr über „Linksterrorismus“ reden zu dürfen.

      • Stefan Pietsch 31. Dezember 2019, 14:43

        Wieso sollte ich eine Flasche köpfen, wenn ein Mensch bedroht wird? Sie haben echt einen an der Waffel.

        Ausgangspunkt – ich weiß, die Vergesslichkeit im Kurzzeitgedächtnis von Linken – war die Annahme, dass die Drohungen gegen den WDR-Chor aus dem rechten Spektrum kämen. Aber woher wissen die genannten Personen das? Vielleicht sind es einfach nur ein paar nicht voll Zurechnungsfähige.

        • TBeermann 31. Dezember 2019, 14:56

          Vielleicht weil bekannte Neo-Nazis vor einem WDR-Gebäude und der Privatwohnung einer freien Mitarbeiters aufmarschiert sind? Nur so ’ne Idee.

    • Ralf 31. Dezember 2019, 16:49

      Die Enttäuschungen über Ihre Äußerungen hier reißen nicht ab. Es bleiben auch nur noch die beiden Möglichkeiten, dass Sie entweder unwillig sind Ihre Beiträge zu recherchieren. In dem Fall handeln Sie rücksichtslos und grob fahrlässig, weit jenseits der Grenze der Frechheit. Oder Sie haben sich informiert und herausgefunden, dass Ihre Aussagen sich nicht mit der Realität decken. In dem Fall lügen und manipulieren Sie ganz bewusst. So oder so ist Ihr Verhalten völlig unverantwortlich und Ihrem Alter und Ihrem Intellekt nicht angemessen. Wirklich ein Armutszeugnis!

      Zu Greta Thunberg:

      Ihr Zitat auf Englisch war: „We will make sure that we put them against the wall, and they will have to do their job to protect our futures.“.

      Dass hier keine Hinrichtungsaufforderung getätigt wurde, wird bereits aus dem Kontext klar. Jemand den man exekutiert hat, der kann nicht anschließend „seinen Job machen und unsere Zukunft schützen“. Zumindest das sollte schon mal aus dem Zusammenhang offensichtlich sein.

      Wie Frau Thunberg selbst erklärt hat, hat sie in dem Satz eine feststehende Redewendung aus dem Schwedischen („att ställa någon mot väggen“) wortwörtlich ins Englische übersetzt. Diese Phrase bedeutet im Schwedischen etwa „in die Enge treiben“ oder „zum Handeln zwingen“. Dezidiert bedeutet sie nicht „jemanden exekutieren“. Zu den Bedeutungen und Nichtbedeutungen der Redewendung inklusive Beispiele findet sich alles hier:

      https://de.wiktionary.org/wiki/ställa_någon_mot_väggen

      Diese feststehende Redewendung hat Frau Thunberg wortwörtlich ins Englische übersetzt. Wir sollten uns hier auch in Erinnerung rufen, dass Englisch nicht die erste Sprache der Klimaaktivistin ist. Und jeder der mal im Urlaub war und dort deutsche Touristen Sätze hat sagen hören wie „I only understand railway station“ („ich verstehe nur Bahnhof“), weiß wie gefährlich es ist, feststehende Redewendungen wortwörtlich zu übersetzen.

      Nun, „att ställa någon mot väggen“ heißt wortwörtlich „to put someone against the wall“, wie sich leicht mit Google Translate kontrollieren lässt. Nun ist das ironischerweise immer noch kein großes Problem. Im Englischen wird „up against the wall“ gewöhnlich nicht mit „Exekution“ in Verbindung gebracht, sondern damit, in einer schwierigen Situation zu sein. Hier zum Beispiel die Bedeutung, wie sie im angesehenen Merriam-Webster Wörterbuch angegeben wird:

      https://www.merriam-webster.com/dictionary/up%20against%20a%2Fthe%20wall

      Auch im Englischen überwiegt also die Bedeutung, wie sie bereits im Schwedischen etabliert war, auch wenn die Phrase im Englischen – anders als im Schwedischen – keine feststehende Redewendung mit fixierter Bedeutung ist. Dabei mag die Redewendung im übrigen durchaus figurativ aus dem Bild einer Hinrichtung entstanden sein. Genauso wie unsere deutsche Redewendung „den Kopf aus der Schlinge ziehen“ auch ihren Ursprung im figurativen Bild einer Hinrichtung hat. Aber das ist eben nicht mehr die aktuelle Bedeutung im Sprachgebrauch. Nicht im Schwedischen. Und ohne expliziten Kontext auch nicht im Englischen.

