Apu in der Psychatrie redet mich Rechten und macht einen Twitter-Account auf – Vermischtes 17.04.2018

1) Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln

Bayern plant nicht nur das umstrittene, superscharfe neue Polizeigesetz, um massiv gegen echte und angebliche Gefährder vorzugehen. Bayern plant auch eine Art Polizeirecht gegen psychisch kranke Menschen. Der Entwurf für ein „Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz“ führt zur Mollathisierung des Rechts: Depressive Menschen sollen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können – ohne dass (wie bei Gustl Mollath) eine Straftat vorliegt. So steht es im Gesetzentwurf, der vom Kabinett Söder verabschiedet worden ist. Schon der Name des Gesetzes ist eine Täuschung: Es enthält vier Paragrafen über „Hilfe“ für Kranke – und 35 über ihre „Unterbringung“ zu Zwecken der Gefahrenabwehr. Die Fachwelt ist entsetzt; als einzige positive Errungenschaft im neuen Gesetz gilt der Aufbau eines flächendeckenden psychiatrischen Krisendienstes. Fast alle anderen Vorschriften orientieren sich am Strafrecht und am Maßregelvollzug für Straftäter. Die Stellungnahmen der Mediziner und Psychiater lesen sich daher wie ein Aufschrei.

Heribert Prantl echauffiert sich über ein neues bayrisches Gesetz, nach dem psychisch Kranke (etwa Depressive) vorbeugend in eine geschlossene Anstalt genommen werden können und das sie registriert. Das Gesetz entsetzt die Fachwelt, was wenig wunders nimmt, denn nichts hilft schließlich bei psychischen Krankheiten besser als eine gesellschaftliche Ausgrenzung und Kriminalisierung, besonders für die Bereitschaft Betroffener, Hilfe zu suchen. Auf der anderen Seite steht natürlich die Problematik, dass psychisch Kranken bisher wenig geholfen wird und hier dringend Schritte nötig wären. Die Einrichtung eines psychatrischen Notdiensts, die das Gesetz auch beinhaltet und die Prantl ausdrücklich lobt, ist da ein Schritt in die richtige Richtung. Mein Gefühl ist, dass das Thema eine gewisse Hilflosigkeit hervorruft, und dass die bayrische Variante nur die konservative Variante ist, mit dieser Hilflosigkeit umzugehen (Gefährung wird hier immer gern mit Registrierung und Polizei begegnet). Manche geistig Kranken sind mit Sicherheit eine Gefahr für die Gesellschaft, und vorbeugend tätig zu werden kommt der Fürsorgepflicht gegenüber dem Bürger und den Leuten selbst nach. Die bayrische Methode scheint etwas mit der Brechstange zu sein und, wie oben beschrieben, mit einem sehr großen Nachteil der Ausgrenzung und Abschreckung vor freiwilliger Behandlung daherzukommen, aber ein klar besserer Weg fällt mir auch nicht ein, und da haben wir das Thema Kosten noch gar nicht angesprochen…

2) My epiphany about the problem with Apu

When I first heard about the film, I was dismissive. Like Kondabolu, I’m part of the desi diaspora and a Simpsons fan. I was born in India and grew up in an immigrant milieu in Toronto. My family even ran a convenience store in the 1970s and early 1980s. I never had a problem with Apu. I recognized he was a stereotype, of course, but saw him as affectionately done, in the manner of some of the broadly depicted Jewish characters on Seinfeld and Curb Your Enthusiasm. Nor am I the only desi who is indulgent of Apu. Some writers have been similarly inclined to give Apu a pass.

Eine Diskussion, die am progressiven Rand der Twittersphäre stattfand, war in letzter Zeit die Frage, ob die Figur des indischen Gemischtwarenhändlers Apu aus den Simpsons ein rassistisches Zerrbild wäre. Der indische progressive Autor Jeet Heer beschreibt im oben verlinkten Artikel, warum er Apu lange nicht als Problem sah und erst durch die Debatte darauf gestoßen wurde. Ich denke, die Diskussion ist ein Mikrokosmos um viele dieser progressiven Themen, die wir ja auch hier im Blog immer wieder diskutiert haben. Es sind Nebenkriegsschauplätze, und auch noch solche, die lange von niemandem als Problem gesehen wurden (siehe auch etwa die Debatte um das Football-Team „Redskins“), aber seither haben sich Maßstäbe verschoben. Als Apu in den 1980er Jahren geschrieben wurde schien er nur ein harmloses Stereotyp, aber 30 Jahre später sieht die Lage eben etwas anders aus. Was hier gefordert ist ist Sensibiltät gegenüber den Befindlichkeiten der jeweils betroffenen Minderheit, aber in der aufgeheizten Debatte, in der die rechten identity-politics-Krieger solche Versuche einer behutsamen Thematisierung gerne sofort mit dem Schlachtruf des Kampfs gegen political correctness torpedieren, ist das leider unwahrscheinlich.

3) Anglizismen in Firmentexten

Mich nerven nur wenige deutsche Lobbyverbände so sehr wie die selbst ernannten „Sprachschützer“ und die vielen, vielen Phantomdebatten, die über die angebliche Gefährdung der deutschen Sprache geführt werden. Ich bin daher sehr froh, einen unaufgeregten Artikel gefunden zu haben, der Anglizismen in Firmentexten unvoreingenommen angeht und eine Art Anleitung erstellt, welche Anglizismen einen sinnvollen Platz haben, welche zwar überflüssig aber harmlos sind und auf welche man besser verzichtet.

4) Mit Rechten zu reden hat auch Grenzen // Hetze in Deutschland 4.0

Das erste Problem scheint auch gleich das schwierigste zu sein: Nämlich die Definition dessen, was denn „rechts“ sei. Jedenfalls geht da in den gegenwärtigen Debatten einiges durcheinander. Nehmen wir die einfache Variante, die aus dem Oberstufen-Leistungskurs Politik: Rechts heißt der Glaube an vermeintlich „natürliche“ oder von Gott gegebene Ordnungen auch in der Gesellschaft, an Hierarchien, an ein gesetzmäßiges Oben und Unten, an eine der Ungleichheit der Menschen innewohnende höhere oder niedrigere Wertigkeit. Und die daran häufig angekoppelte Ablehnung alles „Fremden“. Über all das lässt sich völlig problemlos reden. Zum Beispiel mit den Verfassern des „konservativen Manifests“, die jetzt den Druck in der Union auf Kanzlerin Merkel erhöhen wollen. Ehe und Familie und das Leitbild „Vater, Mutter, Kind“ sind danach die wesentlichen Grundlagen der Gesellschaft. Darüber muss man sich nicht aufregen, sondern man muss darüber streiten. (DLF)

Jetzt haben wir es bald geschafft, eine zumindest in Westdeutschland über sechzig Jahre währende friedliche Einwanderungsgeschichte auf wenige negative Ausschläge zu reduzieren und dabei Millionen Muslime in unserem Land über einen Kamm zu scheren. Kein Wort mehr über das Mobbing, das die „Kümmeltürken“, „Kopftuchmädchen“ und „Knoblauchfresser“ in unserem Land ertragen mussten und müssen. Kein Wort mehr über die alltägliche Diskriminierung aufgrund von Namen, Akzenten oder Aussehen. Die Minderheit wird zum Sündenbock und ausgerechnet AUSGERECHNET die Deutschen erklären sich selbst zum Leuchtturm gegen Antisemitismus, Homophobie und Frauendiskriminierung in der Welt. Verlogener kann eine Gesellschaft sich kaum selbst überhöhen. (Frank Stauss)

Die beiden oben verlinkten Artikel gehen von unterschiedlichen Seiten her auf das Thema der Verwechslung von Hetze und Debatte ein. Die massive Verwirrung, die dafür sorgt dass das durchaus berechtige Anliegen auch Mitte-Rechts-Positionen einen Raum in der Debatte zu geben damit verwechselt echte Hetze unvoreingenommen zu debattieren, vergiftet derzeit jeglichen Diskurs. Es ist daher gut, die Argumente aus dem DLF-Beitrag (erster Link) zu beachten. Es gibt Grenzen des höflichen Diskurses, und die wurden in letzter Zeit deutlich eingerissen, das Overton-Fenster deutlich nach rechts verschoben. Durch die Annahme jeden Stöckchens, das AfD und Konsorten hinhalten, wird der Rahmen dessen was in höflicher Gesellschaft diskutierwürdig ist, wesentlich zu weit aufgerissen. Man konnte das 2011 schon mit Sarrazin beobachten, als plötzlich ernsthaft darüber gesprochen wurde, in wie weit die Genetik anatolische Bauern vielleicht doch gegenüber dem durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer überlegen mache, und es fehlt heute an klarer Kante, mit der deutlich gesagt wird: und hier ist Schluss, das gehört nicht in eine pluralistische Gesellschaft. Etwas eindrücklicher hat Frank Stauss (zweiter Link) das in seinem Artikel zusammengefasst, unter den man eigentlich nur einen Haken setzen kann.

5) Alle Lehrer auf Social Media?

Vor ein paar Jahren erhitzte sich eine Diskussion im Lehrerzimmer, die auch in der gesamten Öffentlichkeit immer noch anhält. War es rechtlich, moralisch und politisch angemessen von Angela Merkel, die Grenzen zu öffnen. Das Gespräch erreichte seinen Zenit, als es darum ging, welche Art von Wirkung Merkel mit dem mittlerweile ikonisch gewordenen Selfie auslöste. Die These eines sehr geschätzten, aber streitbaren Kollegen war es, dass die naive Unwissenheit von Merkel bezüglich der digitalen Ausbreitung von Bild und Text für einen unkontrollierten Zustrom gesorgt habe. In einer etwas polemischen Retour schmiss ich ein paar Namen von Youtubern in den Raum und fragte ihn, ob er diese kenne (mit der klaren Absicht ihm damit zu verstehen zu geben, dass nicht nur die Regierung, sondern auch wir, die Multiplikatoren dessen, was in einer Gesellschaft für wichtig gilt, keine Ahnung haben, was gerade passiert und wie). Obwohl diese Youtuber am Tag mehr Zuschauer haben als alle deutschen Zeitungen zusammen brach der Kollege das Gespräch etwas unwirsch ab, da er meinen Vergleich für völlig hanebüchen hielt.

Der Vordenker digitaler Bildung Bob Blume macht sich auf seinem Blog Gedanken darüber, ob es für alle Lehrer Standard sein sollte, in den sozialen Medien vertreten zu sein. Aktuell machen die Richtlinien der jeweiligen Regierungspräsidien dies sehr schwer, die Kommunikation mit Schülern über Social Media wird häufig sogar kategorisch untersagt. Blume gibt in seinem Artikel viele gute Gründe, dass Lehrer auf Social Media vertreten sein sollten. Es geht ihm dabei gar nicht so sehr um den performativen Aspekt (also aktiv twittern, bloggen oder vloggen) sondern schlichtweg das Bescheid wissen über das, was die Schüler dort machen. Eine grobe Ahnung haben, was auf YouTube so geschaut wird etwa, oder was den Reiz von Snapchat ausmacht, solche Sachen. Dieses Thema ist auch nicht nur für Lehrer relevant; ich stelle selbst immer wieder fest, welche eklatanten Wissenslücken hier bei Eltern bestehen. Wenn die Eltern nicht die geringste Ahnung haben, was ihre Kinder eigentlich im Netz machen (und ich rede nicht von Überwachung jedes Browserverläufchens, sondern vom konzeptionellen Verständnis) können sie auch keinen gesunden, im Konsens gefundenen Umgang mit diesen Medien entwickeln.

