Das Duell, das nicht stattfand

Das einzige TV-Duell dieses Bundestagswahlkampfes ist gelaufen. Doch welches Duell? Schon die altbackenen Regeln der Konfrontation der Amtsinhaberin mit dem Herausforderer sind so festgelegt, dass es zu einem direkten Aufeinandertreffen von Argumenten nicht kommt. Vier Journalisten fragten, zwei Politiker antworteten – „Was nun ..?“ in doppelter Spielfilmlänge. Am Ende war es noch langweiliger als befürchtet. Merkel und Schulz betrieben ein Schattenboxen, wogegen jede Tom & Jerry-Folge unterhaltsamer ist.

Die Wahl ist schon seit Monaten gelaufen, die SPD liegt konstant rund 14% hinter der Union. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein Kandidat einen solchen Rückstand binnen weniger Monate nur annähernd wettmachen können. Auch das Argument mit den angeblich so vielen unentschiedenen Wählern ist eine Krücke, um den Offenbarungseid hinauszuzögern. Denn tatsächlich haben die meisten vier Wochen vor dem Termin eine klare Tendenz, wem sie in der Kabine ihre Stimme geben werden. Damit gab es im apostrophierten Kampf ums Kanzleramt kein Duell auf Augenhöhe. Wenn der Himmel nicht über dem Kopf einstürzt, wird Angela Merkel auch nach dem 24. September Bundeskanzlerin bleiben.

Es beginnt damit, dass Martin Schulz gar nicht die Physiognomie eines. Kanzlers hat. Seine Haltung ist gebückt, fast devot. Sein Blick hat eher etwas von einem Dackel als einem Pitbull, er arbeitet so dezent mit Körpersprache, dass nur das Traurige und Einschläfernde übrig bleibt. Anders als beispielsweise Peer Steinbrück 2013 ging der SPD-Vorsitzende kein einziges Mal darauf, Punkte zu machen, gar einen Punch zu setzen. Daneben machte Schulz den Fehler, sich als Kümmerer zu inszenieren, der den bayrischen Ministerpräsidenten anruft, um sich für ein Flüchtlingskind einzusetzen. Das macht vielleicht der Bürgermeister von Würselen, aber sicher nicht der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Schon der Beginn war nervös und geprägt von fehlendem Mut zum Angriff. Auf die Eröffnungsfrage, ob die beiden Kandidaten in der Kirche waren, suchten beide nach einer aalglatten Antwort. Unterlassene Chancen gehen zu Lasten des weit zurückliegenden Herausforderers, weshalb Schulz einen Gewinnerpunkt verpasste. So hätte er ein Statement pro Glauben abgeben können, oder eben kurz begründen, warum Religion in der Politik nichts zu suchen hat. Anschließend ging es nervös weiter, traurig dreinblickend mit monotoner Stimme folgte der Sozialdemokrat der sozialdemokratisierten Kanzlerin. In jeder Phase der 95minütigen Sendung fehlte Martin Schulz die positive Attitüde, der Schuss Aggressivität, um dem Wähler zu vermitteln, hier möchte einer Kanzler werden.

Wer so unmotiviert herumtänzelt, kassiert irgendwann einen Treffer. Fast aus dem Nichts kassierte er einen Schlag der CDU-Vorsitzenden, als diese ihm die Sicherheitslage in SPD-geführten Bundesländern vorhielt. Der Tiefpunkt war mit dem Schlussplädoyer erreicht. Erst verpasste der langjährige Präsident des Europaparlaments den Start, um sich anschließend in einem rhetorisch katastrophalen, weil höchst distanzierten Vortrag jeder Gewinnerchance zu berauben. Merkel ist eine schlechte Rednerin, trotzdem machte sie auch hier den finalen Punkt.

Wieviel ungleich spannender wäre eine Runde mit Christian Lindner gegen Sahra Wagenknecht gewesen. Zwei Politiker im besten Alter, die manchmal konfrontative Ansichten pflegen. Dagegen erlebten wir ein Kaffeekränzchen zweier Spitzenleute, die ihre beste Zeit deutlich hinter sich haben und die Geschicke des Landes nicht mehr lange prägen werden. In dieser Form hat sich das Format überholt, jeder Spontanität beraubt erleben Zuschauer nicht mal die Verlesung von Parteiprogrammen, sondern dem pflichtschuldigen Beipflichten zu allen Punkten, die einen Politiker auch exponieren könnten.

