Wenn Tourismus die Kultur zerstört

Der diesjährige Sommerurlaub steht für manchen unter dem Eindruck der aktuellen Klimadebatte. Zumindest könnte man das vermuten nach dem Aufruhr der letzten Wochen und dem Versprechen vieler Jungaktivisten, diesmal ganz in der Nähe der deutschen Sonne (und dem Regen) zu frönen. Die Reisegesellschaften können von einem Klimatrend jedenfalls noch nicht wirklich etwas erkennen. Im Sommer 2019 boomen die Urlaubsgebiete Zypern, Griechenland und Marokko und man fragt sich unwillkürlich, wie von Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf oder Stuttgart aus die Orte in der Ägäis und in Nordafrika erreicht werden könnten. Auch bei den Städtereisen sind eher Zielorte weit jenseits der Landesgrenzen anvisiert und spätestens bei den Buchungsanfragen für Beirut (+54%) und Baku (+51%) sollte jedem Klimaschützer klar sein: Reden und Umfragen sind das eine, doch ihren Urlaub buchen die meisten nach anderen Kriterien. Gegenläufig zu solchen Debatten um das bessere Gewissen laufen die Trends der Tourismusindustrie, längst gilt Overtourism als Steigerung des Massentourismus.

Es muss wirklich sehr viel passieren, bis ein eingefleischter Neoliberaler sich in einem Arbeitskampf auf die Seite der Beschäftigten schlägt. Als im letzten September der Billigflieger Ryanair mit Streiks überzogen und von erbosten Reisenden ob ausgefallener und verspäteter Flüge verklagt wurde, schlug das Herz des Autors für die arbeitskämpfenden Piloten. Das Geschäftsmodell des irischen Low-Cost-Carriers basiert auf der Ausbeutung aller, die mit dem Lebenswerk des geborenen Geizhalses Michael Kevin O’Leary zu tun haben. Neben den nicht-angestellten Beschäftigten sind es die regionalen Flughäfen in Europa, die aufgrund politischer Fehlplanungen und Hybris unter chronischer Unterauslastung leiden sowie die Kunden selbst. Die im Fachjargon Hubs genannten Airports wurden in der Vergangenheit zur ruinösen Konditionen gepresst. Ohne Ryanair ist weder der im Hunsrück liegende Ort „Frankfurt“-Hahn denkbar noch wären nationale Linien wie beispielsweise die lettische Air Baltic 2011 in existenzielle Nöte geraten, welche vom Hub Riga keine Sonderkonditionen eingeräumt bekam.

Ryanair hat das Erlebnis Fliegen pervertiert und sich völlig devote Kunden gezüchtet. Der billigste Ticketpreis sichert nur, dass man als PAX (Jargon für Passagier) befördert wird, möglichst ohne Gepäck. Zum Flugzeug wird vorzugsweise gerannt um sich einen nicht reservierten Platz zu sichern. Danach sitzt jeder in eine Art Beichtstuhl. Warum die Iren mit so einer den Kunden missachtenden Strategie zur führenden Airline Europas aufsteigen konnten, hat einen einfachen, besser gesagt, billigen Grund. Das selbst geschaffene Segment der Luftfahrt befördert seit seiner Entstehung vorrangig Menschen, die sich sonst das Fliegen nicht leisten können oder wollen und deswegen besser zuhause geblieben wären.

Ähnlich wie in anderen Märkten haben es Billigflieger geschafft, eine Branche zu ALDIsieren und dabei nicht nur eine vernachlässigte Kundschaft zu bedienen, sondern für diese noch die Economies of Scale zu optimieren. Weltweit wächst das Luftverkehrsaufkommen mit Raten von 8%, doch längst bleiben die Margen der alteingesessenen Airlines dabei auf der Strecke. Dieses Jahr soll die Branche nach ersten Schätzungen 35 Milliarden US-$ verdienen, so viel Gewinn macht allein Apple in einem halben Jahr, im wesentlichen mit kleinen Kästchen, genannt Smartphones. Seit über zehn Jahren sind Lufthansa, KLM, British Airways und Air France zum einen von Seiten der Low-Costs, zum anderen von den Staatslinien arabischer Scheichs unter Druck. In beiden Wettbewerbskategorien geht es allein um Volumen an PAX.

Sie schaffen Milliarden Menschen aus Asien und den ölreichen Staaten vorzugsweise nach Europa. 1,4 Milliarden Touristen sind gegenwärtig im Jahr unterwegs, so die Welttourismusorganisation (UNWTO). Schon bald sollen es 1,8 Milliarden sein. 57% der international reisenden Touristen nutzen dabei das Flugzeug. Europa ist nicht nur für die weltweiten Flüchtlingsströme die begehrteste Zielregion, auch Touristen wollen vor allem die historischen Städte und Mittelmeerstrände des alten Kontinents besuchen. 713 Millionen haben zuletzt die europäischen Städte, bevorzugt Paris (14 Millionen Besucher), London (20 Millionen) und Rom (10 Millionen) überbevölkert, ihre Bilder geknipst und sind dann wieder verschwunden. Denn gemessen am Pro-Kopf-Umsatz liegen andere Destinationen weit vorn. Während der durchschnittliche Reisende in Europa 800 US-$ lässt, werden in Nordamerika über 1.500 US-$ und in Asien (APAC) fast 1.700 US-$ ausgegeben.

Chinesen liegen inzwischen mit 277 Milliarden US-$ einsam an der Spitze bei den Ausgaben für Tourismus. Amerikaner geben 144 und die Deutschen 94 Milliarden Dollar aus. Alle Zahlen sind weiter auf starkes Wachstum getrimmt. In vielen Urlaubsregionen nimmt das Touristikgeschäft weit schneller zu als die Volkswirtschaft wächst. Selbst in entwickelten Staaten wie Spanien werden heute schon 15% des BIP im Tourismus erwirtschaftet, oft steigt die Abhängigkeit eher. In vielen strukturarmen Gegenden wie in machen Schwellen- und Entwicklungsländern ist das Geschäft mit Erholungssüchtigen die Haupteinnahmequelle. Die Touristenschwämme haben längst Größenordnungen und Formen angenommen, welche ungesund für machen Wirtschaftsstrukturen und die kulturellen Güter der Gesellschaften sind.

Wenn in Venedig chinesische Straßenverkäufer billigsten Ramsch Made in China an chinesische Touristen verkaufen, hat die Entwicklung eine neue Stufe der Perversion erreicht. In zahlreichen Städten und Regionen steigt der öffentliche Unmut über die Flut an Billigreisenden, die nur schauen, wenig kaufen und den Hauptzweck von Erholung in S & F*) sehen. Tourist Go Home – Refugees Welcome entwickelt sich nicht allein auf Spaniens Urlaubsinseln und in Barcelona zum geflügelten Slogan. Einheimische wehren sich zunehmend aggressiv gegen jene, die so wenig Respekt vor den eigenen Lebensbedingungen zeigen. In Venedig haben Hotels, Gastronomie und Souvenirläden die alten Einwohner aus der Stadt vertrieben. La Serenissima ist nur die Spitze völlig entvölkerter historischer Stätten, entkernt von allem, was Kultur ausmacht. An Orten wie dem Markusplatz oder den Ramblas in Kataloniens Hauptstadt Barcelona stehen sich Touristen so die Beine in den Bauch, dass kein freier Quadratmeter bleibt, die Digitalkamera oder nur das Handy immer in die Luft gerichtet.

Die Wellen Reisender folgen dabei zumindest in Teilen Moden, angeheizt von Filmen, Internet und Promis. Gegenwärtig erlebt das ukrainische Tschernobyl einen Boom, seitdem eine Serie des amerikanischen Fernsehsenders HBO auf den internationalen Streaming-Kanälen läuft. Heuschrecken gleich verursachen die Erlebnistouristen in den Trendregionen abgegraste Infrastrukturen. So galt Dubrovnik nach dem Ende des Balkankrieges als Hotspot und einstmals als Geheimtipp. Heute ist die Küste mit Hotels zugebaut, die schwimmenden Riesen der Kreuzfahrtgesellschaften blockieren Tag für Tag jeden Hafenplatz.

Erlebnishunger und Geltungssucht treiben nicht selten gerade junge Menschen in die angesagten Destinationen. Morgens an einem der In-Plätze Fotos schießen, nachmittags bearbeiten und auf Instagram stellen – so sieht für nicht wenige anscheinend der perfekte Urlaubstag aus. Wichtig tun ist da oft wichtiger als Wichtiges zu sehen. Wo es früher reichte, die schlecht geschossenen Bilder im Familien- und Freundeskreis herumzuzeigen, müssen die technischen Ergüsse heute, perfektioniert oder schlecht bearbeitet über Photoshop, vermeintlich mit der ganzen Welt geteilt werden. Seht her, wo ich gerade war (mit 20.000 anderen).

Tatsächlich scheinen immer weniger Touristen echtes Interesse daran zu haben, wo sie gerade sind, als einer Art Sammelleidenschaft und Imponiergehabe zu frönen. So mancher kann den sechsten Teil einer Stunde vor einem Motiv verbringen, nur um von sich das perfekte Selfie zu schießen. Niedrige Reisepreise machen es solchen Leuten leicht, sich als Jetsetter zu inszenieren.

Viel zu geringe Landekosten der Flughäfen sind das Eine, wo die Staaten längst hätten regulierend eingreifen müssen. Erst sehr spät fangen die Zielgebiete sehr langsam zu begreifen, dass ihr Ort etwas Kostbares besitzt, das einen Gegenwert in Geld rechtfertigt. Hotels verkaufen Übernachtungen, Restaurants gutes und weniger gutes Essen, Souvenirshops Nippes. Doch was bekommt jenes, das erst die Begehrlichkeiten weckt? Wenn ein sechsjähriger Knirps einen fragt, ob er das Bild vom göttlichen Fingerzeig in der Sixtinischen Kapelle haben kann, sollte man den Wert solch immaterieller Güter zu schätzen wissen.

Sicher, wir können im Louvre die Mona Lisa unendlich lange betrachten. Wir könnten lange auf der Rialtobrücke stehen, über die Karlsbrücke schlendern oder in der gleichen Stadt vor der Rathausuhr darauf warten, dass sich die Apostel die Klinke in die Hand geben. Wenn es nur nicht so schrecklich voll wäre! Es sind einfach zu viele, die einen kurzen Blick auf die kulturellen Wunderwerke dieser Erde erhaschen wollen und dann schnell zur nächsten Sehenswürdigkeit weiterziehen. Rom in 3 Stunden, irgendwie scheint das zu vielen möglich. Unzählige offene Stadtbusse erlauben es, aus einem Fahrzeug das Kolosseum abzulichten.

Während in den amerikanischen Nationalparks Gebühren bezahlt werden, die einem Wochenendausflug in einem der zahlreichen Vergnügungsparks nahe kommen – Grand Canyon $8 pro Person, Bryce Canyon $35 pro Fahrzeug, Arches $30 – fangen europäische Top-Destinationen nun mit Beträgen im Bagatellbereich an. Das Phänomen des Overtourism war eines der heißesten Themen bei der diesjährigen Internationalen Tourismusmesse in Berlin, der ITB. Immerhin, viele Brancheninsider bezweifeln längst nicht mehr, dass der Tourismus zerstört, wovon er lebt.

Ohne Steuerung, Begrenzung und wesentliche Verteuerung der verschiedenen Formen von Tourismus wird es nicht gehen. In Ansätzen werden erste Alternativen ins Spiel gebracht. Einige Hoffnungen werden darein gesetzt, die Besucherströme zu kanalisieren, in dem sie von den begehrtesten Sehenswürdigkeiten abgelenkt werden. Wer nach London fliegt, soll dort nicht vorrangig den Tower, Big Ben besichtigen, sondern zu den Drehorten von Harry Potter weitergeleitet werden. Oder so ähnlich. Auch andere Ideen wie der Segmentierung und Saisonalisierung setzen eher darauf, das Wachstum der Touristenhorden zu verteilen statt es zu begrenzen.

Es lässt sich viel Böswilliges über die Bespaßungszentren amerikanischer Freizeitkultur in Las Vegas, aber auch in Miami und nicht zuletzt in Los Angeles mit den Disney und Universal Studios einwenden. Wir würden es belächeln, wenn Wochenendausflügler in Orlando den Themenbereich Epcot als Abziehbild Deutschlands besichtigen. Aber wenn allein solche Parks, wie sie zunehmend auch in Shanghai, Peking und Hongkong entstehen, nur ein paar hunderttausend Menschen davon abhalten, im nächsten Jahr eine Fernreise zu buchen, wäre schon einiges gewonnen.

Wenn die Erinnerungskultur an untergegangene Epochen erhalten bleiben soll, muss der Tourismus auf ein gesundes Maß zurückgeführt werden, statt immer neue Umsatzrekorde anzupeilen. Unternehmen wie Airbnb helfen mit bei der Zerstörung jeder verwurzelten Infrastruktur. Quartalsbesäufnisse spätpubertierender Studenten und höchst unreifer Jungerwachsener können auch in der nächstgelegenen Großstadt veranstaltet werden, dazu muss niemand nach Lissabon. Reisen muss wieder ein Stück Elitäres gewinnen.