      Nur im Deutschen existiert die Redewendung „an die Wand stellen“ ausschließlich als direktes Synonym für eine Hinrichtung durch Erschießen. Nur im Deutschen wird diese Phrase nie bildlich sondern grundsätzlich wortwörtlich verstanden. Die ganze Aufregung ist also die Konsequenz einer ungeschickten wortwörtlichen Übersetzung einer feststehenden Redewendung aus dem Schwedischen ins Englische, die dann bedeutungsentstellend, nochmal wortwörtlich ins Deutsche übersetzt wurde, wo plötzlich ein völlig anderer Sinn damit verknüpft wurde.

      Eigentlich alles kein Problem. Auf den Fall aufmerksam gemacht, hat sich Frau Thunberg unmittelbar entschuldigt und von der Formulierung distanziert. Sie hat einleuchtend erklärt wie das Missverständnis zustande kam und die Bedeutung ihrer Aussage gerade gerückt.

      All das, inklusive der Bedeutung ihrer Originalformulierung etc. kann man innerhalb von fünf Minuten ergooglen. Stattdessen kommt von Ihnen hier ein Statement …

      „Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.“

      … das sich nicht anders verstehen lässt, als dass Frau Thunberg erst zum Mord aufgerufen hätte und anschließend noch über ihren Mordaufruf gelogen hätte.

      Das so darzustellen, ist eine unglaubliche Schweinerei. Mein Entsetzen und meine Empörung ob dieser Unverschämtheit lässt sich schwer in Worte fassen. Schlecht recherchierten Blödsinn ins Internet zu posten, kann man vielleicht einem 14-jährigen Dummkopf durchgehen lassen. Dass sowas hier von Ihnen kommt, ist unfassbar. Bevor man jemandem einen Mordaufruf in den Mund legt, bevor man einem Kind einen Mordaufruf und eine Lüge in den Mund legt, hat man eine verdammte Verantwortung sich zu informieren. Und wer nicht gewillt ist, sich zu informieren, sollte bitte auch einfach mal den Mund halten.

      • Stefan Pietsch 31. Dezember 2019, 17:25

        Ich bin ein Mensch, der auf Kraftausdrücke fast gänzlich verzichtet. Ich benutze keine Gossensprache, höchstens zur kurzen Imitation als Stilelement. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein gebildeter Mensch dies nicht nötig hat.

        Und ich sehe keine Notwendigkeit darin, mir das gefallen zu lassen. Und das von jemanden, der es selbst nicht fertig bringt, entweder seine harte Vorwürfe zu konkretisieren oder zurückzurudern:

        Ich schlage vor, Sie treten entweder Beweis für folgende Behauptungen an oder rudern ganz kräftig zurück.
        Ihr Gegenvorschlag jetzt auf vollen Touren weiter zu konsumieren
        Und das deckt sich auch damit, dass Sie ja hier nun bereits mehrfach die Folgen des Klimawandels als harmlos und beherrschbar bezeichnet haben.

        http://www.deliberationdaily.de/2019/12/jugendliche-nehmen-mit-joe-biden-elternzeit-auf-eine-fahrradtour-nach-georgia-vermischtes-22-12-2019/#comments

        Sie brauchen nicht Rechtsextreme anzuklagen. Sie benutzen teilweise die gleichen Methoden. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?