6) Alles, was n-TV und die Welt nicht so genau wissen

„Amokfahrt in #Muenster: Große Anteilnahme“, meldete die Mediengruppe RTL am Sonntag auf Twitter. Und weil sie Mitgefühl bei RTL in Prozent messen, folgte auch gleich der Beleg:

„Insgesamt 7,24 Mio. Zuschauer informierten sich gestern bei @ntvde. Die Breaking News ab kurz vor 17 Uhr erzielten Marktanteile von im Schnitt bis zu 3,5%.“

Anders gesagt: Es gibt etwas zu feiern bei RTL! Aber nicht, ohne den Tweet noch mit „Herzliches Beileid den Opfern & ihren Angehörigen“ zu beenden, so viel Anstand muss bei aller Quotenfreude schon sein. Vermutlich halten sie es für einen Ausweis von Qualität, dass so viele Menschen am Samstag n-tv, den so genannten Nachrichtensender der Mediengruppe, einschalteten, um sich über die Lage in Münster zu informieren. Das Problem ist nur: Als Zuschauer wurde man weder bei n-tv noch beim Sender Welt (ehemals: N24) seriös informiert, ganz im Gegenteil.

Anlässlich des Anschlags von Münster hat Übermedien zusammengeschrieben, wie die katastrophale Berichterstattung etwa von n-TV die Zuschauer verunsichert und mit Fake News bombardiert. Das Ergebnis ist erschreckend, aber ich bin mir nicht sicher, was die Konsequenz daraus ist. Jeglicher Versuch, das gesetzlich einzudämmen rennt sofort gegen das Prinzip der Pressefreiheit und bietet im besten Fall zahlreiche legale Fallstricke und Selbstzensur, wesentlich wahrscheinlicher aber gewaltiges Missbrauchspotenzial. Darauf zu hoffen, dass die Sender sich selbst ethische Regeln gegen solche Berichterstattung auferlegen ist auch hoffnungslos. Die Zuschauer WOLLEN so etwas ja sehen, und unsere Medienlandschaft ist einem Zwang des Hier und Jetzt unterworfen, der sich nicht einfach wegwünschen lässt. Wir leben im Zeitalter des 24/7-Newscycle, das ist einfach eine Tatsache. Bislang haben wir uns als Gesellschaft schlichtweg noch nicht daran gewöhnt und keine Mechanismen entwickelt, damit umzugehen.

Ich merke das ja auch immer selbst: wenn irgendein aktuelles Ereignis losbricht, das in meinen Interessensbereich fällt (was ein Anschlag wie in Münster nicht tut), retweete ich auch jede neue Meldung, lese atemlose Berichterstattung und schlussfolgere in Echtzeit auf Basis bestenfalls halbgarer Informationen. Sich da rauszunehmen, durchzuatmen und einfach abzuwarten ist schwierig, während um einen herum die Meldungen explodieren, und die Medien müssen Geld verdienen und irgendwie jede Sendeminute füllen. Das Problem wird uns daher auf absehbare Zeit erhalten bleiben, fürchte ich.

7) In Defense of Smartphones

I don’t think there’s any doubt that social networks and ubiquitous smartphones are changing the way we relate with each other. It’s still early days, however, and we don’t know for sure how that’s going to play out. So far, though, I think Fischer has the better of the argument when it comes to in-person contact: we have as much of it as we’ve ever had, and people don’t report being isolated or lonely any more than they have in the past. Old people should probably stop stressing out about this so much.

Zusammen mit albener Sprachkritik (siehe Artikel 3) ist das Rumgenöle, wie sehr Smartphones doch das Sozialverhalten angeblich zersetzen würden und wie sich eine Smartphone-Sucht ausbreite eines der nervigsten Klischees unserer Tage. Keine Diskussion kommt ohne den Verweis aus, dass die Jugend von heute ja süchtig nach den Geräten sei, dass man keine echten Gespräche mehr habe, und so weiter und so fort. Die von Kevin Drum hier verlinkten Studien, die eher darauf hinweisen, dass die Smartphones soziale Kontakte tatsächlich verstärken statt sie ersetzen, sind da ein willkommener Gegenpunkt. Wir müssen definitiv neue soziale Normen für den Umgang mit den Smartphones entwickeln, keine Frage, aber den Kopf in den Sand zu stecken und die Technologie in Bausch und Bogen zu verdammen kann nicht die Lösung sein. Irgendwelche Verbote werden ohnehin, wie immer, scheitern, und ein Verlassen auf Kulturpessismismus übergibt den Bildungsprozess dieser neuen Normen im Endeffekt genau jenen, die dafür am wenigsten geeignet sind: den jugendlichen Rebellen.

8) The C-Section in American Movies // Let’s play male protagonist Bingo

Remember the last childbirth scene you saw in an American movie? Was it a C-section? They are very common in this country, accounting for 33% of births, a percentage considered either too high (compared to Finland’s 6.6%) or not so bad (compared to Brazil’s 80% to 90% private hospital rate). But even though C-sections are not rare occurrences here, childbirth scenes in American movies are uniformly vaginal: “Juno,” “Stagecoach,” “Knocked Up,” “Baby Mama,” “Apocalypto,” “Nine Months,” “The Women,” and (natch) two in “What to Expect When You’re Expecting,” to name only a few. Even far into the future it’s still de facto, most absurdly in “Star Trek” (2009), where the “beam me up” technology that can seize onto a person’s coordinates and transport them someplace else is completely forgotten while Kirk’s mother struggles through a vaginal birth. Luke and Leia are delivered vaginally, too, by a medical droid in “Revenge of the Sith.” (Their mother didn’t know she was carrying twins, which suggests that in the Star Wars universe there’s hyperspace but no ultrasound.) (Chaz’s Journal)

Occasionally while surfing the interwebs, you’ll stumble upon a Cool Thing from a few years back that you absolutely missed in the moment, but is both fascinating and painfully applicable now. I failed to notice that this post I love is from 2014, so while some of the examples are slightly dated, playing the associated game is still a frustrating experiment in awareness. So let’s play Male Protagonist Bingo. (RPS)

Der Einfluss der Popkultur auf das Bewusstsein der Gesellschaft ist ein Thema, über das ich auf meinem Blog The Nerdstream Era und im Podcast Boiled Leather Audio Hour oft genug rede. Das oben verlinkte Beispiel ist dafür sehr instruierend. Wenn in Werken der Popkultur, die von der Bevölkerung ja durchaus kontinuierlich und in großer Menge konsumiert werden, bestimmte Standards gesetzt werden, können sich diese entsprechend in der Mentalität verankern. Die Repräsentation von Frauen und Minderheiten in bestimmten Rollen, die Darstellung bestimmter Sachverhalte und Ähnliches sind daher kein bedeutungsloses Thema, sondern von größter Wichtigkeit, und es lohnt sich darüber zu streiten. Die Konsequenzen, wie die Geschichte oben zeigt, können in höchstem Maß unangenehm sein.

Der zweite verlinkte Artikel geht in dieselbe Richtung: Wir können sehen, welch ungeheure Einfallslosigkeit bei den überwiegend männlichen Protagonisten gerade des Videospiel- und Actiongrenres herrscht. Die Eingrenzung möglicher Männlichkeitsideale auf einige wenige, dazu wenig nachahmenswerte Alternativen ist für Jungs ein ernsthaftes Problem, und eines, das in den Problembereich der toxischen Maskulinität zurückfüttert.

{ 52 comments… add one }

  • Nicolai 17. April 2018, 09:48

    Ich zweite hier mal eine Anmerkung von Ariane: bitte im Titel das Datum einfügen, sonst wird das mit den ganzen „Vermischtes“-Postings extrem unübersichtlich.

  • Wolf-Dieter Busch 17. April 2018, 10:01

    zu (1) – „Heribert Prantl echauffiert sich über ein neues bayrisches Gesetz, nach dem psychisch Kranke (etwa Depressive) vorbeugend in eine geschlossene Anstalt genommen werden können und das sie registriert.“ – Stefan, man kann mit Sprache beschreiben, und man kann mit ihr malen, also durch Wortwahl Assoziationen triggern. Du hast dich für das Wort „echauffieren“ entschieden. Was sagt mir das?

    • Stefan Sasse 18. April 2018, 04:52

      Er ärgert sich über, mehr wollte ich nicht ausdrücken.

  • Wolf-Dieter Busch 17. April 2018, 10:05

    zu (1) – Baiern hat sich vom Rechtsstaat sowieso verabschiedet.

  • Gerd Heiner 17. April 2018, 12:23

    ad 3

    „Mich nerven nur wenige deutsche Lobbyverbände so sehr wie die selbst ernannten „Sprachschützer“ und die vielen, vielen Phantomdebatten, die über die angebliche Gefährdung der deutschen Sprache geführt werden.“

    …schreibt einer, der darueber gruebeln muss, ob er „ge-upgedatete“ oder „upgedatete“ schicker findet, da ihm „aktualisiert“ im Wortschatz fehlt:

    http://www.deliberationdaily.de/2017/08/der-lange-weg-nach-charlottesville-von-truman-bis-trump-gesamtartikel/

    Isn’t that funny!

  • Erwin Gabriel 17. April 2018, 19:37

    @ Stefan Sasse on 17. April 2018

    2) My epiphany about the problem with Apu

    Eine Diskussion, die am progressiven Rand der Twittersphäre stattfand

    Das sagt eigentlich schon alles 🙂

    Was hier gefordert ist ist Sensibiltät gegenüber den Befindlichkeiten der jeweils betroffenen Minderheit

    Da stimme ich zu. Ich bin in weißer, alter Mann; Sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich diskriminiert werde.

    Entspannte Grüße
    E.G.

    • Stefan Sasse 18. April 2018, 05:02

      Weißt du, dafür dass du dich permanent mit Krokodilstränen darüber beklagst dass ich neuerdings gerne Konservative als Gruppe kritisiere hast du echt wenig Probleme damit deine Gegner permanent runter zu machen. Und dass du dich und deine eingebildete Diskriminierung mit der realen von Randgruppen gleichstellst zeigt eigentlich alles, was es zu dem Thema mit der mangelnden Sensibilität zu sagen gibt.

      • Wolf-Dieter Busch 18. April 2018, 09:01

        Mangelnden „Sensibilität gegen Randgruppen“? Kategorischer Widerspruch!

        Zunächst, das Niveau der Serie „Simpsons“ rangiert bei mir unter „Große Literatur“, oder besser GROSSE Literatur. Kein Scherz. Die Serie reflektiert mit angemessener Distanz und Ironie Themen zeitgenössischer Gesellschaft und Politik. Apu ist dabei ein Archetyp ebenso wie all die anderen. Die Serie ist ernst zu nehmen.

        Und nun: die „Sensibilität gegen Randgruppen“ empfinde ich als blanke Unverschämtheit – seitens des „Sensiblen“ gegen die „Randgruppe“: denn deren Randständigkeit ist ihre eigene Sache! Wer zum Teufel will die ans Händchen nehmen und lieb haben, damit sie nicht so einsam sind? Das ist doch würdelos. Das sind doch keine kleinen Kinder!

        Der Job der Serie „Simpsons“ ist: Aufzeigen! Und unterhalten! Sonst guckt keiner hin! Und lernt nichts dabei! Die Randständigkeit gehört dazu: also her damit! Alle zeigen!

        Den verlinkten Artikel habe ich gelesen, aber an einigen Stellen fehlt mir der Kontext fürs volle Verständnis. Den Konflikt der sich verändernden Political Correctnss hatten wir schon mal hier im Deliberation Daily, damals ging es um das „böse“ N-Wort und Pippi Langstrumpfs Fantasiepapa, der ein Negerkönig in der Südsee ist.

        • Stefan Sasse 18. April 2018, 17:31

          Dass die Simpsons cool ist bezweifle ich keine Sekunde ^^ Aber das gibt denen ja keine magische Rüstung gegen Fehler. Auch Goethe hatte dumme Ideen über Farben 😉

          • Wolf-Dieter Busch 18. April 2018, 18:04

            Goethes Ideen über Farben waren falsch, aber nicht dumm.

            • Stefan Sasse 18. April 2018, 19:34

              Semantik.

