Sollte man den Beamtenstatus von Lehrern abschaffen?

Angesichts des aktuellen Streiks von angestellten Lehrern in mehreren Bundesländern empfiehlt SpiegelOnline, den Beamtenstatus komplett abzuschaffen: „Trotzdem wäre es falsch, reflexhaft am Schulbeamtentum festzuhalten. Die finanzielle Bürde durch verbeamtete Lehrer und die Frage einer gerechten Bezahlung der angestellten Lehrer sind wichtiger. Denn gerade wenn nicht mehr das Berufsbeamtentum lockt, muss der Lehrerberuf attraktiv bleiben – auch beim Gehalt.“ Befürchtet wird im Artikel außerdem die Schaffung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer. Nur: die ist schon längst da.

Bereits jetzt werden selbst in Ländern wie Baden-Württemberg, die ihre Lehrer eigentlich noch verbeamten, viele Lehrer einige Jahre angestellt, stets befristet, exklusive der Sommerferien (wo dann ALG beantragt werden muss), am besten das Deputat auf mehrere Schulen verteilt und jedes Jahr erneut die Unsicherheit, ob man im September wieder einen Job bekommt, wo und mit wie viel Stunden.  Junge Lehrer steigen zu wesentlich schlechteren Konditionen ein als ihre älteren Kollegen, und ihre Pensionen wurden bereits massiv gekürzt. Das Zwei-Klassen-System ist bereits massiv da.

Die Abschaffung des Beamtenstatus für Lehrer kann nur zwei Folgen haben: entweder sinken die Gehälter aller Lehrer massiv, oder es kommen erhebliche Mehrkosten auf den Staat zu. Das klingt erst einmal nicht sonderlich intuitiv: wie der Spiegel rechnen die meisten Leute die Pensionen der Lehrer hoch und stellen einen großen Kostenfaktor fest. Und das ist ja auch wahr: die Renten der Beamten laufen nicht über die Rentenkasse, sondern über die Steuerzahler. Gleichzeitig sind Beamte aber auch vergleichsweise kostengünstig. Sind wir ehrlich – wären sie das nicht, hätten längst alle Bundesländer sie abgeschafft.

Die Erklärung für das seltsame Phänomen lässt sich ziemlich einfach aus einer Betrachtung der Gehälter herleiten, die uns auch wieder zu der eingangs aufgestellten Dichothomie bringt, entweder die Gehälter massiv zu kürzen oder eben gerade nicht zu sparen. Berlin und andere Bundesländer haben sich für eine massive Gehaltskürzung entschieden. Konkret: um als angestellter Lehrer dasselbe Netto vom Brutto zu haben wie verbeamtete Lehrer, muss das Jahresgehalt rund 76.000 Euro brutto betragen. Unrealistisch? Aber sicher. Aktuell verdienen angestellte Lehrer rund 49.000 Euro im Jahr, brutto. Ich kann das aus der Erfahrung meines eigenen Lohnzettels sagen: ein verbeamteter Kollege im selben Alter, mit demselben Familienstand und dem exakt selben Job verdient pro Monat 800 Euro netto mehr als ich. Netto. Pro Monat.

Wer jetzt einwendet, dass das eine Milchmädchenrechnung ist, weil in das Angestelltengehalt die Gesetzliche Krankenversicherung einfließt während der verbeamtete Lehrer das von seinem Netto noch bezahlen muss liegt natürlich richtig. Mein hypothetischer verbeamteter Kollege rutscht damit auf „nur“ noch 500 netto im Monat mehr. Zusätzlich dazu ist er unkündbar und hat eine wesentlich höhere Pension. Oh, und er ist privat versichert, seine Bezüge steigen automatisch und höher als die der Angestellten und er bekommt umfrangreiche Zulagen für die Familie.

Deswegen kann ich über den Vorschlag von SpiegelOnline nur lachen. Der Lehrerberuf muss attraktiv bleiben, auch beim Gehalt? Sieht irgendjemand ein Bundesland wie Baden-Württemberg, das rund 120.000 verbeamtete Lehrer hat, diese auf 76.000-Euro-Angestelltenveträge umstellen (wohlgemerkt: Einstiegsgehalt)? Allein die Vorstellung ist lächerlich. Selbstverständlich würde bei einer Abschaffung des Beamtenstatus‘ das Gehalt auf das Niveau der bisherigen Tariftabelle des Öffentlichen Dienstes abrutschen.