Martin Schulz hat sich um den Außenministerposten in einer zukünftigen großen Koalition beworben. Möge der Wähler verhindern, dass es dazu kommt, in dem er die SPD mit einem Ergebnis deutlich unter 25% in die wohlverdiente Opposition schickt. Eine nochmalige Regierung, die eine Stimmung wie Mehltau über das Land legt, ist der hiesigen Demokratie nicht zu wünschen. An diesem Abend bekam ich wieder Sehnsucht nach Gerhard Schröder, dem genialen Wahlkämpfer aus Niedersachsen. Die Sozialdemokratie muss wieder lernen, Gewinnertypen herauszubilden, die einen positiven Auftritt und eine Aura haben, das höchste Exekutivamt des Landes unbedingt haben zu wollen. Mit den Ralf Stegners, Martin Schulz und Hannelore Krafts dieser SPD ist schon lange kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Nach 20 Minuten bereitete ich mich genüsslich ein Eis mit Heidelbeeren. Ich hatte das Gefühl, nichts zu verpassen.

{ 30 comments… add one }

  • Stefan Sasse 3. September 2017, 20:59

    Volle Zustimmung. War echt furchtbar.

    Und die „unentschiedenen Wähler“ sind ein Mythos. Sie existieren nicht.

    • QuestionMark 3. September 2017, 21:18

      Worüber beschwert sich der Herr Sasse denn da? Die Wähler hatten von Anfang an keine Wahl. Im Rahmen dieser „Wahl“ wurde den Menschen von Anfang an die Fortsetzung der großen Koalition auf die Nase gedrückt.
      Welche Rolle soll da noch ein „Fernsehduell“ spielen? Natürlich keine.
      Worüber beschwert man sich eigentlich? Über sinnlose Veranstaltungen in der Demokratiesimulation?
      Warum beschwert man sich nicht über die Demokratiesimulation? Zu blöd dafür?

  • QuestionMark 3. September 2017, 21:14

    „Es beginnt damit, dass Martin Schulz gar nicht die Physiognomie eines Kanzlers hat. Seine Haltung ist gebückt, fast devot. Sein Blick hat eher etwas von einem Dackel als einem Pitbull, er arbeitet so dezent mit Körpersprache, dass nur das Traurige und Einschläfernde übrig bleibt.“
    Der Pietsch leidet echt unter Geschmacksverirrung. Schulz ist doch im Vergleich mit der Merkel sogar noch der hübschere.
    Wenn ich mich für eine der beiden Frauen entscheiden müsste, dann würde ich den Schulz nehmen. Der ist deutlich die attraktivere. 🙂

  • uwe 3. September 2017, 21:44

    Schröder fand ich sehr gut und Steinbrück super. Seltsam, dass die SPD ihre besten Pferde nicht zu schätzen weiss. Dafür jetzt dieses traurige Männchen.

  • Ralf 3. September 2017, 22:27

    Wieviel ungleich spannender wäre eine Runde mit Christian Lindner gegen Sahra Wagenknecht gewesen.

    Genau.

    Hatte ein aehnliches Gefuehl in den USA als Monate nach der Praesidentschaftswahl Ted Cruz und Bernie Sanders eine TV-Debatte fuehrten. Politisch ging es natuerlich um nichts mehr, aber die Debatte war um so viel erhellender als die drei Trauerduelle der „echten“ Kandidaten zuvor. Naja, wenigstens ist in Deutschland noch der Ton zivil und die TV-Duelle sind nur langweilig, nicht Schlammschlachten …

    • QuestionMark 3. September 2017, 22:53

      Wäre die eine oder andere Schlammschlacht vielleicht nicht mal so verkehrt gewesen? Bei den ganzen Verfassungsbrüchen der Großkoalitionäre?
      Oder auch: Unsere Parteien sind eher willens kriminelle Ausländer zu vertreten als die einheimische Bevölkerung. Das wäre vielleicht auch mal ein Thema gewesen? Stattdessen Einschläferungsmelodien von der Presse und dem Establishment. Und das soll gut sein? Nur für einen Pennermichel.

      Manchmal sitzt der Schlamm auf dem Thron. Und noch viel öfter sitzt der Thron auf dem Schlamm.

      • Ralf 3. September 2017, 23:43

        Entschieden nein. Eine Schlammschacht ist nie etwas Gutes. Eine Schlammschlacht bewirkt absolut nie etwas Positives.

        Sehen kann man das im Augenblick in den USA, wo Jahre an Schlammschlachten das Land so polarisiert, das politische Klima so vergiftet haben, dass jetzt die eine Haelfte des Landes die andere Haelfte hasst und umgekehrt. Ich kenne mittlerweile mehrere Faelle, wo Menschen den Kontakt mit ihrer Verwandtschaft komplett abgebrochen haben, wo Soehne und Toechter nicht mehr mit ihren Eltern reden, wo langjaehrige, manchmal jahrzehntelange Freundschaften weggeschmissen werden, wo auf beiden Seiten auch nicht der Hauch von Gespraechsbereitschaft und schon gar kein Wille zum Kompromiss vorhanden ist. Nein, Schlammschlachten – es der anderen Seite mal so richtig gezeigt zu haben – moegen einem kurzfristig Vergnuegen bereiten und das selbstgerechte Ego schmeicheln. Langfristig ist es das Schlimmste was einer Gesellschaft passieren kann. Und zwar egal, ob man in der Gesellschaft oben, in der Mitte oder unten steht. Wenn das politische Klima erstmal vergiftet ist, verlieren alle!

        • QuestionMark 4. September 2017, 00:16

          Ich denke, sie dramatisieren die amerikanischen Verhältnisse etwas und vergessen dabei, dass es vor allem die US-Medien sind (plus einem Großteil des dortigen Establishments), die das Wahlergebnis nicht hinnehmen wollen und deshalb die Menschen gegen Trump aufhetzen. Es ist dieser scheibchenweise Putsch der in den USA das Klima vergiftet.
          Nicht die Polarisierung während des Wahlkampfs ist die Ursache des Problems. Der „tiefe Staat“ möchte Trump wegputschen. Und letzteres vergiftet das Klima. In den USA stehen letztlich demokratische Kräfte gegen antidemokratische.

          In Deutschland ist das Establishment bereits durchgängig antidemokratisch eingestellt.
          Common sense in Deutschland ist: Es muß gegen das Volk regiert werden.
          Dazu betreibt man eine Gleichschaltung der öffentlichen Meinung.
          Und mit der Gleichschaltung hat man hier auch so seine Erfahrungen gesammelt. Und die sind etwas negativer gewesen als ihre dokumentierten amerikanischen Familienfehden.
          Polarisierung wäre wichtig um die Verfassungsfeinde (CDU und SPD) endlich mal als solche zu brandmarken. Die Menschen hierzulande werden von den Etablierten systematisch hinters Licht geführt. Dieses antidemokratische Treiben muß ein Ende haben.

  • Ralf 4. September 2017, 01:07

    dass es vor allem die US-Medien sind (plus einem Großteil des dortigen Establishments), die das Wahlergebnis nicht hinnehmen wollen

    Nur einen Tag nach der Amtseinfuehrung des Praesidenten kam es zu landesweiten Protesten gegen die Regierung, die zahlenmaessig mindestens zu den drei groessten Demonstrationen gehoerten, die jemals in den USA stattgefunden haben. Zu dem Zeitpunkt gab es in den Medien kaum Agitation gegen Trump und man wartete erstmal ab. Wenn Sie die US-Presse verfolgen, werden Sie feststellen, wie die politische Auseinandersetzung nach der Wahl im November in eine wochenlange Ruhephase trat. Die Medien fingen erst an die neue Regierung anzugreifen, als die am Tag der Amtseinfuehrung offensichtliche und leicht widerlegbare Luegen ueber die Zahl der Besucher der Veranstaltung verbreitete. Zu dem Zeitpunkt waren die Proteste fuer den naechsten Tag aber bereits voll organisiert. Die Demonstratiosteilnehmer hatten Wochen zuvor bereits Busse organisieren und Tickets kaufen muessen, da ansonsten von heute auf morgen nicht hunderttausende Menschen zu den Massenkundgebungen haetten geschafft werden koennen. Die Proteste waren also in keinster Weise eine Konsequenz von „Medien-Hetze“, was auch immer Sie damit meinen, sondern ging von einfachen, ganz normalen besorgten Buergern aus. Aehnliches gilt fuer die Proteste gegen den Reisebann, die sich damals spontan an den Flughaefen bildeten. Der ACLU, einer amerikanischen Buergerrechtsorganisation, wurden in der Folge innerhalb von zwei Tagen 24 Millionen Dollar gespendet, Kleinspenden die von 350.000 Individuen kamen (das sechsfache dessen, was die Organisation normalerweise innerhalb eines gesamten Jahres an Spenden erhaelt). Diese Zahlen zeigen, dass der Protest gegen den Praesidenten von einer breiten Oeffentlichkeit getragen wird und nicht von einzelnen Medien oder dem „Establishment“. Das zeigen auch Trumps fallende Umfragewerte (im Augenblick um die 37% Zustimmung beim FiveThirtyEight-Pollaggregator. Historisch einer der schlechtesten Werte, die jemals gemessen wurden fuer einen Praesidenten so frueh in der Amtszeit). Das alles auf „Medienmanipulation“ zurueckzufuehren, ist sachlich falsch. Die Medien haben schliesslich waehrend des Wahlkampfes 2016 trotz ihrer ueberwiegenden pro-Clinton-Haltung wesentlich positivere Umfragewerte und den anschliessenden Wahlsieg von Trump auch nicht verhindern koennen. So allmaechtig koennen sie also nicht sein.

    In Deutschland ist das Establishment bereits durchgängig antidemokratisch eingestellt.
    Common sense in Deutschland ist: Es muß gegen das Volk regiert werden.

    Sorry, aber das ist wirklich Unsinn. Man kann die Berichterstattung in den Medien durchaus kritisieren. Und ja, die Berichterstattung hat oft ideologische Schlagseite. Aber dass sich irgendeine der Parteien auf die Fahnen geschrieben haette „gegen das Volk zu regieren“ ist Quatsch. Wenn das so waere, wuerde Merkel in den Umfragen zur Bundestagswahl nicht meilenweit vorn liegen und die Prognosen fuer die SPD waeren nicht mehr zweistellig. In einem Umfeld, in dem die Buerger wirklich unzufrieden sind mit der gegenwaertigen Politik, wuerde man kleinere Parteien viel staerker wachsen sehen; insbesondere diejenigen kleineren Parteien, die sich besonders stark als Opposition (und weniger als potentieller Koalitionspartner) definieren. Aber die LINKE ist weitgehend stabil, ohne grosse Zugewinne, waehrend die AfD in den zum Standard gewordenen Personalquerelen wieder an Zuspruch verliert. Andere kleinere Parteien wie etwa die Piraten oder die ÖDP sind meilenweit von der 5-Prozenthuerde entfernt. All das spricht fuer ein Klima, in dem die Mehrheit der Buerger mit der Regierung zufrieden ist und keinen Politikwechsel will. Das mag einem gefallen oder nicht, aber das ist halt so. Von einer Politik „gegen die Menschen“ aber kann hier keine Rede sein.

    • Ralf 4. September 2017, 01:08

      Sorry, das war als Antwort auf QuestionMark gedacht und ist aus Versehen in den Hauptstrang gepostet worden.

      • Stefan Sasse 4. September 2017, 14:29

        Wenn so was passiert: noch mal an richtiger Stelle posten, mir ne Mail schicken, ich lösch den Doppelkommentar dann.

    • QuestionMark 4. September 2017, 03:22

      Ihre Einschätzung ist zwei Mal falsch. Gegen Trump wird gehetzt seit er die ersten Abstimmungen bei den Republikanern gewonnen hat. Und eben seitdem hetzt die US-Presse (mit Ausnahme von Fox) ohne Unterlass gegen den Mann. Und das bei jeder sich bietenden Gelgenheit. Und auch bei fehlenden Gelegenheiten (beispielsweise bei der nichtvorhandenen „Russland-Connection“). Jeder Pups wird da zum Elefanten gemacht. (Bsp. Lächerliche Berichterstattung über Charlottesville)
      Die Proteste gegen Trump sind also sehr wohl Resultat einer (von den Medien) aufgehetzten Meute. Die „Straßenproteste“ dürften wohl auch von interessierter Seite finanziert worden sein. Erinnert alles an die gekauften Proteste in Südamerika. Wohl nicht nur zufällig.
      zur deutschen Situation: Verfassungsfeind ist, wer die Verfassung bricht. CDU und SPD brechen die Verfassungs nun seit Jahren nachhaltig (illegale Überwachung, Zensur, Ehe für Homos, Brennelementesteuergesetz, Tarifeinheitsgesetz, Luftsicherheitsgesetz usw. usf.)
      Die Ränder sind in Deutschland bereits sehr stark. Die massenmediale Manipulation unterstützt hierbei die beiden großen verfassungsfeindlichen Parteien. Innerhalb dieser Parteien ist der Rechtsruck auch sehr deutlich wahrzunehmen. Sollte man eigentlich alles mitbekommen haben. Haben wir geschlafen?
      Selbstverständlich sind die großen Parteien in Deutschland auch antidemokratisch gesinnt. Wer lieber kriminelle Ausländer (illegale Migranten) vertritt, als die Interessen der Deutschen zu vertreten, der ist kein Demokrat. In der Demokratie hat man die Interessen des eigenen Volks zu vertreten.

  • Ralf 4. September 2017, 04:05

    Das liesst sich wie eine Reise durch die gesammelten Werke von Verschwoerungstheoretikern und hat mit der tatsaechlichen Lage der Welt nicht viel zu tun. Und was die Situation in den USA angeht, fehlt Ihnen offensichtlich die Uebersicht. Wieviele amerikanischen Medien lesen Sie denn so taeglich? Dass die Russland-Verbindungen des Trumpwahlkampfteams existierten, ist etwa erwiesen. Nicht weil die Medien das behaupten, sondern weil die Beteiligten das selbst offengelegt haben. Trumps Sohn z.B. veroeffentlichte eine Email, in der er seine grosse Freude kundtat ueber ein bevorstehendes Treffen mit einer russischen Anwaeltin mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst, die Schmutz ueber Clinton versprach. Auch russische Hackerangriffe auf prominente Demokraten sind belegt. Medien muessen ueber wichtige politische Ereignisse berichten. Dazu sind sie da. Gerade wenn Sie Fox News erwaehnen, gewinnt man den Eindruck, dass Sie die Qualitaet der Presse und des Fernsehens daran messen, ob dort das publiziert wird, was Ihnen in den Kram passt.

    • Ralf 4. September 2017, 04:07

      Sorry, hab aus Versehen schon wieder in den Hauptstrang gepostet. Ist wieder als Antwort auf QuestionMark gemeint.

      Das Antwortsystem ist hier echt nicht optimal … ;-(

      • QuestionMark 4. September 2017, 06:25

        Auch wenn sie diverse Probleme mit dieser (doch recht simplen) Oberfläche hier haben: []
        Es gibt nun mal Fakten. Trump ist wegen Kleinigkeiten ständig unter Beschuss. So ist es aktuell. Trump hatte die Wahl gewonnen und war noch nicht mal im Amt, da gingen die Hetzkampagnen gegen den Mann kontinuierlich weiter. Als hätte der Wahlkampf nie ein Ende gefunden.
        Wenn sie angeblich so viele US-Medien konsumieren, dann sollten sie das mitbekommen haben. Lächerlicherweise wurden diese Hetzkampagnen sogar bis in die deutsche Presse weitergetragen. WTF?
        Diese Propagandakampagnen gehen dann schließlich inhaltlich so weit, dass Trump zur russischen Marionette hochstilisiert wird. Wozu macht man das? Um anschließend den Putsch (via Impeachment) finalisieren zu können.
        Auch haben wir es hier nicht mit Verschwörungen zu tun. Die Hetzkampagnen gegen Trump werden doch für jedermann kosumierbar über die Massenmedien lanciert. Trump sagt dann ja zu recht: „You are fake news“.
        Nur sind einige Leutchen aus dem Publikum offensichtlich nicht mehr im Stande das Offensichtliche zu sehen und eine Kampagne als solche zu erkennen.
        []

        • CitizenK 4. September 2017, 07:52

          Trump als verfolgte Unschuld. Darauf muss man erst mal kommen.

          Medien, die Trumps Lügen aufdecken, betreiben „Hetze“. Ein Impeachment wäre ein „Putsch“. Die großen Parteien in Deutschland sind „selbstverständlich … antidomokratisch“.

          Ist dies schon Irrsinn, hat es doch Methode. In Fragezeichen-Mark hätte Orwell seinen idealen Wahrheitsminister gefunden.

          • QuestionMark 4. September 2017, 08:24

            Nun, es ist an den Vorwürfen gegen Trump doch nichts dran. Die medialen Angriffe stehen in keinem Verhältnis zu dessen tun. (Er hat ja de facto noch überhaupt nichts getan.)
            Warum hat man eigentlich den Massenmörder Obama nicht derart unter Beschuss genommen? Warum wurde Killary Clinton nicht derart unter Beschuss genommen? Immerhin haben doch beide Blut an ihren Fingern kleben. Da wären doch mal sehr heftige Artikelchen berechtigt gewesen. Ja, warum gab es die nicht?
            Dem Obama hat man dann nach seiner Regierungszeit in den Medien sogar noch einen Heiligenschein gestrickt.

            It’s propaganda, stupid!

            • bevanite 4. September 2017, 11:27

              Haben Sie bezüglich Clinton und Obama in den letzten neun Jahren einen Winterschlaf gehalten? Wenn Sie amerikanisch Politik verfolgt haben, sollte Ihnen der Gegenwind, dem sich Obama ausgesetzt war, nicht entgangen sein. Stichworte hier nur: Tea Party-Bewegung, die ganze Debatte um seine Geburtsurkunde (hier hat Trump eine entscheidende Rolle gespielt), die Widerstaende im Kongress gegen Obamacare, government shut-down. Von Putin- und Ghadaffi-Freunden wurde Obama vorgeworfen, er sei ein Kriegstreiber, während ihm die GOP-Falken vorwarfen, er wäre ein Appeasement-Politiker. Und bei Clinton wurden im Wahlkampf im letzten Jahr die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien obskurer rechtsradikaler YouTuber (ihre angebliche Krankheit, Pizzagate, etc.) für bare Münze genommen, u.a. von dem von ihnen löblich erwaehnten Fox News!

              Aber immer wieder faszinierend, wie die Trump-Fans ihr Idol quasi gottgleich verehren und sie bei seinen Fehlern natürlich immer einen obskuren „deep state“ am Werke sehen, der ihn an jeder Ecke sabotieren will. Wäre es vielleicht nicht mal an der Zeit, Ihr Idol Trump mal ganz objektiv zu betrachten?

  • R.A. 4. September 2017, 07:52

    > In dieser Form hat sich das Format überholt, …
    Dieses Format war schon vor Start „überholt“, d.h. es paßt überhaupt nicht zum politischen System in Deutschland.

    https://zettelsraum.blogspot.de/2017/09/pluralismus.html

    > Martin Schulz hat sich um den Außenministerposten in einer
    > zukünftigen großen Koalition beworben.
    Und den wird er wohl auch kriegen.
    Am Ende ist das für Union und SPD (jedenfalls für das Führungspersonal) die am wenigsten anstrengende Lösung.

