Siemens und die Folgen: Die unbeherrschte Seite des Herrn Schulz

Der DAX-Konzern Siemens wird sich in den nächsten zwei Jahren von seinem Gasturbinengeschäft trennen. Die Wirtschaftsmeldung, die so nüchtern daherkommt, entfaltet angesichts der Umstände und einem politischen Klima, wo die Arbeiterpartei SPD um ihre Existenz kämpft, eine enorme Brisanz. Es war daher auch der ehemalige Bürgermeister von Würselen, der das Sperrfeuer auf das deutsche Vorzeigeunternehmen eröffnete und sich dabei gewaltig im Ton vergaloppierte, allerdings nicht zum ersten Mal. Von „asozialem Verhalten“ bis „Manchester-Kapitalisten“ war aus dem Willy-Brandt-Haus die Rede, weil die Leitung in der Münchner Konzernzentrale mit der Abtrennung des Geschäftsbereichs auch knapp 7000 Jobs auf der Kippe stehen, die Hälfte davon in Deutschland. Die drei in Rede stehenden Werke werden in strukturarmen Regionen wie in der Grenzstadt Görlitz zu Polen betrieben. Während im schlaffen Wahlkampf im Spätherbst das Plastikthema Digitalisierung die FDP und der Klimawandel die Grünen vorantrieb, haben insbesondere strukturkonservative Parteien wie die SPD und in deren Konzert die Gewerkschaften große Akzeptanzprobleme mit wirtschaftlichen Veränderungen, welche nicht zuletzt die Politik selbst befeuert hat.

Für die alten abgestandenen Klassenkampfauftritte muss der Konzerngewinn herhalten, der bei Siemens ein Rekordhoch erreicht haben sollte. Doch das ist bereits reiner Populismus, das Traditionsunternehmen erwirtschaftete auch im Geschäftsjahr 2017 (Siemens bilanziert immer im September, abweichend zum Kalenderjahr) einen Gewinn vor Steuern von 8,4 Milliarden Euro, was sich auf Vorjahresniveau bewegt. Die Umsatzrendite sank geringfügig von 9,6% auf 9,3%. Der Nachsteuergewinn fiel mit 5,6 Milliarden Euro sogar 1,8 Milliarden Euro niedriger als 2016 aus. Nach Gewinnmaximierung durch das Top-Management sieht das nicht aus, eher nach solidem Wirtschaften.

Es ist auch eine unternehmenspolitisch höchst alberne Vorstellung, Unternehmen so lange geschäftliche Neuorientierungen zu verbieten, wenn diese mit Entlassungen einhergehen. Die Produktion großer Gasturbinen gehört zum Segmentbereich Power and Gas, der umsatzstärkste Zweig. Nun muss sich jede Unternehmensleitung fragen, ob ihre Produkte auch in der Zukunft noch gefragt sind, wie sich der Markt verschiebt und mit welcher Auslastung und Kapazitäten zu planen ist. In dem Anlagengeschäft sind die Daten mehr als eindeutig und sie zeigen, dass der Vorzeigekonzern eher zu lang zugewartet hat. Das Geschäft mit den großen Gasturbinen ist weltweit drastisch eingebrochen, vorangetrieben durch veränderte Anforderungen an die Energieversorgung wie Energieproduktion. Gas- und Kohlekraftwerke werden nicht in dem Stil gebaut wie einstmals geplant, die Förderung erneuerbarer Energien treibt die Entwicklung zu kleinen, dezentralen Lösungen. Während die großen Hersteller wie General Electric (GE) und Siemens über Produktionskapazitäten von 400 Einheiten verfügen, werden inzwischen nur noch 110 Gasturbinen im Jahr nachgefragt. Entsprechend stehen alle Anbieter vor dem gleichen Problem. Es erscheint unwahrscheinlich, dass unter diesen Marktbedingungen Siemens potente Käufer für seine Werke finden wird.

In einem öffentlichen Wutbrief an Martin Schulz rechtfertigt nun Konzernchef Joe Kaeser die einschneidenden Maßnahmen, der wie der Blinde von der Farbe schreibt oder besser zetert. Siemens ist ein gebranntes Kind, schließlich verpasste man den Mobilfunktrend in der Telekommunikation, was nach großen Verlusten zur Abtrennung und Schließung der Traditionssparte führte und die Restrukturierung des gesamten Konzerns notwendig machte. Es ist der Job eines Vorstandes, das Unternehmen vor einer solchen Situation zu bewahren. Der ehemalige Finanzvorstand streicht denn auch die Marktführerschaft bei der Installation von Windkraftanlagen und Solarpanels hervor. Ebenso stellte Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr 38.000 neue Beschäftigte ein und stellt die auf fünf Jahre hochgerechnete Zahl von 16.000 Neueinstellungen allein in Deutschland den 2.900 Jobverlusten gegenüber.

