Helmut Kohl, Staatenlenker

Bundesarchiv, B 145 Bild-F074398-0021 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

Ich respektiere Helmut Kohl als Staatsmann. Ich glaube, das ist das Statement das in seiner Präzision genug Raum lässt einerseits der Kritik, die ein in den 1980er und 1990er Jahren regierender CDU-Kanzler von jemandem wie mir offensichtlich erwarten kann, und andererseits der Würdigung seiner unbestrittenen Erfolge als Bundeskanzler. Anlässlich seines heutigen Todes soll hier beidem Platz gewidmet werden.

Ich selbst habe Kohl nicht sonderlich bewusst erlebt, er ist für mich vor allem ein historisches Fakt. Meine erste aktiv wahrgenommene Bundestagswahl war 1994, und damals war ich 10 Jahre alt und erfuhr, dass man CDU wählt. 1998 habe ich dann beiläufig einige TV-Spots im Fernsehen gesehen, unter anderem einen, in dem Kohl nicht von der Enterprise gebeamt wird. Das war halbwegs clever. Keine Ahnung, ob ich damals den Namen seines Konkurrenten gekannt hätte. Von daher habe ich mich mit dem Mann erst auseinandergesetzt, als Schröder bereits einige Jahre Kanzler war. Persönliche Gefühle und Erinnerungen an seine Zeit habe ich nicht. 

Ich stelle dies voran, weil die Kanzler, die man selbst erlebt hat – vor allem die ersten, die man so richtig wahrgenommen hat, als das politische Ich gerade erwachte – prägend sind. Bei mir war das Schröder. Bei denen, die sich an Kohl gerieben haben und die damals erbittert über Vergangenheitsbewältigung und Wiedervereinigung gestritten haben, wird der Name vermutlich noch einige Affekte wachrufen. Das ist hier nicht der Fall.

Helmut Kohl war eine hervorgehobene Figur deutscher Bundespolitik seit den frühen 1970er Jahren. Er gehörte zu den großen innerparteilichen Konkurrenten von Rainer Barzel, dessen Karriere 1972 im gescheiterten Misstrauensvotum gegen Brandt endete und den Weg für die Kandidatur des Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsidenten 1976. Seine reichlich eindeutige Niederlage gegen Nemesis Helmut Schmidt gefährdete ihn zwar, aber sein taktisches Geschick ermöglichte es ihm, als CDU-Leitfigur erhalten zu bleiben und 1980 Franz-Josef-Strauß die Bühne zu überlassen. Derart als loyaler Parteisoldat etabliert, war er es, der vom Koalitionswechsel der FDP 1982 profitierte.

Als Kohl damals unter demokratisch nicht ganz lupenreinen (wenngleich völlig legitimen) Umständen an die Macht kam, deklarierte er die „geistig-moralische Wende“. Der Begriff war nie so genau ausdefiniert gewesen, wie es in der Rückschau oft dargestellt wurde, aber er enthielt eine Aura von wirtschaftlichem Aufbruch bei gleichzeitigem Eingrenzen der alternativen Milieus und Protestbewegungen. Vage wie er war erlaubte er es außerdem jedem, seine eigenen Hoffnungen und Wünsche darauf zu projizieren. Die Rezession der frühen 1980er Jahre hatte die Bevölkerung außerdem mürbe gemacht für neue Ideen, und so konnte Kohl sich mit den schnell ausgerufenen Neuwahlen 1983 eine eigene, nun geruchsneutrale Mehrheit sichern – und zudem die Genugtuung, dass die FDP beinahe an dem Koalitionswechsel zerbrach.

Seine Anfangszeit war reichlich holprig. Mehrmals vergriff er sich stark im Ton, machte den konservativen Scharfmacher (ein Job, den er bald Getreuen wie Heiner Geißler überließ) und beleidigte den neuen sowjetischen Staatschef Gorbatschow, ohne sich über die internationale Wirkung seiner Stammtischparolen klar zu sein. Auch in den USA machte er sich nur wenig Freunde damit, als er den Präsidenten über einen Soldatenfriedhof führte, auf dem Waffen-SS-Mitglieder mit militärischen Ehren bestattet waren und diesen zu einer verkappten Ehrenbezeugung vor dieser nicht gerade rühmlichen Episode zwang. Es ist ein Urinstinkt der Politiker rechts der Mitte, gegen das was sie als „politische Korrektheit“ begreifen¹ anzurennen, und vermutlich war dies bei Kohl Überkompensation. Er wurde bald merklich vorsichtiger.

Dazu hatte er auch allen Grund. Ende der 1980er Jahre war die Stagflation zwar vorbei, aber die Arbeitslosigkeit unverändert hoch, während die Staatsschulden – seit jeher Bewertungslatte der konservativen Politiker – stiegen und stiegen. Zudem hatte sich Kohl bereits damals in seinen Privatkrieg mit den Journalisten von stern, Spiegel, Zeit und – später – taz verbissen, der nicht gerade Stimmungsfördernd war. Der rechte Flügel der CDU fand ihn zu lasch, die Republik zu langweilig, die Wirtschaft zu wenig energisch, kurz: Kohl hatte wenig Fans. So wenig, dass die Wahlen 1991 als düstere Aussicht am Horizont erschienen und einen innerparteilichen Putsch auslösten. Kohls taktisches Geschick sicherte ihm ein zweites Mal in der sicher geglaubten Niederlage die Parteispitze, und es war Lothar Späth, der sich nie von dem Versuch erholen sollte. Kohl hatte stets einen langen Atem und ein Elefantengedächtnis, wenn es um Rache ging.

So oder so sah es allerdings 1989 danach aus, als ob Kohl vor allem als ein gescheiterter Kanzler in die Geschichte eingehen würde, vielleicht noch kurz vor Erhardt und Kiesinger, aber sicher nicht vor Adenauer, und wohl auch nicht vor Brandt und Schmidt. Sehr zum Chagrin der hartgesottenen Konservativen hatte er schließlich in guter bundesrepublikanischer Tradition die Ergebnisse der sozialliberalen Jahren, von Mitbestimmung über Ostpolitik, stehen lassen und sogar auf ihnen aufgebaut. Darin sehen wir zum ersten Mal Kohl, den Staatenlenker. So wie Willy Brandt nie danach trachtete, die Adenauer’sche Politik ungeschehen zu machen, sowenig suchte Kohl, die seine zu vernichten. Ändern, reformieren, umgestalten – gewiss. Aber abschaffen? Kohl war ein echter Konservativer, kein Republican.

Kohl profilierte sich zudem als Europapolitiker. Nach den Debakeln mit Gorbatschow und Bush zu Beginn seiner Regierungszeit schuf er eine machtvolle Geste deutsch-französischer Aussöhnung in Verdun, und er arbeitete eng mit europäischen Staaten zusammen, um die EG am Leben und effektiv zu erhalten. Er verstand auch stets Deutschlands Platz in Europa, und seine besondere historische Rolle. Das hebt ihn von heutigen CDU-Politikern wie auch von Zeitgenossen wie Wolfgang Schäuble sichtlich ab.