              • Wolf-Dieter Busch 19. April 2018, 05:27

                Ich spezifiziere. Zu seiner Zeit wurde die Lichtbrechung am Prisma entdeckt – ein weißer Lichtstrahl „zerlegte“ sich in Farben, und umgekehrt produzieren mehrere farbige Lichtquellen weißes Licht. Kennen wir als additive Farbmischung, zu beobachten bei alten Röhren-Farbfernsehern mit Gruppierung von roten, grünen und blauen Farb-Punkten auf der Mattscheibe.

                Goethe nun betrachtete ein schnell rotierendes Farbrad und behauptete, dass sich die Farben zu Grau addieren; subtraktive Farbmischung, kennen wir aus dem Malkasten. Sein Experiment hätte – theoretisch – Schwarz erbringen müssen.

                Goethes Verfahren war experimentell, seine Mittel aber unzureichend. Falsch, aber nicht dumm: keine Semantik.

      • Erwin Gabriel 18. April 2018, 10:05

        @ Stefan Sasse 18. April 2018, 05:02

        … dafür dass du dich permanent mit Krokodilstränen darüber beklagst dass ich neuerdings gerne Konservative als Gruppe kritisiere …

        „Kritisieren“ kann man das kaum nennen, was Du derzeit machst. Ob es um den Genuss von Sex-Skandalen oder um andere negative Verhaltensmuster (etwa „Populismus light“) geht, die auf ‚progressiv‘ und ‚konservativ‘ gleichermaßen zutreffen – Du schiebst in letzter Zeit ständig den ‚Konservativen‘ irgendetwas etwas in die Schuhe, dass Du einfach nur Scheiße findest. Voll uncool.

        …hast du echt wenig Probleme damit deine Gegner permanent runter zu machen.

        „Permanent“ runtermachen? Ich habe mich hier im Blog vielleicht zwei, drei Mal im Ton vergriffen, mich aber jedes Mal dafür entschuldigt. Wie war das nochmal mit den Krokodilstränen?

        Und dass du dich und deine eingebildete Diskriminierung mit der realen von Randgruppen gleichstellst, zeigt eigentlich alles, was es zu dem Thema mit der mangelnden Sensibilität zu sagen gibt.

        Oh Mann, haben das ‚ 🙂 ‚ und die entspannten Grüße nicht gereicht? Du bist so unsensibel …

        Immerhin gebe ich Dir gerne zu, dass ich in vielerlei Hinsicht nicht die gleiche „Sensibilität“ gegenüber bestimmten „Randgruppen“ aufbringe wie meinen mittzwanziger Töchter. Ich bin aufgrund meines Alters anders konditioniert; für mich fällt Zigeunerschnitzel erst einmal in die gleiche Kategorie wie Wiener Schnitzel, Frankfurter Würstchen, Kieler Sprotte, Bauernbrot, Kosakenzipfel (; ja, ich weiß – nur Spaß), Schwarzwälder Kirschtorte, Berliner, Amerikaner (oder Bienenstich; wie gut, dass die keine eigene Lobby haben).

        Nun gut, ich gebrauche den Begriff nicht mehr, aber ich finde es auch nicht gut, dass sich inzwischen jeder zweite irgendetwas auszusuchen scheint, weswegen er diskriminiert wird. Ist (aus meiner Wahrnehmung) nicht alles begründ- und nachvollziehbar, eher eine gewisse Sucht nach Aufmerksamkeit und der Wunsch, dass sich der Rest der Welt auch mal nach einem richtet, statt immer umgekehrt – die ‚progressive‘ (sorry fürs Runtermachen, aber der musste jetzt sein) Variante von DSDS.

        Nun mal wieder ernsthaft: Die „neuen“ Begriffe wachsen sich automatisch ein, da muss doch nicht alles sofort mit Gewalt gehen, erst recht, wenn klar sein sollte, dass ich bestimmte Sensibilitäten nicht aus Gründen der gewollten Diskriminierung vermissen lasse, sondern einfach aufgrund meiner deutlich anderen Sozialisierung (der Mauerfall ist inzwischen doppelt so lange her als das Ende des Zweiten Weltkriegs zum Zeitpunkt meiner Geburt).

        Mit der Bitte um Verständnis
        E.G.

        • Stefan Sasse 18. April 2018, 17:37

          Ich arbeite mich von vorne nach hinten chronologisch durch die Kommentare und habe die Entschuldigung deswegen erst später gesehen.

          Und ja, tu ich gerade tatsächlich.

          Und mir geht es nicht um in Ton vergreifen, das passiert jedem mal. Aber du hast – wie Stefan auch – wenig Probleme damit, uns Progressive aufs Schärfste als Gruppe anzugreifen, für Verhalten, das dich stört und das sich durchaus auch auf der Rechten findet. Deswegen finde ich es heuchlerisch, dass das auf der anderen Seite nicht erlaubt sein soll.

          • Wolf-Dieter Busch 18. April 2018, 18:01

            Ähm, „uns Progressive“ – nicht eher Mainstream?

            • Stefan Sasse 18. April 2018, 19:33

              Wie meinen?

              • Wolf-Dieter Busch 19. April 2018, 05:41

                Dein Standpunkt zu Political Correctness geht konform mit dem Mainstream. (Damit unterstelle ich dir nicht Mitläufertum, sondern einen ernsten Standpunkt, dem ich halt an einzelnen Stellen herzhaft widerspreche.)

                Nur, als du von „uns Progressiven“ gesprochen hast, habe ich kurz gestutzt. (Ist nix Schlimmes.)

                • Stefan Sasse 19. April 2018, 19:25

                  Ah! Ja, die progressive Position IST hier Mainstream, so wie die konservative Position etwa in der Sicherheits- oder Flüchtlingspolitik Mainstream ist. Stimmt schon.

                  • Wolf-Dieter Busch 20. April 2018, 02:51

                    Der Mainstream und progressiv. Hm.

                    Was dich vom gesellschaftlichen Mainstream positiv abhebt ist die Tatsache, dass du dich der Diskussion stellst. (War grad ein Kompliment.) – Der gesellschaftliche Mainstream diskutiert nicht, sondern brüllt nieder.

