Podcast: Europäische Politik Post-Brexit

Ich habe mit Emmet Booth, mit dem ich bereits drei Podcasts zur amerikanischen Politik aufgenommen habe, einen weiteren Podcast zur europäischen Politik Post-Brexit aufgenommen. Interessant ist vor allem das Wechselverhältnis zwischen amerikanischer und europäischer Perspektive.

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  • Ariane Ulbrich 15. Juli 2016, 17:21

    Spannend, auch wenn der Anfang leicht verrauscht ist. Mir gehts ähnlich wie dir in deiner Geschichte am Schluss. Meine Familie kommt ja aus Schleswig-Holstein und meine Tante ist dänische Staatsbürgerin und deswegen sind wir mein ganzes Leben lang mehrmals im Jahr nach Dänemark und zurückgefahren. Und ich freu mich immer noch drüber, dass man nur durch ein Straßenschild darauf hingewiesen wird, dass man gerade eine Landesgrenze überquert hat 🙂
    Zum Brexit muss ich sagen, dass ich ganz froh bin, dass es so einen emotionalen und wirtschaftlichen Schock gab (Sorry Briten) und die Leavers alles dafür getan haben, sich total lächerlich zu machen, so dass es zumindest eine abschreckende Wirkung gab und irgendwie allen anderen Antieuropäern gleich der Wind aus den Segeln genommen wurde.
    Ich glaube auch durchaus, dass es eigentlich einen Enthusiasmus für Europa gibt und man sich zugehörig fühlt, nur das politische Konstrukt der EU passt da so absolut gar nicht rein. Auch die ganze Remainkampagne – egal ob auf britischer oder europäischer Ebene – war Quark und bestand eigentlich nur aus Untergangsszenarien, dass die Apokalypse ausbricht, wenn die Briten austreten und das ist einfach Gift. Wenn sie schon keine anderen Gründe für den Verbleib finden konnten, wäre es vermutlich sogar besser gewesen, die Klappe zu halten.
    Und da hat Booth auf jeden Fall recht. Momentan haben die Rightwingers in Amerika und in Europa die Emotionen auf ihrer Seite und da fehlen noch Antworten. Siehe Cameron, der das ganze halbherzig aus politischen Gründen in Gang gesetzt hat und dann weggespült wurde. Es ist imo einfach zu wenig darauf zu hoffen, dass genug Leute pflichtschuldig und aus Vernunftgründen „das Richtige“ wählen, weil auf der anderen Seite irgendwie ein hysterisches Chaos steht. Genau so wenig können wir darauf vertrauen, dass die Rightwingers irgendwann schon von selbst implodieren. Das tun sie in GB zwar auch irgendwie, aber erst nachdem sie Chaos angerichtet haben, was dann eben auch nicht mehr hilft. In Amerika kannst du das sicher besser beurteilen, aber in Europa nervt mich diese Passivität furchtbar, weil man den Rightwingers das Feld überlässt und hofft, dass schon alles gutgehen wird. Das ist vielleicht zu martialisch, aber mir fehlt so ein bisschen das Gefühl von „Kampf aufnehmen“, „Gut gegen Böse“ oder sowas. Aber das zieht bei Wahlen nun mal eher als „seid brav, tut Eure Pflicht und wählt was Vernünftiges“.

  • Stefan Sasse 17. Juli 2016, 07:16

    Das Problem ist echt der Mangel an einem klaren Szenario. Muss ja nicht mal eine „Vision“ sein, sondern einfach ein Bild von dem was Europa sein soll. Eine Alternative zu den Rightwingern. Gib mir was Positives! Das ist halt was was du in den USA und Kanada mit Obama und Trudeau hast.

    • Blechmann 23. Juli 2016, 23:46

      Wir haben Jean-Claude Juncker!