Die eigentliche Schicksalsstunde aber schlug dann im Herbst 1989. War die schwarz-gelbe Regierung in den 1980er Jahren systemstabilisierend für die DDR gewesen (man erinnere sich nur an den Milliardenkredit Strauß‘!), so nutzte er nun die Chance, die ihm die ostdeutsche Zivilgesellschaft verschafft hatte. Die Wiedervereinigung war die wohl größte außenpolitische Einzeltat in der ganzen bundesrepublikanischen Geschichte. Vier Alliierte und ein Satellitenstaat mussten alle von ihr überzeugt werden, dazu noch die eigene Partei und in guten Teilen das eigene Volk. Auch wenn heute viel Folklore über Spaziergänge mit Gorbatschow dabei ist, so zeigte sich hier doch deutlich, wie gereift Kohl im Gegensatz zu seinen frühen Ausbrüchen in die Außenpolitik war. Die Situation war ungeheuer chaotisch und mit Sicherheit auch in höchstem Maße stresserfüllt. Er blieb gelassen und verhandelte ein Jahr lang das effektive Ende des Kalten Krieges (auch wenn das damals, auch für ihn, noch nicht absehbar war).

Gleichzeitig zeigte sich hier auch wieder sein taktisches Genie. Es würde eine vorgezogene Bundestagswahl 1990 geben. Noch 1989 schickte die CDU ihre Leute nach Ostdeutschland, assimilierte die „Allianz für Deutschland“ und wandelte sie innerhalb kaum eines halben Jahres in fünf neue Landesverbände der CDU um. Die Ressourcen des Staates, die ihm als Kanzler zur Verfügung standen, nutzte er für einen massiven Wahlkampf in seinem Sinne. Die Chancen seines Konkurrenten Lafontaine sanken stetig, aber der Todesstoß war vermutlich seine Entscheidung, gegen allen wirtschaftlichen Rat eine Währungsunion auf Basis 1:1 zuzulassen. Bis heute ist in höchstem Maße umstritten, ob politisch überhaupt eine andere Maßnahme wirklich realistisch war. Kohl gab damit aber bereits den Startschuss für die breit angelegte Deindustrialisierung der DDR.

In Teilen war diese angesichts des Stands der ostdeutschen Wirtschaft sicherlich unvermeidbar. Aber wo die Währungsunion und Reisefreiheit noch mit dem Druck des Augenblicks und den politischen Notwendigkeiten begründet werden konnten, gab es für die Treuhandanstalt und die absolute Ideenlosigkeit eines Umgehens mit den Verlierern der Einheit weniger Entschuldigung. Vielleicht war Kohl 1991 auch ähnlich erschöpft wie Willy Brandt es 1973 war. Jedenfalls erlaubte er es, dass die zweite Reihe der Partei den Profiteuren und Wirtschaftskriminellen freie Bahn ließ. Innerhalb von zwei Jahren war Ostdeutschland nicht voller blühender Landschaften, sondern voller Industrieruinen. Die großen Erwartungen, die er selbst aus wahlkampftaktischen Gründen genährt hatte, holten die Politik ein.

Die Zeit zwischen 1993 und 1998 wurde von praktisch allen Seiten als eine Zeit der Lähmung und des Stillstands empfunden. Für Progressive geschah zu wenig: in der Umweltpolitik, in der Familienpolitik, in der Wirtschaftspolitik. Für Liberale geschah auch zu wenig: viel zu wenig Deregulierung, viel zu viel Bürokratie, viel zu viel Staat. Bundespräsident Herzogs berühmte „Ruck-Rede“ von 1997, die quasi der Startschuss für den Reformwahnsinn von 2002-2006 war, war mindestens so sehr an Kohl wie an die Gewerkschaften und anderen traditionellen Gegner der neoliberalen Wende gerichtet. 1998 trat Kohl gegen alle Vernunft ein weiteres Mal als Kanzler an, anstatt Schäuble das Feld zu überlassen. Er verlor krachend gegen Gerhard Schröder, nun als der Pattex-Kanzler, der seinen Sessel nicht aufgeben konnte. Vollends zerstört wurde sein Ruf in der Spendenaffäre 1998-2000, als er die Aufklärung massiv behinderte und für seinen eigenen Status lieber die Partei und, vor allem, Wolfgang Schäuble mit in den Untergang zog. Es war kein schönes Bild.

Heute ist das alles im Dunst der Geschichte verschwunden. Wie bei jeder historischen Person bleibt maximal ein prägender Moment zurück. Bei Kohl ist das die Wiedervereinigung. Sie nötigt schon allein deswegen Respekt ab, weil es sich um eine absolute Krisensituation handelte. Die obigen Kritikpunkte einmal beiseite: die Situation hätte in einem Desaster enden können. Es ist Kohls Verdienst, dass sie das nicht wurde, weil er im Moment größter Bedrohung den Staat sicher durch die turbulenten Zeiten brachte. Das ist genau das, was ein Kanzler können muss, egal, welcher Partei er angehört. Wir sehen um uns herum genug Beispiele von Staatenlenkern, die in einer Krise zusammenbrechen². Für Kohl war es die größte Stunde. Sie ist seine Legende.

¹ Wenn es den Begriff damals schon gegeben hätte, Kohl hätte ihn geliebt.

² Man denke an Chamberlain 1938/39, an Bush 2005, May 2017. Umgekehrt kommt Kennedys ganzer Ruhm aus der einen gemeisterten Krise 1962.

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  • Logos 17. Juni 2017, 08:00

    Ich kann mich sehr gut an Helmut Kohl erinnern. Und ich weiß noch sehr gut, wie damals die Stimmung nach 16 Jharen Kohl-Regierung war: „Birne muss weg“ war der Slogan der Opposition. Keine Frage: es war damals nicht alles Gold was glänzt und sicher war nicht alles rosig.
    Wenn ich jedoch in den aktuell neoliberal durchseuchten Zeiten als Person, die hinreichend an [sozialer] Gerechtigkeit und Verantwortung gelegen ist (das schließt zumindest einen einschlägigen Autor in diesem Forum aus), an ebenjene Zeiten zurück denke, dann könnte man froh sein – und das sage ich als jemand, für den die heutige CDU INDISKUTABEL ist, wenn wir jene früheren Verhältnisse, deren Ende viele damals herbeisehnten, hätten.

    Was einerseits zeigt, welchen Wandel wir hinter uns haben und in welche üblen Zeiten uns dieser geführt hat. Nach Kohl kam Schröder mit seiner durch und durch asozialen Agenda 2010. Mit der CDU an der Macht wäre das wahrscheinlich deutlich schwieriger zu machen gewesen – wenn überhaupt. Damit ich nicht missverstanden werden: es liegt mir fern, der CDU auch nur ansatzweise das Wort zu reden: Keine der etablierten Parteien (außer evtl die Linkspartei, aber auch das nur mit Einschränkungen) ist für hinreichende informierte/politisch aufgeklärte (insb. über den Neoliberalismus), verantwortungsvolle und konsequente Menschen, denen an sozialer Gerechtigkeit liegt, noch wählbar.

    Kohl war der erste und einzige deutsche Bundeskanzler, der aus einer NATO-Übung ausgestiegen ist, weil dort ein Atomkrieg auf deutschem Boden simuliert wurde (Willy Wimmer auf youtube [1]). Eine solche Charakterhaltung? Heute undenkbar. Bei einer Merkel völlig ausgeschlossen.

    [1] https://youtu.be/jsOguOlIr2k?t=533

  • Stefan Pietsch 17. Juni 2017, 09:44

    Dein Nachruf hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl für mich als Zeitgenossen. Einerseits sind Deine Geschichtskenntnisse bewundernswert, andererseits fehlt es an der Empathie – wozu Du wenig kannst, schließlich hast Du Kohl kaum aktiv erlebt.