Wie stets schlägt sich die Politik in die Büsche, wenn sie den Bürgern die Konsequenzen ihrer Entscheidungen erklären müsste und die Folgen verteidigen. Es ist reiner Populismus, sich die neu entstandenen Jobs in der Solar- und Windkraft ans Revers zu heften, aber Unternehmen nicht nur bei der Kommunikation der Jobverluste in den überholten Industrien allein zu lassen, sondern sie noch frontal anzugreifen. Deutschland hat unter Führung und Verantwortung der Sozialdemokraten eine überhastete Energiewende eingeleitet mit wenig Rücksichten auf die großen Energieerzeuger und Betreiber von Atomkraft-, Kohlekraft- und Gasanlagen. Mit kurzen Übergangsfristen ließ man der Wirtschaft wenig Zeit, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen.

Seit Jahren gehören die Energieversorger, einstmals reine Gewinnmaschinen, zu den Sorgenkindern der Börse. Atomkraftwerke werden nur noch im Ausland gebaut, der Wettbewerb im Anlagengeschäft ist hart und kapitalintensiv. Fehlplanungen bedeuten für Jahre Verluste und Beschädigung der Bonität. Es ist daher vernünftig, das Siemens die Reißleine zieht und sich von einem Geschäft verabschiedet, dem nicht zuletzt die Politik mit ihren Entscheidungen die Grundlage entzogen hat. Es gebietet der Anstand, dass Politiker Unternehmen ob solcher Notwendigkeiten nicht noch öffentlich an den Pranger stellen. Doch Stil und Anstand ist von diesem SPD-Vorsitzenden schon lange zu viel verlangt.

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  • Ralf 27. November 2017, 03:44

    Es war daher auch der ehemalige Bürgermeister von Würselen, der das Sperrfeuer auf das deutsche Vorzeigeunternehmen eröffnete

    Ich verstehe nichts vom Gasturbinengeschaeft, aber wenn die Situation so ist, wie Sie sie darstellen, stimme ich gerne zu. In einer Marktwirtschaft gehoert es dazu, dass Produkte, die nicht mehr in die Zeit passen, nicht weiter produziert werden. Dass entsprechende Fabriken dann schliessen, waehrend neue Fabriken, die zeitgemaessere Produkte herstellen eroeffnen, entspricht dem natuerlichen Lauf der Dinge. Fuer die betroffenen Arbeiter und die betroffenen Regionen, gerade wenn sie ohnehin schon gebeutelt sind, darf man trotzdem Mitleid empfinden.

    Weniger verstehe ich Ihre Kritik am SPD-Vorsitzenden. Der nutzt offensichtlich eine politische Gelegenheit das soziale Profil seiner Partei zu schaerfen. In einer Zeit, in der von ihm erwartet wird, dass er das soziale Profil seiner Partei schaerft. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, der den gewoehnlichen politischen Mechanismen entspricht. Es ist doch sicher keine Neuigkeit fuer Sie, dass in der Politik zuweilen manches gesagt wird, was eher die eigene Basis hinter einem versammeln soll, als dass konkret wirklich etwas bewegt werden soll. Alles also nicht so wirklich schockierend.

    Ein bisschen herablassend und ziemlich herabwuerdigend finde ich deshalb Ihren „ehemaligen Buergermeister von Wuerselen“. Was Martin Schulz sagte, sagte er nicht als ehemaliger Buergermeister von Wuerselen, sondern als Vorsitzender der SPD. Ihre Formulierung soll ihn offensichtlich klein, provinziell und ohne Kompetenz aussehen lassen. Kein toller Stil aus meiner Sicht! Und ihr inhaltlich wohl solides Argument koennten Sie auch ohne solche Seitenhiebe machen.

    • CitizenK 27. November 2017, 08:55

      „inhaltlich wohl solides Argument koennten Sie auch ohne solche Seitenhiebe“

      Sehe ich auch so. Leider sehe ich auch, dass Martin Schulz nicht das Format zum Kanzler hat. Was mir als SPD-Anhänger und -wähler weh tut. Schon wieder den (mit 100 % gewählten) Chef auszutauschen (gegen wen?) ist aber auch keine Lösung.

