Eine Verteidigung der political correctness, Teil 2: consent

Die Diskussion über das political-correctness-Thema hat sich hier im Blog vor allem um die Frage der Strafbarkeit und Beweisbarkeit von Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch entwickelt.  Ein großer Fokus liegt dabei auf der Frage, wie um Gottes Willen man aus dem Graubereich herauskommen soll. Bekanntlich ist der Moment erotischer Verführung und sexueller Spannung nicht gerade dafür bekannt, dass beide Parteien mit der Rationalität eines homo oeconomicus handeln. Es handelt sich hier mit Sicherheit auch nicht um ein kleines Problem, denn allein die Anschuldigung einer sexuellen Straftat zerstört bereits komplette Existenzen. Wir haben das öffentlichkeitswirksam in den Fällen Türck und Kachelmann präsentiert bekommen. Diese Diskussion wird aber in den Beiträgen von Stefan Pietsch und Ariane bereits geführt. Ich möchte daher auf einen anderen Aspekt stärker eingehen, der meiner Meinung nach bei den beiden zu kurz kommt.

Da wäre, erstens, die unterliegende gesellschaftliche Dynamik. Wie so oft im Problemfeld „political correctness“ entstammen sowohl die Problembeschreibung hier als auch die Lösungsansätze später den USA, wo die Diskussion sich gerade um das Vorhandensein einer rape culture dreht. Gemeint ist hiermit nicht eine Gesellschaft, die Vergewaltigungen zum Standard erhebt, sondern eine, die sie ermöglicht und es den Tätern sowohl erleichtert die Tat selbst durchzuführen als auch danach ungestraft davonzukommen. Leider werden Vergewaltigungen immer noch als etwas betrachtet, das selten vorkommt und nur von richtig bösen Männern gewalttätig verübt wird. Das ist sozusagen die Hollywood-Version, mit klarem Täter und Opfer. In der Realität ist die Lage aber häufig nicht ganz so einfach, und viele Menschen sprechen gerne dem Opfer eine Teilschuld zu – das hat man auch bei Lohfink gesehen, und zwar bevor die Vorwürfe der Falschbeschuldigung aufkamen. Der Tenor: „Ja, die Lohfink, die treibt’s doch eh mit jedem.“ Mag schon sein, aber Promiskuität ist keine Einladung zur Vergewaltigung. Schließlich darf man auch Einkäufer auf dem Kudamm nicht bestehlen, nur weil sie mit Geld geradezu um sich schmeißen. Die YouTuberin Laci Green hat das Problem schön zusammengefasst:

Das ist, was wir unter rape culture verstehen. Die toxischen Auswüchse dieser Kultur konnte man in den USA am Fall Brock Turner beobachten. Turner war ein Erstsemesterstudent und Starathlet an der Eliteuniversität Stanford. Auf einer Party schleppte er eine volltrunkene Frau hinter einige Mülltonnen und vergewaltigte die Bewusstlose. Als er von Passanten erwischt wurde, versuchte er zu fliehen, wurde aber von diesen aufgehalten und der Polizei übergeben. Der Fall ist hier ziemlich klar: hier Täter, dort Opfer. Was danach kam, war allerdings weniger eindeutig. Turners Vater versuchte mit aller Macht, eine Gefängnisstrafe zu verhindern. Zu diesem Zweck setzte er einen Privatdetektiv und hochbezahlte Anwälte ein, die die Glaubwürdigkeit des Opfers mit erniedrigen Nachforschungen über ihr Sexual- und Trinkverhalten zerstören und so quasi eine Teilschuld nachweisen sollten. Gleichzeitig schrieb Turner einen mittlerweile berüchtigten Brief an den Richter, der pikanterweise ein Stanford-Alumni ist, in dem er lang und breit die psychischen Folgen für seinen Sohn beschrieb und die Vergewaltigung als „20 minutes of action“ herunterspielte. Wohl nur der großen Willensstärke des Opfers ist es zu verdanken, dass sie all diese Angriffe überstand – die Dunkelziffer für Vergewaltigungen ist ungeheuer hoch, der Widerwille zur Anzeige ebenso, und Turners Geschichte zeigt, weshalb. Dank ihrer Wortgewandtheit, die sich in einem ebenso berühmten offenen Brief an Turner eindrucksvoll zeigt, beschrieb das Opfer sowohl ihre Vergewaltigung als auch die Strapazen des Prozesses. Die Beschreibungen sind ernüchternd.

Für unseren Fall besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass Turner versuchte, den Übergriff damit zu begründen, dass er davon ausging dass das Opfer einverstanden war. Seine Begründung: sie hatte ihm über den Rücken gestrichen. In diesem Statement zeigt sich die andere Seite der rape-culture-Medaille: es gibt nicht nur eine Tendenz, dem Täter mehr Glauben zu schenken als dem Opfer und dem Opfer eine Teilschuld zuzuweisen. Es gibt auch eine klare Unsicherheit, wo die Grenzen verlaufen. Stefan Pietsch hat in seinem Beitrag deutlich darauf verwiesen, dass ein großer Anteil Frauen will, dass der Mann den ersten Schritt macht und dass sich zieren zum Flirtspiel gehört. Das ist unzweifelhaft richtig. Und natürlich lässt sich an dieser Stelle leicht das Horrorszenario ausmalen, dass Männer künftig immer mit einem Bein im Gefängnis stehen, weil Frauen sich urplötzlich umentscheiden können. Nur: natürlich können sie das. Es soll vorkommen, dass jemand während dem Vorspiel die Lust verliert. Gerade deswegen ist es ja so wichtig, dass beide Partner darauf achten, ob der jeweils andere seine Einwilligung immer noch erteilt. Laci Green hat auch hierfür ein ordentliches Erklärvideo, das die Praxis beleuchtet und den Wert der Einwilligung deutlich macht:

Das ist eine ungewohnte Vorstellung, sicherlich, und es wirft einige traditionellen Romantikvorstellungen über den Haufen. Der Stil eines Sean Connery in den alten James-Bond-Filmen, die überraschte Frau in der Sicherheit der eigenen Attraktivität und ihrer vorausgesetzten Einwilligung gegen die Wand zu drücken und zu küssen ist damit passé. Ich fürchte es gibt keine empirischen Untersuchungen, aber diese Romantikvorstellung – vor allem der direkt folgende Beischlaf einer devoten Geliebten – war vermutlich schon immer mehr ein Hollywood-Klischee als Realität. Ohnehin sind Änderungen im Balzverhalten eine normale Sache. Man lese nur einmal Beziehungs- und Datingratgeber aus den 1970er Jahren.

Man kann auch diejenigen beruhigen die eine Welle von Falschbeschuldigungen versuchter Vergewaltigungen befürchten. Andere europäische Länder wie Schweden oder Großbritannien haben bereits seit Jahren „Nein heißt Nein“-Gesetze, ohne dass man dort von einer neuartigen Welle an Falschvorwürfen gehört hätte. Besonders Großbritannien ist da instruktiv, weil die Regel erst 2010 eingeführt wurde und daher noch „frisch“ ist. Die Umstände sind durchaus vergleichbar, auch gesellschaftlich und kulturell. Auch hier muss es ein Umdenken geben, auf beiden Seiten. Weder darf man wie im Fall von Lohfink von Anfang an davon ausgehen, dass eine Frau es doch wollte, nur weil sie als Partyluder bekannt ist, noch darf man dann wenn neue Fakten bekannt werden das Ganze zu einer Wasserscheide der Menschenrechte hochstilisieren. Es wäre schon viel geholfen, würde man Vergewaltigungsfälle etwas neutraler betrachten. Angesichts ihres Sensationsgrads ist das aber wohl Wunschdenken.

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  • In Dubio 13. Juli 2016, 09:13

    Ich bin enttäuscht.

    Du möchtest eine Verteidigungsschrift für die Political Correctness entwerfen und widmest Dich doch nur einem sehr engen Anwendungsbereich. Dazu hantierst Du noch mit höchst fragwürdigen Beispielen, im Grunde nur 2. Lohfink eignet sich denkbar schlecht als Exempel. Zum einen ist der Dame erst sehr spät bewusst geworden, dass sie sich vergewaltigt fühlte. Selbst nach ihrem ersten Verfahren war von großem Unrecht nicht die Rede. Das änderte sich erst, als sie selbst einem Anklageverfahren ausgesetzt wurde. Dass dabei alle Regeln des Anstandes und eines geordneten juristischen Verfahrens über Bord geworfen werden, scheint Dich nicht im mindesten zu interessieren. Willst Du, ähnlich dem Scharia-Recht, eine Justiz, die sich an ungeschriebenen, behaupteten Normen orientiert, statt an rechtsstaatlich entstandenen Gesetzen?

    Zudem zeichnest Du wie die meisten Befürworter der Sexualstrafrechtsreform das Bild einer schwachen, sexuell desinteressierten Frau. Unbeabsichtigt fällst Du in ein Rollenbild zurück, wogegen sich moderne Feministinnen seit Jahren zur Wehr setzen. Du machst Frauen wieder zu Opfern von Männern.

  • Wolf-Dieter Busch 13. Juli 2016, 11:20

    Mir fehlt der Bezug zu Political Correctness.

    Außerdem vewirrt mich die Aussage, Lohfink sei vergewaltigt worden, und zwar, weil nach meinem Wissen die Falschheit dieser Aussage gerichtlich festgestellt wurde. Ausdrücklich nicht wegen Promiskuität, sondern sachlich aufgrund gesichteter Filmaufnahmen. (Falls der Text – grundsätzlich legitim – widersprechen wollte, müsste er argumentieren.)

  • Stefan Sasse 13. Juli 2016, 13:36

    Mir geht es bei Lohfink überhaupt nicht um den Gerichtsprozess, sondern über die Reaktionen. Als der Vergewaltigungsvorwurf erstmals im Raum stand, war allenthalben zu lesen, dass sie ja entweder nicht ernstzunehmen sei oder es ja quasi passieren müsse – weil sie eben viel herumschläft. Dass sich dann herausgestellt hat dass es eine Falschbeschuldigung war macht diese Reaktionen ja nicht besser, weil man das ja erst durch Ermittlungen erfuhr. Das ist mein Punkt. Ansonsten zeigt Lohfink ja, dass das System funktioniert. Es wurde festgestellt, dass sie gelogen hat, und jetzt muss sie die Konsequenzen tragen.

    • In Dubio 13. Juli 2016, 14:05

      Du kritisierst das rechtsstaatlich Falsche. Der Vergewaltigungsprozess war abgeschlossen, medial war er nicht sehr prominent vertreten. Im Netz habe ich dazu auch wenig gefunden. Was Du behauptest, findet sich da jedenfalls nicht (so einfach).

      Nun wurden die Angeklagten nicht aus Mangel an Beweisen freigesprochen, sondern weil die Hauptbelastungszeugin sehr wahrscheinlich falsche Angaben gemacht hat. Trotz deutlicher Dokumente konnte eine Beweisführung zu Lasten der Beschuldigten nicht gelingen. Falsche Verdächtigung nennt man das und das ist ebenfalls eine Straftat.

      Doch was passiert? Zwei Jahre später (!) – zuvor wollte Lohfink keine Stellungnahme abgeben – geriert sich die 29jährige als verfolgte Unschuld und macht eine Medienkampagne daraus. Tweets werden geschaltet, selbst die Bundesregierung (!!!!!!!) nimmt zu einem laufenden Verfahren eindeutig Stellung. Das allein ist ein politischer und rechtsstaatlicher Skandal. Bei Dir ist es anscheinend political correct.

