Mesut Özil, Legionär zwischen den Nationen

Die Bundeskanzlerin hat sich aus ihrem gerade angetretenen Urlaub gemeldet. Anlass war nicht etwa eine erneute Twitter Attacke des amerikanischen Präsidenten. Der Spielmacher der so schmachvoll gescheiterten deutschen Fußballnationalmannschaft hat seinen Rücktritt erklärt. Dies tat er in formvollendeten Englisch, damit seine Worte überall in der Welt verstanden werden. Angela Merkel wollte ihre Referenz erweisen, dass der 29jährige ein wirklich hervorragender Fußballer sei. Ob er jedoch ein vorbildlicher Staatsbürger ist, ein Vorbild gar, darüber streitet die Nation nun seit zwei Monaten.

Mesut Özil ist nicht irgendein Nationalspieler, das soll zu Beginn klargestellt sein. Seitdem er am 11. Februar 2009 sein erstes A-Länderspiel für Deutschland bestritten hatte, galt er als die Symbolfigur für gelungene Integration. Es heißt, Joachim Löw, der später sein größter Förderer wurde, sei zu Beginn skeptisch gewesen. Bevor er eleganten 10er vom damaligen Spitzenclub Werder Bremen berief, führte der Bundestrainer ein längeres Gespräch mit dem hoffnungsvollen Talent. In den Jahren zuvor war einigen Stars der Bundesliga mit ausländischem Pass aber der Spielberechtigung für Deutschland eine Berufung verwehrt geblieben. Auch Özil, in Gelsenkirchen als Kind türkischer Einwanderer aufgewachsen, hatte zu der Zeit nicht den besten Ruf. Nicht nur galt er eng familiären Strukturen verhaftet, spätestens seit seinem erzwungenen Abgang bei seinem Ausbildungsverein Schalke 04 hatte er den Ruf eines Schnösels.

Im Norden der Republik in der Obhut erfahrener Trainer und Manager startete der Offensivspieler an der Seite des internationalen Stars Diego schnell durch und beerbte diesen nach dessen Verkauf zu Juventus Turin. 2009 erreichte er mit dem SV Werder das Finale der Europa League. Das Spiel fand ausgerechnet in der türkischen Metropole Istanbul statt. Özil, der sich gerade Wochen zuvor für eine Karriere im DFB-Team entschieden hatte, wurde von den türkischen Fans angefeindet und als Vaterlandsverräter beschimpft. Damals waren deutsche Anhänger froh, einen so begnadeten Fußballer in ihren Reihen zu wissen.

Doch Özil blieb eine Sphinx. Im Internet besitzt er 23 Millionen sogenannte Follower, die er via Twitter und netten Posts unterhält, doch sportlich waren seine Leistungen zunehmend umstritten. Statistische Daten bilden sein gezeigtes Potential dabei nur sehr unzureichend ab. Obwohl er zahlreiche Endrundenspiele bei Welt- und Europameisterschaften bestritt, obwohl er 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Brasilien wurde, so blieb doch lediglich ein einziges Spiel in Erinnerung, dass er mit seinem Treffer und einer überragenden Vorstellung entschieden hatte. Bei der so erfolgreichen Weltmeisterschaft vor vier Jahren galt er nur als Mitläufer. Im gesamten Turnierverlauf gelangen ihm gerade ein Tor und eine Vorlage, die beim legendären 7:1 gegen den Veranstalter Brasilien.

Da der Gelsenkirchener auch sonst in der Öffentlichkeit schwieg und regelmäßig mit seinen Teams unterging, kühlte das Verhältnis zu den Fans der Nationalmannschaft zusehends ab. Bei der völlig vergeigten Weltmeisterschaft in Russland diesen Sommer galt er als Sinnbild des Niedergangs. Doch es sind am Ende nicht die Fotos von dem Turnier, die haften bleiben. Wer dieser Tage den Namen Mesut Özil hört und liest, hat nur ein Bild vor Augen, als der Spieler von Arsenal London zusammen mit İlkay Gündoğan in die Kamera lächelt. Es ist ein gestelltes Lächeln neben dem türkischen Diktator Recep Tayyip Erdoğan und es ist eine Aufnahme, die sowohl das sportliche als auch das politische Deutschland seit dem 13. Mai 2018 verstört und in Aufruhr versetzt.

Seit jenem Maitag diskutiert das Land mit einer selten erlebten Vehemenz die Frage, was Deutschsein eigentlich ausmacht. Denn neben dem Propagandafoto in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes in der Türkei überboten sich die beiden Vertreter der deutschen Nationalmannschaft in Ehrerbietungen für jenen Herrscher, der das Land am Bosporus wieder in ein Gefängnis verwandelt hat, der Regimekritiker foltern und Anwälte wie Journalisten zu tausenden einsperren lässt. Obwohl beide Nationalspieler keinen türkischen Pass besitzen, umschmeichelten sie den Autokraten mit Liebeserklärungen und dem Bekenntnis, ihr Präsident zu sein.

Zwischen den linken und den rechten Barrikaden des politischen Spektrums gibt es in Fragen der Migration nie eine ungeteilte Meinung. Hier trat die Ausnahme von der Regel ein, solche Verhaltensweisen sind einem Repräsentanten Deutschlands ungehörig und sie sind peinlich für die Spieler, für den Deutschen Fußballbund, für 82 Millionen Deutsche und die Mehrheit der Migranten. Dennoch schafften weder Gündoğan, der sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft immerhin einließ, noch Özil eine Klarstellung zu den Motiven des Fotos noch eine Distanzierung zu den Verhältnissen in der Türkei.
Das war wahrscheinlich auch zu viel verlangt. Wissend um die Loyalitätskonflikte der beiden Premier League Profis gingen Verband wie Medien vergleichsweise behutsam mit dem Thema um. Allein, es fehlte jede Erklärung. Von Gündoğan ist bekannt, dass er geschäftlich im Land seiner Eltern involviert ist und die Unterstützung der örtlichen Behörden benötigt. Und ohne Erdogan läuft eben nichts. Teile von Özils weit verzweigter Familie leben noch an der Grenze zu Asien und pflegen engere Beziehungen zum Umfeld des Präsidenten. Mesut Özil selbst hat sich in den letzten 8 Jahren häufiger mit dem 64jährigen getroffen und meist wurde das propagandistisch ausgeschlachtet. Die gespielte Naivität der beiden Deutschen, sie hätten kein politisches Statement abgeben wollen, braucht da nicht geglaubt zu werden.

Wer in den letzten Monaten in die Foren selbst seriöser Medien schaute, erlebte in Teilen eine Hetzkampagne. Hier bricht sich etwas auf, wer wirklich zu Deutschland gehört. Özil ist in Wirklichkeit ein Wanderer zwischen den Welten, ohne wirklichen Ankerpunkt. 2013 brach er mit seinem Vater, der ihn seit Beginn seiner Karriere gemanagt hatte und wird nun von seinem Bruder vertreten. Vor Jahren von Real Madrid verstoßen, spielt er seit Jahren in England auf einem sportlichen Level, das die Arsenal-Fans verzweifeln lässt. Seine öffentlichen Verlautbarungen kommen vorzugsweise über Twitter und sind nicht die Worte des Fußballers, den Medien 2010 in Südafrika portraitierten.

Sein gestriger Rücktritt, verteilt in eine dreiteilige Twitterbotschaft, rechnet mit allen vermeintlichen Ungerechtigkeiten ab. Die Medien, mit denen er seit Jahren nicht mehr spricht, die deutsche Öffentlichkeit, dem DFB, dem er offenen Rassismus unterstellt. Kein Wort der Selbstkritik, kein Dank an seine Unterstützer stören das Twitter-Gewitter. Die letzten Worte von Özil als Vertreter der deutschen Nationalelf spalten das Land wie zuvor seine sportliche Leistung. Während Grüne und Linke ob der Anwürfe und des zweifellos dilettantischen Managements der Affäre den Rücktritt der gesamten Verbandsspitze fordern, vorne weg Präsident Grindel, schlägt sich der Bundesaußenminister Heiko Maas auf die Seite der Özil-Kritiker. Ein mehrfacher Millionär in kurzen Hosen mit Wohnort London kann kaum als Symbol der Integration in Deutschland gelten.