      Der Fall Siemens zeigt ein grundsätzliches Problem des Kapitalismus: Privatunternehmen sehen sich den Eigentümern verpflichtet, der gesellschaftliche (und politische) Schaden ihrer Entscheidungen interessiert sie nicht. Was auf sie zurückfallen kann, aber auch das sehen sie nicht.

      Wie kann man das Schlagwort vom Stakeholder Value in die Unternehmensverfassung einbauen und damit in die Praxis umsetzen? Diese Frage beschäftigt mich schon lange. Herrn Pietsch werde ich da nicht auf meiner Seite haben, aber vielleicht hat jemand sonst eine Idee?

      • Erwin Gabriel 30. November 2017, 13:06

        @ CitizenK 27. November 2017, 08:55

        Leider sehe ich auch, dass Martin Schulz nicht das Format zum Kanzler hat.

        Zustimmung

        Was mir als SPD-Anhänger und -wähler weh tut.

        Mir als Merkel-Gegner auch

        Der Fall Siemens zeigt ein grundsätzliches Problem des Kapitalismus: Privatunternehmen sehen sich den Eigentümern verpflichtet, der gesellschaftliche (und politische) Schaden ihrer Entscheidungen interessiert sie nicht. Was auf sie zurückfallen kann, aber auch das sehen sie nicht.

        Das würde ich, speziell in diesem Fall, speziell im Falle Siemens, bestreiten wollen.

        Der Schwenk weg von fossiler zu erneuerbarer Energie ist keine Entscheidung der Wirtschaft, sondern der Politik gewesen. Wenn jetzt diese Wirtschaftsbereiche ihre finanzielle Tragfähigkeit verlieren und Mitarbeiter daurch ihren Job verlieren, ist das keine unternehmerische Entscheidung, sondern unvermeidbare Folge einer politischen Entscheidung.

        Ich bin mir auch sicher, dass Siemens wie jedes andere renommierte Unternehmen nicht nur auf das Wohl seiner Arbeiter und Angestellten, sondern auch sehr auf seinen guten Ruf bedacht ist (den es beispielsweise braucht, um die besten Studienabgänger zu sich zu locken, statt zur Konkurrenz zu schicken), und dass die Folgen von derartigen Entscheidungen und den Umgang mit Konsequenzen ausführlich durchdacht sind.

        Was das unternehmen Siemens an

    • Stefan Sasse 27. November 2017, 09:23

      Stimme völlig zu.

    • In Dubio 27. November 2017, 09:41

      Der nutzt offensichtlich eine politische Gelegenheit das soziale Profil seiner Partei zu schärfen.

      In einer zivilisierten Gesellschaft hat alles seine Grenzen. Martin Schulz hat diese, wie schon bei anderen Gelegenheiten, deutlich überschritten. DAX-Unternehmen und Spitzenmanager in dieser Form („asozial“) angreifen, geht gar nicht. Der SPD-Chef setzt damit nicht nur den gesellschaftlichen Ton, sondern wirkt in das Unternehmen rein und vergiftet das Klima Leitung und Betroffenen.

      Die dabei benutzten Begründungen sind absurd und faktenverzerrend. Sind Fake News nur rechten Politikern verboten? Auch bei der Satiresendung heute Show am Freitag war das Verhalten des Managements der Aufmacher. Tenor: die Leute werden rausgeschmissen, um den Unternehmensgewinn noch weiter zu steigern. Wann ist es genug, so die offen ausgesprochene Frage. In dieser Kampagne war zwischen politischen Äußerungen und satirischer Zuspitzung nicht mehr zu unterscheiden.

      Martin Schulz ist als Politiker ein reiner Opportunist. Es zieht sich wie ein Muster durch sein Agieren der letzten Monate und Jahre, dass er am Ende mit seinem Tun und seinen Entscheidungen nichts zu tun haben will. Als Präsident des Europaparlaments schien er oft zwischen den Funktionen nicht sauber trennen zu können und die Vergünstigungen des Amtes vorsichtig ausgedrückt exzessiv zu nutzen. Das hinderte ihn jedoch nicht, bei anderen Politikern nicht zuletzt ausgerechnet der Kanzlerin Bescheidenheit anzumahnen. Im Wahlkampf inszenierte und berief er sich bei jedem Auftritt auf seine Zeit als – halten Sie sich fest – Bürgermeister von Würselen und der geneigte Beobachter konnte den Eindruck gewinnen, dass hier plötzlich ein Lokalpolitiker auf der großen Berliner Bühne erschienen sei. Seine langjährige Tätigkeit in der Brüsseler Bürokratie verschwieg er genauso beharrlich wie seine einzige erkennbare Leidenschaft, nämlich Europa. Folglich werde ich Martin Schulz auch weiterhin als ehemaligen Bürgermeister und nicht als ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments bezeichnen. Wer sich selbst klein macht, wird klein gemacht.