      Doch es geht weiter. Die verfolgte Unschuld instrumentalisiert den Gerichtsprozess, behauptet es sei ein Schauprozess, Aktivistinnen, bar jeder Kenntnis von Prozessdetails, demonstrieren für „Free Lohfink“ und ihre Anwälte machen auf ihr Geheiß bei einem Affentheater mit. Allein das rechtfertigt bei einer möglichen Verurteilung eine exemplarisch hohe (Geld-) Strafe.

      Wo war Frau Schwesig eigentlich beim Kachelmannprozess?

      Du versuchst Dich nun an diesem und einem eindeutigen Vergewaltigungsfall (der auch als solcher geahndet wurde) an dem Fingerzeig, dass Political Correctness notwendig sei. Mir zeigen diese Fälle lediglich, dass die Achtung vor dem Rechtsstaat systematisch unterhöhlt werden soll, aber dringend erhalten bleiben muss.

    • allenthalben 18. Juli 2016, 10:42

      „war allenthalben zu lesen,“

      Das war es nicht, dass nennt sich confirmation bias.

      Man findet natürlich immer irgendwelche facebook Kommentare, aber das ist nicht „allenthalben“.

      Im übrigen ist PC folgendes:

      Der Westen ist eine rape culture. „Allenthalben“ wird Vergewaltigungsopfern eine Mitschuld zugewiesen (Beleg: Twitter- und facebook-Kommentare). Der Westen ist außerdem (kultur-)rassitsich. Er hält sich für etwas besseres, als die arabische/nordafrikanische/islamische Kultur, die er zu unrecht als rape culture diffamiert. Dazu hat er aber kein Recht, denn das sind diese Kulturen nicht, in Afghanistan und vielen anderes islamischen Ländern gibt es schließlich weniger angezeigte Vergewaltigungen pro Kopf als im Westen und laut Vereinten Nationen ist die Dunkelziffer immer 90%, egal wo auf diesem Planeten. Das heißt die tatsächliche Anzahl an Vergewaltigungen ist immer 10 mal so hoch, die Gesamtzahl korreliert perfekt mit der Anzahl angezeigter Vergewaltigungen. Zur Bewertung des Frauenbildes im Islam haben wir also im Westen kein Recht, das wäre „weiße“ Überheblichkeit, insbesondere auch, weil wir in Europa im letzten Jahrhundert noch ein traditionelles Familienbild kannten, also damit unsere sexistische Kultur unter Beweis gestellt haben – und wegen der Kreuzzüge.

      Die rape culture ist also von kulturellen Unterschieden unbeeinflusst und erfasst alle Männer, kulturübergreifend. Es ist aber auch nicht biologisch bedingt, das wäre Biologismus, sondern echt nur kulturell bedingt – aber global, in jeder Kultur, sonst wäre man Kulturrasist, der othering betreibt, da er nicht aufgeklärt genug über seine eigene primitive Rückständigkeit nachdenkt. Nein, eine absurde Verschwörungstheorie ist das auch nicht, das ist eine Polemik von Maskus, das kann es also auch nicht sein.

      Nachdem wir also alle Alternativen ausgeschlossen haben, ist klar – insbesondere auch dadurch, dass diese fortschrittlichen Erkenntnisse des gender studies und SJW geleugnet werden – das wir eine rape culture sind, denn alle alternativen Sichtweisen sind moralisch Verwerflich und Rückständig und outen einen als Teil der rape culture.

      Amen.

  • Ralf 13. Juli 2016, 15:54

    In diesem Statement zeigt sich die andere Seite der rape-culture-Medaille: es gibt nicht nur eine Tendenz, dem Täter mehr Glauben zu schenken als dem Opfer

    Hmmm … das hat mit „Rape Culture“ eigentlich ueberhaupt nichts zu tun. Etwas anders ausgedrueckt, ist das eine Alternativformulierung des Prinzips „Im Zweifel fuer den Angeklagten“. Wer beschuldigt wird ein Verbrechen begangen zu haben, dem muss die Schuld nachgewiesen werden. Es reicht nicht, dass es einigermassen wahrscheinlich ist, dass der Angeklagte moeglicherweise die Tat begangen haben koennte.

    Was die neue „Nein heist Nein“-Rechtsprechung angeht, da wird man in Zukunft sehen muessen, wie die Gerichte das umsetzen. Eigentlich gibt es nur zwei Moeglichkeiten: Entweder es bleibt nach wie vor beim Grundsatz „Im Zweifel fuer den Angeklagten“. In dem Fall wird sich ueberhaupt nichts aendern. Das Opfer wird dann vor Gericht behaupten, sie haette nein gesagt. Der mutmassliche Taeter hingegen wird behaupten, sie haette ja gesagt. Und aus Mangel an Beweisen wird es zu keiner Verurteilung kommen. Oder die zweite Moeglichkeit, und das ist eine brandgefaehrliche Alternative, ist dass es de facto zu einer Umkehrung der Beweislast kommt. Dann reicht vor Gericht die Behauptung des Opfers, sie haette nein gesagt, einen mutmasslichen Taeter fuer Jahre ins Gefaengnis zu schicken und sein Leben voellig und unwiederbringlich zu ruinieren. Ohne dass jemals ein Fehlverhalten nachgewiesen wurde oder auch nur der Versuch unternommen wurde ein Fehlverhalten nachzuweisen. Ein willkuerliches Einkerkern ohne Beweise aber waere zweifellos das Ende des deutschen Rechtsstaats.

    Was mich ferner stoert, ist diese staendige Fixierung auf voellig lebensferne, untypische Vergewaltigungsfaelle, nur weil die gerade in den Medien aufgetaucht sind. Da wird der Fall Lohfink zum x-ten Male als repraesentativer Fall einer Vergewaltigung ausgegraben, obwohl es gerade hier sogar ein ausdrueckliches gerichtliches Urteil gibt, das nach gewissenhafter Untersuchung zum Schluss kam, dass eben keine Vergewaltigung stattgefunden hatte. Was die Leute auf der Strasse und an den Stammtischen dazu denken oder sagen, ist dabei uebrigens voellig irrelevant. Die Stammtische entscheiden nicht ueber Gefaengnisstrafen. Was zaehlt, ist einzig und alleine was die Gerichte nach einem ordentlichen Verfahren feststellen.

    Der zweite Fall, der hier immer wieder auf’s Tapet kommt, ist der Fall Brock Turner. Ebenfalls ein extrem untypischer Fall. Wie oft kommt es vor, dass ein Taeter an einem besinnungslosen Opfer herumfummelt (an sich schon mal hart an der Grenze der Definition einer Vergewaltigung, denn zum Geschlechtsverkehr ist es zwischen den beiden nie gekommen), das sich dann auch spaeter an rein garnichts erinnern kann? Wohlgemerkt hat sich das Opfer hier selbst in diesen Zustand befoerdert und ist nicht etwa mit KO-Tropfen oder aehnlichem gefuegig gemacht worden. Das mindert die moralische Schuld Turners natuerlich nicht, ist aber vor Gericht fuer das Urteil bedeutend. Denn der Richter muss letztlich in sein Urteil nicht nur die Schwere der Tat (und auch bei Vergewaltigungen gibt es da ein ganzes Spektrum, bei dem nicht alle Faelle gleich schwer sind), sondern auch die potentielle Wiederholungsgefahr, die Sozialprognose und auch die Vorgeschichte des Taeters mit einbeziehen. Im Falle Brock Turners handelt es sich meines Wissens nach um einen bis zum Tatzeitpunkt absolut unbescholtenen Buerger, der sich bis dahin nichts Gravierendes hat zu Schulde kommen lassen. Die Art der Tat deutet darueber hinaus daraufhin, dass die sehr speziellen Umstaende eine entscheidende Rolle dafuer gespielt haben, dass es zu der Situation ueberhaupt kam. Die Wiederholungsgefahr ist folglich eher gering. Der Taeter ist sozial gut integriert. Seine Sozialprognose (und gerade im Vergleich mit anderen Vergewaltigern) ist sehr wahrscheinlich so positiv, wie sie nur sein kann. All das spricht fuer ein Urteil, das eher am unteren, milderen Ende des Strafmasses liegt. Dazu ist es dann auch gekommen. Wieso ist das erstaunlich?

    Dass der Vater des Beschuldigten dann einen Brief geschrieben hat, mit dem Ziel seinem Sohn das Gefaengnis zu ersparen, ist nun auch wirklich nicht besonders verwunderlich. Der Vater hat keinerlei Verpflichtung objektiv zu sein. Und selbstverstaendlich ist er nicht objektiv. Wer das nicht verstehen kann, halt wohl keine Kinder. Und was dieser Brief die Oeffentlichkeit angeht, ist mir auch ein Raetsel. Schliesslich war das ja nicht ein offener Brief an die Menschen in aller Welt mit der Einladung sich den Mund ueber die tragischen Vorkommnisse zu zerreissen. Was die Kommunikation des Vaters mit dem Richter angeht, ist das weder Dein noch mein Business. Dass sich da voellig Unbeteiligte drueber echauffieren, begreife ich nicht. Ach ja, und die Formulierung mit den „20 minutes action“ mag vielleicht suboptimal gewesen sein, aber was der Vater offensichtlich ausdruecken wollte, ist dass man einen Menschen, der 20 Jahre lang ein unbescholtener Buerger war, nicht alleine aufgrund einer fatalen, schrecklichen Entscheidung verurteilen darf, die nur einen Bruchteil dieses Lebens ausgemacht hat. Man muss die Tat auch im Kontext sehen. Ist das so verkehrt? Gerade vor Gericht?

    All das gesagt, kann ich aber immer noch nicht erkennen, was Dein gesamter Artikel eigentlich mit Political Correctness zu tun hat. Ich sehe da gar keinen Bezug. Aber ich bin mal so nett und stelle einen her: Im Zuge der Beweisaufnahme im Falle Brock Turner wurde eine fruehere Schulfreundin des Angeklagten vom Gericht um eine Stellungnahme zu seiner Person gebeten. Sie kam der Forderung nach und zeichnete ein positives Bild des Taeters, so wie sie ihn gekannt hatte. Sie gab auch zu Protokoll, dass ihrer Meinung nach wohl der Alkohol und die Trink-Kultur in Stanford eine grosse Rolle bei der Tat gespielt haben. Freie Meinungsaeusserung? Sowas geht bei der Political Correctness-Mafia natuerlich garnicht. Da darf nur gesagt werden, was auch ins vorgefertigte Bild passt. Und dass der Angeklagte Turner in seinem gesamten Leben nicht immer nur ein hinterhaeltiges Monster war, passt natuerlich ueberhaupt nicht ins Bild. Diese Schulfreundin, eine Schlagzeugerin in einer Rockband, machte diese Erfahrung recht bald. Ein Konzert nach dem anderen wurde ihr gecancelt, mit der Begruendung sie haette eine falsche Meinung geaeussert und wuerde Sympathien fuer Vergewaltiger haben. Ich las damals ueber den Fall in einigen oeffentlichen Foren. Etwa jeder dritte Beitrag drueckte die Hoffnung aus, sie moege doch moeglichst bald mal das Opfer einer brutalen Vergewaltigung werden – jeweils mit Hunderten von Likes. Und das war leider noch lange nicht das Schlimmste, was man lesen durfte. Dabei war der Frau noch nicht einmal bewusst gewesen, dass ihre Stellungnahme oeffentlich gemacht wuerde. Am Ende war sie (und ihre Bandkollegen mit dabei) ruiniert. Weil sie vor Gericht das ausgesagt hatte, im besten Wissen und Gewissen, was sie dachte und glaubte. Ironischerweise haette sie sich und ihre Karriere retten koennen, wenn sie vor Gericht gelogen haette und einfach nur das nachgebetet haette, was der Lynch-Mob auf der Strasse schrie. Und das ist exakt die neue Political Correctness-Kultur! Hier der Artikel dazu:

    http://www.nydailynews.com/news/national/band-stanford-rapist-brock-turner-friend-dropped-gigs-article-1.2665340

    • In Dubio 13. Juli 2016, 16:32

      Ich denke ich muss das an dieser Stelle sagen: mir gefällt Ihre Argumentation und der klare rechtsstaatliche Gedanke.

