Ein atemberaubender Moment in der Debatte der Republicans

 
Gestern Nacht fand die zweite Debatte der Republicans im US-Vorwahlkampf statt, dieses Mal mit 11 Kandidaten (Carly Fiorina war nach ihrer starken Performance bei der letzten „Junior-Debatte“ mithinzugezogen worden) und über drei Stunden. Abgesehen von einem leichten Strategiewechsel bei Trump (nicht mehr ganz so aggressiv) war die Debatte vor allem reichlich mäandernd mit merkwürdigen Schwerpunktsetzungen (kaum Steuern, überhaupt kein Obamacare). Eine Frage jedoch sticht so heraus, dass man die Antworten auch einem deutschen Publikum zeigen und sie kommentieren will, denn sie offenbaren eine Sollbruchstelle innerhalb der Partei der Republicans, die unter den Bedingungen der Auseinandersetzung mit Hillary Clinton nur größer werden kann.

Die Frage war, welche Frau die Kandidaten auf den 10-Dollar-Schein drucken würden (Video). Hintergrund der Frage ist die Forderung, das bisher rein männliche Roster der Köpfe auf US-Geldscheinen mit wenigstens einer Frau zu diversifizieren, und das US-Schatzamt hat zugesagt, dafür Alexander Hamilton vom 10-Dollar-Schein zu werfen. Diese Entscheidung ist in sich selbst sehr kontrovers, weil der 10-Dollar-Schein einer der am wenigsten gebrauchten Scheine in den USA ist, während neben dem (mit George Washington besetzten) Ein-Dollar-Schein der Zwanziger am Häufigsten gebraucht wird – was eine Initiative auch zum Anlass nimmt, eine Frau auf diesem Schein zu fordern, auf dem zudem das Konfertei von Jackson prangt. Jackson war nicht nur ein Gegner der US-Zentralbank und des Papiergelds allgemein sondern auch ein Rassist, Sklavenhalter und Massenmörder, weswegen es mehr als überfällig ist, ihn aus dem Geldumlauf zu entfernen.

Aber zurück zu den Kandidaten. Auf die Frage, wen sie auf den Schein packen würden – und sind wir ehrlich, in Wirklichkeit lautete die Frage „Nenne eine historisch berühmte amerikanische Frau“ antworteten sie wie folgt:

Rand Paul: „You know, I agree with what Carly said on women suffrage, and so I think that Susan B. Anthony would be my choice.“

Susan B. Anthony war eine überzeugte Suffragettin und die erste registrierte Wählerin in den USA. Pauls Wahl erscheint daher angemessen, auch wenn Anthony selbst bisher eher unbekannt sein dürfte. Aber die meisten Deutschen dürften Clara Schumann auch nur vom 100-Mark-Schein gekannt haben, von daher wäre das weniger ein Problem. Paul zeigt hier seine libertäre Seite, für Bürgerrechte.

Mike Huckabee: „That’s an easy one, I’ll put my wife on there. I’ve been married to her 41 years, she fought cancer and lived through it, she raised three kids, five great grandkids and she put up with me, I mean, who else could possibly be on that money other than my wive? And that way, she could spend her money with her own face.“

Es sind Momente wie diese, die man sich eigentlich gar nicht ausdenken kann. Ernsthaft, Mr. Huckabee? Deine Frau? WEIL SIE MIT DIR VERHEIRATET WAR? Ihre sonstigen Errungenschaften: das Erfüllen des konservativen Wunschtraums, Kinder großgezogen zu haben. Das Einzige, was Huckabee zu einer eigenen Lebensleistung einfällt ist, dass sie überlebt hat, ein Erfolg, der es ihr ermöglicht hat die „großartigen Enkelkinder“ zu erziehen. Dafür aber könnte sie immerhin ihr „eigenes Geld“ ausgeben, statt wie bisher das ihres viel besseren Ehemanns zu verbrauchen. Auf die Frage nach historisch bedeutsamen Frauen, die man neben Washington, Jackson und Lincoln auf die Geldscheine drucken kann fällt ihm genau niemand ein; stattdessen macht er die Frage zu einem dummen, sexistischen Witz über seine Ehefrau. Wahnsinn.

Marco Rubio: „Rosa Parks. An everyday American that changed the course of history.“

Eine sichere Bank. Rosa Parks ist schwarz (was es Rubio gleich ermöglicht, sich von Trump und den anderen hatern abzusetzen) und die wohl berühmteste Frau. Niemand kann ernsthaft etwas gegen sie und ihr Ziel zur Gleichberechtigung der Schwarzen haben.