        Die Passage über Gretas Einlassung ist sehr kurz, im Gegensatz zu Ihren zweimaligen Erwiderungen. Ich habe ihr nichts unterstellt, ich habe zitiert. Die meisten Menschen auf dieser Welt verstehen kein Schwedisch und Sie geben auch nur wieder, was Thunberg selbst gesagt hat. Sie sind nicht Ihr Anwalt!

        Darüber hinaus sprechen Schweden wie Norweger und Niederländer so nahezu perfekt Englisch, dass Ihre Analogie einer Albernheit gleich kommt. Und letztlich häufen sich bei der Klimaikone die Missverständnisse. Nur war das nicht der Inhalt des Kommentars.

        Wer sich in die Öffentlichkeit begibt und solchen Einfluss ausübt, unterliegt Regeln. Will Greta Thunberg den Jugendschutz in Anspruch nehmen, so ist dies denkbar einfach: sie muss sich bescheiden, bis sie 18 ist. Aber selbst heftigst austeilen („How dare you!“) bedingt, sich Kritik, auch ungerechtfertigter, auszusetzen. Daneben ist Greta eher ein Team, denn eine Einzelperson. Man sollte die Leute nicht für dumm verkaufen.

        • Ralf 31. Dezember 2019, 18:42

          Also zusammengefasst: Sie sind unfähig einen Fehler einzugestehen und nicht in der Lage die Größe aufzubringen dort zurückzurudern, wo Sie einem jungen Mädchen Unrecht getan haben.

          • Stefan Pietsch 31. Dezember 2019, 19:07

            Ich schrieb nur das:

            Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.

            So sagte Greta Thunberg wörtlich – nicht in Schwedisch, sondern Englisch: We will make sure they, that we put them against the wall, and that they will have to do their job and to protect our futures.

            Sie machten daraus:
            Es zeigt zum wiederholten Male, dass Ihnen jedes, aber auch wirklich jedes Mittel recht ist Ihre politischen Gegner zu beschmieren, zu diskreditieren und zu verunglimpfen, völlig losgelöst von den eigentlichen Geschehnissen. Es ist die brachiale Methode seinen Kontrahenten wahllos mit Scheiße zu beschmeißen, in der Hoffnung, dass schon irgendetwas kleben bleiben wird. Ein Hauptgrund dafür, dass die gesamte Debattenkultur im Internet heutzutage so vergiftet ist.

            Und:
            In dem Fall handeln Sie rücksichtslos und grob fahrlässig, weit jenseits der Grenze der Frechheit. (..) In dem Fall lügen und manipulieren Sie ganz bewusst.

            … das sich nicht anders verstehen lässt, als dass Frau Thunberg erst zum Mord aufgerufen hätte und anschließend noch über ihren Mordaufruf gelogen hätte.

            Das so darzustellen, ist eine unglaubliche Schweinerei. Mein Entsetzen und meine Empörung ob dieser Unverschämtheit lässt sich schwer in Worte fassen. (..) Bevor man jemandem einen Mordaufruf in den Mund legt, bevor man einem Kind einen Mordaufruf und eine Lüge in den Mund legt, hat man eine verdammte Verantwortung sich zu informieren.

            Man muss schon ziemlich irre sein, in den zwei Sätzen das zu lesen, was Sie daraus gemacht haben.

            Sie sind hier derjenige, der andere immer wieder in den Schmutz zieht. Sie können nicht zurückrudern. Ich fordere Sie hier auf, darzustellen, wo die Lüge in den Sätzen liegt. Den Rest Ihrer vulgären Ausfälle spare ich mir.

            Nehmen Sie gefälligst Stellung, wenn Sie schwere Geschütze gegen andere auffahren. Sie sind die Antwort schuldig aus der Klimadebatte. Schmeißen Sie nicht ständig mit Dreck nach anderen.

            • Ralf 31. Dezember 2019, 20:33

              Man muss überhaupt nicht irre sein, um Sie zu verstehen. Ihre Aussage …

              Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.