Tatsächlich hat Maas Recht und Unrecht zugleich. Mesut Özil hat es als Einwandererkind zu einem Reichtum und gleichzeitig Popularität gebracht wie es keinem anderen Türkischstämmigen in diesem Land vergönnt war. Er besitzt eine große Fangemeinde und äußert sich meist nur noch in Englisch. Selbst sein Rücktritt aus dem Nationalteam war nicht auf Deutsch gehalten, scheinbar spielen hiesige Fans keine Rolle für den Egozentriker. Wahrscheinlich ist das durchaus eine passende Umschreibung. So wurde dieser Tage publik, dass sein Mannschaftskamerad beim englischen Vorzeigeclub Arsenal, der neue Weltmeister Giroud, den Topverdiener Arroganzanfällen zeiht, seitdem Özil die WM-Trophäe stemmen durfte.
Schon als Özil noch in Diensten von Real Madrid stand, wurde ihm von spanischen und türkischen Medien vorgehalten, nur aus Karrieregründen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen zu haben. Als Star der Nationalelf des vierfachen Weltmeisters stehen ihm andere Vermarktungs- und Einkommensmöglichkeiten offen denn als türkischer Nationalspieler. Der Wahl-Londoner hat sich wie zu aller sonstigen Kritik auch dazu nie geäußert. Verwundert es da wirklich, dass gegen Ende seiner sportlichen Glanzzeit und einem gescheiterten Turnier Zweifel an der nationalen Loyalität des Mesut Ö. aufkommen?

Nein, es gab Generationen von Nationalspielern, welche die Hymne nicht gesungen haben. Nicht selten wurde darauf aus Respekt vor dem dunklen Kapitel der Geschichte verzichtet. Und dennoch: wer im Kader der deutschen Fußballnationalmannschaft steht, ist mehr als ein Spieler eines x-beliebigen Vereins. Wer das weiße Trikot mit dem Adler auf der Brust überstreift, wird zum Vertreter einer Nation. Er vertritt ihre Werte, er genießt Vorbildcharakter, Kinder eifern ihm nach, kaufen Merchandisingprodukte mit seinem Namenszug, warten auf sein Statement nach gewonnenen und verlorenen Spielen, rufen zu Millionen seinen Namen. In einer Zeit, wo für Topspieler hohe dreistellige Millionenbeträge als Ablöse gezahlt werden und Leistungsträger in rasendem Tempo den Verein wechseln, wird die letzte Identifikation gesucht. Denn selbst Bürger, die sich sonst nicht für Fußball interessieren, jubeln über die großen Erfolge „ihrer“ Nationalelf. Die Zugehörigkeit zu einer Nation lässt sich nicht wie ein Vereinstrikot wechseln.

Doch genau so hat Özil die Mitgliedschaft in Löw’s Kader gesehen. Noch heute wird Berti Vogts, Weltmeister von 1974, mit seiner politischen Naivität konfrontiert, im Argentinien der Militärdiktatur nichts von Folterungen mitbekommen zu haben, die auch während des Weltturniers 1978 stattfanden. Der spätere Weltstar Bernd Schuster ließ schon zu Beginn seiner Karriere wissen, dass ihn das Nationale nicht interessiere. Als Deutschland 1982 in Spanien das Finale erreichte, war angesichts des Auftretens der damals 22 Spieler Fremdschämen angesagt. Ein Spiel gegen Österreich sprach jeden Gedanken an sportliche Fairness Hohn, als deutsche (und österreichische) Kicker 75 Minuten in einem Ballgeschiebe den Wettbewerb aussetzten um Algerien aus dem Rennen zu kegeln. Und als im Halbfinale der Torwart Toni Schumacher den französischen Angreifer Patrick Battiston brutal rasierte und sich hernach ob der schweren Verletzung unbeteiligt gab, war das Bild des hässlichen Deutschen vor der Weltöffentlichkeit gezeichnet.

Der Super-Ego Stefan Effenberg zeigte den deutschen Anhängern 1994 den Mittelfinger. An der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt hätte man sich damals im Mai schon die Frage stellen müssen, ob eine solche Geste wirklich schlimmer ist, als einem Autokraten zu huldigen. Özil kann spätestens seit diesem Tag im Mai nicht mehr Idol eines demokratischen und rechtsstaatlichen Landes sein. Mehr noch, er spritzt das Gift des Rassismus in die Gesellschaft. Ohne jeden Anhaltspunkt wirft der Zurückgetretene bzw. seine Spindoctors dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel nicht nur Inkompetenz, sondern offenen Rassismus vor.

Dies muss in aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Deutschland ist kein rassistisches Land und die deutschen Fußballfans und Funktionäre keine Rassisten. Im Kader für Russland standen mit Antonio Rüdiger, Jerome Boateng, Sami Khedira, Sebastian Rudy, İlkay Gündoğan, Mesut Özil und Mario Gomez 7 Spieler mit einem Migrationshintergrund, 2 davon sind schwarz, 3 muslimischen Glaubens. Mit der Entscheidung, den besten Nachwuchsspieler der englischen Premier League zu Hause zu lassen, handelte sich Löw eine grundsätzliche Debatte ein. Aber nicht, weil Leroy Sane senegalesische Wurzeln hätte. Mario Gomez wird noch heute von einem Teil der Anhängerschaft kritisch betrachtet. Der Grund ist jedoch nicht seine halbspanische Seite, sondern die Erinnerung an eine vergeigte Torchance im Jahr 2008.

Die Ex-Nationalspieler Miroslav Klose und Lukas Podolski sind bis heute Idole für Jung und Alt, und zwar deshalb, weil sie einerseits stets bescheiden im Auftreten blieben, andererseits nie Zweifel an ihrer Liebe und ihrem Enthusiasmus für Deutschland aufkommen ließen. Und jeder der unzähligen Fans verstand, dass sie ihrem Geburtsland Polen Respekt und Demut entgegenbrachten. Es sind ziemlich genau die Punkte, welche die überwältigende Mehrheit in Deutschland Mesut Özil nicht als einen der ihren begreifen.

Am 27. September 2018 entscheidet die UEFA über die Vergabe der Europameisterschaft für das Jahr 2024. Der Deutsche Fußballbund hat sich um die Ausrichtung des Turniers beworben und hatte bis vor wenigen Wochen die mit Abstand besten Karten, den Zuschlag auch zu erhalten. Das schlechte Management der Affäre Özil, mehr noch aber die nun prominent erhobenen Vorwürfe des verbreiteten Rassismus in Deutschland und der mediale Druck auf den DFB könnten zu einem Umdenken bei der Europäischen Fußballunion führen. Es ist nicht ohne Pikanterie, dass Özil im Zentrum des Orkans steht mit seinen türkischstämmigen Einflüsterern im Hintergrund und dem eng-familiären Treffen mit Erdogan auf Seite 1. Profiteur dieser nicht zuletzt von Mesut Özils Familie losgetretenen Debatte wäre die Türkei mit ihren Folterkellern und willkürlichen Verhaftungen.

Welche Einstellung haben solche Zuwanderer wirklich zu Deutschland?

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  • Ralf 23. Juli 2018, 20:11

    Welche Einstellung haben solche Zuwanderer wirklich zu Deutschland?