Ted Cruz: Well, I wouldn’t change the ten-dollar-bill, I’d change the twenty, and I would pull Jackson off and I’d leave Alexander Hamilton right where he is as one of our Founding Fathers. And I very much agree with Marco that it should be Rosa Parks, she was a very principled pioneer that helped this country, helped remedy social injustice, and that would be an honor, that would be enitrely appropriate.“

Ted Cruz, der als Feuerfresser sonst nur Trump Konkurrenz macht, überrascht hier, indem er nicht nur den Südstaatenliebling Jackson vom Zwanziger werfen will sondern auch den Rosa-Parks-Vorschlag unterstützt. Gleichzeitig aber weiß er, beide für seine Ideologie zu kooptieren: den ersten wirklich großen Fan von big government, Alexander Hamilton, wirft er hier einfach mit Thomas Jefferson und den anderen Founding Fathers in denselben Tea-Party-Topf, und Rosa Parks wird durch das Adjektiv „prinzipientreu“ in die sozialkonservative Richtung gezogen. Well played, Mr. Cruz.

Ben Carson: „I’d put my mother on there. She was one of twenty-four children, got married at age thirteen, had only a third-grade education, had to raise two sons by herself, refused to be a victim, wouldn’t let us be victims, and has been an inspiration for many people.“

Ohne die persönlichen Qualitäten von Mrs. Carson in Abrede stellen zu wollen, aber nichts davon qualifiziert sie als Symbol der gesamten Nation, besoners weil die „vielen Menschen“, die sie inspiriert hat, wohl kaum die Hunderter-Marke überschreiten – was in einem Land von über 300 Millionen nicht gerade viel ist. Carsons Begründung ist eine, die ein absoluter Monarch geben würde, der sich einen feuchten Kehricht um seine Nation kümmert, und die Ignoranz, die er gegenüber der Symbolwirkung einer solchen Tat zur Schau stellt, ist beeindruckend. Sie zeigt auch, wie ungeheuer ungeeignet er für das Amt – jedes Amt – ist. Diesen Menschen an die Macht zu lassen ist ein Rezept für radikale, allein getroffene und desaströse Entscheidungen. Daneben findet sich das für schwarze Republicans typische Muster, die Probleme der Schwarzen in den USA komplett ihnen selbst zuzuschreiben. Kein „Opfer“ sein zu wollen sondern sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – wofür Carson mit seiner Lebensgeschichte eindrücklich steht – ist hier einer der vielen Codes, die dazu verwendet werden.

Donald Trump: „Well, because she’s sitting here for three hours, my daughter Ivanka sits right here. Other than that, we’ll go with Rosa Parks, I like that.“

Donald Trump hat das Pech, erst jetzt zum Zug zu kommen, so dass nach Huckabee und Carson der Gag, einen eigenen Verwandten zu nennen – denn er mit entsprechend Arroganz versehen hätte bringen können – lahm verpufft. Dafür hat er das Glück, sich Rosa Parks abschreiben zu können, auf die er alleine vermutlich nie gekommen wäre.

Jeb Bush: „I would go with Ronald Reagan’s partner, Margret Thatcher. Probably illegal, but what the heck. Since it’s not gonna happen. A strong leader is what we need in the White House and she certainly was a strong leader who restored the United Kingdom to greatness.“

Vermutlich fiel Bush auf, wie ungeschickt seine Antwort war, weswegen er noch weitere Qualifikationen anfügte. Erst „das passiert sowieso nicht“, wobei unklar ist, worauf sich das bezieht: eine Frau auf einem Geldschein? Nicht mir dir, Jeb, das hast du klar gemacht. Margret Thatcher? Natürlich nicht, aber warum nennst du sie dann? Ach ja, weil wir einen „starken Anführer“ im Weißen Haus brauchen (womit er natürlich sich meint), und sie war ja eine. Und sie hat die „Größe des Vereinigten Königreichs wiederhergestellt“, was super zu Jebs Motto „Right to Rise“ passt – die Wiederherstellung amerikanischer Größe, die ihn unter den anderen Kandidaten wirklich gar nicht hervorhebt. Die gesamte Antwort und vor allem wie sie vorgebracht wird zeigt die enormen Schwächen Bushs als Wahlkämpfer auf. Er und Hillary Clinton sind sich auch in dieser Hinsicht sehr ähnlich und werden sich im eigentlichen Wahlkampf darin neutralisieren.

