Vom Nutzen der kritischen Distanz

Ich bin in meiner Timeline über einen Tweet gestolpert, der mir symptomatisch für ein verbreitetes Problem im aktuellen politischen Diskurs zu sein scheint. Matthias Blumencron von der FAZ kritisiert darin einen Artikel von Heribert Prantl zur Wahrung der Grundrechte beim G20-Gipfel wie folgt:

Ich möchte mich dabei gar nicht mit dem Inhalt des Artikels selbst beschäftigen, sondern mit dem Ressentiment, das in der Kritik steckt: dass da jemand aus der Distanz ohne emotionale Beteiligung urteilt. Dieses „nah dran an den Menschen“ ist ein Trend im Journalismus dieser Tage, der deutlich über das Ziel hinaus geschossen ist.

Wie so oft liegt der sichtbare Beginn dieser Entwicklung im Trump-Wahlkampf, als sich plötzlich jeder berufen fühlte die Refugien der White Working Class aufzusuchen und sensible und wohlwollende Porträts über die Mentalität und Lebensumstände dieser Leute zu verfassen, ohne je auch nur daran zu denken anderen marginalisierten Gruppen eine ähnliche Behandlung angedeihen zu lassen (aber die Anliegen von Schwarzen sind natürlich auch bei weitem nicht so legitim wie die von Weißen). Dass man dabei nur eine Blase gegen die andere eintauscht, schien dabei niemandem klar zu sein.

Auch in Deutschland feiert dieses Format seit dem kurzen politischen Frühling der AfD fröhliche Urständ. Ein Beispiel hierfür ist Zeit-Redakteur Henning Sußebach, der durch Deutschland wandernd die bahnbrechende Erkenntnis hatte, dass Menschen verschieden sind und ihre politischen Ansichten und Interessen sich nicht zu 100% mit Wahlprogrammen der Parteien decken. Natürlich ist es schön, dass er tolle Geschichten dazu erzählen kann, aber dieselbe Erkenntnis hätte das oberflächliche Studium der letzten politikwissenschaftlichen Wahl- und Umfrageanalysen auch ergeben¹.

Dabei wird so getan, als sei es quasi unmöglich, außerhalb des direkten Kontakts mit Betroffenen (Linke würden von „solidarisieren“ sprechen) keinerlei Berichterstattung möglich². Aber das ist Unsinn. Jeder Journalist weiß, dass zu große Nähe zum Gegenstand ein Problem sein kann. Die Berliner Hauptstadtpresse etwa kann sich diese Kritik rund um die Uhr anhören.

Die Annahme Blumencrons also, dass wertvolle Erkenntnisse über die Gefährdung von Grundrechten nur dann zu gewinnen seien, wenn man mit der Mentalität eines Kriegsberichterstatters in Hamburg sitzt und in den Zustand professioneller Empörung geschaltet hat, ist nicht haltbar. Sie würde für die meisten anderen Themen auch nicht akzeptiert werden.

Dabei ist es gerade die Mischung, die eine vernünftige Analyse und ein halbwegs realitätsnahes Gesamtbild überhaupt erst ermöglicht. Beides ist nötig: die Berichterstattung nahe am Thema, mit all der Aufregung und Emotionalisierung die dabei zwangsläufig ist, und die kühl-distanzierte Analyse von weiter weg, wo man nicht im Strom der Gefühle mitgerissen wird.

Vermutlich hat Blumencron ein deutlich geringeres Problem mit Fernglas-Analysen aus der guten Bürgerstube über die Höhe der Hartz-IV-Sätze. Es ist eben doch alles eine Frage des jeweiligen Standorts.

¹Sußenbach hatte natürlich noch mehr Erkenntnisse erlangt, die seine Reise insgesamt wertvoll machen. Mir geht es mehr um die Überhöhung einiger Erkenntnisse als bahnbrechend neu, die vielmehr reichlich banal sind und eher das angesprochene Blasen-Problem untermauern.

² Dazu kommt die starke Rechtslastigkeit dieser Art von Berichterstattung; die wohlwollend-nahe Reportage aus dem linken Milieu wird wohl ewig ausstehen.

