Rechte wollen höhere Steuern, Linke sind gegen das Tempolimit, Putin achtet das Völkerrecht und vielleicht sind in der Überschrift Fake News – Vermischtes 13.03.2019

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) When Demagogic Populism Swings Left

Few American politicians have provoked such devotion and recrimination at the same time. But Long has one notable modern counterpart: Donald Trump. In many ways, his final years paralleled Trump’s 2016 campaign and presidency. Both men rose to national political prominence in the aftermath of a global financial crisis, with ethnic violence on the rise, automation putting workers’ jobs in doubt, and autocratic leaders gaining political power worldwide. Both made waves with sweeping populist rhetoric and policy proposals that challenged their parties’ more moderate establishments and promised to make government work for the common people. Both encapsulated their pledge to elevate the nation in a catchy slogan: Trump’s “Make America Great Again” and Long’s “Every Man a King.” And both, once in power, showed little concern for norms and standard legislative procedures when pursuing their goals. But while Trump ran on a reactionary brand of populism, blending anti-establishment rhetoric and promises to restore prosperity and order with appeals to racist and nativist anxiety, Long pursued a progressive agenda and steered clear of the race-baiting common in Southern politics at the time. In this sense, Long is an interesting foil for Trump, who registered as a Democrat at several points in his life and expressed support for some typically Democratic policies even as he turned to the right. Though he died before he could run for president, much less take office, Long’s brief political career provides a mirrored vision of Trump’s demagogic populism—a glimpse of what could happen if a left-wing politician channeled a similar message and disregard for political mores. Much of the appeal of that kind of populism cuts across eras and party lines. Mark Brewer, a professor of political science at the University of Maine, identifies several factors that have led American populism to gain traction in certain moments, regardless of political affiliations: perceived conflict between “elites” and “common people”; a sense of economic unfairness; distrust of centralized authority, particularly the federal government; and a desire to “maintain a previously existing arrangement that’s under threat and, in a lot of cases, probably gone already.” (Annika Neklason, The Atlantic)

Das ist ein langer, spannender Artikel, dessen ganze Lektüre sehr empfehlenswert ist. Die Geschichte Longs war mir bisher nicht sonderlich bekannt, und während die USA bei weitem keine so lange Tradition linker Populisten haben wie die meisten europäischen Staaten, greift das übliche Klischee, die USA seien gegenüber dem Sozialismus und sozialistischen Ideen völlig immun, doch ins Leere. Das Land kannte immer wieder einzelne Personen, die sich gegen diesen Trend stellen und Erfolge feiern konnten. Bernie Sanders ist nur die aktuelle Ausprägung dieser Gruppe.

Spannend finde ich die Vermischung spezifisch amerikanischer Identität mit solchen linkspopulistischen Ideen. Während diese bei uns nie wirklich den Rahmen der Industrie und Städte verlassen haben, in denen sie im 19. Jahrhundert geschaffen wurden, verquickten sich linkspopulistische Strömungen in den USA sehr häufig mit dem „rugged individualism“ der ländlichen Regionen. Es ist glaube ich kein Zufall, dass Bernie Sanders aus einem sehr ländlich geprägten Staat kommt, und genausowenig, dass Long seinerzeit in Louisiana Erfolge feierte.

Ebenfalls interessant zu sehen ist, dass der Populismus beider Richtungen im Grundsatz in der Wahl der Mittel einig ist und eine grundsätzliche Ablehnung des liberalen Rechtsstaats in sich trägt. Aus der Überzeugung, dass die jeweilige Situation die Mittel heilige, wird darauf verwiesen, dass der traditionelle liberale Rechtsstaat korrumpiert und von bösen Mächten übernommen sei, weswegen man die Macht quasi auf der Straße erobern und dann großen Kehraus machen muss. Diese Delegitimierung des Staates zu seiner Übernahme ist allen gemein.

2) The Makings of Fox News

Simon Rosenberg, a Democratic veteran of Bill Clinton’s 1992 campaign, went on Fox regularly for more than ten years. In November, 2017, he had a heated on-air exchange with a Fox host, Melissa Francis, about the Republican tax bill. When Francis hectored him, accusing him of merely repeating talking points, he vowed on the air never to return. “It was always clear that this wasn’t just another news organization,” Rosenberg told me. “But when Ailes departed, and Trump was elected, the network changed. They became more combative, and started treating me like an enemy, not an opponent.” With Shine joining Trump at the White House, he said, “it’s as if the on-air talent at Fox now have two masters—the White House and the audience.” In his view, the network has grown so allied with the White House in the demonization of Trump’s critics that “Fox is no longer conservative—it’s anti-democratic.” After Fox completes the spinoff of its entertainment properties to Disney, the news channel will be part of a much smaller company, under the day-to-day supervision of Lachlan Murdoch. Like Rupert, Lachlan is a conservative, but there’s talk around Fox that he may want to bring the news network closer to the center-right. The biggest test yet of Fox’s journalistic standards is the impending showdown over Mueller’s findings. For two years, the network has been priming its viewers to respond with extraordinary anger should the country’s law-enforcement authorities close in on the President. According to Media Matters, in the first year after Mueller was appointed Hannity alone aired four hundred and eighty-six segments attacking the federal criminal investigation into Russian interference in the 2016 election; thirty-eight per cent of those segments claimed that law-enforcement officials had broken the law. In recent weeks, Hannity has spoken of “a coup,” and a guest on Laura Ingraham’s program, the lawyer Joseph diGenova, declared, “It’s going to be total war. And, as I say to my friends, I do two things—I vote and I buy guns.” Jerry Taylor, the co-founder of the Niskanen Center, a think tank in Washington for moderates, says, “In a hypothetical world without Fox News, if President Trump were to be hit hard by the Mueller report, it would be the end of him. But, with Fox News covering his back with the Republican base, he has a fighting chance, because he has something no other President in American history has ever had at his disposal—a servile propaganda operation.” (Jane Mayer, The New Yorker)

Ebenfalls ein super langer Artikel, aber absolut lesenswert, ist die Geschichte von FOX News. Die Geburt des Senders als ein bewusstes rechtes Gegengewicht von den als zu links empfundenen Leitmedien ist hinreichend bekannt, aber tatsächlich hat das Netzwerk in den letzten drei Jahren eine Wandlung durchgemacht, die nur dadurch zu beschreiben ist, dass es sich nun um einen Staatssender handelt. FOX News zeigt alle Merkmale, wie sie das Staatsfernsehen der autoritären Staaten von Venezuela bis Russland zeigt: eine klare Vorauswahl der Inhalte (effektiv Zensur), propgandistisches Agenda-Setting, eine klare Vermengung von Nation, Netzwerk und Partei. Bisher gibt es auf der Linken keine ähnliche Institution, aber ich fürchte, das ist nur eine Frage der Zeit.

3) Hoch die Steuern!

Was also würde passieren, würden die Steuern nun wieder angehoben? Dazu gibt es viele Spekulationen, aber wenige gesicherte Erkenntnisse. Das liegt daran, dass menschliches Verhalten sich eben nicht nur an monetären Anreizen orientiert. Und: Wenn das zusätzliche Geld am Ende in den Ausbau von Schulen und Straßen fließt oder damit die Steuersätze der Normalverdiener gesenkt werden, dann profitieren davon auch die Unternehmen. Es kommt also darauf an, was der Staat mit den Einnahmen anstellt. Es gibt Länder wie Schweden, das trotz eines sehr hohen Spitzensteuersatzes von 60 Prozent über eine wettbewerbsfähige Wirtschaft verfügt. Frankreich dagegen hat eine im Jahr 2013 eingeführte Reichensteuer in Höhe von 75 Prozent auf Einkommen von über einer Million Euro wieder abgeschafft, weil sie als Standortnachteil angesehen wurde. Noch komplizierter ist die Lage bei der Besteuerung von Vermögen, denn es ist sehr aufwendig und kompliziert, Vermögensgegenstände wie Aktien oder Gemälde zu bewerten. Das aber ist nötig, um festzustellen, wie viel Steuern bezahlt werden müssen. Die amerikanischen Steuerrebellen wollen das Problem unter anderem dadurch beheben, dass sie sich auf wenige Superreiche konzentrieren: Der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren schwebt eine Abgabe von zwei Prozent auf Vermögen über 50 Millionen Dollar vor. Sie solle an die 270 Milliarden Dollar im Jahr an zusätzlichen Einnahmen bringen. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat ausgerechnet, was eine Warren-Steuer für Deutschland bedeuteten würde. Ergebnis: Ungefähr 8100 Haushalte wären von der Maßnahme betroffen, das zusätzliche Steueraufkommen beliefe sich auf jährlich 17,7 Milliarden Euro. Mit dem Geld ließe sich die Abschaffung des Solidaritätszuschlags weitgehend finanzieren. Bachs Modellrechnung macht aber auch deutlich, welche Probleme die Einführung einer Vermögensteuer mit sich bringt. Denn gerade in Deutschland haben die Superreichen ihr Geld nicht einfach auf der Bank, es steckt vielmehr in Unternehmen und Betriebsanlagen. Auch diese Unternehmen würden also höher besteuert, was im internationalen Wettbewerb mit Nachteilen verbunden wäre. Würde Betriebsvermögen aber verschont, brächte die Steuer kaum Geld. Bachs Fazit: Die Besteuerung von Vermögen sollte zumindest europaweit abgestimmt werden. Was folgt daraus? Mit Steuererhöhungen ist es wie mit einem Medikament: Es kommt auf die Dosis an. Der IWF kommt zum Ergebnis, dass die Steuern für Topverdiener in den meisten Ländern durchaus etwas erhöht werden können, ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden. Auch in Deutschland. (Mark Schieritz, Die Zeit)

Die Grunderkenntnis, die ich aus obigem Artikel mitnehme, ist: Nichts Genaues weiß man nicht. Verträgt die deutsche Wirtschaft einen höheren Spitzensteuersatz? Vielleicht. Die absolute Höhe alleine jedenfalls ist wenig aussagekräftig; hier im Blog wurde schon öfter zurecht darauf hingewiesen, dass etwa die Rate der Absetzbarkeiten eine deutliche Rolle spielt: also wie viel Ausnahmebestände, Schlupflöcher, Abschreibungen etc. existieren. Dazu spielen natürlich auch andere Kennzahlen eine entscheidende Rolle; zurecht wird ja im Artikel auf die höhere Steuerbelastung in Skandinavien hingewiesen, der aber auch völlig andere arbeitsrechtliche Regelungen gegenüberstehen als etwa in Frankreich. Äpfel-Birnen-Vergleiche helfen da nicht weiter; die Entscheidung muss daher jeweils auf Ebene der Systeme (in dem Fall Nationalstaat Deutschland) getroffen werden. Siehe auch Fundstück 8.

4) Tödliche Dummheit

Tippt man bei YouTube selbst „Impfungen“ ins Suchfenster, lauten die ersten Ergänzungsvorschläge „Sinn oder Unsinn“, „schützen nicht vor Krankheiten“, „Angriff mit einer tödlichen Waffe“ und „machen krank“. Unter den ersten Treffern sind manchmal auch seriöse Informationen. Immer und grundsätzlich aber sind auch Anti-Impf-Clips dabei, manchmal ausschließlich solche. Und selbst wenn man sich ein korrekt informierendes Video ansieht, wird als Folgevideo, das automatisch losläuft, gerne eins aus der ganz anderen Richtung vorgeschlagen. Diese Videos schüren Angst, und das sorgt bei YouTube eben für verlängerte Sehdauer, das wichtigste Optimierungsziel der Entwickler. Aufgrund medialen Drucks kündigte YouTube nun zumindest an, künftig keine Werbung mehr vor Videos zu schalten, die vor Impfungen warnen. Impfkritische Kanäle können dadurch kein Geld mehr auf der Videoplattform verdienen. Bei Facebook organisieren sich die oft sehr aggressiven, überzeugten Impfgegner und machen anderen, die korrekt informieren, das Leben zur Hölle. Der „Guardian“ zitierte diese Woche einen amerikanischen Naturheilpraktiker, der sich bei einer Kongressanhörung für Impfungen ausgesprochen hatte. Auf Facebook sei der Mann anschließend in einem augenscheinlich konzertierten Angriff als „Pädophiler“, „Nazi-Pharma-Scharlatan“ und „Drecksack, der für Kindsmord wirbt“ beschimpft worden. Sucht man bei Facebook nach „Impfung“, findet man praktisch nur Gruppen und Seiten voller Anti-Impf-Desinformation, und zwar weltweit. Kürzlich twitterte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Abgeordnetenhaus voller Entsetzen einen entsprechenden Screenshot. Die Menschheit bewegt sich gerade, gegen alle Evidenz und Vernunft, in eine Richtung, die unweigerlich zu mehr Todesopfern und Leid durch Infektionskrankheiten führen wird. Und die größten Aufmerksamkeitsverteiler des Planeten helfen, dank ihrer miserabel justierten Sortiersysteme, kräftig mit. (Christian Stöcker, SpiegelOnline)

Ich habe hier immer wieder Artikel zum Thema Impfgegnerschaft verlinkt, aber dieser Ansatz hier ist bisher unterbelichtet. Der gesamte Komplex rund um Fake News leidet ja massiv unter dem Problem schlecht geschriebener Algorithmen. Gleichzeitig bemängeln wir aber auch zurecht das Problem der Blasenbildung; würden die Algorithmen also bestimmte Faktoren ausschließen, bestünde gleichzeitig die Gefahr, dass die Blasenbildung verstärkt wird. Angesichts der dramatischen Auswirkungen sowohl auf die gesamte Gesellschaft als auch auf die verletzbarste Gruppe (die Kinder) ist hier besonders wichtig, dass diesem Unfug ein Riegel vorgeschoben wird. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont ist, dass Studien ergeben haben, dass auch die allermeisten Impfgegner grummelnd impfen würden, wenn es vorgeschrieben wäre – es ist die Wahl, die den Leuten Probleme macht. Manchmal ist weniger echt mehr.

5) Ich geb Gas!