Scott Walker: „First, thanks to Huckabee and Carson for making us all look like chumps up here, but I’d put Clara Barton. I once worked for the Red Cross, she was a great founder of the Red Cross.“

Barton war die Gründerin des amerikanischen Roten Kreuzes. Sie qualifiziert damit und zeigt gleichzeitig eine Seite an Scott Walker, die dieser gerne hervorheben würde: seinen bodenständigen Konservatismus, der sich in diesem Fall durch Arbeit bei der Charity auszeichnet. Das Ganze kommt auch authentisch herüber, weil er ihren (unbekannten) Namen kennt, er bekommt aber Abzug in der B-Note, weil seine Qualifizierung eines „großartigen Gründers“ nicht eben dafür spricht, dass er neben dem Wissen um ihre Existenz viel mehr Details auflisten könnte. Zu seinem Glück musste er das auch nicht.

Carly Fiorina: „I wouldn’t change the ten-dollar-bill, or the twenty-dollar-bill. Honestly, I think it’s a gesture. I don’t think it helps to change our history. What I would think is that we ought to recognize our women aren’t a special interest group, they’re the majority of this nation, we are half the potential of this nation, and this nation will be better off if she has the opportunity to live the live she chooses.“

Fiorina macht hier mit den Frauen – einer Stammwählerschaft der Democrats – was Carson mit den Schwarzen – dito – versuchte: das vorherrschende Narrativ ihrer Benachteiligung zu ändern und die Schuld hierfür der Gruppe selbst zuzuschreiben. Wie Carson auch kann sie das dank ihrer eigenen Lebensgeschichte glaubhaft tun. Beide erklären, dass es keine Symbolpolitik brauche (während sie in der Reagan-Library vor der Air Force One stehen) und dass es eine reine Willensfrage sei, ob man in Amerika eine Chance habe. Das ist natürlich Unfug, aber man muss Fiorina Respekt dafür zollen, wie sie all das in einen Satz verschwurbelt. Ähnlich geht sie auch in Fragen der Klimapolitik vor, wie Jonathan Chait dargestellt hat.

John Kasich: „It probably wouldn’t be legal, but I would pick Mother Theresa. The lady that I had the chance to meet, the woman who lived a live so much bigger than our own, an inspiration to everyone when we think about to love our neighbors as we love ourselves.“

Kasich, der Gouverneur von Ohio, zeigt ebenfalls seine wahlkämpferischen Fähigkeiten. Obwohl seine Wahl natürlich Unsinn ist wählt er eine weltweit bekannte, unangreifbare Ikone konservativer Fürsorge, belegt seine eigenen Referenzen durch den Hinweis dass er sie selbst getroffen hat und setzt sich von den anderen einmal mehr dadurch ab, dass er die Fremdenhetze nicht mitmacht sondern mit einem Bibelzitat zur Nächstenliebe anmacht. Well played, Mr. Kasich.

Chris Christie: „I think the Adams family has been shorted in the currency business. Our country wouldn’t be here without John Adams, and he would not have been able to it without Abigail Adams, so I’d put Abigail Adams on the bill.“

Christies Wahl ist solide: Abigail Adams gehört zu den aktivsten Präsidentengattinnen überhaupt, ohne gleich – wie die noch geeignetere Eleanor Roosevelt – zu liberal zu sein und kommt aus dem Nordosten, in dem Christie Gourverneur ist und ohne dessen Unterstützung er keine Chance hat. Insgesamt aber kann er sich damit nicht vom Feld abheben, was kein ernsthaftes Problem wäre wenn er wie Bush ein gutes Netzwerk und eine gut gefüllte Kriegskasse hätte, aber Christie hat miserable Umfragewerte und braucht dringend etwas, mit dem er sich abheben kann.

Generell zeigen die Antworten auf diese Frage eine große Schwäche vieler Kandidaten der Republicans auf: der Ruf der GOP, eher frauenfeindlich zu sein und in Fragen der Bürgerrechte sogar regressiv wird von der Hälfte der Kandidaten eher unterstützt. Völlig indiskutabel sind Huckabee und Carson, die beide nachdrücklich beweisen, wie ungeeignet sie jenseits der Basis der radikalen Republicans als Präsidentschaftskandidaten sind und sich als Vertreter der ganzen Nation völlig disqualifizieren. Auch der Versuch, Rosa Parks als eine Konservative umzuschreiben läuft bereits seit längerer Zeit und hat bisher wenig Erfolg gezeigt, bietet aber immerhin eine sichere Bank, um diese zentralen Bevölkerungsgruppen nicht noch weiter abzustoßen. Wenn die Republicans es nicht schaffen, hier ihre message zu verändern – und natürlich auf dem Feld der Einwanderung und dem Umgang mit den Illegalen Einwanderen – werden sie keine Chance haben, das Weiße Haus im November 2016 zu erobern. Bis dahin ist natürlich noch über ein Jahr Zeit, in dem Botschaften angepasst und Images aufpoliert werden können. Aber wäre ich ein Anhänger der Republicans würde mir angesichts ihrer bisherigen Perfomance echt das Gruseln kommen.

