Arbeiter von Amazon wählen Bernie Sanders und verlegen Stockholm nach China, wo Deutsch gesprochen wird – Vermischtes 24.02.2019

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.1) Ein ganzes Land mit Stockholmsyndrom

Ah, richtig! Da ist diese in Deutschland offenbar nahezu quer durch die Parteienlandschaft als systemrelevant eingestufte Branche, deren Vertreter bis heute beklagen, es gebe keine ausreichenden „Innovationsanreize“ für weniger umweltschädliche Antriebstechniken. Die aber extrem innovativ war, was die Entwicklung, den Einbau und die jahrelange Verschleierung von Betrugssystemen angeht. Weil sie nicht innovativ genug war, sich dem aktuellen Regulierungsumfeld anzupassen, hat sie ihr Versagen zu vertuschen versucht. Diese Branche hat ihren Käufern jahrelang in vollem Bewusstsein illegale Ware angedreht. Sie weigert sich bis heute, diesen Sachmangel vollständig auf ihre Kosten zu beseitigen. Ja, sie erlaubt sich sogar, ihre Kunden davor zu warnen, den Fehler von anderen reparieren zu lassen – das wäre nämlich ganz schlecht für die Garantie. Es ist, sorry, atemberaubend. Wie kann es sein, dass dieser gigantische Kriminalfall mit Millionen direkt und Abermillionen indirekt Geschädigten nicht das zentrale Thema ist? Wieso streiten Ärzte mit Forschern, Umweltorganisationen mit Politikern? Wieso gehen all die erbosten Dieselkäufer nicht in Wolfsburg oder Ingolstadt auf die Straße und beschimpfen die Täter? Ich kann mir das nur mit einer Kombination aus Stockholm-Syndrom und einem verwandten Konzept, der „post-purchase rationalisation“ erklären. Letztere ist schnell erklärt – Details bietet das eingangs zitierte Buch: Wer etwas Unnötiges, zu Teures oder Fehlerhaftes gekauft hat, legt sich hinterher womöglich Begründungen zurecht, warum der Kauf trotzdem sinnvoll war. Um kognitive Dissonanz zu reduzieren, denn die ist unangenehm. Niemand gesteht sich gern einen Fehler ein. Im konkreten Fall: Es ist leichter, auf die Deutsche Umwelthilfe, Richter und die WHO sauer zu sein als auf den Automobilhersteller, dem man 30.000 oder 40.000 Euro für ein betrügerisches Produkt ausgehändigt hat. (Christian Stöcker, SpiegelOnline)

Man muss es den Autokonzernen lassen: sie haben es hervorragend verstanden, die Schuld an dem ganzen Debakel auf die Politik abzuwälzen. Und die hat in panischer Schockstarre alle Schuld auf sich genommen, weil das als das kleinere Übel schien, die Konsequenzen ziehen zu müssen. Es ist ein Lehrstück darüber, wie wirtschaftlicher Einfluss auf die Politik tatsächlich funktioniert, jenseits der in manchen Kreisen gepflegten Idee von direkten Schmiergeldzahlungen oder Quid-pro-quo-Absprachen.

Die Sache ist eigentlich viel banaler. Die Autobranche ist in Deutschland eine der stärksten überhaupt; hunderttausende Arbeitsplätze und Milliarden in Steuereinnahmen hängen daran. Jede Entscheidung, die diese beiden Faktoren betrifft, hat riesige Welleneffekte. Kein Wunder tritt die Politik hier lieber leichten Fußes auf und versetzt sich gerne in die Interessen der Branche; ähnlich läuft es etwa in Großbritannien mit der Finanzindustrie. Der Lobbyismus hat es hier leicht, weil eine Art „Selbstzensur“ der Politik vorherrscht, aus völlig nachvollziehbaren und nicht einmal zwingend falschen Motiven. Den Aufschrei möchte man schließlich hören, wenn zweihunderttausend (gut bezahlte) Arbeitsplätze verloren gehen, weil abstrakte NO2-Grenzwerte nicht eingehalten werden.

Aber, und das ist die Kehrseite dieser Medaille, deswegen muss man den Anfängen wehren. Das gilt einerseits für das Vermeiden der riesigen Abhängigkeiten, die man sich geschaffen hat, indem man seine gesamte Volkswirtschaft von der Autoindustrie abhängig macht (ich habe die Auswirkungen hier schon einmal beschrieben), und andererseits dafür, dass eine so offensichtlich mächtige Industrie, die sich nicht um die Regeln kümmern zu müssen glaubt, VORHER härter an die Kandare genommen werden muss. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es zu spät. Die Aufsicht über die Tätigkeiten dieser Konzerne muss früher ansetzen, und dafür braucht es vernünftig ausgestattete und befähigte Behörden.

2) The myth of Bernie Sanders‘ working-class support

Their evidence is the persistent support Sanders amassed during his struggle against Clinton. But there is something eerily familiar about the pattern of Sanders’s support in 2016. Nate Silver, diving into the numbers, finds that about a quarter of Sanders voters were what he calls “Never Hillary” voters. They leaned conservative, and many of them voted for Donald Trump in the general election. Dan Hopkins found something similar in 2016. The Sanders vote closely matched other protest votes against the Democratic Party’s standard-bearer. Sanders cleaned up among the same voters in 2016 that Clinton herself won with eight years before. Both votes represented protests against the Democratic Party by voters who had either left the party or had never been in it in the first place. Sanders 2016, like Clinton 2008, ran up the score in the garbage time of the primary by winning voters who had no real attraction to them. How big a factor was the Never Hillary vote for Sanders?  Pretty big. They made the difference in eight of the states he won, finds Silver. Without that protest vote, the entire narrative of Sanders as the rising voice of the party’s authentic base would never have taken hold. And that basic misreading of the data created the foundation for a flourishing socialist dream that the American white working class is poised to turn against neoliberalism if only presented with a pure and sharp enough critique. Ironically, Sanders supporters have made the same analytic error the Clinton fans made after 2008. They looked at their growing strength among the white working class and saw a future base they could pry away from the GOP, never realizing that the only reason those voters had ever supported them was that they had already lost. (Jonathan Chait, New York Magazine)

Es ist noch wesentlich zu früh, um irgendwelche verlässlichen Prognosen über die Chancen einzelner Kandidaten 2020 zu machen. Es ist möglich, dass Bernie Sanders dieses Jahr deutlich schlechter abschneidet als 2016, es ist möglich dass er ähnlich gut ist (was ihm in diesem Feld einen deutlichen Vorsprung verschaffte) oder sogar dass er Favorit wird. Es ist aber gewinnbringend zu sehen, wo der eigentliche support liegt und welche Wurzeln er hat. Was Chait und Silver hier als „Never Hillary voters“ beschrieben, ist ein ernstzunehmendes Phänomen. Die Republicans hatten so etwas ja auch. Wie viel Stimmen bekam Ted Cruz im Frühjahr 2016 nur dadurch, dass er halt nicht Trump war? Schwer zu sagen.

In diesem Zusammenhang wichtig ist auch, dass die Vorstellung, Sanders sei gewissermaßen ein Held der weißen blue-collar-Arbeiter, eher in den Bereich der Mythen einzuordnen ist. Das ist nicht grundsätzlich problematisch – ich halte die Fixierung auf diese Schicht ohnehin für eine fixe Idee und für den Wahlerfolg der Democrats sekundär -, aber es könnte zu einer Art Verrennen führen, die ironischerweise Hillarys Fehler von 2016 spiegelt: wo sie mit aller Macht versuchte, die weißen (vormals republikanischen) Vororte zu gewinnen (und weniger Erfolg als gewünscht zulasten der Mobilisierung der eigenen Basis hatte) könnte Sanders sich auf etwas einlassen, was bestenfalls ein Nullsummenspiel wird, und wo jedem weißen Arbeiter in Iowa, der für ihn stimmt, eine schwarze Frau in Virginia entgegensteht, die nicht zur Wahl geht.

Erneut: ich rede gerade nur in Hypothesen. Nichts davon muss eintreten. Es sind nur mögliche Gefahrenquellen, die man in die Betrachtung mit einbeziehen muss – und die von allzu simplen Narrativen à la „Bernie Sanders, working class candidate“ überdeckt werden.

3) What is Europe’s place in the Sino-American competition?

Some analysts have argued that Europe and, more specifically, the European Union should strive for some form of geopolitical equidistance in the context of a competitive international environment allegedly dominated by the United States and China, and should also strive for equidistance between those two and another great power that affects Europe directly: Russia. But is this even possible, let alone desirable? For starters, Russia may well constitute a more immediate and explicit threat to U.S. allies and interests in Europe. But it is not in a position to compete in the same global league as the United States or China. It is the Sino-American competition that is likely to provide most states and actors in the international system with the main compass when deciding how to align themselves, and Russia is not exempt from that dilemma. In fact, Russia is perhaps the one European power best positioned to operationalize a strategy of geopolitical equidistance between the United States and China, even if it now appears to be much closer to China. This is because of its equivocal relationship with the West — driven by ideological aversion and security considerations related to its immediate eastern European neighborhood — and its reservations about Chinese power, which poses a direct threat to Russian influence across Eurasia. It is hard to imagine how the European Union could strive for some form of geopolitical equidistance between the United States and China, not least because European integration is largely a by-product of U.S. power in Europe. American power and strategy played a key role in the genesis of the European Community through the Marshall Plan, support for the re-industrialization and re-militarization of West Germany, and the NATO security guarantee. And this is not just ancient history. The United States has also played a critical role in the configuration of today’s European Union, notably through its support of German reunification and eastern enlargement. Today, Central and Eastern European states form an integral part of the European Union, and most of them see their bilateral relationship with the United States as the foundation of their security and political autonomy. (Luis Simon, War on the Rocks)

Dieser lange Artikel ist in Gänze zur Lektüre anempfohlen, aber mir scheint besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass die Idee, Europa könne sich irgendwie unabhängig von den USA positionieren, zum gegenwärtigen Zeitpunkt jeglicher Grundlage entbehrt. Weder gibt es ein sicherheitspolitisches Konzept, das ohne die NATO auskommt, noch hat die EU irgendwie die Institutionen und das politische Gewicht, um eine eigenständige Außenpolitik zu betreiben. Von der wüsste auch niemand, wie sie überhaupt aussehen soll. Bislang definiert sich die außenpolitische Haltung der EU, so überhaupt eine existiert und diese nicht von den einzelnen Mitgliedstaaten verhackstückelt wird, stets komplementär zu der der USA, ob in Zustimmung oder moderierender Ablehnung.

4) Tweet von Steuermythen

Die Situation mit großen Konzernen wie Amazon ist nur noch albern. Während normale mittelständische Unternehmen das Rückgrat der Wirtschaft sind, ob in ihrer volkswirtschaftlichen Funktion oder als Steuerbasis, entziehen sich die Großkonzerne dank Heerscharen von Buchhaltern und Anwälten in ein weltweites, undurchsichtiges Netz aus Briefkastenregistrierungen, Steuersubventionen und Ähnlichem zurück. Das verzerrt den Wettbewerb zugunsten der Monopolisten, und in Amazons Fall auch noch zu einem wahren Netzwerk verschiedenster, integrierter Zweige. Man redet gerne von den Gefahren, die Google und Facebook mit sich bringen, aber der konsistenteste Risikofaktor ist viel mehr die Krake Amazon.

5) Governments of limited vice

The successful countries have regimes that also start from the premise of true human nature which is not virtuous (or at least is not virtuous all the time). They allow vice to flourish but limit its score, both physically (areas where it can be exercised) and “ideally” (activities where it can be done). They allow corruption but call it lobbying and ask that you register. They allow gambling but ask that casinos be located in big, imposing buildings, and that everybody be impeccably dressed and sober. They allow prostitution but ask that prostitutes issue bills and pay taxes. They allow stealing so long as it is done discreetly. But as soon as any one of these vices spills out of its confined area, governments of limited vice crack down on it with all their might. Vices thus never threaten to overwhelm the body public and to spread beyond acceptable limits. People continue functioning on a daily basis as upstanding members of community. Ostensible virtue is projected far and wide. But their actions at work, in family, or at night remain limited to those “acceptable” areas of vice and are never mentioned. They are thus not allowed to “contaminate” the rest. (Milan Brankovich, Global Inequality)

Die Idee eines „sweet spot“ zwischen offener Korruption à la Russland und einem hehren, nie erfüllten Anspruch, ist grundsätzlich nicht doof. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, diesen „sweet spot“ zu finden und zu halten. Denn wann genau der „limited vice“ zu einem sehr grenzenlosen, schädlichen umschlägt, ist nicht sehr leicht zu sehen.

Ironischerweise bietet gerade die katholische Kirche für Beides genug Anschauungsmaterial. Sie war schon immer sehr gut darin, die nach außen als absolut ausgegebenen moralischen Leitlinien für ihre Priester und Gläubigen in der täglichen Praxis mit genug Schlupflöchern zu versehen, vom Ave-Maria-Beten für kleine Sünden bis hin zur Stiftung zur Finanzierung von Unterhaltszahlungen von Priestern. Nur führt dieses System, das die Illusion intakt und das System am Laufen hält, halt auch aus einem falsch verstandenen Toleranzverhältnis zur Deckung sexuellen Missbrauchs.

In der Schweiz etwa, die Brankovich hier als Beispiel nimmt, hat die Deckung von Steuerhinterziehung auch immer wieder ungesunde Züge angenommen, und spätestens beim Verstecken von Nazi-Gold und Verklappen jüdischen Eigentums muss man das „limited“ vor dem „vice“ schon streichen. Diese Balance zu wahren ist nicht gerade einfach, und dadurch, dass sie per definition nicht offen diskutiert werden darf, ist es noch schlimmer.

6) „Die moderne Firma ist eine Diktatur“ (Interview mit Elizabeth Anderson)

ZEIT ONLINE: Warum ist davon so wenig geblieben?

Anderson: Die industrielle Revolution hat die Idee untergraben. Für Adam Smith als Vater des Wirtschaftsliberalismus war es noch unvorstellbar, dass es effizient sein könnte, bestimmte Waren im großen Stil und mit einer riesigen Armee abhängiger Arbeiter zu produzieren. Die Nadelfabrik, die er im Wohlstand der Nationen beschreibt, hat gerade einmal zehn Beschäftigte. Mit der Industrialisierung konzentrierte sich die Produktion in Großunternehmen, die wirtschaftliche Selbstständigkeit wurde damit für viele unerreichbar. Das hat sich allerdings nicht ausreichend in unseren politischen Diskursen abgebildet. Wir reden heute von freien Märkten wie zu Smiths Zeiten und übersehen dabei, was wirklich vor sich geht. Die politische Rhetorik kennt immer nur zwei Alternativen: den freien Markt und die staatliche Kontrolle. Die Firma kommt kaum vor. Dieses Bild verdeckt, dass die meisten Menschen einen Großteil ihrer wachen Stunden unter der Aufsicht dieser kleinen privaten Regierungen verbringen. […]

ZEIT ONLINE: Ökonomisch geantwortet: Je mehr er mir bezahlt, desto mehr Macht darf mein Chef im Gegenzug über mich ausüben.

Anderson: Und warum beobachten wir dann das Gegenteil? Je mehr Macht Unternehmen über einen Mitarbeiter ausüben kann, desto schlechter ist im Prinzip auch die Bezahlung. Die Machtposition des Arbeitgebers drückt beides: den Lohn und die Freiheit der Angestellten. In der Praxis gibt es kein Entweder-oder. 

ZEIT ONLINE: Wie würden Sie die Tyrannei am Arbeitsplatz eindämmen wollen?

Anderson: Für Amerika wäre es an der Zeit, etwas von Ihnen in Deutschland zu lernen. Eine Form gemeinsamen Managements von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wie im deutschen Modell der Mitbestimmung halte ich für sehr sinnvoll. (Zeit)

Die Demokratisierung der Wirtschaft, die Anderson hier anspricht, ist leider eine Idee, die das letzte Mal in den 1970er Jahren ernsthaft verfolgt wurde. Dabei ist sie aus mehreren Gründen ein hoch aktuelles Thema, dem man wieder etwas Aufmerksamkeit schenken sollte.