Denn der Besuch des Trevi-Brunnens ist ein knappes Gut. Übervölkert lässt sich die Schönheit des Bauwerks nicht ausreichend würdigen. Zwar sind nach einer Umfrage der ITB 59% der Touristen bereit, 100-200€ mehr für einen Urlaub auszugeben, 29% würden sogar 300-500€ mehr aufwenden, wenn sie dafür weniger Urlauber antreffen. Doch das wird nicht reichen. Solche Beträge sind viel zu niedrig, um nennenswert Touristen von den völlig überlaufenen Stätten fern zu halten.

Als ein weiteres Problem wird oft der Boom der Kreuzschifffahrt genannt. Doch ein mit Gasturbinen betriebenes Schiff mit einer Kapazität von 800 Passagieren auf einem 3-Wochen-Trip in wenig befahrenen Gefilden ist nicht wirklich eine Belastung, aber ein dieselbetriebener Seeriese mit Platz für über 6.000 Menschen an Bord, der im Mittelmeer kreuzt, ist ein solches. Dabei wollen viele Bordgäste häufig den Rundumservice genießen und am besten ihren Schnappschuss machen, wenn die Freedom of the Seas (Royal Caribbean) erst kurz vor dem Markusplatz in Venedig stoppt. Wachstum besitzen auch andere Sinnlosfahrten von 3 Tagen und weniger, die sich eindeutig an Spaßgesellschaften richten. S&F eben.

Mit nostalgisch verklärtem Blick erinnert man sich an die erste Hälfte der Siebzigerjahre, als gerade 200 Millionen Touristen weltweit unterwegs waren. Tempi Passati.

 

*) Saufen & Fressen

{ 62 comments… add one }
  • CitizenK 13. Juni 2019, 20:00

    Nanu? So geht doch Marktwirtschaft: Der Kunde wünscht und bezahlt, der clevere Unternehmer liefert. Das steigert das Bruttosozialprodukt. Das schafft Wachstum. Was will das wirtschaftsliberale Herz mehr?

    Künstlich verteuern , was die Leute wollen, das fordern doch sonst nur diese linksgrünversifften Staatsfetischisten. Den Menschen vorschreiben, wohin und wie sie reisen und wo sie ihre Selfies machen, das ist Kommunismus. Bevormundung. Schlimmer noch als ein Veggie Day. Wehret den Anfängen!

    • Stefan Pietsch 13. Juni 2019, 20:21

      Können Sie mir den Slapstick erklären, eine CO2-Steuer zu fordern, damit hier die externen Kosten des Klimawandels erfasst werden, ohne das ernsthafte Ziel zu verfolgen, die Emissionen auf Null zu bekommen und andererseits es abzulehnen, dass beim Tourismus die massiven externen Kosten internalisiert werden? Wie können Sie einerseits davon reden, die Atomenergie sei subventioniert worden, andererseits bei der Subventionierung einzelner Flughäfen und einzelner Fluglinien gütig die Augen zu verschließen? Luft ist kein begrenztes Gut, hier wollen Sie jedoch eine Steuer. Der Platz in einer Stadt jedoch ist sehr begrenzt, hier sind Sie dafür so zu tun als spiele es keine Rolle, wie viele Menschen sich auf einem Quadratmeter aufhalten.

      Der Veggy-Day sollte die Menschen nur zu einem gewünschten Verhalten zwingen. Mir geht es um den Schutz natürlicher und kultureller Güter. Die kann nunmal nicht jeder in gleichem Umfange genießen.

      • CitizenK 14. Juni 2019, 14:46

        Mein Beitrag war der polemische Entwurf einer Presserklärung Ihrer Lieblingspartei zu Ihrem Artikel 😉

        Ihr Idol Lindner lästert gegen die „Verbotspartei“. Was Sie andeuten, geht darüber weit hinaus. Wo ist die Lösung durch das „freie Spiel der Marktkräfte“? Der „innovative“ Unternehmer- Gründer von Ryanair ist auf einmal ein „Geizhals“? Sitzen die Leute nicht freiwillig in den engen Sitzen? Kein unfähiger Beamter zwingt sie dazu. Freier Billigflug für freie Bürger!

        Warum sind Staatseingriffe plötzlich nötig, seit Ihre Exklusivität gefährdet ist? Wie wollen Sie den Pöbel von Ihren Urlaubszielen fernhalten- außer durch drastische Preiserhöhungen (die in unserem Rechtssatt (!!!) nur in Form von staatlichen Eingriffen erfolgen können) oder durch Verbote oder Kontingentierungen? Es sind diese inneren Widersprüche Ihrer Position, die ich nur noch mit Sarkasmus kommentieren kann.

        P.S. Die Subventionierung von Regionalflughäfen habe ich wenige Beiträge weiter oben deutlich kritisiert. Und auch die Verteuerung von Flügen habe ich immer wieder befürwortet.

        • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 19:42

          Was Sie andeuten, geht darüber weit hinaus.

          Da haben Sie mich falsch verstanden. Ich bin nicht für ein Übermaß an Vorschriften, niemals – so wenig wie für Subventionen. Die Knappheit eines Gutes erkennt man dann, wenn die Nutzung mit zunehmenden Gebrauch eingeschränkt wird. Das ist an vielen Touristenorten der Fall. Als Marktwirtschaftler muss sich Knappheit in Preisen abbilden, sonst bildet sich kein Markt. Und das ist, anders als Linke das inflationär verwenden, tatsächliches Marktversagen. Wir benötigen also etwas, was den Nutzern die Knappheit signalisiert.

          Ansonsten habe ich im Artikel Hinweise gegeben. Es ist international üblich geworden, Eintritt zu verlangen. Sie kommen nicht kostenlos auf die Galapagos und müssen auch dort ein Entree von $100 entrichten. Immer noch wenig, denn davon lässt sich keiner abhalten, eher von den hohen Flug- und Hotelkosten. Aber immerhin. Ein Urlaub sollte schon mehr wert sein als ein Smartphone, finden Sie nicht?

      • Stefan Sasse 15. Juni 2019, 05:38

        Ich kann deine Argumentation völlig nachvollziehen. Aber in deinem Artikel sprichst du viel davon, als Snob Kulturmerkmale ohne Masse drumrum zu genießen, das ist eine völlig andere Argumentation als Massentourismus aus CO2-Grünen abzulehnen.

        • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 08:21

          Was hast Du gegen Snobs?

          Tatsächlich ist es doch anders. Ich habe relativ lang ausgebreitet, was Overtourism anrichtet und wodurch es verursacht wird. Und dann verwende ich ein Key-Wort, Reisen müsse wieder etwas elitäres werden und schwupps, habe ich nicht nur die ganzen Weltverbesserer am Hals, sondern auch die Phalanx der Gleichmacher. Mir macht das ja im Grunde wenig aus, aber die Leute bringen sich um Erkenntnis. Sie zeigen, dass sie nur auf Reizworte aus sind. Ich habe das in den Kontext von Smartphones gerückt. Ein iPhone XS ist ein Luxusgut, das sich viele leisten, die mit Sicherheit nicht zur Geld- und Bildungselite zählen. Doch wenn sie sich das leisten, können sie sich anderes nicht kaufen.

          Die Gleichmacher wollen, in völligem Widerspruch zu ihrer Argumentation bei der CO2-Steuer, dass Reisen nichts Elitäres hat. An der Stelle zweifle ich echt an der Motivation. Analog zum Ticketverkauf heiß begehrter Fußballspiele will jemand wie Ralf zuteilen, das Gut selbst soll aber weitgehend kostenlos bleiben. Solche merken nicht, wie diskriminierend ihr Vorschlag ist. Nehmen wir eine zunehmend wichtigere Reisegruppe, die „Golden Ager“. Zwischen 50 und 90 wollen sie all das sehen, was sie in jungen Jahren nicht sehen konnten. Vorbei, sie werden jahrelang auf Zuteilung warten müssen, damit ein Heer Mittelloser oder auch nur Sparfüchse weiterhin Saufbegräbnisse veranstalten können.

          Ich war vor einigen Wochen in Athen und hatte Zeit, durch die Stadt zu schlendern. Der Hadrian-Bogen ist ein gern genommenes Motiv. Dort posierte eine junge Frau mit ihrem Freund. Geschlagene 10 Minuten wechselten sie sich ab, während andere Touristen warteten, den Triumphbogen ohne das Pärchen fotografieren zu können. Irgendwann habe ich die beiden mit nicht so netten Worten verjagt. Und wegen solcher Posierer sollen echte Geschichtsinteressierte zukünftig zurücktreten? Bei genauerer Betrachtung ist so ein Vorschlag wohl eher etwas für den Psychiater. 😉 Irgendwann kommt noch jemand und behauptet, Reisen sei kein Markt wie jeder andere.

          Ich habe es ja schon bei den vorherigen Artikeln deutlich gemacht: ich halte wenig davon, die Menschen dazu zu bringen, ihre Lebensweisen anzupassen. Meine Vorstellungen basieren deswegen darauf, ein System zu schaffen, das Unternehmen zur Entwicklung von Alternativen anregt. Typisch in einem solchen Transformationsprozess ist, dass neue Technologien relativ teuer sind. Die Marktreife wird jedoch beschleunigt, wenn alte Technologien sich gleichfalls verteuern.

          • CitizenK 15. Juni 2019, 09:03

            Snob: „Substantiv, maskulin [der]ABWERTEND
            Person, die sich gern extravagant gibt und glaubt, aufgrund eines entsprechenden Äußeren oder ausgefallener Interessen besonders vornehm oder intellektuell zu wirken“

            „…..bezeichnet eine Person, die durch ihr Verhalten oder ihre Aussagen offensiv Reichtum und gesellschaftliche Überlegenheit gegenüber Personen vermeintlich oder tatsächlich niedrigeren Ranges zur Schau stellt.“

            • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 09:39

              In der Ökonomie (vor allem Konsumforschung) wird der Snob als Individualist und Gegenstück des Mitläufers verstanden. Er zeichnet sich durch den Konsum von exklusiven Produkten aus, unabhängig von deren Preis.

              Das trifft es einigermaßen. Ich konsumiere eher weniger und dafür teurer und ganz sicher bin ich individualistisch gesinnt. Und ja, ich schaue auch etwas herab auf jene, die ohne Stil und Anstand sind.

              Da kommt einer meiner Lieblingstests ins Spiel, an dem noch jeder gescheitert ist. Nennen Sie mir 5 Charaktereigenschaften, die Sie an anderen schätzen. Das ist leicht, gell? Und nun nennen Sie mir 3 eindeutig schlecht beleumundete Eigenschaften, die Sie bereit sind an anderen zu akzeptieren. Ich wette, das bekommen Sie nicht hin. Was sagt das aber über Sie? Die meisten sind nicht bereit, menschliche Schwächen zu akzeptieren.

              Ich hasse Humorlosigkeit und Geiz. Arroganz lässt sich für mich da weit eher ertragen. Deswegen mochte ich Peer Steinbrück: äußerst humorvoll, aber auch mit einem ganzen Stück Arroganz gesegnet. Jetzt sind Sie dran.

              • CitizenK 15. Juni 2019, 12:51

                „Arroganz lässt sich für mich da weit eher ertragen“

                Trifft es das Folgende auch?

                „Derjenige, den wir als arrogant erleben, zeigt typische Verhaltensweisen:
                Er ist sehr überzeugt von sich und seinen Fähigkeiten.
                Er streicht seine Überlegenheit heraus.
                Er hält sich für einzigartig und unersetzlich.
                Er wertet seine Mitmenschen ab.
                Er spricht abschätzig über andere.
                Er sieht die Wirklichkeit verzerrt.
                Er tritt betont selbstbewusst auf.

                Eine Prise psychologischer Ursachenforschung: „Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes“

                Und als Konsequenz daraus: „Man wird nicht dadurch besser, dass man andere schlecht macht“ Das ist auch mein Standpunkt.

                Zum Thema:

                Zunächst könnte man sich auch darüber freuen, dass steigender Wohlstand es vielen Menschen erlaubt, Venedig und die Mona Lisa zu sehen. Das von Ihnen präferierte Wirtschaftssystem hat ja nicht unerheblich dazu beigetragen, das gehört zur Wahrheit dazu. Motive sind Neugier, Aufgeschlossenheit – aber in erheblichem Maße auch Prestigedenken und Geltungssucht.

                Ihrer Grundthese stimme ich zu: Der Natur- und Kulturtourismus gefährdet seine eigene Grundlage. Die schiere Menge von Touristen schränkt den Genuss ein.

                Selfie-Gehampel, Junggesellen-Abschiede und Gruppen-Sauftouren sind lästig und störend, aber Phänomene, die man getrennt betrachten sollte. Mit Reiselust hat das nichts zu tun.