              … ist völlig unmissverständlich. Sie verleihen hier einer Verschwörungstheorie aus der rechten Szene ein Megaphon, die da sagt, dass Frau Thunberg zum Mord an Politikern aufgerufen habe, was nachweislich falsch ist. Das ganze garnieren Sie – ohne jede sachliche Grundlage – mit dem Verdacht, dass Frau Thunbergs Erläuterung ihrer Aussage eine Lüge sei (i.e. „angeblich ein Missverständnis“), was das ganze noch schlimmer macht.

              Jetzt habe ich Ihnen schon die Mühe abgenommen sich die Informationen selbst in Google zu suchen. Eine Arbeit, die Ihnen zumutbar gewesen wäre, bevor Sie einem Kind fälschlicherweise einen Mordaufruf in den Mund legen. Dass Sie dennoch an Ihrer Mordtheorie festhalten, legt nahe dass es Ihnen nur um eines geht: Politische Gegner mit Schmutz persönlich zu beschädigen. Argumente haben Sie keine. Auch die Wissenschaft ist nicht auf Ihrer Seite. Also bleibt nur die Reputation Ihrer Gegner als einzig mögliche Angriffsfläche, die sich mit Ad Hominem-Angriffen zerstören lässt. Ich finde das perfide und traurig, ganz besonders auch deshalb, weil das Opfer, das hier durch den Dreck gezogen wird, ein sechzehnjähriges Mädchen ist.

              • Stefan Pietsch 31. Dezember 2019, 21:41

                Es gibt keinen Mordaufruf noch die Behauptung dessen. In der Formulierung hatte sich Thunberg rabiat gezeigt, das wurde so in zahlreichen Medien wiedergegeben – nicht rechten Verschwörungsseiten. Sie können das googeln.

                Die Wiedergabe ist das wörtliche Zitat , so wie es zahlreiche Medien wiedergegeben haben. Über die eigentlichen Absichten von Thunberg lässt sich nur spekulieren, angesichts des öffentlichen Aufruhrs war sie um eine Klarstellung bemüht. Deswegen angeblich, des es beruht nur auf einer Darstellung des Betroffenen. Diese kann man glauben, ich habe, anders als Sie, keine Meinung dazu.

                Das sind alles keine Angriffe, sondern Wiedergabe der Fakten. Sie gerieren sich allzuoft als unkritischer Fan und das muss man nicht mögen. Jedenfalls halte ich sie für ideologisch gefährlich, wenn Sie solche Geschützen bei Lappalien auffahren, wo es nicht einmal um Meinung geht. Ihre Toleranzschwelle ist wie bei Rechtsextremen außerordentlich niedrig bzw. nicht vorhanden. Denn welche Äußerung wäre überhaupt zulässig gewesen? Nicht zu vergessen, dass Sie in der Klimadebatte die Ansicht vertraten, mit mir lohne keine Diskussion, weil ich dem von Ihnen vorgezeichneten Weg nicht bedingungslos folgen wollte. Ihre Vorwürfe konnten Sie nicht belegen. Wie Rechtsextreme. Und nun die gleichen Ausfälle, die einem bornierten Extremisten anstehen, aber nicht einem mit deutschem Steuergeld ausgebildeten Wissenschaftler.

                • Ralf 31. Dezember 2019, 22:03

                  Es gibt keinen Mordaufruf noch die Behauptung dessen.

                  Die übliche Nummer. Erst die eigenen Aussagen verleugnen. Dann die gemachten Fehler auf den Gegner projizieren. Und schließlich mit Beleidigungen vorstoßen und die nächste Front eröffnen.

                • CitizenK 31. Dezember 2019, 22:36

                  …mit toitschem Stoiergeld – sapperlot. Und da wagt der, einem Spitzensatzsteuerzahler zu widersprechen!

                • Stefan Sasse 1. Januar 2020, 11:12

                  Du verrennst dich echt in deinen Greta-Hass…

                  • Stefan Pietsch 1. Januar 2020, 12:21

                    Sag doch bitte, wo in einem Zitat und der korrekten Wiedergabe der Korrektur (angeblich von Angabe gemäß) sich Hass äußert. Du bist doch Deutschlehrer.

