Deutschland auf Notstrom – Die Konsequenzen der Flüchtlingskrise

Seit Monaten schwappt eine regelrechte Flüchtlingsflut über Deutschland. Allein in den ersten drei Wochen des laufenden Monats November registrierte die Bundespolizei knapp 180.000 illegale Grenzübertritte, womit bereits jetzt die Prognosen des Bundesministeriums des Inneren von 800.000 Flüchtlingen in 2015 überholt sind. Tatsächlich haben die deutschen Behörden längst den Überblick verloren, wie viele Menschen sich tatsächlich legal und illegal im Land aufhalten. Die Zahlen der nachgelagerten Ämter sind hier nur bruchstückhaft, da nicht nur die Grenzübertritte in der Regel illegal erfolgen, sondern die Pflicht zur Registrierung unterlaufen wird.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verzeichnete bis Oktober lediglich 362.000 Anträge auf Asyl, weniger als ein Drittel davon von Menschen aus Syrien und der Arabischen Republik. Tatsächlich kommen die nach Deutschland fliehenden Menschen von überall her, strukturiert ist inzwischen gar nichts mehr. Vom Balkan kommen darüber hinaus die meisten Zweitanträge, d.h. die Antragsteller reisen nach Ablehnung aus und reisen anschließend wieder ein. Diese Drehtür wird von bis zu einem Drittel der Antragsteller genutzt.

Mit der voranschreitenden Aufklärung der Anschläge von Paris im November werden die schlimmsten Befürchtungen der Sicherheitsbehörden durch die Realität bestätigt. Drei der sieben Selbstmord-Attentäter nutzten gefälschte syrische Pässe und reisten über die bekannten Balkanrouten ein. So verknüpft sich immer mehr die Terrorserie der vergangenen Wochen mit der Flüchtlingskrise, der deutsche Politik und Öffentlichkeit weitgehend hilflos gegenüberstehen. Immer unverhohlener beschuldigen ausländische Sicherheitsdienste die deutsche Bundesregierung, zum unfreiwilligen Helfer von Terroristen zu werden.

Das Bundeskabinett in seiner Gesamtheit dilettiert dahin, wichtige Minister wie die für Familie, Bildung und Bau sind völlig abgetaucht, der Bundesinnenminister verursacht ein Kommunikationschaos nach dem anderen und die Bundeskanzlerin beginnt langsam, die Folgen ihrer Flüchtlingspolitik zu realisieren und erste Konsequenzen zu ziehen.

Flüchtlingsströme sind seit Menschengedenken ein normales Phänomen. Wanderungsbewegungen, gerade erratischer Art, wurden in den Jahrtausenden immer wieder ausgelöst. Häufig wurden jedoch räumliche Vakua aufgefüllt. Die Besiedelung Amerikas ist ein Beispiel dafür. Für moderne Staaten mit ausgebildeten Demokratien und rechtsstaatlicher Ordnung ist es jedoch existenziell, ihre Gebiete weitgehend abzuschotten und Migration nur über Filter zuzulassen. Deswegen bauen Staaten wie die USA oder Israel Zäune zu ihren deutlich ärmeren Nachbarn und führen ein hartes Grenzregime. Eine unkontrollierte Diffusion der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten würde das Wohlstandsgefälle einebnen, jedoch zum Nachteil aller.

Wohlstand basiert auf einem klaren, strukturierten Rechtsrahmen, der konsequent exekutiert wird. Zwingend dafür ist die Registrierung von jedem Einwohner, seine behördliche Erfassung sowie seiner Festsetzung zur Klärung von Rechtsstreitigkeiten wie Delikten. Anonymität steht der Entwicklung von Wohlstand und Sicherheit entgegen, da die in einem Gebiet lebenden Menschen – von Bürgern kann man in diesem Moment nicht sprechen – für ihr Verhalten nicht zur Rechenschaft gezogen und damit verantwortlich gemacht werden können.

Die Flüchtlingskrise ist unter diesen Aspekten auch relativ neu, da es sich weitgehend um Wohlstandswanderungen handelt. Für den Großteil der derzeit nach Europa Flüchtenden ist Deutschland mit weitem Abstand Zielland Nummer 1, obwohl unzählige andere Länder ebenfalls Schutz vor Krieg bieten. Die Bundesrepublik kann darüber hinaus jedoch mit einem enorm hohen Wohlstandsniveau, Sozialstaat, einem ausgebauten Rechtsrahmen sowie einer sehr liberalen Asylpolitik aufwarten, welche es Menschen selbst dann ermöglicht, im Land zu bleiben, wenn Asyl nicht gewährt werden kann. Es ist daher nicht weit hergeholt, angesichts dieser Fakten zu behaupten, dass die meisten Flüchtlinge nicht nach Deutschland kommen, um Wohlstand aufzubauen, sondern am Wohlstand zu partizipieren. Auch das kann durchaus positiv besetzt sein.

Selbst mit den heutigen Migrationszahlen liegen wir nicht an der Spitze der Aufnahmeländer. Dies sind immer noch die Nachbarstaaten jene Regionen, wo Krieg und Vertreibung herrscht. Diese bilden einen natürlichen Schwamm. Da aber keine Wohlstandsdiffusion stattfindet, sind die Türkei, Pakistan und Jordanien bis auf die Grenze belastet. Ich kann dem Leser ein weiteres Fakt nicht ersparen, was die Wohlstandsdiffusion belegt: Die Masse der derzeitigen Flüchtlinge sind junge Männer, rund 70%. Zunehmend kommen allein reisende Kinder unter 16 Jahren an, was die Frage aufwirft, welchen Grund haben Eltern, ihren kleinen Zögling auf eine lange und gefährliche Reise zu schicken? Es wäre wohl nicht ehrlich, die hiesige Rechtslage außer Acht zu lassen, wonach Kinder das größte Potential zum familiären Nachzug bilden.

Am Ende geht es nämlich genau darum: den Anker zu werfen um den späteren Familiennachzug zu sichern. Dies bestätigen Flüchtlinge in Talksendungen. Erfahrungsgemäß kommen auf einen Asylbewerber später 3-5 Familiennachzügler. Wenn wir heute als von 1 Million Flüchtlingen sprechen, denen wir ein Bleiberecht ermöglichen, so sind damit weitere 3 Millionen Migranten in den nächsten Jahren verbunden, insgesamt also 4 Millionen Migranten bezogen auf das Jahr 2015. Sollte die Politik bleiben wie bisher, potenzieren sich die Zahlen innerhalb kurzer Zeit, da in den „Stauräumen“ Türkei, Jordanien, Libanon und den Ländern der arabischen Halbinsel (Jemen, Irak) und Afrika weitere Millionen auf die Reise in ein besseres, weil sicheres Leben warten.

Die deutsche Politik agiert im Leerlauf. Während unsere europäischen Partner ihre Grundsatzentscheidungen über Aufnahme und Bekämpfung der Flüchtlingsströme getroffen haben, debattieren die politischen Lager in Deutschland weiter zwischen den Extrempunkten Abriegelung versus Beibehaltung der Politik offener Türen. Die überwiegende Bevölkerungsmehrheit dagegen denkt wie die Bürger in Großbritannien, Frankreich und Skandinavien: bitte begrenzte und registrierte Einwanderung!

Bis August bewegte sich Deutschlands Asyl-, Flüchtlings- und Einwanderungspolitik in einem sicheren Rechtsrahmen. Das Schengen-Abkommen bestimmte, dass nur jemand mit gesichertem Aufenthaltsstatus in den Schengenraum, vulgo EU, einreisen konnte. Die Dubliner Abkommen wiederum sicherten ab, dass Asylbewerber und Flüchtlinge in dem Land ihr Gesuch stellen müssen, wo sie zuerst europäischen Boden betreten. Artikel 16a Grundgesetz harmonisierte diese Vereinbarungen parallel mit dem Grundgesetz. Die negativen Seiten dieser Abschottungspolitik eskalierten im Frühjahr diesen Jahres, als immer mehr Flüchtlinge an den südosteuropäischen Küsten strandeten und die Schlepperindustrie Boomzeiten erlebte. Zahlreiche Menschen ertranken,  kaum seetaugliche Boote wurden im Mittelmeer aufgebracht und insbesondere Griechenland kapitulierte vor dem Zustrom der Verzweifelten.

Als das Bild eines toten Kindes am Strand von Bodrum um die Welt geht, beschämt dies Europas Staatenlenker. Angela Merkel ordnet die Aussetzung von Dublin III für Flüchtlinge aus Syrien an. Der Eingriff wirkt wie ein Fanal, dass Deutschland zur unbegrenzten Aufnahme von Asylbewerbern bereit ist. Die Zuwandererzahlen der nächsten Monate sprengen alle Notfallkapazitäten der staatlichen Ämter und örtlichen Kommunen. Die bloße Menge an zuströmenden Menschen macht eine geordnete Erfassung an den Grenzen und Registrierung in den Auffanglagern unmöglich. So hat beispielsweise das BAMF bis Oktober mehr als die doppelte Anzahl von Asylanträgen entschieden als im Vorjahr und dennoch einen nicht erfassten, ungezählten Überhang an noch zu bearbeitenden Anträgen.

Bis heute kommt der Staat nicht aus dem Notfallmodus heraus. Es besteht schlicht kein Plan, wie mit diesen Problemen umgegangen werden soll. Damit nicht genug, eskaliert die Gewalt in Europa, doch die deutschen Sicherheitskräfte haben kaum Kapazitäten, auch noch an dieser Front zu kämpfen. Sehenden Auges läuft Deutschland in eine Anschlagsserie, die für Sicherheitsexperten nur eine Frage der Zeit ist.