                Bleibt die Suche nach Regulatorien. Die Gleichung Reichtum = Kunst- und Kulturverständnis geht sicher nicht auf.

                Eine Möglichkeit: Wegbleiben. Ob das von Ihnen geschossene Foto des Hadrianstors wirklich besser ist als das in der Wikipedia? Seit ich die Berichte aus Venedig kenne, fahre ich da nicht mehr hin.

                Die Gleichung Reichtum = Kulturverständnis geht sicher nicht auf.

                • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 17:59

                  Lieber CitizenK, was offenbaren Sie mir? Ich habe Ihnen eine negative Eigenschaft genannt, die ich an anderen Menschen toleriere – nicht, die ich gut finde. Natürlich, jede negative Eigenschaft zum Extent macht uns unausstehlich. Sie zeigen mir zum einen, dass Sie nicht fähig sind, negative Eigenschaften zu tolerieren und zum anderen tatsächlich keine zu benennen wissen, über die Sie hinweggehen würden. Auch Sie scheitern an einem einfachen Test, menschliche Charaktereigenschaften zu ordnen und zu tolerieren.

                  Wie wollen Sie eigentlich Unternehmen schelten, die nach dem perfekten Mitarbeiter suchen ohne Fehler? Können Sie nicht, Sie haben an dieser Stelle Ihre moralische Kompetenz verbrannt. Akzeptieren Sie eher Geiz, Humorlosigkeit, Choleriker? Bleiben wir beim Beispiel Steinbrück: die Paarung Arroganz mit ausgeprägtem Humor ist mit mir weit eher kompatibel als das Umgekehrte. Und es gibt aus meiner Sicht wahrlich schlimmeres als jemanden, also mich, als Snob zu schelten. Ich kann damit leben, wenn das für andere mein schlimmster Fehler ist, kann ich wahrlich zufrieden sein.

                  Ich gönne jedem das Reisen. Aber wir entwerten unsere kulturelle Errungenschaften – die mit dem Reisen beginnen – wenn sie nur noch Abhäkchen in einer imaginären Liste sind. Vor einigen Jahren war ich auf einer Südamerika-Kreuzfahrt, Startpunkt Santos bei Sao Paulo, Endpunkt Valparaiso bei Santiago de Chile. Die meisten der aus Deutschland Angereisten landeten am Anreisetag und hasteten in Santiago gleich wieder zum Flieger. Ich habe das nicht verstanden: da fliegt jemand fast bis ans Ende der Welt und hat keinen Blick für die Schönheit, die ihn umgibt. Sao Paulo ist lebenswert, Valparaiso eine Kunst und Santiago etwas Besonderes.

                  Es ist ein scheinbar ein natürliches Bedürfnis, was wir sehen, persönlich festhalten zu wollen. Übrigens drehe ich vor allem Filme mit dem Anspruch / Ziel der Semiprofessionalität. Ich arbeite nicht nur mit dem professionellen Schneideprogramm Adobe Premiere, sondern auch mit After Effects für Spezialeffekte und Photoshop. Das dauert zwar Monate, aber macht enorm Spaß. Ich tue das nicht, um das Ergebnis am Ende auf Youtube einzustellen, sondern für mich und zur Präsentation für andere, die einen Film von mir nicht aus Höflichkeit, sondern echtem Interesse ansehen sollen.

                  • CitizenK 16. Juni 2019, 06:02

                    „…moralische Kompetenz verbrannt“
                    Wusste gar nicht, dass die brennbar ist, finde hier auch keine Asche 😉

                    Charaktereigenschaften ordnen kann ich tatsächlich nicht. Will ich aber auch gar nicht. Kommt auch immer auf den Grad der Ausprägung an. Ob ich’s könnte, wenn ich’s wollte? Keine Ahnung.

                    Aber lassen wir das, anderes Thema: Ihre Filme. Erstaunlich, dass Sie das so nebenher auch noch schaffen. Interessiert mich. Was für Sujets? Warum nicht auf YT oder auf einer anderen Plattform?

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 08:19

                      Da machen Sie sich aber einen schlanken Fuß, andere zu kritisieren, wenn sie erkennen lassen, negative Eigenschaften an Mitmenschen zu akzeptieren, aber im Grunde auf dem Standpunkt stehen, im Grunde selbst an anderen nichts Negatives zu akzeptieren. Und dazu andere dafür kritisieren, sich so wie man selbst zu verhalten. Nur zur Erinnerung, Sie haben sich hier das Thema gesucht und mich kritisiert, weil ich Arroganzanfällen mit einer gewissen Toleranz begegne.

                      Sie haben eine falsche Vorstellung, ich schaffe bestenfalls zwei Filme im Jahr, momentan liegen 4 auf Halde. Ich arbeite noch an Techniken, wie Profis das deutlich zu beschleunigen. Da liegt der Schlüssel. Mein letztes Werk war ein Tag in einem Freizeitpark mit meinem Neffen und Nichte. Im Film habe ich daraus ein Piratenabenteuer nebst zugehöriger Story gemacht, eine Schatzsuche. Mit Masken können Sie da heute viel machen und eine Umgebung schaffen. Am Ende landen sie auf einer einsamen Insel, wo der Schatz verborgen ist. Allerdings explodiert ihr Schiff, die Black Pearl. Das Feuerwerk zu inszenieren war echt Fun! Der Film liegt sogar in einer Cloud, vielleicht gebe ich Ihnen mal Zugang. Dagegen warten die letzten beiden Urlaube noch, eins ist im Rohschnitt fertig, der andere noch nicht angefangen.

                      Und ja, ich arbeite nicht mehr 60, 70 Stunden, das lohnt sich nicht. Ich bin noch vom alten Schlag, ich habe kein Bedürfnis, mich in sozialen Netzwerken zu präsentieren, mein WhatsApp-Status-Bild wechselt vielleicht 2-3 mal im Jahr. Was persönlich ist, sollte auch persönlich bleiben. Und ich blogge nur, weil ich schon immer gerne über Politik debattiert habe.

                    • CitizenK 16. Juni 2019, 08:48

                      Versuch zur Klärung von Punkt 1, den ich nicht verstanden habe und noch immer nicht verstehe:

                      Ich habe mich gewundert, dass Sie „Snob“ eher als Kompliment verstehen und dann nachgeschlagen, ob mein Verständnis des Begriffs stimmt. Sie stimmte mit den Definitionen überein. Das habe ich zitiert. Verkürzt, zugegeben. Meine Schwäche, weil ich immer kurz bleiben will.

                      Zu „Arroganz“ habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Eigentlich mag ich sie nicht, weiß aber um die Wurzel. Ich muss keine Mitarbeiter einstellen oder bewerten, verweigere mich daher Ihrem Ansinnen/Auftrag/Aufforderung.

                      Zu Steinbrück: Noch heute ärgere ich mich über die dümmliche Reaktion der Medien auf seine Aussage, er würde keine Flasche Wein unter 5 Euro kaufen. Das hat mit Arroganz nichts zu tun. Das mit der „Kavallerie“ hat mir vermutlich besser gefallen als Ihnen.

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 09:03

                      Na ja, manche haben ja auch nichts dagegen, als geizig beschrieben zu werden. Ich habe etwas Elitäres in dem Sinne, wie ich es genannt habe. Ich lege Wert auf Qualität, ich bin kein Anhänger der Sicht, man würde bei teuren Produkten nur den Namen bezahlen. Dafür habe ich nicht Kleiderschränke voll, ich wechsle mein Smartphone nicht jährlich usw. Und ich würde auch keinen Billigwein trinken. Ganz im Gegenteil, wenn ich mir das seltene Vergnügen gönne, dann sind es solche aus eher exotischen Gebieten wie aus Australien (Barossa Valley), dem Napa-Valley in Kalifornien, Chile oder Argentinien. Zu Hause habe ich keinen Alkohol, nur zu Weihnachten wird eine Flasche gekauft. Ich versuche einen Stil zu pflegen, möchte solches aber nicht herausposaunen.

                      Mein Spiel bezog sich darauf, Selbsterkenntnis zu erlangen. Wie tun uns heute sehr schwer, Negatives als menschlich zu akzeptieren. Ich nehme mich da nicht aus, rufe mir das nur selbst immer wieder in Erinnerung.

                      Wie gesagt, ich mochte Steinbrück, mit all seinen Facetten. Er war immer noch ein Politiker der klaren Sprache und solche haben immer ihr Publikum. Das ist möglicherweise auch de Grund, warum Kevin Kühnert gut ankommt. Und übrigens: ich muss mit einem Menschen nicht politisch übereinstimmen, um ihn gut zu finden. Schließlich finde ich meine Frau toll und die ist in vielen Dingen anders, angefangen bei der Physiognomie. 🙂

          • Stefan Sasse 15. Juni 2019, 17:55

            Nichts das hilft ;).

            Du hast halt kein Problem mit Regulierungen wenn sie das betreffen, für das du dich einsetzt. Das ist völlig ok und absolut menschlich.

            • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 19:17

              Zum einen, ich bin kein Libertärer, ich bin vom Ordoliberalismus geprägt – also so, wie er war, nicht was Vulgär-Keynesianer daraus gemacht haben. Zum anderen plädiere ich genauso wie beim Klimaschutz für marktwirtschaftliche Regulierung von etwas Knappem und gehe an die Decke, wenn man den Menschen etwas vorschreiben will. Genauso wie beim CO2 haben wir beim Overtourism ein Problem, weil das zentrale Gut keinen Preis besitzt und nicht gehandelt wird.

              Hast Du Dich nicht gefragt – den Link findest Du am Ende des Artikels – warum die Tourismuszahlen seit den Neunzigerjahren so exponentiell gewachsen sind? Hat das Reiseinteresse so zugenommen? Oder ist das Gut Reisen so günstig geworden?

              • Stefan Sasse 16. Juni 2019, 09:53

                Günstiger geworden, ziemlich sicher.

                • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 13:49

                  1 Million Besucher, verteilt auf das gesamte Jahr, in einer Stadt von 200.000 Einwohnern stellt kein besonderes Problem dar. Das Betreten einer leeren Brücke bedeutet für niemanden eine Einschränkung. 40 Millionen Besucher in der gleichen Stadt, gar verteilt auf nur 8-9 Monate, sind ein existenzielles Problem. Und genauso bedeutet das Betreten einer übervollen Brücke eine erhebliche Einschränkung für jedermann. Wenn die Economies of Scale die Kosten des Reisens sinken lassen, damit aber andere (auch immaterielle) Kosten in den Destinationen steigen, muss sich das in den Gesamtpreisen widerspiegeln. Durch Besuchersteuern und Reglementierungen.

                  Die WELT am Sonntag hat einen sehr langen, guten Artikel über das Problem Overtourism im Heft, genauso wie schon im letzten Jahr das TIME Magazine International und SPIEGEL Online darüber berichteten.

                  • CitizenK 16. Juni 2019, 18:14

                    Das Problem overtourism ist real. Vielleicht ist der Preis ja die wirksamste Stellschraube. Dann können halt wieder wie früher nur die Reichen reisen. Wie diese auch die schönsten Wohnungen, die beste medizinische Versorgung, die größten Autos, die neueste Mode haben. Wenn das übergeordnete Ziel sowie der Klimaschutz das erfordern, muss man das möglicherweise in Kauf nehmen.

                    Sie wollen das Reisen aus anderen Gründen beschränken: Elitär (Ihr Begriff) soll es wieder werden. Das ist, moralisch gesehen (mit Kant), ein niederes Motiv. Wo ist Ihre „moralische Kompetenz“?

                    • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 18:27

                      Ich habe nicht einmal das gemeint. Ein Snob muss nicht reich sein, genauso wenig wie Sie Reichtum benötigen, um sich elitär zu verhalten. Ich verbinde mit „Elite“ positive Werte. Das gilt in den meisten Ländern, in Deutschland nicht. Aber ich habe ja ein internationales Empfinden.

                      Heute können sich sehr viele Mittelschichtbürger elitäre Produkte leisten und tun es auch. Ein 5er BMW ist ein sehr elitäres Produkt. Über 50.000 werden davon im Jahr zugelassen, selbst wenn man einen Anteil von Firmenwagen in Höhe der Hälfte oder etwas mehr unterstellt, kaufen sich von diesem Typ ziemlich viele Menschen ein elitäres Produkt. Smartphone, Luxusklamotten, Uhren, Füller, Soundsysteme – es sind nicht nur die oberen 1% der Einkommens- oder Vermögenspyramide, die sehr teure Produkte kaufen.

                      Aber elitär bedeutet, sich eine Kaufentscheidung sehr bewusst zu machen, es nicht gedankenlos zu gebrauchen. Wer ein elitäres Produkt erwirbt, hat meist echten Spaß am Kaufvorgang, er gönnt sich etwas. Darum geht es mir. Ich spreche solche Überlegungen typischen Sauftruppen ab.

