Markus Söder bezahlt Praktikanten, durchschaut Verschwörungen, geht ins Altenheim in Florifda, agitiert gegen Busse, ist vom EU-REcht überfordert und beschwert sich über Amazons Rückgabepolitik – Vermischtes 23.06.2018

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.

1) „Deutschland hat verschlafen“

SPIEGEL ONLINE: Für das Geschehene in Namibia wurde in Deutschland erstmals 2015 offiziell das Wort „Völkermord“ verwendet. Woran liegt das?

Melber: Das hat damit zu tun hat, dass es schmerzlich ist, einsehen zu müssen, dass Deutschlands dunkle Vergangenheit sich nicht allein auf das Kapitel der Naziherrschaft beschränkt.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, weil man schon so sehr mit der Aufarbeitung des Holocaust beschäftigt ist, ist kein Raum mehr?

Melber: Genau. Und die Kolonialzeit wurde und wird noch immer als gute alte Zeit romantisiert. Das hat dazu geführt, dass kein öffentliches Bewusstsein für die Kolonialverbrechen entstanden ist. Daraus resultiert eine Haltung, die dem Motto folgt: „Jetzt lasst es doch gut sein. Wie weit sollen wir denn noch in der Geschichte zurückgehen und schauen, was deutsche Schuld ist und was nicht?“

SPIEGEL ONLINE: Geht es bei der Aufarbeitung denn nur um die Schuldfrage?

Melber: Es geht um ein Schuldeingeständnis. Das heißt nicht, dass wir im Büßergewand rumlaufen müssen, als hätten wir persönlich die Kolonialverbrechen begangen. Aber Namibia erwartet, dass Deutschland das begangene Unrecht eingesteht und sich dafür entschuldigt. Das ist Voraussetzung für eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte. (SpOn)

Ich habe es bereits im letzten Vermischten angesprochen: Deutschland sollte dringend mehr für seine Aufarbeitung des Völkermords in der Kolonialzeit tun. Dieses Interview mit einem Afrikanisten gibt eine Reihe guter Gründe und Einschätzungen dafür. Auf der anderen Seite ist die Haltung der Regierung verständlich. Würde man offiziell „Völkermord“ anerkennen und Reparationen bezahlen, würde man Pandoras Box öffnen und eine ganze Welle von Klagen bekommen. Daher wird die Regierung diese Begriffe zwingend vermeiden. Aber das ist an und für sich nicht das Problem; das wäre durchaus möglich. Die Regierung tut sich leider bereits mit der grundsätzlichen Anerkennung schwer. Und das ist schade, denn damit leistet man dem geistigen Vogelschiss Vorschub, den Schweine wie Gauland vertreten. Und bevor jemand meine Wortwahl kritisiert, mir war nicht klar, dass jemand diese Worte negativ interpretieren könnte. Gauland wird da sicherlich Verständnis dafür haben.

2) Das geheime Dahinter

Die Verschwörungstheorie ist nicht mehr der Modus der Verrückten, die in der Fußgängerzone stehen und predigen, sie lässt sich nicht mehr an den Rand exotisieren. Sie ist mentaler Ausweg der Mitte, existiert im Kopf einflussreicher Publizisten, im Bundestag. Nicht nur bei der AfD. Christian Lindner begründet die Notwendigkeit eines Bamf-Untersuchungsausschusses mit dem Hinweis, man müsse Verschwörungstheoretikern die Grundlage entziehen. Womit er sich zwar vordergründig gegen Verschwörungstheorien stellt, sie aber gleichzeitig adelt. Offenbar hält Lindner die Theorie, hinter dem amtlichen Durchwinken von Flüchtlingen stehe ein politischer Großplan, für widerlegenswert. Je komplexer der Weltabdruck in unserer Wahrnehmung, desto höher ist die Gefahr, dass der Kopf auf den abgesicherten Modus umschaltet. Wenn in Syrien ein Bürgerkrieg ausbricht, der von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr komplizierter wird, unter Beteiligung des Iran, Russlands, der USA, Terroristen, Islamisten, Salafisten, Kurden, wenn sich Hunderttausende auf die Flucht machen, manche religiös, manche nicht, der eine nett, der andere nicht, jeder mit eigener Biografie – wenn diese Menschen abgerissen über Felder marschieren und plötzlich vor uns stehen, als herausfordernde Tatsache, als Mosaik der Millionen Geschichten, dann ist es verlockend, dahinter einen Generalplan zu vermuten. Zum Beispiel das Vorhaben Angela Merkels, die deutsche Bevölkerung komplett auszutauschen. Soll doch erst mal jemand beweisen, dass es nicht so ist! (Zeit)

Bevor jemand den Artikel mit „Ah, Rechten-Bashing!“ ignoriert, auch die Linke von Lafontaine bis Augstein kriegt ihr Fett weg. Der oben verlinkte Artikel erklärt ziemlich gut, was eigentlich eine „Verschwörungstheorie“ ausmacht, und warum diese Dinger immer die gleiche Gruppe von Leuten anziehen. Ich möchte besonders hervorheben, dass Lindners ostentives Vorgehen gegen diesen Unsinn in Wirklichkeit auch nur der Versuch ist, mitzuspielen ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen.

Ein ähnliches Spiel gab es im Ersten Weltkrieg: Angesichts der immer schlechteren Lage an der Front beschloss die Oberste Heeresleitung, einen internen Blitzableiter zu schaffen und gab mit großem Publicity-Aufwand eine Studie in Auftrag, die überprüfen sollte, ob – wie von der Kritik von rechts immer behauptet wurde – tatsächlich weniger Juden an der Front Dienst taten als ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde. Durch die aggressiv publizierte Studie wurde die Verschwörungstheorie, nach der Juden (wie und von wem auch immer) Vorzugsbehandlung bekommen sollten und sich nicht für Deutschland aufopferten, wie es „echte Deutsche“ taten, überhaupt erst im Bewusstsein der Mehrheit außerhalb des rechten Fiebersumpfs verankert, bekam quasi durch die OHL das „Seal of Approval“. Als dann herauskam, dass die Juden sogar überdurchschnittlich häufig an der Front dienten (und fielen), ließ die OHL die Studie still und heimlich begraben, weil es nicht ins Narrativ passte. Der Brunnen war aber vergiftet, und der Vorwurf war die nächsten dreißig Jahre ein Dauer-Baustein von Hitlers Hetzreden und denen anderer Antisemiten.

Die Moral von der Geschichte: Lindner macht sich die Hände schmutzig, auch wenn es im Moment nicht so aussieht, und er gehört dafür angegriffen und verurteilt. Die Normalisierung dieses ganzen Drecks durch ihn und seinesgleichen ist es, die das Klima in Deutschland vergiftet, nicht die AfD. Die und ihre 13% könnte man einfach isolieren und ignorieren.

3) Generation Pickleball: Welcome to Florida’s political tomorrowland

The Villages is America’s largest retirement community, a carefully planned, meticulously groomed dreamscape of gated subdivisions, wall-to-wall golf courses, adult-only pools and old-fashioned town squares. It’s advertised as “Florida’s friendliest hometown,” and it’s supposed to evoke a bygone era of traditional values when Americans knew their neighbors, respected their elders and followed the rules. It has the highest concentration of military veterans of any metropolitan area without a military base. It has strict regulations enforcing the uniformity of homes (no second stories, no bright colors, no modern flourishes) as well as the people living in them (no families with children, except to visit). And it is Trump country, a reliably Republican, vocally patriotic, almost entirely white enclave that gave the president nearly 70 percent of the vote. Older voters are America’s most reliable voters, which is why baby-boomer boomtowns like The Villages represent the most significant threat to a potential Democratic wave in Florida in 2018—and the most significant source of Republican optimism for many years to come. […] Republicans outnumber Democrats by more than 2:1 here, and in interviews, they generally expressed support for Trump’s tax cuts, as well as his hands-off approach to Medicare and Social Security. That has helped blunt the perennial Democratic pitch to seniors: Choose us, because Republicans are coming for your checks. But what really attracted them to Trump were issues that had little to do with their pocketbooks or their daily lives—like his opposition to sanctuary cities, or his insistent rhetoric about strength, or his attacks on Muslims, MS-13 and protests by black athletes. They feel like Trump is on their side in a cultural war against cop-haters, their perception of scheming foreigners, global warming alarmists, and other politically correct avatars of disorder and decline; they thought President Barack Obama was on the other side, standing with transgender activists, welfare freeloaders and Islamic terrorists. And when Trump vows to make America great again, they sense that he means more like The Villages. “They want an America that’s a little more like it was when they were growing up, and that’s what Trump is offering,” says Daniel Webster, the area’s conservative Republican congressman. Dennis Baxley, the area’s equally conservative Republican state senator, points out that The Villages offers that, too, with safe streets, light traffic, artificial lakes that provide a real sense of serenity, and hundreds of support groups for every imaginable malady or hardship. It’s a throwback to when they were children in 1950s America, without actual children. (Politico)

Es ist die Generation der Babyboomer, die die Welt zugrunderichtet. Ob Brexit, ob Trump, ob LePen oder AfD, überall sind es die über 60jährigen, die an vorderster Front dabei sind. Sie setzen eisern ihre Interessen durch, und auf nachfolgende Generationen ist geschissen. Das Frustrierende ist, dass sie das nur können weil sie eine extrem hohe und zuverlässige Wahlbeteiligung haben, während sich die Jungen offensichtlich nicht dazu bequemen können, ihre eigene Zukunft zu retten.

Das erinnert mich an ein Gespräch, das ich kürzlich mit einer Kollegin (um die 30) hatte. Es ging um die betriebliche Altersvorsorge, und ich wollte im Betriebsrat etwas dafür erreichen (Details tun wenig zur Sache). Sie lachte nur und meinte, dass sie sich um die Rente noch keine Gedanken mache, das Thema sei ihr egal. Mit dieser behämmerten Einstellung sehe ich Kollegen meiner Altersgruppe ständig agieren, solange sie noch keine Kinder haben. Scheiß egal ob das Gehalt 300 oder 400 Euro höher oder niedriger ist, für den Single-Lebensstil reicht es dicke. YOLO. Aber wenn man sich nicht für Politik ignoriert, wird man immer von denen regiert, die sich für Politik ignorieren. Auch wenn es sich um die wohlstandsverwahrloste, gentrifizierte Dystopie in Florida handelt.

4) Nuclear power won’t survive without a government handout

There are 99 nuclear reactors producing electricity in the United States today. Collectively, they’re responsible for producing about 20 percent of the electricity we use each year. But those reactors are, to put it delicately, of a certain age. The average age of a nuclear power plant in this country is 38 years old (compared with 24 years old for a natural gas power plant). Some are shutting down. New ones aren’t being built. And the ones still operational can’t compete with other sources of power on price. Just last week, several outlets reported on a leaked memo detailing a proposed Trump administration plan directing electric utilities to buy more from nuclear generators and coal plants in an effort to prop up the two struggling industries. The proposal is likely to butt up against political and legal opposition, even from within the electrical industry, in part because it would involve invoking Cold War-era emergency powers that constitute an unprecedented level of federal intervention in electricity markets. But without some type of public assistance, the nuclear industry is likely headed toward oblivion. “Is [nuclear power] dying under its own weight? Yeah, probably,” said Granger Morgan, professor of engineering and public policy at Carnegie Mellon University. (FiveThirtyEight)

Kernenergie hat noch nie ohne massive Regierungssubventionen funktioniert, nicht einen Tag. Deswegen ist es auch so lächerlich, wenn Gegner der Energiewende deren Kosten gegenüber dem „billigen“ Atomstrom bejammern. Rechnet man die Kosten des Atomstroms real, ist dieser deutlich teurer als der aus Solar- oder Windenergie. Nur wird ein Großteil der Kosten externalisiert und taucht nicht auf der Stromrechnung auf. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass die Stromkonzerne für die Beseitigung des ganzen Mülls und den Abbau der Kraftwerke über die nächsten Jahrzehnte zahlen werden? Das werden unsere Steuergelder sein, und zwar, um um Thema von Fundstück 3) zu bleiben, die Steuergelder der jungen Generation. Die Alten, die jahrzehntelang billigen Strom hatten, sind dann nicht mehr da und hinterlassen uns die Trümmer ihres unnachhaltigen Lebensstils. Aber immerhin konnten sie sich immer über die grünen Weltverbesserer und ihre Naivität lustig machen, das ist ja schon mal was.

5) How the Koch brothers are killing public transport

The group, the local chapter for Americans for Prosperity, which is financed by the oil billionaires Charles G. and David H. Koch to advance conservative causes, fanned out and began strategically knocking on doors. Their targets: voters most likely to oppose a local plan to build light-rail trains, a traffic-easing tunnel and new bus routes. […] In places like Nashville, Koch-financed activists are finding tremendous success. Early polling here had suggested that the $5.4 billion transit plan would easily pass. It was backed by the city’s popular mayor and a coalition of businesses. Its supporters had outspent the opposition, and Nashville was choking on cars. But the outcome of the May 1 ballot stunned the city: a landslide victory for the anti-transit camp, which attacked the plan as a colossal waste of taxpayers’ money. “This is why grass roots works,” said Tori Venable, Tennessee state director for Americans for Prosperity, which made almost 42,000 phone calls and knocked on more than 6,000 doors. […] The Kochs’ opposition to transit spending stems from their longstanding free-market, libertarian philosophy. It also dovetails with their financial interests, which benefit from automobiles and highways. […] The Nashville strategy was part of a nationwide campaign. Since 2015, Americans for Prosperity has coordinated door-to-door anti-transit canvassing campaigns for at least seven local or state-level ballots, according to a review by The New York Times. In the majority, the Kochs were on the winning side. (New York Times)

Was hier oben beschrieben ist ist eine direkte Folge davon, dass die Konservativen in den USA den Supreme Court dominieren und 2010 die Entscheidung durchdrücken konnten, dass Geld in egal welcher Menge nur ein Ausdruck der Meinungsfreiheit und damit von der Verfassung geschützt ist (im Gegensatz etwa zum Stimmrecht der Schwarzen, das keinen solchen Schutz genießt). Die Koch Brothers sind der wohl offenkundig schlimmste Ausfluss des amerikanischen Geldadels, der mit massivem Geldeinsatz die Politik zu bestimmen versucht.

Auffällig ist vor allem die schiere Bösartigkeit dieser Maßnahmen. Das Sabotieren des öffentlichen Nahverkehrs schadet praktisch ausschließlich den Armen, die am meisten davon profitieren würden günstig zu potenziellen neuen Arbeitsstellen zu kommen, und damit dem Wirtschaftswachstum des gesamten Landes. Die Kochs könnten sich noch hinstellen und Welpen den Hals umdrehen, aber viel mehr Steigerungen sind nicht wirklich vorstellbar.

Ebenfalls bemerkenswert ist, was ich immer wieder predige: jegliche Strategie ist wertneutral. Nur weil Obama 2008 mit Wahlkampf an der Haustür siegte oder Bernie Sanders sich mit Graswurzel-Methoden seine Basis schuf heißt nicht, dass die Guten immer die einzigen sein werden, die das machen. Niemand hindert die Kochs daran, diese Methoden ebenfalls einzusetzen, und auf lokaler Ebene können die Erfolge, wie der Artikel zeigt, durchschlagend sein – und für die Kochs, die passend zu 3) übrigens auch schon reichlich alt sind, sehr lukrativ.

6) Trump aides plan fresh immigration crackdown before the Midterm elections

The president and his top aides have framed the family separation issue as something Democrats could end by signing on to Republican legislation addressing Trump’s priorities, including funding the border wall — even though the separation moves are solely the outgrowth of a Department of Justice decision and not grounded in a particular law. Miller, who was instrumental to Trump’s early travel ban — which, like the border separations, triggered widespread public outrage and was put into effect without sufficient logistical planning — is among those who see the border crisis as a winning campaign issue. “That is the fundamental political contrast and political debate that is unfolding right now,” Miller said in an interview with Breitbart News published on May 24. “The Democratic Party is at grave risk of completely marginalizing itself from the American voters by continuing to lean into its absolutist anti-enforcement positions.” (Politico)

Es ist völlig offensichtlich, dass die Republicans ihre gesamte Wahlkampfstrategie darauf auslegen, dass ihre Wählerschaft rassistische Politik toll findet, und zusätzlich, dass ihre Wählerschaft es gut findet, undokumentierten Einwanderern weh zu tun. Es ist das gleiche Schema wie bei der CSU. Ob die Architekten dieser Politik wirklich glauben, dass das in irgendeiner Art und Weise hilfreich ist, oder auch nur dass es funktionieren könnte, ist völlig zweitrangig. Diese Leute gehen davon aus, dass ihre Wähler einfach nur dumpfe Arschlöcher sind. Die Hoffnung wäre, dass sie damit falsch liegen.

7) Gelder für Breitband werden nicht abgerufen

Inzwischen sind Tausende Förderbescheide an Städte und Gemeinden verteilt. Doch die zugesagten Gelder sind nicht einmal ansatzweise abgeflossen: Bis Ende Mai 2018 erst knapp 27 Millionen Euro von rund 3,5 Milliarden – nicht einmal ein Hundertstel der Fördermittel also. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums, das auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist, auf eine Anfrage der Grünen hervor, die heute.de vorliegt. „Das ist eine Bankrotterklärung für den Breitbandausbau. Die Bundesregierung ist faktisch mit ihrem Programm zum Breitbandausbau gescheitert“, sagt Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer im ZDF. Auffällig: Gerade in ländlichen Teilen Deutschlands, in denen schnelles Internet bisher besonders fehlt, werden kaum Gelder abgerufen. In Mecklenburg-Vorpommern etwa ist von den 825 Millionen bewilligten Fördergeldern erst eine Million ausgezahlt – eine Abrufquote von gerade einmal 0,1 Prozent. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sind die Zahlen nur minimal besser. In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Abrufquoten immerhin bei über drei Prozent. Spitzenreiter ist Berlin, hier wurden fast 40 Prozent der bewilligten Gelder auch tatsächlich abgerufen. In der Antwort auf die Anfrage der Grünen muss das Verkehrsministerium einräumen, wie weit Deutschland bei der Förderung des schnellen Internets hinterherhinkt. Auf die Frage, wie viele der Tausenden Breitband-Projekte inzwischen abgeschlossen seien antwortet der zuständige Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger: zwei. Mehrere Projekte seien inzwischen aber teilweise in Betrieb. Die Frage, wie viele Haushalte bisher in den Genuss des schnellen Internets von 50 MBit pro Sekunde gekommen seien, kann das Ministerium gar nicht erst beantworten. Die genaue Anzahl lasse sich noch nicht ermitteln. Warum erst so wenige Fördermittel abgerufen worden sind? Im Ministerium verweist man darauf, dass es vor Ort „zu wenige Firmen“ gebe, die Ausbauprojekte schnell realisieren können. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Förderrichtlinien schlicht zu kompliziert sind. Viele kleine Gemeinden sind mit den technischen Dokumentationspflichten und europaweiten Ausschreibungen überfordert, bemängeln nicht nur die Grünen. Laut einem Sprecher des Ministeriums will Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Förderrichtlinien überarbeiten. Ziel sei es, den Breitbandausbau zusätzlich zu beschleunigen. (ZDF)

Das ganze Elend der deutschen Digitalisierungspolitik. Nicht nur, dass Deutschland schier endlos hinterherhängt beim Ausbau des Breitbands, die kläglichen Mittel, die man bereitstellt, werden auch nicht abgerufen. Zum Teil sind das die hier angesprochenen bürokratischen Hürden, und natürlich war Deutschland schon immer klasse darin, möglichst viel „Red Tape“ in den Weg zu hängen. Aber offensichtlich haben viele andere Länder kein Problem damit. Die estische Bürokratie muss sich auch an europäische Ausschreiberegeln halten und hat trotzdem wesentlich besseres Breitband produziert als wir. Was also ist es? Personelle Unterbesetzung der Ämter? Mangelnde Fachkenntnisse? Reibungsverluste im Föderalismus, weil alles auf die kleinstmögliche Ebene geschoben wird? Hat da jemand eine Idee? Mir ist das völlig unklar.

8) Nachhaltigkeit, Retouren und der Amazon-Skandal

In meinem Studium (vor gefühlten 100 Jahren) hatte ich auch eine SVWL-Vorlesung zum Thema Nachhaltigkeit belegt​. Unterm Strich die wichtigste Erkenntnis daraus: Die nachhaltige Lösung ist nicht immer offensichtlich. Denn dafür muss immer der gesamte involvierte Prozess betrachtet werden. (Während die „offensichtliche“ Lösung nur diejenige ist, deren nach außen sichtbarer Schritt genehm erscheint.) Hier zum Beispiel: Der komplette Rücktransport von Produkten ist nicht nur teurer sondern auch weniger nachhaltig als die Vernichtung der Produkte. (Besser wäre natürlich weder das eine noch das andere tun zu müssen, aber wir reden eben über eine Situation, bei der die Entscheidung zwischen diesen beiden Optionen liegt.) […] Es ist dieser Gotcha-Journalismus, der unbedingt den „großen Plattformen“, den „Digital-Riesen“, „GAFA“, schlechtes Verhalten nachweisen will, der uns keinen Deut voran bringt. Dabei braucht es echte kritische Analyse mehr denn je: Unsere Wirtschaft wird gerade komplett auf den Kopf gestellt. Die neuen Dynamiken, die mal positiv, mal dysfunktional wirken, müssen ernsthaft analysiert werden. Nur eine gut informierte Öffentlichkeit ist eine Öffentlichkeit mit Zukunft. Die substanzlose Skandalaneinanderreihung dagegen wird in der Wirtschaft nicht ernstgenommen und verpufft im besten Fall deshalb wirkungslos, im schlechtesten Fall führt sie zu volkswirtschaftlich schädlicher Regulierung. ​So oder so: Big Tech bietet genügend Angriffspunkte, auch und besonders Amazon, dafür muss man sich nicht an branchenüblichen Praktiken reiben, die genau betrachtet verhältnismäßig und nachhaltig sind. (Neunetz)

Der Artikel – und die dort verlinkten, unbedingt weiterlesen – ist aus zweierlei Gründen interessant. Einmal als Journalismusversagen, weil einfach ein superbequemes Narrativ nachgeplappert wird. Diese Art von Story findet sich ständig, weil es etwas ist, wo praktisch jeder Leser sofort mit dem Kopf nickt und empört ist, aber über die richtigen Sachen (nicht Sexismus oder Rassismus, darüber darf man nicht empört sein, das wäre Normalisieren) und das dann seinen Freunden und Bekannten im Smalltalk weitergibt, mit einem „hast du auch in der [Zeitungsname] gelesen, dass…“ Das ist auch aus wirtschaftlichen Gründen die beste Art von Story, und die Kirsche oben drauf ist dass die entsprechenden Artikel sich super schnell schreiben und man quasi früher Feierabend machen kann. Im Idealfall kannst du dann ein cleveres Follow-Up schreiben, wie doof alle sind dass sie die erste, überall verbreitete Geschichte geglaubt haben, und dann hast auch gleich die zweite Runde Smalltalk geschaffen. Das passiert permanent, und ich merke bei mir selbst auch immer wieder, dass ich in diese Falle rutsche. Liest was Empörendes, klingt eingängig, schnell was gebloggt/getweetet, Zustimmung kassiert, fertig. Da muss man sich ständig selbst auf die Finger klopfen, und ich hab nicht mal Auflagenzeilen und Redaktionsschlüsse im Nacken.

Auf der anderen Seite ist es spannend, welchen Marktdynamiken Unternehmen wie Amazon unterworfen sind. Aus Kundensicht ist und bleibt der Laden der absolute Traum. Besser sortiert, freundlicher und kulanter als praktisch jedes Einzelunternehmen, und dazu ist er noch billiger und bequemer. Kein Wunder dass der Einzelhandel untergeht. Schön zu sehen, wie das hinter den Kulissen funktioniert.

9) Congress might finally start to pay its interns

Each year, more than 6,000 wide-eyed interns swarm the halls of Congress. Most of them don’t earn a cent for the hours spent answering calls from angry constituents and regurgitating memorized lines on tours of the Capitol. The rise of unpaid internships on the Hill, as I wrote earlier this year, is a relatively new development. In the ‘70s and ‘80s, when internships took off in Congress, compensation was the norm. As a college student, Chuck Schumer—then a working-class kid from Brooklyn, today the Democratic leader in the Senate—came to Washington for a paid internship in the House that helped start his career in politics. But amid the fever of ‘90s era budget cuts, compensation for internships shriveled up, even as the cost of living in D.C. began to skyrocket. Today, most members of Congress don’t pay their interns. I spoke with one unpaid intern, Kendall, who endured a 90-minute commute and late nights serving appetizers at glitzy cocktail parties to make her internship on Capitol Hill financially viable. For every Kendall, countless other budding politicos turn down or don’t even apply for unpaid congressional internships. That has ripple effects. Since offices snatch up their interns for full-time gigs when positions open up—90 percent of intern coordinators say that internships are valuable for hiring junior staffers—limiting internships to those who can afford to work for free helps insure that Hill staffers are overwhelmingly white and affluent. Only 7 percent of top Senate staffers are minorities; just one democratic senator, Doug Jones, has a black chief of staff. (Washington Monthly)

Themen wie die Bezahlung von Praktikanten im Parlament sind zugegebenermaßen eher Nischenthemen, aber sie haben eine größere Bedeutung, als man denkt. Im Bundestag gibt es ja dasselbe Problem. Wenn die Leute nicht vernünftig bezahlt werden, dann läuft das drauf raus, dass dich ein Praktikum Geld kostet. Und wenn das der Fall ist, dann können nur reiche Menschen das machen, und wenn das der Fall ist, dann reproduziert sich eine Elite selbst, und die wertvollen Perspektiven, die so ein Praktikant theoretisch auch an die Abgeordneten zurückbringen könnte, fallen raus. Stattdessen bekräftigen die BWL-Schnösel die Echokammer auch auf Praktikantenebene. Man muss an der Stelle übrigens auch festhalten, dass das kein Ruhmesblatt für die linken Parteien ist, die ihre Praktikanten in den meisten Fällen auch schlecht bezahlen und effektivb ausbeuten.

10) Das Ende des „geordneten Multilateralismus“: Markus Söders Angriff auf die europäische Rechtsgemeinschaft

Doch wie es so häufig ist, wenn ein politischer Akteur die Grenzen des Sagbaren verschiebt: Es ist einfach, eine Äußerung als Affront zu erkennen und sich davon abgestoßen zu fühlen. Doch solange die Reaktion darauf sich auf bloße Empörung beschränkt, erlaubt das den verbalen Grenzverletzern unter Umständen sogar, sich als mutige Tabubrecher zu inszenieren. Es ist deshalb nötig, konkreter zu werden: Was genau ist an Söders Haltung so problematisch? Eine naheliegende Antwort auf diese Frage ist schnell gefunden: Die Forderung der CSU, Asylbewerber schon an der Grenze abzuweisen, würde klar gegen geltendes Europarecht verstoßen. Die Asylpolitik fällt nach Art. 78 AEUV in die Kompetenz der EU, die die Frage, welcher Mitgliedstaat welchen Asylantrag bearbeiten muss, in der sogenannten Dublin-Verordnung geregelt hat. Zuständig ist demnach meistens das Land, in dem der Asylbewerber erstmals das Territorium der EU betreten hat. Allerdings gibt es eine Reihe von Vorrangregeln, durch die dieses Prinzip nicht in allen Fällen gilt: Beispielsweise sollen die Asylanträge von Familienangehörigen möglichst in demselben Land bearbeitet werden. Deshalb muss in jedem konkreten Fall zunächst einmal in einem eigenen Verfahren geprüft werden, welcher Mitgliedstaat tatsächlich für den Asylantrag zuständig ist. Diese Zuständigkeitsprüfung wiederum muss der Mitgliedstaat vornehmen, in dem der Asylantrag tatsächlich gestellt wurde. Würde Deutschland Asylbewerber an der Grenze abweisen, würde es sich vor dieser Pflicht drücken und damit gegen die Regeln der Dublin-Verordnung verstoßen. Dass Söder einen solchen Rechtsverstoß explizit damit begründet, Deutschland müsse „an die einheimische Bevölkerung denken“ und seine „Interessen selbst wahrnehmen“, zielt auf die Wasserlinie der Europäischen Union. Zu den Grundsätzen, auf denen der europäische Integrationsprozess basiert, gehört die Idee der Rechtsgemeinschaft: Dass die EU trotz ihrer schwachen zentralen Exekutive funktioniert, liegt an dem Respekt, den die nationalen Institutionen dem gemeinsam gesetzten Recht entgegenbringen. Wenn die Mitgliedstaaten jedoch beginnen, auf das Recht des Stärkeren zu setzen und europarechtliche Bindungen einfach zu ignorieren, hat die EU nur verhältnismäßig wenig Zwangsmittel in der Hand. Im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens kann der Europäische Gerichtshof zwar Rechtsverstöße feststellen und gegebenenfalls Zwangsgelder verhängen. Doch solche Verfahren dauern lang – und auch sie beruhen letztlich auf der Bereitschaft der Mitgliedstaaten, Urteile des EuGH als verbindlich zu akzeptieren. Söders offene Absage an den „geordneten Multilateralismus“ lässt zumindest befürchten, dass die CSU auch dieses Tabu zu brechen bereit wäre. (Der europäische Föderalist)

Quo Vadis, CSU? Die Linie, die die Partei bezüglich der Europapolitik fährt, erinnert sehr stark an das, was Orban in Ungarn tut. Auch der dortige Westentaschendiktator geht mit einer schnoddrigen Arroganz gegenüber den EU-Institutionen vor. Auch lassen sich Ähnlichkeiten mit der FPÖ-Regierung Anfang der 2000er Jahre erkennen, als die EU mit Sanktionen reagierte. Ich fürchte, aus deren vergleichsweise geringer offensichtlicher Wirkung – in Österreich gingen die Leute nicht in Sack und Asche, und die FPÖ regiert heute wieder – wurden falsche Schlüsse gezogen. Denn natürlich haben die Sanktionen seinerzeit nicht einen offensichtlichen Wandel herbeigeführt, aber sie haben deutlich gemacht, dass die EU hinter ihren Regeln und Institutionen steht (dieses Motiv steht übrigens auch hinter den EU-Sanktionen gegen Russland, nebenbei gesagt).

Diese Sicherheit fehlt heute. Mit Polen, Ungarn und nun auch Italien tanzen bereits mehrere Länder aus der Reihe, die, anders als die FPÖ, den offiziellen Segen der EU genießen. Am auffälligsten ist es im Falle Ungarns, weil Fidesz immer noch Mitglied in der EVP ist. Dass die Christdemokraten Europas deren Parlamentssitze und Stimmen im EU-Parlament für wichtiger erachteten als zentrale Prinzipien der Union rächt sich jetzt. Die CSU ist inzwischen völlig auf die Linie der Rechtspopulisten eingeschwenkt und ist bereit, jahrzehntelange Grundsätze der Europapolitik über Bord zu werfen und es den Autoritaristen in Ungarn, Polen und Italien gleichzutun. Die AfD lacht sich ins Fäustchen.

11) Bush family virtue signals // Tweet von Jamelle Bouie

The Trump administration has recently increased efforts to arrest and prosecute adults who have entered the country illegally, while putting their children in the care of the U.S. Department of Health and Human Services. As is the case when U.S. citizens are arrested, children do not accompany their parents to jail. Such situations are tragic, regardless of whether the parents are citizens or not. Among the immigrants, many are seeking political asylum, and if they arrive at a legal entry point they at least have a chance of securing it—and won’t be separated from their children. The tragedy at the border may extend beyond the apprehended families as the U.S. misses out on the potential societal contributions of new Americans. […] Into this difficult and sensitive issue dives the Bush family with a message that seems designed to persuade no one who doesn’t already agree with them. Jeb Bush tweets that the Trump policy of vigorously enforcing existing law is “heartless.” In her Post op-ed Mrs. Bush doesn’t suggest a solution, but simply brands the current government policy “cruel” and “immoral.” Why not just describe all Americans who favor border enforcement as deplorable? If Democrats have decided that it’s not in their interest to give Mr. Trump another victory before the fall elections, then it makes cynical political sense to inflame the issue and kill the chances of a compromise. But for those who want one, it has to start with a healthy respect for those who want the rule of law at the southern border and everywhere else in America. (Wall Street Journal)

Dieser Artikel des Wall Street Journal (und der verlinkte Ausschnitt aus der New York Times) ist ein Musterbeispiel für die ungeheure Schieflage, den die Diskussion über „Moral“ und Migration kennzeichnet. Nicht nur verwendet die Hauspostille des sich seriös gerierenden Teils der GOP das Framing von Rechtspopulisten – „virtue signaling“, in Deutschland würde man „Gutmenschentum“ sagen – sondern sie ergibt sich auch einem Bothsiderismus, der einfach nur zum Kotzen ist und wie nichts seit 2015 dazu beigetragen hat, dass die Rechten eine solche Akzeptanz genießen.

Eine völlig enthemmte Behörde wurde von Trump ermächtigt, die Menschenrechte von Einwanderen und Asylbewerbern mit Füßen zu treten. Babys und Kleinkinder werden ihren Eltern an der Grenze entrissen, in Käfige gesperrt und nicht einmal registriert, so dass die gleiche Behörde nicht in der Lage ist, die Familien, die sie so unter traumatischen Umständen zerrissen hat, wieder zusammenzuführen. Sie tun dies aus blankem Sadismus und geben es auch noch offen zu. Für das Wall Street Journal ist das ein „schwieriges und sensibles Thema“, und dass Barbara Bush sagt, dass sie das „herzlos“ findet, beleidigt Trump-Wähler. Man muss sich diese irre Argumentation klar machen: Nennt man Sadismus gegen Babys und Kinder „herzlos“, was wahrlich nicht gerade eines der härteren Wörter ist, die einem dazu einfallen, könnte man die Gefühle von Trump-Wählern verletzen.

So the fuck what? Diese Leute haben einen Wahlkampf auf Basis wildgewordener identity politics gewonnen, in dem sie ihr Recht eingefordert haben, jeden Schwarzen als nigger zu beschimpfen, jeden Homosexuellen zu diskriminieren und jede Frau zu begrabschen, die sie wollen, alles unter dem wehenden Banner der Meinungsfreiheit. Aber wenn man sie „herzlos“ nennt werden sie zu kleinen Mimosen und weinen und fordern ihr Recht ein, nicht beleidigt zu werden. Das ist ein Haufen abgeschmackten Abschaums.

Und ich benutze absichtlich so vulgäre Worte. Wie die AfD und Konsorten fordern diese Menschen das Recht ein, anderen gegenüber unsensibel zu sein und sie zu beleidigen, vom Zigeunerschnitzel bis zum Versenken des Flüchtlingsboots. Von daher sollen sie ruhig spüren, wie das ist, wenn sie sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen müssen. Vielleicht können wir dann wieder zu einem zivilisierten Diskurs zurückkehren, indem Respekt, Manieren und Grundrechte nicht nur für eine Schicht von Privilegierten gelten.

12) Tweet von Jochen Bittner

Und passend zu 10) haben wir diese Perle von einem Tweet. Natürlich hat Jochen Bittner Recht. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Auf Twitter werden überhaupt keine Probleme gelöst. Es ist eine soziale Plattform. Menschen reden miteinander, hauen markige Statements raus, machen dumme Witze, pöbeln, organisieren sich, hetzen. Es ist Öffentlichkeit, digitale zwar, aber Öffentlichkeit. Wie viele praktikable Lösungen diskutiert denn die Zeit, für die Bittner arbeitet, für gewöhnlich?

Wenn die Alpha-Journalisten der Leitmedien nur HALB so gut darin wären, moralische Urteile zu fällen, wie in selbstzufriedenem Ton eine Selbstinzenierung als seriös-pragmatische Führungsfiguren abzugeben, wäre Deutschland ein besseres Land.

{ 81 comments… add one }
  • Kning4711 23. Juni 2018, 20:18

    Zu 7
    Ich fürchte es ist personelle Überforderung in den Behörden. In Köln behilft sich die Stadt damit, dass das Bauplanungsamt aus der Baubehörde herausgelöst und in eine private Gesellschaft überführt wird. Dann kann man bessere Gehälter zahlen und findet wieder ein paar Leute. 50 Planstellen sind offen und nicht besetzt – mit Beamter im gehobenen Dienst kannst Du Ingenieure nicht mehr locken…

    • Stefan Sasse 24. Juni 2018, 16:49

      Die verfluchte Sparpolitik hat die komplette Infrastruktur zerstört. Und die rote Null predigt im Finanzminsterium die schwarze Null.

  • Ariane 24. Juni 2018, 05:52

    Spannende Themen mal wieder

    zu 7)
    Ich bin der Meinung, dass in vielen Fällen die Planungs- und Vergabemechanismen reichlich kaputt sind und häufig hinten und vorne nicht funktionieren. Bei Fördergeldern hat man erstmal das Problem, dass es sich eben um Zuschüsse handelt und der Rest der Summe (bzw in Vorleistung oft erstmal die gesamte Summe) eben selbst aufgebracht werden muss. Dann braucht man qualifizierte Leute, die das planen, vergeben und durchziehen und die wohnen nicht in Massen irgendwo in der Walachei.
    Und ich meine (bin nicht ganz sicher), dass solche Dinge wirklich auf kleinster kommunaler Ebene geschehen, anstatt zb von der Landeshauptstadt koordiniert zu werden. Dadurch kommt es häufig dazu, dass da verlegt wird, wo Geld übrig ist und Leute, die das wollen und können anstatt da, wo es vielleicht viel nötiger ist, es aber an irgendwas fehlt. Ich bin kein Freund von diesem klein-klein. Mal abgesehen davon, dass es oft total ineffizient ist, führt es auch zu einem „die Reichen werden reicher“. Dann hat eine Gemeinde nun zb Glasfaser verlegt und wird damit attraktiver und wieder reicher, mehr Gewerbe siedelt sich an und Kindergärten, Schulen und Straßen werden gebaut und nebenan stirbt eine Gemeinde aus, weil die sich keine schönen Sachen leisten kann.

    zu 8/Amazon)
    Das Amazonbashing geht mir tierisch auf den Keks. Ich habs vielleicht schon mal geschrieben: hier im Ort wird gerade ein Amazon-Logistikzentrum geplant. Eigentlich ein Traum: die bauen ihr Zentrum und Straßen drumrum, paar tausend Jobs und sechsstellige Steuern. Ein paar Lokalpolitiker haben sich ein anderes Zentrum angeguckt und die einzigen, die da unzufrieden waren, waren die Läden ringsum, weil die Leute abwandern oder mehr Geld haben wollen.

    Statt aber ein Volksfest zu feiern, gab es viel Widerstand und – natürlich – eine Bürgerinitiative (ich hasse diese Initiativen btw!) mit absoluten Quatschargumenten. Amazon ist böse! Es macht Lärm! (das Ding soll natürlich ins Industriegebiet, mit Feldern und anderen Hallen ringsum) und mehr Verkehr (richtig, aber dafür werden hier endlich bessere Verkehrswege angelegt).

    zu 9/Praktikanten)
    Das Problem summiert sich noch weiter. Die „Bezahlung“ für Praktika in Behörden/Parlamenten ist ja oftmals der Eintrag in den Lebenslauf. Womit man dann später bessere Chancen auf coolere und besserbezahlte Jobs hat, in die dann auch vornehmlich äh die BWL-Schnösel kommen. Die sitzen dann irgendwo ganz oben und erzählen, dass die anderen halt einfach dümmer und fauler als sie selbst sind^^

    • Stefan Sasse 24. Juni 2018, 16:52

      zu 7)
      Mein Instinkt wäre auch, dass da der Bund ran muss, aber gleichzeitig kennt der die Umstände vor Ort nicht. Wie die Quadratur dieses Kreises gelingen soll ist mir unklar.

    • popper 26. Juni 2018, 12:06

      Das Amazonbashing geht mir tierisch auf den Keks.

      Nein Ariane, das Bashing ist mehr als berechtigt, wenn man sich nicht beide Augen zuhält, um nicht zu sehen, worauf der Reichtum von Herrn Bezos gründet. Nämlich auf Kosten anderer Menschen. Auf Kontrolle und Ausbeutung. Arbeitsabläufe und Arbeiter werden kontinuierlich überwacht. Wird langsamer gearbeitet als vom System vorgegeben, erhalten die Arbeiter eine ermahnende Kurznachricht auf ihren Warenscanner. Liegt ihre Arbeitsleistung unter dem Durchschnitt, werden einzelne Arbeiter und Teams dazu befragt und somit unter Druck gesetzt. Daten werden nicht nur über Kunden, sondern auch über Mitarbeiter gesammelt: wer ist zu oft krank, wer geht früher nach Hause und wer antwortet spät auf E-Mails. usf. Auch bei der Auswahl neuer Standorte folgt Amazon einem klaren System. Neue Logistikzentren werden bevorzugt an Standorten mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit eröffnet. So steht eine Reservearmee bereit, falls Angestellte dem Druck und der Überwachung nicht standhalten. Weil Tarifverhandlungen seit Jahren umgangen werden, muss sich der Konzern weder an Tariflöhne halten noch feste Urlaubs- und Weihnachtsgelder zahlen.

      Die Systematische Ausbeutung beschränkt sich nicht nur auf Logistikzentren, sondern auf die Ausbeutung von Paketboten. DP und Hermes arbeiten mit Subunternehmen, deren Arbeiter bis zu 60-70 Stunden/Woche, wodurch sich ihr Stundenlohn faktisch auf 5-6 Euro/Stunde reduziert. Oder sie kommen gleich aus Osteuropa. Inzwischen findet eine UBER-isierung im Paketversand statt. Privatpersonen werden eine Abrufarmee über Apps indormiert, die ihre Privatautos nutzen, um die Pakete an Adressaten zu liefern

      Doch das Geschäftsmodell beruht nicht nur auf Ausbeutung, hinzukommt eine extreme Steuervermeidung durch Briefkastenfirmen in Luxemburg. Zwischen 2006 und 2014 wurden auf drei Viertel des Gewinns keine Steuern gezahlt (250 Mio.). Wenn Sie das Bashing nennen, das ihnen auf den Keks geht, dann liegt das womöglich an ihrem Informationsdefizit über die ausbeuterischen Praktiken von Amazon oder Sie sehen bewusst weg.

      • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 17:35

        Da ist meiner Meinung nach der Staat gefragt, der solche Sachen regulieren sollte und massiv dabei versagt.

        • popper 26. Juni 2018, 22:22

          Gehts ein bisschen weniger oportunistisch? Oder sind Sie einfach nur denkfaul. Der Staat zwingt keinen Unternehmer, derart reudige Ausbeutungspraktiken in seinem Betrieb zu installieren oder Steuerdumping zu betreiben. Ihr Versuch, den Staat verantwortlich zu machen, ist einfach nur dreist, zumal Sie sonst die Segnungen des freien Marktes propagieren und den Staat als dessen Hinternis sehen. Anstatt das Verhalten von Amazon als das zu bezeichnen, was ds ist, laden Sie die Verantwortung beim Staat ab und rechtfertigen somit dessen Geschäftsmodell.

          • CitizenK 27. Juni 2018, 15:03

            Moralische Empörung bewirkt nichts. Gesetze dagegen schon. Wenn sie durchgesetzt werden.

            • popper 27. Juni 2018, 19:07

              Da Sie nicht naiv sind, wundert mich ihre Argumentation. Sie erwarten doch von unserer marktkonformen Regierung außer Entrüstungsrethorik keine adäquaten Maßnahmen. Außerdem erleben wir seit vierzig Jahren eine Verrechtlichung zugunsten der Unternehmen. TTIP, CETA oder NAFTA zeigen, dass mit dem Euphemismus Strukturreformen nichts anderes bewirkt werden soll als der Abbau von Arbeitnehmerrechten. Also bringen Gesetze gerade das Gegenteil dessen, was Sie propagieren.

              • popper 27. Juni 2018, 19:11

                …ein weiterer Euphemismus ist der Freihandel, der etwas suggerieren soll, was es nicht gibt, nämlich den komperativen Vorteil…

          • Stefan Sasse 30. Juni 2018, 07:53

            Wenn du dich darauf verlässt, dass BWLer aus sozialem Gewissen auf Gewinn verzichten – bitte. Ich will vernünftige Regulierung. Das ist zuverlässiger.

  • Rauschi 24. Juni 2018, 14:40

    zu 7)

    Warum intelligente Menschne nicht unterscheiden können zwichen „Ammenmärchen“ wie flache Erde oder Weltverschwörung und echtem Bemühen um Aufklärung eines Sachverhaltes (Verschwörung), das wird in immer ein Rätsel bleiben. Erst recht be solche, die sich progressiv nennen.

    Hier mal 2 Beispiele, wo der Verdacht (das eine Verschwörung im Gange war) sich als berechtigt erwiesen haben:
    [Im Juli 1943 reiste der polnische Diplomat Jan Karski in die USA um Präsident Roosevelt als Augenzeuge über die Verbrechen an den jüdischen Bevölkerungen in Europa zu berichten. Davor hatte Karski, gekleidet in der Uniform eines ukrainischen Milizen, sich in das Sammellager Izbisca eingeschlichen von wo aus Güterzüge in das Vernichtungslager Belzec abfuhren. In einer anderen Aktion wurde der junge Diplomat über einen Tunnel in das Warschauer Ghetto geführt und auch dort wurde er Augenzeuge. Ausgehungerte jüdische Kinder und Erwachsene siechten dort auf den Straßen ihren nahenden Tod entgegen. Obwohl Jan Karski in mehreren Sprachen von diesen Gräueltaten erzählen konnte wollte ihm die hohe Diplomatie in New York nicht glauben. Seine Berichte wurden als Kriegspropaganda abgetan die die USA noch aktiver in den Krieg gegen Deutschland hineinzwingen sollten. Heute würde man ihn zusätzlich wohl noch einen Verschwörungstheoretiker nennen.]
    https://www.youtube.com/watch?v=wfxUgK3gsf4
    oder
    [1949, vier Jahre nach dem Abwurf von zwei Atombomben auf japanische Großstädte durch das US-amerikanische Militär, gelangte auch das russische Militär an Atomwaffen. Den Machteliten in den USA und ihren Bellezisten war dies sehr unangenehm, wollten sie doch mit Gewalt und Angst ihren Rang in der Weltordnung verteidigen. So gab es bis Mitte der 1960er Jahre durchwegs Überlegungen zu einem Erstschlag gegenüber dem größten Feind Russland und auch, damals schon, China. Die Zivilbevölkerung spielte in diesen Überlegungen keine Rolle, selbst nicht die eigene Bevölkerung. „Zurückhaltung? Wieso seit ihr so besorgt deren Leben zu bewahren. Die ganze Idee ist, diese Bastarde zu töten. Wenn am Ende des Krieges zwei Amerikaner und ein Russe lebendig übrig bleiben – gewinnen wir.“]
    https://www.youtube.com/watch?v=uhCUnukwYfA

    zu 5)
    Es ist doch eingentlich schon lange bekannt, wie das Grosskaital die Politik beinflusst.
    Das wussten die Menschen schon vor geraumer Zeit:
    [„Wir müssen uns entscheiden: Wir können eine Demokratie haben oder konzentrierten Reichtum in den Händen weniger – aber nicht beides.“ Diese zutreffende Macht-Analyse stammt von Louis Brandeis. Brandeis war einer der einflussreichsten Juristen der USA und von 1916 bis 1939 als Richter am Obersten Gerichtshof beschäftigt. ]
    Gutes Interview dazu:
    https://www.youtube.com/watch?time_continue=401&v=NmMi4enZt48

    • Stefan Sasse 24. Juni 2018, 16:58

      auf was beziehst du dich? In 7) geht es um Breitbandausbau. ^^
      Ich bezweifle übrigens keine der beiden von dir zitierten Geschichten; mir ist nicht klar, worauf du raus willst.

      • Rauschi 25. Juni 2018, 09:13

        bezog sich auf 2) nicht auf 7).
        Worauf ich hinaus will?
        Der oben verlinkte Artikel erklärt ziemlich gut, was eigentlich eine „Verschwörungstheorie“ ausmacht, und warum diese Dinger immer die gleiche Gruppe von Leuten anziehen.
        Auch hier wird der Begriff VT wieder nur abwertend genutzt, daruaf will ich hinaus. Diese „Dinger“ ziehen immer die gleichen, vermeintlich „Leichtgläubigen“ an, das sagt er doch aus. Nur Spinner glauben daran. Deswegen mein Vorschlag der Unterscheidung zwischen Ammenmärchen (flache Erde etc.) und Tathergangs Theorie, das wäre dann wenigstens neutral und nicht abwertend, wie der VT Begriff heute bei der breiten Öffentlichkeit wirkt.

        • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 10:14

          Nur dass Vertreter der Flat Earth sich auch beklagen würden, wenn ich ihre wertvollen Theorien als Ammenmärchen bezeichnen würde. Kommt halt immer auf die eigene Meinung an.

          • Rauschi 25. Juni 2018, 10:28

            Sorry, das ist doch keine Meinungsfrage, sondern eine Frage der Fakten.
            Sie wollen mir erzählen, das Sie Rücksicht auf irgendwelche Spinner nehmen, dafür aber ernst zu nehmende in die gleiche Tonne hauen?
            Ich persönlich glaube auch nicht, das Sie an Iran Kontra zur der Zeit, als es nicht bekannt war, geglaubt hätten. Im nachhinein ist es ja billig zu meinen, denen ist alles zuzutrauen. Da stellt sich nur die Frage, wie das zusammengeht mit der Forderung, irgendjemand müsse man doch glauben, auch wenn alle Seiten dauernd lügen?

            • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 14:26

              Ich denke, hätte ich in den 1980ern mit effektiv den gleichen Ansichten gelebt wie jetzt hätte ich Iran-Kontra geglaubt, aber halt deswegen, weil ich ein Democrat bin und den Republicans alles Böse zutraue. Ich denke ein passenderes Beispiel wäre LBJ: Ich hätte ziemlich sicher die Existenz bzw. den Inhalt der Pentagon Papers bezweifelt, keine Frage. Aber das ist halt immer ausgehend von der Meinung, die man hat. Die „Fakten“ kann man ja immer von zwei Seiten lesen, wenn man nur die Logik genug quält oder seine Prämissen hinreichend anpasst. So schafft ihr es ja auch, Russland Persilscheine auszustellen. 😉

              • Stefan Pietsch 25. Juni 2018, 14:48

                Meiner Erinnerung nach gab es damals keine ernsthaften Zweifel, dass die Story gefakt wäre, jedenfalls hatte ich das keinen Moment in Zweifel gezogen. Journalisten waren halt hoch angesehen. 😉

              • Rauschi 25. Juni 2018, 14:52

                Na wie schön, da war es wieder.
                Wer hat denn so lapidar hingenommen, das gegen die USa eben keine Sanktionen verhängt werden können?
                Niemand hat einen Persilschein ausgestellt, immer und immer wieder war von gleichem Recht für alle die Rede, Herr im Himmel.
                Können oder wollen Sie nicht differenzieren?
                Nein, Fakten, zumindest physikalische kann man nicht von 2 Seiten lesen.
                Was bringen Sie eigentlich den Schülern bei: Das könnte so, aber vielleicht auch ganz anders sein?

                • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 17:36

                  Ich würde es sehr schätzen wenn du endlich damit aufhören würdest, ständig Suggestivfragen bezüglich meines Unterrichts zu stellen.

                  • Ralf 25. Juni 2018, 20:05

                    Geschenkt!

                    Waere allerdings schoen auch noch eine Antwort zum eigentlichen Kern von Rauschis Statement zu lesen.

                    • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 20:18

                      Mir ist nicht klar, was das mit VT zu tun hat. Ja, gegen USA ist es schwer, Sanktionen zu verhängen. Aber das ist ein Problem des Völkerrechts, nicht vom Wahrheitsgehalt der VT.

                    • Ralf 25. Juni 2018, 20:58

                      Hat wenig mit VT zu tun. Ist trotzdem nicht ganz im Sinne einer erkenntnisfoerdernden Debatte Seitenhiebe auf angebliche Putinfreunde auszuteilen („Russland Persilscheine ausstellen“) und ihnen dabei Strohmann-Argumente in den Mund zu legen, die sie so nie vertreten haben. Und sich dann anschliessend mit Hinweis auf irgendeine Kleinigkeit aus der Diskussion zu verkruemeln, wenn man argumentativ gestellt wird.

                      Dass Laender bei gleichem Fehlverhalten von der Staatengemeinschaft auch gleich behandelt werden sollten, ist ein plausibles und rationales Argument. Recht basiert auf Gleichbehandlung. Wer sich von diesem Grundsatz verabschiedet, verabschiedet sich von Idee, dass Mass und Gerechtigkeit im gegenseitigen Umgang noch irgendeine Rolle spielen und verwirkt damit jeglichen moralischen Anspruch.

                    • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 05:49

                      Sie macht das schon seit mehreren Wochen permanent, unabhängig von meinen Seitenhieben. War nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

                  • Rauschi 26. Juni 2018, 12:37

                    Wenn Ihr Argumentationsmuster dort ganz anders ist, dann wäre die Antwort auf meine Frage tatsächlich nicht Themenbezogen. Da ich das aber für ziemlich abwegig halte, frage ich nach. Ich habe bei mir festgestellt, das ich auch mit Mitarbeitern und Kollegen/Freunden so debattiere, wie ich das hier tue. Deswegen meine Fragen, ich wollte nicht die Lehrkompetenz in Frage stellen.

                    • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 17:36

                      Ich hab schon mal an anderer Stelle erklärt, dass im Unterricht Neutralität und der Beutelsbacher Konsens an erster Stelle stehen. Mein Job ist den Schülern Argumentieren und eigenständiges Denken beizubringen. Was sie denken ist ihre Sache.

                    • Rauschi 27. Juni 2018, 07:35

                      Wenn die selbstständiges Denken lernen sollen, dann muss auch den Schülern vermittelt werden, wie eine Argumentation aussieht. Das ist vollkommen unabhängig vom Standpunkt. Auch, was nicht einfach geglaubt werden sollte, gehört da rein, an welchen Kriterien machen Sie das fest?

                    • Stefan Sasse 30. Juni 2018, 07:55

                      Was nicht geglaubt werden „sollte“? Wie soll ich das festlegen? Wenn es ums Argumentieren geht schauen wir wie stichhaltig das ist. Beim Thema „Faktenargument“ erkläre ich den Schülern immer, dass sie die nachrecherchieren müssen.

          • Rauschi 28. Juni 2018, 07:22

            Nur dass Vertreter der 9/11 Theorie (Osama war‘s) sich auch beklagen würden, wenn ich ihre wertvollen Theorien als Ammenmärchen bezeichnen würde.
            Bewusst umformuliert.
            Noch ein paar abschliessende Bemerkungen zu VT:
            Die meisten sind Anhänger einer VT zu 9/11, allerdings der offiziellen.
            Die geht folgendermassen: 18 Araber, welche die USA hassen, werden durch Osama Bin Laden rekrutiert, um einen Anschlag in den USA durchzuführen. Obwohl die nicht mal kleine Propeller Maschinen fliegen können, entführen die Männer 4 Linienjets. 2 werden in die Twin Towers geflogen, worauf nicht nur diese einstürzen, sondern ein benachbartes Hochhaus gleich mit.
            Eines schafft es bei 17 Meter Spannbreite in einem 5 Meter kleinen Loch rückstandslos zu verschwinden. Das vierte wird zum Absturz gebracht und verschwindet ebenso rückstandslos in einem Krater im Boden (Kann sich jemand an die Trümmerteile von MH 17 erinnern, das Flugzeug wurde vor dem Absturz sogar von einer Rakete getroffen, oder die Trümmer, als eine Maschine gegen einen massiven Berg gesteuert wurde?)
            Nichts davon kann wissenschaftlich bewiesen werden, aber es wird geglaubt, weil niemand offizielles etwas anderes berichtet? Die Menschen, die Fragen dazu stellen, werden als Spinner abgetan, die «einfache» Erklärungen für komplizierte Sachverhalte suchen? Welche Theorie verlangt denn, alle physikalischen Gesetzte ausser Kraft zu setzen und an mindestens 1000 Zufälle (das nicht Aufsteigen der Abfangjäger ist nur eines davon) zu glauben? Wann hat der gesunde Menschenverstand aufgehört zu arbeiten? Schier unglaublich, wie weit die Volksverblödung schon gediehen ist.

  • CitizenK 24. Juni 2018, 15:41

    Ja, Rauschi, es gibt Dinge die so monströs sind, dass man sie zunächst nicht glauben mag. Gladio und Bologna könnte man noch nennen. Aber das kann doch nicht heißen, jede VT sofort als wahr zu akzeptieren.

    • Rauschi 24. Juni 2018, 16:23

      Habe ich auch weder geschrieben noch gefordert.
      Was ich fordere, das nicht jede Verschwörungstheorie durch Benennung als solche schon als Quatsch diffamiert wird,. Das ist aber heute defact doch so, wie Herr Sasse eindrücklich zeigt. Der er macht da keinerlei Unterscheidung. Das ist das, was ich mit Ammenmärchen meine.
      Es ist doch so, das heute die Diffamierung als Verschörungsanhänger schon als Kontaksperre wirkt.

    • popper 27. Juni 2018, 10:16

      @CitizenK

      Das Problem liegt doch nicht darin, dass allerlei fragwürdige Geschichten kursieren, sondern im Begriff „Verschwörungstheorie“ selbst, der Verwender setzt damit auf Ausgrenzung und apostrophiert den Betreffenden zum fantastischen Spinner. Das macht bestimmte Denkansätze von vorne herein zu einer No go Area. Ein Denunziationsbegriff, der unsere Neigung befördert, dass allein die Existenz eines Wortes auf einen bestimmten Sachverhalt schließen lässt. Ausgeblendet wird der ideologische Ballast, der dem Wort Verschwörungstheorie innewohnt. Insofern halte ich von derartigen Verschränkungsmanövern gar nichts. Sie dienen nur der Unsichtbarmachung unerwünschter Fragen.

      • CitizenK 27. Juni 2018, 16:20

        @ popper
        @ Rauschi

        „Das Problem liegt im Begriff „Verschwörungstheorie“ selbst“.

        Jedenfalls, wenn er wie üblich (und ich bisher auch) abwertend gebraucht wird. In dem Punkt habt ihr recht.

        • Rauschi 28. Juni 2018, 09:39

          @citizen
          darf ich aus dem „bisher“ schliessen, das erste Zweifel aufgekommen sind, ob das alles immer Quatsch ist und abgewertet werden sollte?

          • CitizenK 28. Juni 2018, 10:00

            @ Rauschi

            Ja. Hab meine Einstellung unter dem Eindruck der Diskussion hier revidiert. Eine von vornherein abwertende Verwendung des Begriffs VT halte ich nicht mehr für sinnvoll. Weil das aber so üblich ist, sollte man den Begriff vielleicht überhaupt vermeiden.

            • Rauschi 28. Juni 2018, 10:23

              Mein Reden, denn tatsächlich ist ja das Gegenteil der Fall. Nehmen wir mal den NSU Fall. Die Skeptiker, Zweifler stellen gerade die offizielle Verschwörungstheorie in Frage, stellen aber selber überhaupt keine auf, wie es wirklich gelaufen ist. Wenn ich weiss, wie etwas nicht gewesen sein kann, weiss ich immer noch nicht, wie es wirklich war. Das sich aber jemand mit 2! Kopfschüssen tötet und zwischen 1 und 2 sogar seine Waffe (Pumpgun) nachlädt, das darf doch wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden.
              Vielleicht wäre Vertuschungsmanöveraufklärer besser? Aufklärer ist auf jeden Fall positiver besetzt.
              Echt Verschwörungstheoretiker (flache Erde, Weltregierung etc.), die sollte man tatsächlich nicht ernst nehmen, aber eben nur die.

  • CitizenK 24. Juni 2018, 19:01

    Dann müsste man unterscheiden zwischen ungeprüften, bestätigten und widerlegten VT. In Zeiten von Fake news und alternativen Fakten kaum möglich.

    Versuch mal, die „Theorie“ von der „Umvolkung“ zu prüfen. Und will Soros nun die Idee der westlichen Demokratien verbreiten oder führt er ganz anderes im Schilde?

    • Rauschi 25. Juni 2018, 07:22

      Umvolkung? Nein, aber die hohen Kreise der Wirtschaft und Politik finden die offenen Grenzen erstrebenswert:
      [Hier sind einige der Aussagen aus der Publikation „The Business Case for Migration“. (Warum Migration gut fürs Geschäft ist), die der Global Agenda Council on Migration des Weltwirtschaftsforums nach zwei Jahren Beratung – untereinander, mit Regierungen und mit der sogenannten Zivilgesellschaft – 2013 veröffentlichte:
      Migration ist gut fürs Geschäft.
      Politische Parteien, die Zuwanderung zu begrenzen und zu kontrollieren versprechen, sind ein Problem. Sie schaden der Wirtschaft.
      Entwicklungsagenturen fördern Migration.
      Unternehmen halten sich bei dem Thema zurück, weil sie Angst haben, mit Werbung für Zuwanderung den Groll der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen.
      Migration sollte man heute nicht mehr als eine Beziehung zwischen Individuum und Staat verstehen, sondern als Beziehung zwischen Individuum und Arbeitgeber, vermittelt über den Staat.
      Das Weltwirtschaftsforum hat eine öffentlich-private Koalition zur Förderung der Migration gebildet.
      Staat und Zivilgesellschaft sollen in Partnerschaft mit der Privatwirtschaft (sinngemäß) eine Willkommenskultur etablieren…
      Khalid Koser, Stellv. Direktor, Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, Vorsitzender des Global Agenda Council on Migration des Weltwirtschaftsforums.
      Die Publikation, die sie in den Händen halten, ist das Ergebnis von zwei Jahren Diskussion und Forschung von einer Gruppe von Menschen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Migrationspolitik weltweit zu verbessern. Sie soll dazu dienen, die Debatte zwischen Nationen und mit der Zivilgesellschaft währende des High-Level Dialogs über Migration und Entwicklung der Vereinten Nationen zu befruchten und zu stimulieren. Dieser stellt einen wichtigen Meilenstein auf diesem Feld dar.
      (Punkte 1 und 2 zu Migrationsstatistiken hier ausgelassen) Drittens ist internationale Migration ein wahrhaft globales Phänomen. 2010 lebten etwa 74 Millionen internationale Migranten aus dem Süden im Norden. Das sind mehr als die internationalen Migranten aus dem Süden, die im Süden leben (73 Millionen)
      Schließlich repräsentieren Migranten ein breites Spektrum von Ausbildungs- und Fähigkeitsniveaus, von ungelernter Arbeit bis zu hochqualifizierten Arbeitskräften. Auf verschiedene Weisen sind Wanderarbeiter aus dem ganzen Fähigkeitsspektrum wichtige Treibkräfte für Wirtschaftswachstum und Entwicklung auf der ganzen Welt geworden.]

      Mehr dazu hier (das ist ein Autor der Wirtschaftswoche):
      http://norberthaering.de/de/27-german/news/958-wef-migration

      Es mache sich jeder sein eigenes Bild, wer da was will.

      • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 10:12

        Es gibt solche und solche Migrationsförderung. Was die Wirtschaft will ist qualifizierte Migration, ebenso die Behörden.

        • Rauschi 25. Juni 2018, 10:24

          Nein, das steht doch ziemlich eindeutig da:
          [Schließlich repräsentieren Migranten ein breites Spektrum von Ausbildungs- und Fähigkeitsniveaus, von ungelernter Arbeit bis zu hochqualifizierten Arbeitskräften. Auf verschiedene Weisen sind Wanderarbeiter aus dem ganzen Fähigkeitsspektrum wichtige Treibkräfte für Wirtschaftswachstum und Entwicklung auf der ganzen Welt geworden.]
          Wenn der Pool an zur Verfügung stehenden Kräften nur gross genug ist, kann der Preis beliebig gedrückt werden, auch darum geht es.

          • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 14:23

            Trotz allem würdest du das lieber über ein Gastarbeiterprogramm machen (wie damals, als sie das ganz offen umgesetzt haben) als über eine unkontrollierte Masseneinwanderung. Deswegen halte ich es für unwahrscheinlich, dass da ein abgesprochener Plan (vulgo: Verschwörung) MErkels und der Wirtschaftseliten mit der Arbeitsagentur dahintersteht. Dass die die Vorteile sehen und versuchen das in ihrem Sinne zu nutzen – keine Frage, aber das ist ja legitim.

            • Rauschi 25. Juni 2018, 15:00

              Dass die die Vorteile sehen und versuchen das in ihrem Sinne zu nutzen – keine Frage, aber das ist ja legitim.

              In Ihrem Sinn zu steuern, über die diversen Lobbyorganisationen. Das WWF ist ja nicht irgendeine Popelsvereinigung, die sitzen mächtige Interessen. Das die es steuern könne, ganz im Gegensatz zu mir oder Ihnen, ist keine Verschwörungstheorie.
              Wer hat denn in der EU für das Herkunftslandprinzip und die Personenfreizügigkeit (die nie nur auf die Experten begrenzt war) getrommel? Der BDI und VDI oder der Bürger auf der Strasse? Warum werden die Einkommensgrenzen für angeblich so dringend benötigte Fachkräft dauernd gesenkt (für nicht EU Bürger mittlerweile auf unter 40000 Euro pro Jahr)? Weil die „Experten“ am liebsten für wenig Geld in einem Land leben, in dem Fremde nicht gerne gesehen werden?
              Wenn die „Experten“ anziehen wollten, dann müsste das ganz anders laufen.
              Das ist keine Verschwörung, das sind die Tatsachen. Wie bitte sieht die andere Seite für diese Fakten aus?
              Wenn sich die Unternehmen die hohen Gehälter der Fachleute nicht leisten wollen oder können, Pech gehabt, dann kommt auch keiner, das ist aber kein Gegenargument.

            • Blechmann 26. Juni 2018, 00:09

              Ein Gastarbeiterprogramm ist aber politisch nicht durchsetzbar. Unkontrollierte Masseneinwanderung ist politisch durchsetzbar. Deswegen „Flüchtlings-Migration“ statt Einwanderungsgesetz.

              Eine Verschwörung sehe ich da auch nicht. Die Lobbyisten der Wirtschaft sagen Merkel, was ihre Auftraggeber wollen: Migration. Merkels Job ist es das umzusetzen. Gelingt ihr das, dann werden die Medien, die von den Anzeigen der Wirtschaft leben, dafür sorgen, dass Merkel im Amt bleibt. Wenn nicht, dann nicht, dann wird ein anderer Kanzler, der es besser versteht, sich die Wirtschaftseliten gewogen zu halten.

              Das ist doch im Grunde banal und keine Verschwörungstheorie. Wenn ich behaupten würde, dass Gesetzesvorlagen direkt von Lobbyisten erstellt werden, die in den Ministerien sitzen, das wäre eine Verschwörungstheorie.

              • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 05:50

                Hast du in den letzten 24 Monaten eine Zeitung gelesen? Unkontrollierte Masseneinwanderung politisch durchsetzbar? Was hast du enn geraucht? ^^

                Ich würde der Wirtschaft nicht gar so viel Macht zusprechen, aber grundsätzlich stimme ich dir zu.

                • Blechmann 26. Juni 2018, 19:28

                  Gut, dass man nicht jedes Jahr 1 Mio Arbeitsmigranten einbürgern kann, dürft auch der Wirtschaft klar sein. Die wollen billige Arbeitskräfte die die Löhne drücken, nicht den Kollaps des Systems.

    • Rauschi 25. Juni 2018, 07:29

      Dann müsste man unterscheiden zwischen ungeprüften, bestätigten und widerlegten VT. In Zeiten von Fake news und alternativen Fakten kaum möglich.
      P.S.
      Die letztgenannten wären ein Fall für Ammenmärchen, für die ersten bietet sich Tathergangs Theorie an, und die bestätigten sind aufgedeckte Verschwörungen, das ist über das Stadium Theorie hinaus.

    • popper 27. Juni 2018, 10:33

      Soros hat in Anlehnung an K.R. Popper ein Buch über die offene Gesellschaft und ihre Feinde geschrieben, das klingt gut, aber sagt wenig über die Hintergründe und Motive von Soros. Für mich ist der entscheidende Faktor einer offenen Gesellschaft Poppers das Paradoxon der demokratischen
      Entscheidungsfindung, die darin besteht, dass der demokratische Prozess die denkbar schlechteste Variante hervorbringen kann. Genau das will Soros verhindern. Wobei das Prinzip der Repräsentativen Demokratie nicht darin besteht, durch Wahlen das Gemeinwohl zu fördern, sondern von den zuvor ausgewählten Vertretern der Eliten, den am besten vermarkteten zu wählen. D.h. wählen können die Leute bis zum Abwinken, herauskommen wird immer das, was die Machteliten wollen, und das sind nicht die Politiker, sondern die Unternehmen. Der Neoliberalismus hat es geschafft, den Leuten einzureden, sie seien ihres Glückes Schmied. In Wahrheit schmieden die Muppets das Glück der Machteliten. Die Tatsache und das Ergebnis, dass sie das allmählich raffen ist TRUMP.

  • CitizenK 24. Juni 2018, 19:04

    Sorry, falsch zugeordnet. Antwort für Rauschi bestimmt.

  • Floor Acita 25. Juni 2018, 00:45

    3)
    Ich bin ja mittlerweile mehr und mehr der Meinung, dass das das größte Problem ist und Auswirkungen auf alles andere hat, denn die Generation besteht ja nicht nur aus Wählern, sondern hält auch immerrnoch genügend Positionen an Einfluss und scheint in der Mehrheit absolut ungewillt Ihren Kindern und Enkelkindern zu vertrauen… Das geschlossene Weltbild treibt mich seit 20 Jahren zum Wahnsinn, aber jetzt ist voll auf nach mir die Sintflut umgestellt und es wird „auf dem raus (aus dem Leben)“ nur noch verbrannte Erde überlassen…

    8)
    Ich bin großer Fan von Amazon, aber noch mehr von Google aber eben auch z.B. Facebook. Das Problem das ich sehe vermischt sich mit 3). Wir müssen mehr differenzieren. Wir tun uns als Gesellschaft immer noch schwer damit mit „Internetkonzernen“ richtig umzugehen. Manchmal geht ds zu Lasten, manchmal zum Vorteil solcher Konzerne. Mir ist z.B. völlig unbegreiflich warum im Internet Klicker 0,0 cent Beträge für Werbung bezahlt wird, Fernseh und Printmedien streichen demgegenüber immer noch Millionen ein – selbst wenn nachweislich eine größere Exposition der gleichen Werbung im Internet gegeben wäre und auf Youtube wird das berühmt-berüchtigterweise gerade verschärft. Selbst die digitale NYT streicht nicht soviel ein wie der offline-Arm. Manchmal wird versucht im Internet dagegen so zu regulieren wie in anderen Branchen offline – mit fatalen Auswirkungen die kleinere Unternehmen in die Knie zwingen. Aber manchmal ist das eben auch umgekehrt und keine oder lächerliche Regulierungen im Internet werden als wirksame Maßnahme wahrgenommen oder die Aktivitäten werden von Staatswegen nicht wahrgenommen oder sehr unterschätzt bis es nicht mehr anders geht, dann wird hektisch überreagiert, siehe Facebook/CA.

    Warum der lange Ausflug? Amazon ist ein Mischkonzern und macht seinen Gewinn vor allem mit Server Infrastruktur und neulich auch mit online prime, musik extras etc. Retail ist dagegen borderline quer-/Konzern-subventioniert. Da in einem modernen Konzern trotz dieser Quersubventionierung und dem nach aussen vertretenen Image der Gemeinsamkeit oft auf Entscheidungseben nur nach Kostenstellen und Geschäftsteilen gedacht wird, versucht Amazon retail jeden cent umzudrehen, OK wenn sich an Regeln gehalten wird. Ich habe auch gerne moderne Logistikzentren direkt um die Ecke und den Vorteil des Infrastrukturausbaus, Imagegewinns etc. Aber es ist absolut nicht einzusehen, wenn das mit bis zu 10 Jahren steuerfrei (zugegeben eher ein US Phänomen) erkauft wird oder aber am Arbeitsrecht gedreht wird/werden soll. Vernünftiger, mindestens Mindestlohn ist für mich nicht diskutabel, und genausowenig der Aufbau einer Gewerkschaft und eines Betriebsrates und wenn Amazon schlau wäre würde es erkennen, dass beides gerade in Deutschland eine gute Investition in sowohl positives Image als auch Betriebsfrieden sein kann. Der Konzern scheint mir dagegen oft mit dem Kopf gegen die Wand rennen zu wollen und alles was nach „union“ klingt als Erzfeind zu betrachten. Und sowohl Politik und Gesellschaft tun sich erstaunlich schwer damit richtig umzugehen und nicht in die ein oder andere Richtung zu überziehen. Ich will jedenfalls keine borderline Arbeitslager und erst Recht kleine mit Neonazis assoziierten „Sicherheitskräfte“ die dann zT muslimische oder auch nur spanisch-stämmige Arbeiter „beschützen“… Manche Geschichten mögen „aufgebauscht“, skandalisiert oder „aus dem Zusammenhang gerissen“ sein, aber das ist genau mein Punkt, dioe verbleibenden Fakten sind deshalb dann trotzdem nicht nichts und es muss halt ein vernünftiger Weg gefunden werden damit umzugehen. Einen Freifahrtschein kann ich Amazon deswegen nicht ausstellen…

    2)
    Mein Problem, und ich meine das absolut Ernst und wortwörtlich, ist, dass es mir tatsächlich auch schwerfällt Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Ich bin normalerweise auch der Meinung, dass ein Auseinandernehmen zB der Soros-Verschwörung oder auch Pizzagate mühsam und nervenaufreibend ist, aber ich kann es. Die NASA hat auf Alex Jones nicht getroffen, verärgert oder anklagend reagiert sondern nur kurz, faktisch eine Erklärung abgegeben „nein, wir haben keine Gefangenenlager auf dem Mars“.