  • Floor Acita 21. Juli 2016, 12:31

    Ich stimme im Großen und Ganzen zu, vor allem mit der „Zukunftsvision“ eines europäischen Nationalstaats/gesamteuropäischer Wahlen. Ich hoffe der Brexit ist ein Einschnitt (auf den ich gerne verzichtet hätte [nur um keine Unklarheiten diesbezüglich aufkommen zu lassen]), der europäische Werte eher stärkt und zu einem größeren Zusammenschluss führt, andererseits auch ein „Weckruf“. Ich verstehe euren Standpunkt sowohl für die USA als auch Europa oberflächliche Analysen und einfache Lösungen als problematzisch zu sehen und daher all zu schnelle Verurteilungen von Eliten, Establishment etc. abzulehnen. Andererseits kann die Antwort dieser Eliten auf die anscheinend vorhandene Unzufriedenheit auch nicht nur ein „ist alles zu kompliziert um es zu eklären / wir müssen einfach so weitermachen wie bisher“ sein. Rund um den Globus (von Uruguay über Kanada, USA, Spanien, Griechenland, UK etc) gibt es immer mehr Leute die mit dem Status quo unzufrieden sind. Das hat einen grund und ich würde gerne eine ernsthaftere Auseinandersetzung damit erleben. Dinge in den USA wie 86% der Bevölkerung sind für bestimmte Waffenregulierungen, inkl. 87% republikanischer Parteimitglieder und 80% NRA-Mitglieder, aber der Kongress kann die Gesetze nicht mal zur Abstellung stellen. Kritisiert man das als Korruption wird man direkt in die Fundamentalopposition Ecke gestellt. In meiner lokalen Tageszeitung stehen hin- und wieder offen (objektiv) rassistische oder auch sexistische Artikel und insbesondere natürlich Kommentare. Kritisiert man das, selbst im Versuch objektiv zu beschreiben ohne subjektiven Rassismus oder Sexismus zu unterstellen, wird sich darüber lustig gemacht und/oder mit „Lügenpresse“ Rufen gleichgesetzt. In den 90ern wurden etliche ökonomische Gesetze erlassen auf der Grundlage von Alan Greenspans Theorien. Es erscheint logisch diese Gesetze (insbesondere wenn wir negative Auswirkungen bereits kennen, weil 20 Jahre Statistiken vorhanden) zu überprüfen, nachdem Greenspan vor dem Kongress eingeräumt hat, dass wichtige Grundannahmen falsch waren und deshalb der Großteil seiner Thesen fehlerhaft war/ist. Merkt man das aber an ist man „Purist“ und realitätsfern. Banken wurden als „too big to fail“ bezeichnet. Versucht man aber für eine Zerschlagung zu argumentieren, ist man entweder Extremist oder „single issue“. So gibt es tausende Beispiele, in den Eliten offensichtlich entweder versagt oder zumindest Fehler begangen haben, für die es womöglich keine einfachen, wahrscheinlich keine schnellen Lösungen gibt, deren Nicht-Addressierung und völliges Abstreiten ihrer Existenz oder das Nicht-Zugeben auch nur der geringsten Fehler aber ja wohl auch nur kontraproduktiv sein kann. Das Erklären von einer bestimmten Meinung, Sichtweise, Interpretation von Fakten zum Allgemeingut, Realpolitik, Ende der Geschichte etc. ist jedenfalls keine ernsthafte Auseinandersetzung mit Phänomenen wie Sanders, Brexit, Corbyn, Trump – die bei aller inhaltlichen Übereinstimmung/Widersprüche eines zumindest ALLE nicht sind „fringe/max 5% der Bevölkerung“. In den USA spielt ausserdem sicher noch die Princeton Studie eine Rolle nach der 90% der Amerikaner NULL Einfluiss auf die Gesetzgebung haben, während die 10% meist „connected“en und größten Wahlkampfspender eine 63% alignment mit der Idealkurve aufweisen. Insebsondere im unteren Bereich der Kurve (90% der Amis wollen ein Gesetz, das 0% der 10% wollen und es hat eine 0% Chance durch den Kongress zu kommen [in der Theorie & Allgemeinen, nun vergleiche mit der Waffenregulierung]). Was auch immer die Ursache ist und was die Lösung – das Probnlem zu leugnen und nicht breit öffentlich zu diskutieren, obwohl jeder (zumindest eben 90%) jeden Tag die Auswirkungen spürt ist verantwortungslos. In Europa, und natürlich von Staat zu Staat, stellen sich die Fragen vlt. etwas anders, aber die Kritik an „Establishment politics“ wird auch bei uns immer mit Fundamentalopposition/Extremismus gleichgesetzt, ohne Nuancen herauszustellen und/oder zumindest vernünftge und ernsthafte Informationskampagnen zu starten, die das eigen Handeln besser/effektiver erklöären und wenn möglich Initiativen von Bürgern ernstzunehmen und einzuarbeiten, auch wenn das ganze zu lang dauert oder ein persönlicher „pain in the ass“ sein mag… Insgesamt bin ich aber zuversichtlich, dass sich die Auseinandersetzung weltweit insgesamt in eine positive Richtung entwickelt und sowohl die USA als auch Europa am Ende eher enger zusammenrücken und gestärkt aus Ihnen hervorgehen! Und btw insbesondere die Linke – ich stimme mit eurem letzten Podcast überein, eine 60% Dominanz der Demokraten zumindest für eine bestimmte Zeit (15-20 Jahre, beginnend bald) halte ich für eine sehr realistische Prognose!

