Netzneutralität vs Innovation

Das sagt der Wettbewerbsökonom Justus Haucap zur Netzneutralität:

„Der eine Kunde möchte vielleicht einen Tarif, in dem Videotelefonie prioritär behandelt wird, damit der flüssig telefonieren kann, ein anderer möchte lieber Emails ohne Verzögerungen versenden können. Was spricht dagegen dies zuzulassen? Durch eine gesetzlich festgeschriebene Netzneutralität würden Produkt- und Tarifinnovationen verhindert.“ (via INSM – ÖkonomenBlog.)

Der Staat, so Haucap weiter, sei dafür da, neuen Anbietern den Marktzugang zu garantieren und den Missbrauch von Marktmacht zu verhindern.

Update: Heute erschien auf ZEIT Online ein längeres Interview mit Prof Haucap zum gleichen Thema.

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  • Jan Falk 24. April 2013, 09:19

    Wobei mit „Tarifinnovationen“ dann die große Unübersichtlichkeit kommen wird, wie wir sie jetzt schon vom Mobilfunkmarkt kennen. Mit dem Schritt der Telekom geht außerdem wieder ein Stück Anonymität verloren und er passt überhaupt nicht zusammen mit neueren Entwicklungen des Cloudcomputing, WEB-TV usw. Nein, der Staat sollte den Providermarkt so durchregulieren, wie er es auch bei der Post oder beim Wasser tut. Netzneutralität verhindert nicht Innovationen, sie ermöglicht sie erst.

  • Marc 24. April 2013, 09:25

    In was für einer Welt leben diese Ökonomen? Gibt es da noch Pferdekutsche und so?
    Ich jedenfalls möchte ein Internet, in der ich nicht nachdenken muss, ob Videotelefonie ruckelt oder Emails verzögert versendet werden!1!!!! Ich habe keine Lust darauf, von irgendwelchen Produkt- und Tarif-„Inovationen“ gegängelt zu werden! Das Netz soll funktionieren, zuverlässig und schnell, und die Pakete nicht durch einen Produkt- und Tarifdschungel leiten.

  • Theophil 24. April 2013, 09:36

    Und das sollt ihr auch bekommen, aber dann müsst ihr auch dafür zahlen. Es wäre doch sehr überraschend, wenn es beim Internetzugang auf Dauer keine Preisdiskriminierung gäbe, wo doch das Nutzungsverhalten sich stark unterscheidet.

    Wie ich bei Stefans Artikel kommentiert habe: Ihr müsst euch mal fragen, ob eure Einstellungen zu progressiver Besteuerung von Vielverdienern und der progressiven Besteuerung von Internet-Vielnutzern konsistent sind. Bei Marc weiß ich es nicht, bei Jan weiß ich, dass sie es nicht sind.

    @Jan: Auch bei Post und Wasser zahlen Vielnutzer mehr und ich erinnere mich nicht, dass das unter den staatlichen Monopolen anders war.

    • Jan Falk 24. April 2013, 09:46

      Post und Wasser müssen aber in guter Qualität auch im letzten Kuhdorf ankommen. Und beim Wasser ist es ja auch nicht so, dass ab einer gewissen Menge einfach weniger aus dem Hahn kommt. Dass Vielnutzer ein bisschen mehr zahlen, darüber können wir reden (übrigens sollten dann diejenigen, die nur E-Mailen und ein bisschen surfen auch deutlich weniger zahlen. Derzeit scheint der günstigste Tarif der Telekom bei 30 Euro zu liegen!) Aber dieses Aufsplitten der Tarife auf verschiedene Inhalte, Modi und Kontingente macht einfach alles nur unnötig kompliziert und lästig.

      Ich stehe normalerweise ja der Netzpolitik-Community nicht besonders nahe und betrachte ihre Themen oft als #firstworldproblems, aber der Staat könnte tatsächlich ein bisschen mehr dafür tun, aus Deutschland einen guten IT-Standort zu machen. Die Entscheidung der Telekom geht in die falsche Richtung und gehört korrigiert. Peer Steinbrück hat sich da (edit: was den IT-Bereich generell angeht) mit seinen Reden auf der CeBit und dieser Next-Konferenz gestern ganz gut positioniert.

      • Kirkd 24. April 2013, 13:24

        Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass Wasser jedem in der gewünschten Menge zur Verfügung steht, weil er per Anschluss und Benutzungszwang zur Finanzierung der Verlegung einer Wasserleitung mit ausreichender Kapazität gezwungen wurde, und er auch für jeden Liter Wasser bezahlt. Übertragen auf das Internet bedeutet das, dass alle gezwungen sind, die Verlegung modernster Kabel mitzufinanzieren und danach für jedes Byte bezahlen. Also ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was Jan Falk gerade verteidigt.

        Die Post ist etwas anders, da nicht leitungsgebunden. Aber auch hier wird natürlich für jeden Brief bezahlt. Liefert die Post also 1000 Briefe in den bayerischen Wald, erhält sie auch tausendfaches Porto. Auch das hat mit einer Flatrate wenig zu tun.

    • Marc 24. April 2013, 11:26

      Herr Theophil,

      bitte??? die Preisdiskriminierung gibt es doch schon! Ein Anschluss mit größerer Bandbreite ist teurer als einer mit weniger Bandbreite! Es geht doch um etwas völlig anderes: ein Telekom-Byte soll billiger als ein Byte der Konkurrenz sein !1!!!! Und dafür gibt es keinen vernünftigen ökonomischen Grund! Es geht nicht um Knappheit, sondern Marktmacht. Nur verstehen sie das nicht, daher können sie die Problematik auch nicht erfassen.

      • Theophil 24. April 2013, 12:04

        Das sind zwei versch. Issues. Die Bevorzugung eigener Angebote finde ich nicht so akzeptabel wie die Begrenzung des Volumens prinzipiell. Es gibt eine Diskriminierung nach Bandbreite aber eben nicht nach der Intensität der Nutzung. Am Ende kostet aber die maximal nötige Leitungskapazität.

        Ansonsten gibt es keinen Grund hier irgendwem vorzuwerfen, er verstehe etwas nicht. Stimmt wahrscheinlich nicht.

        • Marc 24. April 2013, 13:09

          Das sind zwei versch. Issues. Die Bevorzugung eigener Angebote finde ich nicht so akzeptabel wie die Begrenzung des Volumens prinzipiell.

          Aber exakt das soll mit den neuen Telekom-Tarifen eingeführt werden! Siehe z.B. hier:
          https://netzpolitik.org/2013/deutsche-telekom-etabliert-2-klassen-netz-mit-datenschnellspur/

          Und wie gesagt, eine Diskriminierung nach Bandbreite gibt es schon und eine Knappheit herrscht auch nicht! Das ist alles nur eine Scheindiskussion. Der Knackpunkt ist und bleibt die massive Verletzung der Netzneutralität im Festnetz. Meinen Vorwurf erhalte ich daher aufrecht, weil er stimmt.

  • Jan Falk 24. April 2013, 10:07

    Bald siehts dann so aus, auf der Angebotsseite der Provider

    http://www.kosmopolito.org/wordpress/wp-content/uploads/2010/11/netneutrality.jpg

    • Theophil 24. April 2013, 10:11

      Deine Gegenargumentation beruht sehr darauf, dass der Wettbewerb schlecht läuft. DAS wäre natürlich ein Problem. Einfache Preismodelle sind auch Argumente im Wettbewerb. Siehe netflix vs Kabel-TV.

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