In der Union rumort es gewaltig und der Druck auf die Kanzlerin wächst, endlich den Zustrom deutlich zu begrenzen. Doch für Merkel würde dies das Eingeständnis des Scheiterns ihrer Politik der offenen Grenzen bedeuten und damit das Ende ihrer Kanzlerschaft einläuten. Ihre Strategie steht in altbekannter deutscher Tradition, selbst für das gute Gewissen und die Morallehren zuständig zu sein, während andere die notwendige Schmutzarbeit besorgen sollen. Die Pendeldiplomatie der angeblich mächtigsten Frau der Welt führte sie in den letzten Tagen mit Bittgesuchen zu dem Autokraten Erdogan in der Türkei und zum griechischen Sozialisten Tsipras nach Griechenland, welche das Scharnier für die Flüchtlingsströme aus Nahost, Afrika und Asien bilden. Für die Abschottung Europas, eigentlich Deutschlands, wird das Land der Moralisten einen Preis in Geld zahlen sowie Stillschweigen über die Menschenrechtsverletzungen am Bosporus und Vertragsbrüche in Athen. Moral muss man sich leisten können.

Bis die neue europäische Festung gebaut ist, werden noch einige Monate vergehen und währenddessen wird der Strom an Flüchtlingen weiter anhalten. Doch auch, wenn der Hahn irgendwann zu ist, sitzt Deutschland auf einem Berg ungelöster Probleme.

Da ist zum einen die schiere Masse an Menschen ohne jedes Kapital mit Rechtsansprüchen auf Familiennachzug wie soziale Sicherheit und staatliche Versorgung. Es müssen mit hoher staatlicher Förderung Wohnungen gebaut werden. Doch angesichts der deutschen Bauvorschriften sind diese teuer, die Ausweisung von Bauland traditionell restriktiv und die Renditen im Wohnungsbau international sehr niedrig. Will der Staat nicht als Bauherr von Millionen Wohnungen auftreten – die er schlicht nicht bezahlen kann – wird er die Bauvorschriften deutlich lockern und trotzdem hohe Zuschüsse auf Investitionen gewähren müssen. Die Kommunen werden Ihre seit Jahrzehnten zum Schutz der Immobilienbesitzer gepflegte Baulandpolitik ändern müssen. Damit lassen sich schon auf dieser Seite die Verlierer ausmachen, es werden finanzschwache Mieter und Wohnungseigentümer sein, deren Besitz entwertet wird.

Auf Seiten des Arbeitsmarktes macht die Politik im Konzert mit den Gewerkschaften bereits die Schotten dicht. Arbeitsministerin Nahles verteidigt den gerade erst eingeführten Mindestlohn bis aufs Blut, keine Abstriche und Ausnahmen will sie hinnehmen. Stattdessen gedenkt sie mit der Einschränkung der Leiharbeit und strengen Regularien für Werkverträge den Arbeitsmarkt zu verbarrikadieren. Gleichzeitig behauptet die ehemalige Angestellte der IG Metall, leider, leider müssten wir demnächst mit 1 Million mehr Hartz-IV-Empfängern rechnen. Die Katholikin hat offensichtlich nicht vor, durch Gesetzesgestaltung arbeitsfähigen und arbeitswilligen Flüchtlingen den Weg in Jobs zu erleichtern.

Erfahrungsgemäß steigert die Verriegelung des Arbeitsmarktes die Schwarzarbeit und schafft gleichzeitig ein Heer von weitgehend rechtlosen Prekariatsbeschäftigten. Hauptsache, die heile Welt der Metall-Beschäftigten wird nicht gestört. Dennoch wird der massenhafte Zuzug von Geringqualifizierten Druck auf die unteren Einkommensschichten ausüben und deren Löhne fallen lassen. Entweder wird dies durch steigende Arbeitslosigkeit in diesen Segmenten passieren oder durch zunehmend halblegale Arbeitsverträge.

Interessant wird auch der Clash of Cultures zu beobachten sein. Während wir uns in den westlichen Wohlstandsländern weitgehend daran gewöhnt haben, dass Frauen den ihren Teil zum Haushaltseinkommen beitragen, ziehen nun vor allem Menschen zu, wo für Frauen Haushalt und Kinder als das richtige Betätigungsfeld gesehen werden. Unsere Gesellschaft hat es in 40 Jahren nicht vermocht, hier türkisch-stämmige Frauen mitzunehmen. Es wäre interessant zu erfahren, was Grüne und Linke heute in ihrem Optimismus bestärkt, das könnte bei der neuen Einwanderergeneration anders sein. Nach meinem Eindruck auf den Straßen von Frankfurt hat die Vollverschleierung von Frauen in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Frankreich hat seit Jahren dagegen ein Verbot. Wie interpretieren wir hier zukünftig Liberalität? Der Nikab schließt Frauen von der gesellschaftlichen Teilhabe, erst recht vom Arbeitsleben, aus. Nehmen wir diese Zustände hin? Oder glauben wir, den betreffenden Teil der Flüchtlinge von dieser extremen Form der Auslebung ihrer Religion abbringen zu können?

Wir müssen als Gesellschaft auch sonst härter werden und einen Teil unserer Liberalität ablegen müssen. Gesellschaftsforscher warnen, dass Menschen nur dann die Anstrengung der Integration wie das Erlernen einer fremden Sprache unternehmen, wenn sie in fremder Umgebung weitgehend auf sich gestellt sind. Können Sie sich dagegen in einem Umfeld einrichten, das die gleiche Sprache und kulturellen Vorstellungen wie sie selber pflegt, unterbleibt die Integration. Das Ergebnis bezeichnen wir mit Parallelgesellschaften. Ähnliches lässt sich jedoch auch in den USA, einem klassischen Einwandererland, bei den Hispanics beobachten. Sind wir bereit, in vielleicht 2 Jahrzehnten Arabisch als 2. Amtssprache zu akzeptieren? Wenn nicht, werden wir sozialen, monetären und kulturellen Druck zur Integration aufbauen müssen.

Die Investitionen in Sicherheit, also Polizei und Militär wird deutlich erhöht werden müssen. Heterogene Gesellschaften führen zu mehr sozialen Konflikten und Kriminalität. Hierauf müssen die Sicherheitsbehörden vorbereitet werden. Es muss die Bereitschaft entstehen, No-Go-Areas aufzubrechen und ihre Entstehung notfalls gewaltsam zu verhindern. Mit mehr Sozialarbeitern jedenfalls wird das nicht zu bewerkstelligen sein, da lachen schon heute die Intensivtäter in Berlin.

Von der Bereitschaft zu solchen Maßnahmen und Verhaltensänderungen bei den „Willkommensschild“-Hochhaltern ist bisher nicht das Geringste zu spüren. Im Grunde schwebt zumindest dem linken politischen Lager eine Integration nach dem Vorbild der letzten 40 Jahre vor, nur irgendwie besser. Also, mehr staatliche Aufwendungen, mehr Sozialarbeit und noch mehr Einlassen auf die kulturellen Befindlichkeiten von Muslimen.

Besonders phantasiebegabt stellt sich allerdings auch nicht die Union an. Tatsächlich lässt sich das Asylrecht nicht in Kontingente pressen. Zwar erhält nur eine verschwindende Minderheit der Syrer (von anderen Gruppen ganz zu schweigen) Asyl nach Artikel 16a Grundgesetz (GG). Aber selbst die Gewährung des Flüchtlingsstatus gerät mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer unendlichen Geschichte. Die Idee, die bereits eingewanderten Flüchtlinge in Kontingenten auf Europa aufzuteilen, ist ganz nett, scheitert jedoch an Realpolitik. In den Metropolen in London, Paris, Madrid, Warschau oder Riga sieht man nämlich überhaupt keinen Grund, Deutschland ein Problem abzunehmen, dass sich dieses selbst eingebrockt hat. Und wie sollte man sich eine solche Deportation vorstellen? Oder lieber nicht. Jedenfalls kann eine freie Gesellschaft Menschen nicht zwingen, an einem festen Ort zu bleiben.

Es wird nicht funktionieren ohne die Widerinstandsetzung von Schengen und Dublin. Nur diesmal werden dafür Transfers fließen müssen, damit Länder wie die Türkei, Griechenland und Spanien die europäischen Außengrenzen schützen. Noch so ein Jahr mit derart hohen Zuwanderungszahlen übersteht der Staat nicht ohne gravierende gesellschaftliche Verwerfungen. Wenn wir auf Dauer nicht wollen, dass unser Wohlstandsmodell und Rechtsstaat im Zeitraffer erodieren und zerstört werden, werden wir dafür zahlen und einen nennenswerten Teil unseres Reichtums abgeben müssen.

Die Menschen in den Entwicklungsländern dürsten nach einem besseren Leben, das Internet für alle führt jedem Slum-Bewohner täglich vor Augen, welches Leben möglich wäre. Chinas Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht binnen einer Generation hat gezeigt, welche Kräfte der Raubtierkapitalismus zu entfesseln vermag – mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Doch solange wir nicht die Macht besitzen, diktatorischen Staaten ein bestimmtes Wirtschafts- und Rechtsmodell aufzudrücken, werden wir Aufbauhilfe durch Entwicklungshilfe leisten müssen. Diese ist historisch niedrig und beläuft sich auf weniger als der Hälfte der international eingegangenen Verpflichtungen von 0,7% des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland spart sich so jährlich 10 Milliarden Euro.

Stefan hat die notwendigen finanziellen Anstrengungen sehr pauschal umrissen. Leider sind seine Annahmen auch hier, um nicht das Wort „naiv“ zu gebrauchen, fern der Realität. Allein für dieses Jahr werden die Aufwendungen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise auf 23 Milliarden Euro geschätzt, mit steigender Tendenz in den kommenden Perioden. Politik und Forschungsinstitute betonen unisono, die Flüchtlingskrise sei eine größere Herausforderung als die Wiedervereinigung. Und diese hat das Land rund 1,2 Billionen Euro gekostet. Die Mittel wurden dabei nur zu einem geringen Teil durch Steuern und Abgaben aufgebracht, der größte Block wurde durch Schulden finanziert, die noch heute, gut eine Generation später, die öffentlichen Haushalte belasten und unsere Handlungsmöglichkeiten einschränken. Die Staatsverschuldung verdoppelte sich  in dieser Zeit auf 80% des BIP.

