Wer hat denn nun eigentlich gewonnen? Die Nachwehe der #DemDebate in New Hampshire

US Wahl Logo DDNach der jüngst beendeten Debatte der Democrats herrschte bei Beobachtern eine gewisse Konfusion. Wer hat gewonnen – Bernie Sanders oder Hillary Clinton? Einig waren sich die Beobachter wohl nur darin, dass Chaffee, Webb und O’Malley klar verloren haben. Nun da sich der Staub etwas gelegt hatte und die Umfrageinstitute methodisch sauberere Umfragen¹ erstellen konnten, fällt die Antwort möglicherweise etwas klarer aus. Deliberation Daily stehen dafür brandaktuelle Ergebnisse für eine Umfrage in New Hampshire zur Verfügung. The Granite State ist zwar von seiner Bevölkerungszahl, höflich gesagt, etwas vernachlässigbar und spielt in den eigentlichen Präsidentschaftswahlen auch keine hervorgehobene Rolle. Dafür ist er im System der Vorwahlen umso bedeutender, denn die erste primary findet immer in New Hampshire statt, wodurch der kleine Staat dadurch neben Iowa zu einer entscheidenden Wasserscheide für alle Kandidaten wird. Die Umfrage, aus der wir unsere Zahlen haben, wurde für das Bostoner Nachrichtenportal WBUR erstellt. Und in diesen Zahlen findet sich zum Sieg der Debatte eigentlich keine echte Ambivalenz mehr.

New Hampshire mag zwar nicht repräsentativ für die Vereinigten Staaten als Ganzes sein, aber der Staat unterscheidet sich in einigen wichtigen Details doch von Iowa, wo die allererste Vorwahl (ein caucus) stattfindet. Beide Staaten sind überwiegend ländlich geprägt und durch ihre Bedeutung in den primaries eher von den jeweils radikalen Flügeln der beiden Parteien geprägt, aber New Hampshire ist von beiden Staaten der moderatere. 2008 gewann Obama Iowa und Clinton New Hampshire, und Jon Huntsman, der 2012 der moderateste Kandidat der Republicans war, hoffte auf einen Überraschungssieg in diesem Staat (Mitt Romney gewann stattdessen deutlich). New Hampshire ist also eher Clinton-Territorium als Sanders-Territorium, das muss einschränkend vorangestellt werden.

Dennoch sind die Zahlen interessant. WBUR hatte bereits im September eine Umfrage in New Hampshire auf gleicher Datenbasis durchführen lassen, wodurch einige spannende Vergleiche entstehen. So konnte Hillary Clinton in diesem Monat ihre Favorables (die in US-Umfragen immer gestellte Frage lautet, ob man den Kandidaten eher generally favorable oder generally unfavorable sehe) von 56% auf 64% steigern, während Sanders von 64% auf 70% steigerte. Dies stützt meine nach der Debatte geäußerte These, dass beide von ihr profitiert haben. Gleichzeitig sanken Clintons Unfavorables um 3%, während die für Sanders 2% stiegen. Für Clinton sind das gute Nachrichten, denn in der general election sollten möglichst wenig Democrats von ihrer Kandidatur davon abgehalten werden, überhaupt wählen zu gehen. Für Sanders ist die Frage relativ irrelevant – weder wird er in der general election antreten, noch braucht er sich bei seinen extrem niedrigen Unfavorables (nun 17%) Sorgen zu machen. Von solchen Werten träumen die meisten anderen Kandidaten. Soweit also für beide ein Gewinn.

Anders sieht die Sache aus, wenn es um die Wahlentscheidung geht. Im September erklärten noch 32% der Befragten, Sanders wählen zu wollen, während nur 29% für Clinton votierten. Nun, im Oktober, wollen immer noch 32% Sanders wählen – aber 36% Clinton. Das lässt darauf schließen, dass Sanders seinen harten Anhängerkern weiter bewahren kann, während Clinton alle potenziellen Wähler ihrer Konkurrenten sowie Unentschiedene Wähler auf sich zieht. Tatsächlich kommen die meisten ihrer neuen möglichen Wähler – 5% – von Joe Biden, der freilich noch nicht einmal seine Kandidatur erklärt hat. Die These, wonach Clintons starke Performance in der Debatte seine Chancen geschmälert hat, zeigt sich damit bekräftigt.

Noch viel krasser allerdings wird das Bild, wenn die Umfrageteilnehmer befragt werden, von wem sie glauben, dass sie die Primary gewinnen wird. Satte 60% der Wähler glauben an einen Sieg Clintons, 9% an Biden, 18% sind sich nicht sicher – und nur 13% glauben, dass Sanders gewinnen wird. Diese Dynamik ist entscheidend für Clintons praktisch nicht mehr zu nehmenden Sieg (Gründe dafür hier). Im Gegensatz zu den Republicans sind die Democrats pragmatisch. Sie wollen einen Kandidaten, der ihre Werte teilt und eine Chance hat, gewählt zu werden. Entsprechend werden Clintons Werte mit dem Näherrücken der tatsächlichen Wahlen im März, wenn es tatsächlich um etwas geht, eher noch steigen. Sanders dagegen hat seinen Höhepunkt wahrscheinlich bereits erreicht. Dies sieht man auch an den Umfragewerten, in denen die Chance der beiden in der general election eingeschätzt werden soll: Sanders‘ Werte haben sich durch die Debatte kaum verändert (34% zu 39% glauben, dass er siegen könnte, während 45% statt 48% glauben, dass er nicht siegen kann), während Clinton durch die Debatte einen riesigen Sprung gemacht hat: Glaubten im September noch 56% der Befragten, dass sie gewinnen könnte, sind es nun 71%. Die Zahl derer, die ihren Sieg bezweifeln, ist von 29% auf 18% zurückgegangen.

Alle diese Zahlen sprechen sehr dafür, dass beide Kandidaten ihr Ziel erreicht haben. Sanders hat seine Position innerhalb der primaries verteidigt und kann sich weiter auf eine starke, engagierte Basis stützen – wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht siegen, was seine Anhänger überwiegend genauso sehen. Es ist daher damit zu rechnen, dass Clintons die Nominierung sehr deutlich erhalten wird. Ihre Hauptsorge dürfte daher sein, Sanders endorsement zu gewinnen (Bedeutung hier) und dafür zu sorgen, dass diese Wähler nicht enttäuscht zu Hause bleiben, wie sie es bei den Midterm Elections 2010 und besonders 2014 taten. Und hier ist Sanders‘ weiterhin starke Stellung beiden zuträglich. Solange Clinton den Spagat zwischen linken und moderaten Positionen weiterhin meistert, sollte sie an dieser Front in Sanders ihren besten Verbündeten haben – und er in ihr.

¹Umfrage unter 401 Wahlberechtigten „likely voters“, alle entweder registrierte Democrats oder Independents. 94% der Befragten waren weiß, die Hälfte 45 oder älter. 56% waren weiblich, 44% männlich. 51% hatten College- oder höheren Abschluss.

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  • Kning 18. Januar 2016, 11:16

    Sanders schneidet in aktuellen Umfragen in New Hampshire besser ab wie Clinton und auch in Iowa liefern sich die beiden ein Kopf an Kopf rennen (mit aktuell leichtem Vorteil für Clinton).

    Ich glaube, dass Clinton Sanders unterschätzt hat und je nach Momentum aus den ersten Primaries auch die Frage der demokratischen Nominierung für Clinton kein Selbstläufer wird.

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