    Der Pfälzer war bis Anfang der 1990er Jahre einer der umstrittensten Politiker der Republik. Rhetorisch konnte er seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen, was zu langjährigen Phantomschmerzen bei den meisten intellektuell Gebildeten führte. Helmut Kohls Reden waren eine Strafe für die meisten Zuhörer.

    1976 verfehlte er nur denkbar knapp die absolute Mehrheit, das war damals ein gefühlter Wahlsieg. Als ihm 1982 endlich die Ablösung von Helmut Schmidt gelang, trugen nicht nur Sozialliberale Trauer. Es war das erste Mal, dass ich einer Bundestagsdebatte stundenlang folgte. Und als das Konstruktive Misstrauensvotum tatsächlich gelungen war, konnte ich es immer noch nicht fassen. Unvergessen, wie aufrecht Schmidt zur Unionsfraktion ging und dem Riesen aus Ludwigshafen gratulierte.

    Die Jahre danach kamen dem Land wie eine einzige Pannenserie vor, Kohl erschien als ein historisches Missverständnis. Politische wie geschichtliche Statur erlange er mit der Wiedervereinigung. Kohl änderte nicht nur außenpolitisch wenig bis nichts zu den Vorgängerregierungen, auch wirtschafts- und finanzpolitisch blieb er auf dem in den 1970er Jahren eingeschlagenen Kurs. Die „geistig-moralische Wende“ fand nie statt. Die Wachstumsrate der Staatsverschuldung blieb nahezu unverändert, die der Arbeitslosenzahlen auch, ungeachtet des lang anhaltenden Aufschwungs in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre.

    Kohl wurde schon damals von Wirtschaftsführern wenig geschätzt. Seine Steuerreform 1989 hatte nichts Neues, die Beträge im Steuertarif wurden angepasst, das war’s. Ähnlich wollte der Enkel Adenauers die Wiedervereinigung managen, alles Bestehende wird auf das Neue draufgeschüttet. Dennoch war die Eingliederung der DDR eine Meisterleistung, die Kohl klugerweise seinen Adjutanten Schäuble, Seiters und Genscher überließ.

    Sein Prinzip in Parteipolitik bis hin zur Europapolitik war und blieb stets, die Probleme mit Geld zu lösen. Was bis heute einige verklärt loben, hatte sich längst überlebt. Hätten Schröder und Merkel diese Geldpolitik fortgesetzt, hätte die auch ein reiches Land wie das unsere weit überfordert.

    Kohl war einstmals die Antwort auf die alte, verknöcherte CDU, wo im Kaiserreich aufgewachsene Politiker den Ton angaben. Die Union galt spätestens in den 1960er Jahren als reaktionär. Wie muss man heute Zeitgenossen bewerten, die sich zu den Verhältnissen und Politiken der Kohl-Ära zurücksehnen? Reaktionär?

    • Stefan Sasse 17. Juni 2017, 14:32

      Ich sehne mich nicht nach der Kohl-Ära. Und wie ich bereits im Anfang deutlich machte, ich habe weder positive noch negative persönlich Erfahrungen, die an Kohl hängen. Ich sehe ihn als historische Person aus Perspektive des Historikers, da ist zuviel Empathie ohnehin Gift.

      Ansonsten kann ich dir nur zustimmen.

      • Stefan Pietsch 17. Juni 2017, 16:18

        Der letzte Absatz ging nicht an Dich, sorry.

      • Logos 18. Juni 2017, 08:27

        Wie kann man heute Zeitgenossen benennen, die sich in das Absondern von Kampfbegriffen flüchten, anstatt valide Sachargumente vorzubringen?
        Phrasendrescher?

        Herr Sasse, wenn das ebenfalls gelöscht wird, dass ist die Doppelmoral und das zweierlei Maß, welches in diesem Blog angelegt wird, nachgewiesen. Der Volksmund hat zu derartigem „Verhalten“ glasklare Erkenntnisse:

        „Wer austeilt muss auch einstecken können!“

        „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus“.

        „Wasser predigen, aber selbst Wein saufen.“

        Zu dem in mehrfacher Hinsicht komplett verfehlten Vorwurf „reaktionär“ hier ein Kommentar, welcher es auf den Punkt bringt:
        https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Alt-Bundeskanzler-Kohl-gestorben/Was-habe-ich-ihn-damals-gehasst/posting-30551637/show/

        Ergo: Wenn die Möglichkeit angedeutet wird, dass die Gesellschaft froh sein könnte, wenn die heutigen Verhältnisse wie in der Kohl-Ära wären, dann bedeutet das nicht, wie „toll“ das damals war (schon damals gab es mehr als genug dreckige Politik), sondern wie mies es heute ist. Es ist eben nicht nur das Bessere des guten Feind, sondern auch das weniger Schlechte dem deutlich Schlechteren.

        Einfach den verlinkten Kommentar lesen. Vielleicht bleibt dann gewissen Phrasendreschern das „reaktionär“ im Halse stecken.

        • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 09:10

          Dafür, dass Sie den Begriff „neoliberal“ hier so inflationär als Schimpfwort verwenden – immerhin eine in der Wissenschaft hochrespektierte Fachrichtung – sind Sie extrem empfindlich.

          Progressiv beschreibt das nach vorne Gerichtete, gestalten Wollende. Konservativ konzentriert sich auf den Erhalt des Bestehenden (nach Ansicht seiner Befürworter, weil es sich bewährt hat). Reaktionär beschreibt, längst Untergegangenes wieder restaurieren zu wollen.

          Ihr politisches Problem dabei: mit „reaktionär“ beschrieben früher Linke, die sich als progressiv empfanden, die alten Kutten, die nicht von einem Gesellschafts- und Frauenbild lassen wollten, dass in der Vorkriegszeit galt, aber für die damals moderne Zeit nicht mehr angemessen war. Auch die Kohl-Ära ist längst untergegangen, das Europa der 1990er Jahre gibt es längst nicht mehr, die DM ebenso wenig.

          Der Zeithorizont ist jedoch der Gleiche: manche Konservative in den 60er Jahren sehnen die 30er Jahre herbei. Manche Linke sehnen im Jahr 2017 die Zeiten von 1990 herbei. Gleicher Sachverhalt, folglich gleiche Bewertung.

          • Logos 18. Juni 2017, 10:14

            Dafür, dass Sie den Begriff „neoliberal“ hier so inflationär als Schimpfwort verwenden
            Es ist weit mehr als nur ein Schimpfwort.
            – immerhin eine in der Wissenschaft hochrespektierte Fachrichtung
            1) Zu alterst einmal: Herr Pietsch, sie gehören zu den letzten Menschen auf diesem Planeten, die mich als Maschinenbau-Ing. über Wissenschaft und „hochrespektiert“ belehren könnten. Weder generell, noch in diesem Kontext. Meine Analyse des Neoliberalismus (nicht Ordo) enthält allein ein ganzes Kapitel „Neoliberalismus vs. seriöse Wissenschaft“, was vom Anspruch der „Wissenschaft“, den Neoliberale nur allzu gern erheben, im Lichte der Fakten zu halten ist.
            Dazu nur nur die Überschriften der Unterkapitel:
            1. Fehlertoleranzangabe
            2. Falsifizierbarkeit
            3. Wissenschaftlich gute Modelle > Vorhersagen
            4. Berechenbarkeit vs. Undeterminiertheit
            5. Neoliberalismus – die Manifestation „wirtschaftlicher Naturgesetze“?