    • QuestionMark 4. September 2017, 08:46

      Nicht das Format hat sich überholt. Sondern eher die dümmlichen Konsumenten, die glauben ein Duell geliefert zu bekommen wenn zwei Leutchen aufeinandertreffen die tatsächlich ein Meinungskartell bilden.
      Aufgabe des Wählers wäre es jetzt: Dieses Kartell sanktionieren und damit aufbrechen. Was bedeutet das praktisch?
      Das: Auf keinen Fall CDU/CSU oder SPD bei der nächsten Wahl eine Stimme geben. Sonst kann es überhaupt nicht besser werden und man bekommt alle Jahre wieder dieselbe pseudodemokratische Inszenierung geliefert.

  • bevanite 4. September 2017, 09:55

    Na ja, sind wir doch mal ehrlich: wie sollen denn zwei Kandidaten ernsthaft miteinander politisch streiten, wenn beide im Kern wissen, dass sie sich beide nach der Wahl wieder als Koalitionspartner zusammen raufen müssen? Wir haben nunmal eine andere Situation als 1969. Damals haben beide Parteien eindeutig einen Wahlkampf gegeneinander geführt – ironischerweise war es auch das Duell zwischen einem früheren NSDAP-Mitglied und einem Widerstandskaempfer – , da beide inhaltlich sehr weit voneinander entfernt waren. Unter Schröder und Merkel sind aber beide deutlich in die Mitte gerückt, sodass die Große Koalition heute eben keine Zweckgemeinschaft, sondern eher eine Vernunftehe geworden ist. Aehnliche Tendenzen sah man schon 2009, als Steinmeier regelrecht enttaeuscht von Merkel erschien, dass sie es nun mit der FDP versucht und seine Partei nicht mehr im Boot sitzt.

    Wenn die SPD wieder eine Volkspartei, die an die 40 Prozent-Marke rankommt, werden will, muss sie auf ihre Schwesterpartei nach Großbritannien schauen.

    • In Dubio 4. September 2017, 10:19

      1969? Boah, sind Sie alt!

      Das Problem ist nicht, dass die beiden aussichtsreichsten Parteien miteinander koalieren. Das Problem war in dem Duell, dass die Aussagen glattgefönt waren. Schon der Opener hatte es in sich: beide mussten dem Zuschauer versichern, dass sie ab und zu, aus Gründen der persönlichen Anteilnahme, in die Kirche gehen. Zur Auswahl hätten auch anderen Antworten gestanden:

      a) Das geht Sie gar nichts an.
      b) Ich bin überzeugter Christ, natürlich gehe ich regelmäßig in die Kirche.
      c) Wieso?

      Der Hinweis auf Old Labour darf natürlich nicht fehlen, um die Probleme der Politik im Allgemeinen und der SPD im Besonderen zu umreißen.

      • Stefan Sasse 4. September 2017, 14:31

        Bei der SPD ist dermaßen viel ein völlig verkackter Wahlkampf, da muss ich echt nicht Willy Brandt ausbuddeln. 1998 waren sie mit Schröder stärkste Partei.

  • Erwin Gabriel 4. September 2017, 14:36

    Ich war von Martin Schulz positiv überrascht. Ich dachte, der geht regelrecht unter, aber ich empfand es als halbwegs ausgeglichen auf ziemlich niedrigem Niveau. Die Moderatoren und das Format waren das Grauen.

    Lindner gegen Wagenknecht, da stimme ich zu, wäre zumindest unterhaltsamer gewesen…

    • In Dubio 4. September 2017, 15:16

      Hm, überrascht? Was hatten Sie denn erwartet? Merkel ist in der offenen Rede eine schlechte Gegnerin, Schulz galt als eindeutig redegewandter. War nix, ich war eher negativ überrascht, wie nervös und zurückhaltend er anfangs agierte. Er brauchte 15-20 Minuten, um sich einigermaßen freizuschwimmen. Und dann die Katastrophe mit der Maut, ich habe mir das heute nochmal angesehen: erst blies er zum Angriff um am Ende diesen völlig im Sande verlaufen zu lassen: „Ich lasse das jetzt einfach mal unkommentiert.“ Brauchte er nicht, er hatte bereits viel zu viel gesagt. Das Schlussstatement setzte dem allen die Krone auf.