    Mit Saetzen wie diesem beginnt bereits das Problem. Mesut Özil ist kein Zuwanderer. Er ist ein in Gelsenkirchen geborener deutscher Staatsbuerger, der keinen tuerkischen Pass mehr hat. Auch in Ihrem Beitrag wird auf den Fussballspieler als „tuerkischstaemmig“ Bezug genommen; also immer die Betonung auf die Blutsabstammung. In den Medien wird der Star von Arsenal seit Jahren staendig als „Deutschtuerke“ kommentiert, als taete es fuer die Beurteilung seiner sportlichen Leistungen irgendetwas zur Sache, aus welchem Land seine Grosseltern stammen.

    Ich habe viele Freunde und Bekannte mit Wurzeln in der Tuerkei, aber ich koennte Ihnen wahrscheinlich nicht einen einzigen nennen, der nicht – genau wie Mesut Özil – darueber klagt, staendig als „Deutschtuerke“ diskriminiert zu werden. Und ja, es handelt sich bei der Verwendung des Begriffs um aktive Diskriminierung, auch wenn viele derer, die den Begriff verwenden, das nicht mit boeser Absicht tun. Dass die Verwender dieses Begriffs keinen Fehl in dem Titel erkennen koennen, liegt schlicht daran, dass sie selbst nie die Erfahrung machen mussten, aufgrund ihrer Herkunft anders behandelt und damit ausgegrenzt zu werden. Ein in Deutschland geborener Mitbuerger mit tuerkischen Wurzeln versteht ein „Kompliment“ wie etwa „Sie sprechen aber gut deutsch“ verstaendlicherweise als Anfeindung. Auch ich wuerde den Satz so verstehen. Steckt hinter dem „Kompliment“ doch die Aussage, dass das Deutsch so hervorragend sei, fuer jemanden, der hier eigentlich gar nicht hingehoert. Auch in Kriminalstatistiken und Statistiken ueber Integrationswilligkeit stolpert man immer wieder ueber die Kategorie „Deutschtuerken“, in der froehlich Einwanderer der ersten, zweiten und dritten Generation wahllos durcheinander geworfen werden, mit stets beschaedigendem Ergebnis fuer die seit Jahren hervorragend Integrierten in Deutschland, die wieder und wieder als Kollateralschaden aus diesen Erhebungen herauskommen. Und so wird der Ruf dieser Menschen zunehmend ruiniert. Der Graben in der Gesellschaft wird immer groesser. All das geht bis hin zur unmittelbar rassistischen Diskriminierung, wenn Bewerber um einen Arbeitsplatz etwa deshalb nicht eingeladen werden, weil sie „Mesut“ oder „Özil“ heissen. Auch dazu gibt es klare Untersuchungen. Und wer dazu beitraegt, diese Mitbuerger schlecht zu machen, wer dazu beitraegt die Meinung in der Bevoelkerung gegen diese Mitbuerger zu wenden, wer dazu beitraegt, diese Mitbuerger aktiv zu desintegrieren, der darf sich nicht wundern, wenn die, die sich zurecht verschmaeht, beleidigt und erniedrigt fuehlen, sich letztlich dorthin wenden, wo sie mit offenen Armen empfangen werden. Einer der diese Verschmaehten mit offenen Armen empfaengt ist der tuerkische Praesident Erdogan. In all der Diskussion ueber das Photo, dessen Freund auch ich nicht bin, sollten wir doch ein paar Minuten der Frage widmen, warum diese Photos eigentlich entstanden sind und welche Schuld uns als deutsche Gesellschaft daran trifft.

    • In Dubio 23. Juli 2018, 20:45

      Ich denke Ihre Kritik geht fehl. Ganz zu Beginn des Artikels wurde klar gestellt, dass Mesut Özil ein Kind von Zuwanderern ist. Dazu habe ich die Entwicklung von Özil ausführlich aufgezeigt. Der Artikel heißt übrigens „Legionär zwischen den Nationen“. Ein Legionär gehört nirgends hin und hat nirgends eine Heimat. Er tut Dinge vor allem für Geld. Genau dies ist Özil regelmäßig von allen Seiten anhand von Indizien unterstellt worden.

      Sie sagen, Özil sei allein Deutscher. Ein Deutscher käme, so wirr manche auch sein mögen, nie auf den Gedanken, sagen wir König Salman als seinen König zu bezeichnen. Aber ein Deutscher mit türkischen Wurzeln kommt auf den absurden Gedanken, Erdogan als „seinen“ Präsidenten zu bezeichnen. Nur, an dieser Stelle kritisieren Sie, dass so jemand als „türkischstämmig“ bezeichnet wird (habe ich das eigentlich verwendet?).

      Und ein Teil der Storyline ist, dass ein Nationalspieler mehr ist als der Spieler eines Vereins mit dem Ziel, ein Fußballspiel zu gewinnen. Mit welchem Recht wurde sonst schon die DFB-Elf 1978 in Argentinien kritisiert oder 1982 in Spanien? Im Champions League Finale diesen Jahres rammt der Madrilene Ramos erst Liverpools Star Salah aus dem Spiel und verpasst später dem Torhüter Lori Karius eine Gehirnerschütterung. Die Ereignisse entscheiden das Spiel. Das interessiert heute niemanden mehr. Salah ist wieder genesen, Karius wird trotz seiner erklärlichen Aussetzer durch Alisson Becker von der AS Roma ersetzt. Dagegen diskutiert man noch heute in Frankreich und Irland, wie im November 2009 der Torjäger der Equipe Tricolore Thierry Henry mit einem Handtor die WM-Teilnahme von Le Bleu ermöglichte.

      Es gibt keine Gesellschaft ohne Diskriminierung und Rassismus, wie wir ihn modern formulieren. Doch Mesut Özil ist nicht das Opfer von Rassismus geworden, sondern dem Versuch, selbst seine nationale Identität zu optimieren. Wer in eine andere Gesellschaft zuwandert, wusste schon immer, dass dies mit Problemen verbunden ist. Das war 1500 mit Sicherheit schlimmer. Und wird Ihnen nicht attestiert, sehr gut Englisch zu sprechen?

      Mesut Özil ist der erste Nationalspieler in der Geschichte des DFB, der seinen Rücktritt in Englisch verkündete. Auch das lässt sich interpretieren, ganz sicher nicht so, dass hier eine hohe Identität mit Deutschland ausgedrückt wird.

      • Ralf 23. Juli 2018, 21:44

        Ein Legionär gehört nirgends hin und hat nirgends eine Heimat. Er tut Dinge vor allem für Geld.

        Hmmm … wie kommen Sie darauf, dass ein Legionaer nirgends hingehoert? Auch Deutsche, die ins Ausland auswandern, bleiben immer noch Deutsche, es sei denn sie entscheiden sich, sich voll mit der Kultur in ihrem Zielland zu identifizieren und geben die Identifikation mit ihrer Heimat auf. Mesut Özil ist nicht weniger deutsch als andere Deutsche, weil er sein Gehalt in England verdient. Haben Sie nicht selbst zeitweise im Ausland gearbeitet? Sind Sie deshalb weniger deutsch als andere Kommentatoren hier?

        Sie sagen, Özil sei allein Deutscher. Ein Deutscher käme, so wirr manche sind, nie auf den Gedanken, sagen wir König Salman als seinen König zu bezeichnen.

        Auch Mesut Özil hat Koenig Salman nicht als seinen Koenig bezeichnet. Aber es duerfte niemanden verwundern, dass jeder Buerger aufgrund des speziellen sozialen Kontexts, in dem er aufgewachsen ist, seine besonderen kulturellen Bezuege hat. Meine Eltern sind z.B. aus Rumaenien ausgewandert. Aus dem Grund gab es bei uns zuhause des Oefteren Essen aus der rumaenischen Kueche. Das macht mich – in Deutschland geboren – nicht weniger deutsch als Sie. Und wenn die rumaenische Fussballnationalmannschaft spielt, dann feuere ich sie an, es sei denn, sie spielt gegen Deutschland. Auch das macht mich nicht weniger deutsch als Sie. Und wenn Mesut Özil einen besonderen Bezug zur Tuerkei hat, weil seine Vorfahren von dort kommen, macht auch das ihn nicht weniger deutsch als mich oder als Sie. Und Deutsche, die wirr genug sind sich merkwuerdige Vorbilder zu suchen, gibt es ja nun auch genug. Besuchen Sie mal die Skinhead-Szene in Sachsen und fragen Sie die nach ihren Vorbildern.