            Allein die Immunisierung gegen Widerlegung konterkariert jeglichen Anspruch seriöser Wissenschaft. Herr Pietsch, sie haben doch entweder überhaupt keine Ahnung, was seriöse Wissenschaft ist oder sie sind verlogen. Sie geben hier den sprichwörtlich Blinden, der einen Sehenden über Farbe belehren will. Absurd.

            2) Nicht nur die Politik, sondern auch die Lehrbetriebe sind leider neoliberal durchseucht. Dass es einen Binnenkonsens gibt, man also in den eigenen Reihen die eigene Ansicht respekiert, hat jetzt genau was mit Wissenschaft zu tun, Herr Pietsch? Exakt: GAR NICHTS!

            3) Wissenschaftlich steht die Ökonomie de facto auf einer Stufe mit Sozialwissenschaften. Das Etikett „Wissenschaft“, mit dem Neoliberale ihre asoziale Pseudowissenschaft gern ummänteln möchten, verfängt nur bei Laien, die weder Ahnung von Wissenschaft, noch von Neoliberalismus haben.

            4) Nicht nur, dass Neoliberalismus eine durch und durch unwissenschaftliche Ideologie ist, nein, es geht doch viel weiter: bei vielen Neoliberalen hat ihre dogmatische Ideologie doch längst den Rang eines Aberglaubens eingenommen. Auch darüber enthält meine Analyse ein eigenes Kapitel. Hier nur drei Zitate daraus (kann ihnen bei Bedarf aber gern mehr um die Ohren schlagen!):

            „Die Mainstream-Ökonomie weiß nicht mehr, was ein Argument ist. Es werden einfach Behauptungen aufgestellt. Diese sogenannte Neoklassik ist keine Wissenschaft, sondern ähnelt einer Religion, die Glaubenssätze verkündet.“
            – Ulrike Herrmann. Verfasserin des Buches „Der Sieg des Kapitals“

            „Der Neoliberalismus operiert genau wie eine Religion mit Dogmen, also Glaubenssätzen, die von ihren Anhängern als der Wahrheit letzter Schluß verkauft werden. Und genau wie sämtliche Fundamentalisten jeglicher Couleur tragen sie nichts Anderes als eine Ideologie ohne irgendeine zwingende Beweisführung zu Markte.“
            – Peter Weber

            „Ähnlich wie Sekten leiden Neoliberale unter kognitiver Dissonanz.“
            – Patrick Stellbrink, Rezension zu: Philip Mirowski: Untote leben länger. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft

            5) Leider haben Neoliberale inflationär die Deutungshoheit in Politik, Wirtschaft und Lehrbetrieben an sich gerissen. Eine inflationäre Verwendung ist also der Natur dieses Umstandes geschuldet. Die Ursache finden sie u.A in ihrem Spiegelbild!

            – sind Sie extrem empfindlich.
            Um ihm Gegensatz zu ihnen der Wahrheit die Ehre zu geben:

            1) SIE waren es, der mir indirekt und deplatziert den Vorwurf „reaktionär“ angedichtet hat.
            2) Daraufhin haben sie das passenden Echo „Phrasendrescher“ erhalten.
            3) Das würde dann gelöscht!
            Wer also ist hier „extrem empfindlich“? Doch offensichtlich die Seite, die das selbst verursachte Echo rauslöscht. Mag sein, dass das Herr Sasse war. Das ändert aber nun rein gar nicht an dem Sachverhalt, dass ich es nicht war, der sich „extrem empfindlich“ gibt.

            Reaktionär beschreibt, längst Untergegangenes wieder restaurieren zu wollen.
            Besten Dank, dass sie nun selbst dargestellt haben, wie verfehlt und deplatziert ihr Anwurf war und ist. Wenn ich ihnen dann mal zeige, was wirklich progressiv ist, nämlich meine Vorschläge zum BGE, dann diffamieren sie das sachlich unangemessen als verfassungs- und demokratiefern. Auch nachdem selbst ihnen irgendwann aufgegangen war, dass die Grundlage ihrer Vorwürfe ihr eigenes Hirngespinst war, weil sie den Text nicht gelesen, sondern nur überflogen haben, kam ihrerseits keine Entschuldigung. Das ist charakterlich erbärmlich.

            Zu ihrem dritten Absatz: Herr Pietsch, nein, sie sind weder intellektuell noch moralisch imstande, mein politisches Problem zu erfassen. Allein beim Versuch verheben sie sich grenzenlos. Sie spielen nicht in meiner Klasse. Nicht mal ansatzweise. Zum Rest: Tragen sie gern Eulen nach Athen? Welcher im Ansatz verrissene Irrtum hat sie glauben lassen, ihre Trivialitäten bedürften einer Äußerung?

            Manche Linke sehnen im Jahr 2017 die Zeiten von 1990 herbei.
            Lernen sie lesen, Herr Pietsch! Wenn schon sonst nichts, wenigstens das sollten sie können.

            • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 10:52

              Herr Pietsch, sie haben doch entweder überhaupt keine Ahnung, was seriöse Wissenschaft ist oder sie sind verlogen.

              Sie haben nun eindrucksvoll Beweis geführt, warum ich keine Debatte mit Ihnen führe. Jede Erwiderung von Ihnen beginnt, verläuft und endet mit solchen persönlichen Anwürfen. Schön, dass Sie sich geistig selbst befruchten, viel Spaß noch dabei. By the way: bei sexuell orientierten Wesen gilt ein solches Verhalten als körperlich und geistig beschränkende Inzucht. 🙂

              • Logos 18. Juni 2017, 13:25

                Was sagt es über die gewisse deutsche Neoliberale aus, wenn die entweder nicht lesen können oder wollen oder stereotyp in ihre elendige Torpfostenverschieberei verfallen?
                Deren intellektuelles Versagen, deren Verlogenheit oder beides?

                Herr Pietsch, sie haben doch entweder überhaupt keine Ahnung, was seriöse Wissenschaft ist oder sie sind verlogen.
                Sie haben nun eindrucksvoll Beweis geführt, warum ich keine Debatte mit Ihnen führe.
                1) Herr Pietsch, überlegen sie sich doch VORHER, ob sie wirklich hanebüchenen Blödsinn ergießen wollen und beschweren sich nicht HINTERHER, wenn sie das passende Feedback erhalten. Letzteres ist infantil!

                2) Niemand hat sie gezwungen, haarsträubenden Schwachsinn wie
                immerhin eine in der Wissenschaft hochrespektierte Fachrichtung
                zu ergießen. Wenn sie es dennoch tun und damit zu verstehen geben, für wie blöd sie ihr Gegenüber halten, indem sie ihm diesen Irrsinn zumuten, dann bewahren sie doch wenigstens ein Minimum an Charaktergröße und verbuchen ihren Versuch, mit substanzlosen Phrasen über die Abwesenheit valider Sachargumente hinwegzutäuschen, als wieder einmal desaströs gescheitert.