      Angabegemäß bewirbt sich Martin Schulz um das Amt des Bundeskanzlers („Wäre ich Bundeskanzler“). Ich zählte zwar brav auf, was innerhalb einer Minute alles passiert, das ICH kam aber nicht vor. „Innerhalb einer Minute entscheiden Sie in der Wahlkabine, ob Angela Merkel das Land noch weitere 4 Jahre so bleiern führen soll!“

      • Stefan Sasse 4. September 2017, 21:30

        Schulz war erschreckend schlecht. Er wusste weder, wie er seine besten Punkte so rüberbringen kann dass sie hängenbleiben, noch, wann er seine Antworten beenden musste. Die von dir zitierte Mautgeschichte ist ein Beispiel. Ein anderes das mit der Kirche. Klares, kurzes „Nein“. Was soll dann plötzlich das Rumgeeiere mit der Kapelle, die er mal besichtigt hat? Anstatt dass er Merkel rumeiern lässt, deren Parteibasis sich für so einen Käse eventuell interessiert? Das Duell war voll von selbst zugefügten Wunden wie diesen und zeigte schlichtweg völlig unzureichende Vorbereitung, genau wie seine Nervosität und seine Probleme, Sätze verständlich und simpel zu halten.

        • Ralf 4. September 2017, 23:43

          Mittlerweile hab ich das Duell als Youtube-Video nun auch gesehen und ich wuerde eine alternative Erklaerung anbieten. Was gestern klar wurde, war schlicht und ergreifend, dass es zwischen der SPD und der CDU kaum noch Unterschiede gibt. Nur in Nuancen halt, so wie es auch Unterschiede zwischen dem linken und dem rechten SPD- bzw. CDU-Fluegel gibt. Da sich die Parteien aber weitgehend einig sind (in irgendeinem Kommentar online heute morgen schrieb ein Autor, ich weiss nicht mehr genau welcher, sehr treffend, dass Merkel und Schulz sich darueber stritten, ob Merkel in der vergangenen Legislaturperiode nun 100% oder nur 95% richtig gemacht habe), und weitgehend unterschiedslos sind, ist ein kreuzlangweiliges Duell eine logische Konsequenz. In gewisser Weise ist es ja erfreulich, dass sich die grossen Parteien zumindest ueber die grossen Linien der Politik einig sind und dass wir hier nicht so ein Katastrophenklima haben wie in Amerika. Aber wenn in einem Duell einer, der keine Angriffspunkte hat auf jemanden trifft, der keine Angriffsflaeche bietet, dann passiert halt 90 Minuten lang nichts. Ist sicher nicht gutes Fernsehen und nicht gute Unterhaltung, aber wir haben doch trotzdem etwas wichtiges ueber den Zustand und die Ausrichtung von CDU und SPD gelernt. Und darum ging es doch bei der ganzen Veranstaltung, oder?

          • Stefan Sasse 5. September 2017, 11:28

            Deine Erklärung ist nicht sonderlich alternativ, ehrlich gesagt ^^ Die Ähnlichkeit beider Parteien ist ja nicht neu. Aber es gibt durchaus Unterschiede – nur wurden die nicht nachgefragt und angesprochen. Stattdessen drehte es sich permanent gerade darum, wo es keine gibt (Flüchtlinge, Diesel, Türkei). Klar bleibt da nichts für Streit. Aber wenn die Moderatoren so unfähig sind ist das nicht die Schuld der Parteien.

        • CitizenK 5. September 2017, 07:40

          Das Kirchenbeispiel zeigt die Angst der Politiker vor den Medien. Eine falsche Antwort kann mehr Stimmen kosten als tausend Türwahlkämpfer bringen. Deshalb werden sie starr wie das Kaninchen vor der Schlange. Merkel war etwas weniger unsouverän, aber selbst bei ihr war das spürbar.

          • Stefan Sasse 5. September 2017, 11:30

            Wer trifft denn in Deutschland deswegen seine Wahlentscheidung? Hätten sie einfach beide „nein“ gesagt, oder „nein, gestern“ wäre das Thema sofort weggewesen. Stattdessen haben sie beide mit dem Scheinwerfer ein Licht darauf gestrahlt, dass sie nicht gehen und dass sie deswegen ein schlechtes Gewissen haben.

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