Zerstörung eines Narrativs

Das Wahlergebnis aus der Ukraine hat ein linkes Narrativ zerstört, das essenziell für die Verteidigung Russlands und die Kritik an der westlichen Diplomatie war: dass nämlich Kiew von rechtsextremen „Faschisten“ kontrolliert und die vorgestützten russischen Behauptungen von einer zu verhindernden Gefährdung der russischen Minderheit korrekt seien. Stattdessen regiert der status quo: ein Oligarch wurde gewählt, und vermutlich bleibt das Land der Selbstbedienungsladen seiner Eliten. Es steht zu hoffen, dass die LINKE ihre Irrlichterei in der Außenpolitik einstellt.

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  • roteweste 26. Mai 2014, 16:35

    Soweit ich weiß war das Narrativ doch vielmehr, dass der Westen vorwiegend mit Oligarchen und in politische Ämter gehieften Marionetten paktiert hat. Die Rechten waren doch bei dem Spiel stets die nützlichen Idioten (wie so oft), denen man halt hier und da mal nen Krümel hinwirft und die man natürlich deckt, wenn sie über die strenge schlagen. Die Regierung in Kiew bestand nie nur aus Faschisten. Diese wurden jedoch unterstützt und ins System eingebunden. Viel besser machst das auch nicht. Letzten Endes geht es doch wie so oft nur um Besitzansprüche, die Ideologie ist nur vorgeschoben.

    Hat den die Linke jemals was anderes behauptet, als das korrekte „Paktieren mit Faschisten“? (ich weiß es wirklich nicht!)

    • Stefan Sasse 26. Mai 2014, 17:38

      Naja, wenn ich an Steinmeiers Wutrede denke – da sieht man genau den Vorwurf, und gegen den wehrt er sich.

  • QuestionMark 26. Mai 2014, 17:07

    @roteweste
    Sasse irrlichtert mal wieder. Tatsächlich regieren in der Ukraine (genau wie auch bei uns) vermittels williger Marionetten die Reichen. Und was wir in den Massenmedien lesen ist weitestgehend die Propaganda der Reichen. Und was politisch in Europa umgesetzt werden soll dient vor allem …… den Reichen.

    • Stefan Sasse 26. Mai 2014, 17:38

      Dass in der Ukraine gerade ein Oligarch durch einen anderen ersetzt wurde steht aber exakt so oben auch – mir ging’s nur um die Rechten.

  • Ralf 26. Mai 2014, 21:00

    Dass in Kiew die Rechtsextremen (allein) regieren, ist nie das Narrativ der Linken gewesen, sondern das Narrativ von Putin. Die Kritik der Linken war, dass der Westen mit einer von Faschisten und gewaltbereiten Neonazis mitgetragenen Regierung kooperiert hat, um Russland eine strategische Niederlage zuzufuegen (also gezielter Eigennutz unter Inkaufnahme des sehr lebendigen Risikos eines blutigen Buergerkriegs). Und die Rechtsextremen haben ja auch laut auf sich aufmerksam gemacht und mit ihrem Sprachengesetz einen entscheidenden Beitrag zur Spaltung des Landes geleistet; eine Spaltung die ja gegenwaertig voranschreitet, auch wenn jetzt ein prowestlicher Oligarch auf dem Thron sitzt. Wieviel Macht hat der eigentlich im Osten der Ukraine?

  • Stefan Sasse 27. Mai 2014, 05:51

    Aber auch die Story vom Bürgerkrieg wegen der Unterstützung der Rechtsextremen hat sich doch.

  • Ralf 28. Mai 2014, 00:39

    Hmmm … Da kann ich Dir nicht folgen. Die prowestliche Regierung hat die Unterstuetzung der Rechtsextremen dringend gebraucht und genutzt und zwar aktiv sowohl waehrend der Phase des Putsches (da waren es insbesondere die Rechtsextremen, die den Umsturz mit Waffengewalt herbeigefuehrt haben) als auch anschliessend in der Regierung (, wo sich die Rechtsextremen insbesondere mittels des verabschiedeten Sprachgesetzes in Szene gesetzt haben). Die prowestliche Regierung ist aufrund ihres engen Paktes mit den ukrainischen Neonazis (und auch aufgrund ihrer sonstigen anti-russischen Politik, wie etwa dem Anstreben einer NATO-Mitgliedschaft etc.) also folgerichtig im Osten des Landes als russenfeindlich wahrgenommen worden. Widerstand und Feindseligkeit im russisch dominierten Osten waren deshalb absolut zu erwarten. Zu glauben die NATO wuerde in Donezk oder Luhansk mit offenen Armen empfangen, war immer voellig naiv gewesen. Die Frage war lediglich, ob es zu einem Buergerkrieg (wie in Jugoslawien), zu Terrorismus (wie in Irland) oder zu einer Situation, in der sich die erhitzen Gemueter langsam wieder beruhigen (wie in Mazedonien) kommt. Letzteres war eher unwahrscheinlich, da zu erwarten war, dass Russland seinen einzigen Trumpf ausspielen wuerde und eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine durch eine permanente Destabilisierung des Ostteils des Landes verhindern wuerde. Genau dazu ist es dann ja auch gekommen. Und dieser Prozess geht nach wie vor weiter.

    Die Story vom Buergerkrieg wegen der Unterstuetzung der Rechtsextremen ist also absolut lebendig und wird auch bis auf weiteres Gueltigkeit haben.

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