        Mein Punkt ist, dass es traurig ist, dass sich Mesut Özil fuer dieses Werbephoto mit Erdogan hat missbrauchen lassen. Der Fussballer hat da eine ganz schlechte Entscheidung getroffen. Aber das unterscheidet ihn nicht von anderen Deutschen, die auch zuweilen ganz schlechte Entscheidungen treffen. Deutsch sein bedeutet, dass man sich mit der Kultur identifiziert, nicht dass man keine falschen Entscheidungen trifft. Und jemand, der eine falsche Entscheidung trifft, wird dadurch nicht weniger deutsch als andere.

        dass so jemand als „türkischstämmig“ bezeichnet wird (habe ich das eigentlich verwendet?)

        Zitat: „Mesut Özil hat es als Einwandererkind zu einem Reichtum und gleichzeitig Popularität gebracht wie es keinem anderen Türkischstämmigen in diesem Land vergönnt war.“

        Und ein Teil der Storyline ist, dass ein Nationalspieler mehr ist als der Spieler eines Vereins mit dem Ziel, ein Fußballspiel zu gewinnen.

        Ich glaube genau da muss nicht Mesut Özil sondern unsere Gesellschaft dazulernen. Fussballspieler sind Fussballspieler und nicht moralische Leuchttuerme. Wenn ein Waehler sich entscheidet seine Stimme einem brutalen Diktator zu geben, nur weil der ein Photo zusammen mit einem „Star“ gemacht hat, dann liegt das Versagen bei dem Waehler. Genauso wenig ist es verstaendlich, wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen, weil irgendein Schauspieler mit null Fachkenntnis seine Meinung kundgetan hat, dass Vakzine wirkungslos oder gefaehrlich seien.

        Es gab vielleicht einmal eine Zeit, in der oeffentliche Aeusserungen staerker vorgefiltert und in gewisse rationale Bahnen gelenkt wurden. Das war die Zeit ohne soziale Netzwerke, ohne Internet, ohne Privatfernsehen. Damals erlangte nur eine verschwindend geringe Minderheit oeffentliche Popularitaet und Beruehmtheit. Und von diesen wenigen Eliten konnte man vielleicht tatsaechlich mehr Vorbildcharakter erwarten. Heutzutage werden tausende zu „Superstars“, manche einfach nur aufgrund eines kurzen Youtube-Videos. Zeit also, dass wir als Gesellschaft ueberpruefen, wieviel Einfluss auf die oeffentliche Meinung wir diesen „Stars“ zugestehen. Ein Fussballspieler ist meist athletisch und sehr talentiert mit der Arbeit seiner Fuesse. Es gibt keine Korrelation dieser Talente mit besonderer Intelligenz. Folglich ist nicht davon auszugehen, dass jemand der viele Tore schiessen kann, auch gleichzeitig ein Experte fuer Politik und Geschichte ist. Wir sollten deshalb die Bedeutung eines ungeschickten Erdogan-Photos nicht ueberbewerten. Ja, die Sache ist nicht schoen. Aber sie ist auch nicht die Staatsaffaire, zu der sie die Medien ueber Wochen hinweg gemacht haben.

        Wer in eine andere Gesellschaft zuwandert, wusste schon immer, dass dies mit Problemen verbunden ist.

        Nochmal: Mesut Özil ist nicht zugewandert. Er ist in Deutschland geboren. Ich glaube selbst sein Vater war erst zwei Jahre alt, als er nach Deutschland kam. Auch bei seinem Vater kann man also nicht ernsthaft von einer „Zuwanderung“ sprechen, da seine gesamte soziale und kulturelle Praegung in Deutschland erfolgte und er keinerlei Erinnerungen an sein Leben in der Tuerkei haben duerfte.

        Mesut Özil ist der erste Nationalspieler in der Geschichte des DFB, der seinen Rücktritt in Englisch verkündete.

        Ich kann nicht erkennen, was Sie daran stoert. Die Fans von Mesut Özil kommen aus aller Welt und wenn der Fussballspieler mit seinen Anhaengern kommunizieren moechte, dann wird er eine Sprache waehlen, in der er moeglichst breit verstanden wird. Wo ist das Problem?

        • In Dubio 24. Juli 2018, 13:59

          Mesut Özil ist nicht weniger deutsch als andere Deutsche, weil er sein Gehalt in England verdient.

          Wie kommen Sie darauf?

          Mo Salah, Staatsbürger der ägyptischen Diktatur, zeigte sich während des Turniers in Russland mit dem tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow. Auch das führte zu einem öffentlichen, sogar internationalen Aufschrei. Immerhin leistete der Star von LFC keine solche Ergebenheitsadressen wie Özil. Ich finde, Sie argumentieren arg widersprüchlich: einerseits bestehen Sie darauf, dass bei Staatsbürgern wie Özil der Hinweis auf ihre kulturellen Wurzeln unterbleibt. Andererseits erklären Sie deren teils absurd erscheinendes Verhalten genau aus ihren tiefer liegenden Wurzeln. Das geht nicht zusammen.

          Und wenn die rumaenische Fussballnationalmannschaft spielt, dann feuere ich sie an, es sei denn, sie spielt gegen Deutschland. Auch das macht mich nicht weniger deutsch als Sie.

          Ich habe mir Ihre Herkunft durchaus gemerkt. Aber Sie beschreiben hier den Unterschied zu vielen Türkischstämmigen, nicht die Gemeinsamkeit. Folglich ist auch Ihre Schlussfolgerung umzukehren. „Das macht Türkischstämmige weniger Deutsch als Sie und mich“. Tatsächlich hat Deutschland in Qualifikationsspielen gegen die Türkei stets zwei Auswärtsspiele gehabt. Der DFB verlegt solche Spiele traditionell in Regionen mit hohem Anteil an türkischen Migranten, nach Dortmund und Berlin. Die Stadien sehen dann aus wie am Bosporus. Die türkisch-stämmigen Fans in Deutschland sind mehrheitlich Anhänger der türkischen Nationalmannschaft und von Clubs wie Galatasaray, Fenerbahçe und Besiktas.

          Und Deutsche, die wirr genug sind sich merkwuerdige Vorbilder zu suchen, gibt es ja nun auch genug. Besuchen Sie mal die Skinhead-Szene in Sachsen

          Interessant, dass Sie Özil und Gündogan nun schon mit Extremisten auf eine Stufe stellen. Okay, das war sehr spitz. Nur, würde es kein Bundesligaspieler, der schon mal den Hitlergruß gezeigt hat, es zu Nationalmannschaftsehren bringen.

          Fussballspieler sind Fussballspieler und nicht moralische Leuchttuerme.

          Das sehen Verbände, Vereine, Funktionäre, Politik und Spieler völlig anders. In jeder Saison, vor und während jedem großen Turnier werden Banner für Respekt und gegen Rassismus gereicht, Bekenntnisse gesprochen, Spots gesendet. Die Spieler profitieren unmittelbar von solchen Kampagnen, sie werden über Sponsoren dafür bezahlt. Spieler wie Kevin Großkreutz, Stefan Effenberg oder Sandro Wagner werden aus dem Elitekreis verbannt, wenn sie gegen den Common Sense verstoßen. Und nicht zuletzt: Profifußballer sind Vorbilder von Millionen Kinder und Nachwuchsspieler. Gerade deshalb müssen Nationalspieler sorgsam ausgewählt werden. Das gilt übrigens in gleichem Maße für die Auswahlen in Frankreich (googlen Sie mal Benzema und Ribery!), Belgien (Kevin De Bruyne/ Thibaut Courtois) oder England. Nur in Deutschland meinen einige, nachlässiger umgehen zu können.