                3) Welchen Teil von „Wenn die Möglichkeit angedeutet wird, dass die Gesellschaft froh sein könnte, wenn die heutigen Verhältnisse wie in der Kohl-Ära wären, dann bedeutet das nicht, wie „toll“ das damals war (schon damals gab es mehr als genug dreckige Politik), sondern wie mies es heute ist.“ haben sie denn nun schon wieder nicht kapiert? Da müssen sie schon konkret werden, damit ihnen geholfen werden kann!

                4) Debatte? Sie? Dazu sind sie doch gar nicht in der Lage. Sie sind doch offenbar unfähig, beim Thema zu bleiben und ihnen gestellte Fragen zu beantworten. Sie haben augenscheinlich keine Ahnung, was valide Sachargumente sind und flüchten sich stattdessen ständig in ihre jegliche Debatte konterkarierende Torpfostenverschieberei! Herr Pietsch, ersparen sie mir ihre Heuchelei, als ob es eine Frage des Wollens wäre, das sie keine Debatte führen. Sie KÖNNEN NICHT ist doch die traurige und beschämende Wahrheit.

                5) Es wurden meinerseits jede Menge Sachargumente und Zitate geliefert, welche den Anspruch der Wissenschaft ihrer präferierten asozialen Ideologie in den Bereich der Märchen verweist. Gegenargumente in der Sache? Nichts! NULL! Nothing! Wieder einmal. Stellt ihr Erguss womöglich nur den tumben Versuch dar, von genau diesem Sachverhalt abzulenken?

                Jede Erwiderung von Ihnen beginnt, verläuft und endet mit solchen persönlichen Anwürfen.
                1) Ne glatte Lüge! Und eine selten dumme Behauptung obendrein. Stichwort: Allaussage
                2) Sehen sie mal in den Spiegel!
                3) Wer gibt denn jetzt das Mimöschen („extrem empfindlich“, sie erinnern sich, Herr Pietsch)?
                4) Erst ergießen sie ihr deplatziertes „reaktionär“, dichten dann die traurige Tatsache, dass die heutigen Zustände dank eines asozialen Neoliberalismus und deren asozialen Vertretern heute dermaßen übel sind, dass selbst die Zustände zu Kohls Zeiten besser waren, in ein „herbeisehnen“ um und dann will ausgerechnet ein Typ ihres Schlages, der nicht einmal weiß, was ein valides Sachargument ist, mich als Maschinenbau-Ing. über eine herbeigefaselte neoliberale Wissenschaftlichkeit belehren? Wenn sie sich solche Beleidigungen meiner Intelligenz nicht verkneifen können, dann verhalten sie sich doch wenigstens wie ein Erwachsener und nehmen das selbst verursachte Echo wie ein Mann und nicht wie ein Jammerlappen hin!

                Zum wiederholten Male sei ihnen eine fundamentale Wahrheit beigebogen:

                “… Es gibt eine universale Wahrheit: Aktio > Reaktio. Ursache > Wirkung.“
                Sich über das selbst schuldete Echo zu beschweren gehört zum Absurdesten überhaupt. Und ausgerechnet ein intellektueller Versager, der nicht einmal diese einfach zu begreifende Erkenntnis verinnerlichen kann, obwohls ihm nun oft genug beigebogen wurde, will mich über Wissenschaft belehren? Wie irre soll das denn noch werden?

                Was ihre beiden letzten Bemerkungen anbetreffen:
                1) … Erwiderung von Ihnen … endet mit solchen persönlichen Anwürfen.
                SPIEGEL! Eigene Nase! Glashaus & Steine! Hurra, Herr Pietsch, wieder einmal sind sie vor „Schläue“ über ihre eigenen Füße bzw. Worte gestoplert! Einmal mehr ins eigene Knie geschossen. BRAVO, Herr Pietsch! Ganz großes Kino!
                2) Erst Dritten ihren Schwachsinn andichten und denen dann ihre eigene Unterstellung zum Vorwurf zu machen – funktioniert so ein Zeugnis moralischen und intellektuellen Totalversagens bei ihresgleichen?
                3) BTW: Dem hinreichend psychologisch Gebildeten dürfte sich beim Ergießen ihrer Schlussworte „geistig beschränkende Inzucht“ der Begriff eines in der Psychologie weithin bekannten Phänomens geradezu aufdrängen: Projektion! 😛

          • popper 18. Juni 2017, 14:36

            @ Pietsch
            …“neoliberal“ – immerhin eine in der Wissenschaft hochrespektierte Fachrichtung…

            Neoliberalismus eine Wissenschaft? Das ist aber jetzt nicht ihr Ernst. Ideologie trifft da schon eher zu. Und Gesinnung wäre noch treffender. Etwas, dass in seiner Grundkonstante den menschlichen Geist diskreditiert, indem er den Markt mit allen Attributen einer selbstreferenziellen Omnipotenz und Vernunft ausstattet, widerlegt sich selbst. Zumal Hayek die Menschen ja allen Ernstes überzeugen wollte, er habe mit kognitiven Mitteln und Denkfähigkeiten eines homo sapiens sapiens eine Theorie konzipiert, die genau dieser menschlichen Intelligenz die Fähigkeit abspricht, über dem von Menschen gemachten Markt zu stehen und ihn konzeptionell zu gestalten. Diese ontologische Annahme wird bis heute durch nicht bewiesen. Dieser Unsinn kulminiert, sogar in der Aussage von strammen Neoliberalen, man könne jede Lüge aussprechen, weil über Wahrheit nicht vom Wissen irgendwelcher Experten kommt, sondern allein der Markt. Hayek wüsste, dass er die Menschheit zu einem Glauben verführt. Denn er war der Auffassung, dass der Liberalismus nach seinem Verständnis einen Bündel von Werten voraussetzt, die allgemein als Glaube akzeptiert werden, sich aber nicht beweisen lassen. Es als akzeptiert zu bezeichnen, mag einigen Unverbesserlichen ausreichen, es Wissenschaft zu nennen, ist intellektuelle Hybris und Beleidigung für vernunftbegabte Menschen. Meine rhetorische Frage: Herr Pietsch, sind Sie wirklich ein Neoliberaler, ich denke nicht. Sie kokettieren nur damit, weil ihnen das offensichtlich den Anschein des Ekzeptionellen gibt.

            • popper 18. Juni 2017, 14:49

              …sollte natürlich exzeptionell heißen…

    • Logos 17. Juni 2017, 17:37

      Wie muss man heute Zeitgenossen bewerten, die sich zu den Verhältnissen und Politiken der Kohl-Ära zurücksehnen?
      Wer macht das? Zitat im O-Ton bitte!
      Und „muss“? Welcher Sachverhalt übt denn da angeblich Zwang aus?

  • popper 17. Juni 2017, 12:00

    Kohl hat geldpolitisch den Neoliberalismus eingeleitet. Das Lambsdorff-Papier stammte aus der Feder von Tiedmeyer, der dann unter Kohl Bundesbankpräsident wurde und den Monetarismus ideologisch etablierte. Und Schröder/Fischer haben ihn wirtschaftspolitisch vollendet. Die momentanen Lobhudeleien sind üblich und seiner politischen Arbeit geschuldet, treffen aber die Wirklichkeit seiner politischen Wirkursachen nicht. Kohl war ein Politiker älter Prägung, hat sich aber in der Spendenaffäre in unrühmlicher Weise über das Gesetz gestellt, indem er sich weigerte Namen zu nennen. Schröder und was danach kam sind Opportunisten ihrer eigenen Macht, ohne Sachverstand und jede Verantwortung für alle Menschen ihres Gemeinwesens.