Ein Jahr ist Andreas Scheuer am 14. März im Amt. Es könnte die Krönung seiner Karriere sein. Der Verkehrsminister ist zur Schlüsselposition geworden. Die Autoindustrie, die wichtigste im Land, steht vor dem größten Wandel ihrer Geschichte. Digitalisierung und neue Antriebe werden vieles verändern. Rekordstaus und Widerstand gegen schlechte Luft in Städten erhöhen den Druck. Scheuer sitzt am Hebel. Er führt ein Ministerium mit 60 angeschlossenen Behörden. Er ist praktisch Eigentümer der Deutschen Bahn. Er steuert Ausgaben eines Milliardenhaushalts. Er könnte vieles verändern, die Verkehrswende einleiten. […] Es sind kurze Momente, die einiges aussagen über das Selbstverständnis des Ministers. Über seinen forschen bis ruppigen Politstil. Über Geben und Nehmen auch jenseits von Scherzen. Scheuer hat das lange trainiert. Von 2013 bis 2018 war er Generalsekretär der CSU. Der Posten bringt es mit sich, dass man schlimme Sprüche lange mit sich herumschleppt. Aber Scheuer hat sich schon ziemlich viel aufgeladen. Das „Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese“, den man nie mehr abschieben könne, sagte er mal. Und: „Der Sozi ist grundsätzlich nicht dumm. Er hat nur viel Pech beim Nachdenken.“ […] Ein Autofreund als Aufseher der Autoindustrie? Für Scheuer selbst ist das kein Widerspruch. Er wurde in Niederbayern groß, einer einst strukturschwachen Region mit vielen Arbeitslosen. Als BMW in den Sechzigerjahren kam, ging es aufwärts. Auch deshalb werde er in Gesprächen mit der Autobranche schon mal deutlich. So sagt es Scheuer. Es gehe jetzt um alles in den nächsten Jahren. „Eine Krise würde massive Einschnitte bedeuten.“ Nicht für die ganz oben. Sondern für alle, „die jeden Tag durchs Werkstor gehen und am Ende keinen fünfstelligen Betrag auf dem Konto haben“. Was für ihn ganz oben auf der Agenda steht? „Den Standort positiv dastehen lassen.“ So sagt es der Bundesverkehrsminister. (Markus Balser, SZ)

Der Posten des Verkehrsministers wird tatsächlich immer wichtiger. Genauso wie der Finanzminister macht er damit eine ziemlich deutliche Bedeutungsverschiebung durch, die glaube ich allmählich auch von den anderen Parteien anerkannt wird. Mich würde jedenfalls nicht wundern, wenn nach der nächsten Wahl der jeweilige Koalitionspartner dann neben dem Amt des Finanzministers auch das des Verkehrsministers beansprucht und stattdessen der Bedeutungsverlust von Außen- und Wirtschaftsministerium weitergeht.

Ebenfalls sehr schön zu sehen ist ein weiteres Beispiel konservativer identity politics: Das Auto ist bei manchen Deutschen eine Verkörperung der eigenen Seele, und die Anziehungskraft zwischen diesen Leuten und ihren Gefährten ist ebenso tief wie irrational. Für die Autoindustrie scheinen Leute wie Scheuer erst einmal bestmögliche Verbündete, aber wenn das Auto und seine über-dominante Stellung in der deutschen Gesellschaft von einer allseits anerkannten Identität zu einer rein konservativen werden hat die Branche beim Regierungswechsel ein Problem. Danach sieht es gerade zwar nicht aus; zu dominant ist die Rolle der Industrie, wie man etwa an Winfried Kretschmann in BaWü sehen kann. Aber die entsprechende Umschichtung ist durchaus eine reale Möglichkeit.

6) A neoliberal says it’s time for neoliberals to pack it in

My fellow neoliberal shill Brad DeLong has declared that it’s time for us to pass the baton to “our colleagues on the left.” As it happens, I agree with him in practice because I think it’s time for boomers to retire and turn over the reins to Xers and Millennials, who are generally somewhat to the left of us oldsters. Beyond that, though, there’s less here than meets the eye […] At the risk of overanalyzing this, I think DeLong is still a neoliberal and has no intention of sitting back and letting progressives run wild. He has simply changed the target of his coalition building. Instead of compromising to bring in Republicans, he wants to compromise to bring in lefties. Now, this is not nothing: instead of compromising to the right, he now wants to compromise to the left. But I suspect that this simply means DeLong has moved to the left over the past couple of decades, just like lots of liberals. And this once again circles around to just how progressive mainstream neoliberals are. That is, how progressive are they now, not in 1992. And the answer, I think, is pretty damn progressive. Take a look at what folks like DeLong and Paul Krugman were writing in 2009 during the Great Recession. They wanted a bigger stimulus. They wanted the Fed to support a higher inflation target. They supported cap-and-trade. They supported universal health care but plugged loyally for Obamacare because it was obvious that it was the most they could hope for from the current political system. They wanted to (temporarily) nationalize banks. Etc. There’s not a whole lot of sunlight between neolibs circa 2009 and today’s progressives. In fact, if there’s a place where I think they (we) have really changed, it may be in our attitude toward the original social democrats in Europe. For many of us, becoming more like Europe was once a goal. But today Britain is moving toward Brexit. Germany has dictated a destructive monetary and fiscal policy for the entire continent. The Nordic countries have moved right and are now basically neoliberal states. The European South—Spain, Italy, Greece—is on life support. Aside from envying their social safety net policies, which were put in place long ago and are now just hanging on via inertia, there is little to look for in Europe. If we want to pave a new political way in America, we’re on our own. (Kevin Drum, Mother Jones)

Es verwirrt mich immer wieder, dass „neoliberal“ im amerikanischen Sprachgebrauch eine andere Bedeutung hat als hierzulande. Während es hier die Klasse jener Reformer meint, die vor allem in den 2000er Jahren den Diskurs bestimmten, bezeichnet es in den USA eher die Gruppe der „Reagan Democrats„, also jener Democrats, die in den 1980er Jahren zur Überzeugung gelangten, dass die alten linken Ideen (etwa Keynes) tot waren und man bestimmte Kernpunkte der Konservativen übernehmen müsse. Bill Clinton war quintessenzielle „neoliberal„. Spätestens die Wahl Trumps beendete die Dominanz der neoliberals in der Partei.

Gleichzeitig ist es wichtig, sich wie Kevin Drum hier bewusst zu machen, dass die Unterscheidung überwiegend akademisch ist, eine rein intra-linke Nabelschau. Denn die konkreten Unterschiede sind allenfalls, wie der Amerikaner sagt, „in degree, not in kind„. Ob neoliberal oder liberal, die Fernziele sind dieselben. Die Unterschiede liegen eher in der Wahl der Methoden und der Einschätzung der Reformchancen und ihrer Dauer. Deswegen ist die reale Regierungspolitik beider Gruppen sich auch häufig so ähnlich – zur endlosen Frustration der linken Basis und der konservativen Kritiker gleichermaßen.

7) Tweet

Ich bin immer wieder fasziniert davon, mit welcher Kontinuität die sonst so ziel- und planlos agierende deutsche Außenpolitik auf dem Balkan präsent ist. Die Rolle der frisch wiedervereinigten Bundesrepublik in der Region in den 1990er Jahren etwa ist eines der sträflichst vernachlässigten Themen der jüngeren deutschen Geschichte. Man wiederholt in Berlin gerne mit sonorem Lachen Bismarcks Diktum von den Knochen des einen Pommer’schen Grenadiers, den der Balkan angeblich nicht wert sei. Aber die tatsächliche Politik spricht eine andere Sprache. Die Wilhelmstraße ist immer vorne dabei, im ehemaligen Jugoslawien zu teilen und zu herrschen. So wie Frankreich Nordwestafrika effektiv als seinen erweiterten Hinterhof betrachtet, so sieht aus Perspektive der Bundesrepublik der Balkan aus. Mit allem, was das so mit sich bringt.

8) Why Americans don’t cheat on their taxes

True, tax crooks might not confess their real feelings in an IRS survey. But other data confirm that the U.S. is among the world’s leaders when it comes to what economists call the voluntary compliance rate (VCR). In recent decades, America’s VCR has consistently hovered between 81 and 84 percent. Most countries don’t calculate their VCR regularly, but when they do, they lag behind the U.S. One paper that gathered what comparative data were available reported that Germany, the top European Union economy, had a VCR of 68 percent. Other countries score worse, among them Italy (62 percent), the site of a sprawling tax scandal in which about 1,000 citizens were charged last year with bilking the government out of 2.3 billion euros in tax revenue. The public didn’t seem terribly bothered; ex–Prime Minister Silvio Berlusconi, who was convicted of tax fraud in 2013, may have tapped a common sentiment when he said back then that “evasion of high taxes is a God-given right.” Then there’s Greece, where economists have struggled to even calculate a VCR. According to the International Monetary Fund, more than half of Greek households pay zero income tax. Indeed, tax evasion is practically a national sport. […] What separates Americans from Greeks or Italians? It’s not income-tax withholding, which the U.S. pioneered but Europe has since copied. Higher tax rates may be one factor. Illegal shadow economies, in which goods are sold off the books for cash, are another. (Greece’s black market is the biggest in the eurozone, accounting for 21.5 percent of its GDP.) (Rene Chun, The Atlantic)

Passend zu Fundstück 3 sehen wir hier ein anderes Puzzleteil. Die tatsächlichen Steuerraten Griechenlands und Italiens sind vergleichsweise irrelevant. Entscheidend ist, welche Raten tatsächlich bezahlt werden. Und da sieht es in beiden Staaten düster aus. Volkswirtschaften, die riesige Schattensektoren haben und in denen die Gesetze eher als grobe Richtlinien denn als verbindliches Regelwerk gelten, können nicht effizient operieren. Staaten hingegen, in denen alle Ebenen der Gesellschaft die Spielregeln im Großen und Ganzen einhalten, sind wesentlich erfolgreicher.

Die gewaltige Gefahr, die ja auch Schieritz in Fundstück 3 aufbrachte, ist, dass zu hohe Raten dazu führen können, dass die Legitimität des Systems insgesamt erodiert, weil die Belastung nicht getragen wird. Wenn signifikante Teile der Gesellschaft (keine Mehrheiten, aber große Pluralitäten) das Steuersystem so sehen wie die meisten Deutschen das Tempolimit, dann haben wir ein ernstes Problem. Ist das eine realistische Aussicht bei einem höheren Spitzensteuersatz? Keine Ahnung.

9) In India and China, consumers are eager for lab-grown meat. In the US? Not as much.

Would you eat a burger grown from animal cells rather than a whole cow? What about a plant-based burger, once researchers finally pull off a perfect imitation of the texture and taste of a meat burger? That question, believe it or not, might be one of the most important of the century. Modern meat production involves shockingly inhumane conditions, mass use of antibiotics with worrisome public health implications, and high environmental costs. And demand for meat is expected to rise 73 percent by 2050, expanding the scale of factory farming’s horrors while putting more strain on our food system. With all that in mind, researchers are desperately working on better alternatives to meat. Some of them have developed plant-based products — like the Impossible Burger, the Beyond Burger, Just Mayo, and Just Egg — that imitate animal products increasingly well. Some of them are working to invent cell-based products — “clean meat” — that will be, on a molecular level, identical to meat but without the slaughterhouses. That’s exciting — but it only works if consumers buy it. Will they? That’s what a new study of consumer attitudes about plant-based meat and clean meat aimed to find out. Even more striking about this survey: It asked consumers in India and China, two of the largest markets in the world and two sources of growing demand for meat. The results? Consumers in China and India are substantially more open-minded about clean meat than consumers in the US — and even in the US, many meat-eating consumers are intrigued by the idea. Researchers with the University of Bath, the Good Food Institute (a nonprofit that pushes meat alternatives), and the Hong Kong Center for Long Term Priorities asked about 3,030 consumers — approximately 1,000 in each country — to fill out a survey that included questions about what they eat today; questions intended to test their “food neophobia,” or how willing they are to try new foods; and questions about what they’d eat in a world where clean meat, plant-based meat, and conventional meat are all available. They found that consumers in India and China (from a disproportionately urban, educated, and wealthy sample) were much more interested in buying clean meat and plant-based meat, compared to Americans. In all three countries, though, there is clearly a sizable market for clean and plant-based meat. (Kelsey Piper, vox.com)

Ich bin im letzten Jahr aus dreierlei Gründen überwiegend vom Fleischkonsum abgerückt (überwiegend heißt: im Schnitt vielleicht noch einmal alle zehn Tage, und dann Hähnchen): der beträchtliche negative Einfluss aufs Klima, die barbarischen Bedingungen der Massentierhaltung und der gesundheitliche Aspekt. Ich wäre sehr erfreut, könnte ich geklontes oder künstliches Fleisch kaufen, das in seinen Eigenschaften effektiv dem Original entspricht (ich bin kein Fan der vegetarischen und veganen Ersatzlösungen und esse stattdessen hauptsächlich Gemüse). Aktuell ist das noch zu teuer, aber hoffentlich wird das sich noch ändern. Ich hatte den Problemkomplex schon 2015 angesprochen und diese Entwicklung prophezeit.

Eine andere interessante Frage in diesem Zusammenhang: Wird echtes Fleisch dadurch Luxusgut oder billiges Massenprodukt? Die Frage ist nicht ganz so offensichtlich, wie es scheint. Denn es ist zwar durchaus leicht vorstellbar, dass Fleisch ein superteures Luxusprodukt der Elite wird und der Rest sich mit künstlichen Lösungen zufrieden geben muss, wie es diverse dystopische Zukunftsszenarien prophezeien. Jedoch gibt es zwei Versionen dieser Zukunft. In der einen erleben wir ein Ende der Massentierhaltung, weil künstliche Ersatzprodukte billig genug oder aber die Tierhaltung zu teuer oder aus anderen Gründen unmöglich werden. Dann ist Fleisch Luxusprodukt. Oder aber die künstlichen Produkte sind zwar qualitativ hochwertig oder gar hochwertiger als das Original, aber sehr teuer (der Burger zu 100 Euro). In dem Fall würde das Kunstprodukt zum Luxusgut, während der Pöbel weiter das ungesunde, massentiergehaltene Fleisch essen muss. Ich würde auf die erste Version wetten, aber die zweite hat zumindest Außenseiterchancen. So oder so ist das aktuelle System nicht haltbar und wird in den kommenden Jahrzehnten untergehen, dessen bin ich sicher.

10) „Die Lumperei geht weiter“

Eigentlich hören wir darin von Teltschik nichts, was wir nicht auch schon von Eppler oder Bahr gehört hätten. Dazu gehört die von keinem Lern- oder Entwicklungsprozess getrübte Verwechslung der ehemals sowjetischen Zustände mit den heutigen russischen Realitäten. Keiner dieser alten Herren erkannte, dass die waffenstarrende, aber im Europa des Kalten Kriegs stets vertragstreue Sowjetunion wenig mit dem hybridkriegführenden Russland Putins zu tun hat. Keiner von ihnen begriff, dass der Moskauer Einmarsch in der Ukraine 2014 einen kraftvollen innenpolitischen Treiber hatte: die ökonomische Krise und die Sozialproteste in Russland seit 2012, denen Putin und seine von Geheimdienst-Seilschaften durchsetzte Oligarchie mit einer Feinderklärung nach innen und einem kleinen Krieg nach außen zu begegnen hofften. Die Behauptung, man reagiere hier nur auf eine westliche Expansion ins eigene Glacis oder gar auf eine Bedrohung russischer Landsleute, das gehörte zur Politfolklore für die große Bühne. Und die Teltschiks schluckten den Köder der simplen Erklärung. Bis heute fürchtet Wladimir Putin nichts mehr, als dass sich die Russen am Maidan ein Beispiel nehmen könnten. Auch wenn zu dieser Sorge angesichts der Atomisierung der russischen Opposition keinerlei Anlass besteht, so ist Putin doch von Angst und Misstrauen beherrscht. Nichts wäre gefährlicher für sein Herrschaftsmodell als ein erfolgreicher, demokratischer ukrainischer Staat. Allein aus diesem Grunde setzt Moskau alles daran, die Ukraine zu destabilisieren und zu denunzieren. Das wird voraussichtlich andauern, bis in Kiew eine dem Kreml gegenüber fügsame Regierung übernimmt. Eine weitere, tiefliegende Wurzel des Konflikts ist die immer noch unvollendete russische Nationsbildung. Nach wie vor ist eine wichtige Frage im Selbstverständnis des russischen Volkes nicht geklärt. Soll man sich als russische Nation im eigenen Territorium konsolidieren und einen respektierten, aber nicht dominierenden Platz in der Welt einnehmen? Oder ist Russland nur als Imperium denkbar, das also verlorene Länder wieder einsammeln muss, allen voran die sogenannten „Brudervölker“ der Ukrainer und Weißrussen, die aber von der schrecklich netten Moskauer Familie genug haben? (Anna Veronika Wendland, Salonkolumnisten)

Gerne übersehen wird bei Diskussionen über Russland die innenpolitische Perspektive, die dieser Artikel hier zum Ausdruck bringt. Putin agiert sicherlich auch aus Großmannssucht und nostalgischer Verklärung des Sowjetimperiums, aber der innenpolitische Druck, dem er sich ausgesetzt fühlt, ist auch nicht zu verachten. Er ist ein wichtiges Puzzlestück um zu verstehen, warum die Tauperiode Russlands mit dem Westen zwischen 2012 und 2014 ein so abruptes Ende fand. Sicherlich war daran die westliche Außenpolitik nicht unschuldig, aber wie so häufig bestimmt die Innenpolitik den Kurs einer Regierung deutlich stärker, als dies aus der Außenperspektive so aussehen mag. Zumindest dann, wenn Leute hinsehen.