          Es gab vielleicht einmal eine Zeit, in der öffentliche Äußerungen stärker vorgefiltert und in gewisse rationale Bahnen gelenkt wurden.

          Falsch, es ist genau umgekehrt. Selbst Özils sehr persönliches Abschlussstatement war in weiten Teilen wahrscheinlich gar nicht von ihm selbst verfasst. Und das sagt wohl eher etwas über Özil aus als über unsere Gesellschaft.

          Wir sollten deshalb die Bedeutung eines ungeschickten Erdogan-Photos nicht überbewerten.

          Özil ist Wiederholungstäter. Und genau deshalb darf man ihm die nach zwei Monaten gespielte politische Naivität nicht abnehmen. Und geschieht es völlig ohne Absicht, dass Özil mit seinen völlig überzogenen Vorwürfen des Rassismus allein Erdogan und der Türkei dient?

          Hamit Altintop, ebenfalls im Ruhrpott groß geworden, hat früher laut Süddeutscher Zeitung ebenfalls behauptet, Özil habe sich allein aus Karrieregründen für Deutschland entschieden. Die Özils haben zu Beginn seiner Karriere beim türkischen Staat beantragt, ihren Sohn aus der Staatsbürgerschaft zu entlassen.

          Mesut Özil ist aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten. Viele von deren Fans sind der englischen Sprache gar nicht so gut mächtig. Daraus folgt, dass Özils Adressaten andere waren als die Anhänger der DFB-Auswahl – für die er fast 10 Jahre gespielt hat. Kein Grund also, einem Söldner hinterherzutrauern.

    • Erwin Gabriel 25. Juli 2018, 14:07

      @ Ralf 23. Juli 2018, 20:11

      Ich habe viele Freunde und Bekannte mit Wurzeln in der Türkei, aber ich könnte Ihnen wahrscheinlich nicht einen einzigen nennen, der nicht – genau wie Mesut Özil – darüber klagt, ständig als „Deutschtürke“ diskriminiert zu werden.

      Ich habe zwei türkisch-stämmige Kollegen, die fließend Deutsch sprechen, und die in der Firma als geschätzte Kollegen und nicht unter einem nationalen oder rassischen Aspekt betrachtet werden. Die habe ich irgendwann einmal und unabhängig voneinander gefragt, ob sie sich als Türke oder Deutscher fühlen. Ihre Antwort lautete: „Ich bin natürlich beides“.

      Gleichzeitig beklagen sich auch diese beiden darüber, dass sie von Deutschen nicht nur als deutsch, sondern teilweise auch als türkisch-stämmig wahrgenommen werden. Das erscheint mir symptomatisch und widersprüchlich.

      es grüßt
      E.G.

      • Stefan Sasse 25. Juli 2018, 15:43

        Klar. Einwandereridentitäten sind immer widersprüchlich, das liegt in der Natur der Sache. Ich kann diese Widersprüchlichkeit aber als etwas Bereicherndes oder etwas Bedrohliches begreifen.

        • Ralf 25. Juli 2018, 20:08

          Ich finde diese Einwanderermentalitaeten eigentlich garnicht widerspruechlich. Kulturelle Identifikation funktioniert ganz schlicht und ergreifend nicht “additiv”. Jemand der sich zu 100% als Deutscher definiert, kann sich trotzdem genauso zu 100% als Tuerke sehen. Da gibt es keinen Widerspruch. Genauso hab ich z.B. mehrere Lieblingsgerichte. Haengt halt einfach von der Situation ab, in der Du mich fragst.

          Ein Problem entsteht erst dann, wenn nationale Identifikation so interpretiert wird, als muessten sich alle Identifikationen zusammengenommen auf 100% aufaddieren. Dann ist die Aussage jemand sei ein halber Tuerke gleichbedeutend mit der Aussage, dass derjenige dann eben auch nur hoechstens ein halber Deutscher sein kann (eben 100%-50%). Und das ist der Punkt, wo die Diskrimierung anfaengt. Wo Menschen eben nicht zugestanden wird wirklich voll dazuzugehoeren. Weil sie eben ja zu x % irgendeine andere nationale Identifikation haben.

          Und Mesut Özil hat ganz recht, dass diese Argumentation zielgerichet besonders die Tuerken und besonders Muslime trifft. Man schaue hierfuer in die Medien. Bei Lukas Podolski hab ich noch nie jemanden nahelegen hoeren, der gehoere nicht wirklich dazu …

          • In Dubio 25. Juli 2018, 20:59

            Bei Lukas Podolski hab ich noch nie jemanden nahelegen hören, der gehöre nicht wirklich dazu …

            Nur fragt man nicht, warum das so ist.

            • Stefan Sasse 26. Juli 2018, 06:32

              Ich fürchte meine Antwort würde dir nicht gefallen.

              • CitizenK 26. Juli 2018, 07:31

                Was ist das für ein Kriterium?

              • In Dubio 26. Juli 2018, 08:49

                Weil sie vermutlich ein Klischee ist.

                Im Kern geht es doch um die Klage Özils, von den deutschen Fans und der Öffentlichkeit nicht gemocht und zum Sündenbock abgestempelt zu werden. Dies überhöhte der 29jährige dann zu einer Rassismusklage.

                Als Mesut Özil Schalke 04 verließ, geschah dies mit deutlichen Misstönen. Aufgrund des Verhaltens des Nachwuchsspielers war es die wirtschaftlich beste Lösung, das Toptalent zu einem relativ günstigen Preis an den Konkurrenten Werder Bremen abzugeben. Dass Özil damit selbst die Anhänger in seinem Heimatverein gegen sich aufbrachte, spricht nicht gegen die Gelsenkirchener. Auch sein Weggang von seiner zweiten Profistation zu Real Madrid geschah fluchtartig und näherte bei Fußballinteressierten den Verdacht, dass es sich bei Özil um einen Spieler mit ausgeprägter Söldnermentalität handelt. In diese Reihe passen seine mehr als ein Jahr dauernden Vertragsverhandlungen mit Arsenal um eine Verlängerung des Arbeitspapiers, so dass selbst sein Förderer Arsene Wenger zeitweilig die Geduld verlor und den Regisseur warnte, nicht zu überziehen.

                Özil spielt seit Anfang 20 außerhalb der Reichweite deutscher Fußballbeobachter. Eine Fanliebe kann da kaum entstehen, das gilt auch für einen Toni Kroos, der erst später in seiner Karriere den Schritt ins Ausland wagte. Özil gibt seit Jahren keine Interviews, äußert sich nicht vor Fernsehkameras, selbst beim Training kann man dem Arsenal-Star nicht nah sein. Auch junge Autogrammjäger ließ er meist stehen. Und am Ende schafft er, anders als alle anderen Führungsspieler des Teams, noch nach Wochen kein Wort der Selbstkritik weder in Bezug auf die gezeigte sportliche Leistung noch sein Verhalten außerhalb des Fußballplatzes. Wenig können Menschen weniger leiden als Mitmenschen, die trotz erkennbarer Fehler und Fehlverhalten zu keiner Selbstreflektion fähig sind. Nicht wenige charakterisieren Özil daher als völlig abgehoben.

                Es gibt biodeutsche Spieler, die für weit weniger von den Partygängern der DFB-Elf abgelehnt werden und wurden. Wie kommst Du darauf, dass es sich bei der Ablehnung von Özil um Rassismus oder Islamophobie handeln würde?

                Nun wird dann noch deutlich, dass Özil mit seinem Timing der Veröffentlichung dem von ihm verehrten Erdogan noch einen Elfmeter geschenkt hat. Seit Beginn dieser Woche agitieren türkische Verbandsvertreter bei der UEFA und präsentieren Deutschland im Allgemeinen und den DFB im Besonderen als Hort von Rassismus, wohl wissend, dass wenig in Nyon so zieht wie der Vorwurf, Menschen wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe zu diskriminieren. Sollte die Türkei Ende September überraschend den Zuschlag für die Euro 2024 erhalten, so wäre das zu einem deutlichen Anteil dem Deutschen Mesut Özil zuzuschreiben.