    • Stefan Sasse 17. Juni 2017, 14:33

      Kohl hat so sehr den Neoliberalismus eingeleitet wie Brandt den Sozialismus. Beide haben sich der jeweiligen Ideologie gerne zur Legitimation und zum Redenschwingen verwendet, aber waren keine Umstürzler.

      • Logos 17. Juni 2017, 17:29

        Popper schrieb:
        Kohl hat geldpolitisch den Neoliberalismus eingeleitet.
        Sie unterschlagen diese wichtige Einschränkung und machen daraus
        Kohl hat geldpolitisch den Neoliberalismus eingeleitet.
        Böse Zungen würden das „sinnentstellendes Zitieren“ nennen.

        aber waren keine Umstürzler.
        Erweckt den Eindruck, als hätte Popper Gegenteiliges behauptet. Hat er aber nicht. Widerlegen, was niemand behauptet hat. Damit behält man zwar oberflächlich Recht, hat aber in Wahrheit nichts zur Sache beigetragen.

  • Ralf 18. Juni 2017, 00:36

    Wie bei jeder historischen Person bleibt maximal ein prägender Moment zurück. Bei Kohl ist das die Wiedervereinigung.

    Stimmt sicher. Aber ich behalte den Altkanzler auch als grossen Europaeer in Erinnerung. Als einen Foerderer der EU, als einen der Vaeter des Euro. Sollte das europaeische Projekt seine derzeitige Krise ueberstehen, gibt es gute Chancen, dass Kohl in 100 Jahren im Rueckblick eher fuer seine europaeischen Leistungen in Erinnerung behalten werden wird als fuer die Wiedervereinigung.

    Fuer mich persoenlich ist er auch der letzte Kanzler der „guten alten Zeit“. Kohls „Stillstand“ war eben immer auch ein bisschen der Versuch unser altbewaehrtes Gesellschaftsmodell zu bewahren. Mit dem Machtwechsel 1998 hoerte die CDU in gewisser Weise auf eine konservative Partei zu sein. Die SPD unter Schroeder sowieso. Die Welt wurde schnelllebiger, unsicherer, kaelter und am unteren Ende wesentlich aermer.

    Mir geht es mit dem Altkanzler ein bisschen wie mit dem oeffentlich-rechtlichen Fernsehen. Damals kam es mir langweilig, grau und hoffnungslos altmodisch vor. Was folgte war bunt und neu und aufregend. Wer koennte sich der neuen Zeit verwehren? Im Rueckblick kam das „Neue“ aber zu einem inakzeptabel hohen Preis fuer unsere Gesellschaft und fuer die Menschen darin. So wie ich mir heute oft das alte, staubige oeffentlich-rechtliche Fernsehen zurueckwuensche (gegenwaertig arbeite ich mich durch die ersten 5 Staffeln von Derrick ;-)), so wuensche ich mir manchmal den alten, behaebigen, aber verlaesslichen Ewigkanzler Kohl zurueck. Kohl stand fuer ein bescheidenes, ruecksichtsvolles Deutschland, das mit Diplomatie und viel Zuhoeren – gerade bei den kleineren Partnern – fuehrte. Kohl wollte nicht die Welt erobern. Er war zufrieden im kleinen Oggersheim, ass und trank sichtlich gerne, genoss besonders seinen Saumagen und urlaubte am Wolfgangsee. Damit stand er uns gemeinen Buergern wesentlich naeher als viele der heutigen aalglatten, Goldman Sachs-geschulten Eliten. Vielleicht haben ihn die Deutschen auch deshalb viermal hintereinander gewaehlt.

    • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 08:42

      Ihre Kommentare haben oft etwas Charmantes, weil von Nostalgie geprägt. Vor so drei Jahren sah ich an einem langweiligen Sonntag Nachmittag den alten Louis de Funes-Film „Der Gendarm von St. Tropez“. Ausschweifende Landschaftsaufnahmen gepaart mit einem nach heutigen Maßstäben langsamen Erzähltempo, strahlender Sonnenschein über der Côte d’Azur. Der französische Streifen wirkte auf mich wie die Erinnerung an die Sommerurlaube in meiner Kindheit. Die Gemütlichkeit jener Zeit ist fraglos längst verloren gegangen.

      Ich sehe gerne Klassiker der Leinwandindustrie, Doris Day, Rock Hudson und natürlich Cary Grant und James Stewart sind bis heute meine Helden geblieben. Nur, deren Filme werden kaum noch gesehen, meine jungen Mitarbeiterinnen kennen nicht mal „Vom Winde verweht“, ganz zu schweigen, dass sie Filmzitate erkennen und einordnen könnten. Würde heute noch ein Regisseur so inszenieren, das Produkt wäre unverkäuflich. Seit vielen Jahren sind schnelle, rasante Schnitte der Standard, der Großteil des Materials stammt nicht aus einer Kamera, sondern aus den Programmen von After Effects und anderen. Nicht selten simuliert das Leinwandgeschehen Computerspiele, nicht umgekehrt.

      Ich bin ein Nostalgiker, aber ich weiß, dass die Erinnerung schön, aber nicht mehr alltagstauglich ist. Helmut Kohls Europapolitik bestand sehr weitgehend aus einer Scheckheftdiplomatie. Als beispielsweise Maggie Thatcher ihren berühmt-berüchtigten Handtaschenauftritt in Brüssel hatte und mit einem saftigen „Briten-Rabatt“ von dannen zog, war es der deutsche Kanzler, der die (deutsche) Schatulle öffnete und mit der Ausweitung des Berliner Beitrags zum EU-Haushalt die englische Premierministerin beschwichtigte. Und genauso beteiligte sich Deutschland
      1992 am ersten Golf-Krieg, Milliarden DM wurden nach Washington überwiesen, damit amerikanische Soldaten auch im deutschen Namen sterben konnten.

      Was sagt es über die deutschen Linken aus, wenn sie sich nach einem Kanzler zurücksehnen, den sie Zeit seines Lebens nicht nur verachteten, sondern auch verspotteten? Der Hassobjekt war blieb und dessen seltsame Angebotspolitik als der Untergang des Abendlandes gesehen wurde? Seinem Nachfolger schlug auf andere Art Hass und Verachtung entgegen. Kann es nicht sein, dass Sie in 20, 30 Jahren genauso über Schröder und Merkel urteilen, wie Sie es heute über Helmut Kohl tun?

      • Rauschi 18. Juni 2017, 10:06

        Welchen Golfkrieg meinen Sie?
        Der erste war 1980-1988, der zweite 1990-1991? Der zweite fand unter Führung der USA statt aufgrund einer UN Resolution. Meinen Sie ernsthaft, auch nur ein Amerikaner würde „für Deutschland“ sterben wollen?

        Gruss Rauschi

        • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 10:48

          Welchen Golfkrieg meinen Sie?

          Das war doch offensichtlich, Rauschi, welchen ich meinte. Stimmt, ich habe mich, da ich anders wie Sie nicht gegoogelt habe, in der Zeit leicht vertan. Sorry for that.

          Die USA wollten zuerst eine Beteiligung Deutschlands. Kohl wies das mit Verweis auf die Geschichte (nicht wegen pazifistischer Einstellungen) zurück. Für Bush war das unbefriedigend, man einigte sich deshalb auf Kompensationszahlungen in Milliardenhöhe.