{ 19 comments… add one }

  • Ralf 17. September 2015, 23:02

    weil der 10-Dollar-Schein einer der am wenigsten gebrauchten Scheine in den USA ist

    Also das widerspricht meiner Erfahrung. Hab nachgeschaut und gerade heute hatte ich gleich zwei 10 Dollar-Noten im Portemonnaie … 😉

    Die 100 Dollar- und die 2 Dollar-Scheine sieht man nie. 50 Dollar sind gebraeuchlich, aber eher selten. Viele kleinere Geschaefte nehmen keine Scheine groesser als 20 Dollar an. Aber 1 Dollar-, 5 Dollar-, 10 Dollar- und 20 Dollar-Noten sind alle relativ haeufig. Es ist nicht so, dass, wuerde eine Frau auf den 10 Dollar-Schein gedruckt werden, niemand diesen Schein je sehen wuerde …

    Jackson war nicht nur ein Gegner der US-Zentralbank und des Papiergelds allgemein sondern auch ein Rassist, Sklavenhalter und Massenmörder, weswegen es mehr als überfällig ist, ihn aus dem Geldumlauf zu entfernen.

    Naja, George Washington (1 Dollar), Thomas Jefferson (2 Dollar), Andrew Jackson (20 Dollar), Ulysses Grant (50 Dollar) und Benjamin Franklin (100 Dollar) waren alle Sklavenhalter (Bei Alexander Hamilton (10 Dollar) ist es unklar). Mit dem Argument gaebe es noch viele Scheine aus dem Geldumlauf zu entfernen …

    Fiorina macht hier mit den Frauen […] was Carson mit den Schwarzen […] versuchte: das vorherrschende Narrativ ihrer Benachteiligung zu ändern und die Schuld hierfür der Gruppe selbst zuzuschreiben. […] Beide erklären, dass es keine Symbolpolitik brauche (während sie in der Reagan-Library vor der Air Force One stehen)

    Also die Air Force One steht da ja nicht auf ausdruecklichen Wunsch von Carly Fiorina, sondern das Buehnenbild hat der Sender arrangiert. Sollte man ihr also nicht zum Vorwurf machen. Auch kann ich nicht erkennen, dass Fiorina hier erklaert, dass Frauen selbst Schuld sind an ihrer benachteiligten Lage. Im Gegenteil. Und sie macht einen sehr, sehr wichtigen Punkt, naemlich dass all dieser Symbolkram voelliger Humbug ist. Keiner Frau wird es besser gehen, wenn statt Alexander Hamilton nun Rosa Parks auf dem 10 Dollar-Schein prangt. Sobald das aber passiert, wird der Kampf fuer Frauenrechte fuer anachronistisch erklaert werden mit dem Argument „Was wollte ihr denn jetzt noch? Ihr habt doch jetzt eure Anerkennung auf einem Dollar-Schein!“. Mit dem selben Argument ist der Feminismus auch in Deutschland fuer obsolet erklaert worden, denn immerhin haben wir ja jetzt eine weibliche Kanzlerin. Ich fuer meinen Teil wuerde Hamilton und Jackson auf ihren Scheinen belassen und stattdessen die oeffentliche Aufmerksamkeit von diesem Nebenkriegsschauplatz auf Gesetzesinitiativen lenken, die Frauen wirklich nuetzen (z.B. langfristig eine Angleichung der Gehaelter zwischen Frauen und Maennern erzwingen).

    Generell zeigen die Antworten auf diese Frage eine große Schwäche vieler Kandidaten der Republicans auf: der Ruf der GOP, eher frauenfeindlich zu sein und in Fragen der Bürgerrechte sogar regressiv wird von der Hälfte der Kandidaten eher unterstützt. Völlig indiskutabel sind Huckabee und Carson, die beide nachdrücklich beweisen, wie ungeeignet sie jenseits der Basis der radikalen Republicans als Präsidentschaftskandidaten sind und sich als Vertreter der ganzen Nation völlig disqualifizieren. Auch der Versuch, Rosa Parks als eine Konservative umzuschreiben läuft bereits seit längerer Zeit und hat bisher wenig Erfolg gezeigt, bietet aber immerhin eine sichere Bank, um diese zentralen Bevölkerungsgruppen nicht noch weiter abzustoßen. Wenn die Republicans es nicht schaffen, hier ihre message zu verändern – und natürlich auf dem Feld der Einwanderung und dem Umgang mit den Illegalen Einwanderen – werden sie keine Chance haben, das Weiße Haus im November 2016 zu erobern. Bis dahin ist natürlich noch über ein Jahr Zeit, in dem Botschaften angepasst und Images aufpoliert werden können.