                Soweit kenne ich die Situation im deutschen Fußball: Mesut Özil könnte sich danach für Jahre nicht mehr in dem Land seiner gewählten Nationalität blicken lassen.

                • Erwin Gabriel 6. August 2018, 07:08

                  Zustimmung in jeder Hinsicht!!

                  es grüßt
                  E.G.

          • Stefan Sasse 26. Juli 2018, 06:24

            Unsere beiden Aussagen schließen sich nicht aus. Ich denke, du wirst immer gewisse Widersprüche in der Identität von Einwanderern haben, aber ich sehe diese Widersprüche eben nicht als Problem. Ich habe auch Widersprüche in meiner Identität, nur eben keine, die mit Einwanderung zu tun haben. Das ist völlig normal. Ansonsten unterschreibe ich deinen Post 100%.

  • CitizenK 23. Juli 2018, 20:33

    Welchen Sinn haben eigentlich „Welt“-Meisterschaften zwischen „National“-Teams, wenn deren Mitglieder vor dem Ereignis in den Klubs von diversen anderen Staaten zusammengeklaubt werden – und mancher nur dafür den jeweiligen Pass bekommt?

    • In Dubio 23. Juli 2018, 20:50

      Deswegen hat der Weltverband FIFA dafür Regeln aufgestellt. Bemerkenswert finde ich übrigens, dass z.B. das russische Team explizit auf Legionäre verzichtet hat. Der neue Weltmeister Frankreich wird ob seiner gelungenen Integration gelobt, weil jeder Spieler des Teams einen Migrationshintergrund besitzt. Was ein ziemlicher Schmarrn ist, das ist nämlich nur eine neue Form der Separation. In Frankreichs Team ist Fußball ein Unterschichtensport. Ein kluger Zeitgenosse schrieb die Tage, Integration ist dann gelungen, wenn Migranten in die Sportarten der Oberklasse eingedrungen und sich durchgesetzt haben. Da ist wohl etwas dran.

  • popper 24. Juli 2018, 07:04

    „Aber ein Deutscher mit türkischen Wurzeln kommt auf den absurden Gedanken, Erdogan als „seinen“ Präsidenten zu bezeichnen.“

    Warum behaupten Sie Falsches. Özil sagt: „Für mich ging es bei einem Foto mit Präsident Erdogan nicht um Politik oder um Wahlen, sondern darum, das höchste Amt des Landes meiner Familie zu respektieren“, er spricht eben gerade nicht von seinem Präsidenten, wie Sie wahrheitswidrig und tendenziös unterstellen.

    • In Dubio 24. Juli 2018, 13:09

      Bei dem Treffen mit Erdogan überreichten sowohl Özil als auch Gündogan eigene, handsignierte Trikots. Der Spieler von ManCity schrieb dazu sogar „Für meinen Präsidenten. Hochachtungsvoll!“ Wohlgemerkt, weder Gündogan noch Özil besitzen den türkischen Pass. Wie man da auf den Gedanken kommen kann, von Erdogan von „meinem Präsidenten“ zu schreiben, ist mir schleierhaft. Das geht weit über jede Höflichkeitsadresse im europäischen Kulturkreis hinaus.

      Özil hat sich in den letzten Jahren häufiger öffentlichkeitswirksam mit dem türkischen Machthaber getroffen. Diese Treffen wurden dabei regelmäßig propagandamäßig ausgeschlachtet. Selbst wenn Sie keine überdurchschnittliche Intelligenz unterstellen, davon auszugehen, er wüsste nicht um die Wirkung solcher Fotos ist bescheiden naiv.

      • Marc 24. Juli 2018, 13:13

        Nicht Özil, das war nur Gündogan

        • In Dubio 24. Juli 2018, 14:01

          Özil spielt für Arsenal London, Gündogan für ManCity. Was habe ich geschrieben?

          Der Spieler von ManCity schrieb dazu sogar „Für meinen Präsidenten. Hochachtungsvoll!“ Wohlgemerkt, weder Gündogan noch (..)

          • marc 24. Juli 2018, 14:10

            Im Artikel oben beziehen sie die Aussage Gündogans auf beide:

            Obwohl beide Nationalspieler keinen türkischen Pass besitzen, umschmeichelten sie den Autokraten mit Liebeserklärungen und dem Bekenntnis, ihr Präsident zu sein.

            Das ist eindeutig Fake News.

            • In Dubio 24. Juli 2018, 15:23

              Fake News sind falsche Aussagen. Keine Aussage von mir ist falsch. In dem Raum waren im besagten Mai offiziell 4 Personen. 3 davon machten der einen Person ihre Ehrerbietung deutlich, schenkten handsignierte Trikots. Es ist offensichtlich, dass alle 3 der gleiche Wunsch beseelte. Emre Can, der auch eingeladen worden war, lehnte übrigens ab. Man kann daraus schließen, dass er anders zu Erdogan steht als besagte deutsche Nationalspieler.

              Übrigens: Bundespräsident Steinmeier hat sich zuletzt nicht zur Causa Özil zu Wort gemeldet, wohl aber der türkische Präsident, der nach eigener Aussage mit dem Ex-Nationalspieler telefoniert hat. Stellt sich die Frage warum. Sicher nicht, um über seine Position unter dem neuen Trainer von Arsenal zu diskutieren. Es ist nicht überliefert, dass sich Özil gegen solche Übergrifflichkeit zur Wehr gesetzt hätte. Schließlich ist er deutscher Staatsangehöriger und nicht türkischer. Falls das untergegangen sein sollte.

              Sie zeigen halt wieder, dass es Ihnen allein darum geht, mir persönlich einen mitzugeben. Ist halt auch ein Charaktermerkmal.

              • Marc 25. Juli 2018, 07:36

                Dass sie den Unterschied zwischen Unterstellung und Fakten nicht kennen, verwundert mich nicht. Man kann und darf Özil kritisieren, für das Treffen, das Foto und sein Schweigen danach. Wenn der Trainer an ihm trotz alledem festhält, auch wenn er vermeintlich keine Leistung erbringt, dann liegt die Verantwortung aber nicht mehr bei Özil, sondern bei Löw.
                Wenn sie aber den Trainer aus der Schusslinie nehmen, weil dieser einen ordentlichen Herkunftshintergrund hat, dann ziehe ich meine Schlüsse über ihren Charakter hieraus.

            • CitizenK 25. Juli 2018, 07:56

              Nein, Marc.
              Vielleicht ungenau oder ein Irrtum, aber doch keine Fake News.

              Und lasst doch bitte beide den Quatsch mit den Ferndiagnosen über den Charakter des Gegenübers.

              • Marc 25. Juli 2018, 14:17

                Dann unbedarft übernommen. In gewissen Kreisen wird diese Fake News über Özil aktiv befeuert.

          • popper 24. Juli 2018, 15:04

            Nee, Herr Pietsch, aus dem Kontext ergiebt sich eine eindeutige personale Zuordnung, wenn es dort heißt: „Sie sagen, Özil sei allein Deutscher. Ein Deutscher käme, so wirr manche auch sein mögen, nie auf den Gedanken, sagen wir König Salman als seinen König zu bezeichnen. Aber ein Deutscher mit türkischen Wurzeln kommt auf den absurden Gedanken, Erdogan als „seinen“ Präsidenten zu bezeichnen.“

            • In Dubio 24. Juli 2018, 15:24

              Das mögen Sie so sehen und verstanden haben. Dann ist es aber höchstens missverständlich formuliert. Daraus mehr oder gar „Fake News“ abzuleiten, ist niederträchtig.