Noch einmal lässt sich diese Übung so nicht exerzieren, sonst liegt die Staatsverschuldung in 20 Jahren bei über 120% des BIP und damit auf einem Niveau, das anderen Staaten den Atem abschnürt und wie in Italien Wohlstand und Entwicklung beschädigt. Damit scheidet die erste Möglichkeit aus, mit Sondereffekten in Krisensituationen umzugehen.

Die zweite Möglichkeit, außerordentliche Kosten finanziell zu stemmen, stellen für den Staat Steuer- und Abgabenerhöhungen dar. Doch mit einer Abgabenlast von 42-45 Prozent des BIP bewegt sich Deutschland bereits heute im obersten Bereich der OECD-Staaten. Da bleibt wenig Luft. Zum Spitzenreiter Frankreich sind es zwar noch gut 10%-Punkte, was einem Einnahmepotential von 280 Milliarden Euro jährlich entspräche. Nur bezahlen unsere Nachbarn solche Werte mit einer langanhaltenden Stagnation, hoher Arbeitslosigkeit – und bekommen dennoch ihr Staatsdefizit nicht in den Griff. Heute rächt sich, dass der Staat in guten Zeiten nicht Verschuldung und Abgabenlast zurückgeführt hat.

Als dritte Komponente der Staatsfinanzierung kommt das Wirtschaftswachstum ins Spiel. Dies ist jedoch ein sehr langwieriger Prozess und setzt die Rücknahme des Staates im Wirtschaftsleben voraus. Investitionshemmnisse müssten beseitigt, Steuern zumindest vereinfacht und das Arbeitsrecht gestrafft werden. Angesichts unserer Mentalität und der Skepsis gegenüber dem Markt ist dies kein wirklich realistisches Szenario.

Bleiben als Letztes Einsparungen in den Etats, um Mittel freizubekommen. Der mit Abstand größte Brocken findet sich dabei im Haushalt der Bundesarbeitsministerin, also den Ausgaben für Renten und Arbeitslosigkeit. Berücksichtigen wir, dass aufgrund unserer demographischen Struktur einer ganzen  Rentnergeneration, nämlich die der Alterskohorte der heute 30-50jährigen, Armut im Alter droht, liegt das Einsparpotential  ziemlich einseitig bei Arbeitslosen und andern sozial benachteiligten Gruppen. Der Instinkt dieser Menschen funktioniert offensichtlich besser als die Überzeugungskraft von Politikern und Aufnahmebefürwortern.  Sie sind es, die heute schon in den Umfragen zur AfD abwandern.

Realistisch ist wohl, dass wir eine Mischung aus allem bekommen werden. Die Verschuldung wird erhöht mit ungewissen Folgen für die nachfolgenden Generationen, Steuern und Abgaben ausgeweitet , was die Arbeitslosigkeit  anheizen und damit die Chancen der Integration verringern dürfte und die Sachinvestitionen wie die Sozialleistungen dürften einer kritischen Überprüfung und Kürzung unterzogen werden.

Auch hier dürfte dann wieder gelten: wir lernen sehr langsam. Genau diese Politik führte nach 1994 zu wirtschaftlicher Stagnation, steigender Arbeitslosigkeit, exorbitant ansteigendem Staatsdefizit und am Ende zu wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Paralyse. Danach müsste wieder ein Gerhard Schröder bereitstehen.

Heterogene Gesellschaften, auch das ist eine empirische Erfahrung, sind Brutstätten des Terrorismus. Nicht umsonst stehen Länder wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Israel im Fadenkreuz von Terrororganisationen und haben mit Selbstmordattentätern zu kämpfen. Diesem Themenkomplex werde ich mich demnächst widmen.

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  • Stefan Sasse 27. November 2015, 17:23

    Die Vermischung eigener politischer Zielvorstellungen mit den Herausforderungen der Flüchtlingskrise ist zwar nachvollziehbar, sorgt hier aber dafür, dass die Argumentation insgesamt verschachtelter und versumpfter ist, als es der inneren Kohärenz noch zuträglich wäre. So haben wir beispielsweise Flüchtlinge, die sich hauptsächlich wegen der Aussichten auf ein gutes soziales Netz (zu dem sie ohnehin keinen Zutritt haben, denn Flüchtlinge bekommen kein Hartz-IV) auf den Weg nach Deutschland machen, das währenddessen den Fehler begeht, eben diesen Flüchtlingen den Arbeitsmarkt zu öffnen, indem man die deutschen Arbeiter schlechter stellt, die wegen genau dieser Aussicht AfD wählen, was auch schlecht ist…ich komm nicht mehr mit. Ich weiß dass du den Arbeitsmarkt gerne deregulieren würdest, aber ob das für die Flüchtlingskrise die richtige Debatte ist, weiß ich schon nicht mehr. Gleiches gilt für die Anhebung des Rentenalters und die generelle Streichung von Staatsausgaben (die, wie du richtig feststellst, wohl die Schwachen treffen werden).

    Auch werden im Brustton der Überzeugung Sachverhalte postuliert, die noch sehr umstritten und kaum hinreichend erforscht sind. So besteht wohl kaum eine generelle Gefahr von Terrorismus durch heterogene Gesellschaften. Ein sehr homogenes Deutschland sah in den 1970er Jahren eine Terrorwelle, wo die heterogenen USA keinerlei Terrorismus kannten. Der islamistische Terrorismus ist ein weltweites Phänomen, das sich sicher nicht pauschal auf „Heterogenität“ zurückführen lässt.

    Auch ist es eher zweifelhaft, ob eine Reduzierung von Liberalität notwendig ist. Du befürchtest eine Bildung von Parallelgesellschaften, weil diese weiterhin ihre Sprache sprechen können – dabei gibt es genügend historische Beispiele, in denen die Sprachbarriere eine Integration ins Staats- und Gesellschaftsleben gerade nicht behinderte. Ob die Hugenotten in Preußen oder die Deutschen in den USA (vor allem in Pennsylvania), sie behielten teilweise deutlich über hundert Jahre ihre Sprache. Vor dem 1. Weltkrieg erscheinen in den USA noch mehrere tausend (!) deutschsprachige Zeitungen, und die German Americans waren trotzdem voll integriert und fühlten sich ihrer neuen Heimat verbunden. Nur weil sie Brauchtumspflege betrieben, schadete dies nicht einer heterogenen Gesellschaft. Auch hier sprechen wir über eine sehr spezifische Schicht, nämlich die wirtschaftlich abgehängten Muslime.

    Ich will übrigens auch keinesfalls diese Probleme kleinreden, die Debatte haben wir in Deutschland schon oft genug geführt, zuletzt dank der plumpen Sarrazin-Thesen. Nur würde ich von pauschalen Erklärungsmustern wie „Heterogenität“ absehen wollen, selbst wenn sie von leider anonym bleibenden „Gesellschaftsforschern“ bestätigt worden sein sollte. Dafür ist die Situation deutlich zu komplex.

    Daher ergibt sich für uns die Pflicht, die Zuwanderer (sofern es welche werden – die meisten Syrer werden wohl irgendwann nach Syrien zurückkehren) durch intensive Integrationsmechanismen zu schicken. Und das heißt die von dir so verschrieenen Sozialarbeiter und Deutschlehrer aufzustocken, denn arabisch sollte sicher keine zweite Amtssprache werden. Das Ziel muss sein, dass diese Menschen Deutsch auf einem ausreichenden Konversationslevel beherrschen, dass ihnen die rechtlichen und gesellschaftlichen Normen klar sind und dass wir gesamtgesellschaftlich einen Konsens finden, wo ein Abweichen von diesen Normen akzeptabel ist und wo wir darauf bestehen müssen, dass die Einwanderer ihre aufgeben (etwa: Halal schlachten völlig ok, Frauen benachteiligen nicht). Das ist ein Prozess, der für die früheren Einwanderer teilweise verpasst worden und nicht ernstgenommen worden ist, und die Auswirkungen spüren wir bis heute. Mit law-and-order-Gestik und hartem Habitus den Strongman zu spielen, als ob sich das Problem nur mit genug Willensstärke lösen ließe, hieße, diese Fehler zu wiederholen.

    Das muss erst einmal genügen, der Artikel ist ja ganz schön lang. Da werden sich sicher auch noch andere Punkte finden.

  • In Dubio 27. November 2015, 18:31

    Oh, Du findest bei mir relativ selten eigene Zielvorstellungen. Ich erwarte nur, dass jemand bereit ist, die Konsequenzen der eigenen politischen Forderungen auch dann zu tragen, wenn die negativen Folgen sichtbar werden. Und es gibt nichts auf dieser Welt, was ohne Schattenseiten ist.

    Ich glaube nicht mal, dass der Anteil jener, die sich wegen dem guten sozialen Netz auf den Weg machen, nennenswert ist. Die meisten Menschen, wenn sie nicht gerade in Wohlfahrtsstaaten sozialisiert sind, haben hochfliegende Pläne vom Leben. Aus der Diskrepanz von Erwartungsoptimismus und zunehmender Lebenserfahrung erwächst Enttäuschung. Und wenn das, was man einstmals wollte und am Ende erreicht, wenn diese Diskrepanz sehr groß ist, endet dies in Lebensfrust. Dies erleben wir gerade mit vielen Migranten der dritten Generation aus dem muslimischen und arabischen Bereich. Sie haben aufgrund ihrer familiären Verhältnisse, wo sich die Eltern in ihrem türkisch-sprechenden Milieu eingerichtet haben, verspätet Kontakt mit der deutschen Sprache und Kultur bekommen – zu spät, um den Rückstand gegenüber ihrer Generation aufzuholen. Zu spät, um die notwendigen schulischen Erfolge zu erzielen. Zu spät, um gefragt auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Ich weiß hier sehr gut, wovon ich rede. Diese „Karrieren“ beobachte ich seit Jahren, über meine Frau von kleinster Kindheit an. Wo ist der Ansatz, dies bei den jetzt zuwandernden Migranten besser zu machen?