      • Ralf 13. Juli 2016, 16:57

        Ist ja schoen, dass wir nicht immer unterschiedlicher Meinung sind ^^ 😉

    • sol1 13. Juli 2016, 21:05

      Ich habe den Brief der Frau gelesen – und muß sagen, daß es mir übel geworden ist:

      http://nymag.com/thecut/2016/06/brock-turners-friend-pens-letter-of-support.html#

      Vergewaltiger sind also Männer, die Frauen auf dem Parkplatz hinterrücks überfallen, aber der nette Schulfreund kann nie und nimmer ein Vergewaltiger sein. Schuld an Campus-Vergewaltigungen ist für jeden, der nicht durch Political Correctness verblendet ist, nur der Alkohol, der dort auf Parties in Strömen fließt.

      I think this is all a huge misunderstanding. I think that the bikers who found him did the right thing by keeping him there in case he was attempting rape, but that after the investigation, it should have found Brock to be innocent.

      Wenn das nicht rape culture ist, was dann?

      • Ralf 13. Juli 2016, 23:37

        @ sol1

        Ihnen steht selbstverstaendlich frei Ihre eigene Meinung zum Thema zu haben und Ihre Meinung sollte respektiert werden. Umgekehrt wird auch von Ihnen erwartet, dass Sie die Meinung anderer respektieren, wenn auch nicht teilen. Im konkreten Fall hat die alte Schulfreundin Brock Turners eine wesentlich bessere Kenntnis des Taeters als Sie. Sie hat ihn jahrelang gekannt, immer wieder erlebt und ist zu dem Urteil ueber ihn gekommen, zu dem sie gekommen ist. Das kann man ja erstmal einfach so stehen lassen.

        Vergewaltiger sind also Männer, die Frauen auf dem Parkplatz hinterrücks überfallen, aber der nette Schulfreund kann nie und nimmer ein Vergewaltiger sein. Schuld an Campus-Vergewaltigungen ist für jeden, der nicht durch Political Correctness verblendet ist, nur der Alkohol, der dort auf Parties in Strömen fließt.

        Dass der „nette Schulfreund nie und nimmer ein Vergewaltiger sein kann“ entstammt Ihrer Erfindung und steht nirgendwo in dem besagten Brief – noch nicht einmal implizit zwischen den Zeilen. Die Schulfreundin unterscheidet lediglich zwischen einer Vergewaltigung, wie die meisten Menschen sie definieren wuerden (unter Gewalt erzwungener Geschlechtsverkehr) und einer Situation, die moeglicherweise juristisch den Tatbestand einer Vergewaltigung erfuellen mag, aber eher in einer Grauzone, mindestens aber im Bereichs eines sehr ungewoehnlichen und wohl minderschweren Falles liegt. Man muss nicht jede Aussage in dem Brief teilen – ich teile beispielsweise die Einschaetzung, dass Brock Turner unschuldig ist nicht. Aber im Lichte der Tatsache, dass dies ein Fall am eher minderschweren Ende des Spektrums Vergewaltigung ist, ist eine Strafe angemessen, die dem Taeter die Moeglichkeit gibt sich wieder vollstaendig in die Gesellschaft zu rehabilitieren und die nicht sein Leben sozial voellig und endgueltig vernichtet. Der Richter hat das, aus meiner Sicht zurecht, auch so gesehen.

        • sol1 14. Juli 2016, 09:58

          Umgekehrt wird auch von Ihnen erwartet, dass Sie die Meinung anderer respektieren, wenn auch nicht teilen.

          Ich respektiere andere Meinungen, aber keine Lügen. Und eben solche verbreitet die Freundin von Turner in diesem Brief.

          Die Schulfreundin unterscheidet lediglich zwischen einer Vergewaltigung, wie die meisten Menschen sie definieren wuerden (unter Gewalt erzwungener Geschlechtsverkehr) und einer Situation, die moeglicherweise juristisch den Tatbestand einer Vergewaltigung erfuellen mag…

          Genau diese abstruse Unterscheidung ist der Kern von rape culture. Wieso soll das ein „minderschwerer Fall“ sein? Weil der Täter betrunken war? Er war nüchtern genug, um sein bewußtloses Opfer hinter einen Müllcontainer zu schleppen und, nachdem er ertappt wurde, davonzulaufen. Eine Strafmilderung wäre allenfalls in Betracht gekommen, wenn er sein Unrecht eingesehen und sein Opfer um Entschuldigung gebeten hätte. Stattdessen tischte er dem Gericht Lügengeschichten auf – offenbar, weil sein persönliches Umfeld diese gerne glaubt, wie der Brief seines Vaters und seiner Schulfreundin beweisen.

          • Wolf-Dieter Busch 14. Juli 2016, 12:28

            @sol1 – „Ich respektiere andere Meinungen, aber keine Lügen.“ – Sie kennen Turner, die Freundin, die Wahrheit? Bitte genaueres!

            „Wieso soll das ein „minderschwerer Fall“ sein?“ – Das Rechtssystem differenziert auch unabhängig vom Tatbestand in der Schwere der Schuld. Hat was zu tun mit Strafrechtsdogmatik. Bitte nicht unterschätzen, sie schützt auch dich vor ungerechter Strafe!

            • sol1 14. Juli 2016, 14:56

              Sie kennen Turner, die Freundin, die Wahrheit?

              Sie kennen die Fakten, die durch das Gerichtsverfahren bestätigen wurden?

              https://en.wikipedia.org/wiki/People_v._Turner

              …sie schützt auch dich vor ungerechter Strafe!

              Die fehlerhafte Anwendung der Strafrechtsdogmatik hat den Vergewaltiger (fettgedruckt, weil die Briefschreiberin, der hier unsäglicherweise applaudiert wird, schrieb „it should have found Brock to be innocent“) Brock Turner vor einer gerechten Stafe beschützt.

          • Ralf 14. Juli 2016, 14:02

            @ sol1

            Ich respektiere andere Meinungen, aber keine Lügen. Und eben solche verbreitet die Freundin von Turner in diesem Brief.

            Eine Luege ist eine objektive Unwahrheit. Sie scheinen den Begriff „Luege“ um subjektive Meinungen erweitert zu haben, die Sie nicht teilen.

            Wieso soll das ein „minderschwerer Fall“ sein?

            Dem herkoemmlichen Verstaendnis nach ist eine Vergewaltigung ein unter Gewaltanwendung oder zumindest Gewaltandrohung gegen den Willen des Opfers erzwungener Geschlechtsverkehr.

            Im vorliegenden Fall gab keine Gewaltanwendung, keine Gewaltandrohung. Es gab noch nicht einmal Geschlechtsverkehr.

            Was passiert ist, ist dass ein Besoffener an einer Hilflosen, die sich selbst ins Delirium getrunken hatte, herumgefummelt hat. Die Tat war nicht geplant, erfolgte offensichtlich spontan unter Einfluss von erheblichen Mengen Alkohol bei sowohl Taeter als auch Opfer, Der Taeter hat den paralysierten Zustand des Opfers dabei nicht absichtsvoll herbeigefuehrt. Der Taeter ist weiterhin bis zum Tatzeitpunkt ein unbescholtener Buerger gewesen, also kein Wiederholungstaeter, und es spricht gegenwaertig nichts dafuer, dass von einer hohen Wiederholungsgefahr ausgegangen werden muesste.

            Warum ist das ganze ein minderschwerer Fall? Eben weil wir den Vergleich zu leider sehr realen anderen Vergewaltigungsfaellen anstellen koennen. Faelle, in denen Serientaeter dutzende Opfer missbraucht haben. Taeter, die ihre Opfer durch brutale Gewalt oder durch die Hinterlist von KO-Tropfen gefuegig gemacht haben, manchmal nach praeziser, wochenlanger Planung. Da gibt es Faelle, in denen die Opfer nicht nur ihre Vergewaltigung Minute um Minute bewusst mitbekommen haben, sondern darueber hinaus in Todesangst waren, nicht wissend, ob sie die Tat am Ende ueberleben werden. Man stelle sich das Trauma vor, das die betroffenen Frauen den Rest ihres Lebens mit sich herumschleppen muessen.

            Solche Faelle sind schwere Faelle von Vergewaltigung. Die Tat von Brock Turner, so schaendlich und abstossend sie auch war, spielt nicht in der selben Liga und das hat das Gericht auch zurecht so festgestellt.

            • sol1 14. Juli 2016, 15:06

              Eine Luege ist eine objektive Unwahrheit.

              Was uns die Briefschreiberin auftischt, widerspricht den Fakten, die durch Zeugenaussagen und die Untersuchungen belegt sind, also handelt es sich um Lügen.

              Was zum Teufel gibt es an dieser Tat schönzureden? Ich nehme an, daß hier alle mal eine feuchtfröhliche Abiturienten- oder Studentenfeier mitgemacht haben und sich daher in die Lage eines jungen Mannes versetzen können, der sich neben einer jungen Frau befindet, die nach übermäßigem Alkoholeinfluß paralysiert ist. Als anständiger Mensch würde man sie an einen Ort führen, wo sie sicher ihren Rausch auschlafen kann. Wer stattdessen die Frau hinter einen Müllcontainer schleift, ihr das Höschen auszieht und seine Finger in die Vagina schiebt, ist ein Vergewaltiger.

              Wer diese Tat als „Herumfummeln“ verharmlost, hat ein so erbärmliches Männerbild, daß es mich schaudert.

              • Ralf 14. Juli 2016, 17:36

                Was uns die Briefschreiberin auftischt, widerspricht den Fakten, die durch Zeugenaussagen und die Untersuchungen belegt sind, also handelt es sich um Lügen.

                Eine Luege ist eine wissentliche Falschaussage. Ich finde in dem Brief von Turners Schulfreundin nichts, was diesen Tatbestand erfuellen wuerde.

                ihr das Höschen auszieht und seine Finger in die Vagina schiebt […] Wer diese Tat als „Herumfummeln“ verharmlost, hat ein so erbärmliches Männerbild, daß es mich schaudert.

                Die entsprechenden Handlungen sind mit dem Begriff „Herumfummeln“ zweifellos treffender beschrieben als der mit dem Begriff „Geschlechtsverkehr“. Eine Vergewaltigung im herkoemmlichen Sinne wuerde aber von den meisten Menschen als mit Gewalt erzwungener Geschlechtsverkehr verstanden. Juristisch mag der Begriff anders und weiter definiert sein. Aber egal ob man den Tatbestand als ein minderschweres Vergewaltigungsdelikt betrachtet oder als eine schwere sexuelle Belaestigung, es herrscht Einigkeit darueber, dass das Verhalten nicht in Ordnung war und bestraft gehoert. Diskutiert wird hier nur was ein angemessenes Strafmass waere.

                Was zum Teufel gibt es an dieser Tat schönzureden?

                Wer redet denn hier schoen? Wer hat denn bitte Turners Tat als „schoen“ bezeichnet?