Einerseits der von Anderson hier im Interview beschriebene Aspekt, dass viele Firmen wie Diktaturen geführt werden, in denen die Arbeitgeber als Tyrannen auftreten, die teils völlig arbiträre Drangsalierungen ausüben können. Das ist aus offensichtlichen Gründen problematisch.

Andererseits, weil eine demokratische Gesellschaft, die täglich für 8 Stunden in eine Diktatur überwechselt, ein grundsätzliches Problem hat. Wir reden über die Demokratisierung von Schule und Universität, aber nie über die der Betriebe. Mehr Demokratie wagen!

Und zuletzt hat das Ganze auch eine für die Unternehmen selbst wertvolle Kontrollfunktion. Betriebsräte etwa können mehr als wertvolle Korrekturen sein, die einerseits auf die Einhaltung der Regeln pochen, andererseits aber (über den Aufsichtsrat) auch unternehmerische Entscheidungen hinterfragen können. Die Arbeitnehmer sind schließlich genauso stakeholder in die Zukunft des Unternehmens wie die Aktionäre.

7) A long war of attrition

Even before Donald Trump entered the Oval Office, the U.S. military and other branches of government were already gearing up for a long-term quasi-war, involving both growing economic and diplomatic pressure on China and a buildup of military forces along that country’s periphery. Since his arrival, such initiatives have escalated into Cold War-style combat by another name, with his administration committed to defeating China in a struggle for global economic, technological, and military supremacy. This includes the president’s much-publicized “trade war” with China, aimed at hobbling that country’s future growth; a techno-war designed to prevent it from overtaking the U.S. in key breakthrough areas of technology; a diplomatic war intended to isolate Beijing and frustrate its grandiose plans for global outreach; a cyber war (largely hidden from public scrutiny); and a range of military measures as well. This may not be war in the traditional sense of the term, but for leaders on both sides, it has the feel of one. […] In other words, there can never be parity between the two countries. The only acceptable status for China is as a distinctly lesser power. To ensure such an outcome, administration officials insist, the U.S. must take action on a daily basis to contain or impede its rise. In previous epochs, as Allison makes clear in his book, this equation — a prevailing power seeking to retain its dominant status and a rising power seeking to overcome its subordinate one — has almost always resulted in conventional conflict. In today’s world, however, where great-power armed combat could possibly end in a nuclear exchange and mutual annihilation, direct military conflict is a distinctly unappealing option for all parties. Instead, governing elites have developed other means of warfare — economic, technological, and covert — to achieve such strategic objectives. Viewed this way, the United States is already in close to full combat mode with respect to China. (Michael T. Clare, Le Monde Diplomatique)

Was wir gegenwärtig erleben ist das Ende der liberalen Weltordnung, daran besteht für mich immer weniger Zweifel. In den 2000er Jahren war permanent die Rede davon, wie die Globalisierung und der damit einhergehende Standortwettbewerb gut für die Wirtschaft ist, weil er Innovationsdruck schafft und nur die Besten überleben, und wie – Ricardo reloaded – die internationale Arbeitsteilung den Wohlstand steigert. Und das war nicht einmal zwingend falsch.

Nur zeigt sich, dass die Bevölkerungen nicht endlos bereit sind, die negativen Folgen auf sich zu nehmen – eine Hauptquelle für das Ressentiment, an dem sich etwa die Populisten von rechts wie links bedienen, wobei die von rechts es effektiver tun – und dass die Nationalstaaten nicht bereit sind, die Konsequenz zu akzeptieren, dass andere Länder Marktführer in Branchen werden, in denen man es selbst gerne wäre oder in denen man sich nicht von anderen abhängig machen möchte.

Und da sind wir wieder bei Fundstück 3): Wo besteht etwa Europas Rolle in dieser Problematik? Ich sehe den einzig vernünftigen Ausweg aus diesem Dilemma in einer Rückkehr zum Prä-1990-Modell der Wirtschaftsblöcke, in dem Fall mit Nordamerika und teilweise den Pazifikstaaten. Aber mit dem Untergang von TTIP und TPP haben wir uns diese Türen selbst vor der Nase zugeschlagen. Immerhin ist die EU nicht in einer ganz so bescheuerten Situation wie Großbritannien; die haben nach dem Brexit einen Platz in der ersten Reihe, um die Auswirkungen dieser Dynamiken als hilfloses Opfer beobachten zu können.

8) Zweierlei Maß

Es gibt immer einmal wieder den schlechten Eindruck, dass die Polizei bei Vorwürfen gegen ihre eigenen Kollegen nur halbherzig ermittelt oder dass sie mauert. Jetzt ist dies kein schlechter Eindruck mehr, im Fall der Bundespolizei ist es von nun an eine Tatsache. Das Mauern kommt sozusagen mit Ansage; diese Ansage hat die Form einer druckfrischen Dienstvereinbarung aus dem Bundesinnenministerium. Dort steht: Mehr als 20 000 Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei werden mit Bodycams ausgerüstet, kleinen Kameras also, die in Dauerschleife alle Menschen filmen, mit denen diese Beamten zu tun haben. Zur Beweissicherung. Aber: Erhebt umgekehrt einmal ein Bürger einen Vorwurf gegen die Beamten – wegen eines Übergriffs etwa oder eines rassistischen Spruchs -, dann dürfen diese Aufnahmen nicht verwendet werden. Die Aufnahmen sind dem Bereich der internen Ermittlungen „entzogen“, so heißt es in der Dienstvereinbarung. So verhalten sich Beamte, die den Rechtsstaat als ihr persönliches Gut betrachten. So verhalten sich Beamte, die meinen, an sich selbst andere Maßstäbe anlegen zu dürfen. Das lässt tief blicken. Wer eine Überprüfung durch den Rechtsstaat derart scheut, der ist nicht geeignet, für Vertrauen in diesen Rechtsstaat zu werben. (Ronen Steinke, SZ)

Die deutsche Polizei ist notorisch schlecht, wenn es um ihre eigene Verantwortlichkeit geht. Was es hier bräuchte wäre eine wesentlich stärkere Aufsicht, die stets beliebte „innere Abteilung“, und ein stärkeres Verantwortungs- und Dienstgefühl gegenüber den Bürgern. Die Polizei definiert für sich nur allzugerne einen Zuständigkeitsbereich, innerhalb dessen sie allein entscheidet, was angemessen und richtig ist. Das geht nie gut, egal in welchem Bereich. Aufsicht tut not.

9) Das ist alles Lebenszeit

Es beginnt mit einem Geständnis: Ich habe den neuen Roman von Michel Houellebecq nicht gelesen, und ich werde es auch nicht tun. Schon seine letzten Bücher waren nichtssagende Thesenromane, stilistisch allenfalls mittelmäßig. Die Strategie, Versatzstücke unappetitlicher Ideologien anzudeuten, um sich dann hinter fiktiven Figuren zu verstecken, aus deren toten Augen der reale Autor ständig ironisch zu blinzeln scheint, besaß, wenn überhaupt, um die Jahrtausendwende noch ein mildes Irritationspotenzial. Die Figur des Provokateurs, dessen Spiel mit dem Hässlichen und Verbotenen einen wohligen Grusel erzeugt, ist schlecht gealtert, sie diente vielleicht schon damals vor allem dazu, sich gefahrlos am Habitus intellektueller Verdorbenheit zu beteiligen. Dazu gehört auch die öde Drastik trauriger Sexualität. Spätestens nach der dritten Wiederholung wirkt sie verstaubt und beflissen. Trotzdem wird der neue Houellebecq mit deprimierender Verlässlichkeit verkauft, gelesen, besprochen – kontrovers zwar, aber immer auch mit dem unterschwelligen Enthusiasmus über einen Autor, der Kontroversen zu erzeugen vermag. Es handelt sich um einen Fall, in dem die Tyrannei des Konzepts Skandalautor besonders augenfällig wird. Man liest den neuen Roman dieses Autors eben nicht nur in der Hoffnung auf ein gutes Buch, sondern vor allem, weil die Lektüre eine Eintrittskarte zu dem Gespräch ist, das mit Sicherheit über dieses Buch geführt werden wird. Man liest, um mitreden zu können, und ist dann verärgert über den Energieverlust, der damit einhergeht. […] Eine Möglichkeit, sich diesen Mechanismen zu entziehen, wäre die ostentative Nichtlektüre, ein offenes Eingeständnis, dass man ein Buch nicht lesen wird. Der Provokation, die unsere Lesezeit beansprucht, wird die Provokation des Nichtlesens als Verweigerung dieser Zeit entgegengestellt. Eine solche strategische Indifferenz wäre eine Möglichkeit, die Herrschaft darüber zurückzugewinnen, welche Bücher man lesen und welchen man Aufmerksamkeit schenken möchte. […] Der Habitus der Allbelesenheit wird dann ersetzt durch einen Habitus des informierten Nichtlesens. Es handelt sich um eine Kulturtechnik, die etwa im Rahmen der politischen Revision des Kanons bereits – wenn auch oft unausgesprochen – praktiziert wird. (Johannes Franzen, Zeit)

In diesem Artikel sind einige sehr gute Punkte aufgelistet. Mein eigenes größtes Problem beim Lesen ist die fixe Idee, man müsse jedes Buch zu Ende gelesen haben. Die Bücher in meiner alljährlichen Leseliste sind ja nicht immer solche, die ich unbedingt mit dem größten Genuss gelesen habe und bedingungslos weiterempfehlen kann. Trotzdem habe ich mich häufig durchgequält. Das ist eigentlich ja nicht nötig. Genauso kann ich informiert über ein Buch sprechen, das ich gar nicht gelesen habe, zumindest insofern, als dass ich begründen kann, warum ich es nicht lesen will.

Diese Thematik ist am Auffälligsten etwa bei solchen Machwerken wie Sarrazins Schmierereien; Sarrazin nutzte „Sie haben mein Buch ja gar nicht gelesen!“ immer als Argumentationsknüppel, der auch viel zu häufig akzeptiert wurde. Als ob ich Sarrazin lesen müsste, um ihn zu kritisieren! Meine Ablehnung seiner Thesen kann ich aus einem seiner Interviews begründen, ich brauche keine 300 Seiten krude Vulgär-Genetik zu überstehen. Genauso habe ich etwa 2012 Manfred Spitzers Machwerk gelesen, in der irrigen Annahme, dies tun zu müssen um ihn fundiert kritisieren zu können. Verschwendete Lebenszeit, in der ich lieber ein gutes Buch gelesen hätte.

10) Der Frauenhass ist gar nicht eingewandert

Wissen Sie noch, damals, als Deutschland ein feministisches Paradies war, wo Frauen und Männer einander ausnahmslos verstanden, liebten und ehrten, wo sie gleich viel verdienten und nie eine Frau ermordet wurde, weil sie einen Mann abgewiesen hatte? Damals, bevor die vielen jungen muslimischen Männer kamen? Nein, weiß ich auch nicht mehr. […] Jede linke Feministin kennt diesen Vorwurf, sie würde sich nicht hinreichend um die Probleme kümmern, die durch geflüchtete Männer verursacht werden. Wann immer einer dieser Männer gewalttätig gegen Frauen wird, schreiben mir Leute, die fragen, warum ich über diesen bestimmten Fall nicht längst geschrieben habe und ob ich ihn unter den Teppich kehren will. Im Eifer des Gefechts vergessen sie, dass in Deutschland jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wird. Es gibt ein massives Problem mit Gewalt gegen Frauen in Deutschland, aber die meisten dieser Fälle werden nur dann öffentlich diskutiert, wenn der Täter einen Migrationshintergrund hatte und damit gutes Propagandamaterial für Rassisten und Rassistinnen darstellt. […] Wenn Sie bisher nicht mitbekommen haben, wie viele Frauen in Österreich seit Jahresbeginn ermordet wurden, dann könnte es daran liegen, dass es immer noch als „Familiendrama“ oder „Beziehungsdrama“ gilt, wenn ein weißer Mann seine (Ex-)Partnerin oder Schwester tötet. Es wäre die Traumvorstellung vieler weißer deutscher Männer, wenn linke Feministinnen sich hauptsächlich um „eingewanderte frauenfeindliche Wertesysteme“ kümmern würden, und nicht um die hier seit Ewigkeiten ansässigen Frauenfeinde. Wie praktisch es wäre, wenn wir dabei helfen würden, so zu tun, als sei aller Sexismus (und Antisemitismus) erst 2015 nach Deutschland gekommen. (Margarete Stokowski, SpiegelOnline)

Dieser Vorwurf ist tatsächlich sehr beliebt, und Stokowski identifiziert auch problemlos den Grund, warum er das ist. Er speist sich aus derselben Quelle, aus der Leute, die absolut nicht ausländerfeindlich sind, plötzlich ihre Liebe zu den Obdachlosen entdecken, die man ja alle finanzieren könnte, wenn nur die Flüchtlinge (gegen die man natürlich persönlich nichts hat) nicht wären. Es ist vorgeschoben, eine Möglichkeit, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Und das ist hier dasselbe: da entdecken plötzlich Leute eine tiefe Sorge vor häuslicher Gewalt, die ansonsten in aggressivsten Tönen verleugnen würden, dass es ein Problem in Deutschland gibt.

11) Ich will nicht mehr, dass Menschen verstummen

Meine Mutter hatte beschlossen, mich in ihrer Muttersprache zu erziehen: Türkisch. Das war keine Entscheidung aus Bequemlichkeit –meine Eltern sprechen beide Deutsch, wenn auch nicht so gut wie Türkisch – sondern zu meinem Wohle: „Ich dachte, dass es wichtig ist, dass ein Kind erst mal eine Sprache gut beherrscht“, sagt sie. Heute bestätigen Kognitions- und Sprachwissenschaftler*innen das, was meine Mutter damals instinktiv ahnte: Sie raten Migrant*innen, mit ihren Kinder nicht unbedingt Deutsch, sondern ihre Familiensprache zu sprechen. Gila Hoppenstedt vom German Institute for Immersive Learning (GIFIL) begründet das damit, dass die Muttersprache der Schlüssel für die zweite Sprache sei. Die erste Sprache forme kognitive Voraussetzungen, um Inhalte zu verstehen und zu verarbeiten. Darauf können wir immer wieder zurückgreifen, auch wenn wir eine neue Sprache lernen. Das Gegenteil könne im schlimmsten Falle dazu führen, dass sich die muttersprachlichen Kenntnisse der Kinder verschlechtern, während sich ihre Deutschkenntnisse auch nicht verbessern, meint Natalia Gagarina vom Berliner Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft. […] Dabei ist Bilingualität weltweit keine Seltenheit. Mehr als die Hälfte der Menschen sprechen zwei Sprachen, Schätzungen schwanken zwischen 60 und 75 Prozent. Und wie auch in Deutschland ist Muttersprache an vielen Orten der Welt politisch. Dass ich mit einer Sprache aufwachsen durfte, die meine nächsten Bezugspersonen so gut beherrschten, dass der Austausch sie nicht aus Anstrengung zerrieb, sie ihren Kindern die Welt begrifflich erfahrbar machen konnten, um sie gemeinsam zu begreifen, ist nicht selbstverständlich. Die Familiensprache meines Vaters war einst Kurdisch, bis sie durch staatliche Repression von der türkischen Dominanzkultur verdrängt wurde. Noch heute gibt es viele, vor allem ältere Menschen in kurdischen Städten Südostanatoliens, die kein Türkisch sprechen können. Doch in den öffentlichen Behörden, Krankenhäusern und Schulen wird Türkisch gesprochen, das Kurdische wird als Bedrohung wahrgenommen. Diese Menschen verstummen in einem Raum, der ihnen zuvor Schutz bot. Mit Sprache beziehen wir uns zur Welt und erlangen zugleich die Fähigkeit, von uns selbst Abstand zu nehmen, uns selbst zum Gegenstand unserer Worte zu machen, ein Ich zu werden. Was bleibt, wenn uns das genommen wird? (Seyda Kurt, ze.tt)

Zwei Punkte hierzu. Einerseits bleibt es für mich faszinierend, wie wenig eine Diskussion („in Deutschland soll Deutsch gesprochen werden“, „Deutsch ins Grundgesetz“), die ein solcher Dauerbrenner ist, auf Fakten beruht. In der Öffentlichkeit gibt es eine instinktive Abneigung dagegen, wenn als niederrangig wahrgenommene Sprachen (alles aus Süd- oder Osteuropa) gesprochen wird (eine solche Ablehnung erfahren Englisch oder Französisch nicht). Politiker entblöden sich nicht zu fordern, dass „zuhause Deutsch gesprochen werden soll“, ohne dass man einmal einen Sprachwissenschaftler fagt, ob das überhaupt sinnvoll ist. Wie so oft in der Integrationsdebatte ersetzt das gesunde Volksempfinden Verstand und Empirie.