          • Rauschi 18. Juni 2017, 12:39

            Jeder, der mehr weiss als Sie kann das also nur gegoogelt haben? Eine andere Möglichkeit gibt es nicht? Ich kann mich noch gut an diesen Krieg erinnern und auch an den Zeitpunkt. Da war ich im Studium, das war 92 schon vorbei. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie Ihre plumpen Unterstellungen zur Abwechslung mal unterlassen würden, so von wegen Respekt einer anderen Meinung oder nur gegenüber Wissen, das Ihres übersteigt.

            Merci Rauschi

            • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 16:49

              Erstens: von wann bis wann der erste Golfkrieg, also Irak gegen Iran, gedauert hat, glaube ich Ihnen nicht so unbesehen.

              Zweitens: Manche Zählungen sehen 1990/1991 als den ersten Golfkrieg (mit US-Beteiligung), den zweiten dann 2003. Deswegen schrieb ich vom ersten.

              Drittens: weil ich zeitlich (sehr) leicht daneben lag, entfachen Sie nun einen Disput über mehrere Kommentare. Sorry (das schrieb ich bereits), aber das ist kein Verdacht mehr: Sie wollen nicht diskutieren, sondern mich vorführen. Bevor ich mich auf so ein Niveau einlasse, beende ich es. Sie fragen ja nicht zur Sicherheit nach: in den 1980er Jahren waren weder die USA beteiligt (um es Ihnen einfach zu machen: nicht offiziell) und Deutschland leistete keine Zahlungen. 2003 war Kohl seit Jahren nicht mehr im Amt. Da ich voraussetze, dass Sie kombinieren können, bleibt nur a). Und ich werde nach diesem Kommentar den Disput garantiert nicht weiterführen.

              Sie sollten sich fragen, was das über Sie sagt.

              • Logos 18. Juni 2017, 17:40

                glaube ich Ihnen nicht so unbesehen.
                angesichts dessen, dass sie damit Rauschi indirekt der Lüge bezichtigen oute ich mal, was ich von ihrer Äußerung halte:
                ich scheiße darauf, was sie glauben oder auch nicht.

                zu 2) Was irgend zählt, der keine Ahnung hat, ist irrelevant

                zu 3) Angesichts der Tatsache, dass ihre genannte Zahl noch nach dem 2 Golfkrieg liegt, ist es einfach verlogen, von „leicht daneben“ zu schwadronieren.

                Ebenso verlogen ist ihre Darstellung, Rauschi würde einen Disput entfachen. Um Gegensatz zu ihnen der Wahrheit die Ehre zu geben:
                1) Sie nannten im Kontext von „erstem Golfkrieg“ eine Zahl, die noch nach dem zweiten lag.
                2) Daher fragte Rauschi völlig zu recht nach, welchen sie nun meinen.
                3) Ihnen mangelte es an der Charaktergröße, einfach den Fehler einzugestehen, die Frage zu beantworten und es dabei zu lassen. Nein, sie haben heuchlerisch ihren Fehler kleingeredet, was von „offensichtlich“ fabuliert und obendrein Rauschi noch googeln unterstellt.
                4) Es war diese ihre charakterlose Unterstellung, die Rauschi zu einem weiteren Kommentar veranlasste. Völlig zu Recht.
                5) Nun beweisen sie erneut ihre Charakterlosigkeit, dass sie Rauschi unterstellen, sie vorführen zu wollen (dürfte erneut Projektion sein), obwohl es doch ihre eigene vorausgehende Unterstellung war, die Rauschi erst zu einem weiteren Kommentar veranlasste.
                6) Wenn sie nun noch davon fabulieren „Bevor ich mich auf so ein Niveau einlasse, beende ich es.“, so ist das nichts weiter als ihre stereotype, verlogene Fakteninversion: Sie selbst sind es doch, der gegenüber Rausschi stets das Niveau gesenkt hat.

                In Anbetracht dieser Tatsachen fallen ihre folgenden Worte in Gänze und unbenutzt auf sie zurück:
                Sie sollten sich fragen, was das über Sie sagt.
                .oO(dieser faulige Gestank von zum Himmel stinkender Heuchelei: Ekel erregend)

              • Rauschi 18. Juni 2017, 17:56

                was das über Sie sagt
                Ja was sagt das über mich, das Sie nicht damit umgehen können, wenn ich Ihnen eine Falschaussage nachweise? Ich bin gespannt, was das „das“ dazu meint.
                Ich habe nicht debattiert, sondern eine Frage gestellt. Wenn ihre anderen Aussagen ähnlich fundiert sind, dann wundert mich nichts mehr. Wenn eine einfache Googleanfrage schon Ihre Zahlen wiederlegen kann, worauf beruhen dann ihre anderen Fakten?
                Was sagt es über Sie, das ich schon mehrere Debatten abgebrochen habe? Bin gespannt.

                Gruss Rauschi

              • Stefan Sasse 18. Juni 2017, 19:59

                Für gewöhnlich werden die Golfkriege in eins (1980-1988), zwei (1990/91) und drei (2003) durchnummeriert, die Irakkriege als eins (1990/91) und zwei (2003). Falls das hilft.

                • Stefan Pietsch 18. Juni 2017, 20:03

                  Du hast recht, so ist es. Sorry für die Verwirrung.

          • Logos 18. Juni 2017, 12:48

            Angesichts der Tatsache, dass sie nicht einmal die korrekte Zeit genannt haben, war da gar nichts offensichtlich:
            Einerseits liegt die von ihnen genannte Zeit nach dem Zweiten und dennoch schreiben sie vom Ersten. Aufgrund welcher kruden Annahme meinen sie, da wäre es „offensichtlich, was sie meinten“?

            Gedanken lesen kann niemand. Auch sie nicht, obwohl sie mit ihrer charakterlosen Unterstellung „googeln“ gern einen anderen Eindruck erwecken möchten.

  • Tim 18. Juni 2017, 13:10

    Stefan Sasse
    Es ist Kohls Verdienst, dass sie das nicht wurde, weil er im Moment größter Bedrohung den Staat sicher durch die turbulenten Zeiten brachte.

    Ein Moment „größer Bedrohung“? Welcher soll das gewesen sein? Ohne die Wiedervereinigung 1990 wäre die DDR zunächst für 10-20 Jahre ein Satellitenstaat Westdeutschlands geworden. Der Anpassungsprozeß wäre langsamer, aber wahrscheinlich weniger schmerzhaft geworden. Mit gewisser Wahrscheinlichkeit wäre Europa heute in einem besseren Zustand. Eventuell wäre das Verhältnis zu Rußland heute besser.

    Welche echte Gefahr drohte denn 1989?

    • Stefan Sasse 18. Juni 2017, 20:03

      Ich glaube du siehst das etwas rosig. Eine DDR-Führung, die einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht, eine SU, die vor den Kopf gestoßen wird, dazu eine veritable Flüchtlingskrise – so viel Fantasie braucht man nicht um sich fürchterliche Alternativszenarien auszumalen. Das sieht nur aus der Rückschau alles so glatt aus, genauso, wie die echt passierten Krisen dann meist unvermeidlich wirken. Beides ist häufig falsch.