    Klassische Einwandererländer wie die USA, Kanada oder Australien benötigen kein Heer von Sozialarbeitern. Entweder ein Migrant schafft es über Arbeit in die Gesellschaft oder er landet im Slum. Der soziale und monetäre Druck ist viel höher. Du scheinst dagegen eine Wohlfühloase schaffen zu wollen. Das ist kein vielversprechender Ansatz.

    Ich habe schon den Unterschied zu den Völkerwanderungen früherer Jahrhunderte aufgezeigt. Das ist nicht einfach vergleichbar.

    Am Ende entscheidet der Arbeitsmarkt nur sehr begrenzt nach Herkunft – und das wollen wir ja auch so. Am Arbeitsmarkt wird entschieden welchen Preis eine gewisse Arbeitsleistung hat. Und, das war schon immer die Kritik am Mindestlohn, es gibt Menschen, deren Arbeitsleistung schlicht keine 8,50 EUR wert ist. Nun wandern viele Menschen zu, deren Qualifikationsniveau vergleichbar mit Hauptschulabgängern oder Grundschülern ist oder die schlicht Analphabeten sind. Diese werden keinen Lohn von 8,50 EUR erzielen können und folglich in der Masse nicht eingestellt. Willst Du das? Bist Du bereit die Folgen zu tragen? Je später die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns sozialer und kultureller Integration, Begründung siehe oben. Bist Du bereit dazu?

    Es geht nicht um Brauchtumpflege, das ist Unsinn. Aber so lange ein Großteil der hier aufgewachsenen türkischstämmigen Jungs entweder lieber für die türkische Nationalmannschaft spielen will oder vom familiären Umfeld dazu gedrängt wird, so lange brauchen wir uns Integrationserfolge nicht spektakulär an die Brust zu schlagen.

    Letztes: wie kommst Du darauf, dass die Syrer mehrheitlich Deutschland wieder verlassen werden? Soweit ich die Situation in Nahost beurteilen kann, wird es dort bald keinen Staat mehr geben, er wird in verschiedene Zonen aufgeteilt und von Clans dominiert werden. An Nationbuilding wird auf absehbare Zeit nicht zu denken sein.

    Glaubst Du ernsthaft, die deutschen Intensivtäter mit Migrationshintergrund hätten das deutsche Strafgesetzbuch nicht verstanden? Wie willst Du Vätern in Kindergärten und Schulen begegnen, die der Erzieherin oder Lehrerin verbieten, mit ihrer Frau zu sprechen oder ihrem Sohn Anordungen zu erteilen? Was willst Du tun, wenn am Elternsprechtag stets nur der Vater erscheint oder die Frau zu Stillschweigen verdammt ist? Lieber Stefan, an dem Punkt kannst Du rechtlich gar nichts mehr machen. Das sind aber heute die Probleme, womit wir konfrontiert sind. Bei aller Liebe, das will ich nun wahrlich nicht potenzieren.

    • Stefan Sasse 29. November 2015, 15:04

      „Klassische Einwandererländer wie die USA, Kanada oder Australien benötigen kein Heer von Sozialarbeitern. Entweder ein Migrant schafft es über Arbeit in die Gesellschaft oder er landet im Slum. Der soziale und monetäre Druck ist viel höher. Du scheinst dagegen eine Wohlfühloase schaffen zu wollen. Das ist kein vielversprechender Ansatz.“

      Hier scheint mir der Kern deines Missverständnisses zu liegen. Einmal abgesehen davon, dass ein Staat, in dem sich jeder wohlfühlt wohl die Vollendung staatlichen Wirkens wäre, so will ich natürlich keine falschen Anreizsysteme. Nur: ich verstehe nicht, wie du die „Erfolg oder Slum“-Dichotomie als erstrebenswert hinstellen kannst. Denn zwar erschaffst du damit einen gewissen Druck auf Einwanderer. Ob der allerdings bessere Ergebnisse als die Absicherung des Wohlfahrtsstaats erzielt, darf getrost bezweifelt werden. Die Existenz echter, völlig abgehängter und für Staat und Gesellschaft ungeheur teurer Slums in den USA und deren fast völlige Abwesenheit in Deutschland jedenfalls spricht deutlich stärker für das deutsche Modell.

      „Letztes: wie kommst Du darauf, dass die Syrer mehrheitlich Deutschland wieder verlassen werden? Soweit ich die Situation in Nahost beurteilen kann, wird es dort bald keinen Staat mehr geben, er wird in verschiedene Zonen aufgeteilt und von Clans dominiert werden. An Nationbuilding wird auf absehbare Zeit nicht zu denken sein.“

      Die meisten Flüchtlinge sind vor dem Krieg geflohen, nicht direkt aus politischen Gründen vor Assad. Ich sehe außerdem keinen Zerfall irgendwelcher nahöstlicher Nationen am Horizont, da beide involvierten Großmächte – USA wie Russland – ihre jeweiligen Klienten Irak und Syrien erhalten wollen. Auch der Balkan zerfiel bekanntlich in den 1990ern ziemlich, und die Leute kehrten trotzdem zurück. Ich wäre da nicht so pessimistisch. Davon abgesehen – auch von Clans regierte Teilstaaten würden eine Rückkehr erforderlich machen, wenn nur der Krieg endet.

  • QuestionMark 27. November 2015, 22:01

    @Pietsch
    Deine Betrachtungen zum Sklavenmarkt („Arbeitsmarkt“) sind doch reichlich naiv. Die These, dort würde „nach Leistung“ entschieden werden ist doch genau so dämlich, wie wenn man behaupten würde die Konsumenten auf irgendeinem Markt würden sich für das qualitativ beste Produkt entscheiden. Diese angenommene „Intelligenz der Konsumenten“ ist doch dabei schon lange widerlegt.
    Und die „Selektionskompetenz“ der Personaler wird in Fachkreisen überhaupt nicht mehr angenommen. Stattdessen geben Personaler (und auch die ehrlicheren Entscheider) ganz offen zu, dass sie in ihrem Fach regelmäßig „danebengreifen“ und das ihnen dieses Thema (Personalselektion) eben nicht gelingt.
    So, und jetzt will ich dir auch noch sagen, wie tatsächlich selektiert wird. Sowohl vom Personaler als auch vom Konsumenten: Dumm und oberflächlich.
    Die qualifizierte Selektion auf Konsumentenseite stellt den (vernachlässigbaren) Ausnahmefall dar. Auf dieser Erkenntnis setzt beispielsweise auch die Werbung auf. Letztere spricht eben nicht den Verstand an (und würde dann rational argumentieren und Produkteigenschaften/-qualitäten herausstellen), sondern versucht das Unterbewußtsein zu erreichen. Wozu? Damit die Leute eine dumme oberflächliche Entscheidung für ein bestimmtes Produkt fällen. Der Weg über die Ratio hingegen funktioniert übrigens nicht. Auch das ist belegt.

    • QuestionMark 27. November 2015, 22:09

      @Pietsch
      Wenn du das eben verstanden hast, dann kannst du auch herleiten warum die Ausländer am Arbeitsmarkt benachteiligt sind:
      Die passen einfach mit ihrer Art und Sprache (ich rede von deren „Deutschdialekt“) vielen nicht in den Kram. Sie sind sozusagen als Produkt unattraktiv. Mehr ist es nicht.
      Denn: Für die Idiotenjobs von heute kannst du prinzipiell fast jeden einstellen. Das Anforderungsniveau ist niedrig und die Fachkräfteschwemme ist groß.
      Ein Überangebot an Sklaven führt allerdings logischerweise nicht zu einer gründlicheren Selektion (die haben wir weiter oben bereits widerlegt), sondern zu noch mehr Oberflächlichkeit und Dummheit bei der Personalauswahl.

      • In Dubio 28. November 2015, 10:00

        Sorry, ich habe in meinem Berufsleben mit sehr vielen Migranten – Osteuropa, Türkisch-Stämmig, Arabisch, Israelis, Asiaten – gearbeitet, Namen haben nie interessiert, wohl aber, in einem hochqualifizierten Bereich entweder die deutsche Sprache perfekt zu beherrschen oder in Englisch verhandlungssicher zu sein. Weder noch verschließt die Türen.

      • In Dubio 28. November 2015, 10:23

        Nebenbei widersprechen Sie sich: Einerseits vergleichen Sie den Arbeitsmarkt mit einem Sklavenmarkt. Gerade dort wurden Menschen streng nach Bedürfnis und Notwendigkeit gekauft. Auf der anderen Seite sprechen Sie ihren Mitmenschen ab, nach eigenen Präferenzen zu kaufen, sie seien einfach zu „dumm“ dafür. Das geht nicht zusammen.

        Nur mal so: In den 1980er Jahren wurden in Tarifverhandlungen die unteren Lohngruppen regelmäßig überproportional angehoben, mit dem Ergebnis, dass sie in den 1990er Jahren häufig nicht mehr besetzt wurden. Parallel stieg die Langzeitarbeitslosigkeit an. Eine zufällige Koinzidenz? Man kann es so interpretieren: geringfügige Arbeit wurde so verteuert, dass es nicht mehr wirtschaftlich war, Menschen für diese Tätigkeiten zu beschäftigen. Andere Modelle wurden entwickelt: Outsourcing, Produktion in Billigländern, verstärkte Automatisierung. Das Ergebnis blieb das Gleiche: hohe Arbeitslosigkeit bei Menschen mit geringer Qualifikation.