    Und ich höre alle die sagen wegen Zeller Loch, Guantanamo Bay/black sites, NSU, Bologna, Gladio etc. kann man nicht jeden Sch. glauben – richtig. Aber wie hättet(habt?) ihr denn jetzt ganz konkret diese Fälle frühzeitig erkannt, richtig eingeordnet und euch nicht von den Verschwörern an der Nase herumführen zu lassen. In anderen Worten, wie kann man sich nach diesen Fällen absolut und zu 100% sicher sein, dass eine Verschwörungstheorie nicht war ist oder zumindest vielleicht ein Korn Wahrheit enthält? Wenn ich alle als VT definierte Theorien von Anfang an als nicht weiter verfolgenwert einstufe, bin ich mir dann wirklich zu 100% sicher, niemals einer echten Verschwörung auf den Leim zu gehen..?

    Ich bin halt in einer Zeit aufgewachsen in der zT jahrzehntelang als Nonsens bezeichnete Anschuldigungen plötzlich zugegeben wurden (Autobahnen sind geheime Landebahnen, geheime Bunkerbauten etc.) – jetzt hat die Bundesregierung plötzlich den ehemaligen Besitz der Westdeustchlands/BRD an Novitschoks eingeräumt was in Zukunft die eindeutige Zuordnung zu Russland erschwert. Hätte ich, wenn ich mich zu 100% an die Empfehlungen der „Warner“ vor Verschwörungstheorien halte, diese oder andere tatsächliche Verschwörungen tatsächlich trotzdem richtig als solche qualifiziert und vor allem frühzeitig, wenn sie die meiste Wirkung auf das Bewusstsein der Menschen haben/hatten – wie kann man als Einzelperson staatlicher Porpaganda zB tatsächlich wirksam entgegen wirken, gerade wenn die Regierung die Verschleierung bestimmter Fakten, zumindest in ganz konkreten, limitierten, Situationen als Bewahrung der Staatssicherheit, das „leaken“ als Staatsgefährdung, einstuft..?

    • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 06:13

      2) Klar, deswegen sind es ja „Theorien“. Nur: Dass Merkel einem geheimen Masterplan zur Umvolkung nachhängt ist etwas unwahrscheinlicher als Unternehmehsbeteiligungen. Es gibt Theorien, da sag ich problemlos „kann sein, kann nicht sein“. Und es gibt welche, da sag ich „Quatsch“. Und je größer und umfassender die Theorie, desto wahrscheinlicher stimmt sie nicht.
      3) Ja. Das ist eine furchtbare Generation.
      8) Kann dir nur zustimmen.

      • CitizenK 25. Juni 2018, 06:25

        Na ja, wenn man den Begriff von vornherein pejorativ verwendet, dann schon. Hier haben die beiden einen Punkt.
        BTW würde mich interessieren, wie du ganz persönlich mit Gansers Thesen zum WTC umgehst.

        • Rauschi 25. Juni 2018, 07:11

          Ganser legt überhaupt keine eigene These vor, er überlässt das seinem Publikum. Da es aber um physikalische Fakten geht, lassen sich seine Ausführungen relativ leicht überprüfen.

        • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 10:09

          Hast du mir einen Link?

          • CitizenK 25. Juni 2018, 11:27

            Tja, die meisten links führen zu KenFM oder RT. Da fängt es schon an – was einer sagt oder wo er es sagt?

            Es gibt aber auch einen „neutralen“ Vortrag von Daniele Ganser an der Uni Tübingen auf YT. Auch wissenschaftspolitisch interessant.

            • Rauschi 25. Juni 2018, 11:40

              Ist das denn nicht bezeichnend? Neue Kontaktschuld, Du hast mit dem vermeintlich falschen über Dein Thema gesprochen. Es gibt schlicht keine anderen Medien, die seine Vorträge aufzeichnen. Spricht das von vorne herein gegen ihn? Prüfe die Fakten und entscheide dann, würde ich meinen.

              • CitizenK 25. Juni 2018, 12:12

                Trotzdem: Es gibt einen Unterschied zwischen seriösen und tendenziösen Quellen/Medien. Auch wenn Ken oder RT die BILD oder RTL2 manchmal was Richtiges oder Wichtiges bringen.

                Bei Ganser bin ich mir nicht sicher. Er wirkt sehr seriös und spricht überzeugend. Aber sind wirklich alle anderen blind oder feige?

                • Rauschi 25. Juni 2018, 15:04

                  Das hört sich an, als wäre der allein mit dieser Einschätzung. Das ist aber nicht so, es gibt zuhauf Berichte und Bücher darüber, kriegt nur keiner mit, weil sich nicht mal RTL 2 daran traut.
                  In Amerika gibt es Engeneeis und Architekts for 9/11 Thruth, noch nie gehört?

                • Rauschi 25. Juni 2018, 15:09

                  Ach so, das ORF hat auch mal was dazu gemacht, sehr sehenswert, besonders die Erklärung, warum das Pentagonflugzeug nicht zu sehen ist, har bei mir einen Lachkrampf ausgelöst, aber schau selbst:
                  https://www.youtube.com/watch?v=NOVyjr8JHbs&feature=youtu.be

          • Rauschi 25. Juni 2018, 11:37

            Hier der Link zum Vortrag in Tübingen:
            https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY

            hierein Interview mit dem Professor, der ihn eingeladen hat:
            https://www.youtube.com/watch?v=emvzaJw_k34
            Mittlerweile ist er nicht mehr an der Uni.

      • Rauschi 25. Juni 2018, 07:09

        Und je größer und umfassender die Theorie, desto wahrscheinlicher stimmt sie nicht.
        Das ist doch die steile und vollkommen unwissenschaftliche These von Butter. Wenn etwas zu gross ist, ist es unwahrscheinlich (zu gross ist kein wissenschaftliche Einordnung, vollkommen schwammig). War Cladio nicht auch zu gross und umfassend, um wahr zu sein?

        • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 10:11

          Du meinst das? https://de.wikipedia.org/wiki/Gladio So riesig war das ja nicht. Und viel gemacht haben die ja auch nicht.

          • Rauschi 25. Juni 2018, 10:20

            Nein, ich meine die sogenannten Stay behind Armeen, das würde ich nicht in Wikipedia suchen, denn für solche Fälle ist das ein sehr unzuverlässiges Medium. Gladio hiess nur die Italienische Division, und sicher haben die was gemacht, die haben Terroranschläge verübt, um diese den Linken in die Schuhe zu schieben.
            Eine Armee, unter Führung der NATO, auch in nicht NATO Staaten und meist wusste nicht mal die eigene Regierung davon? Bitte, das war nichts?
            siehe hier:
            https://www.youtube.com/watch?v=9uptK-AHA9M

            Wenn eine Theorie von mir verlangt, das ich daran glaube, das unmöglich viele Zufälle passiert sein sollen, dann halte ich diese für unglaubwürdig. Viele andere kann man anhand dieses Kriteriums schon ausschliessen. Wenn ein Vorgang schlüssig und überprüfbar erklärt wird, ranken sich auch erst gar keine Verschwörungen, die eine Überprüfung wert sind, darum.

            • Stefan Sasse 25. Juni 2018, 14:22

              Du hast natürlich grundsätzlich Recht: Manches, was zuerst wie eine Verschwörungstheorie (im pejorativen Sinne) klingt, stellt sich nachher als reale Politik heraus, Stichwort Stay-Behind-Armeen. Deswegen habe ich ja auch Wert darauf gelegt zu sagen, dass es meine persönliche Einschätzung ist. Da geht man natürlich das Risiko ein, manchmal daneben zu liegen, keine Frage.

              • Rauschi 26. Juni 2018, 06:39

                Da geht man natürlich das Risiko ein, manchmal daneben zu liegen, keine Frage.
                Nicht nur das, man geht immer das Risiko ein, sich nicht mit ungeklärten Sachverhalten auseinander zu setzen, weil alles, was nicht der „offiziellen“ Darstellung entspricht, nicht untersucht wird.
                Wissenstheoretisch ist das ein Rückschritt und keine um Erkenntnis bemühte Haltung, oder nicht?

                • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 16:58

                  Wenn ich alles in Zweifel ziehe, habe ich auch keine Erkenntnis.

                  • Rauschi 27. Juni 2018, 07:32

                    Es gibt zwischen Alles und Nichts auch Abstufungen.
                    Da steht doch [bei ungeklärten Sachverhalten], auch da könnte man noch zwischen interessant und uninteressant unterscheiden. Ich sehe aber nicht, wo Ihr Ansatzpunkt wäre, etwas zu untersuchen.

                  • popper 28. Juni 2018, 07:55

                    Woher haben Sie diese „Weisheit“? Der Zweifel ist nach Descartes der Beweis dafür, dass ich bin, was so gesehen bedeutet, dass der Zweifel eine Grundkonstante unserer Existenz ist. Kein Mensch wird alles bezweifeln, doch daraus abzuleiten, dies verhindere Erkenntnis, ist lediglich eine Behauptung. Zumal jede geistige Reflektion das Erkennen eines Sachverhalts voraussetzt. Das heißt, bezogen auf ihre Behauptung, dass der Zweifel an allem meine Erkenntnisfähigkeit beseitigt, sondern zu einer Aporie führt.

                    • popper 28. Juni 2018, 07:59

                      Der Post ist eine Antwort auf Sasse

                      …muss heißen: meine Erkenntnisfähigkeit nicht beseitigt

  • Rauschi 25. Juni 2018, 07:05

    zu 7)
    [Ein Beispiel für den Konflikt beim Breitband bietet die Gemeinde Eigeltingen im Kreis Konstanz. Sie hat aus der sogenannten Breitband-Offensive des Landes rund 3,5 Millionen Euro erhalten, um ein Glasfasernetz für schnelles Internet zu bauen. Bevor die Gemeinde ihr eigenes Netz bauen durfte, musste sie zwei Mal prüfen, ob nicht doch ein privates Unternehmen ein Breitbandnetz auf dem Gebiet der Gemeinde bauen möchte. Da sich kein Unternehmen meldete, bekam die Gemeinde wenig später die Erlaubnis.
    Nachdem der Ausbau genehmigt und Fördergelder an die Gemeinde geflossen waren, kündigte die Telekom dann überraschend an, doch ins schnelle Internet zu investieren und Teile der Gemeinde mit sogenannter Vectoring-Technik fit fürs schnelle Internet zu machen. Für Eigeltingens Bürgermeister Alois Fritschi war das ein Schock, weil dadurch der Netzausbau der Gemeinde aus technischen Gründen de facto verhindert wurde. Der Grund: Vectoring ist mit anderen Technologien nicht kompatibel. „In diesen Gebieten sind wir dann außen vor“, sagt Fritschi. Der Bürgermeister sah die Finanzierung und auch die Verfügbarkeit des Netzes seiner Gemeinde in Gefahr. Er legte Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ein. Diese hat der Gemeinde mittlerweile weitgehend recht gegeben. Nur auf einem kleinen Teil des Gemeindegebiets darf die Telekom nun selbst tätig werden. Er könne mit dem Ergebnis zwar leben, sagt Fritschi. Er ärgere sich aber, dass für die Beschwerde hohe Kosten für Rechtsberatung angefallen seien – Geld, mit dem die Gemeinde sonst ihr Glasfasernetz hätte finanzieren können.]
    https://www.suedkurier.de/ueberregional/wirtschaft/Schnelles-Internet-Wie-die-Deutsche-Telekom-Gemeinden-veraergert;art416,9043931