              • popper 25. Juli 2018, 10:17

                Den Vorwurf „Fake News“ würde ich hier nicht sehen und halte den Begriff schon für inflationär. es ging mir nur darum, Sie an ihren eigenen Worten festzuhalten. Mehr nicht.

                • Stefan Pietsch 25. Juli 2018, 10:17

                  Sie haben den Vorwurf nicht gemacht, alles in Ordnung.

                • Stefan Sasse 25. Juli 2018, 15:40

                  „Fake News“ ist das gleiche wie „Moralisieren“. Inflationär verwendet, reine Invektive, Bedeutungsleer.

                  • Erwin Gabriel 6. August 2018, 07:11

                    @ Stefan Sasse 25. Juli 2018, 15:40

                    „Fake News“ ist das gleiche wie „Moralisieren“. Inflationär verwendet, reine Invektive, Bedeutungsleer.

                    Auch wenn es stimmt?
                    🙂

                    Aber da wolltest Du ja noch einen Artikel zu schreiben…

  • Marc 24. Juli 2018, 07:32

    Es ist alles noch schlimmer!1!! Özil hat dem türkischen Diktator nicht nur Unmengen an Waffen und Geld in sämtliche Körperöffnungen geschoben, sondern er gab seine Hand dem Vorsitzenden des Dachverbands der grauen Wölfe, einer türkisch-faschistischen Organisation. So was darf eine Bio-Herkunfts-Kartoffel aus genetischen Gründen niemals machen – ach, das war er ja gar nicht, das war ja Mutti.

    https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/extremismus-graue-woelfe-angela-merkel-tuerkei-treffen

    Tschuldichkeit

  • bevanite 24. Juli 2018, 11:54

    Einige gewagte Aussagen, die beweisen, dass Sie Özils Karriere nicht wirklich verfolgt haben – oder generell Fußballspieler nur danach bewerten, wieviele Tore und Vorlagen sie bei großen Turnieren liefern. Das würde aber einem Özil nicht gerecht werden, denn als Spieler war er phasenweise schlichtweg genial. Seine Leistungen waren sportlich nur selten „umstritten.“ Bei Werder, bei der WM 2010 und danach bei Real Madrid spielte er wie ein junger Gott. Er wurde auch nicht von Real „verstoßen“, wie Sie behaupten. Die Königlichen mussten damals den Rekordtransfer von Gareth Bale gegenfinanzieren. Der Transfer war damals sowohl bei Real-Fans als auch bei Fachleuten sehr umstritten und es dürfte auch noch in Erinnerung geblieben sein, dass kein Geringerer als Cristiano Ronaldo Özils Abgang zu Arsenal sehr bedauerte, denn wer, so sinngemaeß CR7, sollte ihm nun die Vorlagen zu seinen zahlreichen Toren liefern? Auch bei Arsenal wusste man langezeit, was man an ihm hat. Dass er zwischendurch auch mal weniger gute Spiele machte – klar, aber welchem Spieler ging das nicht so? Sein Standing in der Nationalmannschaft stand spielerisch eigentlich nie wirklich zur Debatte, da wird mir nun jetzt nach der Causa Erdogan von gewissen Kreisen zuviel die Geschichte umgeschrieben. Aus konservativen Kreisen hört man nun bizarre Aeußerungen, dass Özil nur als Symbolfigur für die multikulturelle Gesellschaft in den Kader berufen wurde – wer sowas behauptet, hat in den Jahren 2008 bis 2010 kein Bundesligaspiel oder in den frühen Zehnern keines der Champions League oder der Primera Division gesehen.

    Mir macht dieser Backlash schon etwas Angst. Bei der WM 2010 galt Özil noch als Aushaengerschild gelungener Integration, nun ist er auf einmal der Buhmann und das Symbol nicht gelungener Integration. Diese BILD-artigen „Heute hip, morgen abgeschossen“-Wendungen sind doch einfach nur abartig.

    Özil ist also „ein Wanderer zwischen den Welten, ohne wirklichen Ankerpunkt“ – aha, sind Sie sein persönlicher Psychologe? Und könnten seine Aeußerungen auf Englisch nicht einfach mit dem schlichten Grund zu tun haben, dass er derzeit bei Arsenal – kleiner Tipp: einem englischen Club – unter Vertrag steht und ein Großteil seiner Twitter-Follower nunmal Englisch eher versteht als Deutsch oder Türkisch? Arsenal hat nunmal in der ganzen Welt Fans.

    Blöd gelaufen jedenfalls. Özil ist im besten Fußballer-Alter und haette zumindest noch die naechste EM spielen können. Meines Erachtens haette man das mit dem Erdogan-Foto bereits im Vorfeld der WM intern klaeren können, aber da haben sich wohl beide Seiten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und mit dem Herrn Grindel gab es offenbar noch eine laengere Vorgeschichte, die man bei aller Naivitaet Özils gegenüber Erdogan nicht verschweigen sollte, siehe hier: https://www.11freunde.de/artikel/warum-reinhard-grindels-aussagen-niemanden-ueberraschen-sollten/page/1

    Meiner Meinung sollten daher tatsaechlich beim DFB ein paar Herren ihren Hut nehmen, denn professionelles Krisen- oder Personalmanagement sieht anders aus.

    • In Dubio 24. Juli 2018, 12:52

      Einige gewagte Aussagen, die beweisen, dass Sie Özils Karriere nicht wirklich verfolgt haben – oder generell Fußballspieler nur danach bewerten, wieviele Tore und Vorlagen sie bei großen Turnieren liefern.

      Nun, Sie belegen auch, dass Sie nur bedingt etwas von Fußball verstehen, weil Sie ein paar Platituden nachreden, die heute so den Fakten nicht mehr standhalten. Natürlich sind mir die Details rund um den Wechsel von Özil bekannt. Nur, wohin ist der Offensivspieler denn gewechselt? Von der Nr. 1 in Europa, Real Madrid ging es zu einem Verein, der seit Jahren auf dem absteigenden Ast sich befindet. In der Premier League ist Arsenal schon lange abgehängt und Özil hat daran seinen Anteil. Wie in der Nationalelf zeigt er hervorragende Daten gegen unterklassige Teams. Dagegen erarbeitet er nur wenige Vorlagen und noch weniger Tore in Spiele, wo es um etwas geht. Bei der WM 2014 erzielte der spätere Weltmeister im Turnierverlauf 19 Tore. Zwar agierte Özil in Brasilien in einem defensiven 4-3-3 häufig auf dem Flügel, dennoch ist seine Bilanz mit 1 Tor und einer Vorlage desaströs schlecht für einen Offensivspieler. Typisch war die Verlängerung im Achtelfinale gegen Algerien, wo er in einer Kontersituation zweimal frei vor dem Tor war, jedesmal aus der besseren Position aber ablegte.

      Sie verweisen auf die Zeit zu Beginn seiner Karriere, nur sind seit dem Ewigkeiten ins Land gegangen. Mit Özil erreichte Real Madrid wenig auf internationalem Parkett, erst mit dem deutlich robusteren Deutschen Toni Kroos gelang viermal der Gewinn der Königsklasse – mit Kroos als einem der entscheidenden Spieler. Ich weiß auch, dass Kroos als 6er oder 8er agiert. Seine Aufgaben sind jedoch weitgehend die Gleichen wie die für Özil.

      Ich wusste nicht, dass die meisten deutschen Fußballfans – Engländer sind eher selten Anhänger der hiesigen Nationalmannschaft – ein so ausgefeiltes Englisch verstehen. Nur zur Erinnerung: Mesut Özil ist aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten. Amtssprache ist dort Deutsch. Und dann schreiben Sie noch, Özil wäre im besten Fußballeralter. Deutlich daneben geschossen. Die heutige Spielergeneration, egal ob sie Messi, Schweinsteiger, Iniesta, Piquet, Fabregas, Thomas Müller, Lewandowski, Ribery, Sanchez heißen, vollbrachten ihre absolut herausragenden Leistungen im Alter von Anfang 20 bis so 26, 27 Jahre. Der Leistungszyklus von Profifußballern hat sich in die jüngeren Jahre verlagert. Auch bei Özil häufen sich die Verletzungen und seine Leistungsdaten zeigen seit Jahren nach unten.