Da helfen auch die üblichen Klischees nicht weiter. Manche Lehrer machen den Job nur wegen der Bezüge/der Ferien/der Rente, nicht alle Lehrer sind top, man kann sie nur schwierig feuern, und so weiter und so fort – stimmt natürlich alles. Wie überall gibt es auch bei den Lehrern schwarze Schafe, gibt es Leute, die ihren Job weniger gut machen als andere, gibt es Leute, die mit zunehmenden Alter eher in den Schonmodus gehen und die Tage bis zur Rente vom Kalender abreißen. Aber die gibt es überall, und die würde man auch mit Angestelltenverträgen nicht loswerden. Klar kann man solche Leute dann theoretisch feuern, aber in der Realität passiert das bei der „Dienst-nach-Vorschrift“-Fraktion auch in der freien Wirtschaft selten, wenn nicht gerade Umstrukturierungsmaßnahmen anstehen (die im Bildungssektor nicht gerade häufig sind). Dieses Argument kann daher eigentlich nicht ernstgenommen werden.

Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass das im Interesse der Sanierung der Haushalte ein notwendiger Schritt ist. Alle anderen müssen ja auch bluten, warum also nicht auch die Lehrer? Und klar, das kann man so schon machen. Dsa wird mit Sicherheit Wunder für die Attraktivität des Lehrerberufs wirken. Und während die armen Schweine, die Geistes- oder Sprachwissenschaften studiert haben auch weiterhin wenig andere seriöse Karrieremöglichkeiten haben, dürfte der Mangel in den MINT-Fächern nur umso größer werden. Der ließe sich dann nur beseitigen, wenn man genau die Lehrerzimmerzweiklassengesellschaft wieder einführt, die man gerade noch zu beseitigen angetreten war. Letztlich wäre es für alle vernünftiger, den Irrweg der vergangenen Jahre zurückzudrehen und endlich wieder normale Berufsbeamte aus den Lehrern zu machen.

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  • Ralf 3. März 2015, 01:06

    Hmmm … Ich moechte Dir garnicht widersprechen, dass es traurig ist, zu welchen Bedingungen nicht-verbeamtete Lehrer heutzutage arbeiten muessen. Das mit dem ALG beantragen in den Sommerferien wusste ich garnicht. Beim Lesen bin ich fast vom Stuhl gefallen. Trotzdem finde ich Deine Argumentation greift hier zu kurz. Der Beamtenstatus geraet hier im Text komplett zur Kostenfrage. Tatsaechlich begruendet sich der Status aber aus besonderen Rechten und Pflichten des Beamten. Und ich finde es wenig einleuchtend, dass Lehrer eines „besonderen Schutzes“ des Staates beduerfen oder eine „besondere Treuepflicht“ dem Staat gegenueber haben sollten, die das Beamtenverhaeltnis ausdrueckt. Es klingt aus meiner Sicht absurd, dass eine Kostenersparnis ausreichen soll, um eine Beamtenstelle zu begruenden. Mit dem Argument koennten wir morgen dann auch Krankenschwestern zu Beamten ernennen. Nein, ich finde hier muessen wir als Gesellschaft aufwachen und wenn noetig mehr Steuern zahlen, damit die, die hart fuer uns alle arbeiten, auch ein anstaendiges Auskommen haben.

    • Stefan Sasse 3. März 2015, 16:53

      Na, die Idee ist nicht ganz so verkehrt. Der Beamtenstatus verpflichtet Lehrer etwa zur Verfassungstreue (was heißt, dass sie vor den Schülern stets die FGO verteidigen müssen) und andererseits zur weltanschaulichen Neutralität. In einer Bildungseinrichtung ist das nicht verkehrt.
      Grundsätzlich hänge ich aber nicht am Beamtenstatus (mir eh egal, ich bin ja keiner^^). Ich sag nur, dass es völlig unrealistisch ist zu glauben, dass eine Umwandlung zu Angestellten auch nur annähernd ähnliche Gehaltsniveaus ergeben würde. Das sieht man im Osten ja nur zu gut.