                Darauf hinzuweisen, dass manche Straftaten schwerer und andere leichter wiegen, entschuldigt diese Straftaten nicht, rechtfertigt sie nicht und toleriert sie auch nicht.

                Als anständiger Mensch würde man sie an einen Ort führen, wo sie sicher ihren Rausch auschlafen kann.

                Ich finde es einigermassen erschreckend, dass Sie zu glauben scheinen, irgendwer hier wuerde Ihnen in diesem Punkt widersprechen.

                • sol1 14. Juli 2016, 19:30

                  Eine Luege ist eine wissentliche Falschaussage.

                  …und deswegen ist diese Briefschreiberin ebenso eine Lügnerin wie Gina-Lisa Lohfink.

                  Die entsprechenden Handlungen sind mit dem Begriff „Herumfummeln“ zweifellos treffender beschrieben als der mit dem Begriff „Geschlechtsverkehr“.

                  Die Traumatisierung für das Opfer ist dieselbe, zumal hier offensichtlich nur das Auftauchen von Passanten verhindert hat, daß nicht nur die Finger, sondern auch der Penis eingeführt wurden.

                  Diskutiert wird hier nur was ein angemessenes Strafmass waere.

                  Die verhängte Strafe ist angesichts des Strafrahmens ein Witz:

                  The convictions carried a potential sentence of 14 years in prison. Prosecutors recommended six years in prison while probation officials recommended a „moderate“ county jail sentence.

                  (aus dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel)

                  Wer redet denn hier schoen? Wer hat denn bitte Turners Tat als „schoen“ bezeichnet?

                  Was soll diese jämmerliche Wortklauberei?

                  Synonyme zu schönreden laut Duden:

                  bagatellisieren, beschönigen, idealisieren, schönen, verbrämen, verharmlosen, verschleiern; (gehoben) bemänteln; (umgangssprachlich) frisieren, herunterspielen; (besonders Politikjargon) schönrechnen

                  Ich finde es einigermassen erschreckend, dass Sie zu glauben scheinen, irgendwer hier wuerde Ihnen in diesem Punkt widersprechen.

                  Sie sollten besser über Ihre eigenen rape-culture-durchseuchten Postings erschrecken.

                  • Ralf 14. Juli 2016, 22:09

                    und deswegen ist diese Briefschreiberin ebenso eine Lügnerin

                    Das schreiben Sie nun bereits zum dritten Mal. Und wieder haben Sie keinerlei Belege fuer Ihre Aussage.

                    Die Traumatisierung für das Opfer ist dieselbe, zumal hier offensichtlich nur das Auftauchen von Passanten verhindert hat, daß nicht nur die Finger, sondern auch der Penis eingeführt wurden.

                    Verglichen mit einem Opfer, das eine konventionelle Vergewaltigung durchmachen musste, duerfte die Traumatisierung hier marginal sein. Das Opfer kann sich an den Akt ueberhaupt nicht erinnern.

                    Dem Beschuldigten darueber hinaus eine Tat anzuhaengen, die er nicht begangen hat, die er aber moeglicherweise potentiell haette begangen haben koennen, waeren die Umstaende andere gewesen, ist nicht nur juristisch extrem problematisch. Es zeigt recht deutlich mit welcher Willkuer hier argumentiert wird.

                    Die verhängte Strafe ist angesichts des Strafrahmens ein Witz

                    Brock Turner wird wegen eines minderschweren Delikts den Rest seines Lebens in einer oeffentlichen Sexualstraftaeterkartei gefuehrt werden. Welcher Arbeitgeber wird so jemanden noch einstellen? Welcher Vermieter wird so einen Mieter haben wollen? Jeder Nachbar wird wissen, dass er neben einem Sexualstraftaeter wohnt, ohne zu wissen, was eigentlich der Hintergrund des Falles war. Das Leben von Brock Turner ist mit der Strafe, die er bekommen hat, effektiv in vieler Hinsicht zerstoert worden. Lebenslaenglich. Ich frage mich, was Sie eigentlich fuer eine angemessene Strafe gehalten haetten. Die Hoechststrafe von 14 Jahren? Wenn selbst minderschwere Delikte mit drakonischen Haftstrafen belangt werden, dann bekommen Sie ein System wie das, das gegenwaertig in den USA herrscht. Dort sitzen fast 1% der erwachsenen Bevoelkerung im Gefaengnis. Wenn die, die auf Bewaehrung draussen sind, mit eingerechnet werden, dann sind es fast 3% aller Amerikaner. Die Ausgaben fuer die Gefaengnisse ueberschreiten die Ausgaben fuer Bildung um den Faktor 3. Tolles System! Und so erfolgreich. Bekanntlich liegt die Kriminalitaet in den USA ja auf beruhigend niedrigem Niveau …

                    Synonyme zu schönreden laut Duden:

                    bagatellisieren, beschönigen, idealisieren, schönen, verbrämen, verharmlosen, verschleiern; (gehoben) bemänteln; (umgangssprachlich) frisieren, herunterspielen; (besonders Politikjargon) schönrechnen

                    Danke fuer die Deutschstunde. Dennoch haben Sie leider das Thema verfehlt. Kein Mensch hat hier Brock Turners Tat schoengeredet, idealisiert, bagatellisiert oder verharmlost.

                    Sie sollten besser über Ihre eigenen rape-culture-durchseuchten Postings erschrecken.

                    Das ist natuerlich kompletter Unsinn. Aber wenigstens passt es hervorragend zum Thema Political Correctness und zeigt mit welch rueden Sprachmitteln auf diejenigen eingedroschen wird, die sich die Frechheit herausnehmen eine andere Meinung zu haben. Anschaulicher haette ich meinen Punkt eigentlich nicht machen koennen.

                    • Wolf-Dieter Busch 15. Juli 2016, 05:55

                      Das kann jetzt noch lange dauern … sol1 ist im Vollbesitz der Wahrheit.

                    • sol1 15. Juli 2016, 07:43

                      Verglichen mit einem Opfer, das eine konventionelle Vergewaltigung durchmachen musste, duerfte die Traumatisierung hier marginal sein. Das Opfer kann sich an den Akt ueberhaupt nicht erinnern.

                      Ein Musterbeispiel für die Bagatellisierung, die hier angeblich niemand betreibt.

                      Würden Sie dasselbe schreiben, wenn Ihre Freundin, Ehefrau oder Tochter Opfer einer solchen Tat gewesen wäre? Würden Sie auch dann noch dem Brief der Schulfreundin applaudieren? Würden Sie auch dann ignorieren, was das Opfer in seinem offenen Brief geschildert hat?

                      Aber wenigstens passt es hervorragend zum Thema Political Correctness und zeigt mit welch rueden Sprachmitteln auf diejenigen eingedroschen wird, die sich die Frechheit herausnehmen eine andere Meinung zu haben.

                      „Ich nehme mir nur heraus, eine andere Meinung zu haben, und deswegen wird auf mich mit rüden Sprachmitteln eingedroschen.“

                      Was für eine jämmerliche Doppelmoral, der hier obendrein Herr Wolf-Dieter Busch applaudiert…

                    • Ralf 15. Juli 2016, 13:06

                      Ein Musterbeispiel für die Bagatellisierung, die hier angeblich niemand betreibt.

                      Wo ist da bitte die „Bagatellisierung“? Ich habe geaeussert, dass ein Vergewaltigungsopfer, das unter Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurde und die Tat Sekunde fuer Sekunde voll bewusst mitbekommen hat und das darueber hinaus noch Todesaengste ausgestanden hat, nicht wissend, ob der Taeter sie danach wird laufen lassen, ein sehr, sehr viel schwereres Trauma den Rest ihres Lebens mit sich herumschleppen wird, als Brock Turners Opfer, das an den gesamten Vorfall – ein Vorfall irgendwo im Graubereich zwischen einer schweren sexuellen Belaestigung und einer minderschweren Vergewaltigung – keinerlei Erinnerung hat. Eigentlich ist das so offensichtlich, dass es traurig ist, dass man da noch offen drauf hinweisen muss.

                      Würden Sie dasselbe schreiben, wenn Ihre Freundin, Ehefrau oder Tochter Opfer einer solchen Tat gewesen wäre?

                      Waere meine Freundin, Ehefrau oder Tochter das Opfer einer solchen Tat, waere ich als direkt Betroffener nicht mehr in der Lage ein objektives und damit ein faires Urteil zu faellen. Aus diesem Grund ist in diesem Land Selbstjustiz zurecht verboten. Urteile werden von Richtern gesprochen, die nicht direkt vom Fall betroffen sind, die selbst weder mit Taeter noch mit Opfer verwandt oder bekannt sind, und deshalb hoffentlich zu einem gerechten, objektiven Urteil kommen koennen.

                      Würden Sie auch dann noch dem Brief der Schulfreundin applaudieren?

                      Vielleicht wuerden Sie mich netterweise aufklaeren, an welcher Stelle ich dem Brief der Schulfreundin applaudiert haben soll. Die Schulfreundin ist nicht von mir, sondern vom Gericht gebeten worden eine Stellungnahme zu Brock Turners Charakter abzugeben. Das Gericht muss sich nunmal ein Bild von dem Taeter machen, um eine vernuenftige Sozialprognose erstellen zu koennen und auch um sich Klarheit zu verschaffen, wie es moeglicherweise zur Tat kommen konnte. Die Schulfreundin leistete dieser Aufforderung des Gerichts Folge. Ihre Einschaetzung mag man teilen oder nicht teilen, aber wir koennen ihr nicht das Recht – und in diesem Falle sogar die Pflicht – absprechen, den Taeter nach bestem Wissen und Gewissen zu beschreiben. Sie kennt den jungen Mann halt aufgrund vieler Kindheitserinnerungen und Erinnerungen in der gemeinsamen Zeit als Schueler. Im Gegensatz zu Ihnen hat sie Brock Turner nicht aus der Zeitung kennengelernt und weiss nicht nur ueber die halbe Stunde, die ihn so weltberuehmt gemacht hat, dass jetzt selbst in einem wenig frequentierten deutschen Politikblog darueber geschrieben wird. Sie hat mit ihm positive Erfahrungen gemacht und es war richtig und wichtig, dass sie diese dem Gericht mitgeiteilt hat. Darum ging es ja schliesslich. Das Gericht muss den Taeter eben auch jenseits dieser halben Stunde kennenlernen, um die es im konkreten Verfahren geht. Die Schulfreundin schrieb weiter, dass sie sich nicht vorstellen kann, dass ihr ehemaliger Freund zum Vergewaltiger wuerde. Diese Einschaetzung ist aus ihrer Perspektive absolut nachvollziehbar. Sie nahm ferner – wohl auch zurecht – an, dass der ausser Kontrolle geratene Alkoholkonsum viel damit zu tun hatte, was passiert ist. Dem Gericht hat der Brief geholfen ein besseres Bild des Angeklagten zu bekommen. Und nochmal: Das ist die AUFGABE und PFLICHT des Gerichts. Dass die Stammtische an solcher Information nicht interessiert sind, den Taeter lieber ausschliesslich ueber sein Verbrechen definieren und am liebsten am naechsten Baum aufknuepfen wuerden, ist schon klar. Gottseidank sprechen Stammtische aber in diesem Land keine Urteile, sondern objektive Richter nach ausfuehrlicher Pruefung des Falls. Wie man hier an dieser Diskussion sieht, muessen wir dafuer mehr als dankbar sein.

                      Würden Sie auch dann ignorieren, was das Opfer in seinem offenen Brief geschildert hat?