Auf der anderen Seite ist ebenso auffällig, wie viele Staaten die offizielle Sprache als Waffe verwenden. Es ist deswegen auch gefährlich, offizielle Sprachen auf diese Art festzuschreiben, ob Deutsch ins Grundgesetz oder Englisch in die US-Verfassung (beides wird von Konservativen regelmäßig gefordert). Diktaturen wie die Sowjetunion oder heutige autoritäre Staaten wie Russland oder die Türkei nutzen die „offiziellen“ Sprachen schon lange und erfolgreich als Waffe im Kampf gegen ethnische Minderheiten. Als Integrationsmittel hat das noch nie fungiert; die Ausgrenzung ist ja gerade das Ziel. Wir sehen das ja auch in Deutschland: die Sprachkenntnisse mögen eine notwendige Bedingung für Integration sein, eine hinreichende sind sie keinesfalls. Und wer sich integrieren will, der lernt die Sprache eh – auch ohne staatliche Gängelung.

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  • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 10:54

    ad 1) Ein ganzes Land mit Stockholmsyndrom
    kombiniert mit
    6) „Die moderne Firma ist eine Diktatur“ (Interview mit Elizabeth Anderson)

    Der demokratisierteste Großkonzern in Deutschland ist VW, jenes Unternehmen, dass am betrügerischten handelte, wo Betriebsräte sich mit Prostituierten bestechen ließen, wo die Arbeitsleistung der Einheimischen niedrig und das Gehalt hoch und wo andere Tochtergesellschaften das Geld verdienen müssen, das in Wolfsburg ausgegeben werden kann. Es ist der Konzern, der traditionsreiche Mittelständler schluckt und in ihrem Markengehalt vernichtet.

    Andere staatliche und halbstaatliche Konzerne wie Deutsche Bahn und Deutsche Telekom stehen neben diesen Aspekten auch für verpasste Chancen, miserablen Service bei hohen Preisen und Funktionsunfähigkeit. Wer da schreit: „Mehr davon!“, dem ist auch wirklich alles egal.

    In Betriebsräten sitzen schon heute viele Loser, solche, die sich in derartige Positionen flüchten, um nicht gekündigt zu werden. Es sind überproportional Arbeitnehmer, die wenig andere Möglichkeiten haben und deswegen in besonderem Maße erpressbar und bestechlich sind. Wer aber die Geschicke eines Unternehmens mitbestimmen will, muss auch für mehr haften als seinen Arbeitsplatz: mit seinem Eigentum, mit seiner Existenz.

    Erst dann werden Entscheidungen im Interesse des Unternehmens und nicht des eigenen Geldbeutels und / oder des eigenen Arbeitsplatzes getroffen.

    • Ralf 24. Februar 2019, 15:44

      Der demokratisierteste Großkonzern in Deutschland ist VW, jenes Unternehmen, dass am betrügerischten handelte, wo Betriebsräte sich mit Prostituierten bestechen ließen, wo die Arbeitsleistung der Einheimischen niedrig und das Gehalt hoch und wo andere Tochtergesellschaften das Geld verdienen müssen, das in Wolfsburg ausgegeben werden kann. […]

      Andere staatliche und halbstaatliche Konzerne wie Deutsche Bahn und Deutsche Telekom stehen neben diesen Aspekten auch für verpasste Chancen, miserablen Service bei hohen Preisen und Funktionsunfähigkeit. Wer da schreit: „Mehr davon!“, dem ist auch wirklich alles egal.

      Sie machen hier wie so oft den Fehler sich Einzelbeispiele herauszupicken, die mit Ihrer ideologischen Sicht kongruent sind. Es wäre so einfach Gegenbeispiele zu finden. Unternehmen, die nicht für Demokratie und Mitbestimmung, sondern für Raubtierkapitalismus pur stehen, nehmen wir die Deutsche Bank, und die seit Jahren in einem Sumpf aus Korruption und Verbrechen versinken. Und dazu noch (oder deswegen) in einer Spirale wirtschaftlichen Abstiegs stecken.

      Die wirkliche Frage ist, wie repräsentativ diese Beispiele sind. Ob Deutschland mit dem System der Mitbestimmung insgesamt schlecht gefahren ist. Wenn wir den Erfolg der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren mal zur Grundlage der Beantwortung dieser Frage nehmen, dann muss wohl konstatiert werden, dass die Mitbestimmung zumindest nicht signifikant hinderlich gewesen sein kann. Und möglicherweise lässt sich sogar ein Argument daraus drehen, dass hierin vielleicht zu einem Teil auch ein Mitgrund unseres Erfolges steckt.

      • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 16:27

        Wieso Einzelfälle? Ich habe gerade mal die prominentesten Unternehmen mit staatlichem Einfluss genommen. Vielleicht können Sie mir ein solches Unternehmen nennen, dass für Innovationskraft steht. Die Deutsche Post AG ist ein Unternehmen, dass sein staatlich eingeräumtes Monopol für permanente Preiserhöhungen in einem gesättigten Markt mit Produkten ohne Innovationspotential ausnutzt, um in dynamischeren Märkten private Konkurrenten ohne Monopolprivileg aus dem Weg zu räumen.

        Natürlich gibt es Unternehmen, die sich in Krisen befinden. Das ist das Wesen von Marktwirtschaft. Mitbestimmung und Betriebsräte haben meiner Erinnerung nach nie einen erkennbaren Beitrag zur Sanierung geleistet. Und woran machen Sie fest, dass das Modell der deutschen Mitbestimmung ein Erfolgsmodell sei? Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden Mittelständler, wo die Mitbestimmung einen eher untergeordneten Einfluss und Gewerkschaften noch weniger haben. Gemessen an den Ansprüchen bei der Einführung ist es kein Erfolgsmodell, kein anderes Land hat es übernommen und viele Unternehmen wehren sich sehr lange gegen mehr Mitbestimmung – was sie kaum tun würden, wären mitbestimmende Betriebsräte ein Win-Win für beide Seiten.

        Ich sag‘ Ihnen, wo Betriebsräte nützlich sind: wenn Sie eine Restrukturierung machen müssen. Haben Sie entweder vernünftige Leute auf der Gegenseite oder genügend Drohkulisse, lassen sich betriebsbedingte Kündigungen manchmal – nicht immer – leichter organisieren. Ansonsten habe ich es nie erlebt, dass Management oder Eigentümer Betriebsräte als Bereicherung erlebt haben.

        • Ralf 24. Februar 2019, 16:47

          Dass Management und Eigentümer Betriebsräte nicht mögen, ist schon logisch. Wer teilt schon gerne Macht oder lässt sich gerne in der Entscheidungsfreiheit einschränken? Freiwillig wohl keiner. Gäbe es bei Management und Eigentümern große Begeisterung für Betriebsräte, würde mich das ziemlich ratlos zurücklassen.

          Aber wenn die Mitbestimmung wirklich einen entscheidenden wirtschaftlichen Nachteil darstellt, wieso sind deutsche Unternehmen im Durchschnitt international dann so erfolgreich? Auf der anderen Seite erscheint es mir plausibel, dass eine Arbeitnehmervertretung konfliktentschärfend wirkt und letztlich für zufriedenere Angestellte sorgt. Und das wäre ja zunächst einmal ein Plus für einen Betrieb.

          • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 17:45

            Es ist keine Kunst, eine Maßnahme umzusetzen, die eine Seite zufrieden stellt. Das Argument für die Mitbestimmung ist ja ein anderes, nämlich dass es beiden Seiten Vorteile verschafft. Nur, was soll ich eigentlich erwarten, wenn im Betrieb vor allem jene mitreden, die eher einfache Ausbildungen genossen haben und andere, die eigentlich nur mitmachen, weil sie aufgrund Minderleistung oder besonderer „Konfliktfähigkeit“ sich um einen Posten beworben haben, den junge, ambitionierte Mitarbeiter ablehnen, weil er ein Karrierekiller ist? Dem Anspruch, die Besten an die Spitze, wird eine solche Unternehmensführung mit Sicherheit nicht gerecht.

            Wir hatten gerade Betriebsversammlung. Meine Enttäuschung war riesengroß. Ein so lahmer Haufen, keine Fragen, kein Engagement, Feigheit, selbst zu reden. Da ist jede Hauptversammlung interessanter. Und genau das ist das typische Bild von Betriebsversammlungen, die ich in den Jahren im Bereich von Verdi, IG Metall und IG Chemie erlebt habe. Den meisten Trouble macht noch der Gewerkschaftsvertreter, der nicht selten bar jeder Kenntnis über die spezifischen Belange des Unternehmens Klassenkampfreden schwingt, der Betriebsrat, der Fragen an das Management verliest, die dergestalt sind, warum nicht immer die Sonne scheint und eine Belegschaft, welche das bezahlte Nichtstun genießt.

            Deutschlands Rückgrat sind alte Unternehmen, nicht zu vergleichen mit der Dynamik im Silicon Valley oder in China. Und Deutschlands Start-up-Szene koppelt sich vor allem an bestehende Branchen an. Interessant, aber Begeisterung sieht anders aus. Und die Gewerkschaften befassen sich nur noch mit Fragen, wann ihre Leute endlich in Rente gehen können und machen Druck auf die Politik, dass jeder Arbeitnehmer seine Arbeitszeit und Arbeitsort selbst bestimmen kann.

            Erfolg sieht für mich anders aus.

            • Ralf 24. Februar 2019, 21:01

              Ich bin nicht so sehr verwundert, dass es nicht die „Top-Arbeitskräfte“ sind, die sich beim Betriebsrat engagieren. Und ich nehme auch stark an, dass das nicht in Ihrem Sinne wäre, wenn die das täten. Stellen Sie sich vor die Top-Ingenieure bei Mercedes würden anstatt das Elektroauto der Zukunft zu entwickeln, ihre Zeit im Betriebsrat einsetzen. Wäre das das Beste für das Unternehmen? Und brauchen Sie im Betriebsrat unbedingt die Mega-Überflieger, um die Interessen der Belegschaft zu repräsentieren? Per Definition sind die meisten Menschen, auch die meisten Angestellten, durchschnittlich begabt. Und diese durchschnittlich Begabten finden Sie dann in den entsprechenden Rollen. Was ist falsch daran? Ja, das sind dann nicht die geschliffenen Redner oder Fachspezialisten. Aber das heißt nicht, dass die nicht trotzdem mit Herzblut und Engagement bei der Sache sein können. Dass es auch schwarze Schafe gibt, glaube ich Ihnen dabei unbesehen. Die gibt es immer. Dass im Betriebsrat aber pauschal nur faule Totalversager und Störenfriede arbeiten, nehme ich Ihnen allerdings nicht ab. Da finde ich es plausibler, dass so manche Sorge, die die Angestellten quält, für das Management wenig Relevanz hat und deshalb der Arbeit des Betriebsrats wenig Bedeutung beigemessen wird. Vielleicht ist gerade deshalb Repräsentation auf Augenhöhe ein wichtiges Gut.

              • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:54

                @ Ralf 24. Februar 2019, 21:01

                Und brauchen Sie im Betriebsrat unbedingt die Mega-Überflieger, um die Interessen der Belegschaft zu repräsentieren?

                Mega genug,m um zu verstehen, was in einem Unternehmen passiert, und wie sich Entscheidungen auswirken.

                Dass im Betriebsrat aber pauschal nur faule Totalversager und Störenfriede arbeiten …

                Du hast „Wichtigtuer“ vergessen… 🙂

                Nein, es sind nicht alle so, und einige sind sehr engagiert und verstehen genug, um auch mal einem impulsiven Chef den Kopf geradezurücken. Aber es sind eben viele so.

                Da finde ich es plausibler, dass so manche Sorge, die die Angestellten quält, für das Management wenig Relevanz hat und deshalb der Arbeit des Betriebsrats wenig Bedeutung beigemessen wird. Vielleicht ist gerade deshalb Repräsentation auf Augenhöhe ein wichtiges Gut.

                Unbestreitbar richtig. Aus diesem Grund wünsche ich mir auch nicht, dass der Betriebsrat abgeschafft wird. Aber ich würde mir nur wünschen, dsas da nicht so viele Luschen rumhängen würden, die in erster Linie den Selbstschutz im Kopf haben. Und ja, das denke ich auch über die eine oder andere Führungskraft.

                • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:39

                  Ich will ja im Endeffekt auf eine Qualitätssteigerung der BRs raus. Aber das braucht auch die Arbeitgeberseite: wenn ich den BR nur als lästiges Ding sehe das mir das Gesetz vorsetzt, bin ich super zufrieden damit, wenn da langweilige Luschen drin hocken. Ich muss den BR halt als eine Institution begreifen, die es ebenfalls zu fördern und mit der es ordentlich zu arbeiten gilt. Dann steigt auch automatisch der Anspruch an die Leute darin, und damit kriegst du bessere und engagiertere Leute. Luschen hast du immer und überall, in jeder Position.

                  • CitizenK 25. Februar 2019, 07:46

                    In französischen Unternehmen herrscht noch weitgehend eine „Patron“-(Un-)Kultur. Bei großen Problemen gehen die nicht zum Betriebsrat, sondern auf die Straße und/oder kidnappen Manager oder jagen sie über Zäune.

                    Von französischen Soziologen lese ich immer wieder, dass sie sich eine Sozialpartnerschaft-Kultur wie in Deutschland wünschen. Wäre wahrscheinlich gut auch für Europa.

                    • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 10:13

                      Absolut! Und die deutsche Kultur brauch eine Injektion in den Arm, quasi.

                • Hias 26. Februar 2019, 06:27

                  Unbestreitbar richtig. Aus diesem Grund wünsche ich mir auch nicht, dass der Betriebsrat abgeschafft wird. Aber ich würde mir nur wünschen, dsas da nicht so viele Luschen rumhängen würden, die in erster Linie den Selbstschutz im Kopf haben. Und ja, das denke ich auch über die eine oder andere Führungskraft.

                  Tja, die Sache ist ganz einfach. Jedes Unternehmen hat die Betriebsräte, die es verdient. Wer will, dass die guten Leute in den Betriebsrat gewählt werden, muss sich halt auf viel (Überzeugungs-)Arbeit gefasst machen. Das ist meistens dann doch zuviel Arbeit, daher wird gerne mal versucht, den Betriebsrat klein zu halten und mit relativ unwichtigen Themen zu beschäftigen. Und das merkt auch die Belegschaft. Und das wirkt sich auch auf die Kandidaturen und die Wahlen aus.

                  • Stefan Sasse 26. Februar 2019, 07:23

                    Genau mein Punkt. Arbeitgeber müssen da auch ihren Teil leisten.

          • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:16

            @ Ralf 24. Februar 2019, 16:47

            Dass Management und Eigentümer Betriebsräte nicht mögen, ist schon logisch. Wer teilt schon gerne Macht oder lässt sich gerne in der Entscheidungsfreiheit einschränken?

            Das würde ich so nicht verallgemeinern. Es gibt so viele Situationen, in denen es nicht nur zwei mögliche Lösungen – eine gute und eine schlechte – gibt, wo man sich den Rat (und bei unangenehmen Entscheidungen die Rückendeckung) eines guten Betriebsrats holt.

            Was ich aber allerorten häufig bzw. in großer Zahl gesehen habe, sind BR-Mitglieder, die faul und bequem sind, und hier einen Weg gefunden haben, sich wegzuducken. Gilt nicht für jedes BR-Mitglied, aber für sehr viele; gilt ausnahmslos für jeden Betriebsrat, den ich kennenlernen durfte.