  • Rauschi 14. Juni 2019, 05:45

    Die kann nunmal nicht jeder in gleichem Umfange genießen.
    Soll er ja auch nicht, nach ihrem Gusto.

    [Reisen muss wieder ein Stück Elitäres gewinnen.]
    Weil ja nur die Eliten auch zu schätzen wissen, was es zu geniessen gibt.
    Verzichtskultur von Ihnen? Klar, wenn es den Pöbel trifft, gerne.
    Nur als Argumentation nicht konsitent, mal wieder. In der Klimadebatte Verzicht abzulehen, um dann eben diesen zu fordern passt nicht zusammen.
    [Es ist eine gefährliche, vor allem zielgefährdende Illusion zu glauben, Milliarden Menschen ließen sich mit Verzichtsappellen für ein ganzes Menschenleben zu einer asketischen Lebensweise motivieren..
    Der Appell, aus Gründen des Klimaschutzes nicht zu fliegen, greift nicht, wenn man einmal am Fuße des Uluru im Herzen Australiens gestanden haben will, die Golden Gate Bridge in San Francisco abschreitet, die Mona Lisa im Louvre in Paris besichtigt und die Einsamkeit chilenischer Gletscherlandschaften sucht.]
    Your words.

    • popper 14. Juni 2019, 09:46

      Liebe Rauschi, Stefan Pietsch bleibt sich bei seiner Artikelserie um den Klimawandel treu. Man erkennt das auch an den notwendigen Bewegungen um „Greta“ und der von ihr angestoßenen Bewegung „Fridays for Future“. Die Frage stellt sich für mich, warum die Medien und die Politik das sofort aufgenommen haben und forciert perpetuieren. Greta sprach vor dem Europäischen Parlament, in Davos, also in der Einflusssphäre unserer Eliten, die maßgebliche Verursacher im Bereich der neoliberalen Wirtschaft und Politik sind.

      Könnte sich darin nicht eine ideologische Nützlichkeit zeigen, die Verantwortung, treu dem neoliberalen Mantra, an das Individuum zu delegieren, weg von den Verantwortlichkeiten der Industrie und Politik? Beim Mitlesen wunderte ich mich die ganze Zeit, warum dieser latente Aspekt völlig vernachlässigt und übersehen wird, sodass der ganze Hybe wieder einmal die Lämmer zum Schweigen bringt, wenn es um die wahren Ursachen geht.

      Pietsch transformiert auch in seinem letzten Artikel z.B. den Billigflug in die persönliche Sphäre, indem er geschickt suggeriert, der Anspruch der Upperclass nach unbeschränktem Reisen sei durchaus ok, wogegen die Masse der „Unterschicht“ von weniger Betuchten das Klima durch ihre Ansprüche ruiniere, es den Großkopfenden gleichzutun indem sie quasi einen Markt für Billigairlines erzwungen haben.

      Seine Lösung lautet dann entsprechend seiner Marktideologie, Flüge so teuer zu machen, dass die monetäre Austattung neben der Selektion von Menschen, das Klimaproblem gleich mit beseitigt. Was er verschweigt, ist der Anteil der Luftfahrt an der gesamten CO2 Emission, die beträgt nähmlich weniger als 3%. Allein auf Industrie, Transport entfallen über 70% und auf die Haushalte ca. 8%, andere lasse ich hier mal außen vor. Natürlich sind dort immer Menschen beteiligt, insofern sind die Emissionen menschengemacht, aber der Versuch von Stefan Pietsch, den Massentourismus in der Weise hochzujazzen und dabei natürlich wieder die Asiaten, vornehmlich China kollektiv zu den Hauptverursachern des Massentourismus zu machen, die die Welt überfluten, ist im Zusammenhang mit der Klimadebatte, schlicht albern.

      Ich stelle dabei keineswegs in Abrede, dass gerade der Kreuzfahrttourismus bewirkt, dass Massen in Regionen anlanden, sich umschauen und bis auf den Besuch von Kulturstätten, wenig in den Ländern konsumieren. wer aber eine Reise nach Rom, Venedig, Barcelona etc. macht, der wird in der regel dort ein paar Tage wohnen und auch konsumieren. das betrifft aber in erster Linie den wirtschaftlichen Aspekt, nicht so sehr den Klimawandel durch CO2 Emissionen und den damit verbundenen Problemen. will man nicht sich einfach auf den Standpunkt stellen, es hänge eben alles mit allem zusammen.

      • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:23

        @ popper 14. Juni 2019, 09:46

        Die Frage stellt sich für mich, warum die Medien und die Politik das sofort aufgenommen haben und forciert perpetuieren. Greta sprach vor dem Europäischen Parlament, in Davos, also in der Einflusssphäre unserer Eliten, die maßgebliche Verursacher im Bereich der neoliberalen Wirtschaft und Politik sind.

        Könnte sich darin nicht eine ideologische Nützlichkeit zeigen, die Verantwortung, treu dem neoliberalen Mantra, an das Individuum zu delegieren, weg von den Verantwortlichkeiten der Industrie und Politik?

        Ich stimme zu – ein richtiger und wichtiger Punkt, der nicht nur bei der Klimadebatte zu beobachten ist, sondern auch bei der Flüchtlingskrise zu beobachten war. Der Staat wird seiner Verantwortung nicht gerecht, schwingt aber in Richtung Bürger die Moralkeule. Es ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt, den Bürger mit in die Pflicht zu nehmen. Aber das darf nicht dazu führen, die eigenen Hausaufgaben ungelöst zu lassen.

        Bei den anderen Punkten kann ich Ihnen leider nicht folgen. Es gibt den aus meiner Wahrnehmung unauflösbaren Konflikt, dass man die „Armen“ möglichst schnell auf das Niveau der „Reichen“ bringen will, aber die Erde das nicht aushält. Die Forderungen, auf der einen Seite Umwelt schützen, Klima retten und die CO2-Emissionen teuer zu machen, und auf der anderen Seite, den weniger Begüterten den gleichen Luxus wie den Wohlhabenden zukommen zu lassen – Fleischkonsum, Autobesitz, Urlaubsflüge etc. – lässt sich nicht in Deckung bringen.

        • popper 14. Juni 2019, 13:20

          @Gabriel

          Naja, wir haben gerade in dem von ihnen zuletzt angesprochenen Bereich massive Überkapazitäten, was zeigt, dass eine Steigerung gar nicht unbedingt notwendig wäre.

    • Marc 14. Juni 2019, 09:58

      Danke für die Zusammenfassung der Kernaussage des Blogartikels und vor allem den Widerspruch in den propagierten Weltbild. Ich lese nämlich nur noch in den Kommentaren. Ich möchte die Aussage nur noch etwas zuspitzen.
      Für den Ordoliberalismus ist der Glaube an die göttliche Wirkung der unsichtbare Hand des heiligen Marktes sakrosankt, solange sie den Eliten dient. Profitiert von dessen Segnungen der Pöbel, so ist das eine Perversion und muss mit starker Hand des Staates gefälligst unterbunden werden.
      Darauf lässt sich alles reduzieren und daher geht der Informationsgehalt ordoliberalen Sermons gegen Null.

      • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:06

        @ Marc 14. Juni 2019, 09:58

        Für den Ordoliberalismus ist der Glaube an die göttliche Wirkung der unsichtbare Hand des heiligen Marktes sakrosankt, solange sie den Eliten dient. Profitiert von dessen Segnungen der Pöbel, so ist das eine Perversion und muss mit starker Hand des Staates gefälligst unterbunden werden.

        Schade, dass diese göttliche Wirkung, diese unsichtbare Hand nicht auch einen wohltuenden Einfluß auf den Intellekt hat.

        • Marc 14. Juni 2019, 11:39

          An meinen Intellekt lasse ich nur Wasser und DD.

        • popper 14. Juni 2019, 16:25

          @Gabriel

          Schade, dass diese göttliche Wirkung, diese unsichtbare Hand…

          Das mit der „hidden hand“ ist so leicht dahingesagt, sodass man den Eindruck haben könnte, da wäre was Wahres dran. Sie erwähnen das in einem anderen Kontext, aber mit Bezug auf den Kommentar von @Marc.

          Tatsache bleibt, dass es sich hierbei um Metaphysik handelt. Wenn alle am Markt Preisnehmer sind, bleibt nämlich niemand, der den Preis bestimmt. Diesen logischen Sargnagel hat die Neoklassik mit ihrer darauf aufbauenden Gleichgewichtstheorie bis heute nicht überwunden.

    • Dennis 14. Juni 2019, 10:29

      @ Rauschi

      Okay, aber dann mach doch mal Vorschläge, wie die nicht vermehrbaren, singulären Güter, um die es hier geht, gerecht auf die touristische Weltbevölkerung zu verteilen sind. Die Tatsache, dass momentan noch nicht ALLE tourimäßig unterwegs sein können, signalisiert ja Ungerechtigkeit.

      Wie geht das also zukünftig, wenn jedes Jahr – sagen wir mal – 200 Millionen Touris aus aller Welt Paris zu besichtigen wünschen – nicht in den unattraktiven Jahreszeiten, natürlich.

      So arg wird’s ja nicht kommen, wäre eine Antwort, aber keine gute, denn: Warum soll das nicht so kommen?

      Ich hab natürlich die Antwort^^ : Ein bestimmtes, gedeckeltes Kontingent von Eintrittskarten wird weltweit verlost, nach dem Zufallsprinzip. Damit muss man den bisherigen „öffentlichen Raum“ – insofern ein Touriobjekt – allerdings als solchen versenken und privatisieren – irgendwie „gerecht“ privatisieren, denn alle auf einmal können nunmal nicht gucken kommen.

      Jedenfalls gar nitt so einfach 🙁 Im Detail muss das noch ausgearbeitet werden.

      • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 11:21

        Denken Sie bei Ihrer Idee mal an Tickethändler wie Viagogo.

      • Erwin Gabriel 14. Juni 2019, 11:25

        @ Dennis 14. Juni 2019, 10:29

        Die Tatsache, dass momentan noch nicht ALLE tourimäßig unterwegs sein können, signalisiert ja Ungerechtigkeit.

        Nein, es signalisiert Ungleichheit. Das muss deshalb nicht ungerecht sein.

      • Rauschi 14. Juni 2019, 12:42

        Okay, aber dann mach doch mal Vorschläge, wie die nicht vermehrbaren, singulären Güter, um die es hier geht, gerecht auf die touristische Weltbevölkerung zu verteilen sind.
        Warum ich, ich habe doch keinen Artiel dazu geschrieben? Sollte eine Lösung nicht vom Autor kommen und nicht aus den Kommentaren?

        Verlosung wäre eine Form, würde mir gefallen.

        Das aber Reisen „elitär“ werden muss, ist auf jeden Fall nicht meine Position.

  • Cimourdain 14. Juni 2019, 12:33

    Dass sich Vergnügungen der Oberschicht einem breiten Publikum öffnen, lässt sich historisch an den verschiedensten Luxusprodukten, wie Schokolade oder Automobilen beobachten. Ob das rein durch Preisaufschläge rückgängig gemacht werden kann, istin meinen Augen fraglich. Eher gibt es Aufstände, wie Bierpreis- oder Teesteuerrevolten.

    Aber lassen Sie uns mal ein Gedankenexperiment machen und wirklich die Moralkeule schwingen:
    Was wäre, wenn Fernreisen gesellschaftlich verpönt wären? Wenn der Kollege, der von seinem Karibikurlaub erzählt, anstelle von Bewunderung/Neid nur Unverständnis erntet, als würde er von Bordellbesuchen oder Hundekämpfen schwärmen ? Wenn Buchungen nur nochmit Warnhinweis „Mit Ihrem Indonesienaufenthalt zerstören Sie die Heimat des Orang-Utans!“ möglich sind und Werbung (oder Dauerwerbesendungen wie „Traumschiff“) ins Nachtprogramm verbannt würden? Wenn man sich am Flughafen erstmal einer Gruppe Protestierendergegenüber sieht?

    Würde das das Reisevolumen reduzieren, wie es z.B. beim Rauchen funktioniert hat ? Oder würde sich ein trotziger ‚Jetzt erst recht‘ Markt entwickeln, wie bei der Prohibition ? Würde sich eine eigene Oberschichten-Sondermoral herausbilden ? Was meinen die anderen hier ?

    • CitizenK 14. Juni 2019, 14:00

      In Schweden scheint „Flugscham“ schon Wirkung zu zeigen.