    • Stefan Sasse 23. Juli 2016, 21:34

      Es wird einfach ständig unterschätzt wie wichtig es ist, dass Narrativ zu kontrollieren. Zu lange war man gegenüber dem von dir kritisierten Bullshit in der Defensive. Es wird Zeit, dagegen vorzugehen.

      • Floor Acita 25. Juli 2016, 12:44

        Amen.

        Reale Veränderungen haben ja bereits stattgefunden, das ist der Hintergrund der Spannungen. Vlt. haben die Kritiker sogar Recht. Vlt ist es tatsächlich, oderdas ist sogar wahrscheinlich so, nicht die Zustände verschlechter, sondern die Ansprüche sind gestiegen. Gut! So be it!

        Erinnert an den von Bill o’Reilly herbeigerufenen Kulturkampf. Der kam tatsächlich und die Rechte hat ganz klar verloren. Wie Ezra Klein in Vox richtig analysiert hat – bei aller Kritik am Sanders Camp sin seine Anhänger eines nicht (was lange angenommen wurde) – verunsicherte und frustrierte alte, weiße Männer der Arbeiterklasse. Diese brauchen die Demokraten tatsächlich immer weniger #GUT. Es war vor allem die Jugend aller Couleur, auch wenn er junge Schwarze nur sehr knapp gewonnen hat – Umfragen zeigen jedoch eine deutlichere Dominanz unter jungen Schwarzen, Latinos und Asiaten – diese haben aber leider (noch) nicht gewählt, was auch ein Problem für Clinton ist btw.

        Ich bin positiv gestimmt was die Zukunft angeht, da selbst rechte ein-mann-Denkfabriken wie Frank Luntz die Jugend der USA als „shockingly liberal“ bezeichnet und diese sogar sehr politisch/aktiv sind. 18-25 jährige würden lieber mit Bernie Sanders ODER Barack Obama essen gehen als mit Beyonce oder Tailor Swift 🙂 Clinton ist auch noch in den top 10 btw.

        Selbst die jungen Republikaner sind sozial-liberal…
        https://www.youtube.com/watch?v=LW6mfZy2Bwk

  • Floor Acita 21. Juli 2016, 12:58

    „If you actually listen to his rhetoric in 2008 he was never promising to overthrow any system at all“

    https://youtu.be/NCRO0g9CfAw?t=21s
    „That’s an example of the same old game playing in Washington. I don’t want to learn how to play the game better; I want to put an end to the game playing. “ 🙂

  • Floor Acita 21. Juli 2016, 13:04

    Ich hoffe mein erster Kommentar hat nicht gegen irgendwelche Nutzungsrichtlinien verstoßen? Oder wearum ist er jetzt wieder verschwunden..?

    • Stefan Sasse 23. Juli 2016, 21:32

      Der große oben? Manchmal landen Kommentare im Spamfilter und müssen manuell freigeschalten werden.

      • Floor Acita 25. Juli 2016, 12:45

        War wohl sogar ein Netzwerkproblem meinerseits 🙂

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