    Ich glaub Du bist da auf dem voellig falschen Schlachtfeld. Falls sich die Republikaner nicht komplett aufloesen und mit 180 Grad verdrehten, neuen Ansichten neugruenden wollen, koennen sie Frauen, Studenten, junge Waehler, Latinos und Schwarze als Waehler bereits abschreiben. Wenn sie dennoch die Wahl gewinnen wollen, muessen sie noch groessere Mehrheiten bei weissen Maennern holen. Das heisst bei der naechsten Wahl muss aus deren Sicht Ohio und Florida auf jeden Fall mehrheitlich republikanisch waehlen. Da hat Romney wegen seinen Ansichten zur Rettung der Autoindustrie (Ohio) und einem Hurrikan, der die Ostkueste verwuestete (Florida) bei der letzten Wahl eklatant verloren. Wer auch immer die Nominierung kriegt, wird versuchen muessen diese beiden Staaten zurueckzuholen. Rubio und Bush wuerde Florida relativ leicht zufallen, und Kasich Ohio. Der Wahlkampf wird dabei genauso frauen- und fremdenfeindlich gefuehrt werden wie beim letzten Mal, in der Hoffnung genug weisse Maenner zu ueberzeugen, die Zukunftsangst haben in einem sich rapide veraendernden Amerika. Deshalb ist Deine Fixierung auf die Ansichten der Kandidaten zum „Thema Frauen“ leider voellig irrelevant fuer den Wahlkampf. Leuten, denen Frauenrechte wichtig sind, waehlen Democrats (und Hillary Clinton im Besonderen).

    • Stefan Sasse 18. September 2015, 11:55

      1) Die Nutzungsgrade der Scheine habe ich von den entsprechenden Kommentatoren in den USA und den Initiatoren der Kampagne für den Zwanziger; ich habe leider keine eigenen Erfahrungen. Scheinbar hat der 20er größeres Prestige als der 10er.
      2) Jackson war neben Sklavenhalter halt auch noch Kriegsverbrecher, krasser Rassist und nutzte äußerst fragwürdige politische Methoden. Der ist wirklich kein Vorbild.
      3) Klar kann Fiorina nichts für das Bühnenbild, das war Polemik. 🙂 Aber ich denke du bist bei Symbolpolitik auf dem falschen Dampfer. Klar verbessert sich die Lage von Frauen nicht, wenn eine von ihnen auf einen Geldschein kommt, aber so etwas kann awareness für ein Problem schaffen, was dann wiederum substantielle Initiativen erst ermöglicht. Man sollte das nicht unterschätzen.
      4) Ich stimme dir zu, denke aber dass du einen Faktor vergisst. Die meisten Frauen siedeln Frauenrechte, die meisten Schwarzen Gleichberechtigungsthemen nicht als oberste Priorität an. Das ist normal. Die jeweiligen Aktivisten sind klar Democrats. Aber: die Republicans müssen aufpassen, dass sie einen halbwegs neutralen Standpunkt erhalten. Nichts FÜR Frauen zu tun ist ok, solange du auch nicht wirkst, als würdest du GEGEN sie arbeiten. Wenn die Partei aber – wie bei den Schwarzen und zunehmend auch den Latinos – das Image hat, GEGEN die entsprechende Gruppe zu sein schieben sie Unentschlossene oder sogar Sympathisanten (Latinos sind im Schnitt eigentlich eher konservativ) ins Lager der Gegner.

      • Ralf 18. September 2015, 17:16

        Die Nutzungsgrade der Scheine habe ich von den entsprechenden Kommentatoren in den USA und den Initiatoren der Kampagne für den Zwanziger; ich habe leider keine eigenen Erfahrungen. Scheinbar hat der 20er größeres Prestige als der 10er.

        Ich glaube es gibt vier mal mehr 20 Dollar-Scheine als 10 Dollar-Scheine. Aber 20 Dollar-Scheine sind extrem haeufig. Ein Viertel von „extrem haeufig“ ist immer noch ziemlich haeufig. 10 Dollar-Noten hat man laufend in der Tasche. Anders ist das etwa mit der 2 Dollar-Note, die in etwa so „besonders“ ist, wie frueher ein „5 Mark-Schein“. Sowas kriegt man vielleicht zwei, drei Mal im Jahr in die Hand.

        Jackson war neben Sklavenhalter halt auch noch Kriegsverbrecher, krasser Rassist

        Sind nicht alle Sklavenhalter Rassisten?

        Klar verbessert sich die Lage von Frauen nicht, wenn eine von ihnen auf einen Geldschein kommt, aber so etwas kann awareness für ein Problem schaffen, was dann wiederum substantielle Initiativen erst ermöglicht.