    Nur ein Beispiel, woran es hapert. Da will erst kein Unternehmen ran und dann, wenn die Gemeinden selbst planen, kommt die Telekom mit dem unsäglichen Vectoring um die Ecke.
    Es sind ja auch nur Zuschüsse, das heisst, die Hälfte der Kosten muss die Gemeinde zahlen. Wobei es da auch, je nach Bundesland, Förderung durch das Land gibt. Und die verschiedenen Modelle lassen die Gemeinden mit möglichen Risiken im Regen stehen:
    [Tjark Bartels hatte sich einigen Ärger eingehandelt. Der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont hätte vom Bund die maximale Fördersumme von 15 Millionen Euro für den Breitbandausbau erhalten. Angesichts eines Schuldenbergs von rund 100 Millionen Euro ein willkommener Geldsegen. Doch Bartels lehnte ab, was zu heftigen Debatten im Kreistag führte. Letzten Endes folgte er jedoch der Entscheidung seines Landrats. „Die Fördermittel des Bundes sind unter Bedingungen gestellt, die wirtschaftlich im hohen Maße nachteilig für die Landkreise sind“, sagt Bartels.
    Die Regierung fördert den Breitbandausbau mit vier Milliarden Euro. Doch für einige Landkreise und Kommunen ist die Förderung unrentabel. Die Regierung fördert den Breitbandausbau mit vier Milliarden Euro. Doch für einige Landkreise und Kommunen ist die Förderung unrentabel Er kritisiert, dass Antragssteller ermuntert würden, die Fertigstellung des Netzausbaus bis Ende 2018 anzugeben und darauf zu vertrauen, dass der Förderzeitraum später erweitert werde. Passiert das aber nicht, droht die Rückzahlung der bewilligten Mittel, wenn das Projekt bis Ende 2018 nicht abgeschlossen ist. Darüber hinaus ärgert er sich über zahlreiche Anpassungen am Regelwerk. Von der Förderrichtlinie existiert bereits die dritte Version, der Leitfaden zu ihrer Umsetzung wurde schon fünfmal erneuert.
    Selbst wenn es dem Landkreis Hameln-Pyrmont gelungen wäre, mit den 15 Millionen Euro vom Bund ein zukunftsfähiges Glasfasernetz aufzubauen, hätte er in den folgenden 25 Jahren keine Freude am neuen Netz gehabt. Würde zum Beispiel die Pacht für den Netzbetreiber erhöht, was in zweieinhalb Jahrzehnten durchaus der Fall sein dürfte, müssten die mehr erzielten Einnahmen von der Fördersumme abgezogen werden. „Sie fließen zurück an den Bund“, sagt Bartels. ]
    https://www.teltarif.de/breitbandausbau-foerderbedingungn-kritik/news/70076.html
    Einfach können wohl nur die anderen.

  • Rauschi 25. Juni 2018, 09:03

    zu 3)
    Es ist die Generation der Babyboomer, die die Welt zugrunderichtet. Ob Brexit, ob Trump, ob LePen oder AfD, überall sind es die über 60jährigen, die an vorderster Front dabei sind. Sie setzen eisern ihre Interessen durch, und auf nachfolgende Generationen ist geschissen.
    Ich habe über diesen Ansatz länger nachgedacht und halte ihn für falsch. Denn es liegt ja nicht an den Babyboomern (ich gehöre bei Jahrgang 65 auch noch dazu), sondern eindeutig am Wirtschaftsmodell. Das ist wieder so ein typisch deutscher, typisch kurzsichtiger Ansatz, die Suche nach einem vermeintlich Schuldigen, die aber das Problem nicht löst. Wenn es der nachfolgenden Generation so wahnsinnig wichtig wäre, etwas zu ändern, warum sieht man nichts davon? Die Jungen Politiker, die mir einfallen, wie Lindner und Spahn verfolgen alle das neoliberale Credo, Wachstum, Wachstum, Wachstum um jeden Preis. Aus der Babyboomer Generation sind auch die Grünen hervor gegangen, spricht schon mal eindeutig gegen diese Denkrichtung.
    Schon in meiner ersten eigenen Wohnung habe ich sorgsam den Müll getrennt und zur Sammelstelle gebracht. Meine Freunde damals meinten noch, wofür denn, das wird doch sowieso alles verbrannt. Das war tatsächlich meist der Fall, aber meine Argumentation war stets, wenn es sich ändern sollte, muss ich mich nicht mehr umstellen.
    Warum hat denn die junge Generation z.B. nicht Verpackungen ohne Kunststoffe serienreif gemacht, statt dessen überall mehr davon? Warum gibt es kaum Denkmodelle, wie die Wirtschaft Enkeltauglich gemacht werden kann? Das den Eltern die Kinder und Enkel egal sind, halte ich für unmöglich, die meisten sehen aber keine Möglichkeit, das Modell zu ändern, weil ja öffentlich auch nicht darüber nachgedacht wird.
    Wenn Sie die Trumpwähler nicht „aus der Verantwortung entlassen “ wollen, dann ja wohl erst Recht diejenigen, gegen deren Interessen gehandelt wird und die sich nicht wehren wollen/können.

    • Rauschi 26. Juni 2018, 06:18

      Keine Reaktion von Autor der These?
      Weder Zustimmung noch Ablehnung noch sonst was? Seltsam, echt seltsam.

    • Stefan Sasse 26. Juni 2018, 16:57

      Sorry, übersehen.

      Du missverstehst mein Argument. Die Babyboomer sind deutlich besser darin als die ihnen nachfolgende Generation, ihre Interessen durchzusetzen – ungefähr so, wie Goldman Sachs seine Interessen besser durchsetzt als Hartz-IV-Empfänger. In diesem Beispiel würdest du aber auch nicht akzeptieren, dass nur weil sie mehr politische Macht haben und sich cleverer anstellen ihre Interessen deswegen automatisch auch die „legitimeren“ sind.

      • Rauschi 27. Juni 2018, 07:29

        In diesem Beispiel würdest du aber auch nicht akzeptieren, dass nur weil sie mehr politische Macht haben und sich cleverer anstellen ihre Interessen deswegen automatisch auch die „legitimeren“ sind.
        Natürlich nicht, nur, was hat das mit der These zu tun? Bevor Sie nicht darlegen, welche Interessen nur die babybommer haben, die nachtfolgenden also nicht und welche Interessen die nachfolgenden haben, die keine Berücksichtigung finden, ist es auch sehr müssig.
        Zumal auch hier wieder übersehen wird (wie in der Rentendebatte9, das es kein Generationenkonflikt ist, sondern ein Klassenkonflikt.
        Ich habe nun schon mehrfach auf die Studie zur Demokratie hingewiesen, die Anliegen der „Reichen“ finden viel mehr Gehör, als die Anliegen der „Armen“, das wurde dort fest gestellt.
        [“In Deutschland beteiligen sich Bürgerinnen mit unterschiedlichem Einkommen nicht nur in sehr unterschiedlichem Maß an der Politik, sondern es besteht auch eine klare Schieflage in den politischen Entscheidungen zulasten der Armen. Damit droht ein sich verstärkender Teufelskreis aus ungleicher Beteiligung und ungleicher Responsivität, bei dem sozial benachteiligte Gruppen merken, dass ihre Anliegen kein Gehör finden und sich deshalb von der Politik abwenden – die sich in der Folge noch stärker an den Interessen der Bessergestellten orientiert.“
        „Jedoch vertreten verschiedene Bevölkerungsgruppen ihre Interessen mit ungleichen Konflikt- und Organisationsressourcen. So können Partikularinteressen von Eliten und Unternehmen in modernen Demokratien einen übergroßen Einfluss gewinnen, mit der Folge einer zunehmenden Entpolitisierung und damit eines Legitimitätsverlustes.“]
        https://www.lobbycontrol.de/2017/04/armuts-und-reichtumsbericht-die-originaldokumente-zu-reichtum-und-einfluss/

        Oder noch ausführlicher hier:
        https://www.heise.de/tp/features/Westliche-Demokratie-ist-hohl-Reichtum-regiert-4009334.html?seite=all
        Allein vor diesem Hintergrund würde ich die Aussage noch mal überdenken.

        • Stefan Sasse 30. Juni 2018, 07:54

          Es ist auch ein massiver Generationenkonflikt. Ich schreib da vielleicht bei Gelegenheit was drüber. Es ist AUCH ein Klassenkonflikt. Läuft vertikal UND horizontal.

  • Rauschi 25. Juni 2018, 10:11

    Zu 8) und gleichzeitig wieder 3)
    Wenn hier von den jungen progressiven Amazon gelobt wird, dann kann ich da an Solidarität für die Mitarbeiter oder anderen Unternehmen, die ihre Steuerzahlungen nicht „optimieren“ können, nichts erkennen. Da ist es mit dem „enkeltauglichen Denken“ auch nicht weit her. Hauptsache billig und bequem. Bis vor 6 Jahren habe ich selber da bestellt, als aber mehr und mehr Sauereien ans Licht kamen, habe ich meinen Account gekündigt. Ist unbequemer und vielleicht auch teurer, aber wer sagt, Solidarität müsse es umsonst geben?
    Amazon baut auch weder Strassen noch Abwassergräben, das macht der Investor, der das Gelände vermietet. Die lokale Politik war aussen vor, was ich nicht sonderlich demokratisch finde:
    [Bis zur offiziellen Bestätigung des Investments am Montagabend waren Garbsens Politiker außen vor, weil Amazon von allen Seiten Stillschweigen verlangt hatte. „Wenn das so kommt, begrüßen wir das unter Arbeitsmarkt-Aspekten“, sagt Darius Pilarski, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Rat. Aber wie viele Arbeitsplätze an der Burgstraße entstehen, weiß bis dato keiner. Jeder, der die jahrelang die Schichtwechsel beim Online-Händler Netrada auf der anderen Seite der Autobahn erlebt hat, fragt sich aber: Wie kommen vielleicht Hunderte Mitarbeiter aus der Region an die Burgstraße? Busverbindungen gibt es nicht. Angeblich hat sich Amazon verpflichtet, eine Linie bis zur nächsten Anschlussstelle an das reguläre Busliniennetz einzurichten…
    Das Augenmerk der CDU liege aber auch auf der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs und auf der Gewerbesteuer. „Würde Amazon überhaupt Gewerbesteuer in Garbsen zahlen müssen? Ich hoffe, der Bürgermeister bekommt dazu Antworten“, sagt Dannenbrink.]
    http://www.haz.de/Umland/Garbsen/Nachrichten/Amazon-will-Logistik-Zentrum-in-Garbsen-Ende-2018-in-Betrieb-nehmen

    Oder die Beschäftigung von Saisonkräften auf Steuerzahlerkosten, wie regelmässig im Weihnachtsgeschäft:
    [Hamburg – Der Online-Versandhändler Amazon steht in der Kritik, eine Lücke des deutschen Sozialgesetzbuchs massenhaft auszunutzen. Das Unternehmen beschäftigt laut SPIEGEL nicht nur während des Weihnachtsgeschäfts in seinen fünf deutschen Logistikzentren Tausende Arbeitslose befristet als Saisonarbeiter, sondern lässt viele von ihnen zuvor eine sogenannte „Maßnahme zur Aktivierung und berufliche Eingliederung“ absolvieren.
    Dies dient vor allem zur Einarbeitung. Die Betroffenen arbeiten dann meist sechs Wochen, bekommen aber nur vier bezahlt. Die restlichen zwei Wochen erhalten sie weiterhin die Leistungen der Agenturen für Arbeit oder der Jobcenter. Diese Praxis ist legal. Allerdings wiederholt Amazon bei vielen der Aushilfen das Prozedere jedes Jahr, obwohl sie im Jahr zuvor bereits eingestellt waren und eine Einarbeitungszeit damit unnötig ist. ]
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gesetzesluecke-amazon-beschaeftigt-massenhaft-arbeitslose-ohne-verguetung-a-800166.html

    Zum Thema des Artikels:
    Sollte es nicht zu denken geben, wenn die Ware so wenig wertig ist, das eine Rückgabe teurer ist als Vernichtung? Wie wäre eine Rücksendegebühr, dann würde sich der Aufwand für Amazon auszahlen und es würden nicht neuwertige Güter entsorgt? Nein, keine Forderung, doch kein Denken im Interesse der Kinder und Enkel?

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