Nichts hinzuzufügen

Dass es daneben auch eine Ungleichheitsideologie gibt, wird von Sarrazin eher beiläufig erwähnt. Die naheliegende Schlussfolgerung aus beidem, dass „gleich/ungleich“ überhaupt kein gutes Begriffspaar für eine Gesellschaftsbeschreibung ist, sondern ein moralisches Passepartout, zieht er darum nicht. Entsprechend kann er in einem Satz die Abschaffung von Schulnoten, mehr Rampen für Rollstuhlfahrer, progressive Steuersätze und Frauenquoten als typische Forderungen von „Gleichheitsaposteln“ unterbringen. Zu unterscheiden, welche Gleichheitsforderungen offenkundig sinnvoll sind, welche völlig vergeblich und welche zu Recht umstritten, weshalb sie eine Frage politischer Willensbildung sind, fällt ihm an dieser Stelle nicht ein. Sarrazin glaubt letztlich, das alles lasse sich wissenschaftlich entscheiden – und weil die Wissenschaft auf Zahlen beruht und die meisten Zahlen ungleich sind, gibt es für ihn einen Vorrang des Ungleichen. Nur dass er eben alle Einwände dagegen seinerseits gleich behandelt.

– FAZ

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment