Update aus dem Maschinenraum

Falls sich jemand wundert, warum bisher keine Artikel von mir zum Ausgang der US-Wahl kamen: das liegt nicht daran, dass ich verzweifelt und niedergeschlagen bin (obwohl das der Fall ist) oder dass ich bescheiden geworden das Klugescheißern an den Haken gehängt habe (träumt weiter), sondern dass die Zahlen des Wahlergebnisses noch so im Fluss sind, dass keine Analyse möglich ist, und eine Abschätzung der Konturen der Trump-Präsidentschaft noch etwas Zeit braucht. Alles andere ist Spekulation, und davon ist das Netz gerade voll, da brauche ich nicht meine auch noch dazuzustopfen.

{ 16 comments… add one }

  • FrageZeichen 13. November 2016, 20:12

    Sehr weise, Herr Sasse, sehr weise.

    Bzgl des Themas ein interessanter Link zum internationalen Rechtsdrift aufgrund eines zerschlagenen linken Spektrums:

    It´s the end of the left as we know it
    http://www.ruhrbarone.de/its-the-end-of-the-left-as-we-know-it/135358

  • Erwin Gabriel 14. November 2016, 07:25

    Ich schließe mich meinem Vorredner an 🙂

    Auch ich möchte gerne einen Link beitragen zur Auswirkung der Misere auf die Medien.

    http://www.achgut.com/artikel/die_medien_sind_im_begriff_verbrannt_zu_werden

  • Wolf-Dieter Busch 14. November 2016, 08:16

    Geduld ist mein zweiter Vorname.

  • Marc 14. November 2016, 08:41

    Wenn Trump wüsste, was er als nächstes vorhat, wäre er nicht Trump. Er wird, wenn es darauf ankommt, ein paar Deals aushandeln und sich danach als Sieger feiern lassen. Was, wann, wo und wieso wird der Zufall entscheiden. Der Treppenwitz der Geschichte könnte werden, dass diese Strategie außenpolitisch erfolgreicher sein könnte als das Herumobamern zuvor.
    Zuhause muss er jedem Abgeschobenen noch die Hand schütteln und dann ist auch schon die erste Amtszeit vorbei. Die Aufgaben für die zweite Amtszeit steht auch schon fest: Die Streichung der Grenze der zwei Amtszeiten und die Einführung einer Krönungszeremonie.

  • chriwi 14. November 2016, 10:11

    Hier wird schön die Wahltaktik von Trump analysiert
    https://blogs.deutschlandfunk.de/berlinbruessel/wp-content/uploads/sites/5/2016/11/Elisabeth-Wehling_Politik-Stimmungen-und-Emotionen.mp3

    Auch vorher war einigen klar, dass Trump nicht so schlecht dasteht wie viele Medien in Deutschland glaubten. US Amerikaner mit denen ich sprach, fanden beide Kandidaten schlecht und wollten das geringere Übel wählen. Die Frage ist auch, wie hoch die relevante Wahlbeteiligung ist. In den USA ist das schwer zu sagen, da die Swing States überproportional zählen.

  • Stefan Sasse 14. November 2016, 14:49

    Aktuell ist es noch unmöglich zu sagen, ob Trump nun „nie so schlecht dastand“ oder ob die Umfragen tatsächlich stimmten, inklusive den teils wilden Schwüngen, und dass viele Wähler sich in der Woche vorher für Trump entschieden. Und das sind entscheidende Unterschiede. Da die Daten noch nicht vorliegen, die eine Analyse möglich machen, müssen wir auf die Antwort noch warten. Alle Artikel, die bereits jetzt eine der beiden Variationen aufs Siegerpodest heben, spekulieren nur.

    • Ben 14. November 2016, 15:50

      Lieber Stefan, du weisst viel ueber US-amerikanische Politik, wie das System funktioniert, welche Akteure und Gruppen dort agieren, bist staendig auf dem neuesten Stand. Du hast also mehr Wissen als die meisten, die deine Artikel lesen und kommentieren. Meine Wenigkeit eingeschlossen. Vermutlich bist du auch selber von diesem Umstand ueberzeugt, denn sonst wuerdest du erst gar nicht auf die Idee kommen, politische Artikel zu schreiben. Das meine ich voellig wertfrei.

      Trotzdem habe ich irgendwann aufgehoert, deine Artikel zu lesen, weil du nur das gesehen hast, was du sehen wolltest. Wenn ich deinen Artikel zu Sanders geschrieben haette, wuerde ich mich als Wissenschaftler schaemen. Und das schon vor der Wahl. Deine Artikel lesen sich wie breit ausgetretene Erguesse eines Clinton-Fanboys, der in Obama-Bettwaesche schlaeft. Von deinen Tweets ganz zu schweigen.

      Ich weiss nicht, welchen intellektuellen Anspruch du an dich selber hast und was du dir von diesem Blog erhoffst. Wenn ich in meinem Fach so sehr auf die Schnauze gefallen waere wie du, wuerde ich mich jedenfalls ernsthaft fragen, was mich dazu qualifiziert, anderen Menschen etwas davon zu erzaehlen. Mir ist bewusst, dass mein Kommentar ein Tiefschlag aus dem Off ist, insbesondere weil du dich als Autor (und das auch noch mit Klarnamen) angreifbarer macht, als jemand, der anonym kommentiert. Ernst gemeint ist es nichtsdestotrotz.

      • Stefan Sasse 14. November 2016, 16:00

        Nun, danke erstmal für deine ehrliche Kritik. Ich kann dir das relativ einfach beantworten. Angenommen ich wäre ein Hobby-Fußballkommentator. Die im Finale stehenden Mannschaften sind sehr ungleich in ihrer Stärke, und ich erzähle dir viel über die bessere Position von Mannschaft A, ihre technische Raffinesse etc. Ich mag den Stil dieser Mannschaft und bin überzeugt, dass sie besser ist. Im Finalspiel spielt sie von den 90 Minuten 70 deutlich besser als der Gegner, und fünf Minuten vor Schluss steht es 2:1 für Mannschaft A. In den letzten fünf Minuten schießt Mannschaft B noch zwei Tore. Heißt das, dass alle meine vorherige Analyse falsch war?

        Und was Fanboytum angeht: ich habe nie ein Geheimnis draus gemacht, dass ich Obama-/Clinton-Fan bin. Das war immer eingepreist. Das mag dir nicht gefallen, und das ist ok. Ich bin aber Privatperson und blogge und twittere als Hobby, ich habe daher keinen Anspruch, „neutral“ zu sein. Meine Meinung ist meine Meinung.

        • Ben 14. November 2016, 16:40

          Danke fuer deine Antwort. Ich finde es absolut in Ordnung, dass du deine Meinungen einbringst und dein Herz fuer eine der Parteien schlaegt. Sich darueber im Klaren zu sein, dass es keine „objektive“ oder „neutrale“ Position gibt, ist notwendig, um die Welt ueberhaupt zu verstehen (Kann das mal jemand dem Stefan Pietsch ins Ohr fluestern?). Daher ist an dieser Stelle auch nicht mein Kritikpunkt, dass du Clinton gut findest, sondern dass diese Befuerwortung so stark ist und die Angst vor Trump offensichtlich so stark war, dass du (bis auf ein paar Ausnahmen) alles ernsthaft Negative ausgeblendet hast. Das meine ich mit „Fanboy“, und das ist auch der Grund, warum ich den politischen Erkenntnisgehalt deiner Artikel unbefriedigend fand.

          • Stefan Sasse 14. November 2016, 17:54

            Das liegt hauptsächlich daran, dass ich vom Volumen her keine umfängliche Berichterstattung mache (machen kann), und deswegen selten über Sachen schreibe, die eh schon allgegenwärtig in den Medien sind. Vermutlich kommt daher das Loch. Ich war nicht blind gegenüber diesen Faktoren, aber ich habe ihre Bedeutung vermutlich unterschätzt. Sonst hätte ich auch drüber geschrieben. Hab das schlicht als Lärm abgetan.

        • FrageZeichen 14. November 2016, 22:15

          Das war doch mal wirklich eine ehrliche Antwort. Ich wollte dir das übrigens schon wiederholt mal vorwerfen, diesen Fußballkommentatorstil. Nur, zu meiner Überraschung, ist es anscheinend tatsächlich so, dass du das alles mehr als Infotainment betrachtest.
          Jetzt geht dann sogar mir ein Lichtlein auf.

          Aber trotzdem als Hinweis: Für viele Menschen da draußen ist Politik bitterer Ernst. Spätestens wenn die mit den neuesten Gesetzen unserer „größten Reformer aller Zeiten“ konfrontiert werden.

    • Ralf 14. November 2016, 16:51

      Aktuell ist es noch unmöglich zu sagen, ob Trump nun „nie so schlecht dastand“ oder ob die Umfragen tatsächlich stimmten

      Wer behauptet denn, dass die Umfragen nicht stimmten? Ich glaube das Problem ist eher, dass man in der Lage sein muss Umfragen richtig zu interpretieren.

      FiveThirtyEight, die wohl absolute Autoritaet auf dem Feld, gab Trump am Wahltag eine etwa 30%ige Chance zu gewinnen. Das entspricht ungefaehr einem Drittel. Zum Vergleich: Wenn Du einen Wuerfel rollst und er bleibt entweder auf der eins oder auf der zwei liegen, bist Du dann extrem erstaunt ueber das „unerwartete Ergebnis“? Nein? Dann solltest Du auch nicht ueber Trumps Sieg erstaunt sein. Zumindest nicht dann, wenn Du das FiveThirtyEight-Modell plausibel findest.

      • Stefan Sasse 14. November 2016, 17:59

        Ich meine ob die Umfragen den jeweiligen Stand korrekt wiedergaben. Wenn also Clinton etwa im Oktober mit sechs, sieben Punkten Abstand führte – stimmte das, und es gab einen Schwung zurück? Oder war es nur ein respondence-bias?

        • Erwin Gabriel 22. November 2016, 09:42

          Mir ist Folgendes aufgefallen: In Online-Umfragen schnitt Trump durchgängig besser ab als in persönlichen Umfragen (etwa per Telefon). Das ist ähnlich wie hier mit der AfD. Die hat auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich besser abgeschnitten als nach den Umfragen erwartet.

          Zu was bekenne ich mich öffentlich? Zu Trump – vor der Wahl – konnte das in einigen Gegenden zur Ächtung oder sogar zu Jobverlust führen.

  • FrageZeichen 14. November 2016, 22:07

    Lustige Sache zu Trump am Rande. Er hat jetzt schon mindestens zweimal Parallelen zu unserem Adolf hergestellt.
    Einmal verzichtet er auf das Salär für den Präsidentenjob. (s.a. Hitler).
    Und zum Zweiten hat er die Amerikaner um etwas Zeit gebeten. (s.a. Adolf: „Gebt mir 4 Jahre Zeit“)
    Eins ist damit jetzt schon klar: Der Mann hat echt einen martialischen Humor.

    • Erwin Gabriel 22. November 2016, 09:46

      @ FrageZeichen 14. November 2016, 22:07

      >> Lustige Sache zu Trump am Rande.
      >> Er hat jetzt schon mindestens zweimal Parallelen
      >> zu unserem Adolf hergestellt.
      >> Einmal verzichtet er auf das Salär für den Präsidentenjob.
      >> Und zum Zweiten hat er die Amerikaner um etwas Zeit gebeten.

      >> Eins ist damit jetzt schon klar:
      >> Der Mann hat echt einen martialischen Humor.

      Zum Ergänzen:
      Auch Trump findet blonde Mädels gut.

      Wiederum:
      Vegetarier (wie Adolf Hitler) ist er definitiv nicht.

      Es bleibt spannend 🙂

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