11) Justin Trudeau’s feminist brand is imploding

At first pass, the SNC-Lavalin affair might not seem like an issue with a feminist underpinning. But the problem with running on a feminist agenda is that when two of your strongest female cabinet ministers resign, you face something of a feminist reckoning. Trudeau has earned international accolades for his vocal support of women’s issues; here at home, he has been criticized for virtue signaling. And the question of what it really means to have gender parity—not just in the cabinet or government, but at work, at home, and in society more broadly—is something for which Trudeau’s brand of feminism might not be able to provide a satisfying answer. From across the aisle, one Conservative MP, Michelle Rempel, put it plainly. “Trudeau came out and asked for strong women, and he got them,” she told me in an interview last week. Accounts of why Wilson-Raybould was originally demoted diverge, depending on whom you choose to believe. She says she was moved out of her post for standing on principle. Trudeau’s office says there was no pressure, that Wilson-Raybould simply interpreted their interactions “differently.” […] Evidence suggests that when it comes to politics and gender, a role-modeling effect takes place when women are elected and promoted. It works like a tipping point: A politically engaged but hesitant woman is more likely to run for office if she sees other women in positions of political power, says Michael Morden, the research director at the Samara Center for Democracy, a nonpartisan think tank based in Toronto. “We also know that women in cabinet have a more powerful effect than just women in the legislature,” Morden told me. As such, he said, the opposite might also be true: Fewer women in the cabinet could mean fewer women encouraged to run for office. Still, the situation could yet have a positive effect. “It’s radically unusual to see caucus members trying to hold their leader to account like this in Canada,” Morden said. “Success is reassuring; it shows that something can be done.” That is, women watching cabinet ministers standing up to a prime minister rather than kowtowing to party loyalty might inspire them to get involved—not for gender, but for justice. Rempel, the Conservative MP, agrees. Wilson-Raybould and Philpott “haven’t removed themselves from the conversation,” she told me. “They are the conversation.” (Kathrin Laidlaw, The Atlantic)

Nichts hassen Konservative an der Linken so sehr wie deren moralischen Überlegenheitsanspruch. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass niemand gerne an seine eigenen Fehler und Schwächen erinnert wird. Wie man am obigen Beispiel sehen kann, kommt dieser Anspruch aber mit einer großen Bürde: wenn du dich nicht selbst perfekt verhältst, dann wird die Tugend schnell zum Mangel. Man sieht hier aber auch einen Fortschritt der Linken: diese Verfehlungen werden offen angegangen. Man muss klar festhalten, dass Trudeaus Vergehen den Konservativen bei ihren eigenen Leuten nicht einmal ein Lidzucken wert wären. Die freudig erregte Heuchelei ist nur die (nachvollziehbare) Freude, dass die anderen auch ein bisschen schlecht sind. Ebenso festzuhalten ist, dass die Linke sich in den letzten 20 Jahren hier gebessert hat. Man denke nur daran, wie eifrig die Democrats seinerzeit Bill Clintons Vergehen deckten und unter den Teppich zu kehren versuchten. Das ist heute unvorstellbar – wie man auch an Trudeau sieht. Die linke Altherrenriege, und die Konservativen sowieso, sind davon nachhaltig irritiert.

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  • derwaechter 13. März 2019, 11:59

    4. Die impfdebatte ist ohne Frage kaputt. Radikale impfgegner sind eine Plage. Keine Widerrede. Und die unheilvolle Rolle sozialer Medien und Suchmaschinen muss behoben werden.

    Allerdings muss ich einräumen dass mich die meisten Artikel in „normalen“ Medien auch nicht befriedigen, weil sie extrem einseitig sind. Die (wenigen) vorhandenen Risiken und (noch weniger ) schweren Nebenwirkungen werden oft komplett ignoriert. Damit überzeugt man natürlich niemanden der etwas unsicher geworden ist. Die radikale Gegner gewinnt man eh nicht. Man merkt den meisten Artikel an, dass sie eine Agenda haben (uneingeschränkt pro-Impfen) und das ist meist kein guter Ausgangspunkt für Journalismus.

    Impfpflicht bzw Zwang finde ich allerdings grundlegend problematisch. Zwangsmedikation ist ein krasser Eingriff in die persönliche Freiheit bzw. körperliche Unversehrtheit. Das sollte nur die absolute Ultimative Ratio sein.

    • Stefan Sasse 13. März 2019, 12:08

      Da stimme ich dir durchaus zu. Aber: ich denke es ist vollkommen in Ordnung, etwa für Aufnahme in die Kita Impfungen zu verlangen. Bei Schule ist es schwieriger (Schulpflicht), aber wäre absolut angemessen, bedenkt man, was für ein Seuchenherd das ist. Gleiches gilt für Arbeitsplätze. Das Thema bei Impfungen ist halt, dass deine Freiheit, dich mit schwerwiegenden Erkrankungen anzustecken, andere Leute massiv gefährdet, und dazu noch die Schwächsten der Gesellschaft.

    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:36

      Durchgängige Zustimmung !

      heikel finde ich es aber, wenn Eltern aus religiösen oder ideologischen Gründen auch erwiesenermaßen harmlose Impfungen für ihre Kinder ablehnen.

  • Stefan Sasse 13. März 2019, 15:36
    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:40

      Fragen kostet nichts.

      Ansonsten werden Stickoxide und Feinstaub beispielsweise auch massenhaft durch Silvester-Feuerwerke, durch Raucher oder durch offene Feueranlagen (Grills, Kamine, Gasbetriebene Heizpilze vor Kneipen etc) erzeugt. Die zu verbieten brächte Klimarettung in einem hohen Maße.

      Das Auto ist einfach besser zu greifen, und bereits als Sündenboch abgestempelt. Das ist derzeit der Weg des geringsten Widerstands.

  • Floor Acita 14. März 2019, 04:28

    „Ebenfalls interessant zu sehen ist, dass der Populismus beider Richtungen im Grundsatz in der Wahl der Mittel einig ist und eine grundsätzliche Ablehnung des liberalen Rechtsstaats in sich trägt. Aus der Überzeugung, dass die jeweilige Situation die Mittel heilige, wird darauf verwiesen, dass der traditionelle liberale Rechtsstaat korrumpiert und von bösen Mächten übernommen sei, weswegen man die Macht quasi auf der Straße erobern und dann großen Kehraus machen muss. Diese Delegitimierung des Staates zu seiner Übernahme ist allen gemein.“

    2 Abschnitte davor verfrachten Bernie Sanders und die momentane progressive Basis in diese Kategorie. Das hast Du aich schon in den letzten beiden Vermischten getan und über die letzten paar Jahre immer mal wieder und es auch als einen der Gründe genannt, warum Du seine Kandidatur(en) nicht unterstützen kannst.

    Ich will deshalb die Aktivitäten aufzählen durch welche diese „Strassenbewegung“ zum Gegenstand der Diskussion geworden ist:
    – Leute zur Wahl registrieren
    – Leute animieren wählen zu gehen (GetOutToVote)
    – Kampagnen finanzieren
    (ActBlue, campaign finance/donation platforms, …)
    – Lobbying / calls
    – Information (apps etc. welche über anstehende Abstimmungen in
    Ausschüssen und Plenen, deadlines, Wahlterminen usw. informieren)

    Mir wird für immer verschlossen bleiben, wie man das als Aushebelung der Parlamente, De-Legitimierung der Demokratie etc. bezeichnen kann. Im Gegenteil: Es ist geradeceihe demokratische Beweguhg die Parlamente und den demokratischen Prozess stärken soll…

    • Stefan Sasse 14. März 2019, 05:41

      Ich habe mit den von dir aufgeführten Maßnahmen nicht das geringste Problem. Das ist ja der normale progressive Methodenkatalog. Was mir bei Bernie misshagt ist seine explizit so formulierte Vorstellung, dass wenn er Präsident ist, er die Leute auf der Straße dauermobilisieren will, um so die Parlamente zu zwingen, seiner Vision zu folgen. Das war immer seine Antwort auf die Frage, warum er als Präsident in der Lage sein sollte, die bestehenden Mehrheitsverhältnisse zu überwinden und bekannte Vetospieler auszuschalten.

      • Floor Acita 14. März 2019, 11:48

        Das interpretiere ich soi einfach nicht. „When millions of people stand up and say loud and clear – enough is enough“ ist für mich einfach nur eine Beschreibung des Klimas – „when“ hat ja zeitlichen Bezug. Im Prinzip ist damit das lobbying/calls gemeint – wie gesagt, das verstehe ich jedenfalls darunter. Jede Seite versucht zu überzeugen, aber auch Druck auszuüben – Bernie will einfach nur eine größere Anzahl an Spielern einführen um den „money off-set“ auszugleichen. Ruft ein „mega donor“ an, hat allein die Spende-Summe ein gewisses Gewicht gegenüber constituent x. Rufen allerdings so viele constituent x an, dass deren Zahl x 27€ >= der erwartbaren Summe des mega donor, erhält diese „lobby group“ plötzlich entscheidend mehr Gewicht…

        Was sonst sollten die „dauer-mobilisierten“ Wähler denn sonst tun / was ist die Befürchtung? Terror-Anschläge?

        • Stefan Sasse 14. März 2019, 16:44

          Dass wir uns nicht fallsch verstehen: ich denke nicht, dass Sanders ein Diktator im Wartestand ist. Ich halte ihn nur für völlig naiv zu glauben, dass der Druck ausreichen wird und finde seine Ignoranz gegenüber konkreter policy ziemlich beunruhigend. Aber ich würde ihn sofort vor Trump nehmen. Nur hätte ich halt diverse Democrats, die mir lieber wären.

          • Erwin Gabriel 15. März 2019, 09:06

            Stefan Sasse 14. März 2019, 16:44

            …und finde seine Ignoranz gegenüber konkreter policy ziemlich beunruhigend. Aber ich würde ihn sofort vor Trump nehmen. Nur hätte ich halt diverse Democrats, die mir lieber wären.

            Zustimmung.

            Ich befürchte, dass in Sanders eine ähnliche Unberechenbarkeit liegt wie in Trump (wenn auch nicht derart menschenverachtend).

  • Rauschi 14. März 2019, 07:02

    zu 11)
    Gerne übersehen wird bei Diskussionen über Russland die innenpolitische Perspektive, die dieser Artikel hier zum Ausdruck bringt. Putin agiert sicherlich auch aus Großmannssucht und nostalgischer Verklärung des Sowjetimperiums, aber der innenpolitische Druck, dem er sich ausgesetzt fühlt, ist auch nicht zu verachten.

    Was für ein Meisterstück der Diffamierung hier geboten wird und dafür gibt es Applaus? Was die Autorin macht, ist eine journalistisch unterirdische Gleichsetzung von Meinung und Fakten.
    Denn es kommt gar kein Konjunktiv vor, die Autorin stellt Ihre Sicht als die einzig Wahre hin, das ist lächerlich.
    Vor allem ist es so banal, das es auch innenpolitische Gründe für Kriege geben kann. Das Volk gegen einen Feind im Aussen zu vereinen, ist nun keine russische Spezialität, sondern Allgemeingut.
    Das die Autorin aber nicht schreibt, es könnte auch dieser oder jener innenpolitische Grund sein, der Putin zu dieser oder jener Handlung veranlasst haben könnte, sondern allen anderen Russlandkennern die Expertise abspricht und Ihre Sicht als Fakt darstellt, sollte bei jedem kritisch denkenden Menschen zu einer Abwehrreaktion führen und nicht zur Zustimmung.
    Genauso könnte ich das einfach über jeden Krieg behaupten, den die USA in den letzten 20 Jahren begonnen und geführt haben. Ohne Belege ist das Schall und Rauch und nichts weiter als ein Diffamierungsversuch, oder, wie Sie sagen würden, eine Verschwörungstheorie, die Sie aber sonst ablehnen? Zweierlei Mass, wie immer und kommen Sie mir bitte nicht mit whataboutism, denn, was das sein soll, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.

    • Rauschi 14. März 2019, 07:31

      Ach ja, als Nachtrag, wie durchsichtig die Manipulation ist:
      [Bis heute fürchtet Wladimir Putin nichts mehr, als dass sich die Russen am Maidan ein Beispiel nehmen könnten. ]
      Im Gegensatz zu wem? Sehnen Merkel oder andere Staatschefs das herbei, weil das die Guten sind?
      Findet Macron neuerdings die Gelbwesten gut, weil der ja ein
      Demokrat ist? Einfach lächerlich. Deshalb mal öfter bei solchen Aussagen fragen: „im Gegensatz zu wem?“ Wem dann niemand einfällt, hat das erste Anzeichen einer Tendenzberichterstattung gefunden und sollte dementsprechend vorsichtig sein.

      • Stefan Sasse 14. März 2019, 10:30

        Mir scheint du projizierst gerade mächtig. Nichts davon steht in meinem Kommentar.

        • Rauschi 14. März 2019, 14:51

          Aber in dem Artikel, bei dem ich davon ausgehe, da Sie den
          1.) gelesen haben
          2.) und den darin gemachten Aussagen zustimmen

          sonst würde der nicht verlinkt. Beschreibunngen der Verhätnisse in Russalnd gibt es zuhauf, warum dieses miese Machwerk?

          • Stefan Sasse 14. März 2019, 16:48

            Die Atlantikbrücke hat gut dafür bezahlt.

            • Rauschi 16. März 2019, 12:56

              Schreib doch einfach, das Du Leser, die nicht Deiner Meinung sind, für doof und uninformiert hälst und erspar mir solche Quatsch, ehrlich!