      Im Fernsehduell nahm er die Herausforderung des Formats nicht an, nur um nach Ende des Wahlkampfes die bestätigte Kanzlerin frontal anzugreifen mit einer Wortwahl, die fragwürdig war. So lässt sich dieses Schema weiter beschreiben, sein Verhalten in den letzten Tagen, seinen Vorwürfen gegenüber der FDP etc.

      Die Politik hat den Strukturwandel vorangetrieben und will ihn weiter pushen. Manager müssen sich vor ihrer Belegschaft rechtfertigen, Politiker aber auch vor jenen, die Opfer ihrer Politik sind – und sich nicht einfach in die Büsche schlagen. Vor den gleichen Fragen stehen wir doch nun bei der beabsichtigten Umstellung auf E-Mobilität. Und es werden auch hier wieder nicht Politiker vom Schlage Schulz sein, die den BMW-, VW- und Mercedes-Beschäftigten erklären, dass ihre Jobs nun wegfallen. Sie werden am Rande stehen und auf die Vorstandschefs einschlagen, die den Jobabbau erklären müssen, weil die Politik Elektroautos hoch subventioniert und Verbrennungsmotoren mit immer schärferen Regulierungen den Garaus gemacht haben.

      In einer Woche, wo dem FDP-Chef Christian Lindner Opportunismus vorgeworfen wurde, darf man den Opportunismus angeblicher Sozialpolitiker durchaus thematisieren.

  • Ariane 27. November 2017, 06:27

    Naja, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, möchte Siemens sich (noch) nicht generell von seinen Gasturbinen trennen, sondern sein Werk irgendwo im Westen Deutschlands besser auslasten. Kleine Gasturbinen laufen nämlich super. Sorry, ist noch früh am Morgen und ich bin zu faul nachzugucken, lasse mich hier also gerne eines Besseren belehren. Das ist insofern besonders blöd, weil ja gerade im Osten weniger gute Arbeitsplätze zu finden sind und deswegen andere und größere Probleme auftauchen, als wenn es umgekehrt laufen würde.

    Das kann Siemens natürlich tun. Dass es dafür aber Kritik von Gewerkschaften und dem SPD-Vorstand als Vertreter der Arbeiterschaft gibt, gehört nun mal dazu. Es geht ja auch darum, für kommende Verhandlungen eine gute Ausgangslage zu schaffen und da spielt die öffentliche Meinung durchaus eine Rolle.

    • In Dubio 27. November 2017, 09:53

      Man kann auch überpesen. Dann wird das Klima für Gespräche unnötig vergiftet. Arbeitsrechtlich ist Siemens in der weit besseren Ausgangsposition. Wirtschaftlich ist die Schließung dringend erforderlich, der Bereich sowie die Beschäftigung sind gut abgetrennt. Der Sozialplan wird nach Regeln beschlossen und die Abfindungen werden in solchen Fällen ohnehin großzügig sein. Die Gewerkschaft dagegen scheint mit illusorischen Vorstellungen in die Verhandlungen zu gehen, nämlich die Werke dem Grunde nach zu erhalten.

      Ich verstehe selbstverständlich auch nichts vom Gasturbinengeschäft und nur begrenzt vom Anlagenbau. Aber wenn sich die 75%ige Unterauslastung der Branche gleichmäßig auf die Großen des Marktes verteilt, dann produziert Siemens seit Jahren in dem Segment große Verluste. Spätestens bei Leerkosten von 30% droht normalerweise die Verlustzone, 75% Leerkosten ist ein Super-GAU.

  • Kning 27. November 2017, 09:18

    Einleitend: Die Entscheidung von Siemens ist aus meiner Sicht unternehmerisch erklärbar und nachvollziehbar, die Kommunikation aber war fürchterlich und zog das kritische Echo nach:

    Ein wesentlicher Kritikpunkt der Gewerkschaften ist der Stil, mit der Siemens diese Entscheidung verkündete. Man erfuhr es, ebenso wie die Öffentlichkeit, aus der Presse. So sollte man unter Partnern nicht miteinander umgehen. Siemens musste klar gewesen sein, dass die Entscheidung politisch ein Echo hervorrufen würde und hat es in meinen Augen versäumt für die betroffenen Mitarbeiter eine Change-Strategie gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern auszuarbeiten.