        Sehe ich komplett anders. Eine Frau auf einen Schein zu drucken, wuerde keine Debatte um Frauenrechte beginnen, sondern diese Debatte abrupt beenden. Mit einer rein symbolischen Aktion, von der kein Mensch profitiert, waere das Thema gegessen.

        In der Oeffentlichkeit halten sich Themen nunmal nicht lange. Zig Themen konkurrieren gleichzeitig um die Aufmerksamkeit der Leser und Zuschauer und wenn eine Loesung fuer ein Problem gefunden ist, dann wird zum naechsten Thema gewechselt. Ob diese Loesung langfristig nachhaltig ist, ob das Problem wirklich geloest ist, interessiert dann keinen mehr. Bei der Fluechtlingskrise z.B., die staendig in den Medien war, war die „Loesung“, dass Merkel die Grenzen geoeffnet hat. Seither ebbt das Thema merklich ab. In einem Monat wirst Du keinen Artikel mehr zu Fluechtlingen finden. Die Krise wird natuerlich trotzdem weitergehen und auch die Integration der ins Land Gekommenen hat noch garnicht begonnen. Das Problem ist absolut akut und wird akut fuer viele Jahre sein. Nur die Oeffentlichkeit wird sich nicht mehr dafuer interessieren. Mit Frauenrechten ist es genau das selbe. Eine Frau auf den 10 Dollar-Schein zu drucken, wird als „Loesung“ wahrgenommen werden („Die Politik tut was“, „Endlich bewegt sich was“). Danach wird das Interesse der Oeffentlichkeit an Frauenrechten abebben. Das Thema wird beendet sein. Auch in Zukunft werden Maenner dann deutlich mehr Scheine, in dem Fall mit Rosa Parks-Bild, in der Tasche halten als Frauen.

        Grundsaetzlich das Duemmste was eine Bewegung machen kann, ist sich mit daemlichem Symbolismus abspeisen zu lassen, anstatt die Aufmerksamkeit dorthin zu lenken, wo Abhilfe fuer ein Problem geschaffen werden kann.

        Aber: die Republicans müssen aufpassen, dass sie einen halbwegs neutralen Standpunkt erhalten. Nichts FÜR Frauen zu tun ist ok, solange du auch nicht wirkst, als würdest du GEGEN sie arbeiten. Wenn die Partei aber – wie bei den Schwarzen und zunehmend auch den Latinos – das Image hat, GEGEN die entsprechende Gruppe zu sein schieben sie Unentschlossene oder sogar Sympathisanten (Latinos sind im Schnitt eigentlich eher konservativ) ins Lager der Gegner.

        Den Republikanern bleibt garnichts anderes uebrig. Wenn sie die Stimmen der weissen, konservativen Maenner haben wollen, dann geht das nur ueber den Kurs von Frauen-, Schwulen- und Fremdenfeindlichkeit. Das sind nunmal die Themen, die diese Klientel hoeren will. Das sind die Themen, auf die man setzen muss, wenn man die Aengste dieser Schichten fuer den Wahlkampf ausnutzen will.

        • Stefan Sasse 18. September 2015, 17:47

          1) Stimmt natürlich. Wenn aber 1er und 20er die häufigsten sind, macht der 20er Sinn (wer will schon Washington kicken…). 🙂
          2) Natürlich sind alle Sklavenhalter Rassisten. Daher die Qualifikation „krasser Rassist“. Jackson war da schon selbst für Zeitgenossen auffällig.
          3) Ich stimme dir nach wie vor zu, dass es damit nicht getan sein kann. Und klar wird ein anderes Thema wichtiger, aber solange es bei den Leuten einmal registriert hat wird sich die vorherige, in der Symboldebatte gewonnene Bedeutung leichter wieder gewinnen lassen. Die Frauenbewegung hat hier ja auch mit eher symbolischen Mitteln begonnen und Stück für Stück echte Erfolge errungen.
          4) Ja, und das reicht schon alleine aus demographischen Gründen nicht. Die brauchen einen Spagat wenn sie gewinnen wollen. Ich meine, ich hoffe dass sie sich nur auf weiße Hetero-Männer begrenzen, weil sie dann verlieren, und das ist gut. 🙂

  • R.A. 18. September 2015, 07:27

    Eine erstklassige Analyse, vielen Dank.
    An solchen „Kleinigkeiten“ erkennt man den Charakter von Kandidaten oft viel besser als an offiziellen politischen Positionen, die sie ausführlich mit ihrem Team vorbereitet haben.
    Leider gibt es in den deutschen Medien fast keine Journalisten, die sich mit US-Politik wirklich auskennen und auf diesem Niveau analysieren könnten. Angesichts der Bedeutung der USA auch für uns ist das unfaßbar.