    • Rauschi 14. März 2019, 07:39

      Noch ein Luftnummer:
      [Nichts wäre gefährlicher für sein Herrschaftsmodell als ein erfolgreicher, demokratischer ukrainischer Staat.]
      Warum? Gibt es denn weltweit keinen anderen erfolgreichen, demokratischen Staat? Warum sollte das jetzt ausgerechnet bei der Ukraine so gefährlich sein? Fragen über Fragen, welche die Aussagen der Autorin immer fragwürdiger machen.
      Danke für das tolle Beispiel oberflächlicher Propaganda, wäre fast als Unterrichtsmaterial geeignet.

    • Rauschi 14. März 2019, 09:23

      Wer denkt, schlimmer geht nimmer, der lese die Vita der Autorin:
      [Über Anna Veronika Wendland
      Dr. Anna Veronika Wendland ist Osteuropa- und Technikhistorikerin und liebt Grenzgänge zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Forschungsbedingt arbeitet sie ab und zu in Kernkraftwerken. Sie lebt mit Mann und drei Söhnen in Leipzig. In ihrer Freizeit arbeitet und schreibt Dr. Wendland als garantiert unbezahlte Atomlobbyistin für den Verein „Nuklearia“, der sich die kerntechnische Re-Alphabetisierung der Deutschen zum Ziel gesetzt hat.]
      Am Ende des Artikels
      Die Atomkraftgegner haben wohl nur die Fakten zur Atomkraft nicht gelesen und sind deswegen dagegen? Irre, wer da alles schrieben darf und noch ernst genommen wird, super Sache für unser Bildungssystem, solche unkritischen Leser wie Herr Sasse.

      • Floor Acita 15. März 2019, 06:48

        Das ist aber jetzt wirklich „ad hominem“, oder? Wenn Sie einen Artikel über die überzogene Kritik am Atomstrom geschrieben hätte, hätten wir drüber reden können – aber was hat dieser Artikel damit zu tun..?

        • Rauschi 16. März 2019, 14:37

          Echt jetzt, das ist in Bezug auf Atomstrom diskussionswürdig?
          An welchem Punkt?
          Ich habe ja auch mitnichten nur in Bezug auf die Autorin geschrieben, sondern ganz zuerst und das dreimal in der Sache, was soll das also? Nur ist ja eine gewisse Tendenz zur Desinformation schon erkennbar, wenn jemand sich berufen fühlt, die Deutschen zu Re-Alphabetisieren in Bezug auf Wirlungen der Atomkraft.

          Warum muss ich das auch noch erklären?

    • Stefan Sasse 14. März 2019, 10:30

      Warum genau ist es „Meisterstück der Diffamierung“, wenn das Kritisierte auch anderswo geschieht?

      • Rauschi 14. März 2019, 14:43

        Das Kritisierte? Wo ist denn da nur Kritik? Das ist ein Artikel voller handfester Anschuldigungen aber ohne einen Beleg.
        Also, was macht das Reich des Bösen zu selbigem, wenn die „Kritik“ auch auf andere Staaten zutrifft?

        Weil Sie es als Beispiel genommen haben, um zu zeigen, wie mies es in Russland läuft.
        Dafür allerdings benötige ich nicht so einen unsäglichen Artikel, das konnte man sogar auf den Nachdenkseiten lesen.
        Deswegen nehme ich besagten Artikel auseinander und nicht nur Ihre Anmerkungen.

    • Floor Acita 14. März 2019, 12:17

      Darf ich mak nachfragen wie Sie Stefan’s Aussage „aber wie so häufig bestimmt die Innenpolitik den Kurs einer Regierung deutlich stärker, als dies aus der Außenperspektive so aussehen mag. “ genau interpretieren. Denn zumindest für mich hört sich das so an, bitte korrigiere mich, als beziehe er die Aussage gerade nicht ausschliesslich auf Russland, sondern verweist auf ein allgemeines Phänomen. Seinem background und Interessen zu Folge würde ich sogar vermuten er hätte gerade die USA dabei im Kopf gehabt – aber wie gesagt, ich kann mich natürlich irren…

      • Rauschi 14. März 2019, 14:48

        Wieso ich das auf Russland beziehe? Einfach, weil es im Kommentar so steht?
        Gerne übersehen wird bei Diskussionen über Russland die innenpolitische Perspektive, die dieser Artikel hier zum Ausdruck bringt.
        Ich geh immer davon aus, das der Schreiber das meint, was er schreibt und nicht das, was ich darin lesen möchte.
        Ausserdem hat er aus einem Artikel zitiert, der sich ganz explizit mit Russland befasst.

        • Floor Acita 15. März 2019, 06:46

          Der ganze Artikel ist über Russland – mir ging es mehr um die Formulierung „wie so häufig“ und die Frage der Exklusivität…

          • Rauschi 16. März 2019, 14:39

            Wenn es darum gehen sollte, könnte jedes Land als Vorbild dienen, wie ich da auf die abwegige Idee kommen sollte, ausgerechnet Herr Sassa käme auch die abwegige Idee, amerikansiche Politik zu kritisieren, bleibt dann Ihr Geheimnis.

    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:50

      @ Rauschi 14. März 2019, 07:02

      Putin agiert sicherlich auch aus Großmannssucht und nostalgischer Verklärung des Sowjetimperiums, aber der innenpolitische Druck, dem er sich ausgesetzt fühlt, ist auch nicht zu verachten.

      Selbst wenn ich es nciht beweisen kann und nur meine Meinung kundtue, muss ich hier zustimmen. Wenn ich einem Donald Trump Großmannssucht attestiere, muss ich es auch einem Wladimir Putin zubilligen. Die Parallelen sind für meine Wahrnehmung so offen sichtlich.

      Die langsam einsetzende Verklärung des Sowjet-Regimes ist, denke ich, belegt; Putin hat oft genug erklärt, dsas es ein Riesenfehler gewesen sei, die Sowjetunion aufzulösen.

      Wir hatten diese Diskussion ja schon an anderer Stelle; ich bin durchaus der Meinung, dass der Westen Zusagen machte und nicht einhielt, und immer wieder unnötig provozierte, und so eine große Mitschuld an der Entwicklung trägt.

      Das macht aber Putin nicht zu einem netten, harmlosen Menschen. Er ist ein sehr aggressiver Herrscher.

      • R.A. 15. März 2019, 09:54

        „dass der Westen Zusagen machte und nicht einhielt, und immer wieder unnötig provozierte“
        Was genau ist da gemeint?

        „Provozieren“ ist recht unscharf, da kann man natürlich viel drunter packen, was Putin nicht gefällt.
        Aber Zusagen nicht einhalten wäre mir völlig neu.

        • Allwissender 16. März 2019, 00:38

          @ R.A. 15. März 2019, 09:54

          [„dass der Westen Zusagen machte und nicht einhielt, und immer wieder unnötig provozierte“]
          Was genau ist da gemeint?

          https://www.faz.net/aktuell/politik/ost-erweiterung-der-nato-was-versprach-genscher-12902411.html

          Zitat faz.net:

          „Am 31. Januar 1990 in der Evangelischen Akademie in Tutzing sah Genscher die Gelegenheit gekommen. Seine Rede, die nicht mit Bundeskanzler Kohl abgesprochen war, enthielt die an die Nato gerichtete Forderung, eindeutig zu erklären, „was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, das heißt, näher an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben“. Diese Sicherheitsgarantie sei für die Sowjetunion bedeutsam, denn der Wandel in Osteuropa und der deutsche Vereinigungsprozess dürften „nicht zu einer Beeinträchtigung der sowjetischen Sicherheitsinteressen führen“. Genscher führte zudem aus, das Gebiet der DDR solle nicht in die militärischen Strukturen der Nato einbezogen werden – da dies wegen zu erwartender Widerstände der Sowjetunion die Einigung blockieren würde.

          Zunächst folgten sowohl Bundeskanzler Kohl als auch der amerikanische Außenminister James Baker Genschers „Tutzinger Formel“, wie sie fortan genannt wurde. Baker traf eine gute Woche nach Genschers Rede, am 9. Februar, in Moskau mit dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow zusammen, der zu dem Zeitpunkt der Wiedervereinigung noch nicht zugestimmt hatte.

          Baker ging – so stellt es der Historiker Gerhard A. Ritter dar – von der „Tutzinger Formel“ aus, und sagte zu Gorbatschow, die Beistandsgarantie oder „militärische Präsenz der Nato in östlicher Richtung“ werde „um keinen einzigen Zoll ausgedehnt“. Am nächsten Tag reisten Genscher und Kohl nach Moskau. Genscher wiederholte im Gespräch mit Schewardnadse, wie der „Spiegel“ 2009 belegte, seine „Tutzinger Formel“. Und Gorbatschow stimmte im Gespräch mit Kohl zu, dass die Deutschen allein über ihre Einigung entscheiden könnten.

          Sowohl Genscher als auch Baker wollten ihre Äußerungen von damals später nie als Versprechen interpretiert wissen. Genscher sagte 2009 dem „Spiegel“, er habe in seiner Tutzinger Rede der sowjetischen Führung „über die Hürde helfen“ wollen, einem wiedervereinigten Nato-Mitglied Deutschland zustimmen zu können. Und sein Gespräch mit Schewardnadse sei ein „Abtasten“ vor den eigentlichen Verhandlungen gewesen.“

          Hier nochmal im Video:
          https://www.youtube.com/watch?v=F2iOAtNlleg

          Selbst wenn es da nur um die DDR gehen konnte – der Ostblock bestand ja noch – war das kein vertrauensbildendes Vorgehen, ebensowenig wie die Aufnahme weiterer osteuropäischer Länder in die NATO.

          Ich hatte auch irgendwo eine Aussage (ich glaube, ebenfalls von George Baker) gelesen, dass Idee 1999 (Zusammenbruch der Sowjetunion) gewesen sei, den eisernen Vorhang einzureißen; nicht, ihn nach Osten zu verschieben. Aber ich habe das jetzt nicht mehr gefunden.

          Dann gab es noch den Raketenschirm, angeblich gegen den Iran; Putin bot Teilnahme und optimale Standorte an. Konzipiert wurde dann ein Raketenschirm an der Grenze zu Russland, der nicht optimal für die Verteidigung gegen den Iran, aber optimal für die Verteidigung gegen Russland getaugt hätte.

          Spätestens seit der Aufnahme Snowdons hat Obama dann keine Gelgenheit ausgelassen, Putin in die Schranken zu weisen und zu provozieren (Russland sei „nur eine Regionalmacht“).

  • R.A. 14. März 2019, 09:51

    3.) „Es kommt also darauf an, was der Staat mit den Einnahmen anstellt.“
    Das ist der zentrale Satz.
    Immer wieder werden marode Schulen etc. als Argument dafür angeführt, daß der Staat mehr Einnahmen bräuchte. Und regelmäßig werden zusätzliche Einnahmen dann NICHT für marode Schulen etc. ausgegeben. Man hat fast den Eindruck, das wäre Absicht um das Argument für noch mehr Steuern nicht aus der Hand zu geben.

    4.) „Der gesamte Komplex rund um Fake News leidet ja massiv unter dem Problem schlecht geschriebener Algorithmen.“
    Ganz im Gegenteil – die Algorithmen sind ganz hervorragend geschrieben und liefern in erster Linie das, was die Leute suchen.
    Im konkreten Fall ist es halt so, daß sich fast niemand, der ganz normal zum Arzt geht und sich impfen läßt, im Internet Suchanfragen zum Thema stellt. Sondern es suchen fast nur die Impfgegner nach weiteren „Belegen“ für ihren Wahn. Und die werden dann vom Algorithmus zuverlässig geliefert.
    Es wäre m. E. nicht nur illegitim, sondern auch mit heftigen unerwünschten Nebenfolgen verbunden, wenn man die bisher inhaltlich neutralen Algorithmen mit irgendwelchen steuernden Vorgaben verknüpfen würde.

    5.) „Das Auto ist bei manchen Deutschen eine Verkörperung der eigenen Seele“
    Kommt bestimmt vor, aber dieser Effekt wird von Linken wohl deutlich überschätzt.
    Das Auto wird von der breiten Mehrheit verwendet und geschätzt, weil es nützlich ist und ihnen eine deutliche Steigerung der Lebensqualität ermöglicht. Entsprechend heftig sind die Abwehrreaktionen, wenn man diesen Nutzen politisch einschränken möchte.

    7.) Sehr interessante Graphik (natürlich nicht repräsentativ). Wahrscheinlich würde die Angabe der zweitwichtigsten Sprache (nach dem obligatorischem Englisch) in Osteuropa ebenfalls signifikant sein.
    Ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt, wie viele Leute man im beruflichen Umfeld trifft, die aus Ländern östlich und südöstlich von Deutschland kommen und ein erstaunlich gutes Deutsch sprechen.

    8.) „Die gewaltige Gefahr, …, ist, dass zu hohe Raten dazu führen können, dass die Legitimität des Systems insgesamt erodiert, weil die Belastung nicht getragen wird. “
    Das ist bestimmt richtig.
    Die andere große Gefahr ist Intransparenz bzw. ein nicht mehr verständliches weil zu kompliziertes Steuersystem. Die Steuermoral bricht genau dann ein wenn jeder das Gefühl hat, andere könnten sich wegen irgendwelcher „Steuertricks“ vor dem Zahlen drücken.
    Wenn Deutschland sich trauen würde das System deutlich zu vereinfachen, könnten m. E. Steuerehrlichkeit und Steueraufkommen auch bei unveränderten Sätzen deutlich höher sein.

    • Stefan Sasse 14. März 2019, 10:34

      4) Da würde ich dir ziemlich heftig widersprechen.
      5) Auch hier verleugnest du den identity politics Aspekt ziemlich deutlich.
      7) Würde ich auch davon ausgehen, ja.
      8) Gibt es da irgendwelche Praxisbeispiele, wo das geklappt hat?

      • R.A. 15. März 2019, 09:59

        „4) Da würde ich dir ziemlich heftig widersprechen.“
        Kannst Du das mal näher erläutern?
        Mir ist schon im Text oben nicht wirklich klar, wieso die Algorithmen bzw. „schlechte Programmierung“ schuld sein sollen.

        „5) Auch hier verleugnest du den identity politics Aspekt ziemlich deutlich.“
        Identity politics bei Autos?
        Scheint mir abstrus – aber bitte schön, den emotionellen Faktor will ich ja gerne zugestehen.
        Aber umgekehrt sollte doch nicht zu leugnen sein, daß das Autofahren ganz handfeste praktische Vorteile hat und die Leute deswegen daran festhalten wollen.

        „8) Gibt es da irgendwelche Praxisbeispiele, wo das geklappt hat?“
        Ich denke mal Deutschland ist ein Musterbeispiel dafür, wie man ein Steuersystem durch krasse Komplizierung so intransparent gemacht hat, daß die Akzeptanz deutlich runtergegangen ist.
        Ob man umgekehrt durch Reform und Vereinfachung wieder mehr Akzeptanz herstellen kann ist eine Hoffnung. Ich weiß aber nicht, ob das schon mal probiert wurde.