            Was ich auch oft gesehen habe, ist, dass der Betriebsrat, um als Wirkkraft bzw. Schutzmacht für seine Schäfchen sichtbar zu bleiben, über ein gesundes Ziel hinausschießt. Sicherlich, man kann alles besser machen, aber oft macht man ein funktionierendes System eben auch schlechter, oder intensiviert die Bürokratie.

        • Cimourdain 25. Februar 2019, 22:45

          „Vielleicht können Sie mir ein solches Unternehmen nennen, dass für Innovationskraft steht.“
          Jede Menge Universitäten, Museen und Theater – letztere für konservativen Geschmack nicht selten zu innovativ.
          Und Städtische Versorgungsbetriebe mögen zwar nicht besonders innovativ sein, aber sie liefern zuverlässig die Dienstleistungen, die der Kunde benötigt. – ein Hinweis darauf, dass die „Staatsmonopolbetriebe“ DB AG, Post AG und Telekom AG ihre Dysfunktionalität eher ihrem Monopol bzw ihrer Vormachtstellung als dem Staatsanteil verdanken.

          • Stefan Sasse 26. Februar 2019, 07:21

            Nicht zu vergessen dass diese Disfunktionalität auch auf widersprüchlichen Mandaten und unklaren Zuständigkeiten beruhen mag.

          • Stefan Pietsch 26. Februar 2019, 09:07

            Tja, da bestätigen Sie ja (wahrscheinlich ungewollt) alles. Der Staat hat sein Metier als Mäzen, als Verantwortlicher für Ausbildung und Forschung, aber als Unternehmer ist er ein Totalversager. Leider beschränkt er sich nicht auf das, was er kann, sondern will das, was er nicht kann.

            Sie konnten kein wirtschaftliches Unternehmen aufzählen, dass mehrheitlich in Staatsbesitz oder Staatseinfluss steht und als innovativ gilt. Und das nach Tagen des Überlegens. Damit haben Sie alles erklärt.

            • Cimourdain 26. Februar 2019, 19:49

              Betriebe der öffentlichen Hand sollen in der Regel nicht gewinnorientiert nach neuen Produkten suchen, sondern die Versorgung sicherstellen. Wenn dies die Versorgung mit Wissenschaft oder Kultur betrifft ( beides Bereiche, wo Innovation vorteilhaft ist und Gewinnorientietung eine Einschränkung darstellt ), kann er innovativ sein – ohne den Zwang zu haben damit Geld zu verdienen.
              Wenn es um dagegen gewinnorientiertes Handeln der öffentlichen Hand geht, gibt es andere erfolgreiche Beispiele: Sparkassen, Staatsforsten, Flughafenbetreibergesellschaften, Lotteriegesellschaften etc..

              • Stefan Pietsch 26. Februar 2019, 20:57

                Sie finden Sparkassen, Staatsforste, Flughafengesellschaften und Lotterien innovativ und servicefreundlich? Machen Bet & Win tatsächlich einen schlechteren Job als die staatliche Lotterie oder sind sie mit ihren Produkten nicht eher innovativ und nah an den Bedürfnissen der Kunden? Wenn ich die Werbeclips der Privaten sehe, wenn ich auf die Homepage gehe, habe ich tatsächlich manchmal Lust zu wetten. Solche Impulse habe ich in der Lottoannahmestelle nicht – obwohl ich traditionell Lotto spiele.

                Sie meinen echt, es sei eine Qual, Gewinn machen zu müssen? Stimmt, manchmal komme ich abends um 9 oder 10 ins Hotel oder nach Hause, wo ich als Beamter oder Beschäftigter eines staatlichen Unternehmens bereits um 5 wäre. Die Qual halt des Gewinnmachens… Augenroll

                Tatsächlich verdienen Sie in privaten Unternehmen nichts, wenn sie schlafen, sich nichts einfallen lassen, Kundeninteressen unberücksichtigt lassen. Ein Staatsdiener kann dies ungestraft, der Steuerzahler springt ja ein.

                Ein Unternehmen für Ingenieurdienstleistungen – ein Markt, wo sich sehr profitabel wirtschaften und gute Gewinne machen lassen – war bis Ende des letzten Jahrtausends inhabergeführt. Nach einer Übergangsphase wurde es von einem großen Energieerzeuger in Mannheim übernommen. Das im Staatsbesitz befindliche Unternehmen schaffte es nie, seine Neuerwerbung profitabel zu machen, Jahr für Jahr vielen wahnwitzige Verluste an. Allerdings, wegen der Öffentlichkeit konnte die kleine Ingenieursgesellschaft nicht geschlossen werden, weswegen es man vor einigen Jahren an einen Start-up-Konzern verkaufte, der entweder die Schmutzarbeit machen sollte (für die vertraglich erhebliche Summen zugesichert waren) und / oder es profitabel machen sollten. Inzwischen erholt sich das Unternehmen von der Zeit unter staatlicher Obhut. Sicher, viele der verdorbenen Mitarbeiter haben die Gesellschaft verlassen (müssen), den Leistungen kam der Aderlass aber zugute.

                Nein, der Staat hat in der Wirtschaft nichts, aber auch wirklich gar nichts zu suchen.

          • Stefan Pietsch 26. Februar 2019, 09:14

            ein Hinweis darauf, dass die „Staatsmonopolbetriebe“ DB AG, Post AG und Telekom AG ihre Dysfunktionalität eher ihrem Monopol bzw ihrer Vormachtstellung als dem Staatsanteil verdanken.

            Das ist ja wohl ein Widerspruch in sich. Wenn der Staat als Unternehmer tätig wird, dann in Monopolfunktionen. Es ist das, wo Linke und Liberale sich treffen: wenn staatliche Unternehmensführung, dann in abgezäunten Gebieten des Monopols und nicht als Konkurrenz für Private. In der Konsequenz müssen Sie also aus Ihrer Feststellung fordern, dass der Staat sich aus Unternehmensbelangen zurückzieht. Ist das Ihre Position?

            Übrigens funktionieren einige private Monopole durchaus gut: Google sei hier genannt, auch Microsoft. Als marktwirtschaftlicher Verfechter lehne ich monopolistische Strukturen ab, aber Ihre Erklärung funst nicht.

        • Hias 26. Februar 2019, 22:29

          Die Deutsche Post AG ist ein Unternehmen, dass sein staatlich eingeräumtes Monopol für permanente Preiserhöhungen in einem gesättigten Markt mit Produkten ohne Innovationspotential ausnutzt, um in dynamischeren Märkten private Konkurrenten ohne Monopolprivileg aus dem Weg zu räumen.

          Sie meinen dieselbe Deutsche Post, die gerade den Automobilkonzernen zeigt, wie man Elektroautos baut?

          • Stefan Pietsch 27. Februar 2019, 08:49

            Es ist schon faszinierend, wie Liebhaber des Staates in jeder möglichen und vor allem unmöglichen Situation den Staat in Schutz nehmen, wenn nur in Rede stehen könnte, dass er nicht alles besser könnte. Ich glaube, selbst in Deutschland, wo die Mehrheit ein positives Verständnis mit staatlichem Tun verbindet, finden sich nur wenige, die Staatsunternehmen als besonders innovativ empfinden. Fühlen Sie sich geehrt, zu einer Minderheit zu gehören. 😉

            Wie man so hört, sollen die Elektrokisten nicht der letzte Schrei und vor allem reparaturanfällig sein. Also, man kann mit den komischen Elektrodingern nicht nur nicht weit fahren, muss permanent an die Steckdose, man muss daneben auch noch oft ins Reparaturlager. Aber lassen wir das, reden wir von etwas, wo ich mehr davon verstehe.

            Jedenfalls sind wir uns wohl einig, dass Elektroautos bauen nicht zur Kernkompetenz der Deutschen Post gehört und auch nicht dazu werden soll – im Gegensatz zu den Googles, und Apples dieser Welt. Die Kernkompetenz der Deutschen Post ist angeblich das Zustellen von geschriebenen Texten aller Art und von Paketsendungen aller möglichen Lieferanten. Auf diesen Gebieten gab es in den vergangenen Jahren einiges an Neuerungen, aber keine kam aus Bonn. Die gesicherte E-Mail kam erst nicht aus den Puschen und anschließend nicht beim Kunden an, die Beförderung und Zustellung von Paketen mittels Drohnen ist eher ein Projekt innovativer Konzerne wie Amazon als der Bonner Schlafmützen, der gemeinsame Postkasten ist auch nicht das Lieblingsprojekt der gelben Hörner. Wenn die Kunden hierzulande von etwas angenehm überrascht werden, dann sicher nicht von dem großen Staatskonzern, der sich zum großen Logistikdienstleister zusammengekauft hat.

            Vor rund 10 Jahren überredeten die Monopolisten lieber die Politik, einen gerade geschlossenen Haustarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären, um die neu aufgetauchten Mitbewerber elegant aus dem Markt zu schießen. Das Projekt gelang, doch auch Staatsmonopolisten begreifen irgendwann, das neben taktischen Spielchen 1+1 nicht 3 ergibt und so lagern sie seit einigen Jahren Mitarbeiter auf „Servicegesellschaften“ aus, die niedriger bezahlen. Das sorgt zwar in regelmäßigen Abständen für etwas öffentliche Empörung, aber, hey, die Wettbewerber kommen deswegen nicht zurück. Wenn man einen Handlungsfaden für einen Staatsmonopolisten schreiben sollte, der sähe ungefähr so aus. Die Deutsche Post hat sich beim Auftauchen kleinerer privater Anbieter absolut nach Lehrbuch für Monopolisten verhalten.

    • CitizenK 24. Februar 2019, 21:03

      „In Betriebsräten sitzen schon heute viele Loser“

      Leute wie Uwe Hück?

  • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 11:05

    Es fällt auf, dass Du fast ausschließlich (Meinungs-) Artikel zitierst, die mit Deinen Ansichten kongruent gehen. Ich sehe da nicht den sittlichen Nährwert.

    So habe ich Magarete Stokowski öfters gelesen, aber die Dame, die sich Journalistin nennt, hat nur ein, sehr verengtes Thema und rezitiert vor allem ihre eigene Meinung. Das ist boring und nicht einmal unterhaltsam. Ich habe Sarrazins Erstlingswerk gelesen und bin in einer sehr bequemen Lage. Ich kann behaupten, informiert zu sein, ohne das Buch in Gänze konsumiert zu haben. Daher kann ich auch mit Fug und Recht behaupten, dass der Verriss nicht den Inhalt trifft.

    Dagegen lehnen Leute ja Kenneth Rogoff ab, weil er in einer Datei einen Rechenfehler hatte. Damit kippen sie aber all die Fakten in den Ausguss, die der Starökonom über viele Jahrhunderte aufzeigt, ein wirtschaftswissenschaftliches Geschichtsbuch par excellence ist „Diesmal ist alles anders“.

    Generell verstehe ich nicht , dass Menschen so süchtig nach den Ansichten anderer sind statt nach Erkenntnisgewinn. Die Meinung anderer zu replizieren, ist dann wirklich verschwendete Lebenszeit.

    11) Ich will nicht mehr, dass Menschen verstummen

    Wie so oft in der Integrationsdebatte ersetzt das gesunde Volksempfinden Verstand und Empirie.

    Genau das findet sich in den beiden Absätzen. Da zeigt eine brandaktuelle Studie, dass Integration und insbesondere die Aufnahme einer Beschäftigung (nur) dann gelingt, wenn die Landessprache (gut) beherrscht wird, und dann ein Kommentar, der genau dies in Zweifel zieht. Als wären alle Fakten politisch.

    • Stefan Sasse 24. Februar 2019, 18:23

      Wo wir gerade beim Thema sind solltest du die Artikel, die ich hier kommentiere, tatsächlich lesen statt nur nach einem Schlagwort zu suchen, das deine Meinung bestätigt. Dann wäre dir aufgefallen, dass der Kommentar das keine Sekunde in Zweifel zieht. Er zieht nur in Zweifel, dass der beste Weg darüber ist, die Fremdsprache vor der Muttersprache zu lernen.

      • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 18:41

        Mit dem dritten Lebensjahr ist der Sprachschatz in der Muttersprache vollständig angelegt. Deswegen lernen Kleinkinder extrem schnell weitere Sprachen – wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Das passiert bei Eltern, die zuhause eben auch die Sprache der Wahlheimat sprechen. Und das passiert nicht bei Kindern, die zuhause nur die Sprache des Herkunftslandes hören und dazu von frühkindlicher Betreuung ferngehalten werden. Da sind wir wieder bei meinem Lieblingsthema: Migranten aus bildungsfernen Schichten müssen zu ihrem Glück gezwungen und deren Kinder in Kindergärten gebracht werden.

    • Stefan Sasse 24. Februar 2019, 18:51

      Mir ist ehrlich gesagt nicht klar, was du gerne hättest. Soll ich Artikel suchen, die ich doof finde, und dir schreiben, warum ich sie doof finde?

      • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 19:37

        Ich erkenne daran nicht so richtig, wie Deine Meinungsbildung funktioniert. Ich finde es immer besonders interessant, mich mit Sachen zu beschäftigen, die meinen Ansichten zuwider laufen. Aus Studien und historischen Aufzeichnungen lerne ich und passe an. Siehe meinen letzten Artikel, den ich so vor einem Jahr nicht geschrieben hätte.

        • Stefan Sasse 24. Februar 2019, 20:25

          Hast du das Gefühl, ich hätte vor einem Jahr positiv über TTIP und TTP geschrieben? Ich finde diese Beleidigungen ehrlich gesagt nicht so geil.

          • Stefan Pietsch 24. Februar 2019, 20:28

            Bitte entschuldige. Das war nicht beleidigend gemeint. Mehr als die Meinung eines anderen interessiert mich, wie die Meinungsbildung funktioniert. Sorry!

            • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:32

              Angenommen. Aber mir ist unklar, wie viel deutlicher ich meine Meinungsbildung machen kann als in diesen Kommentaren. Ich lese etwas und bringe meinen eigenen Gedanken dazu. Mir ist einfach unklar, was du gerne lesen würdest.

  • Ralf 24. Februar 2019, 15:22

    zu 7)

    Ich sehe den einzig vernünftigen Ausweg aus diesem Dilemma in einer Rückkehr zum Prä-1990-Modell der Wirtschaftsblöcke, in dem Fall mit Nordamerika und teilweise den Pazifikstaaten. Aber mit dem Untergang von TTIP und TPP haben wir uns diese Türen selbst vor der Nase zugeschlagen.

    Prä-1990 gab es aber kein TTIP. Folglich können wir in den Prä-1990-Zustand auch ohne dieses Abkommen zurückkehren. Und damit ohne eine Entmachtung unserer Bürger und ohne das Äquivalent eines Ermächtigungsgesetzes für Großkonzerne. Produktiven Handel gibt es auch ohne Abkommen dieser Art.

    • Stefan Sasse 24. Februar 2019, 18:21

      Oh sicher. Ich wollte auch nicht sagen dass es zwingend exakt diese Abkommen braucht; eher dass der Impetus dahinter benötigt würde.

  • CitizenK 24. Februar 2019, 21:30

    Lt. Biedenkopf-Kommission war eines der Ziele der Unternehmens-Mitbestimmung „die stärkere Berücksichtigung von Arbeitnehmerinteressen“ bei unternehmerischen Entscheidungen.

    Kein Wort von Ihnen zu diesem Aspekt. Die dummen Arbeitnehmer wählen natürlich nur „Loser“, Versager und Faulpelze? Zur Horizonterweiterung empfehle ich das Studium der Betriebsrats-Implementierung bei SAP.

    • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:42

      @ CitizenK 24. Februar 2019, 21:30

      Die dummen Arbeitnehmer wählen natürlich nur „Loser“, Versager und Faulpelze?

      Weder „dumm“, noch „nur“. Aber „auch“.

  • derwaechter 24. Februar 2019, 22:12

    Zu 10.
    Könnte natürlich auch sein, dass neuer Frauenhass eingewandert ist und alter Frauenhass weiter existiert.