        • QuestionMark 28. November 2015, 13:19

          @Pietsch
          Zur Langzeitarbeitslosigkeit: Diese steigt einfach deswegen, weil es ein drastisches Überangebot an Sklaven gibt. Die Selektion wird durch erhöhtes Überangebot noch oberflächlicher und dümmer (wie bereits oben erwähnt). Deshalb werden Themen wie „lange Arbeitslosigkeit“ oder „Alter des Bewerbers“ als Selektionskriterium verwendet. Und damit steigt dann die Langzeitarbeitslosigkeit an. So einfach ist das.
          Zur Entscheidungskompetenz des „Konsumenten“ (oder Personalentscheiders oder ….): Es ist nun mal belegt, das nicht primär nach Kosten/Nutzen-Kriterien entschieden wird. Tut mir leid für sie, wenn sie noch immer an den homo oeconomicus glauben. Der ist seit langem Geschichte.

          zum Arbeitsmarkt/Sklavenmarkt: Ich vergleiche da nichts. Ich verwende die Begriffe synonym.

          • In Dubio 29. November 2015, 12:18

            Machen Sie sich bitte geschichtsfest: in den Regionen, wo es historisch Sklaven gab, existierte daneben auch ein Arbeitsmarkt.

            Weiter:
            Diese steigt einfach deswegen, weil es ein drastisches Überangebot an Sklaven gibt.

            Deutschland hat – nach der gleichen Methodik gerechnet – weniger Arbeitslose als die skandinavischen Staaten Dänemark oder Schweden. Aber der Anteil der Langzeitarbeitslosen (länger ein Jahr) ist weit höher. Selbiges lässt sich für andere OECD-Staaten zeigen. Das passt mit Ihrem Argument nicht zusammen.

            • QuestionMark 29. November 2015, 13:48

              Das hat wohl mit kulturellen Befindlichkeiten zu tun. Hier in D grenzt man gerne Menschen aus (Exklusion). Hier wird sehr stark in den Kategorien der Klassengesellschaft gedacht (eine der Oberflächlichkeiten/Dummheiten). Deshalb werden auch gerne Menschen existenziell vernichtet die schon seit längerem arbeitslos sind bzw „zu alt sind“ oder „die falsche Hautfarbe haben“ und dergleichen.
              Man sucht hier nur nach einem Vorwand um Menschen auszugrenzen. Der Aufhänger kann dann irgendein Vorwand sein. Um Qualifikationen geht es übrigens nie. Die wird auch nicht abgefragt. Tatsächlich können das die „Entscheider“ auch regelmäßig überhaupt nicht. Die sind nämlich idR inkompetent (s. Merkel&Konsorten).
              Vielleicht ist das in anderen Ländern einfach etwas anders, weil sie auf Zahlen aus OECD-Ländern verweisen?
              Beispielsweise haben mir US-kundige versichert, dass dort (in den Staaten) Leistung und Qualifikation anerkannt wird. Das ist bekanntlich hier nicht der Fall. In D zählen vornehmlich Beziehungen.

            • QuestionMark 29. November 2015, 13:53

              Ach ja, zu den Unterschieden in den Sklavenmärkten:
              Auf dem einen Sklavenmarkt (den man historisch als solchen bezeichnet) wechselt das Eigentum am Sklaven.

              Auf dem sogenannten „Arbeitsmarkt“ (der auch ein Sklavenmarkt ist) werden lediglich Sklaven vermietet. Die Sklaven des Arbeitsmarkts verlieren ihre Freiheitsrechte nur während der Zeit des „Anmietvorgangs“ (also während der Arbeitszeit).
              Das ist der wesentliche Unterschied; auf dem einen Markt werden Sklaven verkauft und auf dem anderen Markt werden Sklaven lediglich vermietet. Beide Märkte handeln Sklaven und sind deshalb für mich Sklavenmärkte. Die gehandelte Ware ist ja nicht die Arbeitsleistung. Die gehandelte Ware ist der Sklave.

  • R.A. 27. November 2015, 22:27

    Ui, das ist mal ein wirklich langer und interessante Artikel – erst einmal vielen Dank.
    Da will ich auch nur auf einige Aspekte eingehen.

    > Tatsächlich haben die deutschen Behörden längst
    > den Überblick verloren …
    Und das ist die Hauptursache für die immer stärkeren Befürchtungen in der Bevölkerung. Die Ankunft der Flüchtlinge selber hat eine erstaunlich positive Reaktion hervorgerufen. Aber es ist offensichtlich, daß der Prozeß völlig unkontrolliert läuft und keiner einen Plan hat, wo es hingehen soll. Das verunsichert massiv, durchaus zu Recht.

    > da nicht nur die Grenzübertritte in der Regel illegal erfolgen, sondern
    > die Pflicht zur Registrierung unterlaufen wird.
    Und DAS ist das eigentliche Sicherheitsproblem. Nicht die Flüchtlinge selber sind per se problematisch, sondern durch den (völlig unnötigen!) Verzicht auf Kontrolle bei der Einwanderung können Kriminelle bzw. Terroristen die Füchtlinge als Tarnung mißbrauchen.

    > Vom Balkan kommen darüber hinaus die meisten Zweitanträge,
    > d.h. die Antragsteller reisen nach Ablehnung aus und reisen
    > anschließend wieder ein.
    Mir ist völlig unklar, wieso dieser juristische Trick überhaupt funktioniert. Das ist doch offensichtlicher Mißbrauch.

    > Das Bundeskabinett in seiner Gesamtheit dilettiert dahin, …
    In der Tat unfaßbar. Eine so geballte Inkompetenz hätte ich nie erwartet.

    > Die Flüchtlingskrise ist unter diesen Aspekten auch relativ neu, da
    > es sich weitgehend um Wohlstandswanderungen handelt.
    Wohlstandswanderungen sind nicht neu, sondern historische Normalität. Aber sie fanden bisher immer kontrolliert und mit überschaubaren Ausmaßen statt.

    > dass die meisten Flüchtlinge nicht nach Deutschland kommen,
    > um Wohlstand aufzubauen, sondern am Wohlstand zu partizipieren.
    Das ist nicht gesagt. Den Willen zum Wohlstand aufbauen würde ich sehr vielen der Einwanderern unterstellen – ob sie es auch können, ist die kritische Frage.

    > Selbst mit den heutigen Migrationszahlen liegen wir nicht
    > an der Spitze der Aufnahmeländer. Dies sind immer noch
    > die Nachbarstaaten …
    Das ist zwar richtig, aber nicht vergleichbar.
    In den Nachbarstaaten werden zwar mehr Flüchtlinge aufgenommen, aber a) unter sehr rigiden Sicherheitsvorkehrungen und Auflagen und b) bedeutet die Aufnahme fast keine Belastung für die Ansässigen.
    Die Flüchtlinge bekommen ein leeres Stück Land für ihre Flüchtlingslager, die Versorgung übernimmt die internationale Gemeinschaft, Betreuung oder gar Integration in den Gaststaat findet nicht statt.

    > Wenn wir heute als von 1 Million Flüchtlingen sprechen, denen wir
    > ein Bleiberecht ermöglichen, so sind damit weitere 3 Millionen
    > Migranten in den nächsten Jahren verbunden, …
    Korrekt.
    Und die Million sind nur die offiziellen Migranten bis jetzt, es kommen ja täglich neue.

    > debattieren die politischen Lager in Deutschland weiter zwischen
    > den Extrempunkten
    Was im Prinzip Diskussionsverweigerung bedeutet. Denn wer postuliert, es gäbe nur die Extrempunkte, verhindert die eigentliche Diskussion – die notwendigerweise einen Kompromiß dazwischen finden muß.

    > Zahlreiche Menschen ertranken, …
    Und das Zynische ist: Genau durch Merkels konzeptlose Grenzöffnung sind seitdem noch viel mehr Menschen ertrunken.
    Weil der sehr viel größere Flüchtlingsstrom immer noch gezwungen ist, die Strecke nach Deutschland mit allen Risiken auf sich zu nehmen.

    > Die bloße Menge an zuströmenden Menschen macht eine geordnete
    > Erfassung an den Grenzen und Registrierung in den Auffanglagern
    > unmöglich.
    Nein. Mit wenigen Tagen Vorbereitung und entsprechend mehr Personal wäre eine Kontrolle und Registrierung sehr wohl möglich gewesen. Das war einfach nur politische Dummheit.

    > Doch für Merkel würde dies das Eingeständnis des Scheiterns
    > ihrer Politik der offenen Grenzen bedeuten und damit das Ende
    > ihrer Kanzlerschaft einläuten.
    Das ist das Problem Merkel: Weil sie keinen Fehler eingestehen will, hält sie starr selbst an völlig unmöglichen Maßnahmen fest (sah man schon in der Griechenland-Krise). Es reicht ihr nicht, einer Million Flüchtlingen geholfen zu haben (weil es ihr wohl nie wirklich um das Wohlergehen dieser Leute ging). Sondern sie hat irgendwann den Spruch „keine Obergrenze“ in die Welt gesetzt – und jetzt ist ihr oberstes Ziel, den nicht zurücknehmen zu müssen.

    > führte sie in den letzten Tagen mit Bittgesuchen zu dem
    > Autokraten Erdogan in der Türkei
    Was nicht nur eine moralische Bankrotterklärung war, sondern auch beweist, daß es ihr eben nicht um das Wohl der Flüchtlinge geht.
    Sie bezahlt Erdogan 3 Milliarden, damit der die Grenzen dicht macht.

    > Wir müssen als Gesellschaft auch sonst härter werden und
    > einen Teil unserer Liberalität ablegen müssen.
    Man wird auf manchen Kuschelkurs verzichten müssen – aber nicht auf Liberalität.
    Solange Einwanderer auf eigenen Füßen stehend ihr Geld verdienen und ihr Leben meistern, sind deutsche Sprachkenntnisse gar nicht so wichtig.
    Siehe die japanischen Kolonien in manchen Städten oder viele englisch-sprachige Berufstätige: Die sind nicht wirklich integriert, aber das ist überhaupt kein Problem.
    Aber nicht integriert sein UND unqualifiziert sein – das geht halt nicht.