  • Ralf 14. Juni 2019, 18:23

    Ich hab die Lösung. Wir machen drei Dinge. Erstmal eine saftige Kerosinsteuer. Das reduziert die Flüge insgesamt. Anschließend gesetzliche Regelungen für Mindeststandards im europäischen Flugverkehr. Das zerstört das Geschäftsmodell von Ryanair und Billig-Konsorten. Und drittens erhält jeder Bundesbürger für private Zwecke Zugang zu nur noch genau einem einzigen Flug alle zwei Jahre. Nicht übertragbar. Nicht handelbar. Und mit einem Verfallsdatum von zwei Jahren versehen. Punkt. Das sorgt dafür, dass Reiche und Arme den selben Beitrag zum Schutz vor dem Klimawandel leisten. Außerdem werden Touristen so auf weniger klimaschädliche Alternativen wie die Bahn oder den FlixBus etc. umgeleitet. Alle profitieren. Und alle können beruhigt in den Urlaub fahren. Vielleicht gelingt Ihnen sogar ein ungestörtes Bild von der Mona Lisa.

    • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 19:34

      Wieder suchen Sie den schweren Weg. Wie passt eine Kerosinsteuer zu einer CO2-Abgabe? Sie meinen tatsächlich, eine solche Steuer sei bisher nicht eingeführt worden, weil die Finanzminister der Luftfahrtindustrie etwas Gutes tun wollen? Echt, nur so viel: allein die steuerlichen Abgrenzungsprobleme beim grenzüberschreitenden Verkehr sind enorm und dummerweise überqueren Flugzeuge dauernd die Grenze.

      Es gibt hohe Mindeststandards in der Luftfahrt. Eigentlich sollten Sie das in den letzten Jahren mitbekommen haben. Ryanair verdient nicht deswegen gut, weil es technische Mindestanforderungen unterschreitet oder diese niedrig wären. Anders als selbst gute Airlines hat Ryanair zusammen mit Emirates noch keinen Absturz zu verzeichnen.

      Wieso sollten Flüge zugeteilt werden? Das kann nur völliger Unsinn sein. Das ist bestenfalls eine nationale Festlegung und anscheinend haben Sie diesbezüglich meinen Artikel nicht gelesen. Es sind nicht nur Deutsche, die viel fliegen. Sie werden 50 Jahre warten können und keine diesbezügliche Festlegung hinbekommen. Zudem auch ein einzelner Flug erzeugt heute CO2. Ich dachte, Sie wollten CO2-frei werden. Und wie wird das Kontingent abgerufen? Weltweit finden 46 Millionen Flüge statt, ca. 800 Millionen Touristen werden da befördert, was 17 Passagiere pro Flug macht, Geschäftsreisende nicht gezählt. Ihr Vorschlag wird schon in der Theorie dazu führen, dass Maschinen noch schlechter ausgelastet sind. Und / oder viele nicht mal mehr ihre 2 Flüge bekommen. Planwirtschaft eben.

      Schon beim Güterverkehr hat die Umleitung nicht funktioniert. Planwirtschaft.

      • Ralf 14. Juni 2019, 21:39

        Anders als selbst gute Airlines hat Ryanair zusammen mit Emirates noch keinen Absturz zu verzeichnen.

        Abstürze sind so selten, dass diese Aussage keinerlei statistischen Wert hat.

        haben Sie diesbezüglich meinen Artikel nicht gelesen. Es sind nicht nur Deutsche, die viel fliegen. Sie werden 50 Jahre warten können und keine diesbezügliche Festlegung hinbekommen.

        Würde doch reichen das in Europa umzusetzen. Jeder Fluggast – egal ob Deutscher, Franzose, Chinese oder Amerikaner – hätte in dem Modell nur einen privaten Flug (Roundtrip), der einen Start in der EU beinhaltet. Anschließend wäre der Name und Pass im Computer geblockt und der Fluggast würde nicht mehr an Bord gelassen. Dann würden Chinesen, Japaner oder Amerikaner in den Urlaub eben zumindest nicht mehr nach Europa fliegen bzw. nur noch maximal einmal in zwei Jahren fliegen. Und Europäer würden auch wesentlich seltener fliegen. Das wäre überhaupt nicht kompliziert umzusetzen.

        • Stefan Pietsch 14. Juni 2019, 23:09

          Ich stelle immer wieder fest, Sie machen sich keinen Begriff von der Komplexität der Welt oder nur Ihrer Theorien. Auch ein Laie weiß, dass Trips unterschiedlich gestartet werden. So wie es heute ein Ärgernis für Airlines ist, wenn Fluggäste den ersten Teil ihrer Reise verfallen lassen (ein Problem, das inzwischen auch die Deutsche Bahn hat), weil dies für Reisende günstiger ist, so würde genau dies zukünftig zu einem Geschäftsmodell. Der Flug wird dann im Ausland gebucht, von dort virtuell gestartet und auch dort beendet. Und wieso sollte irgendjemand in einem Drittland da mitspielen bei Ihrem Modell? Name und Pass werden geblockt? Wo denn? Die Buchungen erfolgen über private Unternehmen und es muss mehr als eine Steuer kommen, um hier ein Auskunftsrecht einer öffentlichen Behörde zu konstruieren, das verfassungsgegebene Rechte und Menschenrechte schlägt.

          Anhand dessen, dass mancher meinte, ich wolle hier Reisen für nicht so wohlhabende Schichten exkludieren, können Sie ermessen, welch ein Aufruhr selbst bei linken Parteien Ihre Vorstellungen hervorrufen würden. Wie gesagt, Sie scheinen wirklich keine Ahnung von Komplexität zu haben, was ich höchst erstaunlich finde und was mich überrascht.

          Flugzeugabstürze häufen sich bei alten und technisch schlecht gewarteten Maschinen. Natürlich gibt die Absturzstatistik einen Eindruck über die Solidität. Ryanair z.B. fliegt nur mit einem Flugzeugtyp, der Boeing 737. Das verringert Wartungskosten enorm. Zudem lässt Ryanair Flüge ausfallen, wenn die Auslastung (Utilization) nicht passt – alles Dinge, die sich eine klassische Linie nicht erlauben kann. Und dem kommen Sie nicht mit Ihrem Regelungsbedürfnis bei.

      • Rauschi 15. Juni 2019, 11:57

        Echt, nur so viel: allein die steuerlichen Abgrenzungsprobleme beim grenzüberschreitenden Verkehr sind enorm und dummerweise überqueren Flugzeuge dauernd die Grenze.
        Wie bitte? Das gilt also nur für Kerosin und nicht auch für Diesel und Benzin und Gas etc? Das wird beim Kauf (nicht im Flug) bezahlt, wie bei jedem anderen Produkt. Also überhaupt keine Schwierigkeit der Grenzüberschreitung .
        Das ist aber mal ein mickriger Strohmann gewesen.
        😛

  • Cimourdain 15. Juni 2019, 06:21

    Bevor wir verschiedene abstrakte Modelle akademisch diskutieren, sehen wir uns doch mal konkret Venedig, das Synonym für Overtourism an. Die Stadt kämpft schon seit Jahren darum, wenigstens die großen Kreuzfehrtschiffe wenigstens von den unmittelbaren Stadtzentren fernzuhalten.
    Was Landtouristen betrifft, so sind bisher verhaltensändernde Regulierungen (Rollkofferverbot) nur in stark abgemilderter Form durchgesetzt worden, dafür wird Verschmutzung mit empfindlichen Bußgeldern belegt.
    Aktuell möchte der Bürgermeister ein sehr moderates ( 3-10 € ) Eintrittsgeld für Tagestouristen einführen, un diese ab 2022 nur noch mit Vorausbuchung in die Stadt lassen.

    • CitizenKxdas 15. Juni 2019, 07:46

      Das hilft der Stadt, Schäden zu reparieren, wird die Massen aber nicht draußen halten.

      • CitizenK 15. Juni 2019, 08:00

        Die exorbitant hohen Hafengebühren der Kreuzfahrer sind eine große Verlockung. Diese werden wohl erst aus der Lagune verbannt, wenn es für das Pfahlfundament zu spät ist.

    • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 07:56

      Ein Kreuzfahrtschiff, direkt vor dem Markusplatz hat mich bei dem Thema emotionalisiert. Das darf nicht sein. 3-10€ sind homöopathische Dosen, davon lässt sich kein Tourist abschrecken. Wie gesagt, da sind andere, nicht europäische Länder viel weiter. Selbst in Chiles Nationalparks habe ich umgerechnet um 10€ bezahlt.

      • Hias 17. Juni 2019, 11:49

        Ein Kreuzfahrtschiff, direkt vor dem Markusplatz hat mich bei dem Thema emotionalisiert. Das darf nicht sein. 3-10€ sind homöopathische Dosen, davon lässt sich kein Tourist abschrecken.

        Nun, soweit ich weiß ist das für die Reedereien relativ teuer, mit dem Kreuzfahrtschiff direkt vor dem Markusplatz zu liegen. Nur, die Genehmigung wird mW von einer staatliche Behörde in Rom ausgestellt und nicht von einer kommunalen Behörde, d.h., da gibt es keinen Anreiz, das Eintrittsgeld für Kreuzfahrer so hoch zu schrauben, dass da kaum einer mehr anlegt.

        • Stefan Pietsch 17. Juni 2019, 12:02

          An der Stelle endet für mich jede liberale Haltung: ein Kreuzfahrtschiff hat nichts vor dem Markusplatz zu suchen, die Stadt ist nicht für die Seeriesen gebaut worden. Auch Verbote sind ein erlaubtes Instrument. An vielen Orten lagern die Passagierschiffe in sicherer Entfernung zum Land, während die Touristen mit Tenderbooten auf sicheren Grund geschafft werden. Es gibt nicht die geringste Notwendigkeit, in Venedig einzulaufen.

    • Dennis 15. Juni 2019, 09:40

      Zitat Cimbourdain
      „Aktuell möchte der Bürgermeister ein sehr moderates ( 3-10 € ) Eintrittsgeld für Tagestouristen einführen, un diese ab 2022 nur noch mit Vorausbuchung in die Stadt lassen.“

      Ja, genau, das sind halt die beiden klassischen ökonomischen Modelle. Entweder über einen Eintrittspreis:

      Das Problem: Entweder kann sich das auch Otto Normaltourist (10 Euronen oder so) leisten, aber dann isses leider unwirksam oder man geht gleich mal auf etwas wirksamere, aber immer noch bescheidene, mindestens 100 Euro, dann kommt der berechtigte Einwand: Warum nur die Reichen?

      oder über ein – sozusagen demokratisches – Queue Management System, und schon rufen gewisse Leute (ich will hier ja keine Namen nennen^) PLANWIRTSCHAFT, wobei in der Tat mit gewissen häßlichen Facetten, zum Beispiel die allseits beliebte Korruption und alle Arten von Beschiss, zu rechnen ist.

      Ein gewisser Marktwirtschaftler argumentiert ja hier mit einem „abschreckenden“ Preis, den er für wünschenswert hält, dabei die Argumente von Rauschi und Marc – vermutlich ungewollt^ – unterstützend.

      Ich sach mal so: Entweder alle werden abgeschreckt oder es ist keine Abschreckung sondern eine Privilegierung. Für eine wirkliche Abschreckung schlage ich 10o Millionen Euro pro Touri-Tag Venedig vor. Warum soll das womöglich zu viel sein? Was sagt der Marktwirtschaftler dazu?

      Wie dem auch sei, eine große Erleichterung bestünde auch darin, dass man den Störfaktor herkömmliche altmodische Wohnbevölkerung rausekelt und nix anneres mehr hat als touristische Infrastruktur^. Mit Airbnb und so geht der Trend ja auch in diese Richtung.

      • Stefan Pietsch 15. Juni 2019, 10:00

        In dem Artikel ist erwähnt, dass eine deutliche Mehrheit durchaus solche Eintrittsgelder zahlen würde, wenn sie dafür auf weniger andere Touristen träfen.

        Wenn Sie einmal in Ihrem Leben nach Venedig wollen, sind 100€ lächerlich. Die meisten Konzertbesucher geben mehr aus. Ist ein Musical wirklich mehr wert als der Besuch von Florenz? Wer unbedingt in eine dieser begehrten Orte möchte, den werden 400 oder selbst 800€ nicht abhalten. Aber bei solchen Konditionen wird sich niemand mehr nach Rom begeben, der dort eine Sauftour machen will oder einfach ein paar schöne, angeberische Motive für sein Instagram-Account benötigt.

        Was ist denn bitte ein demokratisches Queue Management System? Haben wir tatsächlich Ansätze einer Weltdemokratie?

        • Dennis 16. Juni 2019, 19:25

          Zitat Stefan Pietsch:
          „In dem Artikel ist erwähnt, dass eine deutliche Mehrheit durchaus solche Eintrittsgelder zahlen würde, wenn sie dafür auf weniger andere Touristen träfen.“

          Ähm…. diese „deutliche Mehrheit“ is ja selbst Bestandteil der zu verkleinernden Menge. Spieltheoretisch gar nitt so einfach, eine Art Rattenrennen gemäß finanzieller Potenz. Dabei könnte auch jemand der Meinung sein, dass schon ein weiterer Touri zu viel ist. Im Rahmen Ihrer Logik müssen Sie insoweit auch mit dem Fall einverstanden sein, dass so jemand (so ne Art Ludwig II. von Bayern Typ) , der ein paar Milliarden locker machen kann, Venedig für sich ganz alleine vom Staat aufkauft und niemanden mehr reinlässt. Nur Verbotsparteien können gegen solche liberalen, also rein preisinduzierten Lösungen Einwendungen erheben. Dann gucken auch Sie vermutlich in die Röhre. Es könnte ein Irrtum sein, wenn man sich immer bei den Begünstigten wähnt 🙁

          Zitat Stefan Pietsch:
          „Was ist denn bitte ein demokratisches Queue Management
          System? “

          Ich liebe halt komische Anglizismen^.