    • Claudia Bitter 11. Februar 2017, 07:16

      Lehrer müssen keine Beamten sein. Sie geben ihre Meinungen und Auffassungen immer an Schüler weiter und funktionieren im Ernstfall, siehe Hitlerdeutschland, auch für eine Diktatur. Beamte sind ein Relikt vergangener Zeiten und sichern nur bestimmten Menschen Vorrechte.
      Da aber die Personen, die in Deutschland an den Hebeln der Macht sitzen Beamte sind, bleibt die Abschaffung des Beamtentums ein Wunschtraum.

  • sesso 4. März 2015, 08:48

    also ich kann grds. verstehen, dass verbeamtete lehrer ihren beamtenstatus erhalten wollen…und zwar nur aus monetären gründen (was aber auch absolut verständlich ist)… ich finde ralfs anmerkung, dass ja grds. auch ärzte oder krankenschwestern zu verbeamten wären daher sehr zutreffend.

    es ist schlicht weg unnötig, dass lehrer verbeamtet sind. verfassungtreue hin oder her. da ist grds. jeder angestellte oder arbeiter im ÖD zu verpflichtet…auch ohne treueschwur auf die verfassung.

    ich kann aber nachvollziehen und finde die angst daher grds. berechtigt, dass durch wegfall des beamtenstatus eine lohnsenkung folgen würde (mit der unsäglichen unart, dass man für die sommerferien „entlassen“ wird).

    wenn es allein das verhindert, sollte natürlcih der beamtenstatus erhalten bleiben. als ob es keine dringenderen probleme im bildungssektor gibt. solange dass ländersache bleibt (ich gehe davon aus, dass die lehrerverbeamtung das ist), wird es immer diesen konkurrenzkampf um die besten köpfe geben. und natürlich würde ich auch eine verbeamtung einem angestelltenverhöältnis vorziehen, wenn es dazu auch fast schon prekär ist…

    keep on fightin`

    • Stefan Sasse 4. März 2015, 14:26

      Klar. Ich sag ja nur, es ist nicht völlig abwegig. Notwendig ist es nicht.

  • In Dubio 5. März 2015, 10:19

    Ohne jemanden zu nahe treten zu wollen: das ist Jammern auf hohem Niveau. Lehrer sind die Berufsgruppe, die am frühesten aus dem Erwerbsleben ausscheidet, obwohl die Berufsanfänger relativ als sind. Es ist die Berufsgruppe, die von jenen jenseits des deutschen Durchschnittslohns relativ komode Arbeitszeiten hat. Es ist die Berufsgruppe, die ein vergleichsweise schlechtes öffentliches Image hat, weil nach Ansicht jener, die Erfahrung mit denjenigen Amtsträgern gemacht haben, zu viele in dem Beruf eine Tätigkeit ausüben, für die sie nicht geeignet sind.

    Soweit ich weiß, ist jeder Bürger zur Verfassungstreue verpflichtet. Und längst gibt es in jedem besseren Unternehmen umfangreiche Verhaltenskataloge, die nicht nur das rechtlich ordentliche Verhalten abbilden, sondern den angemessenen ethischen und moralischen Umgang beschreiben (Compliance). Was für handelsübliche Unternehmen gilt, sollte doch auch für Staatsbedienstete keine Überforderung sein, die dazu monetär vergütet gehört, oder?

    Der Bruder der besten Freundin meiner Frau hat nach der Schule eine Lehrerausbildung begonnen, Sport und Geschichte. Mit 35 wurde er fertig. Bei seiner ersten Anstellung musste ihn sein Vater nach 3 Tagen abholen, weil er mit dem Kulturschock Schüler nicht fertig wurde und einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Anschließend hangelte er sich von befristeter Beschäftigung zur Befristung. Als er mit Anfang 40 zweimal Vater geworden war, erbarmte sich ein alter Rektor in seiner letzten Amtshandlung, und verbeamtete den gefallenen Akademiker aus sozialen Gründen. Ein Gewinn für das Schulwesen? Eher nicht. Solche skandalösen Vorgänge wird es geben, so lange es das Berufsbeamtentum für Lehrer gibt. Also abschaffen!

    Einkommen sind ungerecht, es wird immer jemanden geben, der mehr als man selber verdient. Wenn das mal in die deutschen Köpfe reingeht, wäre viel gewonnen. In einer Welt, wo so viele Menschen sich Wohlstand erarbeiten wollen und trotzdem in gesättigten Verhältnissen leben wollen, wird der Großteil stagnieren. Und genauso wie Aufstieg gehört auch einkommensmäßiger Abstieg zu den Risiken des Lebens, die kein Gesetzesparagraf verhindern kann.