                    • Stefan Sasse 20. April 2018, 05:55

                      Der Mainstream ist bei sozialen Themen progressiv, bei wirtschaftlich-innenpolitischen Themen konservativ. Ist schon eine ganze Weile Trend.

                      Mainstream sind halt viele, da kämpfst immer gegen heftig Gegenwind.

                    • Wolf-Dieter Busch 20. April 2018, 07:45

                      Ich betrachte es als einen Mainstream mit vielen Facetten.

          • Erwin Gabriel 19. April 2018, 17:45

            @ Stefan Sasse

            … Du hast – wie Stefan auch – wenig Probleme damit, uns Progressive aufs Schärfste als Gruppe anzugreifen, für Verhalten, das dich stört und das sich durchaus auch auf der Rechten findet.

            „Progressive“… schon wieder so ein Etikett.

            Dieses Gruppen-Dings ist mir fremd. Ich könnte für mich nicht mal genau bestimmen, wo ich mich einordne, da das von Thema zu Thema teilweise sehr unterschiedlich ist. Mich einer Gruppe zuzuordnen und daraus meine Meinung abzuleiten, funktioniert daher nur sehr eingeschränkt (Einschränkung: Ich wünsche mir für gesellschaftliche Entwicklungen ein altersgerechtes Tempo).

            Ich greife auch, so weit ich mich erinnern kann, nicht „Gruppen“ an, sondern Meinungen oder Argumente (zumindest bemühe ich mich, es dabei zu belassen). Und „aufs schärfste“ kommt, wenn überhaupt, bestenfalls eine Replik auf etwas vollkommen Unangebrachtes á la „FDP-Mitglieder hassen Ausländer“ oder „Konservative wollen Sex-Skandale“, die dann unwiderufen stehenbleiben (da kann ich immer noch nicht verstehen, wie Du auf solche Sachen kommst). Wenn es ein ’normales‘ Beispiel für Deinen Vorwurf gibt, lass es mich wissen.

            Deswegen finde ich es heuchlerisch, dass das auf der anderen Seite nicht erlaubt sein soll.

            Welche Seiten siehst Du? Und auf welcher stehe ich? Ich bin weder gegen Amerika noch gegen Russland (selbst wenn ich doof finde, was die beiden machen, aber so ist es halt); ich setze mich sehr stark für kontrollierte Einwanderung ein, bin aber genauso stark gegen Merkels Politik der offenen Tür; ich bin für ein Europa der Ideen und Ideale, aber gegen ein Europa der Bürokratie; ich bin gegen Atomkraft, aber auch gegen die Abzocke durch das EEG, bei dem sich immer noch Stromproduzenten die Taschen stopfen, wenn auch andere als vorher. Welches Etikett passt für mich, dass Du mir guten Gewissens aufkleben kannst? Altersbedingt vielleicht ‚Spießer‘, aber sonst?

            Manchmal habe ich das Gefühl, Du trennst die Welt in Progressive und Nicht-Progressive, wobei dann von der CDU / CSU über die FDP bis hin zur AFD alles in den gleichen Sack gestopft wird. Da lässt sich leicht schimpfen. Ich habe auch das Gefühl, dass das früher nicht immer so war.

            es grüßt
            E.G.

  • Ralf 17. April 2018, 21:21

    Nebenkriegsschauplätze, und auch noch solche, die lange von niemandem als Problem gesehen wurden (siehe auch etwa die Debatte um das Football-Team „Redskins“)

    Die „Redskins“ sind nach einer grossangelegten, aktuellen Umfrage auch heute kein Problem.

    https://www.washingtonpost.com/local/new-poll-finds-9-in-10-native-americans-arent-offended-by-redskins-name/2016/05/18/3ea11cfa-161a-11e6-924d-838753295f9a_story.html?utm_term=.c6f46b0e6a31

    Die Debatte um die Apu-Figur der Simpsons zeigt nur ein weiteres Mal wie der Political Correctness-Wahn immer weiter ausser Kontrolle geraet und immer absurdere Zuege annimmt. Wer auch nur ein paar Mal bei den Simpsons reingeschaut hat weiss, dass in dieser TV-Serie JEDE Figur eine ueberzeichnete Karikatur eines Stereotyps darstellt. Nicht nur Apu. Da ist etwa der faule, inkompetente Polizist Chief Wiggum, da ist der boesartige, geldgierige Manager Mr. Burns und da ist Homer Simpson, der den faul-dummen, uebergewichtigen Durchschnittsamerikaner verkoerpert, der ausser Donuts und Bier nichts im Kopf hat. Exakt aus diesen Stereotypen beziehen Sendungen wie die Simpsons ihren Humor. Zum Vergnuegen von Millionen. Seit fast 30 Jahren. Wer Apu veraendern will, damit indische Einwanderer sich nicht mehr beleidigt fuehlen koennen, wird auch alle anderen Simpsons-Figuren veraendern muessen, damit sich Polizisten, Unternehmer und Durchschnittsamerikaner nicht mehr beleidigt fuehlen koennen. Mit anderen Worten: Es waere das Ende der Simpsons. Und unzaehliger anderer Programme. Uebrig bliebe ein trocken-steriler, gesaeuberter, humorloser Brei, den nicht einmal der „progressive Rand der Twittersphaere„, dem wir die Erfindung dieses neuen „Problems“ verdanken, ansehen wollen wuerde. Zum Schaden der uebergrossen Mehrheit, immerhin Millionen Zuschauer weltweit, die die Simpsons so moegen, wie sie sind. Ach, und nur am Rande, anders als Du, nehme ich zumindest an, kenne ich wenigstens zahlreiche indische Einwanderer. Die finden die Simpsons und den Apu-Charakter allesamt urkomisch und verstehen die Debatte nicht. Wuerde man tatsaechlich mal eine grossangelegte Umfrage machen, wuerde die sehr wahrscheinlich mit der selben Riesenpleite fuer den „progressiven Rand der Twittersphaere“ enden, mit der schon die ueberfluessige Debatte ueber das Redskins-Team endete.