    Zu 11) machen wir genau so. Zu Hause Muttersprache und in Kindergarten, Schule, Verein usw. die Landessprache. Klappt gut. Ich fände es auch ziemlich bescheuert, wenn meine Kinder schlecht oder gar nicht Deutsch könnten. Allein schon damit sie Oma und Opa verstehen und vielleicht auch mal zurück ziehen könnten.

    Schön, dass die Wissenschaftl bestätigt, dass wir nichts falsch machen 🙂

  • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:06

    8) Zweierlei Maß

    Grundsätzlich richtig, was Du schreibst, aber auch irgendwie normal. Institutionen und „Klassen“ schützen sich – ob Ärzte, Politiker, Priester, Beamte, Schüler, Lehrer, Nazis, oder eben auch die Polizei.

    • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:34

      Ja, aber die Polizei hat das Gewaltmonopol. Die halte ich an einen höheren Standard.

      • Erwin Gabriel 25. Februar 2019, 18:20

        Ja, aber die Polizei hat das Gewaltmonopol.

        Nur in der Theorie 🙂

        Ich verstehe Deinen Punkt, und wenn ich „normal“ sage, meine ich nicht automatisch „gut“. Ich habe trotzdem ein gewisses Maß Verständnis, weil die Polizei von Staats wegen an die Wand gefahren wird.

  • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:28

    @ Stefan Sasse

    Zu 10) Der Frauenhass ist gar nicht eingewandert

    Und das ist hier dasselbe: da entdecken plötzlich Leute eine tiefe Sorge vor häuslicher Gewalt, die ansonsten in aggressivsten Tönen verleugnen würden, dass es ein Problem in Deutschland gibt.
    Ich verstehe Dich nicht. Ich verstehe Deine Argumentation nicht (erst recht nicht von jemandem, der schreibt, dass er ein Buch nicht lesen muss, um es zu verreißen). Und viel zu oft ist Deine Argumentation so, dass es ja weiß sein muss, weil es nicht schwarz ist.
    Natürlich gab es auch vorher häusliche Gewalt, natürlich wurden auch vorher Frauen vergewaltig etc. Und natürlich wurde auch vor 2015 viel darüber geschrieben und diskutiert.
    Mag auch sein, dass jemand, der vorher kein Aufheben gemacht hat und sich nun empört, da sich Zahlen bzw. Situation durch die Zuwanderung verschlechtert haben, scheinheilig ist. Recht hat er trotzdem (genauso, wie viele erst vor Populismus warnten, als er von rechts kam; auch die sind scheinheilig, auch die haben trotzdem Recht).

    • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:35

      Ich will nicht den Eindruck erwecken, so zu tun als wäre Frauenhass nur ein deutsches Phänomen, das wäre natürlich Quatsch. Es geht in diesem Fall sepzifisch dagegen so zu tun, als wäre er erst ein Problem, seit die Flüchtlinge da sind, und nur auf die beschränkt.

      • Stefan Pietsch 25. Februar 2019, 09:12

        Genau diesen Eindruck erweckt aber Magarete Stokowski und das war bereits die Intension von linken Feministinnen in der Silvesternacht 2016. Tatsächlich ist Gewalt gegen Frauen und Frauenverachtung in der islamisch geprägten Gesellschaft weit verbreiteter, man erinnere sich nur an die Berichte aus Kairo vom arabischen Frühling. Fast jede Frau, die mit einem der Flüchtlingstrecks nach Europa kommt, hat Erfahrung mit Vergewaltigung und sexueller Belästigung – kaum vorstellbar in einer westlich geprägten Gruppe.

        Also, nicht alles zusammenwerfen, was Linke gerne tun.

        • derwaechter 26. Februar 2019, 08:15

          Also den Eindruck erweckt sie nun wirklich nicht.

          Sie sagt hingegen, dass Frauenhass gleichermassen ein Problem sei. Da muss man natürlich einwenden, dass dies im Vergleich relativ säkularer Westen vs islamisch geprägte Länder schlicht falsch ist.

        • Floor Acita 4. März 2019, 05:17

          „kaum vorstellbar in einer westlich geprägten Gruppe“

          Wenn Frauen in diesen Gruppen derartige Erfahrungen berichten wird Ihnen oft nicht geglaubt und das oft unter Androhung von Gewalt #Aufschrei

          Oder es wird als hinterlästiger Plan (warum eigentlich?) gesehen brave weisse Männer zu zerstören #metoo

          • Stefan Pietsch 4. März 2019, 08:09

            … in diesen Gruppen?

            Wenn in einem Online Forum wirklich alles berichtet werden kann, ist das nicht ernst zunehmen. Und wahrscheinlich wären viele Flüchtlingsfrauen froh, wenn sie nur hätten dumme Sprüche ertragen und sich nicht noch prostituieren müssen.

            Typischer Reflex: wenn etwas gegen Ausländer angeführt wird, kocht die linke Seele. Ich denke, Sie verharmlosen und das wird der Sache nicht gerecht.

          • Floor Acita 4. März 2019, 12:11

            Nein, und das ist mein Punkt, Sie(!) verharmlosen und zwar immer wieder. Ich habe die sexuellen Übergriffe von Ausländern und/oder Flüchtlingen zu keinem Zeitpunkt bestritten oder verharmlost. Aber sie und andere machen das unentwegt im Falle „urdeutscher“ Täter indem sie in Abhängigkeit des Migrationshintergrunds qualitative Unterschiede machen. Jede 3. Frau in Deutschland gibt an -nicht gerade eine neue Statistik- Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein, fast jede Frau Opfer sexueller Belästigung, in den USA sind die Zahlen fast identisch. Doch das wird immer wieder kleingeredet und geleugnet und das Problem als reines Zuwanderungsproblem und nicht als Problem gesamt-gesellschaftlichen Sexismus qualifiziert. DAS ist die Verharmlosung des Themas…

            • Stefan Pietsch 4. März 2019, 12:33

              Ich rede von umfangreichen Vergewaltigungen, Sie von sexuellen Belästigungen, als wäre es das Gleiche. Es ist nicht bekannt, dass es anlässlich der Massendemonstrationen vor dem Fall der Berliner Mauer zu umfangreichen Vergewaltigungen gekommen wäre. Bei dem vergleichbaren Ereignis während des arabischen Frühlings sind solche Exzesse jedoch aus arabischen Städten überliefert.

              Sie wollen ernsthaft behaupten, mitteleuropäische Männer seien im Auftreten gegenüber Frauen genauso gestrickt wie Männer aus dem islamischen Kulturkreis. Das nenne ich Verharmlosung.

            • Stefan Pietsch 4. März 2019, 12:58
            • Stefan Pietsch 4. März 2019, 13:03

              Es gibt leider eine Menge häuslicher Gewalt bei Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund. Aufgrund der sehr traditionellen Familienvorstellungen wird da vieles verheimlicht. Ich selber habe eine Studie zu Zwangsverheiratung gemacht, in der ich zwangsverheiratete türkische Frauen mit anderen Türkinnen verglichen habe, die nicht zwangsverheiratet waren.

              WELT: Ihr Ergebnis?

              Kizilhan: Sowohl psychische Erkrankungen als auch Suizidalität sind bei Zwangsheiraten deutlich häufiger festzustellen. Das bedeutet, dass lokale Netzwerke und Beratungsstationen noch viel aktiver bei der Gewaltprävention werden müssen, um auch an diese Frauen heranzukommen. Dabei hilft uns bei allen Problemen die Idee, dass wir Leute ausbilden, die aus der gleichen Kultur kommen, die gleiche Sprache sprechen.

              (..)

              WELT: Was sagen Sie den Muslimen, die Ihnen erklären, das unterschiedliche Rollenverständnis von Mann und Frau gehöre nun einmal zu ihren Werten?

              Kizilhan: Es gibt Traditionen, die man achten muss, aber es gibt auch klare Grenzen. Menschen müssen Kulturen oder Religionen, die Gewalt legitimieren, auf den Prüfstand stellen. Die universalen Menschenrechte, wie wir sie verstehen, müssen auch in der islamischen Welt akzeptiert werden.

              WELT: Erleben Sie Fälle, in denen junge Frauen, die ohne Familie nach Deutschland kamen, dies quasi als Chance begreifen, sich von den patriarchalischen Strukturen daheim zu emanzipieren und beispielsweise einer Zwangsverheiratung zu entgehen?

              Kizilhan: Wenn sie eine ausreichende psychosoziale Unterstützung hätten, indem sie sich schnell integrieren könnten und rasch aus den Flüchtlingseinrichtungen kämen, wäre das sicherlich häufiger der Fall. Das wären Frauen, die schnell Deutsch lernen und in der deutschen Community ein Zuhause finden.

              Aber die meisten Flüchtlinge kommen aus ländlichen Gegenden und sind selbst sehr traditionell sozialisiert. Deswegen möchten wir auch durch Kampagnen auf höherer Ebene und gleichzeitig in den Einzelgesprächen Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind, die Möglichkeit eröffnen, aus diesen Strukturen herauszukommen.

              (..)

              Kizilhan: Bei der Unterdrückung der Frau geht es ja gar nicht immer um den Islam selbst. Oft handelt es sich eher um patriarchalische Strukturen, die sich aber so stark in den Islam eingenistet haben, dass man oft gar nicht mehr sagen kann: Ist das islamisch? Oder patriarchalisch? Oder beides?

              Das ist ein Gemisch aus beidem geworden, bei dem auch viele Muslime den Überblick verloren haben. Zum Beispiel werden sogenannte Ehrenmorde oft als islamisch dargestellt. Wir wissen aber, dass es sich um eine patriarchalische Idee handelt. In vielen nicht islamischen Ländern der Welt gibt es die gleiche Prozedur.

              • Floor Acita 4. März 2019, 16:47

                Das ist natürlich sicher interressant die genauen Strukturen zu untersuchen. Dagegen habe ich nichts, es wäre halt nur interessant das Gleiche auch hier im Lande zu tun. Wie Stefan bereits geschrieben hat, ist sexuelle Gewalt Männergewalt, entspringt patriarchalen Mustern, wie der Artikel ja auch zeigt. Legitimation wird überall gesucht, ob im Islam, dem Christentum oder atheistischen/säkulären Ideologien. Das bedeutet nicht, dass jeder Mann schuldig ist oder sogar die Mehrheit, aber dass unabhängig aller anderer Faktoren und unabhängig vom Geschlecht des Opfers Männer signifikant Täter sind. Das leitet sich wie gesagt vom Rollenbild und konkret dem Glauben ab, Männer hätten einen „Anspruch“ auf Sex… („sexual entitlement“)

                • Stefan Pietsch 4. März 2019, 17:01

                  Das ist natürlich sicher interessant die genauen Strukturen zu untersuchen.

                  Welche „genauen Strukturen“? Der Bereich ist schon ganz gut erforscht, ist ja kein besonders neues Wissenschaftsobjekt. Klingt mir irgendwie nach „nicht wirklich zur Kenntnis nehmen“.

                  (..) es wäre halt nur interessant das Gleiche auch hier im Lande zu tun.

                  Was wollen Sie hier im Lande tun?

                  Es sind vorrangig Frauen, die Vätern Kinder vorenthalten, die Kinder als Waffe nutzen, die ihre Kinder missbrauchen und hier dem Gesetzgeber eine lange Nase drehen. Das leitet sich vom Rollenbild ab und vielleicht sollten wir die genauen Strukturen untersuchen.

                  Vernachlässigung von Kindern ist Frauengewalt, entspringt matriarchalischen Mustern. Legitimation wird überall gesucht. Das bedeutet nicht, dass jede Frau schuldig ist oder die Mehrheit – aber immerhin jede Vierte -, aber dass unabhängig aller Faktoren und unabhängig vom Geschlecht des Kindes Frauen signifikant Täterinnen sind. Das leitet sich wie gesagt vom Rollenbild und konkret vom Glauben ab, Frauen ständen die Kinder zu… („Maternal Gatekeeping“).
                  https://www.t-online.de/leben/familie/erziehung/id_70435594/maternal-gatekeeping-wenn-muetter-das-kind-vorenthalten.html

                  • CitizenK 4. März 2019, 22:08

                    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_entsorgte_Vater

                    Ohne Rücksicht auf die Kinder verweigern nicht wenige Frauen ihren Ex-Partnern oder -ehemännern jedweden Umgang. Und was ist ein gerichtlich erzwungener stundenweiser Umgang wert?

                    Ist das nicht auch (strukturelle) Gewalt?

                    • Stefan Pietsch 5. März 2019, 09:34

                      Natürlich ist es das. Was mir gehörig auf den Keks geht: heutzutage werden Frauen als das bessere Geschlecht dargestellt, weil sie (naturbedingt) weniger körperliche Gewalt anwenden.

                      Gerade eben habe ich von einer Mutter erfahren, die ihrem Kind ein Geburtstagsgeschenk nebst Glückwunschkarte vorenthalten hat, weil sie sich selbst über eine Aussage von der Person geärgert hat. Solche Formen der Gewalt sind nicht einmal strafbar.

                    • Stefan Sasse 5. März 2019, 22:02

                      Und doch nichtsdestotrotz Gewalt, worauf ich vor einiger Zeit im Vermischten hingewiesen habe und dafür von dir und Erwin kritisiert wurde…

                    • Floor Acita 6. März 2019, 07:42

                      „heutzutage werden Frauen als das bessere Geschlecht dargestellt“

                      von wem? und wieso/in welcher Hinsicht „besser“?

                    • Stefan Pietsch 6. März 2019, 09:15

                      Stefan hat inzwischen zig Artikel geschrieben, die sich mit den vermeintlich schlechten Seiten des Mannes befassen, jedoch keinen einzigen über die von Frauen (sieht man von dem intellektuell aufgeladenen Artikel über „toxische Femininität“ ab) oder gar die positiven männlichen Aspekte. Er hat einige Bezeichnungen gefunden, um zumindest einen Teil von Männern herabzuwürdigen („alte weiße Männer“), Gleiches für Frauen jedoch unterlassen. Es wurde breit diskutiert, wie wichtig die Fähigkeiten von Frauen seien – ausgleichend, besser organisiert, sozial kompetenter – während die herausragenden Fähigkeiten von Männern, ihre Risikobereitschaft, ihre Hingabe, ihr klar strukturiertes, zielorientiertes Führungsverhalten überhaupt nicht gewürdigt werden. Es sind immer noch Männer, die losgelöst von paternalistischen Strukturen Unternehmen gründen, die die größten Erfindungen unserer Zeit machen, die Entscheidungen vorantreiben.

                      Wann wurde zuletzt kritisiert, dass mit einer Theresa May das Vereinigte Königreich in eine nicht gewollte Entscheidung taumelt, wann die Unentschlossenheit der Kanzlerin, wann die Ideenlosigkeit einer CDU-Chefin? Man kann Donald Trump für vieles kritisieren, sich über ihn lustig machen. Aber der Mann hat zumindest eine erkennbare Agenda und eine gewisse Zielstrebigkeit bei der Verfolgung seiner Ziele. Doch auch nach 14 Jahren Kanzlerschaft einer Frau im Herzen Europas lässt sich nicht sagen, dass irgendetwas in diesem Europa nach deutschen Vorstellungen geschaffen wurde. Und ein Helmut Kohl, auch ein Gerhard Schröder vermochten in ihrer Amtszeit den ein oder anderen Wunschkandidaten durchzusetzen. Von Angela Merkel ist nichts dergleichen zu überliefern. Gleich zweimal versemmelt sie die Besetzung des wichtigen EZB-Präsidentenpostens und auch die EU-Kommissionspräsidenten in ihrer Ägide waren nicht ihre Wahl.