    Dazu gehört neben der Kommunikation der Entscheidung auch die wichtige Frage, wie es für die Mitarbeiter weiter geht. Wird es Transfergesellschaften geben? Besteht die Möglichkeit für die Mitarbeiter in entsprechende andere Konzerntöchter zu wechseln, etc.?

  • Stefan Sasse 27. November 2017, 09:27

    Ich glaube du kochst das zu hoch. Dass die SPD da Krach macht, ist ihr Job. Die Hilflosigkeit und Albernheit ihrer Vorschläge sind eher Ausdruck ihrer Krise als dass sie irgendwas Substanzielles zu Siemens oder Wirtschaftspolitik sagen.

  • Jens 27. November 2017, 10:06

    Ich stimme Ihnen vollständig zu.

    Das ich das noch erleben darf 🙂

    • In Dubio 27. November 2017, 10:07

      Ups, das irritiert mich jetzt doch. 🙂

  • popper 27. November 2017, 10:11

    Die Einfallslosigkeit des Herrn Kaeser ist doch seit langem sprichwörtlich. Sein gewohntes Reaktionsmuster ist seit Jahren dasselbe gewesen. Auf wirkliche oder eingebildete Schwierigkeiten folgen bei ihm Kostensenkungen und Stellenabbau. Er versteht offenbar nicht, dass die Entwicklung einer Volkswirtschaft eben nicht von einem Wettbewerb bestimmt sein sollte , der die Preise nach unten drückt, sondern durch einen Wettbewerb neuartiger Kombinationen der Produktionsfaktoren. Dem preisgetriebenen Wettbewerb fehlt nämlich genau das, was Schumpeter innovativ tätig sein nannte, . Pietsch und seine „Ziehväter“ glauben noch immer an diese fehlgeleitete Ideologie , dass man sich global der Situation des perfekten Wettbewerbs nur dann annähert, wenn man die Preise nach unten drückt. In diesen monetären Optimierungswahn bestehender Produktionsmethoden passen dann Strukturreformen und Lohnkürzungen und „Flexibilisierung des veralteten Acht-Stunden-Tages“, wie sie der „Oberweise“ Christoph Schmidt fordert. Siemens ist ein Beispiel für dogmatischen und statischen Marktfundamentalismus samt einer stupiden Wettbewerbspolitik. Hier tragen nicht Innovationen zum Fortschritt bei, es sind vielmehr monopolistische Strukturen, die durch Regularien so gestaltet werden müssten, dass Synergieeffekte entstehen und die gesamte Gesellschaft am Fortschritt beteiligt werden. Mit Merkel ist das nicht zu machen. Der Bürgermeister von Würselen könnte den Paradigmenwechsel einleiten, wenn er zum Markenkern seiner Partei zurückfände. Das wird der Seeheimer Kreis eher zu verhindern wissen. Insoweit bleibt das, was Schulz getan hat, nur populistisches Geblubbere. Mit Stil und Anstand hat das wenig zu tun, sondern mit diffusen Schuldgefühlen.

    • In Dubio 27. November 2017, 10:21

      Sie schreiben meilenweit an der Sache vorbei. Siemens hat sich gemäß ihren Erfordernissen geradezu vorbildlich verhalten. Sie haben eben in die neuen Märkte Digitalisierung und dezentrale Energieerzeugung investiert und hier eine relevante Marktposition erworben. Siemens-Beschäftigte verdienen geradezu exzellent. Und natürlich werden Bereich geschlossen, wenn niemand mehr die Produkte nachfragt. Wir bauen ja auch keine Dampfloks mehr.

      • popper 27. November 2017, 12:58

        Niemand hat die Investitionen von Siemens angezweifelt? Bevor Sie vollmundig Nebenschauplätze replizieren, sollten Sie inhaltlich verstanden haben, wovon ich spreche, nämlich von Innovation. Die Digitalisierung ist im Rahmen von Industrie 4.0 eine Scheindebatte, die dann nichts bringt, wenn der Wirtschaftspfad der Beschäftigung nicht die Nachfrage schafft, die sie durch ihr Angebot erzeugt. Wer glaubt das Saysche Theorem, das in seiner einfältigsten Form das Geld vom Himmel fallen lässt, ist höchstens auf dem neuesten Stand des Unverständnisses oder glaubt an den Weihnachtsmann.