          Okay, mal ganz trivial: Jede Art von Ökonomie ist ’ne Art Queue Management System, denn das zentrale Konzept alles Ökonomischen ist die KNAPPHEIT. Die wiederum wird dadurch erkennbar, dass bezüglich der knappen Güter ein Andrang besteht; im übertragenen Sinn kann man das auch Schlangestehen nennen.

          Im Übrigen beantworten Sie Ihre Frage ja selbst (in einem Beitrag weiter oben) :

          Zitat Stefan Pietsch:
          „Die Knappheit eines Gutes erkennt man dann, wenn die Nutzung mit zunehmenden Gebrauch eingeschränkt wird. Das ist an vielen Touristenorten der Fall.“

          Weiterhin stellt sich dann die Frage nach Kriterien und Mitteln, die hier zwecks Bewirtschaftung angewendet werden. Demokratisch (ideal formuliert) heißt: Es gibt keine von Gott begnadeten Stände, die ganz selbstverständlich berechtigt sind, davon auszugehen, dass ihnen etwas zusteht, was anderen „naturgemäß“ nicht zusteht, was dann psychologisch evtl. so rationalisiert wird:

          Zitat:
          „Aber bei solchen Konditionen wird sich niemand mehr nach Rom begeben, der dort eine Sauftour machen.“

          Wer will, möge ja der Auffassung sein, dass finanziell potent ein Indiz für edle Motive sei, während bei finanziell Schwachen der Säuferverdacht nahe liegt – liberal (nach meinem Verständnis) wäre diese Denke aber nitt^.

          Im Übrigen hab ich ja nix gegen moderate Eintrittsgelder, gegen Marktwirtschaft auch nix, nur muss man an dieser Stelle der Tatsache Rechnung tragen, dass z.B. Venedig ein natürliches Monopol darstellt, das – anders als die Besucher^ – seine Frequenz nicht erhöhen kann, was marktwirtschaftlich natürlich ’ne gute Idee wäre.

          Neben Eintrittsgeldern in nicht-prohibitiver Höhe (mit der Festsetzung beauftragen wir eine Experten-Kommission^), die es gaben mag, müssen also erforderlichenfalls andere, nicht a priori exkludierende Bewirtschaftungssysteme her . Am Ende des Tages nennt man das dann „mixed economy“ .

          • Stefan Pietsch 16. Juni 2019, 19:38

            Ich finde Ihren Kommentar ziemlich wirr, ohne erkennbare klare Forderungen, Statements, whatever. Eine Saufgemeinschaft trifft andere Allokationsentscheidungen, sie sind wesentlich preissensibler als sagen wir einen kulturell interessierten Städtereisenden. Es kann nur darum gehen, die besonders preissensiblen Naturen zu treffen und zurückzudrängen. Wenn für jemanden der Preis das wichtigste Entscheidungskriterium ist, dann lässt sich dieser auch in weniger gefragte Destinationen umleiten.

            Wieso sollte ein anderes Kriterium als der Preis liberaler sein? Bei einer behördlichen Zuteilung kann der Bürger gar nichts entscheiden, nicht einmal seine besondere Dringlichkeit deutlich machen. Das wäre völlig illiberal.

        • Cimourdain 17. Juni 2019, 21:13

          Eine Interessante Variation:
          Lassen wir doch nur die tatsächlich Qualifizierten rein ( etwas was ich von Konservativen in anderem Zusammenhang gehört habe). Fragen wir sie doch alle, z.B. was der Bucintoro war. Den Pauschalurlauber San Marco-Rialtobrücke, den Gruseltouristen zur Poveglia ( ein gutes lokales Äquivalent zu Chernobyl) aber eben auch den Fress- ( da Fiore ) und Sauf- ( Harry’s Bar ) Hotelgast im Cipriani. Dann haben wir ein klassenunabhängiges Kriterium.

  • Hias 17. Juni 2019, 12:22

    9 Euro für ein Glas Milch, 18 Euro für ein Budweiser und das Caffe Lavena am Markusplatz geht trotzdem nicht pleite. Klar, viele haben vorher nicht auf die Speisekarte geschaut, aber ich denke mal, sie könnten auch das doppelte oder dreifache verlangen und die Leute würden trotzdem kommen.

    Ich will damit sagen, dass ich nicht glaube, dass man das Problem Over-Tourism (und auch Flugreisen) nur über den Preismechanismus regeln wird können, zumindest nicht für Orte wie Venedig.
    Der Grund dafür mMn ist, dass eine Reihe von Entwicklungen zusammentreffen. Zum einen geht jetzt nach und nach die Baby-Boomer-Generation in Rente. Nie zuvor in der Geschichte gab es so viele, vergleichsweise fitte und wohlhabende Rentner. Und die müssen jetzt auch nicht mehr sparen, die können das alles ausgeben.
    Hinzu kommt die wachsende Mittelschicht in China und das wird einfach aufgrund der Masse ein Problem. Bis 2020 werden 200 Mio. chinesische Touristen erwartet (2015 waren es übrigens nur knapp 109 Mio.), also weltweit, nicht in Europa. Für den weit überwiegenden Teil wird die Reise nach Europa (oder auch zu anderen Hauptreisezielen) wohl eine einmalige Sache sein, für die sie bereit sein werden, richtig viel zu zahlen.
    Und zum Schluss ist da noch die Erbengeneration. Es wird enorm viel vererbt in den nächsten Jahren und dementsprechend hat auch ein Teil der Nachfolgegeneration jede Menge Geld. Und klar, viel davon wird auch gebraucht um das Häuschen abzubezahlen oä. Aber dennoch bleibt da ein Haufen Geld über und das gibt man halt für Reisen aus.
    Sprich, chinesische Mittelschicht und reiche Erben, würde ich eher als wenig preissensibel einstufen.

    Insbesondere die wohlhabenden Rentner finde ich interessant, weil dies mE der Punkt ist, wo der Preismechanismus an seine Grenze stößt. Venedig kostet 10.000 € Eintrittsgeld pro Nase? Das ist entweder egal, weil man noch nie da war, oder aber es kommt zu Ausweichmechanismen hin nach Chioggia oder Ravenna, mit der Folge, dass auch diese Orte unter der Last ächzen werden. Was ich aktuell hier in Bayern erlebe, ist, dass sie am Wochenende auf manchen Strecken das Zugfahren vergessen können, da die Züge proppevoll mit Rentner und deren E-Bikes sind.

    Ich denke mal, sie kommen um Verbote oder ähnliches gar nicht rum.

    • Stefan Pietsch 17. Juni 2019, 13:20

      Die Preise sind nur für Deutsche ungewöhnlich.

      Mir geht es ausschließlich um die preissensiblen Touristen. Und ja, das Problem ist, dass die ganze Welt reisen will und damit im Grunde ein Menschenrecht wahrnimmt. Die mit Abstand beliebteste Reisegegend ist Europa, außerhalb gibt es noch zahlreiche Orte und Länder, die nicht überschwemmt und sehenswert sind. Für mich z.B. ist die Überflutung mit Touristen ein Entscheidungskriterium geworden.

      Was die Frequenz von Fernreisenden betrifft, denke ich Sie irren. Ich war mehrmals in San Francisco (beruflich als auch privat) und die Erkundung einer Region fängt mit einem oberflächlichen Trip an. Was kann man in 10 Tagen in Europa sehen? Rom, Paris, Barcelona, London, Berlin – dann noch Heidelberg, alles in jeweils 4 Stunden, und zack zack zack zurück.

      Rentner sind sowohl eine gesittete, genügsame als auch finanziell solvente Klientel. Die Angebote gerade in diesem Segment werden gerade stark ausgebaut.

      • popper 18. Juni 2019, 09:27

        Rentner sind […] eine […] auch finanziell solvente Klientel.

        Schön wäre es. Das Handelsblatt hat dazu im letzten Jahr getitelt: „Fast jede zweite Rente in Deutschland liegt unter 800 Euro“

        Und da suggerieren Sie hier zum wiederholten Male, die heutige Rentnergerneration gehöre zu den reichsten. Schon klar, Sie werden natürlich sofort auf die Ansage von oben darauf hinweisen, dass die Armutsschwelle durch den Partner, Vermögen etc. leicht überwunden werden kann.

        Geschenkt, wenn, wie Sie schreiben, die „Angebote gerade in diesem Segment werden gerade stark ausgebaut“, dann wird daraus sicher kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Denn nach jetziger Rechtslage, werden die Renten bis 2030 immer geringer ausfallen und infolge mieser monetärer Erwerbsbiographien noch weiter absinken. Es sei denn, man findest EasyCruise cool, aber die ist mittlerweile auch schon pleite (!?).

        • Stefan Pietsch 18. Juni 2019, 09:59

          Ja, ich kenne das: 400€ Rente und trotzdem ein monatliches Einkommen weit über dem Durchschnitt. Sie können selbst einen Ansatz machen: es werden weit mehr Renten bezahlt als es Rentner gibt. Und da sind die Pensionen noch gar nicht ins Bild gerückt. Seltsame Welt.

          • popper 18. Juni 2019, 11:36

            Die Durchschnittsrente besagt nicht viel, sie adressiert nicht einmal das Problem angemessen, da sie von einem Rentner ausgeht, der 45 Jahre gearbeitet und „gut“ verdient hat. Selbst wenn alles stimmt, was Sie schreiben ändert dies nichts an den individuellen Renten der Hälfte der Rentner, und diese nehmen bis 2030, wenn die Politik nicht umsteuert, dramatisch ab.

            • Hias 18. Juni 2019, 12:48

              Die Durchschnittsrente besagt nicht viel, sie adressiert nicht einmal das Problem angemessen, da sie von einem Rentner ausgeht, der 45 Jahre gearbeitet und „gut“ verdient hat. Selbst wenn alles stimmt, was Sie schreiben ändert dies nichts an den individuellen Renten der Hälfte der Rentner, und diese nehmen bis 2030, wenn die Politik nicht umsteuert, dramatisch ab

              Sie haben oben aus nem Zeitungsartikel zitiert. Schauen wir doch mal an, was die Regierung geschrieben hat: “ Die relativ hohen Anteile beinhalten unter anderem auch Kleinstrenten aufgrund von kurzen Beitragszeiten von Personen, bei denen diese Renten für die Alterssicherung nur eine geringe Rolle spielen, weil andere Alterseinkommen vorhanden sind. Entsprechend liefert die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter. Da weitere Einkommen nicht berücksichtigt werden, ist die Bezugnahme auf die Höhe des durchschnittlichen Bruttobedarfs von Empfängerinnen und Empfängern der Grundsicherung im Alter (800 Euro, Stand Dezember 2016)
              diesbezüglich nicht aussagefähig.“
              https://www.linksfraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF_Dokumente/Zimmermann_Sabine_2018-06-382_-_Antwort.pdf

              Der Artikel im Handelsblatt liefert noch eine weitere, sehr interessante Zahl:
              „Nach vorläufigen Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung für das vergangene Jahr bezogen 2,7 Prozent der Männer und Frauen in Deutschland oberhalb der Regelaltersgrenze eine Altersrente, die durch die staatliche Grundsicherung aufgestockt wurde. Dieser Anteil liegt den Angaben zufolge um circa 0,1 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Nach einer aktuellen Projektion rechnet die Rentenversicherung bis 2030 mit einem Anstieg der Hilfequote auf bis zu 5,9 Prozent bei Männern, beziehungsweise auf bis zu 5,2 Prozent bei Frauen.“
              https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundesarbeitsministerium-fast-jede-zweite-rente-in-deutschland-liegt-unter-800-euro/22792672.html?ticket=ST-3026396-Y1brJ2rGdOhc94hwHBZa-ap3

              Hm, wie kann das sein, dass fast 50% eine Rente unter 800 Euro beziehen, aber nur 2,7% erhalten zusätzliche Leistungen aus der Grundsicherung?

              • popper 18. Juni 2019, 16:11

                Hm, wie kann das sein, dass fast 50% eine Rente unter 800 Euro beziehen, aber nur 2,7% erhalten zusätzliche Leistungen aus der Grundsicherung?

                Weil die Grundsicherung keine Indikator für diese Feststellung ist, sowenig wie für die Behauptung, es gäbe in Deutschland keine Armut, da wird auch immer nur auf die Bezieher von Grundsicherung abgestellt und alle anderen bleiben außen vor.