                      Ich könnte ewig so weiter machen über die weiblichen Schwächen, die so unerwähnt und ungewürdigt bleiben. Ich habe kritische Artikel über die Grünen, die LINKE, die SPD verfasst. Und ich stehe dazu, der FDP nahe zu sein, was sich aus meinen Artikeln ergibt. Wie kann man also zu dem Schluss kommen, dass bei Würdigung aller Artikel derjenige nicht das weibliche Geschlecht für überlegen ansieht? Auch das hat ja was für sich, vor Bekenntnissen zurückzuscheuen. Ist eine typische weibliche Eigenschaft, den Rückstritt vom Schwur als „Ausgleich“ schönzureden. 🙂

                    • CitizenK 6. März 2019, 10:46

                      Theresa May könnte man Maggie Thatcher entgegensetzen. Frauen sind nicht besser oder schlechter, sondern anders gut oder anders böse.

                      Verstörender Fall im Bekanntenkreis, aber kein Einzelfall, wie die Recherche zeigte. Kein Verdacht/Vorwurf auf Gewalt oder gar Missbrauch. Einfach Funkstille, nur unterbrochen bei Geldforderungen über den Unterhalt hinaus. Termine beim Jugendamt nicht wahrgenommen, Auflagen ignoriert. Bliebe der Weg zum Gericht mit allen Unwägbarkeiten und die Wut der Kinder auf den Vater, der sie vor Gericht gezerrt hat.

                      Über sich entziehende Väter wird viel geschrieben, zu recht. Über die andere Seite noch nicht.

                    • Stefan Pietsch 6. März 2019, 14:19

                      Bei Margaret Thatcher wurden die „männlichen“ Führungseigenschaften geschätzt: durchsetzungsstark, zielstrebig, mit der notwendigen Härte versehen.

                      Ich war erschrocken über die Zahl: jede vierte Mutter greift zu so drastischen Mitteln wie der (zeitweiligen) Kindesentzug. Wenn dereinst wieder darüber räsoniert wird, dass jede zweite Frau Erfahrung mit sexueller Belästigung, und sei es nur ein Anmachspruch, habe, so muss man dem diese Übergrifflichkeit von Frauen entgegen halten. Wie Studien zeigen, ist das nicht nur ein strafrechtliches Verbrechen. Sondern auch ein moralisches.

                  • Floor Acita 5. März 2019, 05:21

                    Trotz Rosenmontag weit weniger Ironie als gedacht und doch dafür weit mehr unfreiwillig komisch. Mit Matriarchat hat das sehr wenig zu tun, dafür aber weit mehr mit den selben patriarchalen Strukturen von denen ich gesprochen habe…

                    Das Aufbrechen verkrusteter Strukturen ist für niemanden nirgendwo und niemals einfach…

                    Und dennoch sind die Folgen unterschiedlichen „Fehlverhaltens“ ebenfalls unterschiedlich. „Kind vorenthalten“ hat Konsequenzen, ich würde es jedoch nicht mit Sexualverbrechen, insbesondere Vergewaltigung gleichsetzen … unabhängig vom Kulturkreis des/der Täter(s)…

                    • Stefan Pietsch 5. März 2019, 09:30

                      Mit Matriarchat hat das sehr wenig zu tun, dafür aber weit mehr mit den selben patriarchalen Strukturen von denen ich gesprochen habe…

                      Klar, am Ende ist immer der Mann schuld. Keine weiteren Fragen.

                      Ich wollte zeigen, dass Ihr Argumentationsmuster auch auf das völlige Gegenteil passt. Wenn das aber so ist und Sie es nicht berücksichtigen, dann argumentieren Sie ideologisch und nicht logisch.

                      Und dennoch sind die Folgen unterschiedlichen „Fehlverhaltens“ ebenfalls unterschiedlich. „Kind vorenthalten“ hat Konsequenzen, ich würde es jedoch nicht mit Sexualverbrechen, insbesondere Vergewaltigung gleichsetzen … unabhängig vom Kulturkreis des/der Täter(s)…

                      … weil Sie alles in einen Topf packen und kräftig rumrühren. In Bezug auf die erhebliche Gewalt von Muslimen gegenüber Frauen sprach ich von Vergewaltigungen (§ 177 (7) StGB, Mindeststrafe 3 Jahre) Sie setzten dies mit Belästigungen und Nötigungen wie auf #Metoo gleich (§ 177 (1) StGB, Mindeststrafe 6 Monate). Und nun behaupten Sie, das wäre nicht vergleichbar mit der Entziehung Minderjähriger, was immerhin härter betraft wird als ein sexueller Übergriff wie der Klaps auf den Po.

                      Vielleicht sollten Sie Ihre Wertmaßstäbe an den deutschen Rechtsrahmen anpassen? 😉

                    • Floor Acita 5. März 2019, 13:03

                      Patriatchat war eine im Mittelalter entstandene Gesellschaftsstruktur auf christlicher Ideologie aufbauend. Bestimmte Verhaltensweisen, Rollenbilder und -zuschreibungen, nach Geschlecht getrennte gesellschaftliche Aufgaben etc., „Muster“ haben sich bis heute in aus diesen Gesellschaften erwachsenen, modernen Gesellschaften bewahrt, weshalb sowohl diese Gesellschaften als auch die Strukturen und Muster selbst als patriarchal beschrieben werden. Mit „der Mann ist schuld“ hat das absolut nichts zu tun.

                      Ihre Intention habe ich verstanden, nur haben Sie eben gerade nicht mein Argumentationsmuster „auf das genaue Gegenteil“ angewendet. Vielmehr haben Sie wie so oft meine Aussagen durch Ihre eigene ideologische Brille interpretiert und dann dieses Zerrbild eines Strohmanns attakiert. Ähnlich wie die Vorwürfe gegen eine moralisierende Linke, obwohl die sich, im Gegensatz zu vielen Konservativen so überhaupt nicht um „Moral“ schert… Sie übertragen Ihre Interpretation insbesondere auf Intention des gegenüber bezogen auf Ihre Diskussionspartner. So kommt es auch zur Einschätzung „Frauen“ trügen luftigere Kleidung um Blicke auf sich zu ziehen und „Wähler“ entscheiden unabhängig von Inhalten, anstatt individuell zu unterscheiden – dabei legen Sie ihre eigenen Massstäbe an – das ist ideologische Argumentation.

                      Ich habe von Statistiken sowohl zu Vergewaltigung, zu sexuellen Übergriffen als auch sexueller Belästigung gesprochen und dabei auch erwähnt, das Frauen ihre Erfahrungen immer mal wieder unter verschiedenen # berichten, ihnen nur keiner zuhört. Dabei habe ich mich an Ihrer Wortwahl zu den Erfahrungen geflüchteter Frauen orientiert „Fast jede Frau, die mit einem der Flüchtlingstrecks nach Europa kommt, hat Erfahrung mit Vergewaltigung und sexueller Belästigung – kaum vorstellbar in einer westlich geprägten Gruppe“ das war der Ausgangspunkt meines ersten Kommentars.

                      Indem sie erneut die Bewegungen gegen sexuelle Gewalt wie MeToo als „Klaps auf den Hintern“ und „halb so wild“ qualifizieren demonstrieren sie die, um Ihnen gegenüber fair zu sein gängige, Verharmlosung von der ich gesprochen habe. Vergewaltigung von Ausländern, von Arabern, von Moslems wird wahrgenommen, die selbe Tat von weissen, Deutschen, Christen ignoriert und/oder geleugnet…

                    • Stefan Pietsch 5. März 2019, 13:25

                      Schon Ihre Grundthese, der ja auch Stefan anhängt, ist zutiefst fragwürdig: Männer und Frauen haben keine geschlechtsverschiedenen Interessen. Alles ist kulturell bedingt. Doch Maternal Gatekeeping ist kein Ergebnis paternalistischer Strukturen.

                      Auf den Vorhalt und die kriminalstatistische Tatsache, dass Männer als muslimischen Familien häufiger und teils exzessiver Gewalt neigen würden, folgt die reflexartige und ebenfalls nicht zu leugnende statistische Wahrheit, dass über alle Männer mit Migrationshintergrund nicht prinzipiell gewaltbereiter wären – zumal, wenn noch Milieus berücksichtigt würden.

                      Es ist erstaunlich, dass die selben Personen – lässt sich hier im Blog genau markieren und Sie gehören dazu – gerne gegenteilige Angriffe starten und ihr eigenes Argumentationsmuster vergessen. Stefan hat das in einem Satz zusammengefasst: Sexuelle Gewalt ist Männergewalt.

                      Eigentlich hätte ich dazu gar nichts schreiben brauen, sondern Sie nur auffordern, Ihr eigenes Argumentationsmuster bitte darauf anzuwenden. Sie wollten mir jedoch beweisen, wie gewalttätig Männer im Allgemeinen sind und bitte, lasst die Ausländer da außen vor.

                      Eine solche Argumentationsweise finde ich nicht besonders redlich.

                      Sie können nicht behaupten #Metoo habe keiner zugehört. Sorry, auch das ist völlig unredlich. Genauso wie das Weglassen der Tatsachen. Trotz hunderttausender, ich glaube sogar millionenfacher Anklagen in einem Internetpranger gab es praktisch keine Gerichtsverfahren. Da waren selbst die Ermittlungen angesichts der Exzesse um die Silvesternacht 2016 in Köln ergiebiger – und die wurden unter schwereren Umständen bei einer Gruppe von ein paar hundert Männern geführt. Es ist unredlich, das wirklich gleichzusetzen.

                      Wie soll ich es schreiben? Einer Frau ungefragt an den Hintern zu fassen, ist eine Straftat. Mehr gibt es dazu doch nicht zu sagen, oder? Genau das habe ich getan. Im Gegensatz zu Ihnen, der ja nicht einmal wahrhaben will, dass die Entziehung Minderjähriger ebenfalls eine Straftat ist – und zwar noch eine schwerere als der, sorry, Klaps auf den Po.

                      Verharmlosung von der ich gesprochen habe. Vergewaltigung von Ausländern, von Arabern, von Moslems wird wahrgenommen, die selbe Tat von weissen, Deutschen, Christen ignoriert und/oder geleugnet…

                      Das Eine gibt es mehr, das andere weit weniger. Diese statistische Wahrheit nicht auszusprechen, wenn man schon freiwillig auf das Thema kommt, ist – wie sagte ich? – unredlich. 😉

                    • Stefan Sasse 5. März 2019, 22:04

                      Alles was ich tue ist dich auf einen statistischen Zusammenhang hinzuweisen. Ganz unschuldig.

                    • Floor Acita 6. März 2019, 07:53

                      q.e.d.
                      Erst etablieren Sie „unsere“ Sichtweise:
                      „Schon Ihre Grundthese, der ja auch Stefan anhängt, ist zutiefst fragwürdig: […] Alles ist kulturell bedingt.“

                      Dann interpretieren Sie die Aussage „Sexuelle Gewalt ist Männergewalt“ aber aus Ihrer eigenen und kontruieren einen Widerspruch – das nennen Sie dann unredlich. Doch das ist das Argument auf den Kopf gestellt, denn sie müssen unsere Aussagen, natürlich auch aus unserer Sichtweise intzerpretieren, nicht aus Ihrer eigenen. „Männergewalt“ nicht aus angeborenen, sondern erlernten/kulturellen Gründen. Der Unterschied in der Bewerrtung liegt nur auf der konreten Kultur – ich teile Ihre Ansicht nicht, dass die toxischen Verhaltensweisen aus „dem arabischen Raum“ oder „Islam“ stammen, sondern aus patriarchalen Gesellschaftsstrukturen, egal wo, aus welchem Grund und womit diese begründet werden.

                      Sie müssen unsere Sichtweise nicht teilen, aber unsere Aussagen nach Ihrer eigenen Ideologie zu interpretiueren ist genau die Strohmann-Bildung von der ich gesprochen habe.

                      Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich Kultur nicht für den alleinigen oder alles entscheidenden Einfluss halte, aber immer auch relevant. Aus meiner Sicht verwechseln Sie oft „Disposition“ mit „Determinismus“ und unterschätzen auch den langfristigen Einfluss kultureller Umstände und Erziehung auf die genetische Entwicklung (#natural selection). Aber hier kommen wir wohl so schnell nicht mehr zusammen…

                      Was mir unklar ist:
                      „Doch Maternal Gatekeeping ist kein Ergebnis paternalistischer Strukturen.“

                      Ist das eine Frage? Ist das eine Feststellung? Ist das Ihre Meinung? Ich jedenfalls bin der Meinung „Doch, sicher. Es erwächst aus der patriarchal geprägten Frauenrolle“(Stichwort: Hausfrau und Mutter)

                    • Stefan Pietsch 6. März 2019, 14:30

                      Ist das eine Frage? Ist das eine Feststellung? Ist das Ihre Meinung? Ich jedenfalls bin der Meinung „Doch, sicher. Es erwächst aus der patriarchal geprägten Frauenrolle“(Stichwort: Hausfrau und Mutter)

                      Wer sagt denn, dass die Frauenrolle patriarchalisch geprägt ist? Ich bin seit Jahren sehr skeptisch, was die soziale Prägung betrifft. Ja, die gibt es zweifellos. Aber sich macht wahrscheinlich nur zum geringen Teil aus, was wir sind.

                      Eigentlich erlebt das jeder mit, nur die Ignoranten schieben vermeintliche Änderungen auf ihre eigene Lernfähigkeit. Bei Männern sinkt der Testosteronspiegel ab Ende 20, gleichzeitig werden Männer zunehmend ausgleichender. Wir haben unsere Emotionen (woher kommen die eigentlich?) besser unter Kontrolle, gehen nicht mehr so ins Risiko. Haben Sie mal Studien gelesen, was gezielte Hormonzufuhr oder -entzug mit Menschen, deren Stimmungen und sogar Einstellungen anrichtet? Ob wir Chaot sind oder Pedant, ist allein genetisch und hormonell bestimmt. Wir sind ziemlich arrogant uns selbst gegenüber, wenn wir Entwicklungen unserer Klugheit zuschreiben, wo doch einfach kleine chemische Substanzen walten.

                      Es gibt bis heute zahlreiche Frauen, die mit Männern allein deswegen Sex haben, um ein Kind zu bekommen. Da kann die Beziehung noch so sehr auf Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung angelegt sein, sobald das Kind da ist, zieht sich die Frau zurück, schottet sich von gemeinsamen Unternehmungen ab bis hin zur gezielt herbeigeführten Trennung. Sorry, das hat nicht das Geringste mit „paternalistischen Strukturen“ zu tun.

        • Stefan Sasse 4. März 2019, 07:34

          Leider Gottes ist sexuelle Gewalt immer bei solchen Sachen mit dabei. Schau dir mal die Erfahrungen der Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg an…

          • Stefan Pietsch 4. März 2019, 08:13

            Kommt darauf an, in welchem Umfang. Ein paar sexuelle Belästigungen auf dem Münchner Oktoberfest mit Massenvergewaltigungen auf Flüchtlingsrouten gleichzusetzen, ist dann wieder die linke Verniedlichung von Ausländergewalt.

            Zweiter Weltkrieg, zweiter Weltkrieg … da war doch was. Wann war der noch mal genau?

            • Stefan Sasse 4. März 2019, 12:38

              Sexuelle Gewalt ist Männergewalt.

              • Stefan Pietsch 4. März 2019, 12:50

                Ich bin ein Wunderkind, völlig aus der Art geschlagen, möglicherweise so selten wie Transgender. Ich habe in meinem ganzen Leben, selbst zu meiner wilden Teenager-Zeit nicht, eine Frau belästigt , ungefragt begrapscht noch vergewaltigt. Aus heutiger Sicht erstaunlich, wie ich mich schon in den Achtzigerjahren im Griff hatte! Ja, die ein oder andere hat schon beklagt, ich hätte auch forscher rangehen können, sozusagen die Aufforderung zum Grapschen, der ich unzureichend nachgekommen war.

                Wir haben Glück: wir sind hier offensichtlich ein Hort solch seltener Exemplare, kein Grapscher, kein Vergewaltiger weit und breit. Oder wohnt in Deiner linken Seele ein Dämon? 😉

      • Erwin Gabriel 25. Februar 2019, 18:23

        @ Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:35

        Ich will nicht den Eindruck erwecken, so zu tun als wäre Frauenhass nur ein deutsches Phänomen, das wäre natürlich Quatsch.

        Zustimmung. Auch „Frauen“hass steht nicht allein, sondern es gibt oft genug den dazu passenden „Männer“hass.