      Der Punkt ist: Özil wollte sich nicht erklären. Er ist die zentrale Person in der Affäre, er wurde auch vom Medientermin in der Vorbereitung freigestellt. Was Özil am Sonntag zu der Sache geschrieben hat, hätte er auch zwei Monate vorher erklären können. Er hat die Affäre in die Mannschaft und den Kader getragen und wie nach dem Ausscheiden Führungsspieler durchklingen ließen hat das Thema der Mission Titelverteidigung erheblich geschadet. Özil hat als Egoshooter agiert, das sollte bei all der Kritik am DFB nicht vergessen werden.

      Ein Ronaldo kann sich das auch mit 33 noch erlauben, weil seine Leistung überragend ist. Das gilt schon lange nicht mehr für Mesut Özil.

      Noch etwas: Löw stellte 2009 sein System extra für Özil um. So musste der Bundestrainer erst Monate zuvor bei der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich während des Turniers vom lange gehegten 4-4-2 auf das damals moderne 4-2-3-1 umstellen. Ballack, bis 2009 deutlich offensiver ausgerichtet, wurde für Özil zurück auf die 6er Position gezogen und bei der WM 2010 verletzungsbedingt durch Sami Khedira ersetzt. Bis heute spielt die Nationalelf in dieser Formation, obwohl die Zeit längst darüber hinweggegangen ist.

    • Erwin Gabriel 25. Juli 2018, 14:54

      @ bevanite 24. Juli 2018, 11:54

      Und mit dem Herrn Grindel gab es offenbar noch eine laengere Vorgeschichte, die man bei aller Naivitaet Özils gegenüber Erdogan nicht verschweigen sollte, siehe hier: https://www.11freunde.de/artikel/warum-reinhard-grindels-aussagen-niemanden-ueberraschen-sollten/page/1

      Meiner Meinung sollten daher tatsaechlich beim DFB ein paar Herren ihren Hut nehmen, denn professionelles Krisen- oder Personalmanagement sieht anders aus.

      Bislang ist mir Grindel auch nur aufgefallen als jemand, der sich mit auf jedes „wichtige“ Foto drängt. Er ist nicht offen, nicht aufklären, nicht tolerant, sondern auch nur ein machtgeiler Spacko.

      Und ja, ich finde, dass er sich auf der einen Seite genug geleistet und auf der anderen Seite genug unterlassen hat, um abgeräumt zu werden.

      Aber das hat nichts mit Özil zu tun. Der ist gescheitert, vielleicht sogar zu einem geringen Teil an (von ihm selbst immer wieder befeuerten) Vorbehalten gegenüber seiner Herkunft. Aber hauptsächlich aufgrund seiner Ich-Bezogenheit, die ihn alle Fehler, Missverständnisse etc imer bei den anderen suchen lässt.

  • Erwin Gabriel 25. Juli 2018, 14:42

    @ Ralf 23. Juli 2018, 20:11

    Einer der diese Verschmähten mit offenen Armen empfängt, ist der türkische Präsident Erdogan. In all der Diskussion über das Photo, dessen Freund auch ich nicht bin, sollten wir doch ein paar Minuten der Frage widmen, warum diese Photos eigentlich entstanden sind und welche Schuld uns als deutsche Gesellschaft daran trifft.

    Da wird ein wenig die Ursache mit der Wirkung verwechselt. Özil wurde nicht „verschmäht“ und stürzte in die Arme des türkischen Präsidenten; es war eher andersherum.

    Özil ist außerdem deshalb ein eher misstrauisch beäugter Spieler, weil er zweimal seinen Verein trotz bestehendem Vertrag wechseln wollte. Als der die jeweiligen Vereine dem Wechsel ablehnend gegenüberstanden, ging seine Leiszung auf dem Platz beide Male rapide in den Keller. Irgendwann gaben die Vereine nach, und Özil wechselte in beiden Fällen mit deutlich mehr Gehalt in Vereine mit mehr Potential.

    Fans vergessen so etwas nicht, und betrachten und brandmarken solche Spieler als Legionäre, die sich nicht um Verein oder Fans, sondern nur um sich kümmern. Da ist die Nationalität des Spielers egal.

    Das Foto mit Erdogan war aus Sicht der Spieler sicherlich in Ordnung – ob sie nun durch wirtschaftliches Entgegenkommen, Eitelkeit oder oder aus Nationalstolz an die Seite des türkischen Präsidenten getrieben wurden. Was aber definitiv kein Grund war, ist eine rassistisch begründbare Ablehnung der Spieler durch die deutsche Gesellschaft.

    Auch hat der türkische Präsident die beiden nicht deshalb während seines Wahlkampfes empfangen, um sie wegen des in Deutschland erlittenen Ungemachs zu trösten. Das musste beiden Spielern klar sein. Sie machten die Aufnahme trotzdem – bei voller Kenntnis der Situation in der Türkei, der Bewertung dieser Situation in Deutschland, oder der Beschimpfungen Merkels und der Deutschen durch Erdogan als Nazis.

    Gerade bei Gündogan und Özil hat sich die deutsche Gesellschaft Mühe gegeben.

    • Ralf 25. Juli 2018, 20:35

      Ich befuerchte, dass viele Integrationsfaehige in die Arme Erdogans fallen nicht erst dann, wenn sie Starfussballer und Multimillionaer geworden sind, sondern in ihren jungen Jahren, in denen sie in der deutschen Gesellschaft typischerweise Ablehnung, Ausgrenzung und Erniedrigung erfahren. Am Ende des aktiven Desintegrationsprozesses steht bei den Betroffenen dann die Hinwendung dorthin, wo man willkommen ist. So produziert man Waehler fuer den Diktator in Istanbul. Neben einem Haufen anderer gesellschaftlicher Probleme. Und im Falle von Starfussballern produziert man so ein Erdoganphoto.

      • In Dubio 25. Juli 2018, 21:06

        Also die Logik habe ich nie verstanden: jemand geht nach Deutschland (oder schätzt hier die guten Lebensbedingungen inklusive die Möglichkeit, über Diskriminierung zu klagen). Da er sich jedoch hier diskriminiert fühlt, treibt ihn das in die Arme von jenem, der all das nicht bietet. Allerdings nicht so sehr, dass man sich vorstellen kann, irgendwann in der Türkei zu leben. Einfach nur so.

        Da kann man auch verstehen, dass unzählige Deutsche Hitler hinterhergerannt sind und Juden vergasen wollten. War irgendwie zwangsläufig.

        Es ist eher verwunderlich, dass Menschen, in den der deutsche Staat über hunderttausend Euro allein in die Bildung investiert hat, am Ende von 10 oder 13 Jahren Schulzeit, täglichen demokratischen Debatten in Medien wie auf der Straße, am Ende es geil finden, wenn Kinder möglichst wenig in die Schule gehen, Menschen willkürlich (ohne Diskriminierung) eingesperrt werden und das offene Wort verpönt und manchmal unter Strafe steht.

        Ich muss gestehen, ich verstehe diese Art von Logik nicht.

        • CitizenK 26. Juli 2018, 03:10

          Das ist nur Psycho-logisch zu verstehen. Emotionen sind meist stärker als die Ratio.

          Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind, es gibt keine anderen. Von Adenauer.

          • Stefan Sasse 26. Juli 2018, 06:33

            Das.

          • In Dubio 26. Juli 2018, 08:55

            Das hat der Alte gesagt? Wenn bei mir als Jugendlicher eine Beziehung mit einem Mädchen, Beuteschema: blond, scheiterte, bin ich auch nicht danach zu Brünetten gewechselt.

      • Stefan Sasse 26. Juli 2018, 06:32

        Jupp.

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