                      Es ist das gute Recht des Opfers sich mit einem Brief an die Oeffentlichkeit zu wenden. Ich habe den Brief gelesen. Dass die Situation fuer die junge Frau schlimm ist, ist nachvollziehbar. Wer wuerde das nicht verstehen? Aber fuer die Verurteilung des Taeters zaehlt nicht, was das Opfer in offene Briefe schreibt, sondern was das Opfer vor Gericht aussagt.

                      Was für eine jämmerliche Doppelmoral

                      Wenn man keine Argumente mehr hat, verschaerft sich in der Regel der Ton ^^

                    • sol1 15. Juli 2016, 13:57

                      Wir drehen uns im Kreis, und der Grund dafür ist mir klar geworden, nachdem ich das ursprüngliche Posting noch einmal gelesen habe:

                      Freie Meinungsaeusserung? Sowas geht bei der Political Correctness-Mafia natuerlich garnicht. Da darf nur gesagt werden, was auch ins vorgefertigte Bild passt.

                      Es ist offensichtlich, daß alles, was ich geschrieben habe und schreiben werde, in das vorgefertigte Bild einer „Political-Correctness-Mafia“ eingeordnet wird, denn die Leute, die sich am lautesten über PC beschweren, vertreten selbst eine eigene Form der PC, in der sogar eine Vergewaltigung zu einem „großen Mißverständnis“ („huge misunderstanding“) werden kann.

                      Mich wundert es allerdings, daß In Dubio diese Argumentation gefallen hat, aber in dubio nehme ich an, daß er das Posting nur flüchtig gelesen hat.

                    • Ralf 15. Juli 2016, 15:09

                      Es ist offensichtlich, daß alles, was ich geschrieben habe und schreiben werde, in das vorgefertigte Bild einer „Political-Correctness-Mafia“ eingeordnet wird, denn die Leute, die sich am lautesten über PC beschweren, vertreten selbst eine eigene Form der PC, in der sogar eine Vergewaltigung zu einem „großen Mißverständnis“ („huge misunderstanding“) werden kann.

                      Ich habe nirgendwo von einem „grossen Missverstaendnis“ gesprochen und schon gar keine Vergewaltigung mit einem Missverstaendnis gleichgesetzt. Der Begriff „misunderstanding“ kam aus besagtem Brief von Turners Schulfreundin, in dem sie ihre Einschaetzung aeusserte, dass sie sich nicht vorstellen koenne, dass ihr ehemaliger Freund zu einem Vergewaltiger wuerde. Die Schulfreundin war selbst nicht vor Ort, hat nie behauptet vor Ort gewesen zu sein, sondern hat einen Brief aus ihrer Perspektive, aus der Perspektive ihrer eigenen, persoenlichen Erfahrungen mit Brock Turner geschrieben. All das einer Aufforderung der Gerichts nachkommend und nach bestem Wissen und Gewissen. Daran ist nichts schaendliches. Im Gegenteil. Das war ihre Pflicht als Buerger.

                      Das Gericht muss dann selber bewerten, in wie weit es die Einschaetzungen und Charakterbeschreibungen, UM DIE ES SELBST GEBETEN HAT, in das Urteil einfliessen laesst. Dass solche Briefe moeglicherweise ein hohes Mass an Subjektivitaet enthalten, weil der Schreiber ueber jemanden spricht, den er lange kennt, ist auch dem Richter bewusst und wird in diesen Faellen in die Bewertung miteinbezogen werden. Turners Schulfreundin ist dabei kein juristischer Profi. Sie ist Musikerin und hat lediglich den Beitrag zum Verfahren geleistet, der von ihr eingefordert worden ist. Der Brief richtete sich darueber hinaus ausschliesslich an das Gericht und nicht an Sie oder an die breite Oeffentlichkeit.

                      Egal wie man die Tat Brock Turners abschliessend bewertet, seine Schulfreundin hat auf jeden Fall niemanden vergewaltigt. Sie hat niemandem weh getan, sie hat niemandem Gewalt angetan. Man mag ihre Einschaetzung der Tat wichtig oder irrelevant finden. Man mag ihre Worte gut oder schlecht gewaehlt finden. Man mag sich wuenschen, sie haette die Perspektive des Opfers staerker beruecksichtigen sollen oder man kann meinen, dass es in Ordnung war, dass sie sich auf Turner und seinen Charakter und seine Geschichte beschraenkt hat. Man mag es gerechtfertigt finden, dass sie sich zu der Behauptung hinreissen liess, Brock Turner sei wahrscheinlich unschuldig oder man argumentieren, sie sei dabei weiter gegangen als noetig. Aber all das macht die Schulfreundin nicht zu einer Verbrecherin.

                      Trotzdem wird sie wie eine behandelt. Ihre Karriere, und die ihrer Bandkollegen gleich mit, ist ruiniert, vernichtet worden. Wer den Namen ihrer Band in Google eintippt, findet dutzende Seiten mit sehr persoenlicher und erschreckend aggressiver Hasspresse. Wer sich durch die Foren liesst, findet hunderte Posts, in denen sich Schreiber in oft grausamen Details ausmalen, wie sie doch mal ordentlich vergewaltigt werden sollte. Wiederum hunderte andere Leser versehen diesen Dreck mit Likes. Wer Bedenken ueber die Redlichkeit solcher Aussagen aeussert, wird von ganzen Rudeln mit Schmutz beworfen, beschimpft, beleidigt und selbst zum Vergewaltiger erklaert. Die ganze Sache ist einfach nur noch erschreckend.

                      Diese Schulfreundin ist dabei keine Medienexpertin, sie ist keine geschliffene Rhetorikerin, keine Politikerin, sie hat nicht Jura studiert. Sie ist ein einfacher Mensch. Selbst wenn sie mit ihrer Erklaerung einen Fehler gemacht haette. Ihre Karriere, alles wofuer sie in den letzten Jahren gearbeitet hatte, ist mit aller Wucht von einem Online-Mob in einem Schlag vernichtet worden. Ein Mob, der kein Erbarmen kennt, der nicht duldet, dass jeder sich auch mal falsch ausdrueckt oder sogar Fehler macht. Ein Mob, dem jede Menschlichkeit abhanden gekommen ist.

                      Und dieser Fall reiht sich nahtlos ein in eine ganze Liste von aktuellen Faellen, in denen ganz normale Buerger wegen einem misslungenen Witz, wegen einer dummen, moeglicherweise im Aerger getaetigten Aeusserung, wegen irgendwelcher Lappalien, oder wie in diesem Falle wegen einer von einem Gericht einbestellten Aussage alles verlieren: Ruf, Freunde, Arbeit, Umfeld. Das ist es, was ich der Political Correctness-Bewegung vorwerfe. Deren Ziele moegen edel klingen. In der Praxis aber bedient sie sich der rabiaten Methoden eines Lynch-Mobs. Da wird geurteilt ohne Verfahren. Da wird der Schuldige metaphorisch an den naechsten Baum geknuepft und dann zieht die Meute weiter und sucht sich ihr naechstes Opfer.

                    • sol1 16. Juli 2016, 06:24

                      All das einer Aufforderung der Gerichts nachkommend…

                      Daß sie damit einen Fehler gemacht hat, hat sie mittlerweile (und leider zu spät) eingesehen:

                      https://www.facebook.com/leslie.rasmussen.35/posts/10208252753470286

                      Was den Shitstorm betrifft, so wissen wir alle, daß die über das gesamte politische Spektrum auftreten und nicht von irgendeiner ominösen Political-Correctness-Bewegung gesteuert werden. Und Sie machen letztendlich auch nichts anderes als die Shitposter, wenn sie ohne Belege von Hunderten von Vergewaltigungswünschen und einer vernichteten Karriere faseln.

                      Wer übertriebene Reaktionen im Internet kritisiert, sollte selbst nichts übertreiben.

                    • Ralf 16. Juli 2016, 10:45

                      Daß sie damit einen Fehler gemacht hat, hat sie mittlerweile (und leider zu spät) eingesehen

                      Ja, die Frau hat ihren Fehler eingesehen. Allerdings nicht so, wie Sie meinen. Sie hat eingesehen, dass es falsch war vor Gericht ihre ehrliche Meinung zu sagen; dass es falsch war nach bestem Wissen und Gewissen auszusagen. Was wird wohl das naechste Mal passieren, wenn sie die Bitte eines Gerichts erhaelt etwas ueber einen Taeter auszusagen? Sie wird ihre Karriere abwaegen gegenueber dem Ideal von Ehrlichkeit. Und sich dann, getrieben von ihrer Erfahrung, dafuer entscheiden den Mund zu halten. Zu luegen falls noetig. Sich still einzureihen in den hexenjagenden Mob. Bloss nicht auffallen. Was fuer ein Sieg fuer die Political Correctness.

                      Wie weit die Einschuechterungstaktik, mit der die aufrichtige Frau in die Kapitulation gepruegelt worden ist, aufgegangen ist, zeigt sich bereits ganz am Anfang ihres Statements. Da sagt sie:

                      Although I was asked to share how I knew him […] and any other opinion I had on the matter, I was not there that night. I had no right to make any assumptions about the situation.

                      Das Gericht bittet ausdruecklich darum, ihre Meinung zum Fall zu hoeren, falls sie eine hat, aber sie weiss jetzt, dass sie kein Recht hatte eine Meinung zu haben. Dass sie bei der Tat nicht anwesend war, wusste das Gericht schliesslich auch vor der Einladung. Das Gericht wollte die Meinung trotzdem hoeren. Aber sie darf ja keine haben. In letzter Konsequenz bedeutet dass, dass der Internet-Mob entscheidet, was vor Gericht noch ausgesagt werden darf. Wer nicht in Reih und Glied steht, wird zerstoert. Ehrlich gesagt, da kann einem nur noch Angst und Bange werden.

                      Was den Shitstorm betrifft, so wissen wir alle, daß die über das gesamte politische Spektrum auftreten und nicht von irgendeiner ominösen Political-Correctness-Bewegung gesteuert werden. Und Sie machen letztendlich auch nichts anderes als die Shitposter, wenn sie ohne Belege von Hunderten von Vergewaltigungswünschen und einer vernichteten Karriere faseln.

                      Dass die Political Correctness-Bewegung von einzelnen gesteuert wird, hat niemand behauptet. Es gibt viele Gruppen, alle mit ihren eigenen Interessen und Lieblingsthemen. In ihren Methoden sind sie alle identisch.

                      Was Belege angeht, ich habe mich damals, als der Fall aktuell war, lange durch oeffentliche Foren gelesen. Haben Sie sich die Muehe gemacht? Dass eine Vielzahl von Gigs der Band gecancelt worden sind, ist darueber hinaus ausgiebig belegt. Wenn Sie ein bisschen Verstaendnis davon haetten wie die kurzlebige Musikbranche funktioniert, wuerden Sie verstehen, was es fuer eine kleine, aufstrebende Band heisst, eine komplette Saison lang ausgeschaltet zu sein. Dazu kommt die Rufschaedigung, auf Verkaufsportalen wie Amazon und anderen, hier ein Beispiel:

                      https://www.amazon.com/Good-English/dp/B01C1E8PTK/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1468664472&sr=8-1&keywords=good+english#customerReviews

                      Zu dieser Rufschaedigung wurde uebrigens im Internet offen aufgerufen. Der aufgescheuchte Mob wurde ausdruecklich aufgefordert, auf diese Seiten zu gehen und Brock Turners Schulfreundin mit negativen Reviews ihren Brief heimzuzahlen. Was eine (musikalisch voellig unbegruendete) 1-2 Sterne Durchschnittswertung bei wichtigen Verkaufsportalen fuer die Band wirtschaftlich bedeutet (wohlgemerkt die gesamte Band in Sippenhaft, nicht nur besagte Schulfreundin), muss auch nicht weiter erlaeutert werden.