        Dass das auch immer so kompliziert sein muss… 🙂

  • Erwin Gabriel 24. Februar 2019, 23:41

    @ Stefan Sasse

    Zu 11) Ich will nicht mehr, dass Menschen verstummen

    Zwei Punkte hierzu. Einerseits bleibt es für mich faszinierend, wie wenig eine Diskussion („in Deutschland soll Deutsch gesprochen werden“, „Deutsch ins Grundgesetz“), die ein solcher Dauerbrenner ist, auf Fakten beruht.
    Ich brauche Bücher nicht zu lesen, um sie zu verreißen – erkennst Du die gleiche Melodie? 

    In der Öffentlichkeit gibt es eine instinktive Abneigung dagegen, wenn als niederrangig wahrgenommene Sprachen (alles aus Süd- oder Osteuropa) gesprochen wird (eine solche Ablehnung erfahren Englisch oder Französisch nicht).
    Au weia. Englisch erfährt von mir keine Ablehnung, weil ich es leidlich verstehe. Zwei meiner Geschwister beherrschen Französisch – die haben im Gegensatz zu mir keine Probleme. Eine meiner Tochter spricht fließend koreanisch, freut sich über jede gelegenheit, die Kenntnisse zu nutzen, und stößt oft auf Unverständnis bei anderen.
    Das große Geheimnis, lieber Stefan, ist nicht, dass bestimmte Sprachen als niederrangig verachtet werden, sondern dass man sie nicht versteht. Jeder fühlt sich unwohl, wenn er angequatscht wird und den anderen nicht versteht.
    Manche Dinge sind nicht so kompliziert, dass man sie mit aller Gewalt in ein „gut / links / progressiv – böse / rechts / konservativ“-Raster packen muss.

    Politiker entblöden sich nicht zu fordern, dass „zuhause Deutsch gesprochen werden soll“, ohne dass man einmal einen Sprachwissenschaftler fragt, ob das überhaupt sinnvoll ist.
    Ein jeder spricht, so gut er es eben versteht. Das gilt auch für Dich, und auch für mich.

    Wie so oft in der Integrationsdebatte ersetzt das gesunde Volksempfinden Verstand und Empirie.
    Das „gesunde Volksempfinden“ ist doch eine Form von Empirie.

    • Stefan Sasse 25. Februar 2019, 07:37

      Ach komm das ist doch Unfug. Die Leute stört doch nicht, dass sie auf türkisch angesprochen werden, das macht doch keiner. Die Leute stören sich daran, dass auf türkisch neben ihnen geredert wird. Und sie stören sich nicht daran, wenn es auf Englisch oder Französisch passiert. In beiden Fällen geht sie der Inhalt des Gesprächs eh nichts an.

      • derwaechter 25. Februar 2019, 08:16

        Richtig. Mit ein bisschen gutem Willen kann man da aber auch einen Funken Wahrheit erkennen. Die Leute (Rassisten etc mal ausgenommen) stören sich ja nicht an Türkisch an sich sondern weil sie etwas damit verbinden. Nämlich dauerhaft in Deutschland lebende, schlecht integrierte Menschen mit all den bekannten Problemen die das mit sich bringt.
        Vergleichbare Probleme gibt es mit französischen oder englischen Einwanderern nun mal kaum.

        Aus anderer Sicht erlebe ich das wie gesagt auch. Deutsche Einwanderer hier sind i.d.R. ganz gut integriert und die Kinder sprechen meist beide Sprachen recht gut. Deshalb käme auch keiner auf die Idee deutschen Einwanderern besondere Ratschläge zu erteilen.

        Aber dazu kommt natürlich noch eine ordentliche Portion (unterbewusster oder offener) Rassismus. Ich mache mir da keine Illusionen. Wenn ich nicht so aussehen würde wie die Einheimischen wäre es sicherlich schwieriger.

        • Erwin Gabriel 25. Februar 2019, 18:31

          @ Stefan Sasse

          Die Leute stören sich daran, dass auf türkisch neben ihnen geredert wird. Und sie stören sich nicht daran, wenn es auf Englisch oder Französisch passiert.

          Viele Leute stören sich auch daran, wenn man neben Ihnen tuschelt – das Problem ist aus meiner Wahrnehmung, dass sie nicht verstehen können.

          @ derwaechter
          Die Leute … stören sich ja nicht an Türkisch an sich, sondern weil sie etwas damit verbinden. Nämlich dauerhaft in Deutschland lebende, schlecht integrierte Menschen mit all den bekannten Problemen, die das mit sich bringt.

          Guter Punkt. Falls Stefan doch recht haben sollte, schließe ich mich Deiner Aussage an. 🙂

          PS: Zum Thema „Rassismus“. Ich mag das Wort nicht, weil es selektiert. Es geht immer um Ausgrenzung – ob die aufgrund der Rasse, der Sprache, des Geschlechts, des Aussehens oder des Berufs erfolgt, macht für mich keinen Unterschied. Ist, wenn es leicht auftritt, sehr normal und bei jedem (natürlich auch bei mir) verbreitet, und wenn es extrem auftritt, in jedem Falle gefährlich und zu verurteilen.

          • derwaechter 25. Februar 2019, 21:06

            Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass das fremde Aussehen auch eine Rolle spielt. Westeuropäische Einwanderer haben es leichter, weil sie schon optisch weniger auffallen. Nicht nur aber auch.

            • Erwin Gabriel 28. Februar 2019, 09:13

              Da wirst Du wahrscheinlich Recht haben.

  • R.A. 25. Februar 2019, 10:15

    1.) „sie haben es hervorragend verstanden, die Schuld an dem ganzen Debakel auf die Politik abzuwälzen. “
    „Die Autokonzerne“ haben überhaupt keine Schuld um sie abzuwälzen. Die „Schummelsoftware“ wurde nur vom VW-Konzern eingesetzt. Und es ist immer noch offen, ob das wirklich eine Schuld war oder ob nicht doch die Vorschriften schlecht formuliert waren.
    Und an den Machenschaften der DUH ist alleine die Politik schuld – die NOx-Immissionen an irgendwelchen Kreuzungen haben fast nichts mit den NOx-Emissionen von VW-Produkten zu tun.
    Es ist bezeichnend für die Qualitätsmängel nicht nur beim Spiegel, wenn beim Stichwort „Diesel“ zwei völlig verschiedene Themen vermischt werden.

    3.) Sehr richtig.

    4.) Noch ein typisches Beispiel für richtig miesen Journalismus.
    Abgesehen davon, daß nur auf eine einzige Steuerart abgehoben wird (Amazon zahlt ja reichlich alle möglichen anderen Steuern) – es gibt hier keine Steuertricks o.ä. und es passiert nichts, was nicht legitim und legal wäre.
    Amazon reinvestiert den erzielten Überschuß sofort wieder ins Geschäft. Und selbstverständlich fallen auf einen nicht realisierten Überschuß auch keine Steuern an. JedeFirma jeder Größe kann das genauso machen, passiert auch häufig.

    6.) Die Darstellung ist historisch völlig falsch. Firmen waren früher deutlich mehr „Diktaturen“ als sie es heute sind. Das liegt einerseits an direkten staatlichen Schutzgesetzen, andererseits am ausgebauten Sozialstaat, d.h. man kann als Angestellter notfalls auch mal den Bettel hinschmeißen, wenn der „Diktator“ es übertreibt.
    „Betriebsräte etwa können mehr als wertvolle Korrekturen sein“
    Das geht an der Realität in den meisten Betrieben vorbei. Betriebsräte können manchmal wertvolle Vermittler sein, wenn es in einer Abteilung zwischen Chef und Mitarbeitern knirscht. Aber auf die Unternehmenspolitik können sie keinen echten Einfluß ausüben, und das ist auch richtig so.

    9.) „Als ob ich Sarrazin lesen müsste, um ihn zu kritisieren!“
    Ja selbstverständlich muß man gelesen haben, was man kritisiert. Das ist die absolute notwendige Basis jeder Diskussion.
    Man kann gerne darauf verzichten sich mit Sarrazin zu beschäftigen, man kann natürlich auch gezielt nur irgendwelche Interview-Äußerungen kritisieren. Aber wenn man einen Text nicht gelesen hat, sollte man dazu die Klappe halten.
    Ein Tip: Es lohnt sich durchaus Sarrazin zu lesen und dann auch zu kritisieren. Nur werden die Kritikpunkte andere sein als die, die man aus den Medien übernimmt ohne zu wissen, was eigentlich im Buch steht.

    10.) Die Stokowski wieder – so etwas von absurd. Gewalt in Beziehungskrisen ist etwas so komplett anderes als Gewalt im öffentlichen Raum. Und ein Sexualmord so etwas komplett anderes als irgendein von Feministinnen beklagtes Defizit in Aufsichtsräten oder „frauenfeindlicher Werbung“.

    11.) „wer sich integrieren will, der lernt die Sprache eh“
    Eben. Und das läßt Rückschlüsse zu auf Leute, die ihren Kindern gegenüber an einer Sprache festhalten, mit der diese nicht wirklich etwas anfangen können und die selber ordentlich zu lernen sie ablehnen.
    Staatliche Zwangsmaßnahmen sind in der Tat nicht angebracht. Aber als gesellschaftliche Erwartungshaltung an Immigranten ist die Verwendung der deutschen Sprache absolut sinnvoll.

    • Hias 26. Februar 2019, 07:07

      Das geht an der Realität in den meisten Betrieben vorbei. Betriebsräte können manchmal wertvolle Vermittler sein, wenn es in einer Abteilung zwischen Chef und Mitarbeitern knirscht. Aber auf die Unternehmenspolitik können sie keinen echten Einfluß ausüben, und das ist auch richtig so.

      Wenn Sie direkten Einfluss meinen, dann stimme ich ihnen teilweise zu, aber ansonsten üben Betriebsräte sehr wohl Einfluss auf Unternehmenspolitik aus. Die betriebliche Mitbestimmung ist mE einer der wichtigsten Gründe, dass wir hier in Deutschland immer noch eine starke Industrie haben. Die ganzen Standortsicherungsvereinbarungen, das Beharren auf (gute) Ausbildungsplätze und die „Pflege“ der Verbesserungsvorschlagssysteme haben erst die Grundlage dafür geschaffen, dass eine Vielzahl deutscher Standorte in den 1990er und 2000er Jahren erhalten blieb. Damit wirkt sich die Arbeit sehr wohl auf die Unternehmenspolitik aus.

      Man kann gerne darauf verzichten sich mit Sarrazin zu beschäftigen, man kann natürlich auch gezielt nur irgendwelche Interview-Äußerungen kritisieren. Aber wenn man einen Text nicht gelesen hat, sollte man dazu die Klappe halten.
      Ein Tip: Es lohnt sich durchaus Sarrazin zu lesen und dann auch zu kritisieren. Nur werden die Kritikpunkte andere sein als die, die man aus den Medien übernimmt ohne zu wissen, was eigentlich im Buch steht.

      Oh, es gab Vorabdrucke in Spiegel und Bild und anhand dessen konnte man sich ein Bild davon machen, was Sarrazin für einen Unsinn schreibt. Ich hab mir damals den Ausschnitt angetan, mich einige Zeit über den Text aufgeregt und danach beschlossen, das Buch nicht zu lesen, da es in meinen Augen nur dazu diente, mit spitzen Thesen Aufregung zu erzeugen. Ich habe mich allerdings bei den Diskussionen auch zurückgehalten.
      Und ich gebe Stefan Recht. Man muss nicht jeden Blödsinn lesen. Wenn man in die Diskussion gehen will, dann ja. Aber wenn es einen um Erkenntnisgewinn geht, dann kann man meiner Erfahrung nach die größten Schreier auf dem Aufmerksamkeitsmarkt getrost ignorieren (und ja, dazu zähle ich auch Sarrazin).

      • Stefan Sasse 26. Februar 2019, 07:25

        Ich kann problemlos Sarrazins Buch diskutieren, ohne es gelesen zu haben. Seine Thesen wurden so weit rezipiert und so oft von ihm in Interviews oder Talkshows wiederholt, dass die eigentliche Lektüre da nicht weiter erhellend ist. Wohlgemerkt, ich rede hier nicht über die Auseinandersetzung mit Spezifika. Ich kann natürlich nicht eine konkrete These auf S. 184 diskutieren.

        • Erwin Gabriel 26. Februar 2019, 08:59

          @ Stefan Sasse 26. Februar 2019, 07:25

          Ich kann problemlos Sarrazins Buch diskutieren, ohne es gelesen zu haben.

          Nicht, wenn Du ernstgenommen werden willst (bzw. wirst Du dann nur ernstgenommen von Leuten in Deiner Blase).

        • Stefan Pietsch 26. Februar 2019, 09:48

          Ich kann problemlos Sarrazins Buch diskutieren, ohne es gelesen zu haben.

          Das entspricht nicht wissenschaftlichen Grundsätzen. Nur mal so. In einem sozialwissenschaftlichen Studium fällt man mit so einem Vorgehen durch.

          Ich habe auch Hitlers „Mein Kampf“ gelesen, und kann mit Fug und Recht behaupten, das ist alles andere als ein literarischer Leckerbissen. Schwer zu lesen, schwere Kost.

          • Stefan Sasse 26. Februar 2019, 16:52

            Ich bin hier auch in einem Blog, nicht in einem Proseminar. Ich habe Mein Kampf nie gelesen. Einige Auszüge. Ich weiß, was drinsteht. Das Ding wurde tausendfach rezipiert. Es zu lesen ist schlichtweg Zeitverschwendung.

            • Stefan Pietsch 26. Februar 2019, 17:10

              Ich suche in allgemeinen Regeln nach Orientierung. Meistenteils ist dies das Recht, in solchen speziellen Fällen das Vorgehen in der Wissenschaft. Ich schreibe ja auch keine wissenschaftlichen Aufsätze, aber ich versuche mit an deren Prinzipien zu orientieren.

              Ich habe mein Kampf zu vielleicht einem Drittel gelesen, es ist wie gesagt sehr schwere Kost und damals konnte man Exemplare eben nur in der Uni unter Aufsicht lesen.

              • Hias 26. Februar 2019, 22:32

                Und, was war der große Erkenntnisgewinn über den Nationalsozialismus oder über Hitler, den man nicht aus einer Sekundärquelle rausziehen konnte? Also, außer dass Sie jetzt wissen, dass es schwere Kost ist?

                • Stefan Pietsch 27. Februar 2019, 08:33

                  Falscher Ansatz. „Mein Kampf“ ist kein Geschichtsbuch, folglich lassen sich auch keine Erkenntnisse über den Nationalsozialismus ableiten. Aber ich wollte verstehen, was die Menschen an dem Buch so aufgehetzt haben soll, dass es später für gefährlich erachtet wurde. Die formulierten Gedanken sind wirr und stete Wiederholungen machen das nicht besser. Wie gesagt, nach so einem Viertel bis einem Drittel des Buches bin ich ausgestiegen.

                  Ich verstehe es bis heute nicht. Sprachlich ist das Buch ein solches Gewürge, dass Liebhaber leichter Belletristik es schon nach einem Absatz wegschmeißen würden. Ich glaube bis heute, selbst wenn es kein Verbot gegeben hätte, wäre Hitler nicht mehr zum Bestseller-Autor geworden.

                • Erwin Gabriel 27. Februar 2019, 12:49

                  @ Hias 26. Februar 2019, 22:32

                  Und, was war der große Erkenntnisgewinn über den Nationalsozialismus oder über Hitler, den man nicht aus einer Sekundärquelle rausziehen konnte?

                  In seinen eigenen Worten zu lesen, was für einen er an der Waffel hat.

                  Ansonsten habe ich das Ding in jungen Jahren in die Hände gekriegt, fast parallel zu „Herr der Ringe“. Es liest sich teilweise, als hätte wäre der Autor ein degradierter Ork-Führer gewesen, der zuviel Kuhmist geraucht hat.