    > Heterogene Gesellschaften führen zu mehr sozialen Konflikten
    > und Kriminalität.
    Nicht unbedingt. Solange es ein Mindestmaß an Respekt vor den nötigen Regeln gibt.

    > Es muss die Bereitschaft entstehen, No-Go-Areas aufzubrechen
    > und ihre Entstehung notfalls gewaltsam zu verhindern.
    Richtig. Denn „No-Go-Area“ bedeutet, daß dieser minimale Respekt vor dem Gesetz fehlt.

    > Von der Bereitschaft zu solchen Maßnahmen und
    > Verhaltensänderungen bei den „Willkommensschild“-Hochhaltern
    > ist bisher nicht das Geringste zu spüren.
    Leider wahr.
    Viel Gefühl kann halt Mitdenken nicht ersetzen.

    > Noch so ein Jahr mit derart hohen Zuwanderungszahlen
    > übersteht der Staat nicht ohne gravierende gesellschaftliche
    > Verwerfungen.
    Richtig.
    Und weiteres Treibenlassen erhöht die Gefahr, daß es dann zu einer ganz massiven Gegenreaktion kommt.

    > werden wir Aufbauhilfe durch Entwicklungshilfe leisten müssen.
    Entwicklungshilfe ist nachgewiesen kontraproduktiv. Alle erfolgreich entwickelten Staaten haben dies fast ohne solche Hilfe gemacht, die massive mit Entwicklungshilfe unterstützten Staaten sind in korrupter Ineffizienz hängengeblieben.
    Entwicklungshilfe nimmt das Geld der Armen in den reichen Staaten und gibt es den Reichen in den armen Staaten. Und verhindert Entwicklung.

    • In Dubio 28. November 2015, 10:09

      Ich bin skeptisch, ob die positive Grundstimmung dauerhaft sein wird. Wir leben in einer Erlebniskultur, viele können sich derzeit beweisen, wie aufgeschlossen, kulturell zugewandt und hilfsbereit sie sind. Der Artikel ist nicht ohne Grund mit „Notstrom“ überschrieben – in Krisensituationen stehen Menschen ungeachtet ihrer Herkunft oder politischen Ansichten zusammen. Aber jede Krise muss auch mal enden und in jeder Krise geht die Hilfsbereitschaft auch mal zu Ende. Ich habe starke Zweifel, ob – um Stefans Lieblingswort zu benutzen – das Elektorat über viele Jahre bereit sein wird, für kulturell fremde Menschen (finanzielle) Anstrengungen zu tragen, die wir nicht bereit waren, für eigene Kinder zu tragen.

      Die Franzosen wie die Skandinavier belegen, dass die Steigerung der Geburtenrate teuer ist. Aber diese Kosten sind weit geringer als Integrationskosten, über die wir inzwischen debattieren. Ich weiß nicht, woher Stefan und viele andere die Zuversicht nehmen, dass es für die Aufnahme solcher Kosten eine langfristige Bereitschaft gibt.

      Brunnenbauen ist oft nicht zielführend. Allerdings treten wir in ein Stadium ein, wo ein Wohlstandstransfer stattfinden muss. Wahrscheinlich wird dieser erzwungen. In der Eurozone sehen wir diese Tendenzen bereits überdeutlich.

      • CitizenK 28. November 2015, 14:16

        @ In Dubio
        In einer übervölkerten Welt ist es wenig sinnvoll, unbedingt die eigene Bevölkerung für viel Geld „aufzustocken“. In Frankreich und Skandinavien ist es auch weniger das Geld, eher die gesellschaftliche Akzeptanz von Kindern.
        Was ich partout nicht verstehe: Eine Partei/Regierung, die sich jahrzehntelang gegen eine geregelte Einwanderung gestemmt hat, schaut nun einer völlig chaotischen zu, die außerdem die öffentliche Sicherheit gefährdet. Die Bereitschaft, den Fehler einzusehen und zu korrigieren, ist nicht erkennbar.

        Der jetzt erzwungene „Wohlstandstransfer“ hätte freiwillig (was die bösen Linken immer gefordert haben) früher mehr genutzt. In Turn- und Industriehallen lindert er nur noch akute Not, von „Wohlstand“ kann da ja nicht die Rede sein.

        Es ist wie bei versäumter Prävention auf allen Gebieten (Gesundheit, Kriminalität, Infrastuktur) : Es kostet Lebensqualität und später viel mehr Geld.

        • QuestionMark 28. November 2015, 16:09

          @Citizen
          Die Partei (du meinst wohl die CDU) hat sich nicht gegen die Einwanderung gestemmt. Sie hat lediglich ihre Wählerschaft getäuscht.
          Deutschland hat im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit die Schleusen für Massenzuwanderung geöffnet.
          Welches Ziel soll erreicht werden? Lohndumping.

          Das war allerdings noch nicht genug. Der erhoffte Druck auf die Löhne ist ausgeblieben. Viele Ausländer wollten sich einfach nicht dauerhaft ausbeuten lassen und sind einfach wieder zurück in ihre Heimat gegangen. An die enttäuschten Gesichter der Osteuropäer beim abendlichen Supermarkteinkauf kann ich mich noch gut erinnern.
          Also hat man die nächste Stufe gezündet. Man hat auch die Zuwanderung von Arbeitskräften außerhalb Europas ins Auge gefasst. Und das wurde übrigens auch vor Ort beworben. (s.dazu Kampagne „Make it in germany“; Propagandavideos dazu gibt es im youtube).

        • In Dubio 29. November 2015, 12:12

          In einer übervölkerten Welt ist es wenig sinnvoll, unbedingt die eigene Bevölkerung für viel Geld „aufzustocken“.

          Ich denke, es ist eher wenig sinnvoll, selbst junge Menschen aus ihrem angestammten Kulturraum herauszureißen um mit der Umsiedlung soziale Probleme im Westen zu lösen. Von den 7,2 Milliarden Menschen auf der Welt sind 9 Promille reine Deutsche. Selbst wenn diese ihren Bestand erhalten, was zum Vorteil der Sozialsysteme wäre, würde das an der Weltbevölkerung praktisch nichts ändern. Und selbst wenn die Deutschen vollständig von der Weltkugel verschwinden würden, hätte auch das zahlenmäßig keine Auswirkung. Welches Problem wollten Sie noch einmal lösen?

          Schauen Sie sich bitte an, wo Deutschland seit der Wiedervereinigung seine öffentlichen Mittel eingesetzt hat. Zwischen 70 und 80 Prozent des Bundesetats gehen regelmäßig in den Sozialetat zur Linderung (oder auch nicht) der Folgen von Arbeitslosigkeit, Alterstransfers (wobei alte Menschen in dieser Zeit das geringste Armutsrisiko hatten) und Gesundheit.

          • Stefan Sasse 29. November 2015, 15:07

            Arbeit und Soziales hat einen Anteil von etwa 42% am Bundeshaushalt, Gesundheit 4%. Nicht 70 bis 80%. Das wäre absurd. Alleine Verteidigung und Schuldendienst zusammen haben 20%. Siehe hier: http://www.br.de/nachrichten/2015-bundeshaushalt-104~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647.jpg?version=a7adc

            • In Dubio 30. November 2015, 17:19

              Die Aufstellung ist nicht richtig, denn sie ist nach Ressorts. Oder würdest Du behaupten, die Ausgaben für Familie oder Gesundheit seien keine Kosten der sozialen Sicherung? Wenn Du dann noch die Kosten für den Schuldendienst herausrechnest, die nicht in der Disponibilität des Parlaments liegen, kommst Du ziemlich in die von mir genannte Größenordnung – erst recht, wenn Du es nach Sach- und Personalausgaben gliederst. Die Ordnung nach Ressorts ist irreführend.

              Allerdings war meine Formulierung vom „Sozialetat“ nicht klar, gemeint waren allgemein Sozialtransfers.

              • Stefan Sasse 1. Dezember 2015, 07:30

                Das ist ein arg freizügiger Umgang mit Zahlen.

                • In Dubio 1. Dezember 2015, 08:53

                  Ja? Die kurze Variante: der Abzug des Schuldendienstes von den Gesamtausgaben hat sich seit einigen Jahren eingebürgert, um das Staatseinkommen bereinigt zu zeigen und wird als Primärüberschuss /-defizit bezeichnet.

                  Dies geschieht, weil der Staat diese Ausgaben kurzfristig nicht beeinflussen kann. Das Gleiche gilt für die Personalkosten. Genauso kannst Du sagen, Deine Betrachtung sei willkürlich, schließlich ist die Einordnung nach Resorts politisch bestimmt.

                  Ich gehe davon aus, dass Du das Argument des Primärüberschusses nicht (mehr) verwenden wirst.

                  • Stefan Sasse 1. Dezember 2015, 10:50

                    Ich glaube ich hab noch nie bewusst mit dem Primärüberschuss argumentiert, weil ich zu meiner Schande gestehen dass mir unklar war, wie das funktioniert.

                    • In Dubio 1. Dezember 2015, 10:54

                      Ja, und jetzt hast Du noch ein Argument verbrannt, welches Du in der Zukunft hättest nutzen können. Dumm gelaufen. 😉

                    • Stefan Sasse 1. Dezember 2015, 11:02

                      Nicht zwingend, ich kann ja lernen und meine Argumentation anpassen. Ist das nicht irgendwie der Sinn des Blogs?

                      Anyway, ich denke weiterhin, dass dein Zahlen-Hokuspokus hier ein wenig daneben geht. Selbst wenn ich entsprechend andere Ressorts reinzähle, kommen wir vielleicht auf 60%, aber sicher nicht auf 70-80%.