                      Und wofuer das alles? Weil die Frau ihrer Pflicht nachgekommen war, offen und ehrlich, nach bestem Wissen und Gewissen, vor Gericht auszusagen. Als der Shitstorm losbrach postete sie nochmal eine lange Erklaerung ihres Briefes, erlaeuterte was sie gemeint hatte, versuchte einen friedlichen Ausweg zu finden. Die Reaktion des Mobs war die Vernichtung ihrer Karriere. Die Facebookseite der Band musste zeitweise vom Netz genommen werden. Der Hass, die Aggression, die Verachtung, die ueber den drei Musikerinnen losbrach, war kaum noch mit Worten zu beschreiben. Nun hat sie unter extremem oeffentlichen Druck eine Kapitulationserklaerung unterschrieben. Die Kapitulation vor dem Lynch-Mob. Mir ist unbegreiflich, dass Sie das zu begruessen scheinen.

                    • sol1 16. Juli 2016, 14:18

                      Was Belege angeht, ich habe mich damals, als der Fall aktuell war, lange durch oeffentliche Foren gelesen. Haben Sie sich die Muehe gemacht?

                      Nein. Warum auch? Wenn Sie Behauptungen aufstellen, müssen Sie selbst belegen und nicht Ihr Diskussionspartner.

                      Aber nehmen wir doch einmal den vergleichbaren Fall eines anderen jungen Sportlers:

                      http://www.nydailynews.com/sports/football/wrongfully-convicted-brian-banks-disgusted-brock-turner-ruling-article-1.2663595

                      Da hat keine Schulfreundin in einem Brief an das Gericht alle möglichen Vergewaltigungsmythen aufgeführt. Da hat kein Richter vom Vater sich erzählen lassen, daß seinem bedauernswerten Sohn die Steaks nicht mehr schmecken.

                      Da wurde der Angeklagte für eine Tat, die er nicht begangen hatte, zu sechs Jahren verurteilt, nachdem ihm ein falsches Geständnis abgepreßt worden war.

                      Banks is „surprised“ the courts found a way to consider Turner’s background and that „he wouldn’t know how to deal with career criminals.“

                      Nobody took that into consideration for Banks. He was just 16 and he was an innocent man. „You know a man is guilty, so why aren’t we unleashing half of the punishment that was unleashed on Brian Banks when he was innocent and there was no evidence?“ he said. „They gave me six years. They gave him six months.“

                      Banks feels the female victim in the Turner case „has been totally ignored. She has to live with her hardship and tragedy for the rest of her life.“

                    • Ralf 16. Juli 2016, 16:47

                      Nein. Warum auch?

                      Komische Frage. Weil es hilfreich waere, die Faktenlage zu kennen, bevor man sich eine
                      Meinung bildet.

                      Aber nehmen wir doch einmal den vergleichbaren Fall eines anderen jungen Sportlers

                      Also zunaechst mal sind die beiden Faelle mitnichten vergleichbar. Im Falle von Brian Banks ging es um eine Vergewaltigung. Deshalb war auch das Strafmass deutlich hoeher. Im Falle Brock Turner wurden die beiden Anklagevorwuerfe bezueglich Vergewaltigung noch vor Beginn des eigentlichen Verfahrens fallen gelassen. Weil zweifelsfrei gezeigt werden konnte, dass es nicht zu einer Vergewaltigung gekommen war. Deshalb war auch das Strafmass deutlich geringer. Sie haben doch oben selbst den Wikipedia-Artikel zur Tat gepostet. Vielleicht sollten Sie die Artikel, die Sie verlinken, auch mal lesen.

                      Auch ansonsten gibt es zwischen den Faellen Turner und Banks wenig Vergleichbares. Banks wurde zu Unrecht beschuldigt, waehrend. Turners Schuld vom Gericht nie bestritten worden ist. In Banks Fall gab es eine kristallklare Aussage des potentiellen Opfers, auch wenn sie erfunden war. Es leuchtet ein, dass das Gericht dazu tendierte dem Opfer zu glauben. In Turners Fall hingegen konnte das Opfer keinerlei Informationen zum Tatablauf beisteuern. Sie konnte noch nicht einmal bestaetigen, dass die Tat wirklich stattgefunden hatte oder was unmittelbar vorher passiert war. In Banks Fall wurde ein falsches Gestaendnis abgepresst, ein klares und fatales Versagen des Rechtsstaats. In Turners Fall gab es keine juristischen Unregelmaessigkeiten. Das unterschiedliche Strafmass, das angesetzt wurde, erklaert sich weitestgehend aufgrund der unterschiedlichen Delikte, die den Taetern vorgeworfen wurden (Rape gegenueber Sexual Assault).

                      You know a man is guilty, so why aren’t we unleashing half of the punishment that was unleashed on Brian Banks when he was innocent and there was no evidence?“ he said

                      Muss ich hier wirklich erlaeutern, weshalb man nicht einfach die halbe Strafe des einen Straftaeters auf einen anderen Straftaeter uebertragen kann, der ein anderes Verbrechen begangen hat, nur weil sich im Nachhinein herausstelllt, dass der erste Taeter unschuldig war?

                      Da hat keine Schulfreundin in einem Brief an das Gericht alle möglichen Vergewaltigungsmythen aufgeführt. Da hat kein Richter vom Vater sich erzählen lassen, daß seinem bedauernswerten Sohn die Steaks nicht mehr schmecken.

                      Von Vergewaltigungsmythen kann in dem Brief der Schulfreundin ueberhaupt keine Rede sein und den Brief des Vaters auf den Geschmack von Steaks zu reduzieren, ist unwuerdig. Mir tut es leid, wenn Brian Banks nicht die Unterstuetzung seiner Familie hatte. Wenn sich keiner gefunden hat, der auch seine positive Seite fuer das Gericht beleuchtet. Vielleicht hat sich das Gericht hier auch nicht sonderlich bemueht. Schwarze werden in den USA oft in juristischen Prozessen benachteiligt. Das ist ein ganz anderes, zugegebenermassen trauriges Thema. Aber selbst wenn es tatsaechlich im Falle Brian Banks zu einer Vergewaltigung gekommen waere, wuerde ich es auch hier fuer unverantwortlich halten einen zum Tatzeitpunkt 16-Jaehrigen fuer 6 Jahre ins Gefaengnis zu stecken, wenn es sich dabei um einen Ersttaeter handelt und eine gute Sozialprognose gestellt werden kann.

                    • sol1 16. Juli 2016, 19:03

                      Weil es hilfreich waere, die Faktenlage zu kennen, bevor man sich eine
                      Meinung bildet.

                      Das ist es tatsächlich. Aber wer sich auf eine angebliche Faktenlage beruft, ist in der Pflicht, diese selbst zu belegen. Und das einzige, was Sie belegt haben, waren idiotische Klingelstreichmanöver auf Amazon.

                      Weil zweifelsfrei gezeigt werden konnte, dass es nicht zu einer Vergewaltigung gekommen war.

                      Der Mann hat nur seine Finger in die Frau gesteckt und nicht seinen Schwanz. Was erlaubt sich da nur das Opfer, sich ebenso traumatisiert zu fühlen, als ob letzteres geschehen wäre?

                      Von Vergewaltigungsmythen kann in dem Brief der Schulfreundin ueberhaupt keine Rede sein…

                      Verarschen kann ich mich alleine.

                      http://www.bustle.com/articles/165359-7-rape-myths-from-brock-turners-friend-leslie-rasmussens-statement-debunked

                    • Ralf 16. Juli 2016, 22:43

                      idiotische Klingelstreichmanöver auf Amazon

                      Sie scheinen wirklich keinen blassen Schimmer vom Musikbusiness zu haben. Auf allen gaengigen, grossen Musikportalen unterirdische (Durchschnitts-)Bewertungen zu haben, bedeutet in der Praxis, dass diese Band de facto keine CDs mehr absetzt. Der wirtschaftliche Schaden fuer die Musiker ist total und bedeutet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Ende der Karriere. Denn wenn sich ihre CD nicht mehr verkauft, findet sich auch keine Plattenfirma mehr, die Geld in die naechste Scheibe investieren wuerde. Schliesslich gibt es Musiker und Bands, die gefoerdert werden wollen, wie Sand am Meer. Wer investiert schon in ein unnoetiges Risiko? Und die Amazon-Bewertungen sind auch kein kurzfristiger Kinderstreich, der morgen wieder vorbei ist. Diese Bewertungen, und folglich auch die Durchschnittsbewertungen ALLER ALBEN der Band, werden langfristig, fuer die naechsten Jahrzehnte dort stehen bleiben. Man hat der armen Frau ihre Karriere voellig zerstoert. Grundlos. Fuer nichts und wieder nichts. Dass Sie das ein „Klingelstreichmanoever“ nennen, ist einfach nur noch erschreckend.

                      Der Mann hat nur seine Finger in die Frau gesteckt und nicht seinen Schwanz. Was erlaubt sich da nur das Opfer, sich ebenso traumatisiert zu fühlen, als ob letzteres geschehen wäre?

                      Sorry, aber ob sich das Opfer traumatisiert fuehlt, und wenn ja, wie sehr es sich traumatisiert fuehlt, hat keinen Einfluss darauf, ob die Tat als Vergewaltigung oder als Sexual Assault eingeordnet wird.

                      Verarschen kann ich mich alleine.

                      In der Tat, das koennen Sie ganz offensichtlich. Brock Turners Schulfreundin hat einen Brief geschrieben, der, dem Anlass entsprechend, auf Brock Turner bezogen war. Ihren Brief so zu interpretieren, als habe sie ganz generell und allgemein fuer die breite Oeffentlichkeit und fuer interessierte Leser in aller Welt erklaeren wollen wie Vergewaltigungen zustande kommen, ist voellig absurd. Da wird etwas in den Brief hineingelesen, was interessierte Gruppen dort unbedingt finden wollen. Mit der Realitaet hat das leider ueberhaupt nichts zu tun.

    • allenthalben 18. Juli 2016, 10:53

      Der Bezug zur PC?

      Ich denke, der ist klar:

      Stephan Sasse hat eine Meinung. Er findet die Kritik daran ungerechtfertigt und nicht stichhaltig. Wer im widerspricht, der ist nur ein Primitivling, der den Segen der PC noch nicht verstanden hat, obwohl sein Weltbild (aus seiner Sicht) klar und in sich schlüssig ist.

      Oder in anderen Worten: Er sieht seine Sichtweise als die politisch Korrekte und Kritik daran als politisch Unkorrekt. Um die PC zu verteidigen müsse er nun lediglich darlegen, wie in sich geschlossen sein Weltbild ist.

      Das andere unter PC einen Stil verstehen, eine Meinung zu verbreiten, nicht unbedingt die Meinung selber, kommt ihm nicht in den Sinn. Genau das aber macht gerade einen teil des nerfigen PC-Stils aus.

  • Wolf-Dieter Busch 13. Juli 2016, 20:56

    Nach Ralfs hervorragendem Kommentar kann eigentlich nichts mehr kommen. Trotzdem noch dies:

    „Das ist, was wir unter rape culture verstehen.“ – Nein. Rape bedeutet Vergewaltigung. Culture bedeutet (Sub-)Kultur. Das Online-Wörterbuch dict.cc übersetzt rape culture mit „Vergewaltigungskultur“.

