Mr. Trump, tear down this wall

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Gestern nach fanden in Nevada der caucus der Democrats und in South Carolina die primary der Republicans statt (am 27. Februar bzw. 23. Februar finden sie jeweils für die andere Partei statt). Die beiden Staaten wurden vom Partei-Establishment beider Seiten als „Firewall“ angesehen, der die jeweiligen Rebellen stoppen sollte – Sanders für die Democrats und Trump für die Republicans. Im Falle Nevadas baute Clinton ihre Hoffnungen auf die breitgefächertere Bevölkerung. Nur 70% der Einwohner des Staates sind weiß, der Rest Latinos und Schwarze. Zudem hatte Clinton bereits im April 2015 ihre Organisation in Nevada aufgebaut, während Sanders erst im Oktober begann, verlorenen Grund aufzuholen. In South Carolina, wo fast ein Drittel der Wähler schwarz ist, sollte Clinton einen noch größeren Vorteil genießen. Auf Seiten der Republicans sieht die Lage ähnlich aus: Nevada ist hier kein wichtiger Baustein, aber South Carolina hat eine traditionell eher Establishment-nahe Wählerschaft, ist eine Hochburg der Bushs und viele Militärs leben in dem Staat. All das sind Wählerschichten, die Trump gegenüber eher abgeneigt sein sollten. Wie also haben sich die Firewalls geschlagen?

Für Clinton hat sich die Theorie bewahrheitet. Die schwarzen Wähler Nevadas wählten sie 76:22 gegenüber Sanders. Unklar bleibt aktuell, wie die Latinos abstimmten; hier dürfte der Anteil näher an 50:50 sein,  mit einem kleinen Vorteil Clintons, aber die Umfragen in Nevada sind notorisch unzuverlässig und lassen aktuell kein klares Bild der Lage zu. Ansonsten wiederholten sich die aus Iowa und New Hampshire bekannten Fronten: Sanders gewann bei den Jungwählern und Millenials, Clinton bei den Alten und Wohlhabenden. Für Sanders sind das schlechte Nachrichten. Obwohl sich der zuvor gewaltige Abstand zwischen ihm und Clinton in dem Bundesstaat deutlich verringert hatte, verlor er doch überraschend deutlich (die letzten Vorhersagen sahen sie gleichauf wie in Iowa). South Carolina könnte damit für Sanders ein ähnliches Desaster werden wie New Hampshire für Clinton, nur dass dort mehr Deligierte vergeben werden. Hält sich der Trend aus Nevada, ist die Wahl für Sanders effektiv gelaufen. Er wird zwar einige weitere (weiße) Staaten gewinnen, aber besonders am Super Tuesday in den südlichen Staaten sowie in den breitgefächerteren Staaten wie Kalifornien verlieren. Wenn es ihm nicht gelingt, diesen Trend zu brechen, siegt Clinton. Im für sie besten Szenario gewinnt sie sämtliche Vorwahlen am Super Tuesday, was für Sanders das effektive Aus bedeuten dürfte.

Nevada zeigte aber gleichzeitig auch die inhärenten Probleme des caucus-Systems auf. Das System ist sehr undurchschaubar, teils zufällig und von seiner Zusammensetzung her wenig repräsentativ. Selbst für Experten ist es wenig vorhersehbar und durchschaubar, weswegen teils immer noch nicht klar ist, wer nun eigentlich wählen ging und wer für wen stimmte (etwa im Falle der Latinos). Lange Schlangen vor den Wahlpunkten und komplizierte Regelwerke sowie die lange Dauer sorgten dafür, dass die Wahlbeteiligung insgesamt sehr niedrig war: nur rund 80.000 Wähler gingen zu den Urnen, gegenüber 120.000 im Jahr 2008. Für Bernie Sanders sind auch das extrem schlechte Nachrichten. Seine Botschaft ist, dass seine Kandidatur eine „politische Revolution“ starten würde, die den Kongress zum Handeln zwingt. Bislang bleiben seine Zustimmungswerte aber in absoluten Zahlen konstant unter Obamas von 2008, der mit einer ähnlichen Strategie scheiterte.

