Wulff absichtlich missverstehen

Anlässlich der Buchveröffentlichung Wulffs, in der dieser versucht, sein Image für die Nachwelt zu retten, läuft das Netz über vor hämischen Kommentaren. Die Leitmedien werfen ihm vor, keine Selbstkritik zu üben, worauf hauptsächlich der Glashaus-Spruch anzuwenden ist, während sich über Twitter eine Welle von hämischen Kommentaren zum Thema „Ganz unten mit 200.000 Euro“ ergoss. Einfach noch mal zur Klarstellung: selbstverständlich spricht Wulff mit „Ganz oben, ganz unten“ nicht von der Kohle. Das wäre in beide Richtungen albern, denn mit den 200.000 im Jahr dürfte er in der Liga „Ganz oben“ nur ausgelacht werden. „Ganz unten“ ist er logischerweise auch nicht. Er verharrt monetär viel mehr auf der Stelle. Der Buchtitel bezieht sich auf seinen Ruf, seinen sozialen Rang, und ist da auch zutreffend. Er war als Bundespräsident ganz oben, und er wurde durch eine Kampagne (ob berechtigt oder nicht ist ein anderes Thema) nach ganz unten befördert.

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  • In Dubio 11. Juni 2014, 10:35

    Widerspruch! Wulff hat sich allein selbst aus dem Amt des Bundespräsidenten gekegelt. Er formulierte Ansprüche, denen er selbst nicht gerecht wurde. Er zerlegte seine Finanzen, so dass er in permanenter Geldnot lebt. Und er legte sich ein Weibchen zu, das seinen Verhältnissen nicht gerecht wurde.

    Das bewertet nicht das juristische Verfahren, dem er ausgesetzt und das an Albernheit nicht zu überbieten war. Es bewertet nicht die Schäbigkeit, mit der mancher im politischen und medialen Zirkus über den Niedersachsen herzog. Doch politisch muss sich Christian Wulff schon an den höchsten Ansprüchen messen lassen, für die er zu leicht befunden wurde.

    • Stefan Sasse 11. Juni 2014, 11:14

      Wie gesagt, darüber kann man debattieren. Aber der Buchtitel passt.

      • In Dubio 12. Juni 2014, 07:31

        Es ist, wie bei seiner Ex-Frau, viel Selbstgerechtigkeit. Ja, Christian Wulff könnte heute noch Bundespräsident sein. Wenn er professionell agiert hätte. Davon scheint er jedoch nichts geschrieben zu haben.

        Persönlich kann ich viel mit ihm mitfühlen. Auch, dass er sich ganz unten wähnte. Das ist nicht allein, wie Ralf das tut, an Geld zu messen. Wulff konnte sich nicht irgendwo verstecken, die Häme über ihn, das Persönlichste, Intimste, seine Finanzen, konnte jeder jeden Tag in der Presse nachlesen. Das ist wirklich unten.

  • Robin S. 11. Juni 2014, 11:15

    Ich erkenne nicht den Widerspruch zu Stefan. Stattdessen möchte ich Dir widersprechen, und zwar dem Wort „allein”. Man kann über Wulffs Verfehlungen und wie diese zu bewerten sind durchaus streiten, dabei aber jeden Anteil der Medien zu leugnen ist unseriös.

  • Ralf 11. Juni 2014, 20:54

    Der Buchtitel bezieht sich auf seinen Ruf, seinen sozialen Rang, und ist da auch zutreffend. Er war als Bundespräsident ganz oben, und er wurde durch eine Kampagne (ob berechtigt oder nicht ist ein anderes Thema) nach ganz unten befördert.

    Was seinen Ruf angeht, stimme ich zu. Der ist wohl offensichtlich voellig ruiniert. Was den „sozialen Rang“ hingegen angeht, kann ich die Argumentation nicht nachvollziehen. Steht Wulff seinem „sozialen Rang nach“ wirklich „ganz unten“? Auf einer Stufe mit Obdachlosen oder Gefängnisinsassen? Ganz unten? Der Mann ist Bundespraesident a. D. und residiert in einem vom Steuerzahler finanzierten Büro. Gerade stellt er sein Buch vor, mit dem er voraussichtlich hervorragend verdienen wird. Anschliessend wird er beliebter Gast in den Talkshows sein. Sieht so „ganz unten“ aus?

  • Phil 12. Juni 2014, 07:23

    Steht Wulff seinem “sozialen Rang nach” wirklich “ganz unten”?

    Nuja, wenn man die heftige Medienkampagne sieht, die gegen ihn gefahren wurde, um den Liebligskandidaten von Springer AG doch noch in Amt und Würden zu hieven und dann der verzweifelte Versuch der StA, ihm vor Gericht etwas anzuhängen und fast jedes Detail im Vorfeld der Untersuchungen breitgetreten hat, dürfte nicht gerade seiner Reputation in der Bevölkerung gestärkt haben. Quasi wie ein Absturz eines ehemaligen Superstars.

    Aber vielleicht möchte er ja auch andeuten, dass diese Kampagne ihn psychisch sehr mitgenommen hat.

  • Ralf 12. Juni 2014, 15:39

    Aber vielleicht möchte er ja auch andeuten, dass diese Kampagne ihn psychisch sehr mitgenommen hat.

    Mir kommen die Traenen. Er hat sich das doch selbst ausgesucht. Wuerde er nach Ruhe und Frieden streben, haette er sich doch jetzt aus der Oeffentlichkeit zurueckziehen koennen. Aber er macht das Gegenteil. Er schreibt ein Buch, gibt oeffentliche Pressekonferenzen und Statements und draengt damit in gerade die Medien, die er angeblich verurteilt. Er macht also das, was er am besten kann: Seine Person zu Geld.

    • In Dubio 12. Juni 2014, 16:27

      Christian Wulff ist eine absolute Person der Zeitgeschichte. Er kann jederzeit überall fotografiert werden, über ihn berichtet werden, what so ever. Das ist unabhängig, ob er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht oder nicht. Äußert er sich nicht, nimmt er sich jedes Mittel, sein eigenes Bild mitzubestimmen.

      Der Hauptantrieb wird kaum Geld gewesen sein, solche Biographien verkaufen sich nicht gut, meist nur mit einer Auflage von unter 100.000. Da laufen die meisten Schundromane besser.

  • Ralf 12. Juni 2014, 17:12

    Das ist unabhängig, ob er sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht oder nicht.

    Das halte ich fuer ein Geruecht. Vergleichen Sie etwa mal Boris Becker und Steffi Graf. Letztere war die bei Weitem erfolgreichere Sportlerin, hatte die laengere Karriere, war extrem populaer und ist darueber hinaus auch noch mit einem Megastar verheiratet. Nach ihrem Karriereende hat sie aber aufgehoert sich in die Medien zu draengen und irgendwann hat sich die Presse damit abgefunden und sie ist aus der Oeffentlichkeit komplett verschwunden. Boris Becker hingegen hat verzweifelt versucht Teil der Oeffentlichkeit zu bleiben; mit Scheidung, Kurzbeziehungen, Besenkammersex, unehelichem Kind etc.. Und folglich ist er selber schuld wenn er ueberall nur noch als Witzfigur wahrgenommen wird. Fuer Wulff gilt aehnliches. Ich vermute wir sehen ihn bald im Dschungelcamp …

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