    Ich finde es nicht in Ordnung, dass du den Begriff rape culture unter Verwendung deiner eigenen Definition verteidigst. Der Begriff ist suggeriert einen Tatbestand, der nur als Beleidigung zu deuten ist. Ich habe noch nie eine Vergewaltigung gutgeheißen und kenne niemanden, der das tut. Ich erlaube mir darum, die Beleidigung persönlich zu nehmen.

    „Leider werden Vergewaltigungen immer noch als etwas betrachtet, das (…) nur von richtig bösen Männern gewalttätig verübt wird.“ – Falsch, lieber Stefan: Vergewaltigung ist verbunden mit Beugung des Willens. Sie wird ausschließlich von richtig bösen Männern verübt! Das ist kein Missverständnis, sondern im Sinn des Wortes enthalten.

    Ich habe – in Studienzeiten – gelegenlich von Mädels gehört, dass sie mit einem Komilitonen geschlafen hätten, und nach Gesichtsausdruck zu schließen war es eher enttäuschend. Das war missglückter Sex, gibts im richtigen Leben, ist aber keine Vergewaltigung. Ich bitte auch hier DRINGEND um korrekte Verwendung der Sprache.

    Sorry, aber grad ist mir die Galle hochgekommen.

  • Floor Acita 21. Juli 2016, 10:14

    Es ist interessant was man hier in den Kommentaren so zu lesen bekommt. Das allein ist der Beweis der Existenz von rape culture. Ich wäre echt mal daran interessiert zu sehen, ob die Beschreibung des Tathergangs ähnlich wäre, wäre man selbst betroffen, oder das Opfer generell ein Mann…

    „Ich war letztens auf einer Party und ziemlich gut drauf, man war ich breit. Dann kam der Tony, ziemlich widerlicher Typ so und auch ziemlich betrunken. Ich hab dann gar nicht mehr viel mitbekommen, bis ich auf der Polizeiwache wieder zu mir kam. Anscheinend hatte er mich im Vollrauch hinter ein paar Mülltonnen geschleift, mir die Hose runtergezogen mir einen runtergeholt und ein paar Finger in den Allerwertesten eingeführt – LOL – bisschen rumfummeln halt – minderschwerer Fall“ schwer vorstellbar

    • Ralf 22. Juli 2016, 00:29

      Nein, ueberhaupt nicht schwer vorstellbar. Und hier wird bei manchen ein immer absurderes Rechtsverstaendnis deutlich. Dass im Fall Brock Turner keine Vergewaltigung vorgelegen hat, dafuer muss man ja nicht mein Wort nehmen. Ein amerikanisches Gericht hat das ganz offiziell so festgestellt. Daran ist noch nicht einmal der angeblich zu milde Richter schuld, sondern die Anklage ging der Frage ausdruecklich nach und liess den Vergewaltigungsvorwurf fallen, weil nach DNA-Tests zweifelsfrei erwiesen war, dass er gegenstandslos war. Jetzt klagen die Kommentatoren hier, Brock Turner haette trotzdem wegen Vergewaltigung verurteilt werden sollen, damit ein hoeheres Strafmass erzielt werden kann, auch dann, wenn sein Delikt den Straftatbestand einer Vergewaltigung nicht erfuellt. Das Aequivalent dazu waere, einen Taeter, der jemand anderen zusammengeschlagen hat, wegen Mordes zu verurteilen, obwohl das Opfer ueberlebt hat und ein Mord folglich nicht stattgefunden hat. Nur weil man dem Taeter eine haertere Strafe aufbrummen moechte. Was fuer ein Rechtsstaatverstaendnis muss jemand haben, um auf eine solch absurde Idee zu kommen?

      Weshalb die Argumentation, wie man urteilen wuerde, wenn man selbst von einem Verbrechen betroffen waere, grundfalsch ist, habe ich uebrigens weiter oben bereits ausgefuehrt. Da Sie keinen neuen Punkt auf’s Tapet bringen, kann die Antwort also dort nachgelesen werden.

      Und vielleicht nochmal ein paar Worte zu diesem Pop-Begriff „Rape Culture“, der hier staendig als Totschlagsargument in den Raum geworfen wird. Stefan Sasse schreibt dazu weiter oben: „Gemeint ist hiermit nicht eine Gesellschaft, die Vergewaltigungen zum Standard erhebt, sondern eine, die sie ermöglicht und es den Tätern sowohl erleichtert die Tat selbst durchzuführen als auch danach ungestraft davonzukommen.„. Aber das ist natuerlich so nicht ganz richtig. Der Begriff, ein von gewissen Interessengruppen kuenstlich geschaffenes Wortkonstrukt, soll selbstverstaendlich exakt den Eindruck erwecken, dass es hier um Gesellschaften ginge, in denen Vergewaltigungen mindestens vollstaendig als „normal“ geduldet werden, wenn sie nicht sogar aktiv gefoerdert, glorifiziert und als positiv gewertet werden. Immerhin bedeutet der Begriff „Rape Culture“ ins Deutsche uebersetzt „Vergewaltigungskultur“. Das mentale Bild, das durch diesen pauschalen, in jeder Form verallgemeinernden Begriff, erzeugt und hervorgerufen werden soll, hat keinerlei reale Basis, in keiner Gesellschaft der Welt. Nirgendwo, und schon garnicht in der westlichen Welt, haben Vergewaltigungen ein positives Image. Nirgendwo werden Vergewaltigungen geduldet, gefoerdert oder als Kavaliersdelikt betrachtet. Ueberall in der westlichen Welt stehen schwere Strafen auf Vergewaltigung und selbst unter Verbrechern stehen Vergewaltiger in den Gefaengnissen auf der alleruntersten Stufe. Verachtet von allen. Dass der Begriff „Rape-Culture“ wissentlich genau so konstruiert wurde, dass er absichtlich voellig falsche Assoziationen hervorruft – so falsch, dass ja auch Stefan Sasse oben erstmal erklaeren muss, dass das Wort nicht das meint, was es meint – sollte zu bedenken geben. Wer mit absichtlich missverstaendlichen Begriffen hantiert, dem darf man unterstellen, dass er kein Interesse an einer redlichen Diskussionen hat. Und genauso wird der Begriff hier ja auch verwendet. Zur Beleidigung und Herabsetzung von Andersdenkenden. Wer nicht die Meinung der Politisch Korrekten teilt, ist fuer Vergewaltigungen – so der Tenor zwischen den Zeilen. Dass das das Ende von Debattenkultur ist, muss nicht weiter begruendet werden.

      Eigentlich passt es nicht zum Thema, aber gerade heute kam mir eine Nachricht unter, die ein weiteres Mal zeigt, welchen Irrsinn die Political Correctness produziert. Kinder duerfen jetzt nicht mehr klatschen, aus Respekt vor Laerm-Sensitiven:

      http://reason.com/blog/2016/07/21/school-bans-clapping-students-may-silent

      Und nein, das ist leider kein Scherz.

      • Floor Acita 22. Juli 2016, 09:15

        Ich weiss nicht. Ich kenne den Begriff eigentlich auch nur so wie von Stefan Sasse beschrieben. Es geht m.E. darum auf bestimmte, meist unbewusste/reflexhafte Reaktionen, Handlungen etc. hinzuweisen, die in ihrer Summe zum Ergebnis fuehren, dass Vergewaltigungen erleichtert.

        Die Frage die sich mir stellt ist, ob wir oder in dem Fall die Amis dann halt ein zu geringes Strafmass oder falsche Definitionen haben. Die Frage ist nicht, ob ich der ankläger sein sollte, wäre ich opfer, abr ich bin kein opfer, ich bin kein ankläger. Ich bin Mensch und Bürger der sich überlegt dass er falls er bewusstlos hinter eine mülltonne geschleift und irgendwas eingeführt bekommen hätte nicht zufrieden sein könnte mit den bemerkungen rund um den fall und dem prozessverlauf/strafmass. Da ich gerade keine sonderbehandlung verlange und ich mich zumindest insoweit mit dem opfer identifizieren kann (in wirklichkeit habe ich keine ahnung von der zusätzlichen psychischen belastung durch solch einen fall egen s.o. fast reflexhaftes mobbing und infragestellen der eigenen integrität [was zum beispiel bei einbruch selten jemand mit dem hausbesitzer tut]) kann ich mit dem ausgang des verfahrens nicht zufrieden sein.

        Aber nochmal, es geht immer um die Frage was können wir tun um Vergewaltigungen de-facto zurückzudrängen und ein davonkommen der täter zu verhindern. Es geht nicht um moralische Anklage oder Beendigung der Diskussion (im Gegenteil). Es ist m.E. auch nur eine Teildebatte von z.B. male privilege. Auch hier wird ähnlich wie von Dir der Begriff oft als Angriff/Kritik auf/an Männer umgedeutet, anstatt seine eigentliche Bedeutung = von Männern als Rechte wahrgenommene (zT de-jure Rechte) de-facto Privilegien ernstzunehmen. Muss ich Nachts Angst haben allein nach Hause zu laufen, werde ich nach meiner kleidung, make-up, aussehen beurteilt statt nach leistung etc. Das selbe passiert mit den Begriffen white privilege, straight privilege etc. Jedesmal regt sich die am meisten priviligierte Gruppe (zu der ich selbst gehöre) am meisten auf. Das selbe mit der BlackLivesMatter Bewehung der ein unsichtbares only vorangestellt wird.

        Jedesmal wenn eine Gruppe von Menschen eine gesellschaftliche Diskussion startet mit dem Ziel die Gesellschaft ständig zu untersuchen/verbessern, was reale, de-facto ungerechtigkeiten/ungleichheiten etc. angeht – springt eine gruppe hervor die wie erwähnt de-facto eher priviligiert ist und fühlt sich persönlich von der diskussion angegriffen, obwohl man oft weder überhaupt gegenstand der diskussion ist, noch es sich um eine nullsumme handeln würde, sondern beide von änderungen profitieren würden.

  • Ralf 22. Juli 2016, 23:22

    Die Frage die sich mir stellt ist, ob wir oder in dem Fall die Amis dann halt ein zu geringes Strafmass oder falsche Definitionen haben.

    Bisher hat mir noch keiner erklaeren koennen, was denn ein „gerechteres Strafmass“ im konkreten Fall gewesen waere. Der Taeter hat dreineinhalb Jahre Gefaengnis bekommen, wovon 3 Jahre zur Bewaehrung ausgesetzt sind. Verstoesst der Verurteilte innerhalb dieser 3 Jahre gegen das Gesetz, koennte ihn sogar eine 14-jaehrige Gefaengnisstrafe treffen. Dazu wird er lebenslaenglich in einer oeffentlichen Kartei von Sexualstraftaetern eingetragen. Jeder Buerger kann kostenlos und ohne Aufwand in diese Kartei einsehen: Nachbarn, Bekannte, Arbeitgeber, Vermieter. Turner wird folglich keinen vernuenftigen Job mehr finden, keine vernuenftige Wohnung mehr finden und selbst das Finden von Freunden wird dadurch moeglicherweise unmoeglich gemacht. Das ganze LEBENSLAENGLICH.