        • Stefan Sasse 15. März 2019, 14:24

          4) Ich denke dass die Präsentation der Suchergebnisse durch den Effekt, dass Vorauswahl durch den Algorithmus getroffen wird, sehr relevant ist.
          5) Kein Zweifel!
          8) Ich auch nicht, deswegen frag ich. Die meisten Steuerkürzungen machen ja das System nicht leichter und transparenter. Der Witz ist ja gerade dass diejenigen, die für Steuererleichterungen sind, keinerlei Interesse an einer Vereinfachung haben…

    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 09:00

      R.A. 14. März 2019, 09:51

      Zu 3.)

      [„Es kommt also darauf an, was der Staat mit den Einnahmen anstellt.“]

      Das ist der zentrale Satz.

      Immer wieder werden marode Schulen etc. als Argument dafür angeführt, daß der Staat mehr Einnahmen bräuchte. Und regelmäßig werden zusätzliche Einnahmen dann NICHT für marode Schulen etc. ausgegeben.

      Absolute Zustimmung!

    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 09:03

      R.A. 14. März 2019, 09:51

      Zu 5.)

      [„Das Auto ist bei manchen Deutschen eine Verkörperung der eigenen Seele“]

      Ja. Bei manchen.

      Das Auto wird von der breiten Mehrheit verwendet und geschätzt, weil es nützlich ist und ihnen eine deutliche Steigerung der Lebensqualität ermöglicht. Entsprechend heftig sind die Abwehrreaktionen, wenn man diesen Nutzen politisch einschränken möchte.

      Kann ich gut nachvollziehen. Ohne Auto könnte ich meinem Job nicht nachgehen, gleiches gilt für meine Frau. Es gibt sicherlich eine Gruppe von Menschen, für die das Auto Statussymbol ist (in dem Sinne „welchen Dienstwagen fährt der Kollege, welchen fahre ich“, oder für bestimmte Spackos, die dann glauben, in 200-PS-Autos (meist 3erBMWs, neuerdings öfter Mercedes mit AMG-Logo) mit quietschenden Reifen durch die Stadt fahren zu müssen, damit man sich nach ihnen umdreht, weil die das für „Respekt“ halten.

      Wenn man sich aber Bauart / Zustand / Alter der meisten Pkw ansieht, erkennt man sofort, dass die Fortbewegung der Zweck ist, nicht das Auto selbst.

  • Dennis 14. März 2019, 11:19

    zu 7:

    Am besten, es wäre überall so wie in Schweden (gemäß dem verlinkten Tweet)

    • Floor Acita 14. März 2019, 11:59

      Wirklich? Wäre das nicht
      a) ein ziemliches Armutszeugnis für die eigene Bevölkerung
      b) gerade ein Beispiel dafür, dass so viele der Landessprache nicht Mächtige zugewandert sind, dass eine Mehrheit im Land Nachhilfe benötigt
      c) es so viele rechtsradikale Spinner gibt, die in der Grammatik und Vokabular der Landessprache offensichtlich wiedersprechenden Kommentaren Ausländer/Migranten dazu auffordern endlich die Landessprache zu lernen 🙂

      Option c) ist allerdings unwahrscheinlich, da diese wohl eher nicht Sprachkurse aufsuchen würden bzw. wahrscheinlicher „aus Versehen“ den Falschen auswählen 🙂

      • R.A. 15. März 2019, 10:02

        Laut Angaben von Duolingo liegt die hohe Zahl von Schwedisch-Lernenden in Schweden an den Einwanderern dort.
        Schweden ist ja das Land neben Deutschland, das eine relativ hohe Anzahl von Einwanderern aufgenommen hat.

        Daß die nun in Schweden in erster Linie Duolingo zum Sprachenlernen benutzen wird wohl eher Zufall sein. Gibt ja genug andere Optionen.

  • Dennis 14. März 2019, 19:12

    @ Floor Acita
    Okay, es sind verschiedene Interpretationen möglich, über die Belastbarkeit kann man – wie immer – verschiedener Meinung sein^. Stefans Bogen zur deutschen Aussenpolitik bis Bismarck ist schon arg kühn, aber warum nicht. Nebenbei bemerkt könnten die Balkanesen ja duolingo-mäßig auch an Österreich denken. Die Hofburg statt Wilhelmstrasse, oder so.

    Mein wenig belastbarer Versuch eines kleinen Scherzes sollte eigentlich nur darauf hinweisen, dass der empirische Befund eigentlich nitt soooo arg viel hergibt, IMHO 🙂

    In Schweden könnten die Englisch-Kenntnisse (dass das die bevorzugte Fremdsprache auch dort ist, ist eh klar) aufgrund anderer Lernwege so gut sein, dass für die Nutzung eines bestimmten internet-basierten Fremdsprachen-Lern-Dingens (es gibt unzählige weitere) wenig Notwendigkeit besteht – zum Beispiel. Das stünde im Widerspruch zu Deiner a)-Interpretation 🙂

    an b) ist vermutlich was dran – spräche aber für Integrationswilligkeit, also eher ’ne schlechte Nachricht für alle, die rechtsgläubig sind. Ferner könnte es einfach so ein, dass dort das Duolingo-Dings im Rahmen von Integrationsprogrammen als Lernmittel benutzt/empfohlen werden – oder, oder, oder. c) isch für mich zu kompliziert – Vermutlich brauch ich auch Duolingo bzw. erstmal Uno.

    Interessanterweise (spielerisch betrachtet) ist Luxemburg (is halt arg klein, so dass man bei dem verlinkten Bild genau hingucken muss) in dieser Sache schweden-analog. Man lernt französisch, also die Landessprache (okay, eine davon). Hat vermutlich was mit den dortigen EU-Behörden und den Banken zu tun. Anscheinend sind die Bänker – darunter wohl jede Menge Deutsche – integrationswillig; is doch was.

    • Floor Acita 15. März 2019, 06:53

      Es wirkt tatsächlich mehr als Aufhänger – „stimmt, Balkan/Deutschland – wollte ich schon immer mal was drüber sagen“ 🙂 Den Aussagen im Kommentar stimme ich trotzdem zu, die Beziehungen/Abhängigkeiten/Einflussnahmen hier sind nicht zu unterschätzen…

    • Erwin Gabriel 15. März 2019, 09:09

      @ Dennis 14. März 2019, 19:12

      … für alle, die rechtsgläubig sind.

      🙂

      Fand ich echt witzig; mein erster Schmunzler heute, für den ich danke

  • Jens 14. März 2019, 22:44

    1) klare Vorauswahl der Inhalte (effektiv Zensur),
    2) propagandistisches Agenda-Setting, eine
    3) klare Vermengung von Nation,
    4) klare Vermengung Netzwerk und
    5) klare Vermengung Partei.

    Ich frage mich ob das gesagte nicht auch für unsere Leitmedien gilt
    meine persönliche Einschätzung:
    1) klare Vorauswahl der Inhalte (effektiv Zensur),
    Das machen unsere Leitmedien genau so. Zum Beispiel habe ich den Leitmedien, wenn über Katalonien berichtet wird, noch nie einen Hinweis zum Gutachten des IGH bezüglich der Unabhängigkeit des Kosovos gesehen. So ist zum Beispiel der ständige Hinweis in den Leitmedien, dass die spanische Verfassung die Unabhängigkeit nicht zulässt ohne den Hinweis auf das Urteil des IGH, bewusst einseitig. Fake News durch weglassen, sozusagen. In den Springer Medien sollen die Journalisten bei der Einstellung angeblich eine Verpflichtung unterschreiben, nichts gegen die EU zu schreiben. (Etwas verkürzt wiedergegeben)

    2) propagandistisches Agenda-Setting,
    Über propagandistisch kann man streiten Agenda Setting auf jeden Fall. Je nachdem wie sie es benötigen wird die YPG mal in die Nähe der Terroristen gerückt oder als Freiheitskämpfer wenn sie gegen den IS kämpfen. Das Erdogan vier kurdische Städte IN der Türkei fast platt gemacht hat wurde auch sehr niedrig gehängt. Bei diesen Berichten frage ich mich wie würden die berichten wenn Putin so was macht.

    3) trifft nicht zu

    4) mit dem Netzwerkbegriff kann ich nicht viel anfangen deswegen „?“

    5) eher nicht

    Insgesamt finde ich die Unterschiede zu den Leitmedien nicht so extrem, da das Agenda Setting für mich das Hauptübel ist. Auf den Nachdenkseiten, ist gerade ein Bericht darüber wie einseitig die Medien zum Kosovoeinsatz der Nato berichtet haben. Lehrreich.

    Die Berichte zu Rente finde ich auch immer sehr einseitig. Bezeichnend wie damals im Interview vor der Wahl, die Moderatorin Wagenknecht über den Mund gefahren ist, als sie zur Rente in Österreich etwas sagen wollte.

    Die ganze Syrienberichterstattung ist so extrem einseitig. Allein schon wenn von „gemäßigten“ Rebellen und den Weißhelmen berichtet wird. Das hat für mich schon etwas von Propaganda.

    Auf jeden Fall eine interessante Textauswahl von dir.

    Gruß Jens

    • Erwin Gabriel 17. März 2019, 09:37

      @ Jens

      In den Springer Medien sollen die Journalisten bei der Einstellung angeblich eine Verpflichtung unterschreiben, nichts gegen die EU zu schreiben.

      Meines Wissens (bzw. zu meiner Zeit damals) waren es zwei Punkte:
      • Eintreten für das Grundgesetz
      • Eintreten für das Lebensrecht des jüdischen Volks in Israel

      Nach 9/11 kam noch ein Punkt hinzu:
      • Eintreten für Westbindung und Westbündnis (gemeint: USA)

      Falls etwas in Sachen EU ergänzt wurde, müsste das neueren Datums sein.

      • Stefan Sasse 17. März 2019, 19:11

        Seit wann schreibt denn Springer nichts gegen die EU?!

        • Stefan Pietsch 18. März 2019, 10:38

          Seit wann schreibt SPRINGER gegen die EU?

          • Stefan Sasse 18. März 2019, 11:28

            Beschwerden über die Regeln und so (Gurkenkrümmungsgrad, Glühbirnen) gehören doch zum guten Ton und sind teilweise richtige Kampagnen.

            • Stefan Pietsch 18. März 2019, 11:42

              Erstens, ich bin auch gegen Vorschriften für den Krümmungsgrad für meine Banane. Ich empfinde mich deswegen jedoch nicht als Gegner der EU. Ich verteidige sogar die AfD (manchmal) und kann die Partei nicht ausstehen. Der Komiker Bastian Pastewka hat mal eine ganz Folge lang sich mit Glühbirnen nach EU-Standard beschäftigt. Vielleicht muss ich prüfen, ob ich noch Clips eines solchen Separatisten sehen kann.

              Zweitens: das ist ja nun ewig lange her, ich wusste gar nicht, dass ausgerechnet Du Dich an so etwas erinnerst. Na gut, Du bist Lehrer für Geschichte… 🙂

              • Stefan Sasse 18. März 2019, 18:03

                Ich finde halt nur die Aussage komisch Springer schriebe nie gegen die EU. Klar tun sie das. Manchmal halt. Ich sehe da keine Spezialbehandlung wie bei Israel oder den USA. Das ist alles.

                • Erwin Gabriel 19. März 2019, 16:05

                  @ Stefan Sasse 18. März 2019, 18:03

                  Ich sehe da keine Spezialbehandlung wie bei Israel oder den USA.

                  Zustimmung – ich auch nicht.

                  Griechenland- und Bankenrettung war „EU“; da haben sie richtig zugelangt. Bei Trump gegen Europa stehen sie dann wieder getreulich neben der Kanzlerin. Hängt halt immer davon ab, womit man des Volkes Seele auf seine Seite ziehen kann.

  • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:31

    Zu 5) Ich geb Gas!

    Der Posten des Verkehrsministers wird tatsächlich immer wichtiger.

    Zustimmung.

    Das Kreuz mit dem Verkehr ist aus meiner Wahrnehmung Folgendes:
    Man hat die Verkehrs-Infrastruktur derart vergammeln lassen, dass die maroden Brücken und Straßen unsere Wirtschaft einen irrwitzigen Haufen Geld kosten, dass die Umwelt extrem belastet wird (mit laufendem Motor im Stau zu stehen reduziert kein CO2), dass viele Bürger weder mit der Bahn noch mit dem Auto noch mit dem Flieger planbar reisen können.

    Nun ist man derart mit der Behebung des Reparaturstaus beschäftigt, dass man weder die Zeit noch den Focus findet, um unseren Verkehr neu zu konzeptionieren. Hier ein paar Radwege in den Städten löst zwar ein Problem und schafft oft weitere neue (meist aus Platzgründen; vom selbstmörderischen Auftreten vieler Radfahrer im Verkehr mal ganz zu schweigen), dort ein Autobahn-Teilstück nicht gebaut zeugt eher von Ideologie als von planvollem Agieren.

    Alexander Dobrindt, der fortschrittlichste Verkehrsminister seit Jahrzehnten, hat in vielen Bereichen Vieles richtiggemacht, nicht nur mit den zur Verfügung gestellten Beträgen, sondern auch mit dem Konzept, bei Straßenneubauten Strom und Glasfaser gleich mitzuverlegen. Doch auch er hat sich eher als Verkehrswegebauminister denn als Verkehrsminister wahrgenommen.

    So wird dann auch das nächste Jahrzehnt mit Herumdoktern vergehen.

    • R.A. 15. März 2019, 10:09

      „Nun ist man derart mit der Behebung des Reparaturstaus beschäftigt, dass man weder die Zeit noch den Focus findet, um unseren Verkehr neu zu konzeptionieren.“
      Richtig.
      Wobei nicht nur der Reparaturstau das Problem ist, sondern die Dominanz des grünen Mainstreams. Der hat sich inzwischen in den Medien bei der Verkehrspolitik völlig durchgesetzt und propagiert Idee, die letztlich aus den 70er Jahren stammen. Und die mit ihrer Fokussierung auf Fahrrad und ÖV konsequent ausblenden, daß es einen erheblichen Wirtschaftsverkehr gibt und daß sehr viele Fahrten NICHT innerstädtisch in den Bereichen stattfinden, in denen Journalisten ihr persönliches Umfeld haben.

      Eigentlich müßten wir jetzt schon eine Verkehrsstruktur planen, die auf autonomen Fahrzeugen beruht. Die werden auf jeden Fall kommen, der exakte Termin ist noch offen – aber er wird deutlich früher liegen als das, was deutschen Planungszeiten hergeben. Es wird also höchste Zeit sich darauf vorzubereiten.

      Und autonomes Fahren bedeutet natürlich, daß das bei den Grünen verhaßte Auto durchaus noch eine wichtige Rolle behält. Bietet aber die Chance, ganz erheblich auf andere Verkehrsträger umzuschichten.

      • Erwin Gabriel 16. März 2019, 00:41

        Zustimmung

    • Stefan Sasse 15. März 2019, 14:18

      Jupp.

  • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:33

    10) „Die Lumperei geht weiter“

    Gerne übersehen wird bei Diskussionen über Russland die innenpolitische Perspektive, die dieser Artikel hier zum Ausdruck bringt. Putin agiert sicherlich auch aus Großmannssucht und nostalgischer Verklärung des Sowjetimperiums, aber der innenpolitische Druck, dem er sich ausgesetzt fühlt, ist auch nicht zu verachten. Er ist ein wichtiges Puzzlestück um zu verstehen, warum die Tauperiode Russlands mit dem Westen zwischen 2012 und 2014 ein so abruptes Ende fand. Sicherlich war daran die westliche Außenpolitik nicht unschuldig, aber wie so häufig bestimmt die Innenpolitik den Kurs einer Regierung deutlich stärker, als dies aus der Außenperspektive so aussehen mag. Zumindest dann, wenn Leute hinsehen.

    Zustimmung. Wobei ich ergänzen möchte, dass Russland sich nur allzu gerne im „Wir gegen den Rest der Welt“ suhlt. Für Russland spielen Stolz und Respekt eine gewaltige Rolle, und wenn die nicht von außen gefüttert werden, dann eben von innen. Interessanterweise sind es die demokratischen Präsidenten Clinton und Obama gewesen, die die sich öffnende Tür wieder zugeschlagen haben.

    Man hätte erst etwas Zuckerbrot geben und dann die Peitsche zeigen sollen, nicht umgekehrt. Jetzt ist die Situation verfahren, und daran hat die amerikanische Politik eine erhebliche Schuld. Hilft letztendlich nichts, im Nachhinein festzustellen, dass der Westen auch provoziert und Zusagen nicht eingehalten hat. Man muss trotzdem Osteuropa die erforderlichen Sicherheiten und Schutz bieten.

    • Stefan Sasse 15. März 2019, 14:19

      Naja, der Reset und so waren schon Zuckerbrot. Aber worauf ich gerade hinauswill ist ja, dass das Verhalten des Auslands sekundär war. Putin war kompromissbereit, als es ihm half, und ist konfrontativ, seit ihm das hilft. Zu glauben, dass die persönliche Missliebigkeit mit Clinton das verursachte hieße Politik arg zu personalisieren.

      • Erwin Gabriel 16. März 2019, 00:47

        @ Stefan Sasse

        Putin war kompromissbereit, als es ihm half, und ist konfrontativ, seit ihm das hilft.

        Ich würde das anders formulieren.
        Putin war kompromißbereit, als es ihm half, und hörte damit auf, als es ihm nicht mehr half.

        Mit Bill Clinton gab es Streß, mit George W. Bush kam er gut aus, mit Obama hatte er Streß; mit Trump würde er gut klarkommen, wenn man die beiden in Ruhe ließe, mit Hillary Clinton wäre er nicht klargekommen.

        Vielleicht kommt Putin mit der republikanischen Sicht auf die Welt besser klar als mit der demokratischen.

        • Stefan Sasse 16. März 2019, 13:35

          Wie gesagt, das legt mir zu wenig Gewicht auf die innenpolitische Situation. Als Erklärmodell taugt mir das wenig. Merkel kam mit Bush auch besser aus als mit Obama, aber mit Obama war das Verhältnis trotzdem besser, weil die deutsche Innenpolitik besser zu Obamas Außenpolitik passte als zu Bushs.

          • Erwin Gabriel 17. März 2019, 00:21

            Natürlich hat Putins Politik mit der Innenpolitik bzw. der Befindlichkeit seiner Wähler zu tun. Ob er nun die Situation für die Bevölkerung verbessert, weil er die Sanktionen vom Tiych kriegt, oder ob er für die schlechte Situation einen Sübdenbock findet, mag aufs Gleiche hinauslaufen.

            Schade finde ich halt, dass man nicht die Chance genutzt hat, Russland für den Westen zu gewinnen.

            • Stefan Sasse 17. März 2019, 19:11

              Bin halt skeptisch, ob das je wirklich möglich war.

              • Rauschi 18. März 2019, 08:50

                Warum sollte das nicht möglich gewesen sein?
                Aber zuerst sollte vielleicht mal geklärt werden, was mit „dem Westen“ gemeint ist. Wohl unsere ominösen Werte, nehme ich an, die wir im Mund aber nicht in der Handlung leben.
                Wir (der Westen) kommen sogar mit Saudi Arabien aus, obwohl die von einer Bewegung hin zum Westen so weit wie möglich entfernt sind.
                Also, worauf beruht die Skepsis, wird doch wohl kein Verschwörungsglaube sein?

                • Stefan Pietsch 18. März 2019, 10:28

                  Eine typische Rauschi: Zigmal die gleiche Frage gestellt, zigmal die gleiche Antwort erhalten. Kleine Erinnerung: die Wand ist immer noch da, gegen die Sie laufen.

                  Wir machen Geschäfte mit Diktaturen, schon, weil es allein mit Demokratien sehr einsam auf diesem Globus wäre. Wir verpflichten auch Diktaturen zu politischen Geschäften, die uns nützen, warum auch nicht?

                  Wir machen auch mit Russland wirtschaftliche und politische Geschäfte. Wir, die Guten, haben mit Putins Russland auch Verträge über die Befriedung der Ost-Ukraine geschlossen. Allein, unser „Vertragspartner“ hält sich nicht an die schriftlich fixierten Bedingungen. Das ist dann schon doof und stellt die Frage, warum wir mit einem Vertragsbrüchigen dauernd neue Verträge verhandeln sollen, die er wahrscheinlich genauso bricht, wenn sie ihm nicht genehm sind. Außerdem, man kann ja über Saudi-Arabien einiges sagen. Dass es z.B. nicht toll ist, dass sie Regimegegnern die Köpfe abschlagen. Die russische Methode der Tötung mittels Giftgas gilt aber gemeinhin auch nicht als besonders human. Saudi-Arabien hat in den letzten zu überschauenden Jahren jedoch keinen Landstrich okkupiert, der nicht laut UN-Regeln zu dem Wüstenstaat gehört. Putins Russland hat es dagegen mit den souveränen Grenzen seiner Nachbarn zuletzt nicht so genau genommen.

                  In dem Sinne ist Russland schon schlimmer als Saudi-Arabien, wo Frauen immerhin inzwischen Autofahren dürfen, und hat sich seine Sanktionen ehrlich und rechtens verdient.

                  • Rauschi 18. März 2019, 10:59

                    Wir machen Geschäfte mit Diktaturen, schon, weil es allein mit Demokratien sehr einsam auf diesem Globus wäre. Wir verpflichten auch Diktaturen zu politischen Geschäften, die uns nützen, warum auch nicht?
                    Was soll dann die Aussage von Herrn Sasse, er wäre da skeptisch? Sind die Geschäfte mit Russland nicht mehr nützlich??

                    In dem Sinne ist Russland schon schlimmer als Saudi-Arabien, wo Frauen immerhin inzwischen Autofahren dürfen, und hat sich seine Sanktionen ehrlich und rechtens verdient.
                    Wow, wem bislang nicht hat klar war, wie ideologisch verbrämt Sie sind, der weiss aber jetzt Bescheid.
                    Die führen den schlimmsten Massenmord seit lange federführend an (Jemen), aber Russland ist schlimmer und verdient Sanktionen? Weil wir die moralische höherwertigen sind, dürfen wir den sogar denn Willen absprechen, sich jemals mit uns (dem Westen) einigen zu wollen?
                    Perfekt, Ihr Glashaus.
                    Weil die Frauen Auto fahren dürfen, haben sich die dem Westen angenähert, ist das Ihre Vorstellung von Gleichberechtigung? Auto fahren dürfen die Frauen meines Wissens nach auch in Russland, oder wissen Sie mehr?
                    Lächerlich, sogar für Ihre Verhältnisse.

                  • Rauschi 18. März 2019, 11:27

                    P.S.
                    Eine typische Rauschi: Zigmal die gleiche Frage gestellt, zigmal die gleiche Antwort erhalten. Kleine Erinnerung: die Wand ist immer noch da, gegen die Sie laufen.
                    Echt, mir wurde schon erläutert, wodurch der Westen sich auszeichnet? und das ist nicht genau das, was ich geschrieben habe, hohle Wort und -Bedeutungshülsen vor sich her schieben? Sind Sie Anhänger dieser Form des Westens?

                    Ach ja, Menschen Verhungern zu lassen (Jemen) ist natürlich quasi Friedensnobelpreisverdächtig im Vergleich mit Gas, oder?
                    Mann muss also das Land okkupieren, damit Sie das verurteilen, die in einem anderen Land lebenden Menschen zu töten ist dagegen schon irgendwie in Ordnung, solange es mit Bomben geschieht?
                    Bin ich froh, das ich nicht mit Ihrem Menschenbild leben muss, da wartet ja eine Enttäuschung auf die nächste.
                    Das es die Option „gar keine Menschen umbringen“ auch noch gibt, hat sich wohl nicht bis zu Ihren Gefilden rumgesprochen.

                  • Rauschi 18. März 2019, 13:29

                    Ach ja, die Vorbildnation Saudi Arbien:
                    [Überwachen, entführen, foltern: Saudi-Arabien geht laut einem Bericht der „New York Times“ mit einer Spezialeinheit gegen Dissidenten vor. Sie soll auch am Mord des Regimekritikers Khashoggi beteiligt gewesen sein.]
                    http://www.spiegel.de/politik/ausland/fall-khashoggi-saudi-arabien-unterhaelt-laut-medienbericht-sonderkommando-zur-dissidentenjagd-a-1258350.html

                    Oder auch in Bezug auf Auto fahrende frauen
                    [Prozess in Saudi-Arabien gegen drei Frauen
                    Sie wurden offenbar gefoltert, dabei wollten sie bloß Auto fahren.
                    Drei Frauen engagierten sich in Saudi-Arabien für mehr Rechte, kamen in Haft. Nun stehen sie vor Gericht, der Vorwurf: Verrat. ]
                    https://www.spiegel.de/plus/saudi-arabien-der-schauprozess-gegen-drei-frauenrechtlerinnen-a-00000000-0002-0001-0000-000162913160

                    Tut es nicht weh, sich so verbiegen zu müssen, nur um Russland zu verurteilen? Ekelhaft.

                    • Stefan Pietsch 18. März 2019, 13:32

                      Tut die Humorlosigkeit nicht manchmal weh? So richtig?

                    • Rauschi 19. März 2019, 08:13

                      Das ist ja so dermassen lächerlich, sich jetzt damit rausreden zu wollen, war doch nur Spass, das mir das Lachen im Hals stecken bleibt.
                      Haben Sie nicht Sarkasmus in einer Diskussion abgelehnt? Oder ist jetzt schon Provokation um der Provokation willen angesagt, weil es so unendlich lustig ist?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 10:49

                      Mein Eingangskommentar war nicht sarkastisch, sondern sehr launisch und locker geschrieben. Das scheint hier jeder – außer Ihnen – so gelesen zu haben, denn keiner ist auf die Idee gekommen, dass ich Saudi-Arabien als fortschrittlich beurteile. Und nun reiten Sie wieder kommentarlang auf Ihrer Humorlosigkeit herum, weil Sie sich Zeile für Zeile abarbeiten und ernsthaft beweisen wollen, dass Russland und Saudi-Arabien nicht vergleichbar seien. Das halte ich für ein maßlos albernes Unterfangen.

                      Sarkasmus, das hatte ich Ihnen schon geschrieben, ist eine sehr verletzende Form des Humors. Doch der Eingangskommentar hatte nichts persönlich Adressierendes.

                    • Rauschi 19. März 2019, 10:58

                      Ach so, das war launig, wie nett.
                      Also würden Sie Kritik annehmen, wenn alle die äussern würden? Nee, nicht mal dann, denn auch das ist schon des Öfteren vorgekommen.

                      Sarkasmus, das hatte ich Ihnen schon geschrieben, ist eine sehr verletzende Form des Humors. Doch der Eingangskommentar hatte nichts persönlich Adressierendes.
                      Seit wann muss Sarkasmus persönlich sein?
                      Beissender Spott, der die Position vertritt, auch nur ein gutes Wort in Bezug auf Russland zu äussern, müsse und dürfte dermassen in die Lächerlichkeit gezogen werden. Das nennt sich Sarkasmus, sic.

                      Dann verraten Sie doch mal, was Sie mit dem „launigen“ Kommentar überhaupt aussagen wollten, einen Scherz hätten Sie billiger haben können.
                      Sie kommen mir mittlerweile wie ein Teenie vor, der merkt, seine Ausfassung kommt nicht an und sich dann damit raus windet, War doch nur Spass.

                      Sie haben aber Herrn Popper sehr ernsthaft auf seine Fragen geantwortet, die sich auch auf Ihre launige Aussage bezog.
                      Warum wurde er nicht über den Scherzcharakter des Kommentars aufgeklärt?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 11:18

                      Beissender Spott, der die Position vertritt, auch nur ein gutes Wort in Bezug auf Russland zu äussern, müsse und dürfte dermassen in die Lächerlichkeit gezogen werden.

                      Sie haben in den Jahren hier keinen einzigen kritischen Satz zu Russland im Allgemeinen und Putin im besonderen verloren. Und auf solche Vorhalte reagieren Sie mit Ihren Generalnormen, Sie verurteilen alle Ungerechtigkeiten.

                      Wir diskutieren hier aber konkret. Sehr konkret. Entweder über russische Politik und dann nur oder vor allem über russische Politik. Oder über die USA im Allgemeinen und die Republikaner im Besonderen. Wir diskutieren hier auch mal über die FDP, aber dann nur über die FDP und nicht über die LINKE. Das machen wir in Extra-Artikeln.

                      Es muss Ihnen möglich sein, kriegerische Akte Russlands so zu benennen (oder meinetwegen zu verteidigen, was Ihnen im Allgemeinen mit Verweis auf die USA, die Naturkatastrophen und andere Gründe besser gelingt), wie sie sind.

                      Wenn in Syrien ein Giftgas-Anschlag passiert, argumentieren Sie, was man Assad und seiner Schutzmacht Russland nun wieder in die Schuhe schieben will. Wenn einfach mal ein Landstrich von Moskau okkupiert wird, wissen Sie, welche kriegerischen Akte die USA begangen haben. Wenn in Russland ein Dissident eingesperrt wird, kommen die mit dem Staatsgefängnis USA.

                      Nie schaffen Sie es, speziell über Russland zu diskutieren. Warum sollte das irgendjemanden außer Ihnen gefallen?

                    • Rauschi 19. März 2019, 11:29

                      Sie haben in den Jahren hier keinen einzigen kritischen Satz zu Russland im Allgemeinen und Putin im besonderen verloren. Und auf solche Vorhalte reagieren Sie mit Ihren Generalnormen, Sie verurteilen alle Ungerechtigkeiten.
                      Das Sie es schon nötig haben, zu lügen, sagt einiges über Sie aus.
                      Was erwarte ich auch von jemandem, der meint, die USA hielten sich an das Völkerrecht und noch niemals die
                      Kriegsverbrechen der USA angeprangert hat?
                      Aber Sie halten sich für einen neutralen Beobachter?