    • Stefan Sasse 18. September 2015, 11:56

      Ich bin da ein bisschen ein Nerd, was das angeht. Bin mir auch nicht sicher wie viele Leute das lesen wollen. Wenn ihr Interesse habt schreib ich öfter und ausführlicher über US-Politik und den Wahlkampf.

      • Ariane 18. September 2015, 13:36

        Ich finds auch ganz spannend, hab mein ganzes Wissen über US-Wahlkämpfe eigentlich nur von West Wing. ^^
        Angesichts der drögen Wahlkämpfe hier, bin ich aber immer wieder fasziniert davon, wie die Amerikaner das regeln 🙂

        • Stefan Sasse 18. September 2015, 17:48

          Ich freu mich immer wenn bei denen Wahlkampf ist, ich finde das immer total spannend 😀

          • Ralf 18. September 2015, 18:16

            Ich wuenschte ich koennte euren Enthusiasmus teilen. Leider finde ich den amerikanischen Wahlkampf erschreckend schlecht und peinlich. Am Abend nach der republikanischen Debatte habe ich z.B. einen kurzen Interview-Clip auf Facebook gesehen: 10 Minuten mit Jeremy Corbyn vor einem Kamin mit einem echten, nachfragenden Journalisten. Ich habe in diesen 10 Minuten mehr ueber ihn und Labour gelernt als ich ueber die amerikanischen Praesidentschaftskandidaten erfahren habe in drei Stunden republikanischer Debatte. Wo bitte liegt der Reiz sich stundenlang auswendig gelernte Statements anzuhoeren; sich anzuhoeren wie Kandidaten wieder und wieder nicht die gestellten Fragen beantworten; und sich anzuschauen wie erwachsene Maenner (und eine Frau) sich gegenseitig beschimpfen und beleidigen als waeren sie sechs Jahre alt und im Sandkasten? Was ist spannend daran, wenn es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch darum geht, wer die reichsten Spender, wer die meisten Freunde und Kumpels in Banken und Grosskonzernen hat? Wo ist der Reiz, wenn nur noch mit Sensationsgier und auf dem Ruecken von Minderheiten Wahlkampf gemacht wird? Wollt ihr wirklich solche Wahlkaempfe in Deutschland sehen?

            • Stefan Sasse 18. September 2015, 18:31

              Nein, aber sie aus der Ferne beobachten kann spannend sein ^^

            • Ariane 18. September 2015, 18:35

              Naja, Wahlkampf in den USA hat den Vorteil, dass es einen nicht direkt betrifft und man das auch leicht ausblenden kann, wenns zuviel wird. Ich schau auch nicht alle Debatten und freu mich, wenn ich hier oder woanders Zusammenfassungen lesen kann. Klar ists in den USA extrem, aber ich weiß nicht.
              Nehmen wir mal Deutschland als Gegenteil. Da gibts auch keinen großen Erkenntnisgewinn und auswendig gelernte Statements mit null Aussagekraft, ist also nicht so, dass da mehr bei rumkommt. Dazu kommt, dass die letzten Wahlkämpfe hier furchtbar öde sind, das finde ich genauso abschreckend wie nen totalen Zirkus um Nebensächlichkeiten. Ich wünsch mir ja schon Gabriel als Kanzlerkandidat, damits zumindestens nicht so langweilig wird, obwohl/weil er ne loose canon ist 😉
              Von daher würde ich auch nicht sagen, dass die deutschen Wahlkämpfe gehaltvoller sind, nur weil hier nicht so ein Zirkus veranstaltet wird. Mal abgesehen davon, dass durch die Vorwahlen eben schon die größten Minen abgeräumt werden und nicht wie in Deutschland mittendrin explodieren können.

              • Ralf 18. September 2015, 19:16

                Von daher würde ich auch nicht sagen, dass die deutschen Wahlkämpfe gehaltvoller sind, nur weil hier nicht so ein Zirkus veranstaltet wird.