      • Tim 19. Juni 2017, 08:17

        Nein, selbst unter einem Kanzler Lafontaine hätte es keine Katastrophe gegeben, denn selbst ohne sofortige Wiedervereinigung (wie unter Kohl) hätten sich schnell auf allen Ebene enge Verflechtungen mit der westdeutschen Politik und Verwaltung entwickelt. Und die damalige SU-Führung hatte in der DDR genausowenig Neigung zur Einflußnahme wie in allen anderen (ex-)kommunistischen Satellitenstaaten. Kam es in Polen zu einer Katastrophe? Nein. Warum dann ausgerechnet in der DDR, in der (dank Westdeutschland) die Bedingungen für einen friedlichen Übergang viel besser waren als im gesamten Ostblock?

        Es ist sehr schwer, Szenarien zu entwickeln, in denen überhaupt eine schlechtere Entwicklung denkbar ist als die Wirtschaftskatastrophe, die dann dank Kohl real eingetreten ist.

        • Stefan Pietsch 19. Juni 2017, 08:34

          Ich schätze Sie sind sehr jung. Es gab Anfang der 1990er Jahre nur ein kleines Zeitfenster für die historischen Umwälzungen (siehe auch Arabischen Frühling). Die ehemaligen Satelliten Polen, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien nutzen dieses, um sich aus dem Sowjetverbund zu lösen. Sie fanden Aufnahme in der EU und im westlichen Verteidigungsbündnis Nato. Ab dem Moment wäre der Preis für Russland für eine Umkehrung der Verhältnisse astronomisch hoch gewesen. Der Ukraine gelang diese Loslösung nicht mit negativen Folgen für das Land.

          Doch auf dem Boden der DDR standen relevante russische Verbände. Noch im Frühjahr 1989 unterdrückte die Staatsratsführung gewaltsam die Aufstände. Und die alten SED-Kader setzten weiterhin auf eine gewaltsame Lösung und Machterhalt, heute würde man sagen, die syrische Strategie.

          Russland war der entscheidende Spieler. Gorbatschow stürzte im Dezember 1991, also nur ein gutes Jahr nach der Wiedervereinigung. Auf ihn folgte der alkoholkranke Boris Jelzin, der möglicherweise eine Politik der friedlichen Lösung nicht hätte durchsetzen können. Schon gar nicht wäre eine Veränderung des rechtlichen Status der DDR möglich gewesen. Und über die Überzeugungen von Vladimir Putin in dieser Frage brauchen wir nicht zu diskutieren. Der ehemalige Spion ist bereit, politische Fragen auch militärisch zu lösen und Aufstände mit Gewalt und den Instrumenten der Geheimdienste niederzuschlagen.

          • Tim 19. Juni 2017, 08:49

            Nein, diese alternativen Katastrophenszenarien sind unrealistisch.

            Bitte nicht vergessen, daß all die genannten Probleme – Rote Armee, revanchistische SED-Kader, schwacher Jelzin – auch während der Kohl-Wiedervereinigung bestanden und gelöst wurden. Auch unter anderen Vorzeichen wären sie lösbar gewesen. In wirklich jedem Fall wäre es zu einer engen Westbindung der Übergangslösung DDR 2 gekommen.

            Während des Putsches 1991 standen noch große sowjetische Truppenteile auf DDR-Gebiet. Haben die revoltiert? Nein. Hätten sie in einer DDR 2 revoltiert? Nein, es gibt dafür nicht die geringsten Indizien.

            Die sowjetischen Truppen sind über die Jahre dank mehr als großzügiger westdeutscher Finanzhilfe relativ reibungslos nach Hause zurückgekehrt, und genau so wäre es auch bei einer graduellen Wiedervereinigung gekommen. Die Sowjetunion war pleite, sie hatte gar nicht mehr die Mittel für derartige Truppenpräsenzen. Realität schlägt Ideologie. Das war ja geradezu der Grund für das Zusammenbrechen des kommunistischen Großreiches.

            Das Kohl-Management der Wiedervereinigung war eine organisatorische Meisterleistung, keine Frage, aber die Wiedervereinigung war nicht die einzige friedliche Option. Jedes Gerede über alternative Katastrophen ist reine Spekulation.

          • Blechmann 19. Juni 2017, 15:05

            Welchen Sinn macht es, den Wahrschauer Pakt und die Sowjetunion aufzulösen, die Ukraine zu opfern, aber die DDR militärisch besetzt zu halten? Putin, als guter Stratege und wahrlich nicht deutschenfeindlich, warum sollte er das denn bitte machen? Das ist ein konstruiertes Szenario.

          • Stefan Sasse 19. Juni 2017, 17:29

            Ich fürchte da werdet ihr Opfer des survivor bias. Nur weil es so kam wie es gekommen heißt nicht, dass es so hat kommen müssen.

            • Erwin Gabriel 29. Juni 2017, 19:34

              >>Ich fürchte da werdet ihr Opfer des survivor bias. Nur weil es so kam wie es gekommen heißt nicht, dass es so hat kommen müssen.

              Absolut. Die damalige Zeit war von deutlichen Spannungen geprägt; nicht lange zuvor hatte Präsident Reagan Russland als das „Reich des Bösen“ bezeichnet; Kohl hatte in Gorbatschow nicht gerade einen Freund, nachdem der ihn mit Göbbels verglichen hatte.

              Es war alles in allem ein Riesenzufall, und ein Riesenglück, dass alles gut ging.

              http://www.tagesspiegel.de/politik/mauerfall-die-vorauseilende-verkuendung/1629088.html

  • Kning 18. Juni 2017, 20:39

    Wegen Kohl bin ich seinerzeit in die CDU eingetreten. Ich war 17, politisch interessiert und bewunderte Ihn für die Wiedervereiningung, sowie seine Bemühungen um die europäische Integration. Das innenpolitische war mir damals gar nicht so bewusst. Auch wenn ich mich 98 voller Inbrunst in den Wahlkampf geworfen habe bin ich heute doch froh, dass nach 16 Jahren Kohl Schluss war.

    Die demokratische Kultur hätte mit einer CDU Spendenaffäre bei gleichzeitiger CDU Regierung enorm gelitten. Zudem musste sich die Union erneuern und unter Kohl wäre diese Erneuerungsörozess sicherlich verzögert worden.

    Was ich sehr an Kohl schätzte war sein historisches Bewusstsein – mit der Wiedervereinigung begann ein erneutes hinwachsen Deutschlands als Hegemon Europas. Kohl erkannte, welches Risiko darin lauerte und machte Deutschland mit EU Integration und Währungsunion künstlich klein, baute Brücken zu seinen kleinen Nachbarn und nahm so den Argwohn. Nimmermüde warnte er, dass gerade wir Deutschen am meissten von der europäischen Integration profitieren und wir nicht in Grossspurigkeit verfallen sollten. Er ist einer der Architekten des europäischen Hauses. Leider regiert in Europa vielerorts die Abrissbirne. Um so mehr wird sein Geist gebraucht.

    • Stefan Sasse 19. Juni 2017, 17:30

      Ich frage mich gerade wie wir in 20 Jahren auf Merkel sehen werden. Bejammern wir dann den Verlust ihres pragmatischen Stils im Vergleich zu was auch immer gerade aktuell ist?

      • Blechmann 22. Juni 2017, 04:22

        Dann trauern wir ihr nach, fürchte ich, wie man anno dazumal dem Kaiser nachgetrauert hat.

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