      • Hias 18. Juni 2019, 13:07

        Mir geht es ausschließlich um die preissensiblen Touristen.
        Das ist mein Argument, dass es da nicht so viele gibt, wie sie meinen. Die S+F-Touristen fahren halt dann mit der Bahn nach Prag und nicht mehr mit dem Flieger nach Mallorca. Und die preissensiblen Rentner teilen sich dann halt auf. Aber aufgrund der Zunahme der Touristen und der zunehmenden Zahl der Menschen, die Zeit und Geld haben, führt der Preismechanismus zu Ausweichreaktionen mit der Folge, dass halt dann mehr und mehr Orte überlaufen sind.

        Was die Frequenz von Fernreisenden betrifft, denke ich Sie irren. Ich war mehrmals in San Francisco (beruflich als auch privat) und die Erkundung einer Region fängt mit einem oberflächlichen Trip an. Was kann man in 10 Tagen in Europa sehen? Rom, Paris, Barcelona, London, Berlin – dann noch Heidelberg, alles in jeweils 4 Stunden, und zack zack zack zurück.
        Nun, Sie sind ja auch nicht repräsentativ und gerade für diese oberflächlichen Trips sind unsere ostasiatischen Gäste bekannt.

        Rentner sind sowohl eine gesittete, genügsame als auch finanziell solvente Klientel. Die Angebote gerade in diesem Segment werden gerade stark ausgebaut.
        In der Masse trotzdem nervig und ja, hier sagen sie das, was ich auch weiter oben sagte. Overtourism wird in Zukunft nicht ab- sonder massiv zunehmen und auch Regionen und Städte betreffen, die heute noch keinen interessieren. Es ist die schiere Masse und da hilft auch kein Preismechanismus.

        Und jetzt noch ein Gedanke, der mich bei Ihren letzten beiden Artikeln nicht losgelassen hat:
        Wenn man Ihren Vorschlag für ein weltweites CO2-Handelsregime zusammen mit ihrem Vorschlag, overtourism mit Hilfe von Eintrittsgeldern zu bekämpfen kombiniert, führt das zu einer interessanten Beobachtung: Diejenigen, die beide Probleme (zuviel Tourismus und zuviel CO2) eingebrockt haben, sind am Ende auch diejenigen, die von dieser Lösung profitieren: wohlhabende Mittel- und Oberschicht-Angehörige in den Industrieländern. Nachfolgende Generationen und die Menschen in den Schwellenländern haben die Arschlochkarte.

        • Stefan Pietsch 18. Juni 2019, 13:50

          Mir geht es ausschließlich um die preissensiblen Touristen.
          Das ist mein Argument, dass es da nicht so viele gibt, wie sie meinen.

          Das ist halt eine Behauptung. Selbst im außerordentlich reichen Deutschland haben glaube ich so 40% der Menschen nicht mehr als 100€ im Monat zur freien Verfügung. Das dürfte in anderen Industrieländern nicht anders aussehen. Unternehmen wie Ryanair haben sich ja gerade darauf spezialisiert, es für diese Klientel erschwinglich zu machen. Ich musste einmal aus beruflichen Gründen (Riga – Dublin) mit dem Low-Cost-Carrier fliegen. Das ist für normal situierte Menschen eine Strafe. Aber billig. Prag und andere Städte wurden an eben solche Leute verscherbelt: billig, billig, billig! Das mag sozialdarwinistisch klingen, aber so ist das Leben. Noch keine Idee hat daran etwas geändert.

          Jedenfalls brauchen wir Alternativen, damit die erwartbaren Trends nicht in dem Maße Wirklichkeit werden.

          Diejenigen, die beide Probleme (zuviel Tourismus und zuviel CO2) eingebrockt haben, sind am Ende auch diejenigen, die von dieser Lösung profitieren: wohlhabende Mittel- und Oberschicht-Angehörige in den Industrieländern.

          Ja? Erstmal nichts weiter als eine These. Thema Klimawandel: Deutschland ist gerademal für 2% des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich, selbst die Emissionen der USA hätten das Klima niemals in eine kritische Lage gebracht. Erst als China und Indien aufschlossen mit ihren Menschenmassen fing das Problem an. Allein diese beiden Länder, obwohl bei weitem, insbesondere in der Breite, längst noch nicht so entwickelt wie Deutschland und die USA, verantworten 13 Milliarden Tonnen CO2 – von 36 Milliarden Tonnen. So unterentwickelte Länder wie der Iran mit gleicher Bevölkerungsgröße wie Deutschland und Saudi-Arabien haben weit auf geschlossen und liegen bei weit geringerem Entwicklungsstand bei 2/3 der hiesigen Emissionen.

          Schon an dieser Stelle sind Zweifel an Ihre These angebracht. In Deutschland sind die Kohlekraftwerke und der Kohleabbau im Ruhrgebiet für einen wesentlichen Teil der deutschen Probleme verantwortlich. Kohle gilt als die Energie des kleinen Mannes und der Kohlebergbau wird nur für die armen Kumpels erhalten, finanziert und subventioniert mit irrwitzigen Summen, die jeden Gutverdiener vor Neid erblassen lassen. Saubere Energie wird von jenen produziert, die es sich leisten können. Setzt man wirtschaftliche und Konsumtätigkeit in eine Relation zum Einkommen, bekommt man wahrscheinlich einen regressiven Verlauf.

          Stichwort Overtourism: Ich sagte es im Schlussabsatz, 200 Millionen Touristen weltweit sind kein Problem, 1,4 Milliarden sind es. Das schädliche Wachstum kommt von jenen, die auch für den Zuwachs beim CO2 verantwortlich sind. Fakt ist, wer wirtschaftet und konsumiert, schädigt die Umwelt und reist häufiger als ein Habenichts. Jetzt können wir sagen, okay, jetzt dürfen alle, die sich bisher zu kurz gekommen fühlen, erstmal nachlegen, bis sie ihr Bedürfnis befriedigt haben und ihr Minderwertigskeitskomplex kompensiert ist. Hilft zwar Null bei der Lösung von Massenproblemen, aber vielleicht bei der Reinigung des sozialen Gewissens. Und verschärft enorm die Probleme.

          Ich weiß nicht, ob Sie mal Kind waren und ob Sie Geschwister hatten: Was haben Ihre Eltern gemacht, wenn einer über die Strenge schlug? Die haben anscheinend zu den anderen gesagt, jetzt macht ihr das erstmal nach und dann verhalten wir uns ordentlich. Richtig? Na ja, bei mir war es so, dass der Ausgebüxte etwas gut machen musste, aber die anderen bekamen deswegen keinen Bonus. Und auch auf die weiterführende Schule kam nur, wer die entsprechenden Noten brachte. Und nicht alle, weil es sich aus sozialen Gründen so gehört.

          Ja, man muss sagen: sorry, aber ihr seid zu spät. Ihr hättet ja auch schon vor 40 Jahren wohlhabend sein können und warum haben die Chinesen eigentlich so lange am Kommunismus festgehalten?

          • CitizenK 18. Juni 2019, 18:53

            Dann hätten wir das Problem 40 Jahre früher gehabt. Also keine Lösung. Und der groß Schub kommt ja erst noch.

            Fliegen trägt wegen der Emission in großer Höhe überproportional zum Klimaeffekt bei. An einer Reduzierung führt kein Weg vorbei, will man die Klimaziele einhalten. Wenn das über den Preis geht, haben alternative Antriebe und Transportmittel eine Chance. Wie weit der Wasserstoff-Antriebe für Flugzeuge ist, weiß ich allerdings nicht.

          • Hias 20. Juni 2019, 21:08

            Das ist halt eine Behauptung. Selbst im außerordentlich reichen Deutschland haben glaube ich so 40% der Menschen nicht mehr als 100€ im Monat zur freien Verfügung. Das dürfte in anderen Industrieländern nicht anders aussehen. Unternehmen wie Ryanair haben sich ja gerade darauf spezialisiert, es für diese Klientel erschwinglich zu machen. Ich musste einmal aus beruflichen Gründen (Riga – Dublin) mit dem Low-Cost-Carrier fliegen. Das ist für normal situierte Menschen eine Strafe. Aber billig. Prag und andere Städte wurden an eben solche Leute verscherbelt: billig, billig, billig! Das mag sozialdarwinistisch klingen, aber so ist das Leben. Noch keine Idee hat daran etwas geändert.

            Jedenfalls brauchen wir Alternativen, damit die erwartbaren Trends nicht in dem Maße Wirklichkeit werden.

            Nunja, die F+S Klientel, die kriegen sie schnell rausgekegelt, wenn sie die Preise erhöhen. Vielleicht auch noch einige Städtereisen. Aber nehmen wir als Beispiel die Kreuzfahrer. Ich kenne welche, die machen 2x/3x im Jahr Kreuzfahrten. Daraus wird dann halt nur eine Kreuzfahrt im Jahr, wenn es teurer wird. Und dieser Rückgang wird dann mE dadurch aufgewogen, dass ein paar Millionen Chinesen mehr sich für ne Kreuzfahrt entscheiden. Oder einige Gutverdiener mehr, die auf einmal deutlich mehr Zeit und immer noch genügend Geld haben.

            Sie könne die Preise dann noch weiter erhöhen, aber nach meinem Bauchgefühl werden die Zahlen nur langsam zurückgehen, bis der Punkt kommt, wo die Nachfrage dann ganz abrupt abbricht. Unelastische Nachfragefunktion nennt man sowas, glaube ich.

            Ja? Erstmal nichts weiter als eine These. Thema Klimawandel: Deutschland ist gerademal für 2% des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich, selbst die Emissionen der USA hätten das Klima niemals in eine kritische Lage gebracht.

            Sry, aber heute ist Deutschland nur für 2% verantwortlich, das war mal deutlich mehr. 1990 warens bspw. gut 4,5%. Und natürlich fing das Problem mit der Industrialisierung an, mit der chinesischen und indischen Entwicklung hat es sich halt massiv verschärft.
            Aber warum eigentlich? Wenn ich mich recht entsinne, waren westliche Vorstände und insbesondere Ihre Finanzer- und Controller-Kollegen ganz geil darauf, möglichst viel Produktion zu verlagern. Und zwar insbesondere nach China, weil die da so schön billig waren (und zwar u.a. auch wegen der niedrigen Umweltstandards). Und dann karrte man das Zeug mit den Schweröl-Container-Schiffen nach Europa und in die USA, wo man nen Swosch oder drei Streifen draufklebte und es dann mit hohen Margen verkaufen kann. Ja, heute braucht man China um das Problem zu lösen, aber das Problem verursacht, das waren die Industrieländer.

            Schon an dieser Stelle sind Zweifel an Ihre These angebracht. In Deutschland sind die Kohlekraftwerke und der Kohleabbau im Ruhrgebiet für einen wesentlichen Teil der deutschen Probleme verantwortlich. Kohle gilt als die Energie des kleinen Mannes und der Kohlebergbau wird nur für die armen Kumpels erhalten, finanziert und subventioniert mit irrwitzigen Summen, die jeden Gutverdiener vor Neid erblassen lassen.
            Okay, um das mal klarzustellen. Kohle ist nicht die Energie des kleinen Mannes, Kohle war der Zündfunke für die Industrialisierung, die billige Energie, die man daraus gewonnen hatte, war das Fundament für die weitere Entwicklung. Und man hat sie subventioniert, weil man in diesem Denken gefangen war und man auf Sicherheit in der Energieerzeugung gesetzt hat. Aber klar, jeder Framatome-Ingenieur ist vor Neid erblasst auf die Unsummen an Kohle, die die Kumpels da in NRW eingesackt haben. Und ganz zu schweigen, von den BMW-Ingenieuren, die staatlich gefördert über Jahre hinweg z.B. in Neunburg vorm Wald an Wasserstoff-Autos geforscht haben. Und erst der Großbauer im Oberland, der hart mit sich gerungen hat, ob er auf seinem Feld staatlich geförderte Zuckerrüben anbauen, oder lieber eine Solaranlage bauen soll. Ich bin mir sicher, sie alle waren vor Neid ganz grün, wenn sie daran gedacht haben, wie die Kumpels in die Grube einfahren.

            Saubere Energie wird von jenen produziert, die es sich leisten können. Setzt man wirtschaftliche und Konsumtätigkeit in eine Relation zum Einkommen, bekommt man wahrscheinlich einen regressiven Verlauf.
            Genau, weil die Solar- und Windstromproduktion ja so ein Luxus waren, deswegen haben das auch ganz wenige gemacht.
            Und was die Konsumtätigkeit angeht, da denke ich, da irren Sie sich. Mehr Konsum bedeutet mehr Umweltverschmutzung. Klar, man kann einen Teil seines Geldes für teurere regionale Produkte ausgeben, aber meistens geben die Wohlhabenderen ihr Geld für höherwertige Konsumartikel aus. Und der Staubsaugerroboter, der nen Chip braucht und über ne App gesteuert wird, der ist in der Herstellung umweltschädlicher als ein billiger 70-Euro-Siemensstaubsauger.
            Ne, die Achillesferse in der CO2-Bilanz bei den Wohlhabenden ist der Konsum. Sie können auf Flüge und Auto verzichten und vegan in einem Passivhaus leben, solange sie hochwertige Konsumgüter kaufen, haben sie auch einen dementsprechenden CO2-Fußabdruck.