    Was mich zunehmend stoert, ist dass diese kleine politisch korrekte Minderheit, die seit Jahren eine uebergrosse Mehrheit immer wieder terrorisiert und ihr ihren Willen aufzwingen will, nicht einfach mal akzeptieren kann, dass der Rest der Welt sich nicht fuer ihre Mission interessiert. Dir gefallen die Simpsons nicht? Voellig in Ordnung. Kein Mensch zwingt Dich einzuschalten. Mir gefaellt auch vieles nicht. Ich finde z.B. den „Humor“ einer Cindy aus Marzahn verunglimpfend oder die schluepfrigen Witze eines Ingo Appelt peinlich. Deswegen schaue ich mir diese Sachen eben einfach nicht an. Ich versuche aber nicht die Welt zu veraendern. Und vor allem versuche ich nicht anderen, die diese Komiker witzig finden, ihren Humor und ihr Programm wegzunehmen. Soll halt jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden. Das sollte der „progressive Rand der Twittersphaere“ vielleicht auch mal ausprobieren …

    • Wolf-Dieter Busch 18. April 2018, 17:57

      Oh Mann, dass ich das noch erlebe!

      Großartig: „Was mich zunehmend stoert, ist dass diese kleine politisch korrekte Minderheit, die seit Jahren eine uebergrosse Mehrheit immer wieder terrorisiert und ihr ihren Willen aufzwingen will, nicht einfach mal akzeptieren kann, dass der Rest der Welt sich nicht fuer ihre Mission interessiert.“

      Dazu fällt mir noch ein Zitat ein, das ich bei „Science Files“ gefunden habe: „Weiße unterhalten sich, wie man schwarze Menschen betiteln darf. Das ist für mich Kolonialismus.“

    • Erwin Gabriel 22. April 2018, 18:36

      @ Ralf 17. April 2018, 21:21

      Was mich zunehmend stoert, ist dass diese kleine politisch korrekte Minderheit, die seit Jahren eine uebergrosse Mehrheit immer wieder terrorisiert und ihr ihren Willen aufzwingen will, nicht einfach mal akzeptieren kann, dass der Rest der Welt sich nicht fuer ihre Mission interessiert.

      Danke!

      Ich glaube, ich hätte mich nicht getraut, das so deutlich zu sagen (
      klingt komisch, ist aber so) . Also wirklich: Danke!

      E.G.

  • Rauschi 18. April 2018, 06:51

    zu 1)
    Manche geistig Kranken sind mit Sicherheit eine Gefahr für die Gesellschaft, und vorbeugend tätig zu werden kommt der Fürsorgepflicht gegenüber dem Bürger und den Leuten selbst nach.
    Wie oberflächlich. Nein, die meisten sind maximal eine Gefahr für sich selbst und nicht für „die Gesellschaft“. Wissen Sie eigentlich, welche Krankheiten unter dem Oberbegriff zusammen gefasst sind?
    Kuckst Du hier:
    https://www.seelischegesundheit.net/themen/psychische-erkrankungen/erkrankungen-von-a-z
    Burn Out ist auch eine davon. Sollten Patienten weg gesperrt werden, zur besseren Heilung? Wann hat je eine Zwangstherapie gewirkt?

    Die bayrische Methode scheint etwas mit der Brechstange zu sein
    und, wie oben beschrieben, mit einem sehr großen Nachteil der Ausgrenzung und Abschreckung vor freiwilliger Behandlung daherzukommen, aber ein klar besserer Weg fällt mir auch nicht ein, und da haben wir das Thema Kosten noch gar nicht angesprochen

    Also besser mit der Brechstange als gar nicht? Weil Ihnen kein anderer Weg einfällt, echt jetzt? Für sowas gibt es Fachleute und wenn die das für den absolut falschen Weg halten, würde ich dem zustimmen.
    Die lieben Kosten, klar, die darf ein human eingestellter Mensch ja nie aus dem Augen verlieren, lohnt sich das denn überhaupt?
    Was kommt als nächstes, die Gefährder haben wir schon, da werden Menschen eingesperrt, die vielleicht mal ein Verbrechen begehen könnten und das für unbestimmt Zeit. Erinnert mich stark an Pre-Crime. Mir macht die ganze Entwicklung eher Angst und wenn Sie das so lapdar als echaufieren abtun, dann erst recht. Kann niemand mehr Entwicklungen zu Ende denken?

    • Stefan Sasse 18. April 2018, 08:50

      Du liest meine Aussagen etwas arg in bad faith.

      • Rauschi 18. April 2018, 09:04

        Warum?
        Ich lese , was Sie schreiben. Wenn Sie etwas anders meinen, als ich zitiere, dann biete es sich an, das auch zu schreiben und nicht hinterher Böswillligkeit beim Lesen zu unterstellen.
        Was habe ich denn mutmasslich falsch verstanden?

        • Stefan Sasse 18. April 2018, 17:33

          Weil ich die bayrischen Methoden explizit ablehne, aber anerkenne, dass es grundsätzlich ein Problem ist.

          • Wolf-Dieter Busch 18. April 2018, 18:00

            Das Problem, das ich bei dir rauslese, reduziert sich auf „mögliche Unzurechnungsfähigkeit“.

            • Stefan Sasse 18. April 2018, 19:33

              Und daraus resultierende Gefahr, ja.

              • Wolf-Dieter Busch 19. April 2018, 05:31

                Es gibt ein Grundrecht auf Freiheit. Es gibt kein Grundrecht auf Sicherheit.

                • Stefan Sasse 19. April 2018, 19:24

                  Ist so pauschal nicht korrekt, sonst dürften wir ja keine Gewalttäter ins Gefängnis sperren.

                  • Wolf-Dieter Busch 19. April 2018, 20:16

                    Doch, ist korrekt: das Grundrecht ist in der Verfassung bzw. im GG notiert. Es darf nicht nicht auf Verdacht, sondern nur aufgrund Beweis beschnitten werden.