                Der Wahlkampf in Deutschland wird zwar auch immer staerker personalisiert, ist aber noch bei Weitem nicht so extrem auf eine einzige Person fixiert wie der amerikanische. Im Deutschen Wahlkampf gehen die Politiker wenigstens noch respektvoll miteinander um. Direkte ueble Beleidigungen gelten als schlechter Stil. Ein inhaltlicher Null-Kandidat wie Trump waere dazu in Deutschland nicht moeglich. Die deutschen Medien bekleckern sich zwar wirklich nicht mit Ruhm in ihrer Wahlberichterstattung, aber dass jemand in drei Stunden Debatte nicht eine einzige konkrete Frage zu seinem Programm beantworten muss, waere bei uns undenkbar. Auch der politische Extremismus und Radikalismus ist in Deutschland in dieser Art nicht salonfaehig. Kein einziger republikanischer Kandidat koennte in Deutschland politisch ueberleben. Es waere undenkbar, dass ein Kandidat fuer’s Kanzleramt auf grosser Buehne in Berlin Verschwoerungstheorien verbreitet ueber die globale Erderwaermung, erfundene Zusammenhaenge von Impfstoffen und Autismus oder ueber die Evolution. Kann sich irgendwer vorstellen, dass ein Kanzlerkandidat sich zur besten Sendezeit ins Fernsehen stellt und den deutschen Rechtsstaat per se als „juristische Tyrannei“ bezeichnet und das politisch ueberlebt? Dazu kommt, dass in Deutschland durchaus noch gerade in den kleineren Parteien viel diskutiert wird, etwa bei den Gruenen oder bei der LINKEN, wo noch nicht dieser Kadavergehorsam herrscht, wie in SPD und CDU. Aber selbst in der CDU wird noch manchmal debatiert – Wolfgang Bosbach ist in jeder zweiten Talkshow. Die SPD ist zugegebenermassen scheintot. Insgesamt aber finde ich den amerikanischen Wahlkampf erschreckend – erschreckend oberflaechlich; erschreckend respektlos; und erschreckend kompetenzlos. Und letztlich wohl auch erschreckend ueberfluessig, denn am Ende kaufen sich eine Handvoll Superreiche sowieso ihren Kandidaten und entscheiden damit die Wahl alleine.

                • Stefan Sasse 19. September 2015, 10:03

                  Während ich dir darin zustimme, welche Probleme du beschreibst, siehst du es glaube ich etwas zu einseitig. Bei den unterschiedlichen politischen Systemen in Deutschland und USA laufen die Wahlkämpfe, neben aller zusätzlichen kulturellen Unterschiede, natürlich anders ab. Die „ernsthaften“ Kandidaten, die nicht nur wegen der Hoffnung auf Publicity und eine Show bei Fox teilnehmen, beleidigen sich gewöhnlich auch nicht. Zudem werden Debatten und Berichterstattung für gewöhnlich substanzieller, sobald der ernsthafte Wahlkampf beginnt. Das Level auf dem wir gerade sind sortiert aus, ist gewissermaßen eine Feuerprobe für Kandidaten. Weder Rubio noch Bush noch Walker noch Paul sind bisher durch Beleidigungen aufgefallen, und sie sind die wirklich ernstzunehmenden Schwergewichte. Denke zurück an die Primaries 2007, wo Obama für den Kommentar gegenüber Hillary „you’re likeable enough“ viel Kritik einstecken musste, weil es so herablassend war. Das Niveau wird deutlich steigen, wenn die Clowns erst draußen sind.

                • Tim 21. September 2015, 10:05

                  @ Ralf
                  ist aber noch bei Weitem nicht so extrem auf eine einzige Person fixiert wie der amerikanische.
                  Bitte? Hast Du die CDU-Wahlkämpfe der letzten etwa 30 Jahre verpaßt? 🙂 Und wie inhaltlich waren denn die Wahlkämpfe in den 50ern und (frühen) 60ern tatsächlich?

                  Kein einziger republikanischer Kandidat koennte in Deutschland politisch ueberleben.
                  Das gilt ebenso für demokratische Kandidaten. Jeder demokratische Kandidat wäre in Deutschland ein Rechtsaußen.

  • Tim 18. September 2015, 07:51

    [off-topic]

    Mutter Teresa – eine „unangreifbare Ikone“? Sie hatte das Glück, in Indien zu arbeiten und dort carte blanche zu haben. In jedem westlichen Land wäre sie für ihre Taten ins Gefängnis gewandert.

    Für mich ein klarer Fall von pathologischem Gotteswahn.

    • In Dubio 18. September 2015, 08:57

      … was lediglich beweist, dass kein Mensch etwas wirklich für andere, sondern im wesentlichen für sich selbst tut. Selbst bei solchen Ikonen gilt dieses Motiv! Es wäre also gerade für Linke Zeit zu lernen und mit Begriffen wie „sozial engagiert“ vorsichtig umzugehen.

      • Stefan Sasse 18. September 2015, 11:57

        Ich halte diese Theorie immer noch für sehr fragwürdig. Sollen wir da ein Streitgespräch führen?

        • In Dubio 21. September 2015, 07:34

          Gerne!

    • Stefan Sasse 18. September 2015, 11:57

      Wir reden hier von Image, nicht von Realität.

Leave a Comment