    • Stefan Sasse 5. März 2015, 14:38

      Klar verdienen Lehrer nicht schlecht. Angesichts ihres Qualifizierungsgrades ist das aber angemessen.

      Und die Verfassungstreue, die von Beamten verlangt wird, geht schon über das übliche Maß hinaus (und nein, als Bürger musst du nicht verfassungstreu sein). Versuche, die bestehende Ordnung zu ändern – und das auf dem Niveau der LINKEn oder der NPD, die verfassungsrechtlich noch im Rahmen sind – etwa sind verboten. Zudem sind Beamte zur Neutralität verpflichtet und haben ein eingeschränktes Demonstrations- und Meinungsfreiheitsrecht. Sie stellen ihre Arbeitskraft zudem VOLLSTÄNDIG dem Staat zur Verfügung, und nicht nur für einen vereinbarten Rahmen. Das hat auch eine ganze Reihe von Vorteilen, die der Staat auch nur zu gerne für sich in Anspruch nimmt. Hast du mal angeschaut, wie viele unbezahlte Überstunden die Lehrer inzwischen angehäuft haben („Bugwellenstunden“)? Schau mal etwa hier: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CC0QFjAC&url=https%3A%2F%2Fwww.gew-bw.de%2FBinaries%2FBinary_30761%2FBS_Info_2013_04.pdf&ei=gmn4VOLZONPQ7AaA_4D4BA&usg=AFQjCNFEQirnqUupbtb9Lk4rJgPweoJ3pw&sig2=-6mXo-LUelWHWAKFY_eg4Q&bvm=bv.87519884,d.ZGU&cad=rja Das Beamtentum ist für den Staat kein schlechter Deal. Und erneut: ich hänge nicht am Beamtentum per se. Mein Argument ist nur dass es für beide Seiten Vorteile hat und dass daher kein Änderungsdruck besteht, besonders, da eine Angestelltenform in gleicher Leistungshöhe unrealistisch ist.

      Und dein Extrembeispiel ist genau das, was ich meine. Klar gibt es solche Idioten. Aber die Regel sind sie nicht. Und auch in der Freien Wirtschaft hast du genügend Vollidioten, die nur dank Papis Connections auf Posten kommen, in denen zu sein sie kein Recht haben. Das wirst du nie ganz loswerden. Dass das mehr als anekdotisch oder gar endemisch ist, dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte.

      Und klar ist das so. Nur gibt es in dem Fall keinen Grund für eine Änderung, denn der Wohlstand wird in dem Fall erarbeitet – und hart erarbeitet, denn deine „kommoden Arbeitszeiten“ sind eine Phantasmogaria.

      • In Dubio 5. März 2015, 15:36

        Na, jetzt kommen wir in die Debatte:

        Klar verdienen Lehrer nicht schlecht. Angesichts ihres Qualifizierungsgrades ist das aber angemessen.

        Eine sehr verbreitete, aber ökonomisch unsinnige Argumentation. Ich bezahle für das, was ich bekomme und nicht für das, was jemand könnte. Die Techniker von Samsung sind sicher nicht schlechter als die von Apple. Doch die Koreaner produzieren ein Smartphone, das ein Drittel des Preises eines iPhones ausmacht. Tendenziell würde ich also die amerikanischen Ingenieure besser bezahlen. Ich habe einen Mitarbeiter mit Abschluss Wirtschaftsingenieur, der meint, angesichts seiner Ausbildung sei er unterbezahlt, da er nur das erhält, was auch ein erfahrener Außendienstler ohne Studium erhält. Würde er sich ein paar Jahre einsetzen, seine Karriere mit Strategie und Engagement pushen, könnte er tatsächlich auf ein Level kommen, das ein höheres Gehalt rechtfertigt. Ausbildung alleine tut das nicht.

        Und die Verfassungstreue, die von Beamten verlangt wird, geht schon über das übliche Maß hinaus.