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  • Ant_ 11. Juli 2017, 07:01

    Gerade beim journalistischem Beruf, sehe ich vor allem eine zunehmende Betonung auf Emotionalität und vor allem so einem komischen Verständnis von Authentizität – ein Konzept, das wie es gelebt wird total banane ist und meiner Meinung nach vor allem dazu dient, die eigenen Erfahrungen und Tätigkeiten legitim zu sortieren nach „die Guten, die ich *echt* erlebe und bin“, und „die Schlechten, die ich einfach nur machen muss“ – das sorgt dafür, dass alle sagen können „ja, die Kritik stimmt schon, und ich mache das auch nur mit der Faust in der Tasche mit, aber *das meine ich nicht ernst*“… dass es bei gesellschaftlich relevanter Performativität mit realen Folgen total egal ist, ob und wie sehr jemand sich dabei „authentisch“ erlebt, wir irgendwie übersehen. Meiner Meinung nach sagt dieser Trend sehr viel mehr über die Berichterstatter, als über die Berichteten aus, und ich finde diese Aussage nicht besonders schmeichelhaft – von daher teile ich auch die Kritik 😉

    • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:33

      Es ist auch immer diese eitle Selbstüberhöhung dabei, als jemand, der das Licht gesehen hat. Und ich fände es nicht ganz so schlimm wenn es das wenigstens für alle Gruppen gäbe, aber letztlich bleibt immer dieser Rechtsdrall.

      • Erwin Gabriel 11. Juli 2017, 14:44

        … aber letztlich bleibt immer dieser Rechtsdrall.

        Wenn ich mir den ganzen emotionalen Betroffenheits-Journalismus zum Thema Zuwanderung anschaue, kann ich den Rechtsdrall nicht erkennen.
        🙂

  • Kirkd 11. Juli 2017, 07:26

    Aus meiner juristischen Arbeit kenne ich das zur Genüge. Einen Anwalt gibt es gerade auch eshalb, damit Kläger, Beklagter, Angeklagter oder Opfer eine sachliche Beratung bekommen. Ich beobachte es bei mir selbst aber auch bei brillianten Kollegen: sobald man selbst betroffen ist, hilft die beste juristische Fachkunde nichts. Man kann sich verdammt schnell irgendwo verrennen. Daher kann ich nur unterschreiben: kritische Distanz hat einen sehr hohen Wert (genauso wie es zweifelsfrei die Fähigkeit zur Empathie hat, nämlich jemandem zuzuhören, um seine Beweggründe zu verstehen).

  • CitizenK 11. Juli 2017, 07:39

    Die eigene Blase, in der man sitzt, ist wirklich ein Problem. Man sieht nur die der anderen, vor allem im Netz.

    Die Frau auf dem Räumwagen im Reizgasnebel ist die bedauerte und bewunderte Heldin. Auf die simple Frage, ob es denn eine gute Idee sei da hochzuklettern, wird der Betreffende gebeten, „hier nicht mehr zu kommentieren“.

    Ich könnte mir genauso gut eine emotional Story über einen verletzten Polizisten (Familienvater, zwei kleine Kinder) oder einen Ladenbesitzer (eben renoviert, Kredit, steht vor dem Ruin) vorstellen.

    Die Lösung: Keine „Feigheit vor dem Freund“ Aber es ist so mühsam.

    • Erwin Gabriel 12. Juli 2017, 10:12

      Die Lösung: Keine „Feigheit vor dem Freund“ Aber es ist so mühsam.

      Das ist so etwas von wahr!

  • Marc 11. Juli 2017, 08:02

    Warum dann nicht mal hier im Blog anfangen?

    • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:34

      Kritik an meinen Beiträgen war bisher eigentlich immer eher zu große Distanz zum Gegenstand, nicht das Gegenteil.

  • Rauschi 11. Juli 2017, 08:52

    Dabei ist es gerade die Mischung, die eine vernünftige Analyse und ein halbwegs realitätsnahes Gesamtbild überhaupt erst ermöglicht. Beides ist nötig: die Berichterstattung nahe am Thema, mit all der Aufregung und Emotionalisierung die dabei zwangsläufig ist, und die kühl-distanzierte Analyse von weiter weg, wo man nicht im Strom der Gefühle mitgerissen wird.
    Geht das denn in einem Artikel? Beides gleichzeitig? Ich denke nicht.

    Gruss Raushci

    • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:35

      Das ist ja genau mein Punkt, wie beschrieben: du brauchst beides. Keines ist dem anderen überlegen. Aber Blumencron nennt die distanzierte Analyse „peinlich“, und das ist falsch.

      • Erwin Gabriel 11. Juli 2017, 14:42

        @ Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:35

        Aber Blumencron nennt die distanzierte Analyse „peinlich“, und das ist falsch.

        Ihrer Einschätzung stimme ich zu.

        Wobei ich vermute, dass er nur deshalb zu diesem Urteil findet, weil das Ergebnis der Analyse von seiner „gefühlten Wahrheit“ abweicht.

        … und sensible und wohlwollende Porträts über die Mentalität und Lebensumstände dieser Leute zu verfassen, ohne je auch nur daran zu denken, anderen marginalisierten Gruppen eine ähnliche Behandlung angedeihen zu lassen (aber die Anliegen von Schwarzen sind natürlich auch bei weitem nicht so legitim wie die von Weißen)

        Die Anliegen von Minderheiten (darf man „Schwarze“ überhaupt noch sagen?) werden grundsätzlich nur dann vorgetragen, wenn sie laut werden – siehe hier Islam, Zuwanderer Flüchtlinge etc., in den USA „Black Lives Matter“. Die Anliegen der „Weißen“ fallen meist unter den Tisch (was ja letztendlich mit ein Grund ist, dass Trump überhaupt gewählt wurde; erst nach seiner Wahl, oder hier in Deutschland nach Erfolgen der AfD, wurde das überhaupt zum Thema). Genauso fallen die Anliegen ruhiger Minderheiten (etwa Asiaten) unter den Tisch.

        • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 16:06

          Das ist schlichtweg falsch. Es gibt zig große und stark recherchierte Artikel über die White Working Class aus 2016, und keine über Black Lives Matter.

          • Erwin Gabriel 12. Juli 2017, 10:10

            „Black Lives Matter“ war dort wochenlang das beherrschende Thema in den Nachrichten. Über „White Working Class“ hat man nur in Zusammenhang mit dem bzw. ausgelöst durch das Erstarken von Trump geschrieben (das habe ich zumindest so wahrgenommen). Die Jahre vorher fiel mir nichts ins Auge.

            • bevanite 12. Juli 2017, 12:29

              Was ist mit den zahlreichen Büchern, angefangen von „What’s the Matter with Kansas“ (von 2005!) bis zu „Hillbilly Elegy“, oder in Europa der oft zitierte Eribon? Selbst in Hollywood kannst Du da bis in die Achtziger zurückgehen: schau Dir mal die im Rust Belt spielenden Filme „Flashdance“ oder „Rocky“ aus heutiger Sicht an.

              Ich weiß aber nicht, ob diese Schichten im Wahlkampf von Trump wirklich gemeint waren. Wenn Sie von den „Anliegen der ‚Weißen'“ sprechen, übersehen Sie, dass diese kein einheitliches Anliegen haben und eine Ethnisierung im Prinzip noch mehr Probleme bringt. Sind jetzt alle Weißen plötzlich „working class“? In den USA könnte es sogar sein, dass die klassische „working class“ mehrheitlich zentral- oder südamerikanischer Herkunft ist. Nein, die „working class“, die Trump ansprach, waren jene gefallenen Leute aus der Mittelschicht, die von der Wirtschaftskrise 2008 stark getroffen wurden. Die klassische Arbeiterschicht aus den verfallenen Industrieregionen wählte nicht Trump, sondern ging einfach nicht zur Wahl – hier verloren die Demokraten mehr als die Republikaner gewannen. In Deutschland benutzt man in dem Zusammenhang meist die Floskel von der „Stärkung der Mittelschicht“. Im Grunde meinen beide dasselbe: die Mittelschicht, die sich seit der Wirtschaftskrise im Abstieg wähnt. Denn die Politik der Republikaner, wie sie gerade von Donald Trump, Paul Ryan oder Mitch McConnell durchgeführt wird, ist ja nun alles andere als arbeitnehmerfreundlich.

              Übrigens: Als die tatsächliche „white working class“ hier um 2004/05 protestierte, wurde das auch thematisiert. Aber damals galten sie als die bösen Reformblockierer…

              • Stefan Sasse 13. Juli 2017, 08:21

                Oh nein, hier geht es um eine deutlich spezifischere Schicht. Weiße mit College-Abschluss oder höher sind ja auch in großer Mehrheit Democrats.

            • Stefan Sasse 13. Juli 2017, 08:20

              Da liegst du doppelt falsch. Erstens gab es zahlreiche Porträts (etwa das unten erwähnte Hillbilly Eligy, das in den Zeitungen hoch- und runterdiskutiert wurde), und zweitens wurde viel ÜBER Black Lives Matter berichtet, aber das ist eben ein entscheidender Unterschied zu den wohlwollenden Porträts.

      • Rauschi 11. Juli 2017, 15:21

        Dann müssen aber zwei Personen den Artikel schreiben, einer kann nicht gleichzeitig beide Perspektiven einnehmen. Oder sehe ich das falsch?

        Gruss Rauschi

        • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 16:07

          Natürlich nicht. Mein Punkt ist: beide Formen haben ihre Daseinsberechtigung. Eine mit dieser faux-Elitenverachtung als peinlich zu bezeichnen weil sie gerade nicht ins Weltbild passt ist scheiße.

          • Rauschi 11. Juli 2017, 16:50

            Elitenverachtung innerhalb des Journalistenmileus, gibt es das denn?
            Kann nur Elite Empathie audrücken, ich versteh die Aussage nicht?

            • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 17:01

              Es ist eine weitere Mode, auf distanzierte Eliten zu schimpfen (vergleiche „coastal liberal bubble“), obwohl man selbst dazugehört. Wegbereitung der rechtsextremen Populisten.

  • Floor Acita 11. Juli 2017, 10:46

    Ich bin mir da ehrlich gesagt ziemlich unsicher – es gibt gute Argumente für beides. Die Frage ist immer welche Schlussfolgerungen ich aus welcher Art der Berichterstattung ziehe. Aber nehmen wir mal das Beispiel US-Wahl.

    Es ist objektiv ein Unterschied ob jemand sagt „Verdammt, ich hätte mir wirklich, wirklich gerne eine/n andere/n Kandidaten gewünscht – ahh wieso Hillary? Aber was soll man machen.“ oder „What the F? Hillary Clinton! Jetzt reichts, ich wähl für alles und jeden aber SIE NICHT! Trump ist ein völliger Idiot, aber das die demokratische Partei soweit gegangen ist MUSS Konsequenzen haben“.

    Unabhängig vom eigen Standpunkt oder (moralischer) Deutung sind es zwei in der Konsequenz völlig untzerschiedliche Aussagen, die m.E. im Datenberg als „große Unzufriedenheit mit HRC“, „disapproval“ etc. verwischt werden.

    Auch sind Einzelstimmen zwar nicht repräsentativ, aber sie können so weit vom Mainstream/der eigenen Blase abweichen, dass ich mir die Frage tatsächlich noch nie gestellt habe, was dann im besten Fall zu weiteren Fragen und über Umwege dann eventuell zu tatsächlich neuen Erkenntnissen führt.

    Ist m.E. eine ähnliche Frage wie ob ich naturwissenschaftliche Erkenntnisse über Modelle und theoretische Erwägungen gewinnen kann, Prozesse auf diese Art weiterentwickeln kann etc. was ich so bejahen würde, ob es aber alleinig ausreicht oder aber Laborexperimente trotzdem zwingend notwendig sind. Es zeigt sich immer wieder, dass obwohl es theoretisch nicht so sein sollte, letzteres der Fall ist. Der Grund ist m.E. immer „menschliches Versagen“ da die Realität einfach so komplex ist, dass man entweder einen Fakt einfach vergisst oder nichts darüber weiss, es nicht in die Fragestellung passt etc. Ähnlich sehe ich es auch im politischen/gesellschaftlichen Raum.

    Zumal halt oft in der Praxis sehr wohl mehr mit einbezogen wird als eine reine Faktenlage, wenn es aber kein bewusst organisierter Prozess ist oft unbewusst/ungewollt eingeschränkte Perspektiven (z.B. von Leuten die man persönlich kennt, oder jemand kennt der einen kennt, ähnlihce Lebensverhältnisse hat etc.) beachtet werden, während andere (von der eigenen Lebenrealität weiter entfernte) hinten rüber fallen.