                      Nie schaffen Sie es, speziell über Russland zu diskutieren. Warum sollte das irgendjemanden außer Ihnen gefallen?
                      Sie diskutieren, um zu gefallen? Wem und warum?
                      Auch das ist glatt gelogen, Sie hingegen verhindern jede Diskussion durch die Moralkeule von vorne herein.
                      Selbstreflektion ist nicht Ihr Ding, oder?
                      Sie hatten sogar die Chuzpe, zu meinen, die Russen wären rein genetisch nicht dazu in der Lage, westliche Werte zu haben, weil so wenige Westler dahin ausgewandert sind.
                      Sie glauben doch nicht ernsthaft, das auf so einer Basis jemand sachlich und nüchtern mit Ihnen diskutieren will, oder auch nur meint, ein sachliches Argument würde bei Ihnen zwischen den Ohren hängen bleiben?

                      Ist es nicht sehr einsam da oben auf dem Thron der Weisheit?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 14:03

                      Das Sie es schon nötig haben, zu lügen, sagt einiges über Sie aus.

                      Sie schreiben so viel und schaffen keine klaren Worte. Sie könnten z.B. anführen, dass Sie sehr wohl die Besetzung und anschließende Annexion der Krim als einen Bruch des Völkerrechts hier verurteilt haben. Haben Sie aber nicht, sondern unter Berufung auf einen umstrittenen und in der Frage weitgehend isolierten Wissenschaftler das Vorgehen verteidigt.

                      Sie hätten anführen können, dass Sie die Bombardierung von zivilen Einrichtungen in Syrien durch die russische Armee verurteilen oder dass Sie es für schamhaft halten, dass Putin out-of-area in einen Bürgerkrieg eingreift. Haben Sie aber nicht, sondern dies mit Verweis, dass schließlich ein brutaler Diktator Russland eingeladen habe mitzufeuern.

                      Sie könnten kritisieren, dass Putin auf fremden Staatsgebiet Bevölkerungsteile aufgestachelt und mit hochmodernem Equipment ausgestattet hat und dazu Manpower stellt. Haben Sie jedoch nicht getan, sondern gefragt: welche grünen Männchen?

                      Sie könnten kritisiert haben, dass Russland mit britischen Ermittlern in mehreren Mordfällen Katz-und-Maus spielt, dass schwere Belege darauf hindeuten, der russische Geheimdienst habe Mordanschläge in GB ausgeführt. Doch das können Sie nicht, Ihre Reaktion war schließlich: aufgrund welcher Beweise?

                      So finde ich nichts, absolut nichts, wo Sie hier Kritik an Russland geäußert hätten. Sie könnten diese Behauptung von mir, die Sie als Lüge bezeichnen, richtig stellen, in dem Sie einen, nur einen – aber konkreten – Punkt anführen, wo Sie in den letzten Jahren hier Russland oder Putin kritisiert oder gar verurteilt hätten.

                      Das müsste eigentlich sehr einfach sein, wenn es stimmt, dass ich lüge.

                    • Rauschi 19. März 2019, 15:12

                      @Stefan Pietsch
                      Es bleibt dabei, Ihre Aussage ist gelogen.
                      Was soll ich zu Ihrem blubb Blubb noch schreiben?
                      Ist mir doch echt zu blöde, wer es wissen will, der weiss, das ich immer, damals sogar noch analog mit Herrn Gabriel gleiches Recht für alle gefordert habe.
                      Ich brauche da keine Einzelschandtat anzukreiden, das ist mir zu sehr Kindergarten, ehrlich. Wenn Verurteilung wegen Bruch des Völkerrechtes, dann jeden, der das tut, aber nicht so einseitig wie Sie das immer gefordert haben.
                      Sie konnten sich nicht mal zu dem Satz durchringen, das beide angeklagt werden sollten, nicht mal das!
                      Ihre lächerliche Sandkastenspiele sprechen nicht für einen redlichen Versuch um Sachlichkeit, aber wie geschrieben, jeder auf dem Niveau, das er braucht.

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 15:20

                      Ich brauche da keine Einzelschandtat anzukreiden, das ist mir zu sehr Kindergarten, ehrlich.

                      … dann sollten Sie das auch nicht in Bezug auf die USA tun. Dort waren Sie aber vor wenigen Minuten sehr präzise. Irgendwie wirkt das nicht konsistent. Genauso wenig, wie jemanden der Lüge zu zeihen, aber einer einfachen Beweisführung schuldig zu bleiben.

                      Sie haben nur belegt, was ich über Sie behauptet habe. Das jedoch ist keine Lüge. Nur mal so.

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 16:18

                      Wenn Verurteilung wegen Bruch des Völkerrechtes, dann jeden, der das tut

                      Sie wollen keine Debatte, das ist das Problem. Hier wie anderswo wurde sehr genau der Irakkrieg zesiert. Sie können auch nachlesen, wie Stefan und ich dazu stehen. Was wir allerdings auch nachlesen können, ist, dass Sie bisher jedes Vorgehen Russlands gutgeheißen haben.

                      Das ist halt das Problem, wenn man sich nicht mit Details aufhält, sondern immer, wie sagten Sie? Im Kindergarten? Wie im Kindergarten also sofort mit der Schaufel schnauzt: der doch auch!

                      Vor den Internationalen Gerichtshof werden immer noch Personen gestellt. Erstaunlich ist jedoch, dass Sie sich unendlich an einem Sachverhalt abarbeiten können, der seit Jahren abgeschlossen ist. Wenn übrigens Amerikaner heute noch im Irak sind, dann aufgrund eines Truppenstatuts, geschlossen mit einer gewählten Regierung. Das ist für Sie das Gleiche wie wenn ein nicht gewählter Despot in die Enge getrieben, sich mit Giftgaseinsätzen wehrend eine Regierung und deren Truppen zu Hilfe ruft (die übrigens auch nicht über jeden demokratischen Zweifel erhaben ist) und eine Millionenstadt wie Idlib regelrecht ausräuchert und ausbombt. Es verwundert, dass die Vergangenheit bei Ihnen weit mehr Enthusiasmus hervorruft als ein mit Händen zu greifendes Drama und Sie nur die Frage stellen: erst muss ich die Amerikaner verurteilen!

                    • Rauschi 19. März 2019, 20:14

                      Sie wollen keine Debatte, das ist das Problem.
                      Exakt, genauso wenig, wie Sie.
                      Es ging auch nicht um den Grad der Verfehlung, sondern um die schlichte Feststellung, es war ein Völkerrechtsbruch und Punkt.
                      Die Einzelheiten zu den USA habe ich nur geschrieben, weil Sie Sich zu der Aussage verstiegen haben, die würden keine Verbrechen gegen das Völkerrecht begehen, also Blick in den Spiegel.

                      Nein, mit Ihnen will ich auf gar keinen Fall debattieren, ob etwas ein Völkerrechtsbruch ist oder nicht, da verlasse ich mich doch lieber auf echte Experten für das Völkerrecht.
                      Ich muss dafür nicht mal die Pargraphen verstehen, analog zum deutschen Recht. Wenn die meinen, dieses und jenes wäre ein Völkerrechtsbruch, dann nehme ich das so hin. Ich stelle auch die Entscheidungen des Verfassungsrecht nicht in Frage, nur, weil ich die Auffassung vielleicht nicht teile.
                      Erkennen Sie den Unterschied?
                      Wenn nicht, kann ich Ihnen echt nicht helfen, denn dieses Recht können weder Sie noch ich ändern, nicht mal mit einem politischen Mandat.

                      Es verwundert, dass die Vergangenheit bei Ihnen weit mehr Enthusiasmus hervorruft als ein mit Händen zu greifendes Drama und Sie nur die Frage stellen: erst muss ich die Amerikaner verurteilen!
                      Hä, Enthusiasmus? In Bezug auf was?
                      Ich glaube, das habe ich bis zum Erbrechen geschrieben, aber für Sie dann eben nochmal: Ich bin gegen jeden Krieg, egal, wer den führt!
                      Aber sie wollen, das ich erstmal die Russen verurteile, das ist natürlich ein echter Unterschied, kein Frage!

                  • popper 18. März 2019, 14:34

                    Allein, unser „Vertragspartner“ hält sich nicht an die schriftlich fixierten Bedingungen.

                    Die Ukraine hält sich tatsächlich nicht daran, kommt nur bei ihnen und in unseren Medien nicht vor oder wird rundheraus geleugnet, warum erwarten Sie von Russland dann Unmögliches.

                    • Stefan Pietsch 18. März 2019, 14:50

                      Es ging darum, dass Russland nicht als Partner wahrgenommen wird – was schwer ist bei einer Regierung, die sich nicht an Vereinbarungen gebunden fühlt. Vertragstreue und Zuverlässigkeit sind sehr hohe Güter – die Russland nicht bietet. Warum sollte man also mit Putin mehr verabreden als minimalst nötig?

                    • Rauschi 19. März 2019, 08:21

                      Es ging darum, dass Russland nicht als Partner wahrgenommen wird – was schwer ist bei einer Regierung, die sich nicht an Vereinbarungen gebunden fühlt.
                      Wie erwartet, war das kein Scherz.
                      Warum arbeiten wir noch mit den USA zusammen, die halten sich auch nicht an das Völkerrecht? Warum noch mit den Saudis, die halten sich genau so wenig daran?
                      Das jemand nicht so wahrgenommen wird, bedeutet doch in keinem Fall, das es nicht anders sein könnte.

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 10:50

                      Warum arbeiten wir noch mit den USA zusammen, die halten sich auch nicht an das Völkerrecht?

                      Weil die USA sich an das Völkerrecht halten. Punkt und Ende.

                      P.S.: Und weil sie zu den Guten gehören.

                    • Stefan Sasse 19. März 2019, 11:05

                      Bamm.

                    • Rauschi 19. März 2019, 11:00

                      Weil die USA sich an das Völkerrecht halten. Punkt und Ende.
                      Seit wann genau? Im Moment begeht Russland auch keine Verletzung?

                      Aber das ist wahrscheinlich auch wieder nur ein Scherz, oder?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 11:07

                      Klar, Russland feiert gerade heute den Jahrestag des eigenen Bruchs des Völkerrechts.

                    • Rauschi 19. März 2019, 11:33

                      Und weil die USA den Tag (welchen sollte man auch nehmen) nicht feiern, halten die sich an das Völkerrecht?
                      Sie wollen mit mir ernsthaft diskutieren und dann so was lächerliches?
                      Was auch immer Bamm heissen soll, bei Herrn Sasse wundert mich nichts mehr, der teilt Ihren seltsamen Humor wahrscheinlich.

                    • Stefan Sasse 19. März 2019, 11:55

                      So ist das.

                    • Rauschi 19. März 2019, 13:27
                  • popper 18. März 2019, 17:39

                    Das Bild, das Sie immer wieder hier über Russland verbreiten, ist nicht realitätstauglich. Sie sind doch sonst immer für Differenzierung. Warum beten Sie dann im Falle von Russland, immer nur diese verlogene Propaganda herunter. Kommt es ihnen nur darauf an, auf der „richtigen“ Seite mit den Wölfen zu heulen?

                    • Stefan Pietsch 18. März 2019, 18:21

                      Das Bild, das Sie immer wieder hier über Russland verbreiten, ist nicht realitätstauglich.

                      Woher wissen Sie das?

                      Das Minsker Abkommen sieht vor, dass OSZE-Beobachter in die Ost-Gebiete dürfen. Dies haben die „Rebellen“ weitgehend verhindert, ebenso wie freie Wahlen. Putins Russland spielt eine unappetitliche Doppelrolle: Das Minsker Abkommen nimmt Moskau impliziert aus der Rolle der Kriegspartei und ermöglich so, dass Russland als OSZE-Beobachter das selbst geschlossene Abkommen sowie den Bereich überwacht, wo es einen Krieg führt. Das ist alles andere als eine perfekte Lösung und das Gehabe eines ehrlichen Maklers.

                  • popper 18. März 2019, 22:34

                    Lenken Sie doch nicht wieder ab. Das Minsker Protokal besteht aus 12 Punkten. Sie nennen einen Punkt, und es gibt ein Minsk II. Russland ist nicht Kriegspartei, hat also gar nichts zu erfüllen. Im Übrigen kontrolliert die OSZE das Monitoring zusammen mit den Vertretern Russlands Russlands. Sie verteidigen ihr Argument gegen Russland mit unprobaten Mitteln und Geschichtsklitterungen. Fundiertes Wissen beruht nicht auf der Basis durchschaubarer Narrative.

                    • Stefan Sasse 19. März 2019, 07:28

                      Russland ist keine Kriegspartei in der Ukraine?

                    • Rauschi 19. März 2019, 08:23

                      Offiziell nicht.
                      Eindeutig ist aber die Ukraine Kriegsparteii, warum nochmal brauchen die sich nicht an die Vereinbarungen zu halten?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 10:41

                      Leider auch hier wieder totale Vergesslichkeit. Es ging nicht um die Frage, ob wir die Ukraine als Partner wollen. Es ging um Ihren Vorwurf, warum wir Russland nicht als Partner sehen und Sanktionen verhängen. Da kommt die Ukraine nicht vor.

                    • Rauschi 19. März 2019, 11:03

                      So what?
                      Dann antworten Sie das gefälligst Herrn Popper und nicht nach 5 anderen Antworten mir, Sie Scherzbold.
                      Nein, die Frage war, warum man Russland, im Gegensatz zu allen anderen Ländern auf der Welt, nicht vertrauen kann.
                      Steht irgendwie immer noch im Raum.
                      Welchen Vertrag mit Deutschland haben die denn überhaupt gebrochen?
                      Ist ein Frage des Wollens, nicht des Könnens.

                  • popper 19. März 2019, 08:17

                    Ja, an keiner Stelle und mit keinem Satz wird Russland in den Abkommen als Kriegspartei genannt.

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 10:44

                      … und das ist ein Erfolg der russischen Diplomatie gewesen, denn sämtliche unabhängigen Beobachter sagen genau das Gegenteil: Russland ist sehr stark bis hin mit eigenem Gerät und Personal im Dombrass involviert. Das Abkommen wurde unter Druck vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko akzeptiert, als separatistische Truppenverbände unter gütiger Hilfe Russlands und unter Bruch von Minsk I große Ländegewinne erzielten.

                    • Rauschi 19. März 2019, 11:36

                      Das Abkommen wurde unter Druck vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko akzeptiert,…
                      Druck von wem womit?
                      Ein Abkommen, das ihn so schlecht aussehen lässt, wer hätte denn diesen Druck ausüben sollen? Das personifizierte Böse (Putin) fällt ja aus, womit hätte der auch drohen können?

                    • Stefan Pietsch 19. März 2019, 11:41

                      Lesen Sie einfach noch einmal. Schreiben können Sie ja.

                    • Rauschi 19. März 2019, 13:35

                      Super, sie wissen es selbst nicht merh.
                      Denn entweder Diplomatie oder Druck, beides auf einmal geht nicht.
                      Womit hätte der auch Druck ausüben können?
                      Wenn die Truppen schon soweit vor gerückt wären, gäbe es keinen Grund, das einfach so für ein Stück Papier aus der Hand zu geben und für die Gegenseite keinen Grund, darauf einzugehen, wenn das nicht gewollte wäre.
                      Die haben also auch direkten Zugriff auf die Separatisten gehabt und nicht nur eigene Truppen im Land? Ergibt wenig Sinn, denn wenn ich die Separatisten im Griff habe, warum sollte ich auch noch eigene Leute schicken?
                      Ausser, man ist der Böse, das erklärt dann alles.