                    • In Dubio 1. Dezember 2015, 11:45

                      Das ist doch nicht der Punkt, Stefan. Der Punkt ist, dass jeder seriöse Haushälter wissen will, für welche Aufgaben (-Kategorien) er sein Geld ausgibt. Die Zinsen sind einfach weg, zack. Personalkosten sind es auch, zack, solange „betriebsbedingte“ Entlassungen auf Bundesebene ein Tabu sind.

                      Also unterhalten wir uns über das, was übrig bleibt. Tatsächlich, das zeigen die Einzelpläne, hat der Staat für (Sozial-) Transfers jedes Geld. Diese Ausgabenform ist auch jene, welche den Großteil der Einnahmenzuwächse der letzten 20 Jahre absorbiert hat. Aber es ist kaum Geld für die eigentlich originären Staatsaufgaben innere und äußere Sicherheit, Rechtspflege und Bildung vorhanden, von Investitionen in die Infrastruktur ganz zu schweigen. Dieses Ausgabenverhalten lässt sich nicht durch Mehreinnahmen verändern. Das zeigt sowohl unsere Finanzgeschichte als auch der Blick in die europäischen Partnerländer.

                      Am Ende ist es dann müßig, ob nach der einen Rechnung die Sozialausgaben bei 50 oder 80 Prozent liegen. Entscheidend ist, was für die anderen Aufgaben übrig bleibt. Und Zinsen kannst Du kaum als Investitionen rechnen, da sind wir uns wohl einig, oder?

  • Blechmann 28. November 2015, 06:35

    Ich glaube auch, dass man die Kosten für die Einwanderer überschlägig schätzen kann. Wiki schätzt die Gesamtkosten (Stand 2014) der deutschen Einheit einschließlich der Sozialtransfers zwischen 1,3 und 2,0 Billionen Euro, jährlich um etwa 100 Milliarden Euro steigend.[1]

    Also in 25 Jahren kostete eine Mio Neu-Deutsche ca. 75-100 Mrd. Die Eingliederung der jetzigen Einwanderer dürfte aber deutlich teurer kommen als die der Ostdeutschen, aus drei Gründen.

    1) Die Ostdeutschen waren weit besser ausgebildet
    2) Sie waren Deutsche, also leicht zu integrieren
    3) Ostdeutschland hat erhebliche Werte mit eingebracht. Die Ossis hatten ja Häuser/Wohnungen, Infrastruktur, ein ganzes Land.

    Interessant ist die Frage wieviel teurer.

    Ich kann allem zustimmen, was in dem Artikel gesagt wurde. Ehrlich gesagt stehe ich der Politik der Bundesregierung ziemlich ratlos gegenüber. Ich dachte wir hätten einen hart erkämpften und ausdiskutierten Konsens, wie Deutschland mit Migranten umgeht. Ich stelle mir Politiker als professionell vor, dass sie in einem Anfall von Humanität, ungeachtet der Konsequenzen alles über den Haufen schmeißen und „mit dem Herzen“ denken – gut ein Grüner vielleicht, aber ein CDU-Politiker? Andererseits dachte ich bis Fukushima auch, dass wir einen solchen hart erkämpften Konsens über Atomkraft hätten. Ich kann das Ganze nicht recht einordnen. Das macht die Sache noch beunruhigender.

    • Stefan Sasse 28. November 2015, 09:09

      Die Rechnung mit der Wiedervereinigung hier ist etwas arg einfach. Immerhin bringen die Flüchtlinge keine Altlasten mit – von völlig verseuchten Landstrichen über marode Immobilien zu kaputten Industrien, die abgewickelt, und Sozialanwartschaften, die bedient werden müssen. Dazu betraf die Wiedervereinigung 17 Millionen Neu-BRD-Bürger.

      Ich möchte noch einmal betonen, dass Flüchtlinge nicht Migranten bedeutet. Es dürfte unbetritten sein, dass viele Flüchtlinge in Deutschland bleiben werden – aber bei weitem nicht alle. Und der Familiennachzug dauert schon zu guten Zeiten mindestens sechs Monate, häufig eher zwölf bis achtzehn. In diesen Mengen wird das frühestens in zwei Jahren ein ernsthaftes Problem, und in der Zwischenzeit könnte sich ein guter Teil schon entscheiden, es doch bleiben zu lassen. Who knows? Lassen wir die Kirche im Dorf und lösen die Probleme, die wir haben, anstatt uns auf hypothetische neue zu stürzen.

      • In Dubio 28. November 2015, 10:15

        Dem ist entgegen zu halten: Grundstücke und Bauten gab es zum Zeitpunkt des Beitritts der DDR bereits. Und auch die Sanierungskosten machten lediglich einen Bruchteil der Gesamtkosten aus und wurden mit der Übernahme der DDR-Betriebe durch westliche Konzerne verrechnet.

        Die DDR-Bürger, bei allen Unterschieden teilen ein Wertegerüst, sie sind mit der laizistischen Welt von Kindesbeinen an vertraut. Welcher Ostdeutsche steckt seine Frau übrigens in einen Nikab?

        Außerdem verniedlichst Du aus meiner Sicht das Problem des familiären Nachzugs: 12-24 Monate sind nichts in unserer Zeit, das sind bestenfalls 2 mal die Steuereinnahmen eines Jahres.

        • Stefan Sasse 29. November 2015, 15:09

          Trotzdem bleibt der Punkt: Flüchtlinge kommen ohne Haben, aber halt auch ohne Soll.

          Mir geht es bei der Dauer eher darum, dass das vielen zu lang sein könnte und sie in der Zwischenzeit nach Alternativen suchen. Selbst wenn nicht bietet uns zwei Jahre immerhin eine gewisse Zeitspanne, um Alternativen zu finden (etwa Situation in Lagern in Türkei etc. zu verbessern) oder notfalls den Familiennachzug zu reformieren. Ich will nur die Panikmache etwas entschärfen, dass da quasi auf einen Satz noch mal vier Millionen kommen.

          • In Dubio 30. November 2015, 10:16

            Welche Alternativen? Mit Ausnahme Deutschlands will kein anderes hoch entwickeltes Land Flüchtlinge in nennenswertem Umfang aufnehmen und der Wiederaufbau Syriens – so es den Staat auf Dauer geben wird – wird inzwischen in Generationen gemessen. Was sollte einen jungen Mann mit Frau und einem Neugeborenen in Bodrum verführen, in einem Auffanglager der Türkei zu bleiben?

            Du selbst warnst davor, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Und tust nun genau das in Deiner Argumentation. „Viele Syrer werden zurückkehren“, „Die Verbesserung vor Ort in den Auffanglagern wird die Flucht einhegen“ – kommt Dir das nicht bekannt vor? Ist es nicht eher: „wir nahmen Flüchtlinge auf und es kamen Menschen“? Und nebenbei willst Du wie die CSU die Verfassung aushebeln. Der Schutz von Ehe und Familie stehen unter dem Schutz des Grundgesetzes. Ein anerkannter Asylbewerber hat genau diesen Anspruch auf Schutz seiner Familie.

            Bei solch leichtfertigem Umgang mit Recht und Verfassung bekomme ich Panik.

            • Stefan Sasse 30. November 2015, 12:09

              Mir wäre neu, dass der Schutz von Ehe und Familie IN DEUTSCHLAND ein pauschales Recht auf Familiennachzug konstituieren würde. Wenn dem so wäre, müssten wir ja bisher nicht dieses Riesenprogramm drum laufen lassen.

              • In Dubio 30. November 2015, 12:29

                Jetzt stellst Du Dich naiver als ein mittelmäßig begabter Flüchtling an. 😉

                Ein Syrer, dem in Deutschland Asyl gewährt wird, hat einen Rechtsanspruch, seinen Ehepartner(in) und seine Kinder nachzuziehen. Das lässt sich nicht einschränken. Ein Kind, das hier Asyl erhält, zieht die eigenen Eltern wie die Geschwister nach. Die Quote ist also potentiell besser. Wundert man sich da ernsthaft, dass inzwischen so viele elternlose Kinder hier stranden?

                Aus meiner Sicht sind diese Kinder allerdings Waisen, weshalb entsprechend zu verfahren wäre. Das Betreuungsrecht geht auf den Staat über. Kommen die Eltern nach, haben sie erst gesondert Asyl zu beantragen oder das Land mitsamt ihrem Kind (gegen amtlichen Nachweis der Elternschaft) zu verlassen. Das ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, den Familiennachzug zu begrenzen. Und gleichzeitig, dieses kinderfeindliche Vorgehen von Eltern zu unterbinden.

                • CitizenK 30. November 2015, 13:34

                  Gilt das auch für die „Kontigent“-Flüchtlinge?

                  • CitizenK 30. November 2015, 13:34

                    „Kontingent“ muss es natürlich heißen.

                    • In Dubio 30. November 2015, 13:55

                      Der Flüchtlingsstatus ist vorläufig, er begründet kein dauerhaftes Aufenthaltsverhältnis. Daher gilt hier der Familiennachzug nicht oder eingeschränkt.

                      Gelingt es jedoch einem Familienmitglied, einen dauerhaften Aufenthaltsstatus zu erreichen, läuft die Maschinerie. Bisher werden selbst die meisten Syrer lediglich als Flüchtlinge anerkannt. Noch also besteht die Möglichkeit zur Politikumkehr.

                • Stefan Sasse 30. November 2015, 15:20

                  Mir ist ehrlich gesagt unklar, warum ich den Familiennachzug nicht beschränken können sollte. Offensichtlich hält es niemand für ein Problem, den Flüchtlingen das Taschengeld u.Ä. zu streichen, warum also das?

                  • In Dubio 30. November 2015, 15:46

                    Natürlich ist auch das ein Problem, zumindest ersatzlos. Der Staat kann zwar einen Teil seiner Transfers in Sachleistungen geben, aber nicht mal das ausschließlich.