    Eine distanzierte Berichterstattung hört sich theoretisch sehr gut bis perfekt an, aber ich glaube nicht, dass man über kurz oder lang herum kommt Reportagen vor Ort, unter Leuten durchzuführen – wie gesagt, das sollte dann im Idealfall aber als gezielte/geplante Ergänzung gesehen werden um bestimmte Erkenntnisse zu gewinnen und nicht 90% Interviews mit ein und denselben Leuten beinhalten die halt zufällig mit der eigenen Tochter auf die Schule gehen oder die man mal irgendwo auf einer Veranstaltung getroffen hat…

    • Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:36

      Erneut: ich denke du brauchst beides. Gerade schlägt das Pendel nur zu sehr in eine Richtung, wo es wohl vorher zu sehr in einer anderen war.

      • Erwin Gabriel 12. Juli 2017, 21:15

        @ Stefan Sasse 11. Juli 2017, 11:36

        ich denke du brauchst beides. Gerade schlägt das Pendel nur zu sehr in eine Richtung, wo es wohl vorher zu sehr in einer anderen war.

        Es braucht beides, da stimme ich zu.

        Das, was mich so nervt, ist, dass ich nur den emotionalen Zweig bekomme. Jeder noch so dusselige Möchtegern-Journalist bringt in jeder noch so kleinen Meldung seine Meinung unter.

        Früher kamen in der Tagesschau neutrale Nachrichten; zu einem Thema gab es einen Kommentar. Heutzutage wird (überspitzt formuliert) selbst der Wetterbericht emotional vorgetragen, und die reine Nachricht finde ich nur noch bei der Bekanntgabe der Lottozahlen.

        Will ich was Nachrichtliches aus Deutschland haben, greife ich inzwischen zur NZZ.

        • Stefan Sasse 13. Juli 2017, 08:23

          Ich les die besten Deutschland-Analysen inzwischen auch in der angelsächsischen Presse. Economist ist gerade spitze, aber auch Guardian taugt ordentlich.

  • Wolf-Dieter Busch 11. Juli 2017, 11:13

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Dickes fettes Kompliment für den Artikel.

  • Ralf 11. Juli 2017, 18:03

    Ich glaube Du gibst der Presse zuviel Credit. Die politischen Meinungen der Autoren stehen dort bereits vor den Ereignissen fest und Einschaetzungen zu den Ereignissen laufen dann durch den Filter dieser Meinungen. Die publizierte Meinung wird letztlich der politischen Haltung des jeweiligen Presseorgans angepasst, denn die Artikel werden auf eine gewisse Kaufkundschaft zugeschnitten, der der Bericht gefallen soll. Wer also immer schon die Linke bashen wollte, hat jetzt ein Interesse an emotionaler, ans Bauchgefuehl appelierender Berichterstattung ueber Hamburg. Zuviel Nachdenken und Distanz eher unerwuenscht. Bei Hartz IV, wie im Artikel oben ja angedeutet, ist es dann andersrum. Hauptsache es kommt am Ende raus, was politisch ins eigene Bild und zur eigenen Propaganda passt. Von links, etwa auf den Nachdenkseiten, passiert uebrigens genau das gleiche, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. So sieht Presse im Zeitalter der Polarisierung aus.

    • Stefan Sasse 12. Juli 2017, 08:30

      Sicher richtig, aber das heißt ja nicht, dass man das so akzeptieren muss.

  • Jens 16. Juli 2017, 12:33

    Ich sehe dass ebenfalls problematisch. Der emmbedded Journalismus hat massiv zugenommen. Nicht nur bei der Kriegsberichterstattung, auch bei Wahlkämpfen fahren Journalisten im Troß mit. Am begehrtesten sind die Plätze im Bus mit dem Kandidaten.

    Anstelle die Rolle des kritischen Fragenstellers einzunehmen, fungieren sie als Stichwortgeber. Leute wie Friedmann die Allen unangenehme Fragen stellen sind die absolute Ausnahme und werden auf unmögliche Sendezeiten abgeschoben oder in Spartenkanäle gedrängt.

    Das geht damit einher, dass der Pluralismus der Meinungen rapide abgneommen hat. Die Zeitungen bürsten sich alle stromlinienförmig. Bei der Zeit gab es früher im Mittelteil ganz seitig links pro und rechts kontra zu einem Thema, vorbei. Mittlerweile liest man fast überall die gleiche Grütze von FAZ, Welt, Spiegel bis Zeit.

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