Anders die Lage in South Carolina bei den Republicans. Hier war eigentlich ein klarer Sieg des Establishments zu erwarten gewesen, bedenkt man die inhärenten Sympathien im Palmetto State. Die beliebte Gouverneurin Nikki Haley (Zustimmungsrate rund 70%) warf wie viele andere gewählte Vertreter ihr Gewicht in die Waagschale, und die Partei stellte sich überwiegend hinter Marco Rubio – trotzdem reichte es ihm nur für einen extrem knappen zweiten Platz, mit nur 0,1% Abstand zu Ted Cruz. Donald Trump, der nur vor Wochenfrist eine Häresie gegen die konservative Orthodoxie nach der anderen beging, hätte eigentlich untergehen müssen. Stattdessen gewann er mit 33% der Stimmen sämtliche Deligierten des Bundesstaates. Der vierte Platz war ebenso knapp umstritten wie der zweite und ging an Bush, der mit 7,8% vor John Kasich mit 7,6% landete.

Für Bush ist damit Endstation; er zog sich noch am Samstag aus dem Wahlkampf zurück. South Carolina war sein stärkster Staat und seine beste Chance. Doch die Wähler waren nicht geneigt, ihm ihre Stimmen zu geben, und seine verzweifelten Versuche, Haleys endorsement zu bekommen, scheiterten: sie sprach sich für Rubio aus. Damit hat sich der Kampf um die Position des Bannerträgers des Establishments auf ein Duell reduziert (Rubio gegen Kasich), dessen Gewinner praktisch schon feststeht. Kasichs fünfter Platz war vorhersehbar – South  Carolina ist nicht sein Terrain – und er wird vermutlich in Ohio, Kentucky, Illionois und den anderen Staaten vor dem Mittleren Westen besser abschneiden. Nur zeigt sich immer deutlicher, dass die Partei sich hinter Rubio schart.

Und dafür ist auch höchste Zeit: Trump ist der unangefochtene frontrunner, und der Wahlkampf ist erst jetzt zu einem Dreikampf geworden (plus Wadenbeißer Kasich). In seinem Jubel über den zweiten Platz (mit dem er trotzdem keinen einzigen Deligierten gewann) sollte Rubio nicht vergessen, dass Cruz nur äußerst knapp hinter ihm liegt. Und noch niemand wurde mit dem zweiten Platz Präsidentschaftskandidat. Das window of opportunity, Trump noch zu stoppen, schließt sich immer mehr. Das spürte auch Ted Cruz, dessen Abschneiden ein schlechtes Omen für seine Chancen ist. Seine Kandidatur beruht zu diesem Zeitpunkt fast nur auf den Evangelikalen, und die reichen für eine Mehrheit nicht aus. Ohne einen deutlichen Sieg beim Super Tuesday dürfte es für ihn düster aussehen; gleichzeitig aber kann seine weitere Teilnahme am Wahlkampf verhindern, dass Rubio sich als ordentliche Trump-Alternative positioniert. Im Rennen der Republicans jedenfalls ist noch nichts entschieden. In einer Woche wissen wir mehr, wenn am 1. März in Alabama, Alaska (GOP), Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia gewählt wird.

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  • Ralf 22. Februar 2016, 05:08

    […] sorgten dafür, dass die Wahlbeteiligung insgesamt sehr niedrig war: nur rund 80.000 Wähler gingen zu den Urnen, gegenüber 120.000 im Jahr 2008. Für Bernie Sanders sind auch das extrem schlechte Nachrichten.

    Das sind auch fuer Hillary extrem schlechte Nachrichten. Die Demokraten werden am Ende nur bei hohem Waehlerturnout gewinnen koennen, waehrend ein niedriger Turnout wohl einen Praesidenten Rubio bescheren wird. Jetzt sind drei Primeries gelaufen und waehrend die Republikaner eine Rekordbeteiligung aufweisen koennen, sind die demokratischen Waehler dreimal lieber zuhause geblieben. Fuer die Demokraten wird es immer enger, besonders mit Hillary, die die eigene Partei kalt laesst und die in allererster Linie, die republikanische Basis zu den Wahlurnen treiben wird …

    der Wahlkampf ist erst jetzt zu einem Dreikampf geworden (plus Wadenbeißer Kasich)

    Naja, ich wuerde Kasich noch nicht so voellig abschreiben. Mindestens bis zum 15. Maerz, also bis Ohio, wird der wohl noch durchhalten. Und er wird wohl auch von Bush’s Abgang profitieren. Wenn er dann endlich das Rennen verlaesst, koennte Trump schon zu stark geworden sein, um noch eingeholt zu werden.