        Siemens ist eines der 30 deutschen DAX Unternehmen und dem Shareholder Value verpflichtet, d.h. Rendite für die Aktionäre um jeden Preis. Wie Sie ebenfalls wissen sollten, sind unsere Unternehmer Netto-Sparer, d.h. sie weigern sich, was eigentlich in einer funktionierenden Marktwirtschaft ihre Aufgabe wäre, sich zu verschulden und lassen lieber Haushalte oder den Staat die Schulden machen, denen sie dann vorwerfen, sie würden über ihre Verhältnisse leben.

        Wir haben, wenn man alle Zählkreise der faktischen Arbeitslosigkeit zusammenzählt und statistische Tricksereien außen vor lässt, immer noch ca. 4,5 Mio. Arbeitslose. Ergo, leben die Unternehmen unter ihren Verhältnissen. Sie sind nicht bereit, die Restgröße der Einnahmen unter sich aufzuteilen, also, machen sie seit Jahrzehnten die abhängig Beschäftigten zur Restgröße. Diese Art des Wettbewerbs ist endlich. Sie operiert am Wesen der ökonomischen Grundkonstanten vorbei.

        Insoweit können Sie doch nicht ernsthaft bestreiten, dass Herr Kaeser Teil einer Funktionselite ist, die mit derartigen Rettungsversuchen jedes Gemeinwesen und Wirtschaftsgefüge im Endergebnis ruiniert. Intellektuell fehlt unseren Konzernleitern ein Grundverständnis für das zusammenwirkende Ganze. Das erkennt man schon daran, dass sie Benchmarking für ein hervorragendes Mittel zur Prozessoptimierung halten. Ins Reine übersetzt heißt das, man lernt von anderen, wie man es besser machen kann. Dass am Ende des Prozesses nur Bessere stehen, die sich in nichts mehr unterscheiden und im gemeinsam generierten Ruin sich gleichen, realisieren diese latent überforderten Entscheider nicht. Würden diese „armen“ Menschen in einer Millisekunde der Besinnung verstehen, dass ihnen keine Software der Welt zeigen kann, wie Wirtschaft funktioniert, hätten sie einen ersten vernünftigen Denkansatz für das Ganze.

        • In Dubio 27. November 2017, 13:02

          Was haben Ihre Ausführungen mit Siemens, den Werkschließungen und den Vorwürfen des SPD-Vorsitzenden zu tun? Nichts. Hätte Siemens die Nachfrage nach Gasturbinen selbst erzeugen sollen? Also Ende hier.

          • popper 27. November 2017, 14:47

            In der Ökonomie hängt eben alles mit allem zusammen. Ich weiß, dass Sie mit zielführenden Diskussionen überfordert sind. Da Ihrem Denken jede Fähigkeit einer lateralen Denkweise abgeht. Also landen wir da, wo wir immer landen. In der kognitiven Blockade. Bitte, Sie wollen es offensichtlich nicht anders…

          • popper 1. Dezember 2017, 10:31

            Hätte Siemens die Nachfrage nach Gasturbinen selbst erzeugen sollen

            Sie werden sich wundern, im monetären makroökonomischen Sinne JA. Aber ich vermute, das geht in Ihr neoliberales Gehirn nicht hinein. Ist aber signifikant für das Verständnis einer marktwirtschaftlichen Funktionalität, die von kaufmännischen Angestellten der Großaktionäre, wie z.B. Herrn Kaeser bei Siemens nicht mehr verstanden wird. Denn, der Markt muss ja mit seinem Einkommen immer alle die Produkte, die es selbst produziert, auch kaufen, wenn das Geld nicht vom Himmel fallen soll. Die monetäre Marktwirtschaft, nicht die des Robinson Crusoe (Erstausstattung) ist durch zwei Entscheidungsebenen geprägt. Zunächst einer Interaktion von Banken und Unternehmen, die Investitionsprozesse in Gang setzt und mit einer Geldausgabe beginnt. Die Zweite ist der kontinuierliche Amortisationsprozess, der eine Wiedererwirtschaftung des ausgegebenen Geldes auf dem Warenmarkt nach sich zieht. Also ist die spannende Frage, was muss erwirtschaftet werden : „Scheine oder Gasturbinen“. Und die Antwort im Kapitalismus lautet immer: erwirtschaftet werden muss das Geld, d.h. seine Verteilung a priori. Denn um die Verteilung von Gütern geht es im Kapitalismus nie.

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