                • Stefan Sasse 18. März 2019, 11:26

                  Weil ich nicht sehe, wie einerseits der ominöse Westen und andererseits Russland ihre Interessen so unter einen Hut kriegen.

                  • Rauschi 18. März 2019, 11:30

                    Wie bei allen anderen Ländern, die andere Interessen haben, jeder holt für sich das beste raus.
                    Was ist die Frage? Warum geht das bei China, dessen Interessen mit Sicherheit auch andere sind und soll bei Russland nicht gehen?
                    Können Sie Sich selbst beantworten, wenn Sie mal die „Ekelbrille Russland“ absetzten und pragmatisch denken.

                    • Stefan Sasse 18. März 2019, 18:01

                      Seit wann arbeiten wir denn partnerschaftlich mit China zusammen?! Oder Saudi-Arabien?!

                    • Rauschi 19. März 2019, 08:15

                      Es ging darum, dass Russland nicht als Partner wahrgenommen wird – was schwer ist bei einer Regierung, die sich nicht an Vereinbarungen gebunden fühlt.
                      Wie jetzt, das war dann doch kein Scherz?

                    • Rauschi 19. März 2019, 08:18

                      Also arbeiten wir nicht mit denen zusammen? Was wollen Sie mir eigentlich sagen? Ist es nur Zufall, das wir mit den beiden Nationen Geschäfte machen?
                      Arbeiten wir gegnerisch mit denen zusammen? Normale Zusammenarbeit würde Russland glaube ich auch genügen. Aber Jemand, der von Herrn Pietsch den Vorzug für Saudi Arabien einfach stehen lässt, dem spreche ich einfach mal den Sinn für Massstäbe ab.

              • Erwin Gabriel 19. März 2019, 16:19

                @ Stefan Sasse 17. März 2019, 19:11

                Bin halt skeptisch, ob das je wirklich möglich war.

                Es wäre anmaßend von mir zu behaupten, dass ich es besser wüsste; ich kann hier nur spekulieren.

                Ich glaube, es gab zu Putins Amtsantritt, als er noch relativ unsicher und unerfahren war, ein kleines Zeitfenster, in dem man ihn hätte an Bord holen können. Handelserleichterungen, Investitionen, vielleicht sogar Gespräche über einen Beitritt in EU und Nato (=Einbindung der Militärs). Es scheint Putins ursprünglicher Plan bzw. seine Hoffnung gewesen zu sein.

                Natürlich hat der Westen den Kalten Krieg so vollständig gewonnen, wie man ihn nur gewinnen konnte. Und das mussten die Amerikaner unbedingt in allen Bereichen beweisen – besonders gegen die Russen. Leisere Töne á la Baker und Genscher sowie ein offizielles „Unentschieden“ wäre für die Russen, da ihre Gesellschaft den Bach runter ging, leichter zu akzeptieren gewesen.

                • Stefan Pietsch 19. März 2019, 16:43

                  Ich glaube nicht, dass Putin je dem Westen aufgeschlossen und zugewandt war. So hat er westliches Kapital nur ins Land geholt, wo er sich politischen Nutzen davon versprach. Die Türkei im Allgemeinen und selbst Erdogan haben sich sehr lange bemüht, Anschluss an den Westen zu finden. Bei Putin war dies bis zur Münchner Sicherheitskonferenz 2007 nur eine sehr kurze Zeitspanne.

                  Wir sind alle Kinder unserer Zeit und Putin ist im Kalten Krieg aufgewachsen und sozialisiert worden und hat unter den Bedingungen Karriere gemacht. Zu erwarten, dass aus so einem Kind seiner Zeit ein Libertärer wird, wäre vermessen. Der Mann aus St. Petersburg hat seinem Land wieder ein gewisses Maß an Stabilität verschafft – und ist dabei reich geworden. Die Parallelen zum Venezolaner Chavez sind augenfällig, in einer prosperierenden Phase des Landes, gestärkt durch Einnahmen in einem boomenden Rohstoffmarkt, werden die Grundprobleme einer Gesellschaft nicht angegangen, sondern mit viel Geld verdeckt. Als die Decke weggezogen wird, erfolgt der Machterhalt mit brutalen Mitteln der Diktatur.

                  Politiker werden daran gemessen, was für ein Vermächtnis sie hinterlassen. Ob Putin den Russen ein stabiles Land mit guten Aussichten hinterlässt?

                  • Rauschi 19. März 2019, 20:20

                    Ich glaube nicht, dass Putin je dem Westen aufgeschlossen und zugewandt war.</i<

                    Glauben, mehr haben Sie nicht zu bieten? Ist doch ein bisschen wenig.
                    Sie haben weder Psychologie noch Soziologie studiert, das kann also nur Ihre persönliche Meinung sein.
                    Ich bin anderer Meinung, warum sollte ich dazu weniger Recht haben, als Sie?

                • Stefan Sasse 19. März 2019, 18:52

                  Die Sache ist: selbst wenn er wegen seiner Unerfahrenheit die Nähe des Westens gesucht hätte, so suggerieren alle diese Punkte doch nur, dass es fundamental nicht im Interesse Russlands lag und eine Schwäche vorliegen musste. Was hätte Putin daran gehindert, diese Annäherung (wie er es ja auch IRL tat) wieder rückgängig zu machen?

                  • Rauschi 19. März 2019, 20:24

                    Seltsame Logik.
                    Es gab während des kalten Krieges eine Annäherung, das wäre nach dieser Logik schon mal ausgeschlossen gewesen.
                    Warum es nicht im russischen Interesse sein sollte, sich einen anderen Land oder der EU anzunähern, habe ich immer noch nicht verstanden, gibt es da keine Geschäfte mehr zu machen?
                    Seit wann ist es eine Schwäche, mit anderen zu handeln? Nicht mal die russischen Oligarchen sind so doof, zu glauben, Russland wäre eine Insel und könnte alles allein stemmen.
                    Welche Annäherung hat der jetzt rückgängig gemacht? Muss an mir vorbei gegangen sein.

                    • Stefan Sasse 19. März 2019, 21:12

                      Im Kalten Krieg gab es keine Annäherung in diesem Sinne, es gab ein gegenseitiges Einverständnis, sich nicht in die Luft zu jagen. Das haben wir selbst in der Putin-Eiszeit. Romantisier die Geschichte nicht so.

                    • Rauschi 20. März 2019, 08:25

                      Was war nochmal Ihr Beruf? Irgendwas mit Geschichte? In welchem Sinne gab es keine Annäherung?
                      Die UDSSR hat also der Widervereinigung nicht zugestimmt, das haben wir uns alle herbeihalluziniert, oder wie?
                      Kann sich jemand eine grössere Annäherung vorstellen? Mir fällt gerade keine ein, das ist aber kein Kriterium, anderen fällt sicher anderes ein.
                      Ich romantisiere nichts, rein gar nichts, ich stelle nur Fragen, die Sie mit leeren Phrasen beantworten.
                      Oder woran genau machen Sie das fest?
                      Einfach auf konkret Fragen konkret Antworten geben, ist in der Schule meist auch die beste Lösung.

  • Erwin Gabriel 15. März 2019, 08:34

    Zu 11) Justin Trudeau’s feminist brand is imploding

    Nichts hassen Konservative an der Linken so sehr wie deren moralischen Überlegenheitsanspruch.

    Ganz genau. Nicht die moralische Überlegenheit, sondern die Annahme derselben.

    Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass niemand gerne an seine eigenen Fehler und Schwächen erinnert wird.

    Vielleicht liegt es daran, dass niemand Besserwisserei mag, die nicht auf Fakten, sondern auf Rechthaberei basiert. 🙂

  • Dennis 16. März 2019, 19:04

    Zu 6 hat – glaub ich – noch keiner was gesagt^

    Zitat Stefan Sasse:
    „Es verwirrt mich immer wieder, dass „neoliberal“ im amerikanischen Sprachgebrauch eine andere Bedeutung hat als hierzulande. Während es hier die Klasse jener Reformer meint, die vor allem in den 2000er Jahren den Diskurs bestimmten,……“

    Ganz einverstanden, aber auch hierzulande muss das nicht soooo easy sein. Früher waren das mal die Leute um Walter Eucken, Wilhelm Röpke, Freiburger Schule und so. Is lange her und eh vergessen. An welche angebliche Neuigkeit bei NEO eigentlich jeweils und/oder historisch zu denken ist, ist in der Tat ein ziemliches Verwirrspiel, jeder hat halt so seine eigenen Neuigkeiten, aber politischerseits geht’s ja eh um Sprach- und Sprechstrategie, linguales Framing und so was. Akademische Debatten spielen da eigentlich keine Rolle, gelten sprachpolitisch eher als unprofessionell.

    Linkerseits wird das Ding ja gerne durch pejorative Verwendung abgehandelt. Die Gegenseite bellt dann gerne indigniert „Kampfbegriff“ zurück; nicht ganz unberechtigt, denn in der Tat ist die Etablierung des NL-Wortes als ein Ding, das in die Böse-Kiste gehört, einigermaßen erfolgreich gelungen.

    Indes hat die Linke in dieser Sache eine illustren Verbündeten, mit dem sie ansonsten nitt so viel zu tun haben will:

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article186953166/Seehofer-bedauert-seine-Ruecktrittsankuendigung-2013.html

    So komplex kann Politik sein.

    • Stefan Sasse 17. März 2019, 19:11

      Korrekt, das ist ein reiner Kampfbegriff. Wie „Sozialist“. Auch jeder Bedeutung enthöhlt.

      • popper 18. März 2019, 12:06

        …das ist ein reiner Kampfbegriff.

        Das Wort Kampfbegriff selbst ist, wenn man es genau nimmt, bereits ein Kampfbegriff, mit dem suggeriert wird, daraus ergäbe sich bereits die hinreichende Erkenntnis, jede inhaltliche Zuschreibung sei von vorne herein diskussionsunwürdig. Dabei ist es völlig irrelevant, wie etwas genannt wird, ob Neoliberalismus, Marktgläubigkeit oder sonstwie. Über eine inhaltliche Aussage lässt sich immer reden, egal wie sie sich nennt. Insoweit beruht jede Negation des Neoliberalismus auf einer Weigerung den Inhalt mit Argumenten zu falsifizieren.

        • Stefan Sasse 18. März 2019, 18:04

          Was ich meine: Ein Wort, das nur noch dazu verwendet wird, pejorativ eine Gegnergruppe festzulegen und herabzusetzen.

          • Rauschi 19. März 2019, 08:26

            Ein Wort, das nur noch dazu verwendet wird, pejorativ eine Gegnergruppe festzulegen und herabzusetzen.
            Aha, aber warum lehnen Sie das auf einmal ab? Nach eigenen Aussagen benutzen Sie selbst auch einige Wort rein pejorativ, das kann also nicht der Grund sein, oder?

  • Rauschi 19. März 2019, 13:25

    @S.Sasse und S.Pietsch
    Kurzer Faktencheck zur Einhaltung des Völkerrechts:

    [Der Irakkrieg oder Dritte Golfkrieg (auch Zweiter Irakkrieg) war eine völkerrechtswidrige Militärinvasion der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“ in den Irak. Er begann am 20. März 2003 mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad und führte zur Eroberung der Hauptstadt und zum Sturz des irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein. Am 1. Mai 2003 erklärte US-Präsident George W. Bush den Krieg für siegreich beendet. ]
    https://de.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg
    US Truppen sind immer noch im Irak, der Bruch des Völkerrechts hält also an.
    Dann Syrien:
    [Die internationale Anti-IS-Koalition, an der auch die Bundeswehr mit Aufklärungs- und Tankflugzeugen beteiligt ist, arbeitet mit den von Kurden dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) zusammen. Völkerrechtlich ist das problematisch. Denn: „Anders als die Regierung dürfen Rebellengruppen nicht unterstützt werden“, sagt Thielbörger. „Finanzielle Unterstützung ist ein Verstoß gegen das Interventionsverbot. Eine militärische Beteiligung – etwa durch Waffenlieferungen oder Truppen – ist ein Verstoß gegen das Gewaltverbot.“]
    https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-voelkerrecht-101.html
    US Truppen sind immer noch in Syrien, der Bruch des Völkerrechts hält also an.
    Wenn schon, dann brechen beide das Völkerrecht, oder hat neuerdings Herr Pietsch Recht, wenn ihm hier im Forum niemand widerspricht? Ist er die Messlattte für völkerrechtliche Fragen?
    Experte würde ich meinen, ist er nicht. Was sollte Ihn dann befähigen, etwas ausser einer schlichten Meinungsäusserung dazu beizutragen?

    Soviel zu einem Blog, der meint hier würden seriöse Informationen verbreitet und nicht nur plumpe Propaganda.
    Ich habe gefragt, ob das mal wieder so ein blöder Scherz ist.
    Machen wir jetzt eine Kindergarten auf, damit Herr Pietsch seinen Spass hat oder darf ich mal zur Abwechslung mit einer echten Antwort rechnen?
    Spricht nicht für Herrn Sasse, solche doofen Aussagen als Scherze durchgehen zu lassen. Dann sollte er sich aber nie wider über fake News ereifern, die machen sicher auch nur Scherze.

  • Erwin Gabriel 19. März 2019, 16:35

    @ Rauschi 19. März 2019, 13:25

    Der Irakkrieg oder Dritte Golfkrieg (auch Zweiter Irakkrieg) war eine völkerrechtswidrige Militärinvasion der USA, Großbritanniens und einer „Koalition der Willigen“ in den Irak.

    Ich stimme zu; da hätte man nie reingehen dürfen.

    Wiederum hat sich die Situation nach dem Einmarsch der Koaltition so entwickelt, dass US- bzw. Koalitions-Truppen vor Ort für die Bevölkerung mehr Sicherheit und weniger Gewalt haben, als wären sie rasch abgezogen worden.

    Es gibt dort unten inzwischen kein „richtig“, mehr, sondern, egal was man lässt oder tut, nur noch „falsch“.

    • Rauschi 19. März 2019, 20:30

      Es gibt dort unten inzwischen kein „richtig“, mehr, sondern, egal was man lässt oder tut, nur noch „falsch“.

      Hallo, haben Sie den Zusammenhang nicht mitbekommen?
      Ich habe nur in Bezug auf das Völkerrecht geschrieben, weil Herr Pietsch gemeint hat, die USA würden das Völkerrecht beachten und das kein Scherz war.
      Diese Aussage ist fake news, q.e.d.
      Ja, in dem Fall gibt es nur schwarz/weiss, also Bruch oder kein Bruch, ein dazwischen gibt es nicht.
      Das habe auch nicht ich zu beurteilen, weil das keine Frage meiner Meinung ist, sondern eine Frage des Rechts. Das aber sonst doch die Grundlage schlechthin für Herrn Pietsch ist. In dem Punkt wohl eher nicht.

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