                    Ich übertrage das ins normale Leben – stell dir vor, du hättest MS (kann jeden treffen). Irgend ein dahergelaufener Politiker unterstellt dir, dass du dich trotzdem ans Steuer setzen könntest, wegen Krampfanfall im Bein auf 140 km/h durchstarten und einen 34-jährigen überfahren könntest, und dir dagegen Vorbeugehaft verordnet. Du wärst nicht begeistert.

                    Erst wenn das realiter passiert, mahlen die Mühlen des Gesetzes, dann freilich unerbittlich. Wir müssen damit leben.

                    • Stefan Sasse 20. April 2018, 05:52

                      Klar! Ich hatte dich nur so verstanden dass das ein absolutes Recht sei, und das stimmt natürlich so nicht.

                    • Wolf-Dieter Busch 20. April 2018, 08:36

                      Die Feinheit des Begriffs Grundrecht … du musst wissen, dass ich väterlicherseits aus einer Reihe von Juristen stamme, das schlägt sich in den Denkprinzipien nieder.

                    • Stefan Sasse 20. April 2018, 19:17

                      ok 🙂

                  • Wolf-Dieter Busch 19. April 2018, 21:02

                    Und dann gibt es noch die, die in Betreuung sind. Bei denen wird nicht die Allgemeinheit, sondern die Betreuten vor sich selbst geschützt. Das ist formal was anderes als Freiheitsentzug.

                    • Stefan Sasse 20. April 2018, 05:52

                      Stimmt.

                    • Erwin Gabriel 22. April 2018, 18:38

                      🙂
                      Wieder was gelernt

                      Viele Grüße
                      E.G.

          • Rauschi 19. April 2018, 11:21

            Weil ich die bayrischen Methoden explizit ablehne, aber anerkenne, dass es grundsätzlich ein Problem ist.
            An welcher Stelle im Text kann ich das erkennen? Klare Sprache bedeutet, man schreibt, was man meint und meint, was man schreibt.

            Sie schrieben:
            aber ein klar besserer Weg fällt mir auch nicht ein, und da haben wir das Thema Kosten noch gar nicht angesprochen
            Selbst mit dem grössen Wohlwollen beim lesen steht da nichts, rein gar nicht von Ablehnung.
            Gerade wird von der amerkiansichen Vereinigung für Psychiater daran gearbeitet, eine neue Krankheit zu pathologisieren, die Renitenz. Das war genau der Vorwurf an Mollath, der hat steif und fest an seinen Behauptung fest gehalten. Nicht, weil der Renitent war, sondern weil es einfach Fakten waren. Ich möchte mir die Konsequenzen hier gar nicht ausmalen, was dann los wäre. „Du bist nicht unserer Ansicht und beharrst stur auf Deiner Ansicht?“ Renitent, kann weg gesperrt werden. Ende der Meinungsfreiheit.
            Wie immer, bitte Dinge zu Ende denken und den Kontext beachten.

            • Stefan Sasse 19. April 2018, 19:25

              Ja, war blöd formuliert, sorry.

              • Rauschi 20. April 2018, 06:45

                Das war gar nicht formuliert, so sieht es aus.
                An wirklich keiner Stelle kann ich da eine Ablehnung heraus lesen.
                Sonst wäre wohl auch die Reaktion von Ariane anders ausgefallen, Ihr werden Sie ja wohl keine böse Absicht unterstellen, oder?

      • popper 18. April 2018, 09:15

        Wenn man sich den abgründigen Opportunismus anschaut ,den die beiden Stefan … über Russland und Putin herunterhecheln, dann wundert mich hier bei dem Thema gar nichts mehr. Da hilft dann auch kein sich mit: in bad faith herausreden.

  • Ariane 18. April 2018, 12:27

    Mein Gefühl ist, dass das Thema eine gewisse Hilflosigkeit hervorruft, und dass die bayrische Variante nur die konservative Variante ist, mit dieser Hilflosigkeit umzugehen (Gefährung wird hier immer gern mit Registrierung und Polizei begegnet). Manche geistig Kranken sind mit Sicherheit eine Gefahr für die Gesellschaft, und vorbeugend tätig zu werden kommt der Fürsorgepflicht gegenüber dem Bürger und den Leuten selbst nach.

    Hilflosigkeit ist noch sehr nett ausgedrückt. Wahnwitz passt eigentlich besser, denn es ist natürlich bekloppt, alle Leute mit psychischen Krankheiten registrieren und wegsperren zu wollen, weil von einigen Millionen vielleicht 10 durchgedrehte Amoktaten verüben könnten. Man hätte eine bessere Quote, wenn man einfach alle Männer registrieren und wegsperren würde, denn Frauen verüben solche Taten höchst selten, aber so etwas würde natürlich nie jemand vorschlagen.
    Und solcher Aktionismus bedient natürlich die Vorurteile, jeder Depressive ist eine tickende Zeitbombe, die irgendwann explodiert und Menschen tötet. Viele Amoktaten haben aber mehr mit Aggressionsumgang als Depression zu tun und wurden von Männern verübt, die vielleicht als cholerisch galten, aber eben nicht depressiv und die auch oft genug mit ihrem Leben sonst durchaus zurecht kamen. Und hier gibt es imo eine Lücke. Depression ist natürlich immer noch stigmatisiert, aber hier hat sich docch die Erkenntnis durchgesetzt, dass es eine echte Erkrankung ist, dass man sich Hilfe holen sollte und es gibt etliche Angebote, wenn man zb an Selbstmord denkt und ich glaube, wir bräuchten ähnliche Aktionen, wenn es um überbordende Aggressivität geht. Da ist es nämlich so, dass alles unterhalb einer „Amoktat“ passiert, häufig als unproblematisch angesehen wird.

  • Erwin Gabriel 19. April 2018, 17:49

    @ Ariane 18. April 2018, 12:27

    Man hätte eine bessere Quote, wenn man einfach alle Männer registrieren und wegsperren würde, denn Frauen verüben solche Taten höchst selten, aber so etwas würde natürlich nie jemand vorschlagen.

    Treffer, der saß. Da bin ich beim Lesen richtig zusammengezuckt. 🙂
    Wie kann man nur so böse sein? Nur weil’s stimmt … 🙂

    Viele Grüße

Leave a Comment