            Stichwort Overtourism: Ich sagte es im Schlussabsatz, 200 Millionen Touristen weltweit sind kein Problem, 1,4 Milliarden sind es. Das schädliche Wachstum kommt von jenen, die auch für den Zuwachs beim CO2 verantwortlich sind. Fakt ist, wer wirtschaftet und konsumiert, schädigt die Umwelt und reist häufiger als ein Habenichts. Jetzt können wir sagen, okay, jetzt dürfen alle, die sich bisher zu kurz gekommen fühlen, erstmal nachlegen, bis sie ihr Bedürfnis befriedigt haben und ihr Minderwertigskeitskomplex kompensiert ist. Hilft zwar Null bei der Lösung von Massenproblemen, aber vielleicht bei der Reinigung des sozialen Gewissens. Und verschärft enorm die Probleme.
            Stimmt, hilft nicht weiter. Man könnte ja auch den Leuten, die schon mal auf den Galapagos-Inseln oder in Venedig waren, die Einreise verweigern. Sie selber haben argumentiert, dass es hier um Kulturgüter geht, nicht um einfache Konsumgüter. Also, warum sollte man einen Eintrittspreis so setzen, das es einem Millionär erlaubt ist, jedes Jahr seinen Kaffee aufm Markusplatz zu trinken, während Millionen Menschen von heute auf morgen auf einmal nicht mehr in der Lage sind ein Weltkulturerbe zu besichtigen?

            Ich weiß nicht, ob Sie mal Kind waren und ob Sie Geschwister hatten: Was haben Ihre Eltern gemacht, wenn einer über die Strenge schlug? Die haben anscheinend zu den anderen gesagt, jetzt macht ihr das erstmal nach und dann verhalten wir uns ordentlich. Richtig?
            Nö, die haben gesagt: „J sagmal spinnt ihr, so einen Blödsinn zu machen. Das macht ihr nicht mehr, höchstens wenn ihr uns 100 DM zahlt. Wie, Hias, Du hast das Geld nicht, deine Schwester aber schon. Pech gehabt, dann darf halt die Schwester weitermachen.“
            Faszinierende pädagogische Taktiken, die sie da anwenden.

            Na ja, bei mir war es so, dass der Ausgebüxte etwas gut machen musste, aber die anderen bekamen deswegen keinen Bonus.
            Und, machen Sie es jetzt wieder gut? Verzichten Sie z.B. aufs Fliegen?

            Und auch auf die weiterführende Schule kam nur, wer die entsprechenden Noten brachte. Und nicht alle, weil es sich aus sozialen Gründen so gehört.
            Was hat das mit Over-Tourism zu tun? Wenn weniger Menschen auf weiterführende Schulen gingen, dann würden weniger Menschen reisen??

            Ja, man muss sagen: sorry, aber ihr seid zu spät. Ihr hättet ja auch schon vor 40 Jahren wohlhabend sein können und warum haben die Chinesen eigentlich so lange am Kommunismus festgehalten?
            Wow, das kommt sicher ganz gut an. Warum sagen Sie nicht gleich: „Liebe Chinesen, wir brauchen zwar eure Hilfe um die Klimaerwärmung zu bekämpfen, die vor allem wir verursacht haben, aber bitte hört auf zu fliegen und soviel CO2 zu produzieren. Ihr dürft es natürlich, wenn ihr unsere IPhones herstellt und unsere billigen LED-TVs aber bitte nicht um eure eigenen Wohnungen mit Strom zu versorgen. Und was den Tourismus, also da können ein paar gerne reisen und gaaaanz viel Geld vor Ort ausgeben, aber bitte nicht so viele auf einmal. Und das gilt auch für Asien und Amerika. Gut, ich war schon ein paarmal in San Francisco, ihr noch nicht, aber bitte verstopft mir die Stadt nicht, wenn ich da bin, ich mag das nicht.“
            Wissen Sie, ich war schon stinksauer, als ich den Satz gelesen habe, weil ich halt vor 40 Jahren weder wohlhabend noch überhaupt war. Aber so als Staatsbürger einer aufstrebenden, sehr mächtigen Nation, die gerade eine Zukunftsbranche nach der anderen übernimmt, wäre ich bestimmt sehr begeistert von dem Satz.

            • Stefan Pietsch 22. Juni 2019, 10:40

              Aber nehmen wir als Beispiel die Kreuzfahrer. Ich kenne welche, die machen 2x/3x im Jahr Kreuzfahrten. Daraus wird dann halt nur eine Kreuzfahrt im Jahr, wenn es teurer wird. Und dieser Rückgang wird dann mE dadurch aufgewogen, dass ein paar Millionen Chinesen mehr sich für ne Kreuzfahrt entscheiden.

              Wenn ich das Argument regelmäßig bei der Klimadebatte bringe, schallt mir entgegen, wir müssten mit gutem Beispiel vorangehen. Obwohl das gute Beispiel dem Klima gar nichts bringt. Das Sie das Argumentationsmuster als bekennender Linker hier, aber nicht zuvor bei der Klimadebatte bringen, werte ich als Debattenfoulspiel. 😉 Jedenfalls, gerade bei der Kreuzschifffahrt haben wir schon zahlreiche Beschränkungen auch im Rahmen des Umweltschutzes. Die meisten Föhrde in Norwegen dürfen nicht mit Schiffen befahren werden, die nicht bestimmte Umweltstandards erfüllen. Und mit solchen Beschränkungen kann man irgendwann noch vor Shanghai dahinstinkern, allerdings nicht bei den angefragten Destinationen. Da bringt der billige Preis dann auch nichts.

              Unelastische Nachfragefunktion nennt man sowas, glaube ich.

              Kenne ich und so habe ich auch nicht argumentiert. Sie verbeißen sich an einem Aspekt.

              Sry, aber heute ist Deutschland nur für 2% verantwortlich, das war mal deutlich mehr. 1990 warens bspw. gut 4,5%. Und natürlich fing das Problem mit der Industrialisierung an, mit der chinesischen und indischen Entwicklung hat es sich halt massiv verschärft.

              Wenn man sich den Ausstoß von Schadstoffen auf einer simulierten Karte aus dem Weltall ansieht, sieht es über China ziemlich düster aus. Das passt so gar nicht zu Ihrer These. Und ja, so ist das mit relativen Zahlen. Die Frage ist doch nicht, wer wieviel CO2 in die Atmosphäre emittiert hat, sondern wieviele solcher Emissionen das Klima verträgt ohne mächtig böse zu werden. Die Nutzung der Umwelt zum Konsum und Produktion ist immer ein Kompromiss. Schon wenn Sie in die Landschaft pinkeln, schädigen Sie die Fauna. Das ist jedoch erträglich. Machen das aber 1000 am gleichen Platz, ist das ein bemerkbares Problem.

              Okay, um das mal klarzustellen. Kohle ist nicht die Energie des kleinen Mannes

              Nochmal, da Sie es nicht bekommen zu haben scheinen: China nimmt gerade umfangreiche Meiler neu (!) in Betrieb und fördert deren Bau in zahlreichen Ländern, wo Banken dies nicht mehr finanzieren wollen. Das ist doch ein bisschen etwas anderes. Und noch eine Information: Zu Hochzeiten der Kohleförderung lag die Subventionierung bei 110.000 DM pro Kumpel. Da wäre es günstiger gewesen, den Leuten das Geld in die Hand zu drücken.

              Mehr Konsum bedeutet mehr Umweltverschmutzung. Klar, man kann einen Teil seines Geldes für teurere regionale Produkte ausgeben, aber meistens geben die Wohlhabenderen ihr Geld für höherwertige Konsumartikel aus.

              Sie scheinen einem mächtigen Irrtum aufzusitzen. Ich kann mir Anzüge von Zegna und Armani leisten, die ein paar 100 km entfernt gefertigt werden. Doch was ist mit den unter 10€-Shirts aus dem Primark, den ich mich weigere zu betreten? Ist die CO2-Bilanz eines Zegna-Shirts wirklich schlechter als die von 10 Primark-Überziehern? Ein Golf Baujahr 1998, stößt so viel CO2 aus wie aus 250-PS-bestückter SUV heute. Nur, dem Besserverdienenden wollen Sie den top-modernen Wagen verbieten, während der am unteren Ende der Einkommensskala weiter vor sich hinstinken darf.

              Man könnte ja auch den Leuten, die schon mal auf den Galapagos-Inseln oder in Venedig waren, die Einreise verweigern.

              Wie wollen Sie das tun?! Im Pass steht nicht: Ich war in Venedig. Und welchen Sinn macht es, Gutbetuchten die Rückkehr auf die Galapagos zu verweigern, weil Millionen Menschen es sich ohnehin nicht leisten können, dorthin zu fliegen?

              Also, warum sollte man einen Eintrittspreis so setzen, das es einem Millionär erlaubt ist, jedes Jahr seinen Kaffee aufm Markusplatz zu trinken, während Millionen Menschen von heute auf morgen auf einmal nicht mehr in der Lage sind ein Weltkulturerbe zu besichtigen?

              Wieso ist das etwas, was wir jedem prinzipiell gestatten sollten? Es gibt nicht so viele Millionäre, die auf dem Markusplatz regelmäßig ihren Kaffee trinken. Es gibt halt weit zu viele Touristen, die für 100-1000 Euro angereist sind und ihren Starbucks vermissen.

              Was hat das mit Over-Tourism zu tun?

              Das hat mit dem Zuteilungsprinzip zu tun, das bei Ihnen immer durchschimmert. Wir Deutschen (2% der Emissionen) verringern erst mal kräftig unseren CO2-Ausstoss (und damit unseren Wohlstand), damit Chinesen, Inder, Iraner, Saudis und all die anderen Benachteiligten schnell mal den ihren erhöhen können und irgendwie ihren Wohlstand schnell steigern (oder auch nicht). Danach haben wir ein gutes Gewissen und sind Vorbild. Und gerade die Mullahs werden das ganz toll finden.

              Bitte erzählen Sie mir nicht mehr, die Klimapolitik habe nichts mit Religion zu tun. Bitte! Also, die Chinesen produzieren so viel CO2, weil Leute wie ich (Sippenhaft) angeblich (!) so viel Produktion ins Reich der Mitte ausgelagert haben, weil es da so schön billig sei. Gut, daran sind wir schuld. Allerdings ist das ehemalige kommunistische Reich besonders exportstark und überschwemmt die Weltmärkte mit Billigprodukten Made in China. Allerdings, daran sind wir natürlich auch schuld, weil – wir müssen ja nicht importieren. Wir sind auch an der Einrichtung der ersten Sonderwirtschaftszone in Shenzhen schuld, weil wir den Chinesen so lange den Kapitalismus vorenthalten haben. Und wir sind an der Größe des Landes schuld. Während sich hier Umweltschützer schon aufregen, wenn wir Vorerzeugnisse von Bukarest aus 1800 km durch den Kontinent transportieren, sehen Leute wie Sie kein Problem darin, wenn dies in China auf 2500 km passiert. Ist dort ja lokal.

              Wissen Sie, ich war schon stinksauer, als ich den Satz gelesen habe, weil ich halt vor 40 Jahren weder wohlhabend noch überhaupt war. Aber so als Staatsbürger einer aufstrebenden, sehr mächtigen Nation, die gerade eine Zukunftsbranche nach der anderen übernimmt, wäre ich bestimmt sehr begeistert von dem Satz.

              Die gute Nachricht: Sie lernen. Sie ärgern sich und damit fangen viele Lernprozesse an. Die schlechte Nachricht: Sie stehen erst am Anfang des Lernprozesses. Als ich anfing zu studieren, hatte die Kohl-Regierung die BAföG-Förderung gerade komplett vom Zuschuss- zum Darlehensprinzip umgestellt. Nach Abschluss musste ich anders als die Vorgängergenerationen sämtliche Gelder zurückzahlen. Allerdings war ich auch schlechter gestellt als die Nachfolger, denn man änderte das System wieder auf Teilzuschuss. Ansonsten hatte ich auch Pech: ich musste 15 Monate Wehrdienst ableisten, während junge Menschen heute keinen Pflichtdienst haben. Ich schlage also vor, dass ich die geleisteten BAföG-Zahlungen wiederbekomme. Anschließend zahlen diejenigen, die heute keinen Pflichtdienst leisten, eine zusätzliche Abgabe, so dass jene entschädigt werden können, die in früheren Jahren zum Wehrdienst herangezogen wurden. Der Ausgleich richtet sich nach dem individuellen Verlust aufgrund entgangenen Einkommens, also bei mir ein lustiger sechsstelliger Betrag.

              Wenn wir das haben, diskutieren wir über Ihr Ärgernis. 🙂

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