    Dabei ist dies nach objektiven Massstaeben ein eher minderschweres Sexualdelikt. Erstens ist es, wie oben beschrieben, nicht zu einer Vergewaltigung gekommen. Zweitens ist keine Gewalt angewendet worden. Drittens hat der Taeter den hilflosen Zustand seines Opfers nicht selbst absichtsvoll herbeigefuehrt. Viertens ist der Taeter noch ausgesprochen jung. Fuenftens hat der Taeter unter Alkoholeinfluss gehandelt. Sechstens waren die Umstaende der Tat besonder, und ohne diese besonderen Umstaende, ist es unwahrscheinlich, dass es zur Tat gekommen waere. Das ist bedeutend, wenn es zur Beurteilung der Wiederholungsgefahr kommt. Siebtens handelt es sich um einen Ersttaeter, der bis zur Tat ein voellig unbescholtener Buerger war. Achtens hat der Taeter eine aeusserst positive Sozialprognose. Wenn wir schon bei solch relativ milden Faellen mit drakonischsten Haftstrafen zuschlagen, welches Strafmass soll dann bei richtigen Vergewaltigungen angemessen sein? Nur noch lebenslaenglich? Alle in den Knast fuer immer? Schluessel wegschmeissen? Da muss ich Sie enttaeuschen. Das passt alles ueberhaupt nicht zu unserem Rechtsstaat, der bemueht ist, auch den schlimmsten Uebeltaetern, wenn es moeglich ist, eine Chance auf Rehabilitierung und Wiedereingliederung zu geben.

    Und ueberhaupt, was waere im konkreten Fall Brock Turner „gerechter“ gewesen? Eine jahrelange Haftstrafe oben drauf? Wem haette das genutzt? Untersuchungen zeigen, dass Abschreckung bei Sexualdelikten nicht funktioniert. Untersuchungen zeigen weiterhin, dass Insassen durch Gefaengnisstrafen selten gelaeutert werden. Im Gegenteil. Viele Verbrecher radikalisieren und entsozialisieren sich erst im Knast. Dort werden oft gerade die Verbindungen geknuepft, die anschliessend zu einem Leben in Verbrechen fuehren. Zum Nachteil von uns allen. Welchen Sinn sollte es machen jemanden, der eine normale Zukunft haben koennte, auf eine Laufbahn zu schicken, auf der er uns allen spaeter nur noch mehr schadet?

    Ziel sollte es eigentlich sein Gefaengnisstrafen, wo es nur irgend geht, zu vermeiden. Wer re-integrierbar ist, wer eine gute Prognose hat sich wieder als wertvolles Mitglied in die Gesellschaft einfuegen zu koennen, dem sollte genau dabei geholfen werden. Das ist das objektive Interesse der Gesellschaft als ganzes. Dass das den Opfern von Verbrechen schwer zu erklaeren ist, ist klar. Ist verstaendlich. Eltern, die ihr Kind z.B. an einen Autoraser verloren haben, wuerden den Verantwortlichen sicher gerne lebenslang im Knast sehen. Und was muessen die Angehoerigen der NSU-Opfer denken, die dem unverschaemten Treiben der Moerder in ihrem Prozess hilflos zuschauen muessen? Aber auch die werden in 20-25 Jahren wieder aus dem Gefaengnis entlassen werden, genauso wie das auch bei den RAF-Terroristen, selbst bei denen, die bis ganz zum Schluss nicht bereut haben der Fall war. So ist eben unser Rechtsstaat. Wir zeigen Groesse. Wir zeigen Mitleid. Wir zeigen Erbarmen. Auch mit denen, die sich schwer versuendigt haben, wenn davon auszugehen ist, dass keine oder nur noch sehr geringe Wiederholungsgefahr besteht. Was fuer Schwerverbrecher auf der einen Seite gilt, muss erst recht fuer Ersttaeter mit relativ minderschweren Delikten gelten.

    Aber nochmal, es geht immer um die Frage was können wir tun um Vergewaltigungen de-facto zurückzudrängen und ein davonkommen der täter zu verhindern.

    Wir koennen nur eines tun und das waere ein brandgefaehrlicher und grundfalscher Weg: Wir koennen das Prinzip, auf dem unser gesamter Rechtsstaat beruht – In Dubio Pro Reo – abschaffen. Darauf laeuft es zum Schluss hinaus. Schaffen wir diesen Rechtsgrundsatz, diese Rechtsgarantie fuer uns alle, nicht ab, dann ist diese gesamte „Nein heisst Nein“-Gesetzgebung rein symbolischer Nonsens. Vor Gericht wird das Opfer dann behaupten, es haette nein gesagt. Der Taeter wird behaupten, es haette ja gesagt. Und da beim Geschlechtsverkehr normalerweise keine Zeugen anwesend sind, wird Aussage gegen Aussage stehen. In dubio pro reo. Keine Chance zur Verurteilung.

    Diese Chance entsteht erst durch die Abschaffung unserer Rechtsgarantie. Wenn im Zweifel nicht mehr fuer den Angeklagten entschieden werden muss, dann reicht die Behauptung des Opfers jemanden fuer Jahre in den Knast zu schicken. Und das Argument dafuer, ist gerade ihre Aussage oben. Kommen nicht soviele Vergewaltiger ohne Strafe davon? Ja, tun sie. Denn „in dubio pro reo“ ist als Rechtsgrundsatz fundamental asymmetrisch. Der Angeklagte wird massiv bevorteilt. Wann wird er bevorteilt? Dann wenn Zweifel herrschen. Bei den meisten Delikten herrschen, zumindest was die Frage angeht, ob ueberhaupt eine Straftat stattgefunden hat, aber keine Zweifel. Vergewaltigungen sind in dieser Hinsicht hingegen eine seltene Ausnahme. Fast nie gibt es ausser Taeter und Opfer Zeugen. Darueber hinaus gibt es kaum ein Delikt, das beim Opfer selbst so viel Scham hervorruft. Das fuehrt dazu, dass es selten sofort und umgehend zur Anzeige kommt. Viele Opfer zeigen ihre Vergewaltiger nie an. Manche bringen die Tat erst nach Monaten und Jahren zur Anzeige, wenn Beweismittel nicht mehr vorhanden sind. Und das bewirkt Zweifel. Genau die Zweifel, die am Ende den Angeklagten im Prozess beguenstigen. Viele Vergewaltigungsopfer bringen ihre Tat nicht zur Anklage, weil sie sich nicht der peinlichen und als erniedrigend empfundenen Situation aussetzen wollen, die Tat wieder und wieder – fuer die Polizei, fuer den Anwalt, fuer den Richter – erklaeren und sie damit wieder und wieder und wieder psychisch durchleben zu muessen. Aber ein Gericht muss nunmal den Fall pruefen. Die Polizei muss nunmal den Fall pruefen. Details haben einen wichtigen Einfluss auf die juristische Entscheidungsfindung und auf das Strafmass. Uns allen, auch denen, die der Vergewaltigung bezichtigt werden, steht ein fairer Prozess zu. Die Sachlage muss deshalb in allen Details geklaert werden. Auch wenn die Details die Betroffenen schmerzen. All das ist natuerlich bedauerlich. Und ja, viele Vergewaltiger profitieren von diesem systematischen Vorteil. Ich finde das genauso zum Kotzen wie Sie. Aber deshalb duerfen wir doch nicht den Grundsatz ueber Bord werfen, dass nur der, dem eine Schuld nachgewiesen werden kann, verurteilt wird. Deshalb duerfen wir doch nicht unseren Rechtsstaat opfern, der uns alle schuetzt.

    Muss ich Nachts Angst haben allein nach Hause zu laufen, werde ich nach meiner kleidung, make-up, aussehen beurteilt statt nach leistung

    Kein Gericht in Deutschland wuerde dem Opfer eine Mitschuld an einer Vergewaltigung geben wegen Kleidung, Make-Up oder Aussehen und entsprechendes Victim-Blaming kaeme in unserer modernen Gesellschaft auch nirgends gut an. Hier werden Probleme, die moeglicherweise in den 60ern akut waren, so dargestellt, als waeren sie aktuell bedeutend.

    Das selbe passiert mit den Begriffen white privilege, straight privilege etc. Jedesmal regt sich die am meisten priviligierte Gruppe (zu der ich selbst gehöre) am meisten auf.

    Hier geht es doch nicht darum, wer sich aufregt. Ich habe Argumente vorgelegt, fuer meine Standpunkte und bin durch diese gesamte Debatte hinweg auf Einwaende von Mitdiskutanten eingegangen. Von der Gegenseite bekomme ich hingegen weitestgehend emotionale Bauchgefuehl-Statements durchmischt mit Beleidigungen, wie dem Vorwurf ich verbreite Vergewaltigungskultur im Internet. Ein Zeichen fuer ein alternatives, schluessiges Weltbild, wie man es denn besser machen koennte, ist das eher nicht. Weshalb es etwa positiv waere, jemanden wie Brock Turner zehn oder mehr Jahre ins Gefaengnis zu schicken, hat mir hier noch keiner erklaeren koennen. Wie das in einem fairen Verhaeltnis zu anderen Straftaten wie Gewalt- oder Einbruchsdelikten oder eben zu richtigen Vergewaltigungen stehen soll, ist ebenfalls voellig unklar. In den USA sind die Gefaengnisse voll mit jungen Menschen, die relativ kleine Delikte begangen haben. Wer hat davon profitiert? Soll das unsere Loesung sein? Ich hoere bei der Argumentation eher Gefuehle und Emotionen heraus, aber keine durchfuehrbare juristische und soziale Strategie, von der die Gesellschaft am Ende als ganzes profitieren koennte.

  • Floor Acita 25. Juli 2016, 13:30

    Ich stimme vielem zu. Schon als ich das mit dem höheren Strafmaß geschrieben habe, war mir klar das das wohl irgendwie nicht richtig ist.

    Wir müssen glaube ich einen Schritt zurück gehen und uns erinnern, dass es ja ursprünglich um political correctness, bzw. rape culture ging. Beides sind natürlich vor allem gesellschaftliche, keine juristischen Fragen. Du schreibst z.B. das viele Frauen sich schwer tun, sich schämen etc. Hier ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz. Warum ist das so? Muss das so sein? Können wir an der Auseinandersetung, an der Art wie wir mit Vergewaltigungen umgehen, darüber reden etc. etwas ändern, so dass sich am Ende die Situation ändert? Ich stimme Dir zu, dass die Motivation natürlich Emotionen sind. Aber nochmal, ich bin ja auch kein Richter oder Ankläger, sondern Bürger der nach Lösungen sucht. Diese sollten natürlich genau geprüft werden, aber ich glaube eben nicht, dass es eine Gesellschaft als „normal“ akzeptieren sollte, dass Frauen in ihrem Alltag von der Angst vor sexuellen Übergriffen bestimmt werden. Nochmal, viele Dinge an die Frauen denken mpssen, sind für mich als Mann unnötig (was ziehe ich an, nehme ich den angebotenen Drink an, wie komme ich nach Hause, wer begleitet mich, was lauert hinter der nächsten Ecke, kann ich bedenkenlos feiern,/trinken oder bekomme ich Probleme, der nächste der mich anspricht, will reden, will mich anmachen, will mich begrapschen? etc etc etc.). Ich hab nicht von wenigen Frauen gehört, dass sie sich 24/7 in einer Art Alarmzustand/erhöhte Aufmerksamkeit befinden, Angstzustände und Depressionen sind überdurchschnittlich im Vergleich zu Männern.

    Alles was ich will, ist ein ständiges Befassend er Gesellschaft mikt diesen Themen und einem ständigen Suchen nach Verbesserungen.

    Und ja, akzeptieren wir hingegen alle diese Realitäten als „normal“ kann man unsere Gesellschaft als rape culture bezeichnen. Schließlich kommt die Scham ja nicht von ungefähr, sondern ist gesellschaftlich bedingt. Oder hast Du schon mal von Scham irgendeines Opfers von Gewalt gehört, dass keinen sexuellen Bezug hat? Auch wird im Normalfall nicht öffentlich nach etwaigem Fehlverhalten des Opfers eines Autodiebstahls gefragt etc.

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