    Und noch ein anderer Gedanke: Trump und Rubio haben sich bisher weitestgehend in Ruhe gelassen. Trump hat sein Feuer auf Bush gerichtet. Und was ist mit Bush passiert? Genau. Er ist aus dem Rennen geflogen. Spaetestens seit der South Carolina-Debatte hat Trump dann alle schweren Geschuetze auf Cruz gerichtet. Und was ist passiert? Genau. Cruz‘ Kernwaehlergruppe, die Evangelikalen, haben sich abgewendet und Cruz hat einen dritten Platz in einem Bundesstaat eingefahren, den er gewinnen MUSSTE. Auf wen wird Trump sein Feuer wohl als naechstes richten? Genau. Und wer wuerde von einem abstuerzenden Marco Rubio am meisten profitieren? Exakt. John Kasich. Sollte Trump mit seinem Vernichtungswahlkampf so erfolgreich bleiben, wie er es zuletzt war, wuerde sich moeglicherweise fuer John Kasich doch noch ein Fensterchen Hoffnung oeffnen der Establishment-Kandidat zu werden. Just sayin‘ … 😉

    • Stefan Sasse 22. Februar 2016, 15:15

      Guter Punkt mit dem Turnout. Da wird Hillary einiges zu tun haben ab Juli…

      Und Kasich wird wahrscheinlich noch einmal einen Surge haben, aber ich gehe davon aus, dass wenn dein Szenario eintrifft ein Sieg Trumps besiegelt werden würde. Wenn seine magischen Kräfte auch gegen Rubio wirken, splittet sich das Establishment-Vote weiterhin auf, während er vom Cruz decline profitiert. Und was passiert, wenn Cruz tatsächlich ineligible ist, will man sich gar nicht ausmalen.

  • Maniac 25. Februar 2016, 08:04

    Ich habe keine Ahnung von US-amerikanischen Wahlen, finde die Artikelserie aber höchstgradig spannend. Dazu eine Nachfrage: Ich habe in einem interessanten Artikel gelesen (die Quelle war nicht fundiert im wissenschaftlichen Sinne – las sich wie ein Blogger, also etwa wie hier), dass für Rubio (und Kasich) der Schwellenwert von 20% bei zahlreichen wichtigen Vorwahlen am Super-Tuesday zum Stolperstein werden könnte. Und dass man dem RNC deshalb große Vorwürfe machen müsse, weil aufgrund dessen Taktik (Reihenfolge der Vorwahlen einerseits und Schwellenwert den Parteiorganisationen der Bundesstaaten zu überlassen andererseits) auch der letzte „seriöse“ Kandidat des Establishments mit einigermaßen realistischen Chancen (Rubio) abgesägt wird. Es würde damit alles auf (eher) Trump oder (eher nicht) Cruz zulaufen.

    Ist da was dran, an den Thesen? Rein interessehalber?

    Gruß, M.

    • Stefan Sasse 25. Februar 2016, 16:18

      Ja, da ist was dran, wobei es abzuwarten bleibt, inwiefern das relevant sein wird – also ob die Gefahr, unter 20% zu rutschen, real ist. Da aber in vielen dieser Staaten keine Deligierten vergeben werden, wenn man unter 20% bleibt, ist der Druck entsprechend hoch. Ein Ergebnis wie 40% (Trump) und 19% für Cruz und Rubio würde dazu führen, dass Trump alle Deligierten bekommt. Wenn ich das richtig im Überblick habe, sind Rubio und Cruz gerade aber häufig über den 20% (wenn auch nicht viel), und wenn Kasich und Carson noch ausscheiden (was nicht sicher ist), wird sich die Lage so einpendeln.
      Diese Regel geht tatsächlich auf den RNC zurück, der 2012 vermeiden wollte – also viele Seitenkandidaten, die den frontrunner des Establishments nerven. Das ging gehörig nach hinten los.

      • Maniac 26. Februar 2016, 09:23

        Laut der Quelle (die ich leider nicht wiederfinde) war Rubio bei zwei von drei 20%-Schwellenwertstaaten drunter (einmal deutlich, einmal knapp) und bei einem (knapp) drüber. Diese Staaten vergeben wohl relativ viele Delegiertenstimmen.

        Gruß, M.

        • Stefan Sasse 26. Februar 2016, 13:01

          Mein Punkt ist auch mehr: die Umfragen sind gerade noch sehr volatil. Wenn nach dem Super Tuesday Carson oder Kasich aufgeben (wenngleich das unwahrscheinlich ist) oder der support eines oder mehrerer Kandidaten implodiert, ändert sich das gesamte Feld.

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