        Andere muss ich als Staat aber nicht beschäftigen. Als Kirche kann ich Arbeitnehmer zur Einhaltung der christlichen Normen verpflichten – trotzdem zahle ich ihnen weder mehr noch brauchen sie auf ihr Streikrecht zu verzichten. Man muss nur immer selber überlegen, wo man arbeitet: Passt es, die eigenen pekunären Ansprüche dadurch durchsetzen zu wollen, dass man andere schädigt? Die Frage geht nicht an Gewerkschafter…

        Zudem sind Beamte zur Neutralität verpflichtet und haben ein eingeschränktes Demonstrations- und Meinungsfreiheitsrecht.

        Und? Das hatte ich auch als Bundeswehrsoldat – nur halt nicht in Uniform. Und müssen nicht auch und gerade Soldaten besonders auf die Verfassung verpflichtet sein?!

        Hast du mal angeschaut, wie viele unbezahlte Überstunden die Lehrer inzwischen angehäuft haben (“Bugwellenstunden”)?

        Ich kann die vielen unbezahlten Überstunden nicht zählen, die ich in meiner über 20jährigen Karriere abgeleistet habe. Bis auf die ersten 4 Jahre stand in jedem meiner Verträge drin: „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten.“ Das sollte generell eine Selbstverständlichkeit sein, spätestens dann, wenn man überdurchschnittlich entgolten wird. Auch Unternehmen werden nicht dafür bezahlt, dass sie etwas tun, sondern ein Problem lösen. Wie lange das dauert, ist sekundär.

        Und auch in der Freien Wirtschaft hast du genügend Vollidioten, die nur dank Papis Connections auf Posten kommen, in denen zu sein sie kein Recht haben.

        Schöner Spruch. Ich habe in den 20 Jahren keinen kennengelernt, auf den das zutrifft. Was einfach Pech ist, weil ich in meiner Karriere sicher 60-80 Unternehmen kennengelernt (nicht allein gearbeitet) habe. Ich schätze, Du könntest auch keinen Unternehmensführer oder Vorstandsmitglied in Deutschland namentlich nennen.

        Leider hast Du die sehr substanziellen Kritikpunkte umschlängelt, z.B. die statistisch außerordentlich hohe Anzahl von Frühpensionierungen und die hohe Anzahl von Burnouts als Zeichen der psychischen Überforderung.

  • Stefan Sasse 5. März 2015, 17:34

    Mir ist der Punkt mit dem Gehalt unklar. Worauf willst du raus? Mein Argument ist ja gerade: hier wird eine Leistung erbracht, die eine sehr hohe Qualifzierung erfordert. Entsprechend ist die Bezahlung angemessen.

    Ich erklär mit dem Punkt der Verfassungstreue ja auch nur die Begründung des Beamtenstatus. Nochmal: wegen mir brauchen wir den nicht. Klar kann der Staat auch so passende Leute einstellen. Nur muss halt dann das Gehalt auch stimmen – und die Aussicht darauf ist extrem unrealistisch. Und wo schädigen die Ansprüche wen?

    Ich wollte mit den Überstunden auch nur deutlich machen, dass du eben nicht der einzige bist, der welche ableistet. Ich versuche damit, gerade deine Argumentation zu stützen: Lehrer werden überdurchschnittlich bezahlt, weil sie überdurchschnittlich leisten. Nur kannst du eben solche Überstundenleistungen etc. nicht erwarten, wenn du scheiße bezahlst. Das ist mein Punkt.

    Wir müssen ja auch nicht gleich in die Chefetagen. Kuschelige Pöstchen kann ich überall einbauen. Was würden wir denn sonst mit unseren Politikern machen?

    Bezüglich Burnout: zumindest 2011 waren die Frühpensionierungen auf einem Rekordtief von 19% (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2013/01/PD13_041_742pdf.pdf;jsessionid=105DF1885F0526E13D5F549E7D4BC2DC.cae1?__blob=publicationFile). In der normalen Rente geht ein Drittel vorzeitig in Ruhestand (http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/anteil-der-fruehrentner-in-deutschland-gesunken-13326193.html), was übrigens auch ein Rekordtief ist. Scheint mir mehr Mythos als Fakt zu sein, so von einem kurzen Zahlengoogeln.

    • In Dubio 5. März 2015, 18:33

      Mir ist der Punkt mit dem Gehalt unklar. Worauf willst du raus? Mein Argument ist ja gerade: hier wird eine Leistung erbracht, die eine sehr hohe Qualifizierung erfordert. Entsprechend ist die Bezahlung angemessen.