    • QuestionMark 28. November 2015, 14:34

      Es wird keine erfolgreiche Integration geben (s.dazu Frankreich, Pariser Vororte oder auch Schweden). Stattdessen wird der Verdrängungswettbewerb im Sklavenmarkt und im Immobilienmarkt zunehmen. Das betrifft übrigens nicht nur die (wie in der offiziellen Propaganda behauptet) unteren Einkommensschichten. Das betrifft die gesamte Bevölkerung.
      Die Folgen sind also: Sinkende Löhne und das alles bei gleichzeitiger Erhöhung der Abgaben- und Steuerlast und bei tendenziell steigenden Mietpreisen. Die Belastung der Arbeitseinkommen liegt schon derzeit durchschnittlich bei etwa 50%. Und da sind logischerweise noch viele Steuern überhaupt nicht mit drin. (beispielsweise: Mehrwertsteuer, Ökosteuer, Mineralölsteuer, Kfz-Steuer usw. usf.)
      Fazit: Hier wird eine Politik betrieben wie sie dümmer nicht sein könnte. Einzige Profiteure dabei: Die Kapitalisten.

  • CitizenK 28. November 2015, 09:34

    „….anstatt uns auf hypothetische neue zu stürzen.“

    Hätten wir uns vor ein, zwei Jahren auf die damals „hypothetischen neuen“ Probleme gestützt, wären die aktuellen wesentlich kleiner.
    Es gab ja Hinweise (Warnungen?) der Botschaften. Dass ein einheitliches IT-System nützlich/notwendig werden könnte, war auch klar. Um nur ein kleines Beispiel zu nennen.

    @ R.A.
    Vielen Deiner Aussagen kann ich zustimmen. Die erkennbare Ratlosigkeit der Regierung halte ich auch für das eigentliche Problem. Dagegen war die Fukushima-Entscheidung der Kanzlerin glasklar rational. Ich wünschte, die Franzosen hätten das auch verstanden.

  • Stephan 29. November 2015, 16:26

    Die Kosten der Flüchtlinge! Na gut. Dann setze ich mir mal den neoliberalen Hut von Stefan Pietsch auf und erkläre ihm wie man als Neoliberaler dieses Problem löst. Laut Herrn Xavier Naidoo lebt er ja in der „BRD GmbH“. Die Human Resource Abteilung der BRD GmbH hat schon länger festgestellt, dass es ein Problem mit der Belegschaft gibt. Es wollen einfach nicht mehr genug Menschen Mitarbeiter der BRD GmbH werden. Durch einen „glücklichen“ Zufall trudeln aber im Jahr 2015 plötzlich eine Million Bewerbungen ein.

    Die Human Resource Abteilung der BRD GmbH ist natürlich nicht vorbereitet auf diese plötzliche Flut von Bewerbern. Sie muss improvisieren. Ein Screening der Eignung der Bewerber für die BRD GmbH muss auf Grund mangelnder Human Resource Mitarbeiter vertagt werden. Die potentiellen BRD GmbH Mitarbeiter werden deshalb auf eine Warteliste gesetzt und in der Zwischenzeit in einer Auffanggesellschaft der BRD GmbH geparkt. Die Geschäftsführung der BRD GmbH wird von der Human Resource Abteilung der BRD GmbH via Memo über die Chancen aber auch Probleme der neuen Belegschaft informiert.

    Die Geschäftsführung der BRD GmbH ist weltweit bekannt für ihre vorausschauende, zukunftsorientierte und nachhaltige Management-Philosophie. Der Geschäftsführung der BRD GmbH ist klar, dass die neue Generation 1 der neuen Belegschaft der BRD GmbH an einigen Kinderkrankenheiten leidet. Die Kompatibilität mit der bestehenden Belegschaft muss erst hergestellt werden. Einige Kontigente der neuen Belegschaft könnten sich als inkompatibel erweisen und müssen in der bereits gegründeten Auffanggesellschaft weiter beschäftigt werden.

    Nach einer gründlichen Kosten & Nutzen Rechnung kommt die Geschäftsführung der BRD GmbH allerdings zu dem Schluss, dass mit Generation 2 der neuen Belegschaft der BRD GmbH enorme Gewinne zu erzielen sind. Allerdings wird die Geschäftsführung der BRD GmbH vom internen Controlling darauf hingewiesen, dass diese enormen Gewinne nicht realisiert werden können wenn Fehler der alten Geschäftsführung aus der Vergangenheit wiederholt werden. Der CFO und das Controlling weist darauf hin, dass auf Grund mangelnder Investitionen in der Vergangenheit Teile der bestehenden Belegschaft abgeschrieben werden mussten.

    Die Geschäftsführung der BRD GmbH beschliesst daher einvernehmlich einen langfristigen Investitionsplan für die BRD GmbH. Die Fehler der Vergangenheit sollen nicht wiederholt werden. Das Unternehmen BRD GmbH wird in seine Zukunft massiv via Unternehmensanleihen investieren. Mit dem Cash-Flow wird in die bestehende Belegschaft weiter investiert. Um größtmögliche Synergie-Effekte zwischen bestehender Belegschaft und neuer Belegschaft zu generieren sind auch Investitionen in diesem Bereich eingeplant. Die Märkte reagieren auf die ad hoc Ankündigung der BRD GmbH mit großer Euphorie.

    • Stefan Sasse 29. November 2015, 17:30

      Die Geschäftsführung stellt dann einige High-Profile-Lobbyisten ab, die einen glaubhaften, transparenten und sinnvollen Weg zur Übernahme beschreiben. Dafür werden antiquierte Vorstellungen der Personalabteilung über Bord geworfen.

      Das fehlte noch.

      • Stephan 29. November 2015, 17:51

        Stimmt. Auch wichtig. Was sagt der Finanzmarkt? Die Ratingagenturen S&P und Moody’s: Die Unternehmensanleihen der BRD GmbH sind bereits Investment-Grade AAA. Die strategische Neuausrichtung durch das neue Management der BRD GmbH bestätigt unser Rating und den positiven Ausblick für 30 Jahre BRD GmbH Anleihen. Und Deutsche Bank Investment Research: Die BRD GmbH war bereits seit vielen Jahren ein sicherer Hafen für deutsche Anleger. Mit der Neuausrichtung des Unternehmens BRD GmbH werden die Anleihen besonders interessant für Anleger, die einen optimalen Mix zwischen Anlagesicherheit und Renditen für zukünftige Generationen suchen,

        • Stefan Sasse 29. November 2015, 18:22

          Als problematisch erweist sich indessen die Gewerkschaft „Alternative für die BRD Gmbh“, die befürchtet, dass die neuen Tarifstrukturen für ältere Arbeitnehmer im Betrieb nachteilhaft sein könnte. Das Angebot der Geschäftsleitung, für die betroffenen Arbeitnehmer Fortbildungen anzubieten, so dass deren Fähigkeiten in einem wandelnden unternehmen relevant bleiben, schlägt die Gewerkschaft aus und fordert stattdessen, die bisherigen Fertigkeiten zu zertifizieren und als Eintrittsvoraussetzungen verbindlich festzuschreiben.

    • In Dubio 30. November 2015, 10:06

      Schöne Metapher – nur sind da ein paar erhebliche Schnitzer drin, was das Lesevergnügen mindert. Wir sprechen bei einer so großen Organisation eher von einer AG, wo die Beteiligungsmöglichkeiten größer sind als bei einer GmbH. Die Shareholder der Gesellschaft machen gerade ihrem Ärger über die Geschäftsleitung der Organe öffentlich, die Vertragsverlängerung des Managements ist unsicherer denn je. Kein Wunder, ein Vorstand, der für Bewerber bereits eine Auffanggesellschaft gründen will, verschwendet das Kapital des Unternehmens. Dieses Instrument ist einer Restrukturierung oder dem Insolvenzfall vorbehalten. Bei aller Liebe: Deutschland steht (noch) nicht vor dem Bankrott.

      Auch eine hohe Anzahl von Bewerbern steigert nicht die Bereitschaft zur Einstellung, diese richtet sich allein nach dem Bedarf des Unternehmens – jetzt und in der überschaubaren Zukunft. Ein vorausschauendes Management wüsste, dass Mitarbeiter nur Mittel zum Zweck sind – nämlich mittels des Vertriebs hochprofitabler Produkte die Ertragskraft zu steigern. Dazu gehört jedoch als erstes, die eigene Begrenztheit kennen und die Mittel realistisch einzuschätzen.

      Und dazu gehört, nicht das Controlling, sondern die Buchhaltung nach den Abschreibungen der Vergangenheit zu fragen.

      • Stefan Sasse 30. November 2015, 12:04

        Schon, aber die Buchhaltung und Shareholder wissen nicht – im Gegensatz zur Führungsetage – dass in Zukunft ein Bedarf ansteht und dass die aktuelle Chance, die sich durch ein gewagtes Investment ergreifen lässt, nur einmal kommt. Man muss erst investieren, bevor man verdienen kann. Und das ist ein Problem für schwerfällige Unternehmen, in denen Sicherheit vor Risiko und Unternehmergeist steht, aber ein erfolgreiches Unternehmen muss eben manchmal ein Risiko eingehen, um die spätere Stagnation zu vermeiden.

        • Blechmann 6. Dezember 2015, 06:59

          Wie VW, was? Naja, die Firma geht doch Risiken ein. Den Euro, die Energiewende, die Bankenrettung. Sollten nicht eigentlich die Banken die Firma finanzieren und nicht umgekehrt? Da hat der Vorstand wohl gemauschelt.

          Jedenfalls wird es angesichts der angespannten Finanzlage wohl nötig eine Gewinnwarnung auszugeben und schnellstens ein paar finanzielle Risiken auszusourcen. Ich glaub die Aktionäre werden schon langsam nervös.

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