        • R.A. 4. März 2019, 09:46

          „Seine Thesen wurden so weit rezipiert und so oft von ihm in Interviews oder Talkshows wiederholt, …“
          Nein.
          Was in den Medien so alles an „Sarrazin“ rumgereicht wurde hatte viel mit Vorurteilen zu tun und sehr wenig mit seinen Inhalten. Die ganze Affäre war ein geradezu typisches Beispiel für das Versagen des „Qualitätsjournalismus“.

          Es gibt sehr viel an Sarrazins Beweisführung und vor allen seinen Schlußfolgerungen zu kritisieren. Aber das sind dann völlig andere Punkte als die, die in der veröffentlichten Meinung durchgehechelt wurden.

      • Erwin Gabriel 26. Februar 2019, 09:01

        @ Hias 26. Februar 2019, 07:07

        wenn man einen Text nicht gelesen hat, sollte man dazu die Klappe halten.

        Man muss nicht jeden Blödsinn lesen. Wenn man in die Diskussion gehen will, dann ja.

        Zustimmung

        • derwaechter 26. Februar 2019, 16:02

          Das ist eine ziemlich naive Ansicht. Weder muss man etwas unbedingt komplett gelesen, gesehen oder erlebt haben, um ein Urteil fällen zu können; noch ist komplettes lesen, sehen, erleben an sich hinreichend, um sich ein fundiertes Urteil bilden zu können.

          • Erwin Gabriel 27. Februar 2019, 12:44

            @ derwaechter 26. Februar 2019, 16:02

            [Wenn man einen Text nicht gelesen hat, sollte man dazu die Klappe halten.]

            Das ist eine ziemlich naive Ansicht. Weder muss man etwas unbedingt komplett gelesen, gesehen oder erlebt haben, um ein Urteil fällen zu können; noch ist komplettes lesen, sehen, erleben an sich hinreichend, um sich ein fundiertes Urteil bilden zu können.

            Ich stimme Dir zu, und bin trotzdem anderer Meinung.
            Die Zustimmung dahingehend, dass ich in der Tat nicht alles vom ersten bis zum letzten Buchstaben verschlungen haben muss, um mir ein halbwegs fundiertes Urteil zu erlauben. Und ja, man kann die Thesen Sarrazins auch diskutieren, ohne eines seiner Bücher überhaupt gelesen zu haben.

            Aber darum ging es nicht. Die Originalaussage von Stefan Sasse lautete:

            „Ich kann problemlos Sarrazins Buch diskutieren, ohne es gelesen zu haben.“

            Nicht „Sarrazins Thesen“, sondern „Sarrazins Buch“. Nicht „zum Teil gelesen“, sondern „ohne gelesen zu haben“.

            Na klar kann er natürlich trotzdem darüber diskutieren (hat Frau Merkel ja auch gekonnt, ohne eine Seite gelesen zu haben). Aber das ist unwissenschaftlich / unseriös / populistisch / albern – such es Dir aus. Sinnhaft ist es nicht.

        • Hias 26. Februar 2019, 22:45

          Vorsicht, ich gebe Stefan S. da Recht. Über einzelne von Sarrazins Thesen kann ich auch diskutieren, wenn ich das Buch nicht gelesen habe, solange diese Thesen richtig rezitiert und diskutiert wurden. Über das Buch als Ganzes kann ich halt nicht diskutieren.

          Stefan P. bringt ja oben das Beispiel mit „Mein Kampf“. Ich brauche das nicht zu lesen, wenn ich was über den Nationalsozialismus, seine Ideologie oder über Hitler erfahren will. Dafür gibt es weit bessere Bücher. Aber natürlich sollte ich es lesen, wenn ich im diesen Bereich wissenschaftlich arbeiten will.

          • Stefan Sasse 27. Februar 2019, 07:06

            Darauf will ich raus. Der Artikel bezieht sich ja auch explizit auf Skandalbücher. Ich würde mir nicht anmaßen, übliche Sachbücher diskutieren zu wollen, ohne sie gelesen zu haben. Im Gegensatz zu den meisten Leuten, die ihn sarkastisch zerreißen, habe ich etwa Francis Fukuyama tatsächlich gelesen 😉

            • Erwin Gabriel 28. Februar 2019, 09:15

              @ Stefan Sasse 27. Februar 2019, 07:06

              Darauf will ich raus.
              Dann sag das doch einfach, anstatt zu verallgemeinern. 🙂

  • Cimourdain 25. Februar 2019, 23:08

    7) „Ich sehe den einzig vernünftigen Ausweg aus diesem Dilemma in einer Rückkehr zum Prä-1990-Modell der Wirtschaftsblöcke, in dem Fall mit Nordamerika und teilweise den Pazifikstaaten.“ Was für Europa seh bequem ist, die Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas dafür wieder zu Spielfeldern der daraus resultierenden Konfrontation zu werden – wie man es jetzt schon bei Ukraine, Syrien und aktuell Venezuela sieht. Der einzige Unterschied zum kalten Krieg wäre dann nur, dass die Vereinten Nationen, die damals noch ein ausgleichendes Element waren, inzwischen ihre Autorität total verloren haben.
    Zu 5) Die Beispiele für „Government of limited vice“ – Casinos, Lobbyismus etc..- klingen mir eher nach „Vices with limited access“: Die schädlichen Auswirkungen zu beschränken, indem der Zugang zu unmoralischem Verhalten möglichst exklusiv gehalten wird, ist ein Rezept, wie weiter Misstrauen gegen „die da oben“, die hier fast wörtlich der Bevölkerung Wasser predigen und selber Wein saufen (dürfen), gesät werden kann.

    • Stefan Sasse 26. Februar 2019, 07:22

      7) Wann waren denn die UN im Kalten Krieg ein ausgleichendes Element zwischen den Blöcken? Und grundsätzlich sind diese Staaten ohnehin bereits Spielfelder. Man denke nur an Chinas „Entwicklungspolitik“.
      5) Ja, das ist ein Problem.

      • Cimourdain 26. Februar 2019, 20:04

        7) Sowohl bei der Berlin-Blockade als auch während der Kubakrise waren sie fast das einzige Forum, wo sich die Supermächte ausgetauscht haben. Selbst Chrustschows berühmten Wutausbruch sehe ich in diesem Zusammenhang als ‚therapeutisch‘.
        Und die Vereinten Nationen haben multilaterale Abkommen zur Beschränkung von ABC Waffen ermöglicht.

        • Stefan Sasse 27. Februar 2019, 07:05

          In der Kubakrise waren die UN bedeutungslos. Der Austausch ging bilateral, und die Politik lief über die OAS. Auch die anderen relevanten Verträge, vor allem die KSZE, waren nicht im UNO-Rahmen.

  • Hias 27. Februar 2019, 00:14

    zu 1.) Stockholm-Syndrom? Ernsthaft? Ich bin ja auch kein Freund der planwirtschaftlichen, gewinnorientierten Automobilbürokratien (gerne auch Autokonzerne genannt), aber dass man über die Dieselfahrverbote diskutiert liegt doch nicht am Stockholmsyndrom, sondern eher an etlichen Merkwürdigkeiten beim Verfahren. In Hamburg sperrt man ne Straße um die Luft zu verbessern, zugleich liegt der Hamburger Hafen mitten in der Stadt. In München misst die Stadt nach und kommt auf andere Werte https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-luft-stickoxid-1.4309304. Kurz und gut, ich hab das Gefühl, dass die Methode hier, gelinde gesagt, nicht ganz ausgereift ist.
    Und was die Automobilbranche angeht, das ist es ganz einfach. Die Automobilbranche ist nicht nur wegen der Arbeitsplätze bei den Automobilfirmen und deren direkten Zulieferern wichtig, sie sorgt auch bei branchenfremden Firmen für Umsatz und damit für die notwendige Schwungmasse, damit diese Firmen in ihren jeweiligen Märkten überleben können. Nur mal als Beispiel: Firmen wie KUKA (Roboterhersteller), Infineon (Halbleiterhersteller) oder OSRAM (Lichtbranche) machen ca. 40-50% Umsatz mit der Automobilindustrie. Das bisschen Einbruch bei den Automobilherstellern Ende des letzten Jahres hat bei zwei dieser drei Firmen schon zu massiven Verwerfungen geführt.
    Das heißt, hier stehen nicht nur etliche gut bezahlte Arbeitsplätze und etliche Regionen auf dem Spiel, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit in einer Reihe von wichtigen Industriebereichen. Und darum traut man sich nicht an die Automobilkonzerne ran.

    zu 6.) Hm, ich kriege es nicht so ganz zu fassen, worauf Elizabeth Anderson genau hinaus will. Irgendwie geht da vieles durcheinander. Zunächst mal, auch wenn es in einigen Unternehmen die Tendenz zum sog. Co-Management gibt, es gibt nirgends ein gemeinsames Management von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, nicht mal bei VW. Die Unternehmensmitbestimmung bezieht sich nur auf den Aufsichtsrat und der hält sich aus dem operativen Geschäft eher raus. Bei der betrieblichen Mitbestimmung, sprich Betriebsräte, geht es um Aushandlungsprozesse bei der Einführung von Regeln oder Umsetzung von Maßnahmen im sozialen und personellen Bereich, aber nicht um Management. Um es mit der staatlichen Ebene zu vergleichen, der Betriebsrat ist eher die Legislative als die Exekutive (Management). Und wieso ne Graswurzelbewegung für mehr Gleichheit? Die Diagnose ist doch Diktatur, also bräuchte man nicht ne Graswurzelbewegung für mehr Demokratie? Und wieso überhaupt Graswurzelbewegung? Gerade in den USA sind Bezahlung und Rechte der Arbeitnehmer klassische Aufgabe der Gewerkschaften. Die kommen da aber kein einziges Mal vor.
    Das Thema Demokratisierung der Wirtschaft ist ja tatsächlich diskussionswürdig, aber ich finde das Interview hilft mir hier irgendwie nicht so richtig weiter.

    • Stefan Sasse 27. Februar 2019, 07:08

      6) Alles gute Punkte. Hast du einen eigenen Ansatz?

      • Hias 27. Februar 2019, 11:07

        Uff, ehrlich gesagt nicht. Ich habe da auch noch nicht so richtig darüber nachgedacht. Ich denke auch, dass die Zuschreibung als Diktatur falsch ist. Unter einer Diktatur verstehe ich eher ein System, dass auf Wohlverhalten durch Regeln und Unterdrückung abzielt. Das sehe ich bei großen Firmen aber eher nicht. Das sind eher Technokratien, die Regeln dienen dazu die Effizienz zu steigern, nicht das Wohlverhalten. Da hat R.A. schon Recht, diese Zuschreibung hätte ich eher auf die klassischen fordistischen Firmen gemünzt als auf die heutigen Konzerne.
        Das muss ich nochmal durchdenken. Aus dem Bauch raus würde ich sagen, eine Demokratisierung a la Mitbestimmung beim Management (also Regeln setzen und Unternehmenspolitik mitbestimmen) trifft das Problem nicht so ganz. Wahrscheinlich wäre eher umfangreiche Kontrollmöglichkeiten über die Regeln notwendig. Aber da muss ich nochmal drüber nachdenken.

        • CitizenK 27. Februar 2019, 11:27

          Mit Regeln meinst du Gesetze, oder?

          • Hias 27. Februar 2019, 17:02

            Kommt auf den Kontext an. Wenns um den Staat geht ja, bei Firmen allerdings eher Handlungsanweisungen oder Prozesse.

        • Stefan Sasse 27. Februar 2019, 16:32

          Gerne als Gastbeitrag!

          • Hias 27. Februar 2019, 17:02

            Uff. Ich schau mal, ob ich was zusammenkriege.

  • Floor Acita 5. März 2019, 13:02

    Patriatchat war eine im Mittelalter entstandene Gesellschaftsstruktur auf christlicher Ideologie aufbauend. Bestimmte Verhaltensweisen, Rollenbilder und -zuschreibungen, nach Geschlecht getrennte gesellschaftliche Aufgaben etc., „Muster“ haben sich bis heute in aus diesen Gesellschaften erwachsenen, modernen Gesellschaften bewahrt, weshalb sowohl diese Gesellschaften als auch die Strukturen und Muster selbst als patriarchal beschrieben werden. Mit „der Mann ist schuld“ hat das absolut nichts zu tun.

    Ihre Intention habe ich verstanden, nur haben Sie eben gerade nicht mein Argumentationsmuster „auf das genaue Gegenteil“ angewendet. Vielmehr haben Sie wie so oft meine Aussagen durch Ihre eigene ideologische Brille interpretiert und dann dieses Zerrbild eines Strohmanns attakiert. Ähnlich wie die Vorwürfe gegen eine moralisierende Linke, obwohl die sich, im Gegensatz zu vielen Konservativen so überhaupt nicht um „Moral“ schert… Sie übertragen Ihre Interpretation insbesondere auf Intention des gegenüber bezogen auf Ihre Diskussionspartner. So kommt es auch zur Einschätzung „Frauen“ trügen luftigere Kleidung um Blicke auf sich zu ziehen und „Wähler“ entscheiden unabhängig von Inhalten, anstatt individuell zu unterscheiden – dabei legen Sie ihre eigenen Massstäbe an – das ist ideologische Argumentation.

    Ich habe von Statistiken sowohl zu Vergewaltigung, zu sexuellen Übergriffen als auch sexueller Belästigung gesprochen und dabei auch erwähnt, das Frauen ihre Erfahrungen immer mal wieder unter verschiedenen # berichten, ihnen nur keiner zuhört. Dabei habe ich mich an Ihrer Wortwahl zu den Erfahrungen geflüchteter Frauen orientiert „Fast jede Frau, die mit einem der Flüchtlingstrecks nach Europa kommt, hat Erfahrung mit Vergewaltigung und sexueller Belästigung – kaum vorstellbar in einer westlich geprägten Gruppe“ das war der Ausgangspunkt meines ersten Kommentars.

    Indem sie erneut die Bewegungen gegen sexuelle Gewalt wie MeToo als „Klaps auf den Hintern“ und „halb so wild“ qualifizieren demonstrieren sie die, um Ihnen gegenüber fair zu sein gängige, Verharmlosung von der ich gesprochen habe. Vergewaltigung von Ausländern, von Arabern, von Moslems wird wahrgenommen, die selbe Tat von weissen, Deutschen, Christen ignoriert und/oder geleugnet…

    • Stefan Sasse 5. März 2019, 22:03

      Erklär mal den Römern, dass das Patriarchat im Mittelalter erfunden wurde…^^

      • Floor Acita 6. März 2019, 07:40

        True

        Wie ist das denn aus historischer Sicht? Gibt es eine klare Eingrenzung?
        Ich dachte immer, der Bergriff „Patriarchat“ würde sich konkret auf die „gottgegebene Ordnung“ des „See von Rom“ etc. beziehen?

        Ist es doch mehr ein Überbegriff über die Strukturen selbst? Gibt es eine Abgrenzung zwischen „Patriarchat“ und „patriarchaler Gesellschaft“?

        PS
        Ich erinnere mich dunkel an eine Qualifizierung „Ned Stark – Patriarch, Robert Baratheon – nein“

        • Stefan Sasse 6. März 2019, 09:53

          Patriarchat ist die Herrschaft eines Familienvaters. Der Name kommt ja direkt aus dem Lateinischen: „pater familias“. Es ist eigentlich nicht die Herrschaft der Männer; die unterliegen ja der gleichen Willkür des jeweiligen Familienvaters und dessen direkten (männlichen) Erben. Die Christen haben das Konzept freudig übernommen und religiös aufgeladen (bei den Römern war das noch eher eine Zivilreligion). Inzwischen hat sich die Bedeutung verschoben; heutzutage meinen wir mehr eine Struktur, die Männer bevorteilt. Echte Patriarchate gibt es kaum mehr, dafür brauchst du ja diese Großfamilien als gesellschaftliche Grundeinheit.

          PS:
          Exakt.

          • Erwin Gabriel 6. März 2019, 10:33

            Das Patriarchat ist nach Germanien und England erst mit dem Christentum gekommen. Vorher gab es das dort nicht.

            • CitizenK 6. März 2019, 10:52

              Der pater familias der Römer hatte noch die absolute Macht über Leben und Tod. Heute bedeutet patriarchalisch eher bevormundend-unterstützend.

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