      Wer entscheidet das? Das mittlere Einkommen in meinem Unternehmen liegt bei so 4.200 – 4.500 EUR p.m. Das erhalten Leute, die bestenfalls Realschulabschluss haben (Du kannst Dir vielleicht jetzt denken, welche Branche: Metall- und Elektroindustrie). Weil sie besonders gebildet oder eine extrem hohe Qualifikation haben? Iwo.

      Bei Lehrern ist der Staat Preissetzer (so nennen das Ökonomen). Im Erzieherwesen wie im Gesundheitssektor auch. Der Staat hat noch nie besonders hohe Gehälter rausgehauen, weil für ihn andere Kriterien im Vordergrund stehen, z.B. hohe Anzahl an Beschäftigten oder Gleichförmigkeit der Bezahlung. Der Staat deckt hier über 90% der angebotenen Stellen ab. Ein Monopolist aber setzt den Preis, er verhandelt nicht darüber. Was also angemessen für einen Lehrer ist, das bestimmen (nicht verhandeln) die Länder. Und wenn ich nur einen Gegenüber habe, mit dem ich über Gehalt „verhandeln“ kann, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn er meinen Preis bestimmt. Das war übrigens immer ein wichtiger Grund, weshalb der Staat für mich niemals als Arbeit- oder Auftraggeber in Frage käme.

      Und wo schädigen die Ansprüche wen?

      Sowohl die Lufthansa- als auch die Bahnbediensteten verursachen nicht nur ihrem Unternehmen, sondern auch ihre Kunden (also jene, die sie bezahlen) und der Gesellschaft einen hohen finanziellen als auch nicht-monetären Schaden zu. Wenn ich mit meinen Kunden oder Lieferanten über Preise rede, dann passiert das nicht nach der Methode: ich hau‘ Dir erst mal eine rüber („Warnstreik“), damit Du weißt, dass ich wichtig bin.“ Das Ziel beider Parteien ist immer eine Einigung. Der Kunde will an mich wenig bezahlen und ich will wenig an die Lieferanten abdrücken. Allerdings kann ich ohne beide auch nicht. Dazu müssen nicht erst prophylaktisch die Vertragsbeziehungen zeitweise eingestellt werden. Das ist Kindergarten. Und viele Gewerkschaftsmitglieder sind aus dieser Zeit unisono nicht herausgekommen.

      Was würden wir denn sonst mit unseren Politikern machen?

      Wieviele solcher Posten gibt es? Bei der Bahn, bei kommunalen Stromanbietern. Nur, das sind alles staatliche Monopolisten. Ich rede aber von echten Märkten! Und dort kann man sich das heute nicht mehr leisten.

      Scheint mir mehr Mythos als Fakt zu sein, so von einem kurzen Zahlengoogeln.

      Zumindest interessant. 😉

  • Stefan Sasse 5. März 2015, 18:54

    Klar, die Mechanik ist mir durchaus bewusst. Die Frage ist halt, ob du ein Schulwesen, das mühevoll effizient und modern reformiert hast, dadurch gefährden willst dass du den Preis für deine wichtigste Ressource arbiträr zu niedrig ansetzt. Das ist schon einmal passiert: als ich Abi gemacht habe (2004/2005) wurde in BaWü die Deputatsstundenzahl für Gymnasium von 24 auf 25 gesetzt. Die Lehrer haben daraufhin als Protest ihre freiwilligen Zusatzsachen – Studienfahrten, Übernachtungen, etc. – massiv zusammengestrichen. Erst eine neue Generation von Lehrern, die nichts anderes gewohnt ist und generell keine gute Verhandlungsposition hat macht da wieder mehr, aber immer noch nicht auf dem früheren Niveau. Den Verlust haben alle.

    Naja, das Streikwesen der BRD hat sich zur Reduzierung der tatsächlichen Streiks doch bewährt. In Deutschland hast du im internationalen Vergleich lächerlich wenig Streiks, gerade, weil häufig das ritualisierte Warnstreiken reicht.

    Naja, das stimmt so nicht. Schröder, Fischer, Clement, Koch sind alle zur Privaten, just out the top of my head.

    Ich habe nicht genauer recherchiert. Würde mich aber nicht überraschen. Solche Sachen stellen sich meistens als Narrativ raus 😉

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