                    • sol1 1. Januar 2020, 15:02

                      Deine ursprüngliche Falschinterpretation von Greta Thunbergs Zitat läßt sich durch Ahnungslosigkeit erklären, bei deinem Beharren darauf, daß es keine Falschinterpretation gewesen sei, bleibt kaum eine andere Interpretation als blinder Haß.

                    • Stefan Pietsch 1. Januar 2020, 15:55

                      Hier liegt keine Falschinterpretation vor, denn es wurde nichts interpretiert. Es wurde zitiert. Mein „Vergehen“ war, dass ich exakt (!) die Worte wiedergegeben habe, die Greta Thunberg gesagt hat. Und ebenso, dass sie angabegemäß zu einer falschen Formulierung gegriffen habe, die es so im Schwedischen, nicht jedoch im Englischen gibt. Ist Ihnen dieser Unterschied noch geläufig?

                      Daraufhin wurde mir eine Lüge unterstellt. Auf die Nachfrage, worin diese bestanden haben soll, blieb die Antwort schuldig – nicht das erste Mal. Und Sie dürfen sich fragen, ob so etwas Fäkalsprache rechtfertigt.

                      Interpretation ist die Auslegung dessen, was gesagt oder geschrieben wurde. Dazu ist niemand verpflichtet. Ein Sprecher / Schreiber ist in der Pflicht, sich so auszudrücken, dass er das Gemeinte transportiert. Gegebenenfalls hat er sich zu korrigieren. Sie machen mir ernsthaft zum Vorwurf, Greta Thunberg nicht interpretiert zu haben?

                      Dann erwarte ich, dass Sie zukünftig jeden missliebigen Politiker so positiv wie es geht in seinen Aussagen interpretieren. Auch das Denkmal der Schande ist dann keines mehr, schließlich hat der Erfinder klargestellt, wie er es meinte. Und bitte, reden Sie nie (!) wieder von der marktkonformen Demokratie, denn dies wurde nicht einmal gesagt noch war es je so gemeint.

                      Leute, auf diesem Niveau mag ich wahrlich nicht diskutieren. Ich bin erstmal weg.

                    • Ralf 1. Januar 2020, 16:20

                      Hier liegt keine Falschinterpretation vor, denn es wurde nichts interpretiert. Es wurde zitiert. Mein „Vergehen“ war, dass ich exakt (!) die Worte wiedergegeben habe, die Greta Thunberg gesagt hat.

                      Frau Thunberg spricht nicht deutsch sondern englisch. Also haben Sie garnichts zitiert, als Sie schrieben …

                      „Genannte Greta Thunberg wollte vor einigen Tagen Politiker an die Wand stellen, angeblich ein Missverständnis.“

                      … sondern Sie haben – entweder aus Ahnungslosigkeit oder aus Bösartigkeit – so übersetzt, dass der Sinn der Aussage von Frau Thunberg aus dem Kontext gerissen, manipuliert und bizarr entstellt wurde. Aus einem Aufruf die Politik zum Handeln zu zwingen, der auch aus dem Zusammenhang der Rede kristallklar hervorgeht, haben Sie einen Mordaufruf gemacht, und diesen Mordaufruf wahrheitswidrig einem Kind in den Mund gelegt. Dass Sie unfähig sind, einen so einfachen Sachverhalt zu recherchieren, ist bei Ihrem Alter und Intellekt eigentlich nicht vermittelbar. Dass Sie sich aber auch nachdem man Ihnen Ihre Arbeit abgenommen hat und Ihnen die Fakten vor die Füße gelegt hat noch als Unschuldslamm gerieren, lässt dann kaum noch einen anderen Schluss zu, als dass hier fiebriger, ideologiegetriebener Hass und nicht mehr der Wille zu einer sachorientierten Debatte im Mittelpunkt steht. Eine Pause und etwas Reflektieren würde Ihnen in der Tat guttun.

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